Neues aus dem Ausland am Donnerstag

Neues aus dem Ausland am Donnerstag

Justizministerium eröffnet Untersuchung gegen Polizei in Phoenix

WASHINGTON: Das US-Justizministerium hat wegen mutmaßlicher Polizeigewalt eine Untersuchung der Stadt Phoenix im Bundesstaat Arizona und der dortigen Polizeibehörde angekündigt. Es solle festgestellt werden, ob die Polizei übermäßige Gewalt anwende oder diskriminierende Praktiken anwende, sagte US-Justizminister Merrick Garland am Donnerstag. Es würden alle Arten der Gewaltanwendung untersucht - einschließlich tödlicher Gewalt. Ziel sei es außerdem, herauszufinden, ob die Polizei Menschen mit Behinderung unrechtmäßig behandele oder die Rechte von Obdachlosen verletze, in dem sie deren Hab und Gut beschlagnahme und entsorge. Schließlich gehe es auch um die Frage, ob die Polizei unrechtmäßig gegen Menschen vorgehe, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ausüben.

In den vergangenen Monaten hatte das Justizministerium bereits Untersuchungen gegen die Polizeibehörden in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota und Louisville im Bundesstaat Kentucky eingeleitet. In Minneapolis war der Afroamerikaner George Floyd vor knapp einem Jahr bei einem Polizeieinsatz getötet worden. In Louisville war die Afroamerikanerin Breonna Taylor bei einem Polizeieinsatz in ihrer Wohnung erschossen worden. «In beiden Städten, wie auch in Phoenix, haben wir das Glück, die Unterstützung der Stadtverwaltung und der Polizeichefs zu haben», sagte Kristen Clarke, die im Ministerium für Bürgerrechte zuständig ist.

Man werde nun die Aufnahmen von Körperkameras der Polizeikräfte, Schulungsunterlagen und diverse weitere Dokumente und Berichte untersuchen, kündigte Clarke an. Man habe zuletzt Gerichtsakten, Medienberichte und Bürgerbeschwerden geprüft sowie auch die Schritte, die eine Dienstelle unternimmt, um auf Vorwürfe zu reagieren. «Wir haben festgestellt, dass die Beweise in diesem Fall eine umfassende Untersuchung rechtfertigen», sagte Clarke. Man gehe diese Untersuchung nun aber offen an. Ziel sei es generell, etwa systemisches Fehlverhalten offenzulegen, damit dieses schließlich behoben werden könnten.


Kokain im Wert von 34 Millionen Dollar vor El Salvador beschlagnahmt

ACAJUTLA: In einem Boot vor der Küste El Salvadors ist Kokain im Wert von 34,2 Millionen US-Dollar (rund 29 Mio Euro) entdeckt worden. Die Marine fing das Motorboot rund 490 Seemeilen (gut 900 Kilometer) vor dem Pazifikhafen Acajutla ab, wie die Regierung des mittelamerikanischen Landes am Donnerstag mitteilte. An Bord waren demnach etwa 1370 Kilogramm Kokain, verteilt auf 70 Säcke, sowie sechs Personen: drei Mexikaner, zwei Ecuadorianer und ein Kolumbianer. Sie wurden festgenommen.

Drogenkartelle schmuggeln auf verschiedenen Transportwegen erhebliche Mengen Kokain aus Südamerika durch Mittelamerika in die USA. Immer wieder gelingt Sicherheitskräften oder Ermittlern ein großer Fund.


Mitsotakis schwört Griechen auf harte Tage wegen der Brände ein

ATHEN: Griechenland muss sich nach Ansicht der Regierung angesichts der zahlreichen Feuer und Brandherde auf harte Tage einstellen. «Wir haben mit Dutzenden Waldbränden zu kämpfen. Drei davon - in Athen, auf dem Peloponnes und auf Euböa - sind von enormer Stärke und gewaltigem Ausmaß», sagte der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis am Donnerstagabend bei einer Ansprache im Staatsfernsehen. Er warnte vor starken Westwinden am Freitag, einem «noch nie da gewesenen Zustand, weil die vergangenen Tage der Hitze und Trockenheit das Land in ein Pulverfass verwandelt haben».

Bis mindestens Montag ist es den Menschen in Griechenland untersagt, Wälder zu besuchen. Auch dürfen keine Arbeiten durchgeführt werden, die Funken oder Flammen erzeugen könnten. «Unsere Priorität ist der Schutz von Menschenleben», sagte Mitsotakis und forderte die Bürger auf, Ruhe zu bewahren, zusammenzuhalten und den Anweisungen von Behörden, Feuerwehr und Polizei Folge zu leisten.

In Griechenland, aber auch der Türkei, Italien und Bulgarien wüten derzeit zahlreiche Waldbrände. Fachleute warnen, dass die Hitze nicht so schnell nachlassen wird und noch viele Brände zu befürchten sind.


