Neues aus dem Ausland am Freitag

Neues aus dem Ausland am Freitag

Fall Floyd: Neue Details nach Angriff auf Ex-Polizisten im Gefängnis

TUCSON/WASHINGTON: Nach dem Messerangriff auf den ehemaligen Polizisten, der wegen Mordes am Afroamerikaner George Floyd zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde, werden neue Details über die Tat bekannt. Der Angreifer stach nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Freitag (Ortszeit) 22 Mal mit einer Art Messer auf Derek Chauvin in der Gefängnisbibliothek ein. Die Tat ereignete sich vor einer Woche in einem Gefängnis in Tucson im US-Bundesstaat Arizona. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angreifer versuchten Mord vor.

Der 52-Jährige habe den Gefängniswärtern gesagt, dass er Chauvin getötet hätte, wenn er nicht gestoppt worden wäre, heißt es in einem Gerichtsdokument. Die Tat habe er etwa einen Monat lang geplant. Später habe er ausgesagt, keine Tötungsabsicht gehabt zu haben. Der Angreifer hat laut Gerichtsdokument in seinen Aussagen auch eine Verbindung zur Black Lives Matter-Bewegung gezogen.

Im Mai 2020 war George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis ums Leben gekommen. Videos dokumentierten, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Der weiße Beamte Derek Chauvin presste dabei sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Der Fall führte damals zu landesweiten Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus. Chauvin wurde später wegen Mordes zu einer mehr als zwei Jahrzehnte langen Haftstrafe verurteilt.


Person zündet sich vor Generalkonsulat Israels in Atlanta an

ATLANTA/WASHINGTON: Vor dem israelischen Generalkonsulat in der US-Metropole Atlanta hat sich eine Person angezündet. Ein Sicherheitsmann sei am Freitagmittag (Ortszeit) dazwischen gegangen - beide seien bei dem Vorfall verletzt worden. Es war unklar, ob es sich bei der Person um einen Mann oder eine Frau handelte. Die Polizei sprach in einer Pressekonferenz von einem «extremen Akt des politischen Protests» - eine palästinensische Flagge sei am Ort des Vorfalls gefunden worden. Es bestehe keine Gefahr für die Öffentlichkeit und es gebe keinen Hinweis auf einen terroristischen Hintergrund, so die Behörden weiter.

«Es ist tragisch zu sehen, wie der Hass und die Aufwiegelung gegen Israel auf so schreckliche Weise zum Ausdruck kommen», zitierten örtliche Medien eine Mitteilung der israelischen Generalkonsulin Anat Sultan-Dadon. Die Bundespolizei FBI hatte nach dem beispiellosen Massaker der Hamas-Terroristen in Israel und die weltweiten Reaktionen auf die Entwicklungen im Nahen Osten vor einer erhöhten Terrorgefahr gewarnt.


Nach Ende der Feuerpause Raketenalarm im Zentrum Israels

TEL AVIV: Die islamistische Hamas hat nach Ende der Kampfpause im Gazastreifen eigenen Angaben zufolge erstmals wieder Raketen auf das Zentrum Israels abgefeuert. Dort wurde Alarm ausgelöst, wie die israelische Armee am Freitag mitteilte. Im Zentrum der Küstenstadt Tel Aviv waren aus der Ferne dumpfe Explosionen zu hören. Auch in einer israelischen Siedlung im Westjordanland südlich von Jerusalem heulten am Abend die Warnsirenen. Zudem kam es mehrfach in den Orten in der Nähe des Gazastreifens sowie dem Norden Israels zu Raketenalarm.

Eine zwischen Israel und der Hamas vereinbarte Feuerpause war am Freitagmorgen ohne eine weitere Verlängerung ausgelaufen. Seither wurden Medien zufolge rund 50 Raketen aus dem Gazastreifen auf israelische Ortschaften abgefeuert. Seit Beginn des Gaza-Kriegs am 7. Oktober wurden israelischen Angaben zufolge rund 10.000 Raketen aus dem abgeriegelten Küstenstreifen auf Israel abgeschossen. Auslöser des Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen aus dem Gazastreifen in Grenzorten begangen hatten.


Scholz positioniert Deutschland bei Weltklimakonferenz

DUBAI: Zum Abschluss seiner zweitägigen Teilnahme an der Weltklimakonferenz wird Kanzler Olaf Scholz (SPD)am Samstag in einer Rede die deutsche Position im Kampf gegen Klimawandel darlegen. Außerdem nimmt er an Veranstaltungen zur Zusammenarbeit mit Afrika bei der Umstellung auf erneuerbare Energien und zur Bestandsaufnahme acht Jahre nach dem Abschluss des Pariser Klimaabkommens teil. Darin hatte sich die Weltgemeinschaft darauf verständigt, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten, möglichst aber auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das ist aber kaum noch zu erreichen.

Am Mittag reist Scholz früher als ursprünglich geplant nach Deutschland zurück. In Berlin wird er in den nächste Tagen mit den Koalitionspartnern FDP und Grünen weiter darüber verhandeln, wie das Haushaltsloch von geschätzt 17 Milliarden Euro im nächsten Jahr geschlossen werden kann. Es ist durch ein historisches Urteil des Bundesverfassungsgericht zur Haushaltspraxis der Ampel-Regierung entstanden.


Scholz steht trotz Haushaltskrise zu Klimazielen

DUBAI: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat versichert, dass die aktuelle Haushaltskrise in Deutschland den Kampf gegen den Klimawandel nicht beeinträchtigen wird. «Wir werden zu unseren Klimazielen weiter stehen. Wir werden alles dafür tun, dass sie umgesetzt werden», sagte er am Freitag bei der Weltklimakonferenz in Dubai auf eine Frage nach möglichen Auswirkungen des Haushaltslochs auf Maßnahmen gegen die Erderwärmung.

Deutschland habe einen ganz zentralen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel zu leisten, sagte der Kanzler. Er verwies darauf, dass die Bundesregierung unter anderem den Ausbau der erneuerbaren Energien bereits durch mehrere Gesetze forciert habe. «Das alles können wir und werden wir auch unverändert aktiv vorantreiben.»

Infolge des historischen Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur Haushaltsführung der Ampel-Regierung fehlen laut Finanzminister Christian Lindner (FDP) 17 Milliarden Euro im Haushalt 2024. Dieses Loch entsteht nicht direkt durch die Streichung der 60 Milliarden im Klima- und Transformationsfonds, sondern weil auch andere Fonds von dem Urteil betroffen sind. Deswegen soll etwa auch für das Jahr 2023 eine Notlage erklärt und die Schuldenbremse ausgesetzt werden.

Die Verhandlungen darüber, wie das Loch im Haushalt 2024 gestopft werden soll, laufen derzeit zwischen Scholz, Lindner und Vizekanzler Robert Habeck (Grüne).


Israel will Vertreterin von UN-Nothilfebüro los werden

NEW YORK: Israel will die Vertreterin des UN-Nothilfebüros Ocha für die Palästinensergebiete, Lynn Hastings, los werden. Man sei von den israelischen Behörden darüber informiert, dass Hastings' im Dezember auslaufendes Visum nicht verlängert würde, sagte UN-Sprecher Stephane Dujarric am Freitag. «UN-Personal überschreitet Visa nicht». Auf Nachfrage sagte der Sprecher jedoch nicht, ob Hastings ersetzt werde oder außerhalb der Palästinensergebiete weiterhin in ihrer Rolle arbeiten werde.

Im Zuge des Gaza-Krieges hatte Israel wiederholt sein Missfallen über Hastings geäußert. Ocha wiederum hatte immer wieder den mangelhaften Zugang für humanitäre Hilfe in den Gazastreifen kritisiert. Die Vereinten Nationen sind auf die Zusammenarbeit mit Israel angewiesen, um möglichst viele Lieferungen in das Kriegsgebiet bringen zu können.


London führt rollstuhlfahrendes Ampelmännchen ein

LONDON: Bei Rot stehen, bei Grün rollen: Die Londoner Verkehrsbetriebe haben an mehreren Orten in der britischen Hauptstadt Fußgängerampeln mit Symbolen für Rollstuhlfahrer statt Fußgänger ausgestattet. Die grünen Lichter gibt es in zwei Versionen: Als weibliche Person in einem elektrischen Rollstuhl und als männliche in einem herkömmlichen Rollstuhl. Angebracht wurden sie in der Nähe von fünf verschiedenen U-Bahn-Stationen mit behindertengerechten Zugängen, unter anderem am Londoner Tower, wie die Verkehrsbetriebe Transport for London am Freitag mitteilten.

