Neues aus dem Ausland am Freitag

Neues aus dem Ausland am Freitag

Jury: Behördenversagen trug zu Todesfällen bei Anschlag in London bei

LONDON: Nicht weitergegebene Informationen und fehlende Sicherheitsvorkehrungen: Das Versagen von Sicherheitsbehörden und die schlechte Organisation einer Konferenz haben nach Ansicht einer Untersuchungskommission zum Tod zweier Opfer bei einer Terrorattacke in London im November 2019 beigetragen. Zu diesem Schluss kam die Jury in einem Untersuchungsverfahren zu dem Fall, dessen Ergebnisse am Freitag vorgestellt wurden.

Der Angriff in der Fishmongers' Hall mit zwei Toten in der Londoner City hatte eine landesweite Debatte über die vorzeitige Haftentlassung von Schwerverbrechern in Großbritannien ausgelöst. Attentäter Usman Khan war unter anderem wegen Plänen für ein Terror-Trainingscamp in Pakistan im Jahr 2012 zu 16 Jahren Haft verurteilt worden, er wurde aber bereits 2018 unter Bewährungsauflagen auf freien Fuß gesetzt.

Obwohl er vom Inlandsgeheimdienst MI5 als gefährlich eingestuft wurde, durfte Khan im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms an einer Konferenz im Zentrum Londons teilnehmen. Die Einstufung war intern nicht weitergegeben worden. Während der Konferenz, bei der es keine Einlasskontrollen gab, stach er mit mehreren Messern wahllos auf Menschen ein und tötete dabei zwei junge Universitätsabsolventen. Andere Teilnehmer konnten ihn schließlich überwältigen, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Das Vorgehen der Polizei, die den bereits am Boden liegenden Attentäter erschoss, ist Gegenstand einer weiteren noch laufenden Untersuchung.


Überreste von 215 Kindern kanadischer Ureinwohner entdeckt

OTTAWA: Überreste von 215 Kindern kanadischer Ureinwohner sind auf einem Grundstück einer sogenannten Residential School in Kanada entdeckt worden. Sie seien bei Radar-Untersuchungen des Grundstücks in der Nähe der Stadt Kamloops im Westen Kanadas gefunden worden, teilte Rosanne Casimir, Chefin der dort lebenden Ureinwohner-Gruppe mit. «Unseres Wissens nach handelt es sich um nicht dokumentierte Todesfälle. Manche waren nur drei Jahre alt.»

An der Stelle war zwischen 1890 und 1969 die Residential School in Betrieb - eine Art Internat, von denen es in Kanada tausende gab und in die Kinder von Ureinwohnern gezwungen wurden. Ein vollständiger Bericht über die Funde werde folgen, kündigte Casimir an.

Die Nachricht breche sein Herz, teilte Premierminister Justin Trudeau am Freitag per Kurznachrichtendienst Twitter mit. «Es ist eine schmerzhafte Erinnerung an dieses dunkle und schamvolle Kapitel in der Geschichte unseres Landes.»

Trudeau hatte sich bei den indigenen Völkern des Landes entschuldigt und Kanada arbeitet an Aufarbeitung und Wiedergutmachung. Trotzdem gibt es immer noch Diskriminierung und Ungleichheit.


Mutmaßlicher Drach-Komplize an Deutschland ausgeliefert

KÖLN/FRANKFURT: Ein mutmaßlicher Komplize des früheren Reemtsma-Entführers und mutmaßlichen Räubers Thomas Drach ist laut einem Medienbericht aus den Niederlanden an die Kölner Behörden überstellt worden. Dies habe Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Samstagsausgabe) bestätigt, berichtete die Zeitung am Freitag. Demnach sitzt der 52-jährige Niederländer in der JVA Düsseldorf in Untersuchungshaft.

Drach soll mit Komplizen 2018 und 2019 drei Überfälle auf Geldtransporter in Köln und Frankfurt am Main begangen haben. Bei einem Überfall wurde ein Wachmann schwer verletzt. Drach war Ende Februar in Amsterdam festgenommen und vor gut zwei Wochen nach Deutschland überstellt worden. Ein mutmaßlicher Komplize war ebenfalls in Amsterdam festgenommen worden.

Laut dem Zeitungsbericht soll der Verdächtige beim Überfall am Flughafen Köln/Bonn im März 2019 den Fluchtwagen an den Tatort herangefahren und die erbeuteten Geldkassetten entgegengenommen haben. Bei der Tat in Frankfurt soll er das Fluchtauto bereitgestellt haben.


Syriens Machthaber Assad bedankt sich bei Wählern für «Revolution»

DAMASKUS: Nach seinem Sieg mit übergroßer Mehrheit bei der Präsidentschaftswahl hat sich Syriens Machthaber Baschar al-Assad bei seinem Volk bedankt. «Was geschehen ist (...), war im wahrsten Sinne des Wortes eine Revolution gegen den Terrorismus, den Verrat und den moralischen Verfall», sagte der 55-Jährige am Freitagabend in einer Fernsehansprache. Das Volk habe die «Eitelkeit» und den «Hochmut» seiner Feinde zerschlagen. Er sei zuversichtlich, dass die Syrer mit diesem «Kampfgeist» alle ihre Gegner besiegen könnten. Die Wahl habe deutlich gemacht, dass die Regeln in Syrien gemacht würden.

Assad war bei der Abstimmung am Mittwoch nach offiziellen Angaben mit 95,1 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt worden. Der autoritär herrschende Staatschef ist seit dem Jahr 2000 an der Macht. Für ihn beginnt jetzt seine insgesamt vierte Amtszeit. In Syrien herrscht seit mehr als zehn Jahren Bürgerkrieg.

Die syrische Opposition nannte die Wahl eine «Farce» und warf der Regierung vor, Stimmen gefälscht zu haben. Auch die Europäische Union und andere westliche Staaten erkennen das Ergebnis nicht an. Syriens Verbündete Russland und der Iran gratulierten Assad hingegen.


Gutachten: Johnson agierte «unklug» bei Luxus-Umbau von Dienstwohnung

LONDON: Der britische Premierminister Boris Johnson hat sich bei der Finanzierung der Renovierungsarbeiten in seiner Dienstwohnung in der Londoner Downing Street laut einem Untersuchungsbericht «unklug» verhalten - aber nicht gegen den Verhaltenskodex verstoßen. Der von der Regierung in Auftrag gegebene Bericht über die Erklärungen britischer Kabinettsmitglieder zu Interessenskonflikten wurde am Freitag veröffentlicht. Der Premier habe sich nicht darum gekümmert, wie die Renovierung bezahlt wird, urteilte Gutachter Christopher Geidt. Ein Interessenskonflikt oder ein Verstoß gegen die Vorschriften sei ihm aber nicht vorzuwerfen.