Gewaltige Feuerwalze wütet in der Nähe von Athen

ATHEN: Das Feuer nördlich von Athen ist am Donnerstagabend erneut voll aufgeflammt. Fernsehbilder des Staatssenders ERT zeigten eine gewaltige Feuer- und Rauchwalze in der Region. Auch Häuser sind bedroht, der griechische Zivilschutz rief die Menschen per SMS dazu auf, die Gegend schnellstmöglich zu verlassen. Verzweifelte Anwohner sammelten Tiere ein. Sie fällten zudem Bäume, um den Flammen die Nahrung zu entziehen. Die riesigen Rauchwolken waren auch vom Stadtzentrum Athens aus zu sehen.

Griechenland kämpft wie andere Mittelmeeranrainer auch nach einer langen Hitzephase gegen unzählige Waldbrände. Unter anderem auf der Insel Euböa geriet die Situation am Donnerstag außer Kontrolle, dort toben mehrere Brände, Häuser und Orte wurden evakuiert. Auf dem Peloponnes gab es ebenfalls etliche Brandherde, mancherorts drohen Orte von den Flammen eingeschlossen zu werden.


Hunderte Katzen an seltener Krankheit verendet

LONDON: In Großbritannien sind Hunderte Katzen mutmaßlich an einer seltenen Krankheit gestorben. Das berichtete der Sender Sky News am Donnerstag unter Berufung auf Angaben der Tierarztvereinigung Royal Veterinary College. Mindestens 330 Katzen sollen demnach gestorben und mehr als 500 in Tierkrankenhäusern behandelt worden sein. Allerdings gehen die Fachleute von einer hohen Dunkelziffer aus, da nicht alle Ärzte ihre Zahlen an die Vereinigung melden.

Die sogenannte Panzytopenie könnte Experten zufolge in Zusammenhang mit kontaminiertem Katzenfutter stehen. Die Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen sollen bei erkrankten Tieren schnell abnehmen, was tödliche Folgen haben kann. Bestimmte Trockenfutter einiger Hersteller wurden aus Vorsicht dem Bericht zufolge zurückgerufen.

Die britische Lebensmittelbehörde teilte mit, es gebe keine Hinweise darauf, dass der Ausbruch auch für Menschen eine gesundheitliche Gefahr darstellen könne.


Schüsse : Drei minderjährige Verdächtige auf freiem Fuß

STOCKHOLM: Zwei Tage nach den Schüssen im Süden von Schweden mit mehreren Verletzten sind die drei festgenommenen Minderjährigen auf freien Fuß gesetzt worden. Das hat der zuständige Staatsanwalt Johan Eriksson nach Angaben seiner Behörde am Donnerstagnachmittag entschieden. Basierend darauf, was bei den Ermittlungen bislang herausgekommen sei, gebe es keine ausreichenden Gründe mehr, um die drei weiter festzuhalten. Der Verdacht gegen sie bleibe aber bestehen, sagte Eriksson mehreren schwedischen Medien.

Bei den Schüssen in der Nähe eines Einkaufszentrums in der südschwedischen Kleinstadt Kristianstad waren am Dienstag eine ältere Frau und zwei jüngere Männer schwer verletzt worden. Die drei männlichen Teenager waren noch am Abend unter dem Verdacht des dreifachen versuchten Mordes festgenommen worden. Sie sind nach Angaben der Ermittler unter 18 Jahre alt, aber über 15 und somit strafmündig.

Kristianstad liegt in der südschwedischen Region Skåne und knapp 100 Kilometer nordöstlich von Malmö. Die Hintergründe der Tat werden im Banden-Milieu vermutet. Schweden hat seit längerem ein Problem mit Gewalttaten zwischen rivalisierenden Gangs, vor allem in den Großstädten, aber auch in vielen kleineren Orten.

Vorfälle wie die Schüsse in Kristianstad sind für die Schwedinnen und Schweden somit längst kein Einzelfall mehr. Das zeigte am Donnerstag eine weitere Tat in Linköping knapp 300 Kilometer weiter nördlich: Auch dort fielen am Abend Schüsse, wie die Polizei meldete. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge wurden dabei zwei Menschen verletzt. Bei ihnen soll es sich nach Angaben der Zeitung «Expressen» um zwei jüngere Männer handeln, die mit nun sehr schweren Verletzungen im Krankenhaus liegen.


Ebrahim Raisi als Präsident vereidigt

TEHERAN: Als neuer Präsident des Irans ist Ebrahim Raisi am Donnerstag im Parlament vereidigt worden. Der 60-jährige Kleriker wird damit offiziell der Nachfolger von Hassan Ruhani, der nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten durfte. Als Spitzenkandidat der politischen Hardliner im Land und Wunschkandidat des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei hatte Raisi die Präsidentenwahl im Juni mit knapp 62 Prozent der Stimmen gewonnen.

Mit ihm als Präsident sind nun alle drei Staatsorgane des Landes - Exekutive, Legislative und Judikative - unter der Kontrolle der Erzkonservativen und Hardliner.