Anlass ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen an diesem Sonntag. Die Idee stammt demnach von dem dreimaligen Olympiasieger im Rudern, Pete Reed, der seit einem Rückenmarksinfarkt auf einen Rollstuhl angewiesen ist. «An einem Tag im Jahr 2019 änderte sich alles für mich. Mein Leben als Vollzeit-Rollstuhlfahrer bringt eine ganze Reihe von Anforderungen mit sich, die durch besseren Zugang und Verkehr für Rollstuhlfahrer dramatisch erleichtert werden können (...)», zitierten ihn die Verkehrsbetriebe.


US-Repräsentantenhaus wirft Republikaner Santos raus

WASHINGTON: Der skandalumwobene US-Abgeordnete George Santos fliegt aus dem Repräsentantenhaus. In einer Abstimmung am Freitag stimmte die erforderliche Mehrheit der Parlamentskammer für den Ausschluss des Republikaners. Er ist das erste Mal in der jüngeren Geschichte, dass ein Abgeordneter aus dem Repräsentantenhaus ausgeschlossen wird, der zuvor nicht strafrechtlich verurteilt wurde.

Santos werden unter anderem Betrug und Diebstahl vorgeworfen. Der 35-Jährige muss sich deshalb in New York vor einem Gericht verantworten. Er soll laut Anklageschrift unter anderem falsche Erklärungen gegenüber der Wahlkommission FEC abgegeben haben. Außerdem wirft ihm die Staatsanwaltschaft die Fälschung von Unterlagen, Verschwörung gegen die USA, Betrug, schweren Identitätsdiebstahl, Geldwäsche und Diebstahl öffentlicher Gelder vor. Er soll zudem falsche Angaben gegenüber dem Repräsentantenhaus gemacht haben. Santos plädierte auf «nicht schuldig».

Auch der Ethik-Ausschuss des Repräsentantenhauses erhob schwere Vorwürfe gegen Santos. Der Abgeordnete habe unter anderem Wahlkampfgelder gestohlen und seine Spender betrogen, hieß es in einem Mitte November veröffentlichten Untersuchungsbericht. Santos habe zudem versucht, «anderen die Schuld für einen Großteil des Fehlverhaltens zuzuschieben», hieß es. Die mangelnde Ehrlichkeit des Abgeordneten sei besorgniserregend. Der Politiker habe mit seinem Verhalten «die Würde des Amtes» verletzt und «das Repräsentantenhaus schwer in Verruf gebracht».

Santos sitzt seit gut einem Jahr als Abgeordneter eines New Yorker Bezirks im US-Repräsentantenhaus und präsentiert sich als Anhänger des früheren US-Präsidenten Donald Trump. Sein Aufstieg auf die bundespolitische Bühne wurde von Anfang an überschattet von Betrugs- und Täuschungsvorwürfen. Er soll einen großen Teil des Lebenslaufes, mit dem er sich den Wählern 2022 präsentierte, erfunden haben.


US-Regierung bemüht sich weiterhin um Feuerpause

WASHINGTON: Nach der Wiederaufnahme der Kämpfe zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen setzt die US-Regierung sich nach eigenen Angaben weiterhin für eine Feuerpause ein. «Wir arbeiten weiterhin mit Israel, Ägypten und Katar zusammen, um eine Verlängerung der humanitären Pause im Gazastreifen zu erreichen», teilte ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates von US-Präsident Joe Biden am Freitag auf Anfrage mit. Zu den Verhandlungen sagte der Sprecher: «Die Hamas hat bisher noch keine Geiselliste vorgelegt, die eine weitere Verlängerung der Pause ermöglichen würde.»

Die US-Regierung verwies darauf, dass die bisherige humanitäre Pause zu einer Freilassung von über 100 Geiseln und zu einer Ausweitung der humanitären Hilfe im gesamten Gazastreifen geführt habe. Biden und sein Team würden sich auch weiterhin stark engagieren, um die verbleibenden Geiseln zu befreien und die internationale humanitäre Hilfe aufrechtzuerhalten und auszuweiten, teilte der Sprecher mit.

Die zwischen Israel und der Hamas vereinbarte Feuerpause war am Freitagmorgen ohne eine erhoffte Verlängerung ausgelaufen.


Größte Klimakonferenz aller Zeiten mit rund 97.000 Teilnehmern

DUBAI: Die diesjährige Weltklimakonferenz in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist mit rund 97.000 Teilnehmern die größte aller Zeiten. Vor Ort sind 97.372 Personen registriert, darunter rund 52.000 Delegierte der Staaten sowie Beobachter und knapp 4000 Journalisten, wie aus Statistiken des UN-Klimasekretariats hervorgeht. Damit ist die Konferenz fast doppelt so groß wie der Vorgänger in Ägypten, der mit rund 50.000 Teilnehmern bis dato die größte Klimakonferenz war.

Erwartet wurden erneut neben vielen Vertretern der Vereinten Nationen und Nichtregierungsorganisationen auch etliche Lobbyisten der fossilen Industrie und vieler anderer Organisationen. Vor der Konferenz war von 70.000 erwarteten Teilnehmern die Rede gewesen.

Der führende Klimaforscher und Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Johan Rockström, hatte die Dimensionen des Treffens zum Auftakt kritisiert. «Die Industrie und andere Interessengruppen kommen, um ihre vermeintlich grünen Ambitionen zu zeigen, wollen aber oft vor allem den Status quo schützen und die weitere Förderung und Nutzung fossiler Brennstoffe erreichen», sagte er der dpa.


Neue Gefechte an israelisch-libanesischer Grenze

BEIRUT: An der Grenze zwischen dem Libanon und Israel hat es am Freitag wieder Gefechte gegeben. Die vom Iran unterstütze Hisbollah-Miliz griff nach eigenen Angaben mehrfach israelische Stellungen nahe der Grenze an. Bei einem Gegenangriff Israels wurden nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen ein Hisbollah-Mitglied sowie dessen Mutter getötet.

Das israelische Militär hatte mitgeteilt, eine «Terrorzelle» im Libanon angegriffen zu haben. Zudem sei ein verdächtiges Flugobjekt abgefangen worden. Es sei aus Richtung des Libanons auf israelisches Gebiet gelangt. Außerdem seien zwei weitere Geschosse abgefangen worden. Als Reaktion sei Infrastruktur der Hisbollah zerstört worden.

Seit Beginn des Gaza-Kriegs kam es an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon immer wieder zu Angriffen. Auf libanesischer und israelischer Seite gab es auch zivile Opfer. Nach dem Inkrafttreten der Feuerpause zwischen Israel und der islamistischen Hamas herrschte jedoch auch an der israelisch-libanesischen Grenze eine angespannte Ruhe mit nur wenigen Zwischenfällen. Die Feuerpause lief am Freitagmorgen ohne eine erhoffte Verlängerung aus. Die Kampfhandlungen im Gazastreifen wurden wieder aufgenommen.


Palästinenser: Am Freitag keine Hilfslieferungen in Gaza angekommen

GAZA: Seit Auslaufen der Feuerpause im Gaza-Krieg sind nach palästinensischen und ägyptischen Angaben keine Hilfslieferungen mehr im abgeriegelten Küstenstreifen angekommen. Ägypten sei bereit, Hilfe zu leisten, hieß es am Freitag aus Sicherheitskreisen. Dies sei aber wegen der israelischen Bombenangriffe im Gazastreifen nicht möglich. Ein palästinensischer Sprecher des Grenzübergangs zwischen dem Gazastreifen und Ägypten bestätigte am Freitag, dass keine Hilfsgüter die Grenze überquerten.

Die zuständige Behörde in Israel sagte der «Times of Israel», «die Einfuhr humanitärer Hilfe auf die im Abkommen festgelegte Weise» sei gestoppt worden. Dennoch hätten ein paar Dutzend Lastwagen die Grenze mit Nahrungsmittel und Medizin überquert. Treibstoff sei jedoch keiner geliefert worden. Ob die Fahrzeuge auch den Transitbereich an der Grenze überquerten, war zunächst unklar.