Der konservative Premier war vor einigen Wochen in Erklärungsnot geraten, weil die Kosten der Luxus-Renovierung wie auch deren Finanzierung vielen Briten übel aufgestoßen waren. Britische Regierungschefs dürfen jährlich bis zu 30.000 Pfund (35.000 Euro) an öffentlichen Geldern für Renovierungsarbeiten an ihrer Dienstwohnung beanspruchen. Im Falle Johnsons soll der Umbau aber Berichten zufolge bis zu 200.000 Pfund (rund 233.000 Euro) teuer gewesen sein. Johnson stand zudem unter dem Verdacht, Parteispenden für die Finanzierung eingesetzt zu haben, ohne dies als Zuwendung ordnungsgemäß anzugeben.

Völlig entlastet ist Johnson nach der internen Untersuchung nicht. Auch die Wahlkommission hat angekündigt, den Fall zu prüfen.

Johnson habe sich dazu entschieden, die Kosten über eine Stiftung zu finanzieren, erläuterte Gutachter Geidt. Doch erst nachdem die Arbeiten bereits liefen, sei erkannt worden, dass dies aus rechtlichen Gründen schwierig gewesen sei. Unterdessen seien Rechnungen angefallen, die teils von der Konservativen Partei, teils von dem als Stiftungsvorstand eingesetzten Lord Brownlow aus eigener Tasche bezahlt wurden. Davon habe der Premier aber erst erfahren, als Medien das Thema aufgriffen, so der Bericht weiter. Johnson habe die Kosten daraufhin umgehend selbst beglichen. Einen Vorwurf machte der Gutachter daher vor allem den Mitarbeitern des Politikers, die ihn über die Sitution im Dunkeln gelassen hätten.


US-Republikaner blockieren Aufklärungsgremium zu Kapitol-Attacke

WASHINGTON: Mehr als vier Monate nach der gewaltsamen Erstürmung des US-Kapitols haben die Republikaner im Senat die Einsetzung einer parteiübergreifenden Untersuchungskommission verhindert. Die große Mehrheit der republikanischen Senatoren stimmte am Donnerstag gegen ein solches Gremium. Das Repräsentantenhaus hatte die Einsetzung vergangene Woche mit der Mehrheit der Demokraten beschlossen. Im Senat haben die Demokraten zwar eine denkbar knappe Mehrheit, die Republikaner können jedoch aufgrund von Verfahrensregeln die meisten Vorhaben blockieren.

Anhänger des damaligen Präsidenten Donald Trump hatten am 6. Januar den Sitz des US-Kongresses in Washington erstürmt. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben, darunter ein Kapitol-Polizist. Trump musste sich wegen des Angriffs einem Amtsenthebungsverfahren stellen, weil er seine Anhänger zuvor in einer Rede aufgestachelt hatte. Am Ende des Verfahrens wurde der Republikaner jedoch freigesprochen. Die geplante Kommission sollte unter anderem das Recht haben, Zeugen vorzuladen und als geheim eingestufte Informationen anzufordern.

54 Senatoren stimmten am Donnerstag dafür, die Debatte über die Kommission abzuschließen und ein abschließendes Votum über deren Einsetzung zuzulassen - darunter auch sechs Republikaner. Um die Blockade aufzubrechen, wären aber 60 Stimmen nötig gewesen. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Chuck Schumer, hatte die Republikaner-Führung schon zuvor beschuldigt, die Aufarbeitung der Attacke zu sabotieren. Dahinter stehe der «schändliche» Wunsch, Trump zu schützen, kritisierte Schumer. Trump hatte seine Republikaner aufgerufen, gegen die Einrichtung des Gremiums zu stimmen.

Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, hatte bereits angedeutet, dass sie bei einer Blockade im Senat ein weniger robust ausgestattetes Untersuchungsgremium auf den Weg bringen werde, für das es keines eigenen Gesetzes bedürfte. Damit wäre die Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus ausreichend, der Senat könnte eine solche Untersuchung nicht blockieren.


Orban-Besuch in London: Johnson besorgt über Menschenrechte in Ungarn

LONDON: Bei einem Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban in London hat der britische Premier Boris Johnson nach Angaben seines Sprechers «erhebliche Besorgnis» über die Menschenrechtslage in Ungarn zum Ausdruck gebracht. Unter anderem sprach Johnson am Freitag die Themen Gleichberechtigung von Frauen und Männern, LGBT-Rechte, und Pressefreiheit an, wie der Regierungssitz Downing Street mitteilte. Auch mehrere außenpolitische Themen seien zur Sprache gekommen, darunter das Verhältnis zu Russland, Belarus und China.

Die beiden Regierungschefs berieten zudem über eine stärkere bilaterale Zusammenarbeit zwischen ihren Ländern, wie es weiter hieß. Ungarn übernimmt im Juli die Leitung der mittelosteuropäischen Visegrad-Gruppe, zu der auch Polen, Tschechien und die Slowakei gehören. Johnson freue sich darauf, mit der Gruppe künftig enger zusammenzuarbeiten.

Der Zeitpunkt des Orban-Besuchs nur wenige Monate nach dem endgültigen EU-Austritt Großbritanniens gilt als heikel. Nach dem irischen Premier Micheal Martin ist Orban erst der zweite Regierungschef eines EU-Mitgliedstaates, der seither in der Downing Street empfangen wurde. Der rechtsnationale Politiker hat sich in den vergangenen Jahren als scharfer Kritiker der EU-Institutionen profiliert. Von Seiten der EU steht er vor allem wegen des Abbaus von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in seinem Land in der Kritik.


Bauarbeiten bringen Ruinen von Teotihuacán in Gefahr

TEOTIHUACÁN: Ungenehmigte Bauarbeiten nahe Teotihuacán bringen die berühmte mexikanische Ruinenstätte in Gefahr. Wertvolle archäologische Zeugnisse seien bereits verändert worden, teilte das Kulturministerium in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) mit. Unterstützt von Nationalgarde und der Polizei hatten zuvor Vertreter des Ministeriums und des Nationalen Instituts für Anthropologie und Geschichte die Baustelle in der Ortschaft Oztoyahualco inspiziert.

Die «Stadt der Götter», 50 Kilometer nordöstlich von Mexiko-Stadt, gehört seit 1987 zum Weltkulturerbe der Unesco. Seit einigen Monaten werden auf zwei privaten Grundstücken am Rande der Hauptstätte aber innerhalb der Schutzzone Bauarbeiten durchgeführt. Medienberichten zufolge soll dort eine Vergnügungsstätte für Touristen entstehen.