Der 1960 in Maschad im Nordosten des Iran geborene Raisi gilt innerhalb des islamischen Systems als sehr einflussreich. Er pflegt auch ein enges Verhältnis zum obersten Führer, Ajatollah Chamenei. Raisi war über drei Jahrzehnte in der Justizbehörde tätig, 2019 wurde er sogar zum Justizchef ernannt. Ihm wird nachgesagt, dass er in seiner früheren Funktion als Staatsanwalt für zahlreiche Verhaftungen und Hinrichtungen politischer Dissidenten verantwortlich gewesen sei.

Politisch ist Raisi noch ein unbeschriebenes Blatt. In einer Rede am Dienstag sprach er von Umbruch und Änderung des Status quo, womit er in erster Linie ein schnelles Ende der akuten Wirtschaftskrise herbeiführen will. Dabei sollen alle Experten, unabhängig von ihren politischen und ideologischen Tendenzen, mithelfen. Sein Kabinett soll schon am Wochenende dem Parlament vorgestellt werden. Die Auswahl der Vizepräsidenten und Minister wird dann einen genaueren Aufschluss über seinen politischen Kurs geben.


Neuer Dialog zwischen Venezuelas Regierung und Opposition geplant

MEXIKO-STADT: Im seit Jahren andauernden Konflikt zwischen der venezolanischen Regierung und der Opposition wagen die verfeindeten Lager einen neuen Dialogversuch. Die Gespräche sollen in Mexiko stattfinden, wie der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador am Donnerstag sagte.

«Norwegen hat vorgeschlagen, dass diese Verhandlungen in Mexiko stattfinden, und wir haben uns dazu bereit erklärt», sagte der Staatschef bei seiner täglichen Pressekonferenz. «Hoffentlich erzielen sie eine Einigung.» Einen genauen Zeitpunkt für den von Norwegen moderierten Dialog nannte López Obrador nicht. Laut Medienberichten sind die Gespräche für Mitte des Monats geplant.

Venezuela steckt in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise. Oppositionsführer Juan Guaidó hatte sich Anfang 2019 zum Interimspräsidenten erklärt und versucht seitdem, den autoritären Staatschef Nicolás Maduro aus dem Amt zu drängen. Zwar erhielt er viel Unterstützung aus dem Ausland, konnte sich aber in Venezuela selbst nicht durchsetzen. Ende 2020 verlor die Opposition zudem ihre Mehrheit im Parlament.

Die Opposition fordert freie Wahlen und die Freilassung der politischen Gefangenen, die sozialistische Regierung strebt eine Lockerung der internationalen Sanktionen an. Eine ganze Reihe von Gesprächsrunden zwischen der Regierung und der Opposition sind bereits gescheitert.


Nawalnys Ehefrau für drei Tage zu Besuch im Straflager

MOSKAU: Der in einem russischen Straflager inhaftierte Kremlkritiker Alexej Nawalny hat Besuch von seiner Frau Julia bekommen. Drei Tage durfte sie bleiben. «Ich saß einige Zeit im Gefängnis. So cool!», schrieb die 45-Jährige am Donnerstag bei Instagram und veröffentlichte ein Bild von sich. Die Begegnung mit ihrem Mann schilderte sie so: «Dann wird ein dünner, braun gebrannter, lächelnder Mann in einem Gefängnisanzug hereingebracht.» Sie hätten die Zeit gemeinsam in Besuchsräumen mit Küche verbracht.

«Der geliebte Mensch ist dort. Du streckst die Hand aus und berührst sie, immer noch ein wenig überrascht, dass niemand versucht, dich aufzuhalten», schrieb Julia Nawalnaja weiter. Sie habe Nawalny einen Topf Borschtsch mit Sauerampfer und Kirschen mitgebracht. «In dem Straflager Pokrow ist alles sehr anständig, und es sieht aus wie ein Zwei-Sterne-Hotel, es gibt sogar Gemälde an den Wänden.» Das Gefängnis liegt etwa 100 Kilometer östlich von Moskau.

Der 45-Jährige ist seit mehreren Monaten inhaftiert. Er wurde Mitte Januar bei seiner Rückkehr aus Deutschland nach Russland an einem Moskauer Flughafen festgenommen. Kurz darauf verurteilte ihn ein Gericht zu mehreren Jahren Straflager. Er soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben, während er sich in Deutschland von einem Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok erholte. Das Urteil wurde international als politisch motiviert kritisiert.

Den Abschied von ihrem Mann beschrieb Nawalnaja so: «Nach drei Tagen ist es vorbei, und der Ehemann wird wieder in ein Gewand gekleidet und abgeführt.» In diesem Moment hätte sie ihrem Ehemann am liebsten zurückbehalten - «aber die einzige Waffe ist ein leerer Borschtsch-Topf.» Nawalny lasse «alle herzlich grüßen».