Eine zwischen Israel und der islamistischen Hamas vereinbarte Feuerpause war am Freitagmorgen ausgelaufen. Die Kampfhandlungen wurden wieder aufgenommen. Die Feuerpause war auch dafür genutzt worden, mehr dringend benötigte humanitäre Hilfe in den Gazastreifen zu bringen. Täglich waren so etwa 200 Lastwagen mit Hilfsgütern über die Grenze gekommen, darunter vier Laster mit Treibstoff sowie vier weitere mit Kochgas.


OSZE-Chefin Helga Schmid behält nach Kompromiss vorerst ihren Posten

SKOPJE: Die deutsche Diplomatin Helga Schmid wird nach einer Kompromisslösung mit Russland vorerst weiter die Organisation für Zusammenarbeit und Sicherheit in Europa (OSZE) leiten. Die 57 OSZE-Staaten einigten sich am Freitag, Schmids Vertrag als Generalsekretärin um neun Monate zu verlängern. Das kündigten der Nordmazedoniens Außenminister Bujar Osmani als OSZE-Vorsitzender und weitere Diplomaten am Ende des Außenministertreffens in Skopje an.

Die gleiche Lösung wurde für die drei OSZE-Vertreter für Minderheiten, Pressefreiheit sowie Demokratie und Menschenrechte gefunden. Das Leitungsteam der OSZE war Anfang Dezember 2020 für drei Jahre bestellt worden. Moskau, das seit Beginn des Angriffskriegs in der Ukraine viele OSZE-Entscheidungen blockiert, hatte sich bis fast zuletzt gegen eine Verlängerung gestemmt.

Bevor Schmid die Leitung des OSZE-Sekretariats in Wien übernahm, diente sie als Generalsekretärin des Auswärtigen Dienstes der Europäischen Union. Sie war führend an den Verhandlungen über das Atomabkommen mit dem Iran beteiligt, das 2015 abgeschlossen wurde.


Erdogan fordert gerechteren Zugang zu Klimafinanzierung

ISTANBUL/DUBAI: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat auf der Weltklimakonferenz eine gleichmäßige Verteilung von Finanz- und Technologieressourcen für den Klimaschutz gefordert. Die Türkei wolle bis zum Jahr 2053 Netto-Null-Emissionen erreichen, sagte Erdogan am Freitag in Dubai.

Solche Anstrengungen erforderten jedoch einen erheblichen finanziellen Aufwand. Es sei daher «von entscheidender Bedeutung», einen gerechteren Zugang zu Klimafinanzierung und Technologietransfer zu bekommen, sagte Erdogan. Die Türkei strebe außerdem an, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2053 auf 69 Prozent zu erhöhen.

Mit Blick auf die Wiederaufnahme der Kämpfe im Gazastreifen sagte Erdogan: «Während wir über die Klimakrise diskutieren, können wir die humanitäre Krise, die sich in den palästinensischen Gebieten in unserer direkten Nähe abspielt, nicht ignorieren». Er bezeichnete die israelischen Angriffe auf Gaza als «Kriegsverbrechen» und «Verbrechen gegen die Menschlichkeit». Auch mehrere Staats- und Regierungschefs aus Lateinamerika und Afrika hatten sich zuvor extrem kritisch über Israels Militäreinsatz im Gazastreifen geäußert.


Macron will Kohleausstieg der G7-Länder vor 2030

DUBAI: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat bei der Weltklimakonferenz ein bestimmteres Vorgehen zum Kohleausstieg angemahnt. Die G7-Länder sollten ein Beispiel setzen und sich zu einem Kohleausstieg vor 2030 verpflichten, sagte Macron am Freitag in Dubai. Auch aufstrebende Märkte sollten aus der Kohle aussteigen. Entwicklungsländer müssten wirtschaftlich aufholen können, nicht aber auf Grundlage fossiler Energieträger. Reiche Länder sollten ihnen beim Ausstieg helfen.

Macron kritisierte zudem, man müsse kohärent sein und keine neuen Kohlekraftwerke subventionieren. Für private Investoren gebe es derzeit keinerlei Anreiz, in Erneuerbare Energie statt ein Kohlewerk zu investieren. Dies sei absurd, das Investitionssystem dysfunktional. Macron forderte unterschiedliche Zinssätze für grüne und braune Energien, wie er es ausdrückte.


Israels Militär: Leiche von Geisel aus dem Gazastreifen geborgen

TEL AVIV/GAZA: Israels Militär hat nach eigenen Angaben die Leiche eines in den Gazastreifen verschleppten Israelis geborgen. Sie sei vor kurzem entdeckt und zurück nach Israel gebracht worden, teilte die Armee am Freitagabend mit. Der Tote sei am Mittwoch identifiziert worden. Terroristen hatten den 27-Jährigen Medienberichten zufolge am 7. Oktober zusammen mit etwa 240 weiteren Menschen in den Gazastreifen entführt. Er hatte demnach mit Freunden das Supernova-Festival besucht.

Ein Sprecher des israelischen Militärs bestätigte am Abend zudem den Tod von vier weiteren Geiseln der islamistischen Hamas. Ihr Tod sei «auf der Grundlage von gesammelten Erkenntnissen und Informationen über ihren Tod festgestellt» worden, sagte Daniel Hagari. In den vergangenen Tagen seien ihre Familien informiert worden. Medienberichten zufolge sollen sich die Leichen noch im Gazastreifen befinden. Das Militär bemühe sich weiterhin, mehr Informationen zum Zustand der restlichen im Gazastreifen verbliebenden Geiseln zu erhalten, sagte Hagari.

Ein Sprecher der israelischen Regierung hatte zuvor mitgeteilt, dass noch 137 Geiseln im Gazastreifen festgehalten werden. Unklar war zunächst, ob die Toten dazu zählen. Hagari gab die Zahl am Abend mit 136 an, darunter 17 Frauen und Kinder. Seit Beginn des Kriegs gegen die islamistische Hamas hatten die israelischen Bodentruppen bereits mehrere israelische Leichen aus dem Gazastreifen geborgen.


Knapp 50 Schulen nach Bombendrohung evakuiert

NEU DELHI: Wegen Bombendrohungen sind in der südindischen Millionenmetropole Bengaluru 48 Schulen geräumt worden. Betroffen seien mehr als 5000 Schülerinnen und Schüler, teilte die Polizei am Freitag auf der Plattform X mit.

Die Schulen hätten zuvor E-Mails erhalten, in denen behauptet wurde, dass Sprengsätze bei ihnen platziert worden seien, berichteten indische Medien. Polizei und Bombenentschärfungstrupps hätten die Gebäude durchsucht, jedoch keine verdächtigen Gegenstände gefunden, berichtete die Zeitung «The Hindu». Details zum Hintergrund der Drohungen waren zunächst nicht bekannt. Es handle sich womöglich um einen Scherz, teilte die Polizei mit.

Zu Beginn der Woche waren in Belgien und den Niederlanden ebenfalls Bombendrohungen in Schulen eingegangen. In Belgien blieben am Montag knapp 30 Schulen geschlossen, in den Niederlanden sechs. Der Hintergrund der Drohungen war zunächst nicht bekannt.


Kontakt zu ausländischen Aktivisten nach Protest in Kairo abgebrochen

KAIRO: Eine Gruppe internationaler Aktivisten ist seit über 24 Stunden nicht mehr erreichbar, nachdem sie an einem Protest in der ägyptischen Hauptstadt Kairo teilgenommen hatten. Sie hatten sich am Donnerstagmittag gemeinsam mit anderen Demonstranten vor dem ägyptischen Außenministerium versammelt, wie eine lokale Aktivistengruppe am Freitag mitteilte. Seit sie gegen 12.30 Uhr Ortszeit (Donnerstag) ins Ministerium eskortiert wurden, habe man nichts mehr von den vier ausländischen Aktivisten gehört. Es handele sich um Staatsbürger aus Argentinien, Australien, Frankreich und den USA. Ob darunter auch Doppelstaatler waren, ist nicht klar.

Gemeinsam mit anderen Aktivisten wollten die vier dem Außenminister Samih Schukri einen Brief übergeben. Darin forderten sie, dass ein Konvoi aus Medizinern, Journalisten, Anwälten und Hilfskräften die erforderliche Genehmigung erhielte, um zum Grenzübergang Rafah zu fahren und in den Gazastreifen einzufahren. Der Konvoi sollte lebenswichtige humanitäre Hilfe leisten. Laut der Aktivistengruppe warteten die Verantwortlichen bereits seit Wochen auf die Genehmigung. Ob der Brief an Schukri übergeben werden konnte, ist nicht klar.