Teotihuacán entwickelte sich zwischen 100 und 650 nach Christus zu einer der mächtigsten Städte des präkolumbischen Amerikas. In ihrer Blütezeit lebten mehr als 100.000 Einwohner in der Metropole. Aus noch immer nicht ganz geklärten Gründen wurde sie danach verlassen. Die Ruinenstadt ist vor allem wegen der imposanten Sonnen- und Mondpyramide sowie des Tempels des Gottes Quetzalcóatl ein beliebtes Touristenziel.

Obwohl schon zwei Bauverbote und eine Klage vorliegen, trafen die Inspektoren nun 60 Arbeiter auf der Parzelle an, wie es in der Mitteilung hieß. Das Gelände sei eingezäunt und es seien Fundamente gelegt worden. Nach Angaben der Behörden liegen unter den Grundstücken mindestens 25 archäologische Strukturen und Höhlen mit Überresten.


EU will Militäreinsatz in Mali trotz Putsch-Chaos fortsetzen

LISSABON: Die EU will den auch von Deutschland unterstützen Militäreinsatz in Mali ungeachtet der chaotischen politischen Situation in dem westafrikanischen Staat fortsetzen. Die Aktivitäten der Ausbildungsmission gingen angesichts ihres wichtigen Beitrags zum Kampf gegen den Terrorismus weiter, sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Freitag nach einem EU-Verteidigungsministertreffen in Lissabon. Von dem Einsatz profitierten auch andere Länder in der Sahel-Region und die EU.

In Mali hatte es Anfang der Woche zum zweiten Mal im Zeitraum eines Jahres einen Putsch gegeben. Dabei waren Interimspräsident Bah N'Daw und Premierminister Moctar Ouane zum Rücktritt gezwungen worden. Die Lage sei weiter unklar und unbeständig, sagte Borrell. Er betonte, dass keiner der Protagonisten des aktuellen und des vorherigen Staatsstreiches im Rahmen des EU-Einsatzes ausgebildet worden sei.

Die EU ist in Mali seit 2013 mit einer militärischen Trainingsmission aktiv. Ziel des Einsatzes ist es, die Streitkräfte in der Region durch Beratung und Ausbildung so zu unterstützen, damit sie Bedrohungen durch terroristische Gruppen effektiv entgegentreten können. Der instabile Krisenstaat wird seit Jahren von islamistischen Terrorgruppen geplagt. An dem Einsatz EUTM Mali sind bis zu 1077 Soldaten beteiligt. Deutschland stellte davon zuletzt bis zu 450. Vom 1. Juni an sollen es eigentlich sogar bis zu 600 Soldatinnen und Soldaten sein.


Überlebender des Gondel-Absturzes weiter auf Intensivstation

TURIN: In Italien richtet sich die Aufmerksamkeit nach dem tödlichen Seilbahnunglück vom Monte Mottarone weiter auch auf den einzigen Überlebenden. Der Fünfjährige sei wach, teilte die Klinik in Turin am Freitagnachmittag mit, in der er behandelt wird. Hin und wieder frage er nach seinen Eltern. Diese und zwölf andere Menschen waren bei dem Absturz der Gondel westlich des Lago Maggiore in Norditalien am vergangenen Sonntag ums Leben gekommen. Die Tante und Großmutter des Jungen sind laut Krankenhaus nun bei ihm.

Die Ärzte bewerteten den Zustand weiter als kritisch. Der Kleine müsse noch auf der Intensivstation bleiben, da er etwa wegen seiner Verletzungen noch nicht essen könne. Bei dem Gondel-Absturz waren auch die Urgroßeltern und der Bruder des israelischen Jungen gestorben.

Die Seilbahn war am Pfingstsonntag auf dem Weg von Stresa hinauf zum Monte Mottarone verunglückt. Nach bisherigem Ermittlungsstand riss kurz vor der Ankunft an der gut 1300 Meter über dem Meer gelegenen Bergstation aus bisher unbekannter Ursache das Zugseil. In dem Fall hätte eine Notbremse greifen müssen, was nicht geschah. Die Gondel raste daraufhin mit hoher Geschwindigkeit am sogenannten Tragseil zurück Richtung Tal, knallte an einen Seilbahn-Pfeiler und stürzte in die Tiefe.

Nach dem Unglück wurden der Chef der Seilbahngesellschaft und zwei weitere leitende Mitarbeiter festgenommen. Es besteht der Verdacht, dass die Notbremse außer Kraft gesetzt wurde, weil es zuvor Unregelmäßigkeiten beim Betrieb der Bahn gegeben haben soll. Ein Motiv für eine Manipulation könnte Medienberichten zufolge gewesen sein, dass die Betreiber nach der langen Corona-Zwangspause die Seilbahn unbedingt am Laufen halten wollten.


Reporter Drogen untergeschoben - Haft für russische Polizisten

MOSKAU: Weil sie einem bekannten Investigativjournalisten Drogen untergeschoben haben, müssen fünf ehemalige russische Polizisten für viele Jahre ins Straflager. Ein Gericht in Moskau verurteilte die Männer am Freitag zu zwölf, acht und fünf Jahren Haft sowie zu insgesamt fünf Millionen Rubel (rund 56.000 Euro) Entschädigung. Der Fall des auf den Kampf gegen Korruption spezialisierten Korrespondenten Iwan Golunow hatte vor zwei Jahren weltweit Schlagzeilen gemacht. Der Druck der Öffentlichkeit wegen der gefälschten Beweise wurde letztlich so groß, dass Präsident Wladimir Putin mehrere Beamte entließ.

Golunow arbeitet für die kremlkritische Webseite Meduza und wurde im Juni 2019 unter dem Vorwurf festgenommen, er handle mit Drogen. Die Polizei veröffentlichte Fotos, die angeblich Rauschgift in Golunows Wohnung zeigten. Sie musste aber später einräumen, dass die Bilder aus einem anderen Fall stammten. Außerdem wurden Golunow bei der Festnahme Drogen in seinen Rucksack gesteckt. Viele glaubten damals, dass es sich bei der erfundenen Anschuldigung um einen Racheakt für Berichte Golunows über die Moskauer Stadtverwaltung und die von Kriminellen durchsetzte Beerdigungsbranche der Hauptstadt handelt.

Als Reaktion auf Golunows Festnahme gab es energische Proteste in Russland. Auch mehrere der angesehensten Zeitungen das Landes solidarisierten sich mit dem Reporter. Golunow selbst zeigte sich mit dem Urteil gegen die Polizisten zufrieden und dankte seinen Unterstützern. «Ich habe Gerechtigkeit erzielt.» Er hoffe aber, dass auch die Drahtzieher des Verbrechens bestraft würden.


Kroatien kauft zwölf französische Kampfjets vom Typ Rafale

ZAGREB: Das EU- und Nato-Land Kroatien hat sich für den Kauf von zwölf gebrauchten Kampfflugzeugen des französischen Typs Rafale F3R entschieden.