London einigt sich mit Berlin auf Visafreiheit für Künstler

LONDON: Mehr als ein halbes Jahr nach dem Brexit hat sich Großbritannien nach eigenen Angaben mit Deutschland und 18 weiteren EU-Staaten auf visafreie Reisen für Musiker und Künstler geeinigt. In diesen Staaten, zu denen auch Frankreich oder Österreich zählen, seien «kurzfristige Tourneen» ohne Visum oder Arbeitserlaubnis nun wieder möglich, teilte das Kulturministerium in London in der Nacht zum Donnerstag mit.

Bei der Dauer der visafreien Einreise gebe es Unterschiede in den einzelnen Staaten, sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage. Großbritannien erlaubt seinerseits Aufenthalte von bis zu drei Monaten. Von der Bundesregierung gab es dafür zunächst weder eine Bestätigung noch eine Reaktion.

Monatelang hatten Künstler wie die Sänger Elton John und Ed Sheeran oder die Schauspieler Ian McKellen und Patrick Stewart die Regierung mit Nachdruck aufgefordert, sich für visafreie Reisen einzusetzen. Seit dem 1. Januar benötigten Künstler teure Visa für Auftritte in der EU beziehungsweise in Großbritannien. London und Brüssel machen sich gegenseitig für die Situation verantwortlich.

Die Gespräche mit den übrigen EU-Mitgliedstaaten, darunter Spanien, würden weitergeführt, teilte die britische Regierung weiter mit. Sie seien aufgefordert, ihre Vereinbarungen an die «großzügigen Regeln» des Vereinigten Königreichs anzupassen und eine visafreie Einreise von bis zu drei Monaten zu genehmigen. «Wir möchten, dass die fantastischen britischen Künstler und anderen Kreativschaffenden problemlos auf Tournee ins Ausland fahren können», so das Ministerium. Wichtig sei, dass Musiker und Künstler wieder auf Reisen gehen «und der Welt das Beste der britischen Kreativität zeigen» könnten.


Dörfer auf Euböa wegen Feuer evakuiert - Athen setzt Militär ein

ATHEN: Die Brände in Griechenland toben weiter: Am Donnerstag wurden zunehmend Dörfer auf der Insel Euböa evakuiert, um die Menschen vor den Flammen zu schützen. Auch auf dem Peloponnes gab es neue Brandherde. Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis kündigte an, im Kampf gegen das Feuer verstärkt Militär einzusetzen. Die Soldaten sollen die Situation aus der Luft mit Drohnen verfolgen und neue Brandherde zeitig entdecken. Zudem sollen sie die Feuerwehr mit Baggern und anderem schweren Gerät unterstützen und mit Tankwagen Wasser zu den Brandherden transportieren.

«Wir müssen jetzt zuerst die schwierige Zeit bewältigen, die uns bevorsteht», sagte Mitsotakis und versprach, betroffenen Bürgern zu helfen. Seit nunmehr sieben Tagen wird Griechenland neben einer Hitze- auch von einer Feuerwelle überrollt. Fast stündlich brechen neue Brände aus. Für Freitag meldet der griechische Zivilschutz für weite Landesteile erneut höchste Feuergefahr. Entwarnung geben können auch die Meteorologen nicht, die Hitze im ohnehin ausgedörrten Land bleibt hoch.


Dutzende Verletzte bei Straßenbahnunfall

POZNAN: Beim Zusammenstoß zweier Straßenbahnen sind im polnischen Poznan (Posen) 31 Menschen verletzt worden, mehrere von ihnen schwer.

Ein eingeklemmter Straßenbahnfahrer musste von der Feuerwehr aus dem Fahrzeug befreit werden, wie die Agentur PAP unter Berufung auf die Rettungskräfte berichtete. Er wurde mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Eine Straßenbahn war an einer Kreuzung mit Kreisverkehr auf die andere Tram aufgefahren, die Gründe hierfür waren zunächst unklar. Die Strecke wurde gesperrt. Auch im Autoverkehr kam es zu Behinderungen. Die Stadt mit mehr als 500.000 Einwohnern liegt knapp 250 Kilometer östlich von Berlin.


Keine Beobachter bei Dumawahl: Russland kritisiert die OSZE

MOSKAU: Russland hat die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kritisiert, weil sie die Teilnahme von Wahlbeobachtern bei der anstehenden Parlamentswahl abgesagt hat. Die OSZE hatte ihre Entscheidung mit personellen Einschränkungen durch die russischen Behörden begründet. Es sei bedauerlich, dass beim OSZE-Menschenrechtsbüro ODIHR die Logik «alles oder nichts» vorherrsche, sagte Vize-Außenminister Alexander Gruschko am Donnerstag der russischen Tageszeitung «Kommersant». «Dieser Ansatz funktioniert nicht in den Beziehungen zu souveränen Staaten.» Die OSZE habe 500 Beobachter zur Wahl der neuen Staatsduma in gut sechs Wochen schicken wollen, Russland habe 60 zugelassen.