Weltklimakonferenz: EU-Vertreter fordern Beschlüsse für Energiesektor

DUBAI: Die Spitzenvertreter der EU haben bei der Weltklimakonferenz in Dubai zu einer Einigung auf neue Ziele für den Energiesektor aufgerufen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel sagten am Freitag, die EU setze sich für eine Verdreifachung der globalen Kapazitäten für erneuerbare Energien bis 2030 und eine deutliche Verbesserung der Energieeffizienz ein. Diese solle sich im laufenden Jahrzehnt doppelt so schnell weiter steigern wie im Jahrzehnt vorher.

Von der Leyen kündigte zudem einen sofortigen EU-Beitrag in Höhe von 25 Millionen Euro für den neuen Fonds zum Ausgleich von Klimaschäden in besonders verwundbaren Ländern an. Er soll etwa nach Dürren, Waldbränden oder Unwettern Hilfe leisten können.

Zudem warb sie für einen entschlossenen Ausbau von Bepreisungssystemen für klimaschädliches Kohlendioxid. Es müsse durch mutige Initiativen sichergestellt werden, dass bis 2030 mindestens 60 Prozent der weltweiten Emissionen durch einen CO2-Preis abgedeckt würden, erklärte sie. Derzeit sind es ihren Angaben zufolge lediglich 23 Prozent.

EU-Ratspräsident Michel sagte: «Wir müssen uns so schnell wie möglich von der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen befreien, die unsere gemeinsame Zukunft gefährden.» Das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, müsse beibehalten werden.


Südkorea verhängt Sanktionen gegen Nordkorea wegen Satellitenstart

SEOUL: Südkorea hat den weithin abgeschotteten Nachbarn Nordkorea wegen des Starts seines ersten militärischen Aufklärungssatelliten in der vergangenen Woche mit neuen Sanktionen belegt. Das Außenministerium in Seoul nannte am Freitag elf Nordkoreaner, die auf eine Schwarze Liste gesetzt wurden. Demnach handelt es sich unter anderen um fünf Personen einschließlich Mitarbeitern der staatlichen Luft- und Raumfahrtbehörde NATA, die in Verbindung mit der Satelliten- und Waffenentwicklung ihres Landes stehen. Ungenehmigte finanzielle Transaktionen mit den Betroffenen durch Südkoreaner ist demnach unter Strafandrohung verboten.

Weiteren sechs Nordkoreanern wirft das Ministerium vor, in die Entwicklung und Umsetzung des Programms für ballistische Raketen verwickelt zu sein. Solche Raketen können - je nach Bauart - auch mit einen Atomsprengkopf ausgerüstet werden.

Seoul ergriff die Maßnahme in enger Koordination mit den USA, Japan und Australien. Auch diese drei Länder beschlossen jeweils eigene Sanktionen gegen Personen und Organisationen, die im Auftrag Nordkoreas handeln. Die vier Partnerländer werfen Nordkorea vor, beim Satellitenstart am 21. November Technologien eingesetzt zu haben, die in direktem Zusammenhang mit seinem Programm für Interkontinentalraketen stehen. UN-Beschlüsse untersagen dem Land jegliche Starts oder auch nur Tests von ballistischen Raketen.

Mit dem Start des Spionagesatelliten übte Nordkorea nach eigenen Angaben sein Recht auf Selbstverteidigung aus. Ziel Nordkoreas ist es, Südkorea und die USA, die es als feindselige Staaten betrachtet, besser beobachten zu können. Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben sich zuletzt wieder deutlich verschärft.


Tusk will neue Regierung am 11. Dezember vorstellen

WARSCHAU: Zwei Monate nach dem Wahlsieg der Opposition in Polen könnte das Land am 11. Dezember eine neue Regierung bekommen. Der Liberalkonservative Donald Tusk, unter dessen Führung drei proeuropäische Parteien eine klare Mehrheit errungen hatten, rechnet damit, dass das Parlament an diesem Tag einen neuen Regierungschef gemäß dem Wählerwillen bestimmen wird. Noch am selben oder am nächsten Tag werde der neue Premier eine Regierungserklärung abgeben, kündigte Tusk am Freitag nach einem Gespräch mit Parlamentspräsident Szymon Holownia in Warschau an.

Es wird erwartet, dass der amtierende Ministerpräsident Mateusz Morawiecki von der PiS am 11. Dezember im Parlament die Vertrauensfrage verliert. Präsident Andrzej Duda, der selbst aus den Reihen der PiS stammt, hatte trotz der Mehrheitsverhältnisse im Parlament Morawiecki mit der Regierungsbildung beauftragt und dessen Kabinett vereidigt. Da die PiS im Parlament aber nur 194 von 460 Sitzen hält und keinen Koalitionspartner hat, dürfte Morawieckis Kabinett bei der Vertrauensabstimmung durchfallen.

Danach ist der Weg frei für die Initiative des Parlaments. Es kann aus seiner Mitte eine von der Mehrheit gestützte Regierung bilden. In einem weiteren Schritt muss dieses Kabinett dann vom Präsidenten vereidigt werden. «Jeder, der seine Hand gegen das Urteil der Wähler erheben will, sollte sich auf die politische Hölle vorbereiten», warnte Tusk vor weiteren Verzögerungen.


Hamas: Israel hat Vorschläge für Feuerpausen-Verlängerung abgelehnt

GAZA: Nach Aussagen eines hochrangigen Hamas-Funktionärs hat Israel «mehrere Angebote, Initiativen und Vorschläge» für eine Verlängerung der Feuerpause abgelehnt. Chalil Al-Haja sagte dem arabischen TV-Sender Al-Dschasira am Freitag: «Wir waren bereit, uns mit drei Vorschlägen zum Austausch (von Geiseln und Gefangenen) zu befassen, aber die Besatzung (damit ist Israel gemeint) lehnte sie ab.» Israel habe sich stattdessen darauf vorbereitet, die Angriffe im Gazastreifen fortzusetzen.

«Wir standen bis heute Morgen mit den Vermittlern in Kontakt, aber die Gespräche über eine Feuerpause endeten, als die Bombenangriffe anfingen», so der Hamas-Funktionär.

Al-Haja warf Israel vor, den Vermittlern böswillig eine Liste mit Namen übergeben zu haben, die sich «allesamt als weibliche Soldaten» herausstellten. Israel habe sich außerdem geweigert, über den Austausch von erwachsenen palästinensischen Gefangenen gegen erwachsene Geiseln zu diskutieren.

Al-Haja sagte, die Hamas habe den Vermittlern mitgeteilt, sie seien weiterhin bereit, Geiseln gegen Gefangene auszutauschen, bis ein Waffenstillstand erreicht sei.


Angehörige schildern schlimme Erlebnisse der Geiseln

TEL AVIV: Angehörige der von der Hamas freigelassenen Geiseln haben israelischen Medienberichten zufolge von deren schlimmen Erlebnissen aus der Zeit der Gefangenschaft im Gazastreifen berichtet. Zwei 12 und 16 Jahre alte Jungen, die auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, sollen von Terroristen unter Drogen gesetzt worden sein, meldete die israelische Zeitung «Haaretz» unter Berufung auf ihren Onkel am Freitag. Die Entführer hätten auch jeweils ein Bein der Jungen in ein Auspuffrohr eines Motorrads gesteckt, um so eine Markierung zu hinterlassen, damit sie im Fall einer Flucht identifiziert werden können. Beide seien in der Geiselhaft sehr schlecht behandelt worden.

Eine freigelassene französisch-israelische Frau wurde nach Schilderung ihrer Tante trotz Verletzung nicht angemessen medizinisch behandelt, hieß in dem Bericht der «Haaretz» weiter. Ein Tierarzt soll demnach die durch Schüsse verwundete Hand der jungen Frau operiert haben. Ihre Hand tue noch immer weh. Sie erzählt den Angaben nach kaum etwas aus der Zeit der Geiselhaft. Auf Fragen ihrer Verwandten zu antworten, falle ihr sehr schwer.