Dies gab Ministerpräsident Andrej Plenkovic am Freitag auf der Webseite seiner Regierung bekannt. Den Kaufpreis für zehn Kampfjets der einsitzigen und zwei der zweisitzigen Variante gab Plenkovic mit 999 Millionen Euro an. «Die französische Offerte erwies sich als die beste, denn Kroatien erhält für den niedrigsten Preis das am besten bewertete und ausgestattete Flugzeug», fügte er hinzu. Kroatiens Luftwaffe verfügt derzeit nur über Maschinen vom Typ MiG-21, die noch aus sowjetischer Produktion stammen.


Ägyptische Vermittler in Gaza - Ziel: Festigung der Waffenruhe

GAZA/TEL AVIV: Eine Woche nach dem Inkrafttreten bemüht sich Ägypten weiter um eine Stabilisierung der Waffenruhe zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas. Wie palästinensische Vertreter am Übergang Erez mitteilten, traf eine hochrangige Delegation ägyptischer Geheimdienstmitarbeiter am Freitag in dem Küstengebiet ein. Aus Kreisen der islamistischen Hamas hieß es, bei Gesprächen der Delegation mit führenden Hamas-Vertretern solle es weiter um eine Festigung der Waffenruhe sowie um Pläne zum Wiederaufbau des Gazastreifens gehen.

Die Regierung in Kairo hat im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern bereits mehrfach vermittelt. Entscheidend sind dabei auch die Beziehungen zur Hamas. Ägypten hatte Israel als erstes Land der arabischen Welt im Jahr 1979 anerkannt.

Die Hamas hatte am 10. Mai unter anderem nach Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften im Osten Jerusalems mit Raketenbeschuss auf Israel begonnen. Israel reagierte darauf mit Angriffen in dem Gebiet. Seit dem 21. Mai gilt eine Waffenruhe, seither gibt es auch Bemühungen, diese zu verstetigen. Die Hamas wird unter anderem von Israel und der EU als Terrororganisation eingestuft.


Dresdner Schau mit Sensationsfund von Bernini

DRESDEN: Der verloren geglaubte Totenkopf aus weißem Carrara-Marmor von Papst Alexander VII. (1599-1667) ist seit fast 200 Jahren in Dresden.

Das in der Literatur vielfach beschriebene Meisterwerk des Barockbildhauers Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) wurde bei der Vorbereitung einer Caravaggio-Ausstellung der Gemäldegalerie Alte Meister 2020 in der Skulpturensammlung entdeckt, wie Museumsdirektor Stephan Koja am Freitag in der ostdeutschen Stadt berichtete. Das Stück sei lange als Leihgabe in Schloss Pillnitz «untergegangen».

Koja sprach von einer «sensationellen Entdeckung» und verband das mit einem Appell, Wissenschaftler einzustellen, «die entdecken, was diese reichen Sammlungen beinhalten».

Der täuschend echt wirkende Totenkopf und eine spektakuläre Leihgabe aus Rom - das Gemälde zeigt den Pontifex mit dem Kunstwerk - sind bis Anfang September Mittelpunkt der Schau «Bernini, der Papst und der Tod» im Semperbau am Zwinger. Sie blickt zurück auf eine historische Pandemie, die der frischgewählte Pontifex in Rom rigoros und mit Erfolg eindämmte: die Pest 1656/57. Damit habe die Schau eine spannende Aktualität und fordere angesichts der Corona-Krise zur Reflexion heraus, sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Marion Ackermann.


Acht Jahre nach Gezi-Protest: Moschee an Istanbuler Taksim eröffnet

ISTANBUL: Acht Jahre nach den regierungskritischen Gezi-Protesten in der Türkei ist am Istanbuler Taksim-Platz eine neue Moschee eröffnet worden. «Habt keinen Zweifel daran, dass die Stimme, die gerade hier vor der Taksim-Moschee widerhallt, alle Imperialisten, Terrorunterstützer und Feinde der Menschheit, die es auf unser Land abgesehen haben, stört», sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan bei seiner Eröffnungsrede nach dem ersten Freitagsgebet in dem Gotteshaus. Für «unser Volk» sei nun ein langgehegter Traum wahr geworden. Die Teilnehmer der Gezi-Demonstrationen bezeichnete er in seiner Rede als «Terroristen».

Hunderte Menschen kamen am Mittag vor das Gotteshaus. In der Moschee könnten bis zu 4000 Gläubige gleichzeitig beten, sagte der türkische Präsident. Erdogan hatte bereits bei Lokalwahlen im Jahr 1994 angekündigt, eine Moschee am Taksim bauen lassen zu wollen.

Ende Mai 2013 hatten die Gezi-Proteste am Taksim-Platz ihren Ausgang genommen. Sie richteten sich ursprünglich gegen ein geplantes Bauprojekt auf dem Areal des Gezi-Parks am Taksim. Die Demonstrationen weiteten sich zu landesweiten Protesten gegen Erdogan und die regierende islamisch-konservative AKP aus. Die Regierung ließ die Proteste brutal niederschlagen.

Die Moschee ist unabhängig von den damaligen Bebauungsplänen entstanden, das Areal liegt auf der anderen Seite des Taksim-Platzes. Trotzdem wurde der Bau einer riesigen Moschee im touristischen Zentrum der Stadt besonders von säkularen Gegnern Erdogans scharf kritisiert.


John de Mol verkauft niederländische Agentur ANP

DEN HAAG: Der Medienunternehmer John de Mol hat die niederländische Nachrichtenagentur ANP an einen Investor verkauft. Das teilte ANP am Freitag in Den Haag mit. Der neue Eigentümer sei der Niederländer Chris Oomen, der vor allem in gesellschaftlich wichtige Unternehmen investiere.

De Mol hatte ANP mit seinem Medienkonzern Talpa, zu dem TV-Sender und Radiostationen gehören, 2018 gekauft. Nach seinen Worten passt die Agentur nicht mehr zu dem Konzern.

Oomen (72) war jahrelang Chef einer großen Krankenversicherung und verdankt sein Vermögen Börsengeschäften. Er bekräftigte die Bedeutung der Agentur. «ANP ist Teil des niederländischen gesellschaftlichen Erbes. Die Nachrichtenagentur versorgt unser Land seit 1934 mit einer unabhängigen journalistischen Faktenbasis und hat damit eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.»

Die ANP-Führung begrüßte den Verkauf. Chefredakteur Freek Staps erklärte: «Unsere journalistische Unabhängigkeit ist auch mit diesem Eigentümer garantiert.» Für das Unternehmen soll der Verkauf keine personellen Konsequenzen haben. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.