Moskau habe «ohne irgendwelche klaren Pandemie-bezogenen Einschränkungen» die Zahl der internationalen Wahlbeobachter so klein halten wollen, dass eine effektive Beobachtungsmission nicht möglich sei, hieß es in einer Mitteilung der OSZE.

Russische Oppositionelle warnen immer wieder vor Betrug und Fälschungen bei der Abstimmung am 19. September. Die OSZE hat nach eigenen Angaben seit 1993 durchgehend Duma-Wahlen beobachtet.

Der FDP-Außenpolitiker Michael Link hält die OSZE-Entscheidung für folgerichtig. «Selbst bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl, die unter deutlich schärferen Pandemiebedingungen stattfand, war die Wahlbeobachtungsmission der OSZE fast doppelt so groß wie im Vergleich zu dem, was der Kreml nun erlauben wollte», sagte er der «Heilbronner Stimme». «Dieser Vorgang zeigt leider einmal mehr, wie wenig für die heutige Führung die von Russland selbst eingegangenen internationalen Verpflichtungen im Rahmen der OSZE bedeuten.»


EU warnt Taliban vor Kriegsverbrechen und fordert Waffenruhe

BRÜSSEL: Die EU hat die Konfliktparteien in Afghanistan zu einer sofortigen und umfassenden Waffenruhe aufgefordert. Die jüngste Eskalation der Gewalt durch die verstärkten Angriffe der Taliban verursache enormes Leid für die afghanische Bevölkerung und erhöhe die Zahl der Binnenflüchtlinge, kritisierten der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell und EU-Kommissar Janez Lenarcic am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung. Die militärische Offensive der Taliban stehe in direktem Widerspruch zu ihrem Bekenntnis zu einer Verhandlungslösung des Konflikts und zum Doha-Friedensprozess.

Zudem drohten die EU-Vertreter den Verantwortlichen für das willkürliche Töten von Zivilisten, das öffentliche Auspeitschen von Frauen oder die Zerstörung von Infrastruktur internationale Verfolgung an. Einige dieser Taten könnten Kriegsverbrechen darstellen und müssten aufgeklärt werden, erklärten Borrell und Lenarcic. Die verantwortlichen Befehlshaber oder Taliban-Kämpfer müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

In Afghanistan hat sich die Sicherheitslage zuletzt deutlich verschlechtert. Als ein Grund gilt das im April beschlossene Ende des internationalen Militäreinsatzes in dem Land. Der Ausbildungseinsatz der Nato für Sicherheitskräfte der afghanischen Regierung wurde bereits beendet, der davon unabhängige Militäreinsatz der USA in dem Land soll bis Ende August vollständig abgeschlossen sein.

Auf Kritik an der Abzugsentscheidung entgegnet die Nato, dass sie weiter finanzielle Unterstützung leistet und nun im Ausland Trainingscamps für afghanische Spezialkräfte organisiert. Ein Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass erst Anfang dieser Woche wieder von der Nato finanzierte Ausrüstung für die afghanischen Truppen und medizinische Versorgungsgüter geliefert worden seien.


Mehr als 10.000 Migranten kamen über Ärmelkanal nach Großbritannien

DOVER: In diesem Jahr haben bereits mehr als 10.000 Migranten die gefährliche illegale Route über den Ärmelkanal nach Großbritannien auf sich genommen. Die britische Nachrichtenagentur PA zählte seit Beginn des Jahres bereits mehr als 10.200 Menschen, die auf diesem Wege die britische Küste in Dover erreichten, wie sie am Donnerstag meldete.

Das Innenministerium gab zudem einen neuen Tageshöchstwert bekannt: So hatten am Mittwoch mindestens 482 Menschen auf kleinen Schlauchbooten von Frankreich aus die gefährliche Überfahrt gewagt, das waren so viele wie nie zuvor. Zuvor hatte der Tagesrekord bei 430 gelegen. Bereits im vergangenen Monat hatte die Zahl derjenigen, die die Meerenge in kleinen Booten illegal vom Kontinent nach England überquert haben, trotz des Brexits die Zahl des Vorjahres überstiegen.

Immer wieder geraten die Migranten bei der Überfahrt in Seenot. Erst am Mittwoch rettete die französische Küstenwache 34 Menschen vor Dünkirchen und Neufchâtel-Hardelot. Unter ihnen waren den Behörden zufolge auch zwei Frauen und drei Kinder. Verletzt wurde demnach niemand.

Der britischen Regierung, die nach dem Brexit ein neues, rigides Einwanderungssystem eingeführt hat, sind die illegal ankommenden Migranten ein Dorn im Auge. London und Paris verständigten sich kürzlich darauf, ihre Kontrollen an den Küsten zu verstärken. Die britische Regierung will Frankreich bis nächstes Jahr mit einem Betrag von 62,7 Millionen Euro unterstützen, damit mehr Sicherheitskräfte an der französischen Küste Migranten zurückhalten. Die britische Innenministerin Priti Patel kündigte zudem an, Asylsuchenden, die über illegale Routen ins Land gelangen, langfristig weniger Rechte zu geben als anderen.