Der Vater eines neun Jahre alten israelisch-irischen Mädchens berichtete laut «Haaretz» zudem davon, dass seine Tochter und ihre 13 Jahre alte Freundin in einem Haus im Norden des Gazastreifens festgehalten wurden. Als Israels Armee sich genähert habe, seien die Kinder unter Beschuss in andere Häuser getrieben worden. Die Neunjährige hat nach Angaben ihrer Schwester auch die Tötung eines Mannes gesehen. Unklar ist, wer der Mann war und von wem er getötet wurde. Die Entführer hätten Essen mit den Mädchen geteilt. Mehr Details aus der Zeit ihrer Geiselhaft wurden nicht genannt.

Die Angaben können derzeit nicht unabhängig überprüft werden.


Vereinte Nationen warnen vor steigender Gefahr durch Dürren

NEW YORK: Die Vereinten Nationen haben vor der steigenden Gefahr durch Dürren sowie trockenem Klima gewarnt und globale Maßnahmen gefordert. «Angesichts der zunehmenden Häufigkeit und Schwere von Dürreereignissen, des Rückgangs der Wasserreservoirs und des Rückgangs der Ernteerträge, des anhaltenden Verlusts der biologischen Vielfalt und der Ausbreitung von Hungersnöten sind tiefgreifende Veränderungen erforderlich», sagte Ibrahim Thiaw, Leiter der Wüstenkonvention UNCCD der Vereinten Nationen, am Freitag anlässlich eines neuen Berichts der Konvention. Die jüngsten Daten deuteten auf einen beispiellosen Notfall auf globaler Ebene hin.

Für ihre Analyse zog die UNCCD Daten von verschiedenen Organisationen aus den vergangenen Jahren zusammen. Unter anderem stützen sich die UN dabei auf Informationen, dass in China bis zum Jahr 2100 ein Anstieg der Intensität von Dürren von 80 Prozent erwartet wird und dass fünf Prozent der USA im Mai 2023 unter schwerer bis extremer Dürre litten.

«Je weniger Raum die entwickelte menschliche Welt einnimmt, desto mehr natürliche Wasserkreisläufe bleiben intakt», so Thiaw zu möglichen Eindämmungsmaßnahmen. Zudem sei unter anderem die Verlangsamung des Bevölkerungswachstums eine Voraussetzung «für eine gesellschaftliche Entwicklung, die die Grenzen des Planeten respektiert». In Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten findet derzeit die Weltklimakonferenz Cop 28 statt.


UN-Nothilfebüro: Gazastreifen ist erneut «die Hölle auf Erden»

GENF: Das UN-Nothilfebüro OCHA fordert trotz der neuen Kämpfe im Gazastreifen freien Zugang für Hilfskonvois. «Die humanitäre Hilfe muss ohne Vorbedingungen weitergehen», schrieb die OCHA-Vertreterin vor Ort, Lynn Hastings, am Freitag auf X (vormals Twitter). Ebenso müsse die Palästinenserorganisation Hamas bedingungslos alle Geiseln freilassen.

In den vergangenen Tagen der Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas seien Tausende Tonnen an Nahrungsmitteln, Wasser, Treibstoff, Medizin und Decken für Palästinenser verteilt worden, berichtete OCHA-Sprecher Jens Laerke in Genf. Doch seit Freitagmorgen sei der Gazastreifen erneut «die Hölle auf Erden», sagte Laerke. Die Fortsetzung der Lieferungen sei nun ungewiss.

Israels Armee nahm am Freitag die Kämpfe gegen die islamistische Hamas wieder auf. Das Büro von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf der terroristischen Organisation einen Verstoß gegen die Vereinbarungen über eine Feuerpause vor.


Gericht startet Anhörung gegen Massenabschiebungen

ISLAMABAD: In Pakistan hat das Oberste Gericht mit der Anhörung mehrerer Petitionen gegen die Massenabschiebung afghanischer Flüchtlinge begonnen. Das teilte einer der Antragsteller am Freitag auf der Plattform X (vormals Twitter) mit. Die Petitionen hatten Aktivisten, Politiker und Juristen eingereicht.

Die Regierung in Islamabad hatte Anfang Oktober angekündigt, Flüchtlinge ohne Aufenthaltsstatus abzuschieben und eine Frist zur freiwilligen Ausreise bis zum 1. November gesetzt. Nach Regierungsangaben von Oktober lebten zu dem Zeitpunkt etwa 4,4 Millionen afghanische Geflüchtete in Pakistan, rund 1,7 Millionen davon ohne gültige Papiere. Seit der Ankündigung sind nach Angaben der Organisation Human Rights Watch mehr als 375.000 Flüchtlinge nach Afghanistan zurückgekehrt. Der Großteil sei unter dem Druck der drohenden Abschiebungen eigenständig ausgereist, rund 20.000 seien abgeschoben worden.

Aktivisten und Menschenrechtsorganisationen hatten in den vergangenen Wochen mehrfach das harte Vorgehen pakistanischer Behörden gegen die Geflüchteten beklagt. So sollen Behörden Eigentum der Flüchtlinge beschlagnahmen und Bestechungsgelder verlangen, auch soll es immer wieder zu Bedrohungen, willkürlichen Verhaftungen und nächtlichen Razzien kommen.

Behörden hingegen wollen nach Aussagen des Informationsministers der Grenzprovinz Baluchistan die Abschiebungskampagne, die wenige Monate vor den Parlamentswahlen im Februar stattfindet, verstärken. Wie der Minister am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mitteilte, sollen bis Januar eine Million unregistrierte Flüchtlinge das Land verlassen haben. Dafür sollen allein in Baluchistan nahe der Grenze zu Afghanistan täglich 10.000 Flüchtlinge abgeschoben werden.


Größter Eisberg der Welt vermutlich unterwegs Richtung Südatlantik

PARIS: Der derzeit größte Eisberg weltweit bewegt sich vergleichsweise schnell von antarktischen Gewässern weg. Das teilte die europäische Weltraumagentur Esa am Freitag unter Berufung auf Satellitenbilder mit. Der Koloss mit der Bezeichnung A23a sei bereits 1986 vom Filchner-Ronne-Schelfeis abgebrochen, habe aber lange auf dem Meeresboden festgehangen. Bis zum Jahr 2020 habe er sich zwar gelöst, erst jetzt lege er angetrieben durch Winde und Strömungen einen Spurt hin.

A23a ist rund 4000 Quadratkilometer groß, also rund 4,5-mal so groß wie Berlin. Wie die meisten Eisberge aus dem sogenannten Weddell-Sektor werde er wahrscheinlich in den Südatlantik gelangen, so die Esa.


Freigelassene arabische Geiseln wieder mit Familie vereint

TEL AVIV: Zwei von der Hamas freigelassene arabisch-israelische Jugendliche sind wieder mit ihrer Familie vereint. Israelische Medien veröffentlichten am Freitag Fotos des Wiedersehens. Eine 17-Jährige ist darauf lächelnd in den Armen eines nicht näher beschriebenen Verwandten zu sehen. Auch ihr 18 Jahre alter Bruder wird bei einer Umarmung mit einem Angehörigem gezeigt. Die Fotos wurden den Angaben zufolge beim Wiedersehen am Donnerstagabend in der Klinik aufgenommen, in der die Geschwister, die zu einer Beduinengemeinschaft gehören, nach ihrer Freilassung untersucht wurden.

Der Vater der beiden sowie ein weiterer, 22 Jahre alter Bruder sind israelischen Medien zufolge weiter in der Gewalt der Hamas. Die vier hätten während des Massakers am 7. Oktober in einem Kibbuz nahe des Gazastreifens gearbeitet. Die arabische Familie ist demnach in der Landwirtschaft tätig. Sie seien Muslime, betonten Mitglieder der Großfamilie israelischen Medien zufolge. Berichten nach haben Terroristen aus dem Gazastreifen zudem noch zwei weitere Mitglieder der Gemeinschaft der Beduinen aus dem Süden Israels in ihrer Gewalt. Mehrere wurden zudem von palästinensischen Terroristen vor knapp acht Wochen ermordet.

Die arabische Minderheit macht in Israel rund 20 Prozent der knapp zehn Millionen Einwohner aus. Die Beduinen wiederum gehören zur arabischen Minderheit in Israel, ihre Zahl wird landesweit auf rund 250.000 geschätzt. Viele von ihnen dienen in der israelischen Armee.