Malediven versteigern 16 unbewohnte Inseln

MALÉ: Die Regierung der Malediven versteigert 16 der mehr als 1000 mehrheitlich unbewohnten Inseln. Wer den Zuschlag bekommt, pachtet das Eiland für 50 Jahre, heißt es aus dem Tourismusministerium. Eine Bedingung sei, dass die Pächterinnen und Pächter auf ihrer Insel ein Hotel mit jeweils mindestens 100 Betten bauen. Mit der Auktion wollen die Malediven ihrem Tourismus nach dem Einbruch in der Corona-Pandemie helfen, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Freitag.

Eine 1,2 Hektar große Insel gibt es ab 210.000 Dollar (etwa 173.000 Euro), die 10,4 Hektar große Variante ab 1,5 Millionen Dollar (etwa 1,2 Millionen Euro). Bei ihren Projekten müssen sich Pächterinnen und Pächter in dem sensiblen Ökosystem an Umweltauflagen halten - etwa mehrheitlich Strom aus erneuerbaren Quellen nutzen, und rund die Hälfte der Vegetation soll sicher stehen bleiben.

Angebote sind bis zum 10. Juni möglich. Den Zuschlag erhalten aber nicht unbedingt die Höchstbietenden. Es gibt ein Punktesystem. 60 Punkte gibt es für das höchste Angebot, 20 Punkte gibt es, wenn mindestens 70 Prozent der Angestellten einheimisch sein sollen, darunter mindestens 5 Prozent Frauen, und 10 Punkte gibt es für Geld in einen Tourismusfonds der Regierung. Das Ministerium hofft nach eigenen Angaben auf 3700 zusätzliche Betten und damit verbundene Investitionen von 370 Millionen Dollar (rund 304 Millionen Euro) in den kommenden drei Jahren.


Mutmaßlicher Messerangreifer war psychisch krank und radikalisiert

PARIS: Der mutmaßliche Täter bei einem Messerangriff auf eine Polizistin nahe der französischen Großstadt Nantes war psychisch krank und radikalisiert. Wie Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin am Freitag sagte, hatte der Mann eine starke Schizophrenie und war deshalb medizinisch in Behandlung. Der etwa 40-jährige Franzose sei zudem in einer Anti-Terror-Datenbank erfasst gewesen.

Darmanin sagte allerdings auch, die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft sei bei den Ermittlungen zu dem Angriff vom Freitag seines Wissens nach nicht eingeschaltet worden. Neben der psychischen Beeinträchtigung sei der Mann für eine rigorose Ausübung des Islam bekannt gewesen, so Darmanin über den polizeilich bekannten Mann. «Aber er wurde nie für Terrorismus verurteilt.»

Am Freitagvormittag soll der Mann in La Chapelle-sur-Erdre eine Polizistin auf einem Kommissariat mit einem Messer angegriffen haben. Anschließend floh er mit ihrer Dienstwaffe. Einsatzkräfte suchten mit einem Großaufgebot nach dem Mann. Schließlich wurde er festgenommen und starb nach einem Schusswechsel mit der Polizei. Auch zwei Gendarmen wurden verletzt. Die angegriffene Polizistin wird den Angriff nach Darmanins Worten überleben.

Immer wieder war es in den vergangenen Wochen zu Angriffen auf die Polizei gekommen. Erst im April hatte ein mutmaßlich islamistisch motivierter Angreifer eine Polizistin in Rambouillet in der Nähe von Paris mit einem Messer getötet. Auch weitere Angriffe auf die Polizei hatten zuletzt in Frankreich eine große Debatte über die Sicherheit der Einsatzkräfte ausgelöst.


Bomben und Granaten - sieben Zivilisten getötet

KABUL: Mindestens sieben Zivilisten sind in Afghanistan durch Bombenexplosionen und Granatenbeschuss den Behörden zufolge getötet worden. In der Provinz Helmand im Süden des Landes starben zwei Kinder und eine Frau, als eine Mörsergranate ein Wohnhaus im Bezirk Nahr-e-Saradsch traf, wie Sprecher der Polizei und der Provinzregierung am Freitag mitteilten. Drei Menschen kamen der Polizei zufolge bei der Explosion einer am Straßenrad deponierten Bombe in der nordöstlichen Provinz Kapisa ums Leben. Ein Mensch starb zudem in der Provinz Daikundi, als er beim Holzsammeln auf eine Landmine trat.

Die Behörden machten die militant-islamistschen Taliban für die Vorfälle verantwortlich. Diese äußerten sich zunächst nicht. In mehreren Provinzen gingen die schweren Kämpfe zwischen Sicherheitskräften der afghanischen Regierung und den Taliban auch am Freitag weiter. Tausende von Familien im Süden und Osten des Landes seien auf der Flucht, hieß es.

Seit dem offiziellen Beginn des US-Truppenabzugs aus Afghanistan am 1. Mai haben die Taliban Angriffe in den Provinzen intensiviert. Der Konflikt zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban, die in der katarischen Hauptstadt Doha seit Monaten über Frieden sprechen, geht im Land brutal weiter. Die US-Streitkräfte sowie die Nato ziehen nach nun gut zwei Jahrzehnten Militär- und Ausbildungseinsatz ihre Soldaten ab. Auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist in Afghanistan aktiv.


Messerangriff auf Polizistin - Täter flüchtig

PARIS: Eine Polizistin ist nach Medienberichten nahe der französischen Großstadt Nantes mit einem Messer verletzt worden. Der Täter soll mit ihrer Dienstwaffe auf der Flucht sein. Die Gendarmerie Nationale warnte die Bevölkerung am Freitag via Twitter, den Bereich in der Stadt La Chapelle-sur-Erdre zu meiden. Der Vorfall soll sich dort am Vormittag ereignet haben, wie etwa die Zeitung «Ouest France» berichtete. Die Hintergründe des Vorfalls waren zunächst unklar.

Demnach habe ein Mann die Polizeistation betreten und die Frau mit dem Messer attackiert. Bei dem Angriff soll er sich die Dienstwaffe der Polizistin angeeignet haben. Er flüchtete anschließend - zunächst mit dem Auto und später zu Fuß. Ein Großaufgebot suchte am Mittag nach dem Angreifer. Kinder und Jugendliche durften die Schulen dort zunächst nicht verlassen, wie die Nachrichtenagentur AFP mit Verweis auf einen Sprecher der Stadt berichtete.

Die Polizistin soll sehr schwer am Oberschenkel verletzt worden sein. Die Präsidentin der Region Pays de la Loire, Christelle Morançais, verurteilte die Tat auf Twitter als feige und barbarisch. Auch der Präsident der Republikanischen Gruppe im Senat, Bruno Retailleau, schrieb auf Twitter, seine Gedanken seien bei der Polizistin und ihrer Familie. Er forderte, die Polizei besser zu schützen.