Manöver mit russischer Beteiligung an afghanischer Grenze begonnen

DUSCHANBE: Unter Beteiligung Russlands hat in Zentralasien an der Grenze zu Afghanistan eine mehrtägige Militärübung begonnen. Angesichts des Vormarsches der militant-islamistischen Taliban wollen Russland und die Ex-Sowjetrepubliken Tadschikistan und Usbekistan ihre militärische Zusammenarbeit ausbauen. Das Manöver mit mehr als 2500 Soldaten begann nach Angaben der russischen Agentur Interfax am Donnerstag auf einem Trainingsgelände in der tadschikischen Region Chatlon mit einer Militärzeremonie.

Russland, das in Tadschikistan seine größte Auslandsbasis hat, ist mit bis zu 1800 Soldaten vertreten. Bis zum 10. August soll unter anderem die Abwehr feindlicher Panzer und Drohnen geübt werden. Außerdem soll trainiert werden, wie das Eindringen ausländischer Kämpfer verhindert werden kann.

Russland beobachtet das Erstarken der Taliban im Zusammenhang mit dem Abzug der US- und Nato-Truppen aus Afghanistan mit großer Sorge. Moskau befürchtet, dass Islamisten in ehemals sowjetisches Gebiet eindringen könnten.


Britische Opposition: Gefahr neuer «London Riots» ist höher denn je

LONDON: Zehn Jahre nach den «London Riots» mit tagelangen Ausschreitungen in mehreren englischen Städten hat die oppositionelle Labour-Partei vor einer Wiederholung gewarnt. Das Risiko neuer flächendeckender Krawalle sei so hoch wie nie, teilte die Partei am Donnerstag mit. Sie warf der Regierung von Premierminister Boris Johnson vor, sie habe dabei versagt, die Umstände, die damals zu dem Gewaltausbruch führten, zu bewältigen. Vielmehr habe sich die Zahl der «vergessenen Familien», aus denen viele der beteiligten jungen Menschen stammten, im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt.

Die «London Riots» hatten am 6. August 2011 in der britischen Hauptstadt begonnen, nachdem Polizisten einen 29 Jahre alten Mann aus Tottenham erschossen. Die Proteste gegen Polizeigewalt eskalierten, landesweit kam es zu Plünderungen und Brandstiftungen, an denen sich Tausende beteiligten. Fünf Menschen starben, der Sachschaden wurde auf 500 Millionen Pfund (aktuell 588 Mio Euro) geschätzt.

Labour kritisierte, die Regierung habe nur einen kleinen Teil der Vorschläge umgesetzt, die eine unabhängige Untersuchung empfohlen hatte. Die Partei veröffentlichte zudem einen eigenen Bericht: «Der psychologische Schaden für die Gemeinden, die von den Unruhen betroffen waren, ist unermesslich», heißt es darin. Hunderttausende «vergessene Familien» erhielten keine oder nur unzureichende Unterstützung der Behörden. «Die tiefen sozialen Ungleichheiten haben sich nach einem Jahrzehnt der Kürzungen lebenswichtiger Dienstleistungen zur Unterstützung von Familien in Not und einer Zunahme der Armut noch verschärft», sagte Labour-Experte Steve Reed.

Die Regierung verwies hingegen darauf, dass die Sozialbehörden allein seit Beginn der Corona-Pandemie mit Milliarden Pfund unterstützt worden seien.


Dürre treibt in französischem Ort serienweise Risse in Wohnhäuser

COUR-CHEVERNY: Die zunehmende Dürre der vergangenen Jahre beschert den Einwohnern der französischen Ortschaft Cour-Cheverny in der Weinbauregion Loire ein ganz neues Problem. Auf dem ausgetrockneten Lehmboden sacken die Häuser ab und werden von Rissen durchzogen, wie die Zeitung «Le Parisien» am Donnerstag berichtete. Waren demnach 2015 erst 30 Häuser in dem 2900-Einwohner-Ort betroffen, so seien es inzwischen 270.

«Nichts ist mehr gerade in meinem Haus, außer ich selber», sagte Rentnerin Mireille der Zeitung. Fenster ließen sich nicht mehr schließen, die Terrasse habe sich gewölbt und Fundamente sackten weg. «Jeden Abend höre ich, wie das Haus kracht, das macht mir Angst, aber ich kann nichts tun.»

Das in der Mitte Frankreichs gelegene Département Loir-et-Cher gehört zu den Regionen, die erst neuerdings von Dürreproblemen betroffen sind. Auf die Hausbesitzer kommen Sanierungskosten von bis zu 100.000 Euro zu, mit Stützpfeilern wurden Mauern provisorisch abgesichert. «Wir sind keine Wissenschaftler, aber wir sehen, wie sich das Klima von Jahr zu Jahr verändert», sagte ein Rentnerpaar, das die Fundamente seines 1979 erbauten Hauses verstärken musste. Damals sei die Dürre noch kein Thema gewesen.