UN-Chef Guterres hofft auf neue Feuerpause im Gaza-Krieg

NEW YORK: UN-Generalsekretär António Guterres hat tiefes Bedauern über die Wiederaufnahme der Kämpfe im Gazastreifen ausgedrückt. «Die Rückkehr zu Feindseligkeiten zeigt nur, wie wichtig es ist, einen echten humanitären Waffenstillstand zu haben», schrieb er am Freitag auf der Plattform X (vormals Twitter). «Ich hoffe immer noch, dass es möglich wird, die Pause, die eingerichtet worden war, zu erneuern», so Guterres.

Direkt mit Ablauf der Frist für die Feuerpause wurden am Freitagmorgen die Kämpfe im Gazastreifen wiederaufgenommen. Bereits am Donnerstag hatte Guterres einen «echten humanitären Waffenstillstand» zwischen Israel und der islamistischen Hamas gefordert. Zu dem Zeitpunkt bestand noch Hoffnung, dass Verhandlungen für eine verlängerte Feuerpause erfolgreich sein würden.


UN-Kinderhilfswerk befürchtet weiteres «Blutbad» im Gazastreifen

GENF: Das UN-Kinderhilfswerk Unicef hat die neuen Kämpfe im Gazastreifen nach dem Ende der Waffenruhe scharf verurteilt. «Heute haben die Machthaber entschieden, die Tötung von Kindern fortzusetzen», sagte Unicef-Sprecher James Elder am Freitag. Neue Angriffe auf die Menschen in Gaza würden nur «ein neues Blutbad» anrichten, aber sonst nichts bewirken, sagte er in einer Videoschalte aus dem Gazastreifen.

Israels Armee hat die Kämpfe gegen die islamistische Palästinenserorganisation Hamas wieder aufgenommen. Das Büro von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf der Hamas einen Verstoß gegen die Vereinbarungen über eine Feuerpause vor.

Laut dem Gesundheitsministerium im Gazastreifen sind seit Ausbruch des Konflikts etwa 15.000 Menschen in dem dicht besiedelten Küstenstreifen getötet worden. Laut den Angaben, die nicht unabhängig überprüft werden können, starben 6150 Kinder.

Etwa 1000 Kindern mussten Gliedmaßen amputiert werden, berichtete der oberste Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Gazastreifen, Richard Peeperkorn, unter Verweis auf die palästinensischen Behördenangaben. «Im Gazastreifen ist man vor diesen heftigen Angriffen nirgendwo sicher», sagte Peeperkorn.


Von der Leyen fordert bei Klimakonferenz Ausbau von CO2-Bepreisung

DUBAI: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat bei der Weltklimakonferenz in Dubai für einen entschlossenen Ausbau von Bepreisungssystemen für Kohlendioxid geworben. «Wir alle wissen: Wenn wir die globale Erwärmung unter 1,5 Grad halten wollen, müssen wir die globalen Emissionen senken», sagte sie am Freitag. Die CO2-Bepreisung sei dabei eines der mächtigsten Werkzeuge, um klimaschädliche Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig Innovation und Wachstum zu fördern. Starke Umweltverschmutzer müssten dann einen fairen Preis zahlen und die Einnahmen könnten in den Kampf gegen den Klimawandel reinvestiert werden.

Als Positiv-Beispiel für die CO2-Bepreisung nannte von der Leyen das CO2-Bepreisungssystem in der Europäischen Union. In den 18 Jahren seit dem Start seien die von dem System abgedeckten Emissionen um fast 40 Prozent gesunken, während die Wirtschaft weiter gewachsen sei, sagte sie. «Wir haben mehr als 175 Milliarden Euro eingenommen und diese fließen ausschließlich in den Klimaschutz, in Innovationen und in Entwicklungsländer.»

Nach Angaben der deutschen Politikerin gibt es weltweit bereits 73 CO2-Bepreisungsinstrumente. Diese deckten allerdings lediglich 23 Prozent der weltweiten Emissionen ab. «Dieser Anteil muss erhöht werden», mahnte von der Leyen. Dies werde eine schnellere Reduzierung der Emissionen ermöglichen und gleiche Wettbewerbsbedingungen für den internationalen Handel schaffen. «Lassen Sie uns daran arbeiten, einen Preis für alle CO2-Emissionen auf der Welt festzulegen», forderte sie. Zudem brauche es im Handel mit CO2-Zertifikaten gemeinsame Standards für Projekte, durch die entstandene Emissionen ausgeglichen werden sollen.

Das EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) sieht vor, dass bestimmte Unternehmen für den Ausstoß von Kohlendioxid, Lachgas und perfluorierten Kohlenwasserstoffen Verschmutzungszertifikate brauchen, die sie entweder ersteigern müssen oder kostenlos zugeteilt bekommen. Da die Emissionsberechtigungen auf dem Markt frei gehandelt werden, bildet sich ein Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen. Dieser setzt dann Anreize bei den beteiligten Unternehmen, ihre Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren.


Brasiliens Präsident: «Wir haben nicht zwei Planeten Erde»

DUBAI: Brasilien will nach Aussage seines Staatspräsidenten Luiz Inácio Lula da Silva als Vorreiter beim Klimaschutz vorangehen. «Wir haben nicht zwei Planeten Erde», sagte er am Freitag bei der Weltklimakonferenz in Dubai. Es gelte, dringend schneller voranzukommen und die «einzigartige Spezies der Menschheit» zu schützen. Brasilien habe die Entwaldung im Amazonas bereits deutlich reduziert, bis 2030 soll sie dem Präsidenten zufolge auf Null sinken. Unter vergleichbaren Ländern habe man einen der ambitioniertesten Klimaschutzpläne. Auch die Treibhausgasemissionen wolle man um 53 Prozent bis 2030 reduzieren.

Brasilien wird 2025 Gastgeber der Weltklimakonferenz sein und pocht daher auch bereits hier in Dubai auf mehr Ehrgeiz, auch weil es selbst unter extremen Dürren leidet. So ist der Pegelstand der Flüsse im Amazonasgebiet der niedrigste seit 120 Jahren. «Ich hätte mir nie vorstellen können, dass dies an einem Ort passieren würde, an dem wir das größte Süßwasserreservoir der Welt haben», sagte Lula.

Aber die Zukunft des Amazonas hänge nicht nur von den Bewohnern dort ab, mahnte er. «Selbst wenn wir keinen einzigen Baum mehr fällen würden, könnte der Amazonas einen Punkt erreichen, an dem es kein Zurück mehr gibt, wenn andere Länder nicht ihren Beitrag leisten.» Der Anstieg der globalen Temperatur könne einen unumkehrbaren Prozess der «Savannisierung» des Amazonas auslösen.

Der größte Regenwald der Welt - Heimat für zehn Prozent aller Arten auf der Welt - ist ohnehin schon seit Jahrzehnten bedroht: durch Trockenheit, Verschmutzung der Flüsse, Brände und Abholzung. Trotz des Rückgangs ist Brasilien vom erklärten Ziel der «Null-Abholzung» noch weit entfernt.


Bestürzung nach möglichem Kältetod von 14-Jähriger

ANDRYCHOW: In Polen herrscht Bestürzung über den Tod eines 14-jährigen Mädchens, das stundenlang draußen allein in der Kälte saß. Wie die Agentur PAP am Freitag berichtete, hatte sich das Kind am Dienstag auf den Weg zur Schule gemacht. Es habe seinen Vater angerufen und gesagt, dass es ihm nicht gut gehe - ohne zu sagen, wo es genau war. Dann habe es sich neben einem Supermarkt auf den Boden gesetzt und sei telefonisch nicht mehr zu erreichen gewesen.

Obwohl das Geschäft an einer Hauptstraße liege, habe stundenlang niemand die Schülerin bemerkt. Die Polizei habe mit einer Suchaktion begonnen. Als das Mädchen gegen 13.00 Uhr von einem Freund ihres Vaters gefunden worden sei, sei es bereits sehr stark unterkühlt gewesen. Der Teenager starb am Mittwochabend in einem Krankenhaus in Krakau (Krakow), wie PAP unter Berufung auf die Polizei berichtete.

«Wir sind alle schockiert», sagte der Bürgermeister von Andrychow, Tomasz Zak. Die Stadt mit rund 20.000 Einwohnern liegt im Süden Polens in der Woiwodschaft Kleinpolen. Die Temperaturen liegen dort derzeit auch tagsüber unter dem Gefrierpunkt. Eine Obduktion soll Klarheit über die genauen Todesumstände bringen.