Erst vor wenigen Wochen war eine Polizistin nahe Paris mit einem Messer getötet worden. Der Täter handelte den Ermittlern zufolge islamistisch motiviert. Auch weitere Angriffe auf die Polizei hatten zuletzt in Frankreich eine große Debatte über die Sicherheit der Einsatzkräfte ausgelöst.


Harte Strafen nach Anschlägen auf chinesische Fabriken in Myanmar

YANGON: Zweieinhalb Monate nach bisher ungeklärten Brandanschlägen auf mehrere chinesische Textilfabriken in Myanmar hat ein Militärgericht 28 Angeklagte zu je 20 Jahren Haft und Zwangsarbeit verurteilt. Nach Angaben der Tageszeitung «Myawady», die als Sprachrohr der neuen Militärjunta dient, sollen die Verurteilten für die Attacken auf die Schuh- und Bekleidungswerke im Vorort Hlaing Tharyar der größten Stadt Yangon verantwortlich sein. Vorausgegangen waren schwere Unruhen, bei denen die Armee hart gegen Junta-Gegner vorgegangen war und Dutzende Menschen getötet haben soll.

Das Militär hatte nach den Anschlägen von Mitte März in Teilen der Millionenstadt das Kriegsrecht verhängt. Damit wurden diese Viertel komplett von der Armee verwaltet, die damit die Bürger unter anderem vor ein Kriegsgericht stellen konnte. Die chinesische Botschaft hatte die Behörden in Myanmar zuvor aufgefordert, chinesische Geschäfte und chinesische Staatsbürger zu beschützen. Bei den Bränden sollen der diplomatischen Vertretung zufolge zahlreiche chinesische Arbeiter verletzt worden sein.

Bei den Junta-Gegnern im früheren Birma steht China schwer in der Kritik. Immer wieder wird dem Land vorgeworfen, die Putsch-Generäle zu unterstützen, die die gewählte Regierungschefin Aung San Suu Kyi Anfang Februar entmachtet hatten. Zu den Brandanschlägen hat sich aber niemand bekannt.

Seit dem Putsch gehen die Generäle brutal gegen jeden Widerstand vor. Nach Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPP wurden bereits mindestens 832 Menschen getötet, mehr als 5300 wurden festgenommen. Suu Kyi sitzt im Hausarrest. Die Justiz wirft ihr mehrere Vergehen vor. Am 7. Juni soll die 75-Jährige erneut vor Gericht erscheinen.


London weist deutlich mehr EU-Bürger an Grenzen ab

LONDON: Seit dem Brexit am 1. Januar hat Großbritannien mehr als 3000 Bürger aus Staaten der Europäischen Union an der Grenze abgewiesen. Allein im ersten Quartal wurden insgesamt 3294 EU-Bürger davon abgehalten, ins Vereinigte Königreich einzureisen - sechs Mal so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie die Tageszeitung «The Guardian» (Freitag) berichtete. Der deutsche Botschafter in London, Andreas Michaelis, zeigte sich besorgt über die Entwicklung.

«Man kann sagen: Dies musste angesichts des Endes der Bewegungsfreiheit so kommen», schrieb Michaelis auf Twitter. «Aber dennoch: Es schafft eine neue Realität und eine Atmosphäre, in der es immer schwieriger wird, in Verbindung zu bleiben.» Dem britischen Innenministerium zufolge waren im ersten Quartal insgesamt 22 Bundesbürger von Einreiseverboten betroffen - doppelt so viele wie vor einem Jahr. Im Durchschnitt der vergangenen Jahre bedeutet das aber keinen deutlichen Anstieg.

Anders sieht es für Rumänien aus, das mit mehr als 2000 Menschen etwa zwei Drittel der Betroffenen stellt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzehnfachte sich die Zahl nahezu.

Großbritannien war zum 1. Januar aus der EU-Zollunion und dem Binnenmarkt ausgetreten. Touristen aus der EU dürfen weiterhin visafrei ins Land kommen. Um in Großbritannien leben oder arbeiten zu können, brauchen EU-Bürger aber neuerdings ein Visum. Menschen, die bereits vor Ende 2020 im Land gelebt haben, können sich noch bis Ende Juni auf das sogenannte Settlement Scheme bewerben. Damit werden ihnen weitgehend gleiche Rechte zusichert wie vor dem EU-Austritt.


Wieder Ausbrüche am Vulkan Ätna auf Sizilien

ROM: Der Vulkan Ätna auf der italienischen Insel Sizilien hat erneut Lava und Asche gespuckt. Am Freitagvormittag flossen bei mehreren Ausbrüchen Glutströme aus dem Südostkrater talwärts, und die Aschewolke stieg mehrere Kilometer in die Höhe, wie das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) am Freitag mitteilte. Auf Fotos war zu sehen, wie die Lava aus dem Gipfel des mehr als 3300 Meter hohen Berges im Osten der Insel schoss. Über größere Schäden oder Verletzte gab es zunächst keine Berichte.

Am Ätna registrierten die Experten in den vergangenen Tagen immer wieder stärkere Ausbrüche. Oft gehen sie mit einem lauten Donnern einher. Auch der Stromboli auf der gleichnamigen Vulkaninsel im Nordosten Siziliens war zuletzt ausgebrochen.


Polizistin von Angreifer mit Messer verletzt

PARIS: Eine Polizistin ist Berichten zufolge in der Nähe der französischen Großstadt Nantes mit einem Messer verletzt worden - der Täter flüchtete. Die Gendarmerie Nationale warnte die Bevölkerung am Freitag via Twitter den Bereich in der Stadt La Chapelle-sur-Erdre zu meiden. Der Vorfall soll sich dort am Vormittag ereignet haben, wie etwa die Zeitung «Ouest France» berichtete.

Demnach habe ein Mann das Kommissariat betreten und die Frau mit dem Messer attackiert. Er flüchtete anschließend. Ein Großaufgebot suchte am Mittag nach dem Angreifer. Die Polizistin soll sehr schwer am Oberschenkel verletzt worden sein und ist ins Krankenhaus gebracht worden. Die Hintergründe des Vorfalls waren zunächst unklar.

Erst vor wenigen Wochen war eine Polizistin in einer Gemeinde in der Nähe von Paris mit einem Messer getötet worden. Der Täter handelte den Ermittlern zufolge islamistisch motiviert. Auch weitere Angriffe auf die Polizei hatten zuletzt in Frankreich eine große Debatte über die Sicherheit der Einsatzkräfte ausgelöst. Der Tod eines Polizisten bei einem Einsatz gegen Drogenkriminalität in Avignon hatte ebenfalls für Aufruhr gesorgt.


Ehemaliger dänischer Regierungschef Poul Schlüter gestorben

KOPENHAGEN: Der ehemalige dänische Ministerpräsident Poul Schlüter ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Das teilte die Konservative Volkspartei am Freitag unter Berufung auf seine Familie mit. Schlüter starb demnach bereits am Donnerstag friedlich im Kreis seiner Angehörigen. Der studierte Jurist hatte das Land von 1982 bis 1993 regiert. Nach seinem Rücktritt ging er als Abgeordneter ins Europaparlament, dessen Vizepräsident er von 1994 bis 1997 war.