Über ihre Gebäudeversicherungen wollen sich die Betroffenen die Ausbesserung der Schäden erstatten lassen. Die Versicherer aber warten auf die offizielle Anerkennung der Dürre in der Kommune als Naturkatastrophe - und erhöhen derweil bereits die Prämien, wie die Betroffenen dem Zeitungsreporter sagten.


Cartoonist Martin Perscheid gestorben

OLDENBURG/WESSELING: Der deutsche Cartoonist Martin Perscheid ist im Alter von 55 Jahren gestorben. Das gaben der Lappan Verlag und die Caricatura Galerie Kassel am Donnerstag im Namen der Familie bekannt.

Er habe nach langer Krankheit in der Nacht zum 31. Juli den Kampf gegen den Krebs verloren.

«Dieser Verlust ist dramatisch. Wir verlieren mit Martin Perscheid nicht nur einen der besten und populärsten Zeichner der Komischen Kunst, sondern auch ein Vorbild und einen Wegbereiter - und einen Freund», sagte Martin Sonntag, Leiter der Caricatura Galerie.

Unter dem Titel «Perscheids Abgründe» habe er 4300 Cartoons geschaffen und sei zu einem der bedeutendsten Cartoonisten unsere Zeit geworden, hieß es in der Mitteilung. Martin Perscheid lebte und arbeitete bis zu seinem Tod in Wesseling bei Köln.


Schwierige Bergungsarbeiten nach tödlichem Zugunglück in Tschechien

DOMAZLICE: Nach der schweren Zugkollision mit drei Toten im tschechischen Grenzgebiet zu Bayern haben die Bergungsarbeiten begonnen. Am Donnerstag traf ein Kran an der Unglücksstelle ein, der die 80 Tonnen schwere Lokomotive zum Abtransport nach Deutschland wieder auf die Gleise hieven sollte. Regen und der matschige Untergrund erschwerten die Arbeiten an der eingleisigen Strecke. Im Nah- und Fernverkehr waren Ersatzbusse im Einsatz.

Der Expresszug München-Prag und ein entgegenkommender Regionaltriebwagen waren am Mittwochmorgen bei Domazlice (Taus) frontal zusammengestoßen. Die beiden tschechischen Lokführer und eine Frau aus dem Triebwagen kamen ums Leben. Nach aktualisierten Angaben der Rettungsdienste wurden mehr als 60 Menschen verletzt. Alle zehn Schwerverletzten, die in Kliniken in Prag und Pilsen (Plzen) behandelt werden, sind inzwischen außer Lebensgefahr.

Zehn Deutsche mit mittelschweren Verletzungen waren zur Behandlung nach Bayern gebracht worden. Tobias Muhr vom Bayerischen Roten Kreuz lobte die Zusammenarbeit mit den tschechischen Kollegen. Einmal im Jahr gebe es grenzüberschreitende Übungen. «Das hat sich bewährt», sagte Muhr, der als einer der ersten am Unglücksort war.

Nach ersten Erkenntnissen soll der Lokführer des Expresszugs ein Haltesignal missachtet, aber im letzten Moment noch gebremst haben. Die Polizei ermittelt, ob dafür ein menschlicher Fehler oder ein technischer Defekt verantwortlich war. Bei der Infrastruktur für Sicherheitssysteme auf der Schiene habe Tschechien Nachholbedarf, teilte der deutsche Verein Allianz pro Schiene mit. Der Sachschaden des Unglücks wird auf mehr als vier Millionen Euro geschätzt.


Zahl der Toten nach Explosion in Kohleschacht in Ostukraine gestiegen

POKROWSK: Wenige Tage nach einer Methanexplosion in einem Kohleschacht in der Ostukraine ist die Zahl der Toten auf sechs gestiegen.

«Um 12:20 Uhr stoppte das Herz des sechsten Kohlekumpels», schrieb der Parlamentsabgeordnete, Michail Wolynez, am Donnerstag bei Facebook. Vier Schwerverletzte seien weiter in den Krankenhäusern von Pokrowsk und Kramatorsk im Donezker Gebiet in Behandlung. Die Explosion hatte sich am Samstag in mehr als 800 Metern Tiefe bei der Stadt Pokrowsk ereignet. Zu den Ursachen des Unglücks haben die Behörden Ermittlungen aufgenommen.


Deutschland ist größter Bierproduzent der EU

BRÜSSEL: Rund jedes vierte in der EU produzierte Bier wird in Deutschland gebraut. Im Jahr 2020 wurden laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat fast 32 Milliarden Liter alkoholhaltiges Bier in der EU produziert. 24 Prozent davon - oder 7,5 Milliarden Liter - wurden in Deutschland hergestellt. Damit ist Deutschland laut den offiziellen Daten der größte Bierproduzent in der EU. Polen landet in der Rangfolge auf Platz zwei mit 3,8 Milliarden Litern Bier, gefolgt von Spanien und den Niederlanden.