Deutscher Finanzminister will lieber sparen als Schulden machen

BERLIN: Der deutsche Finanzminister Christian Lindner will für den Haushalt 2024 keine zusätzlichen Schulden aufnehmen, sondern sparen.

«Wir werden auf der Ausgabenseite umschichten. Dafür, dass wir Zukunftsinvestitionen und bedeutende Vorhaben der Koalition realisieren, werden wir andere überkommene, heute nicht mehr notwendige Ausgaben repriorisieren», sagte der FDP-Politiker am Freitag im Bundestag. «Noch mehr Schulden bei stark gestiegenen Zinsen ist jedenfalls nicht der richtige Weg.» Er wolle lieber Geld für Zukunftsinvestitionen ausgeben als für Zinsen.

Die Ziele der «Ampel»-Regierung (SPD, FDP, Grüne) blieben Wettbewerbsfähigkeit, Dekarbonisierung, Wohlstand für alle und eine soziale Balance. «Nach dem Urteil bleiben diese Ziele richtig, aber wir werden andere neue Wege dorthin finden», kündigte er an.

Im Bundestag brachte Lindner den Nachtragshaushalt für das laufende Jahr ein. Damit will die «Ampel» die Schuldenbremse aussetzen, um bereits für die Energiepreisbremsen genutzte Kredite nachträglich abzusichern. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist klar, dass die Regierung diese Kredite ohne weiteres nicht hätten aufnehmen dürfen.


Baerbock setzt sich für Fortsetzung der humanitären Feuerpause ein

BERLIN: Nach der Wiederaufnahme der Kämpfe im Gaza-Krieg hat Bundesaußenministerin Annalena Baerbock eine internationale Anstrengung zur Fortsetzung der Feuerpause gefordert. «In diesen Minuten müssen wir alles dafür tun, dass die humanitäre Feuerpause fortgeführt wird», verlangte die Grünen-Politikerin am Freitag in Berlin. Nötig sei dies «sowohl für die verbleibenden Geiseln, die seit Wochen in finsteren Tunneln auf Freilassung hoffen, als auch für die notleidenden Menschen in Gaza, die dringend mehr humanitäre Hilfe benötigen».

Das Leid sei für die Menschen in Israel wie für die Menschen in Gaza unerträglich, erklärte Baerbock zur aktuellen Lage. «Dieses Leid muss für alle endlich aufhören.» Israel werde niemals in Sicherheit leben können, wenn der Terror nicht bekämpft werde. Zugleich könne es nur Sicherheit für Israel geben, wenn auch die Palästinenser eine Zukunftsperspektive hätten.

Der tödliche Anschlag in Jerusalem am Donnerstag und die neuen Raketen auf Israel zeigten, dass dies nur gelingen könne, «wenn der Vernichtungsterror der Hamas keine Chance mehr hat, sich neu zu formieren», betonte Baerbock. Ohne arabische Länder ausdrücklich zu nennen, fügte sie hinzu: «Dafür müssen alle, die das Leid beider Seiten sehen und es für alle beenden wollen, darauf hinarbeiten, dass von der Hamas keine Existenzgefahr mehr für Israel ausgeht. Das hieße selbstverständlich auch, dass Hamas die Waffen niederlegen muss.» Nur so könne sich auch ein politischer Horizont für eine Zweistaatenlösung öffnen, «so unrealistisch das gerade heute Morgen auch erscheinen mag».


Guterres: Nur Führer der Welt können «Krankheit» Klimawandel heilen

DUBAI: UN-Generalsekretär António Guterres hat auf der Weltklimakonferenz mit Nachdruck die Staats- und Regierungschefs zu Maßnahmen gegen den Klimawandel aufgerufen. «Polareis und Gletscher verschwinden vor unseren Augen und verursachen weltweit Chaos: von Erdrutschen und Überschwemmungen bis hin zu steigenden Meeresspiegeln», sagte Guterres am Freitag in Dubai. «Aber das ist nur ein Symptom der Krankheit, die unser Klima in die Knie zwingt. Eine Krankheit, die nur Sie, die Führer der Welt, heilen können.»

Er sei vor kurzem auf dem schmelzenden Eis der Antarktis gewesen und nicht lange davor auf den schmelzenden Gletschern von Nepal. «Diese beiden Orte sind weit voneinander entfernt, aber in Krise verbunden.» Guterres betonte: «Die Lebenszeichen der Erde versagen.» Aber es sei noch nicht zu spät, dagegen vorzugehen. Weltweit müssten Wirtschaft und Unternehmen auf erneuerbare Energien umstellen. Die COP28 müsse ein «Gamechanger» werden, forderte der UN-Generalsekretär.

«Die globale Erwärmung sprengt die Budgets, treibt die Lebensmittelpreise in die Höhe, stellt die Energiemärkte auf den Kopf und schürt eine Krise der Lebenshaltungskosten», sagte er. Aber Klimaschutz könne noch den Schalter umlegen.


«New York Times»: Israel lagen Angriffspläne der Hamas lange vor

NEW YORK: Hinweise auf einen geplanten Großangriff der islamistischen Hamas lagen Israel laut einem Bericht der «New York Times» mehr als ein Jahr vor dem 7. Oktober vor. Demnach gab es einen umfassenden Austausch israelischer Behörden zu einem 40 Seiten langen Dokument mit dem Codenamen «Jericho-Mauer», das einen Gefechtsplan der Hamas skizzierte. Dieser soll bis ins Details dem Angriff geähnelt haben, den Hamas-Terroristen dann Anfang Oktober aus dem Gazastreifen heraus ausführten. Das Szenario sei von israelischen Militär- und Geheimdienstmitarbeitern als zu anspruchsvoll und schwierig in der Ausführung abgetan worden, berichtete die US-Zeitung am Donnerstag (Ortszeit).

«Es gibt keinen Zweifel, dass der Angriff vom 7. Oktober ein Versagen unsererseits war. Natürlich war es ein Versagen», sagte Israels Regierungssprecherin Tal Heinrich in Bezug auf den Bericht dem US-Sender CNN in der Nacht zum Freitag (Ortszeit). Israel werde das Geschehene genau untersuchen und daraus lernen. Auf die Frage, inwiefern Israels Premier Benjamin Netanyahu von dem Angriffsszenario gewusst beziehungsweise die Dokumente gelesen habe, sagte Heinrich: «Wir werden Untersuchungen anstellen. Der Ministerpräsident hat auch darüber gesprochen. Wenn es an der Zeit ist, wird er mehr sagen.»


Erneute Kämpfe im Gazastreifen erschweren Verhandlungen

DOHA: Nach Aussagen des Vermittlers Katars laufen die Verhandlungen zu einer möglichen Fortsetzung der Feuerpause im Gaza-Krieg trotz der erneuten Kämpfe weiter. «Das Außenministerium bestätigt, dass die Verhandlungen zwischen der palästinensischen und der israelischen Seite mit dem Ziel der Rückkehr zur Feuerpause fortgesetzt werden», hieß es in einer Erklärung am Freitag. Die «anhaltenden Bombardierungen des Gazastreifens in den ersten Stunden nach Ende der Feuerpause» erschwerten jedoch die Verhandlungen. Katar forderte die internationale Gemeinschaft auf, schnell zu handeln, um die Kämpfe zu beenden.

Unter der Vermittlung Katars, Ägyptens und der USA hatten sich Israel und die islamistische Hamas auf eine kurzzeitige Feuerpause geeinigt. Sie lief am Freitagmorgen aus und wurde nicht verlängert. Seitdem wird im abgeriegelten Küstenstreifen wieder gekämpft.


Präsident von El Salvador nimmt Auszeit - Ziel: Wiederwahl

SAN SALVADOR: Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, hat sich für sechs Monate beurlauben lassen, um sich trotz eines Verfassungsverbot zur Wiederwahl stellen zu können. Der entsprechende Antrag wurde vom Parlament genehmigt, wie die Nationalversammlung in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) mitteilte. Mit der Auszeit will Bukele das Verfassungsverbot der direkten Wiederwahl umgehen. Kritiker sprechen von einer Manipulation des Grundgesetzes. Vor zwei Jahren hatten die regierungstreuen Verfassungsrichter die erneute Kandidatur von Bukele zugelassen. Bedingung sei lediglich eine sechsmonatige Pause zwischen den Amtszeiten.