«Die Familie hat ein geliebtes Mitglied und unser Land einen der bedeutendsten Männer unserer Zeit verloren», schrieb die Partei. Die Beisetzung soll am 5. Juni in Kopenhagen stattfinden.


Syrische Opposition: Ergebnis der Präsidentenwahl gefälscht

DAMASKUS: Die syrische Opposition hat die Ergebnisse der Präsidentenwahl in dem Bürgerkriegsland als unrechtmäßig zurückgewiesen. Sie seien gefälscht und manipuliert worden, schrieb der führende Oppositionelle Hadi al-Bahra am Freitag auf Twitter. Oppositionssprecher Jijha al-Aridi erklärte, die Wahl habe die «Verachtung für Syrien und seine Menschen» auf die Spitze getrieben.

Syriens autoritär regierender Präsident Baschar al-Assad hatte bei der Wahl am vergangenen Mittwoch nach offiziellen Angaben 95,1 Prozent der Stimmen bekommen. Er ist seit dem Jahr 2000 an der Macht, die er damals von seinem Vater Hafis übernommen hatte. Für Baschar al-Assad beginnt nach der Wahl seine insgesamt vierte Amtszeit. In Syrien herrscht seit mehr als zehn Jahren ein Bürgerkrieg.

Die Wahlbeteiligung lag offiziell bei fast 79 Prozent. Bahra bezweifelte jedoch, dass so viele Syrer ihre Stimme abgegeben haben. Die angegebenen Zahlen seien «zum Lachen und zum Weinen».

Der Oppositionelle ist Co-Vorsitzender des syrischen Verfassungsausschusses. Das mit Vertretern der Regierung, der Opposition und der Zivilgesellschaft besetzte Gremium soll unter dem Dach der UN in Genf eine neue Verfassung ausarbeiten, die zu freien und fairen Wahlen führen soll. Die Arbeit liegt seit Monaten auf Eis.


Belarussischer Unternehmer sammelt Geld für Festnahme Lukaschenkos

MINSK: Der bekannte belarussische Unternehmer Waleri Zepkalo will mit Spendengeldern die Festnahme des autoritären Staatschefs Alexander Lukaschenko erwirken. In einem Youtube-Video erklärte der ins Ausland geflüchtete Zepkalo, er wolle per Crowdfunding 11 Millionen Euro zusammenbekommen und als Belohnung an die Sicherheitskräfte auszahlen, die Lukaschenko hinter Gitter brächten. Am Freitagvormittag war mit rund 60.000 Euro aber erst ein Bruchteil der Summe erreicht.

Zepkalo zeigte sich optimistisch, dass die Aktion gelingen könnte. Auch im belarussischen Machtapparat gebe es aufrichtige Menschen, die mit der Linie des «Verbrecher Nummer eins», wie er Lukaschenko nennt, nicht einverstanden seien. Der 56-Jährige wirft dem Langzeitmachthaber Wahlfälschung sowie Morde und Entführungen Andersdenkender vor.

Zepkalo hatte bei der weithin als gefälscht geltenden Präsidentenwahl im vergangenen August selbst um das Amt des belarussischen Staatschefs kandidieren wollen, wurde aber nicht zugelassen. Aus Angst um seine Sicherheit floh er noch vor der Abstimmung mit seinen Kindern nach Russland. Seine Frau, Veronika Zepkalo, machte im Trio mit der mittlerweile inhaftierten Maria Kolesnikowa weiter Wahlkampf für Swetlana Tichanowskaja. Später verließ auch sie das Land.


Nach Seilbahnunglück : Überlebender Junge bei Bewusstsein

TURIN: Nach dem Seilbahnunglück in Norditalien mit 14 Todesopfern geht es dem kleinen israelischen Jungen, der als Einziger überlebte, etwas besser. Der Fünfjährige sei auf der Intensivstation inzwischen «wach und bei Bewusstsein», teilte das Kinderkrankenhaus in Turin mit, wo er behandelt wird. Der kleine Eitan habe auch mit seiner Tante gesprochen.

Das Kind hatte bei dem Unfall in der norditalienischen Region Piemont seine Eltern und seinen Bruder verloren und war selbst schwer verletzt worden. Aus klinischer Sicht sei sein Zustand weiterhin ernst, hieß es weiter. Der Junge könnte aber in den kommenden Tagen die Intensivstation verlassen.

Die Seilbahn war am Pfingstsonntag auf dem Weg von Stresa am Lago Maggiore hinauf zum Monte Mottarone verunglückt. Nach bisherigem Ermittlungsstand riss kurz vor der Ankunft an der gut 1300 Meter über dem Meer gelegenen Bergstation aus bisher unbekannter Ursache das Zugseil. In dem Fall hätte eine Notbremse greifen müssen, was nicht geschah. Die Gondel raste mit hoher Geschwindigkeit in die Tiefe, überschlug sich und zerschellte schließlich.

Nach dem Unglück wurden der Chef der Seilbahngesellschaft und zwei weitere leitende Mitarbeiter festgenommen. Es besteht der Verdacht, dass die Notbremse außer Kraft gesetzt wurde, weil es zuvor Unregelmäßigkeiten beim Betrieb der Bahn gegeben haben soll. Ein Motiv für eine Manipulation könnte Medienberichten zufolge gewesen sein, dass die Betreiber nach der langen Corona-Zwangspause die Seilbahn unbedingt am Laufen halten wollten.


Oppositionspolitiker Demirtas zu Haftstrafe verurteilt

ISTANBUL: Der ehemalige Vorsitzende der prokurdischen Partei HDP, Selahattin Demirtas, ist in der Türkei zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Ankara habe ihn schuldig gesprochen, weil er einen Staatsanwalt, der im Kampf gegen Terrorismus stehe, zur «Zielscheibe» erklärt habe. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag. Der seit 2016 inhaftierte Demirtas nahm per Videoschalte an der Verhandlung teil. Er bezeichnete das Verfahren gegen sich als politischen Prozess. Seine Anwälte hatten auf Freispruch plädiert.

Gegen Demirtas laufen zahlreiche Prozesse an türkischen Gerichten. Unter anderem steht er im sogenannte Kobane-Prozess gemeinsam mit 107 weiteren Angeklagten vor Gericht. Ihnen wird unter anderem «Zerstörung der Einheit des Staates und Integrität des Landes» im Zusammenhang mit den Kobane-Protesten vorgeworfen. Die HDP hatte zu den Protesten im Jahr 2014 aufgerufen. Sie richteten sich gegen die Belagerung der syrisch-kurdischen Stadt Kobane durch die Terrormiliz IS. Die Demonstrationen schlugen in Gewalt um, es gab mehrere Todesopfer.


Bahn rüstet ICE4 auf: Bald 265 Stundenkilometer schnell

BERLIN: Die Deutsche Bahn rüstet die neueste ICE-Generation technisch auf: Ab Anfang August soll der ICE4 dadurch erstmals Geschwindigkeiten von bis zu 265 Kilometern pro Stunde erreichen können, hieß es aus Bahnkreisen. Bislang lag das Höchsttempo bei 250 Stundenkilometern. Mit der neuen Spitzengeschwindigkeit soll sich demnach auch die Pünktlichkeit verbessern. Unter anderem auf den Strecken Köln-Rhein/Main, Göttingen-Hannover und München-Berlin sollen die Züge das neue Tempo auch ausfahren können.

Der ICE4 ist seit 2017 im Regelbetrieb im Einsatz. Insgesamt 137 Züge hat die Deutsche Bahn beim Technologie-Konzern Siemens bestellt, von denen inzwischen 75 ausgeliefert sind. Alle drei Wochen komme ein weiterer Zug hinzu, betont die Bahn. Bis 2024 soll die gesamte ICE4-Flotte ausgeliefert sein.

Die neueste ICE-Generation ist auch mit 265 Stundenkilometern noch deutlich langsamer als der Vorgänger, der ICE3. Dieser kann Geschwindigkeiten von bis zu 330 Kilometern pro Stunde erreichen. An diesem Samstag werden die Intercity-Express-Hochgeschwindigkeitszüge der Deutschen Bahn 30 Jahre alt. Am 29. Mai 1991 wurde der ICE1 offiziell eingeweiht. Wenige Tage später, am 2. Juni, nahmen die ersten Züge den Linienbetrieb auf.


Kreditkartenfälscher der rumänischen Mafia verhaftet

MEXIKO-STADT: Die Polizei hat in Mexiko-Stadt einen mutmaßlichen Kreditkartenfälscher der rumänischen Mafia gefasst. Gegen den 44-Jährigen liege ein Auslieferungsgesuch seines Heimatlandes vor, teilte die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Dem Mann werden organisierte Kriminalität, Erpressung und versuchter Mord vorgeworfen. Ein Agent der Staatsanwaltschaft und der Anwalt des Verdächtigen versuchten demnach, den Zugriff zu verhindern. Beide Männer wurden ebenfalls festgenommen.

Gegen den Rumänen wird auch in Mexiko ermittelt. Er soll Geldautomaten in beliebten Touristenorten wie Cancún, Playa del Carmen und Tulum manipuliert haben, um mit seiner Organisation die Daten von Kreditkarten zu stehlen. Den Ermittlungen zufolge hat die rumänische Mafia damit Millionengewinne gemacht. Der Mann wies die Vorwürfe zurück. Im Februar waren in Mexiko 79 Bankkonten, die der Gruppe zugerechnet werden, gesperrt worden.


Pentagon-Chef: US-Abzug aus Afghanistan «etwas schneller als geplant»

WASHINGTON: Der Abzug der US-Truppen aus Afghanistan schreitet nach Angaben von Verteidigungsminister Lloyd Austin zügig voran. «Wie Sie wissen, hat uns der Präsident angewiesen, unsere Streitkräfte bis Anfang September abzuziehen», sagte Austin am Donnerstag (Ortszeit) bei einer Anhörung des US-Kongresses zum Haushaltsvorschlag für das kommende Jahr. «Ich kann Ihnen heute berichten, dass der Rückzug planmäßig verläuft, tatsächlich sogar etwas schneller als geplant.» US-Präsident Joe Biden hatte Mitte April angekündigt, dass die amerikanischen Truppen spätestens bis zum 11. September abziehen würden. Damit endet auch der Nato-Einsatz in Afghanistan.

«Wir haben den Auftrag erfüllt, für den unsere Truppen nach Afghanistan geschickt wurden», sagte Austin. Er sei stolz auf die «tapferen Männer und Frauen, die dies möglich gemacht haben, und auf diejenigen, die ihr Leben für diese Mission gegeben haben». Die US-Streitkräfte hatten am Dienstag mitgeteilt, der Abzug aus Afghanistan sei «zwischen 16 Prozent und 25 Prozent» abgeschlossen.

Die Biden-Regierung argumentiert, Ziel des Einsatzes sei gewesen, die vom Terrornetz Al-Kaida in Afghanistan ausgehende Gefahr zu beenden. Der 11. September ist der 20. Jahrestag der Anschläge von New York und Washington, die Al-Kaida zugeschrieben wurden und die den Einmarsch der US-geführten Truppen in Afghanistan ausgelöst hatten. Der Militäreinsatz führte binnen weniger Wochen zum Sturz des Taliban-Regimes, das sich geweigert hatte, Al-Kaida-Chef Osama bin Laden auszuliefern. Bin Laden wurde im Mai 2011 von einem US-Spezialkommando in Pakistan getötet.


In Minsk festgenommener Blogger von Anwältin besucht - «Guter Dinge»

MINSK: Der nach der erzwungenen Landung eines Passagierflugzeugs in Belarus festgenommene Blogger Roman Protassewitsch hat nach vier Tagen seine Anwältin sehen dürfen. «Alles ist gut, er ist guter Dinge, positiv und fröhlich», sagte Inessa Olenskaja der unabhängigen Nachrichtenagentur Belapan am Donnerstagabend. Aus Verschwiegenheitsgründen könne sie nicht mehr sagen. Protassewitschs im polnischen Exil lebende Eltern hatten zuvor betont, in einem von der belarussischen Staatspropaganda verbreiteten Video Spuren von Misshandlung im Gesicht ihres Sohnes entdeckt zu haben. Auch ein mutmaßliches Geständnis Protassewitschs über die Organisation von Massenunruhen hielten sie für erzwungen.

Die Behörden der autoritär regierten Republik Belarus hatten am Sonntag eine Passagiermaschine auf dem Weg von Griechenland nach Litauen mit einem Kampfjet vom Typ MiG-29 zur Landung gebracht - angeblich wegen einer Bombendrohung. Die stellte sich später als Fehlalarm heraus. Mehr als 100 Menschen waren an Bord, darunter der Regierungskritiker Protassewitsch und seine Freundin Sofia Sapega. Beide wurden festgenommen. Die EU hat als Reaktion neue Sanktionen gegen Belarus beschlossen.

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Rene Amiguet 29.05.21 13:40
Malediven versteigern 16 unbewohnte Inseln
Ein kluger Akt, noch schnell verpachten bevor diese Inselchen vom steigenden Meeresspiegel verschlungen werden.
Wer darauf hereinfällt ist selber Schuld.