Für die restliche Amtszeit ernannte das Parlament eine Interimspräsidentin. Die derzeitige Privatsekretärin der Präsidentschaft, Claudia Rodríguez, soll ab diesem Freitag auf Vorschlag von Bukele die Aufgaben des Staatschefs übernehmen. Die Präsidentenwahl steht am 4. Februar an. Als Kandidat der Partei Nuevas Ideas (Neue Ideen) führt der 42-jährige konservative Bukele alle Umfragen mit großem Vorsprung an. Er regiert das Land mit sechs Millionen Einwohnern seit 2019. Sein hartes Vorgehen gegen die kriminellen Banden kommt bei der Bevölkerung gut an.

Wenn Bukele wie erwartet die Präsidentenwahl gewinnt, soll seine zweite fünfjährige Amtszeit am 1. Juni beginnen - genau nach Ende der Beurlaubung. Seit März 2022 gilt in El Salvador der Ausnahmezustand als Reaktion auf eine Welle der Gewalt. Im Kampf gegen die Banden wurden dadurch eine Reihe von Grundrechten ausgesetzt. Mehr als 70.000 mutmaßliche Bandenmitglieder wurden festgenommen. Aktivisten prangern willkürliche Festnahmen und andere Menschenrechtsverletzungen an.


Israels Armee zeigt Bewohnern im Gazastreifen neue Evakuierungszonen

GAZA/TEL AVIV: Israels Armee hat mit der Wiederaufnahme der Kämpfe im Gazastreifen nach eigenen Angaben neue Sicherheitszonen für die Zivilbevölkerung veröffentlicht. Wie das Militär am Freitagmorgen bekanntgab, habe man «in Vorbereitung auf die nächste Phase des Krieges» im Internet eine interaktive Karte in arabischer Sprache mit Evakuierungszonen veröffentlicht. Diese unterteile das Gebiet nach erkennbaren Bereichen, um den Bewohnern zu ermöglichen, «sich zu orientieren, die Anweisungen zu verstehen und sich bei Bedarf von bestimmten Orten aus in Sicherheit zu bringen».

Die Armee hatte zuvor nach Ablauf der einwöchigen Feuerpause die Kämpfe gegen die islamistische Hamas wiederaufgenommen. Kurz vor Ablauf der Frist habe es Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen auf Israel gegeben, hieß es. Israel warf der Hamas zudem vor, der vereinbarten Freilassung aller weiblichen Geiseln nicht nachgekommen zu sein. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium in Gaza wurden in den ersten drei Stunden der wieder aufgenommenen Kämpfe mindestens 32 Menschen in Gaza getötet. Diese Angaben können derzeit nicht unabhängig überprüft werden.

Die Hamas warf Israel vor, sich die ganze Nacht über in den Verhandlungen über eine Fortsetzung der Feuerpause geweigert zu haben, sämtliche Angebote mit dem Ziel der Freilassung weiterer Geiseln anzunehmen, hieß es in einer Mitteilung. Man habe die Freilassung weiterer Geiseln, die Übergabe der Leichen einer israelischen Familie und die Freilassung von deren Vater angeboten.


Skisaison an der Zugspitze startet

GARMISCH-PARTENKIRCHEN: Die Lifte an Deutschlands höchstem Berg sind bei der Eröffnung der Skisaison meist ganz vorn mit dabei. In diesem Jahr ist das anders - die Vorfreude scheint dennoch groß.

Von Freitag an können Skifahrer an der Zugspitze ihre ersten Schwünge ziehen. An Deutschlands höchstem Berg startet der Winterbetrieb - gut zwei Tage nach den ersten Liften im Schwarzwald und einen Tag später als am Söllereck im Allgäu. Der starke Schneefall in den vergangenen Tagen hat die Reihenfolge bei Saisoneröffnung etwas durcheinandergewirbelt.

Die Skifans müssen erneut tiefer in die Tasche greifen. Zwischen knapp vier und zehn Prozent dürften es je nach Skigebiet werden. An der Zugspitze sowie im Skigebiet Garmisch Classic, in dem der Saisonstart erst Mitte Dezember geplant ist, kostet eine Tageskarte 62 Euro, 5 Euro mehr als in der vergangenen Saison. In Österreich steigen die Preise ebenfalls um bis zu zehn Prozent.

Die Vorfreude scheint dennoch groß. «Der Saisonkartenverkauf läuft sehr gut, das Interesse am Wintersport ist ungebrochen», sagte Antonia Asenstorfer, Geschäftsführerin der Alpen Plus-Skigebiete und Vorstandsmitglied im Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte. Nach zwei Coronajahren und einem Winter im Zeichen der Energiekrise sehe es erstmals wieder nach einen normalen Winter aus, sagte die Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn, Verena Tanzer.


Mehr als 30 tote Grindwale an Strand in Tasmanien entdeckt

HOBART: Auf der australischen Insel Tasmanien sind 34 Grindwale an einem Strand verendet. Was die Massenstrandung auf der abgelegenen Freycinet-Halbinsel an der Ostküste verursacht hat, sei noch unklar, teilte das Meeresschutzprogramm (MCP) des Bundesstaates mit. Augenzeugen sagten, der Anblick der toten Meeressäuger sei niederschmetternd und schwer zu ertragen gewesen. «Nach der ersten tierärztlichen Untersuchung der Grindwale gab es keine nennenswerten Befunde oder Anzeichen einer Verletzung», hieß es in der Mitteilung.

Medienberichten zufolge wurden die Grindwale (auch Pilotwale genannt) bereits am Dienstag am Bryans Beach entdeckt. Aufgrund der abgelegenen Fundstelle gebe es keine praktikable Möglichkeit, die Kadaver vom Strand zu entfernen, schrieb das MCP. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Abstand zu halten. «Wir wissen nicht, warum die Wale gestrandet sind, und es ist oft nicht möglich, dies festzustellen.» Die verwesenden Tier lockten aber häufig Haie an. Schwimmer sollten deshalb die Region meiden.

Strandungen von Grindwalen sind in Tasmanien, aber auch in anderen Teilen Australiens, keine Seltenheit. Im vergangenen Jahr waren in der flachen Macquarie-Bucht im Westen von Tasmanien mehr als 200 Grindwale verendet. Das Verhalten der Tiere gibt Experten bis heute Rätsel auf. Sicher ist aber, dass Grindwale extrem enge Bindungen untereinander aufbauen. Zu bestimmten Jahreszeiten sind sie in großen Verbänden unterwegs, was das Risiko einer Massenstrandung erhöht.


Roter Halbmond: Hunderte Lkw mit Hilfsgütern erreichen Norden Gazas

GAZA: Seit Beginn der Waffenruhe im Gaza-Krieg haben nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds 310 Lastwagen mit Hilfsgütern erfolgreich den massiv von Israel bombardierten Norden des abgeriegelten Küstenstreifens erreicht. Wie die Hilfsorganisation in der Nacht zum Freitag auf X (vormals Twitter) bekanntgab, konnten auf diese Weise wichtige Güter wie Lebensmittel, Babynahrung und Decken für Tausende Menschen in Not bereitgestellt werden. Allein am Vortag hätten 56 Lastwagen mit Hilfsgütern die Stadt Gaza und die nördlichen Gebiete des Gazastreifens erreicht, hieß es in der Mitteilung.

Bis zum Beginn der Waffenruhe vor genau einer Woche hatte sich Israel bei seinem militärischen Vorgehen gegen die islamistische Hamas auf den Norden Gazas konzentriert. Hunderttausende Menschen waren von der Armee zur Flucht in den Süden Gazas aufgefordert worden. Dennoch starben bei den massiven Bombardements auch zahlreiche Zivilisten.

Insgesamt kamen seit Beginn der zwischenzeitlich verlängerten und vorläufig bis zu diesem Freitagmorgen befristeten Feuerpause mehr als 1000 Lastwagen mit Hilfslieferungen im gesamten Küstengebiet an. Der Palästinensische Rote Halbmond hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass bis zum Vortag 1132 Lkw mit Hilfsgütern über den einzigen für Hilfe geöffneten Grenzübergang Rafah in den Gazastreifen gefahren seien.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.