Im Vergleich zu 2019 wurde vergangenes Jahr allerdings acht Prozent weniger alkoholhaltiges Bier in der EU gebraut, teilte Eurostat mit. Die größten Einbußen gab es in Italien, wo die Bierproduktion sich fast halbierte. Die Produktion von nicht-alkoholischem Bier in der EU blieb wiederum stabil.

Deutschland exportierte vergleichsweise wenig Bier. Der größte Bierexporteur waren die Niederlande mit 1,9 Milliarden Litern - 21 Prozent aller Exporte in EU-Länder und Drittstaaten. Auf Platz zwei kam Belgien mit 1,7 Milliarden Litern, gefolgt von Deutschland mit 1,5 Milliarden Litern. Das meiste Bier wurde in andere EU-Länder verkauft - außerhalb der EU vor allem in die USA und nach Großbritannien.


Illegale Grenzübertritte in EU: Belarus macht Grenze dicht

MINSK: Das autoritär regierte Belarus will Teile seiner Grenze schließen und so verhindern, dass nach Litauen geflüchtete Migranten zurück auf sein Territorium gelangen können. «Ab heute darf niemand die Grenze von keiner Seite überqueren, weder vom Süden noch vom Westen», sagte Machthaber Alexander Lukaschenko am Donnerstag in der Hauptstadt Minsk der Staatsagentur Belta zufolge. Die EU wirft Belarus vor, dass es gezielt Migranten über seine Grenze in Richtung Europäischer Union passieren lässt.

Lukaschenko hat in der Vergangenheit offen damit gedroht, als Reaktion auf die gegen sein Land verhängten EU-Sanktionen Menschen aus Ländern wie dem Irak, Afghanistan oder Syrien über die Grenze zu lassen. In den vergangenen Wochen schickte etwa die EU-Grenzschutzbehörde Frontex zusätzliches Personal nach Litauen, um illegale Grenzübertritte zu verhindern.

In dem baltischen EU-Land haben in den vergangenen Wochen mehrere Hundert Migranten illegal die Grenze aus dem Nachbarland Belarus überschritten. Nach offiziellen Angaben wurden in diesem Jahr bereits rund 3500 Menschen an der fast 680 Kilometer langen Grenze zu Belarus aufgegriffen. Die meisten davon beantragten Asyl. Litauen ist einer der größten Fürsprecher der Demokratiebewegung im Nachbarland und seit längerem ein Zufluchtsort der belarussischen Opposition.

Lukaschenko will nun offensichtlich verhindern, dass die EU die aufgegriffenen Migranten zurück nach Belarus schickt. Er sagte, eine «Bedrohung» für sein Land wäre es, wenn Migranten an den Übergangsstellen gesammelt und dann «unter Androhung von Waffengewalt ins Staatsgebiet von Belarus abgeschoben» würden. Die EU hatte nie entsprechende Absichten geäußert.


Johnsons Konservative: Annahme von Großspenden nicht unmoralisch

LONDON: Nach Berichten über einen elitären, geheimen Kreis von Großspendern der Konservativen Partei mit Zugang zu Premierminister Boris Johnson hat ein Mitglied der britischen Regierung die Praxis verteidigt. «Eine politische Partei zu unterstützen, sollte meiner Meinung nach nicht als eine Art unmoralischer Akt dargestellt werden», sagte der Tory-Politiker Grant Shapps am Donnerstag dem Sender BBC Radio 4. Wenn Menschen für ihre Überzeugungen eintreten und eine Partei unterstützen, durch den Beitritt oder Spenden, «ist daran nichts von Natur aus schlecht oder falsch», sagte der Verkehrsminister.

Die «Financial Times» hatte berichtet, dass ein kleiner Zirkel von Großspendern, die die Konservativen mit 250.000 Pfund (294.000 Euro) im Jahr - oder mehr - unterstützen, sich regelmäßig mit Johnson oder Finanzminister Rishi Sunak treffe. Demnach gibt es weder Protokolle dieser Meetings noch taucht das «Advisory Board» (Beirat) genannte Gremium in offiziellen Parteiunterlagen auf.

Ein Parteisprecher betonte, dass Spenden keinen Einfluss auf Parteipolitik hätten. Co-Generalsekretärin Amanda Milling wies darauf hin, dass auch die Labour-Partei gegen Spenden Zugang zur Parteispitze biete. Wer für 5000 Pfund Jahresspende Mitglied im «Chair's Circle» von Labour wird, kann unter anderem an Empfängen mit Top-Politikern der Partei teilnehmen. Allerdings seien diese Bedingungen öffentlich bekannt und der Beitrag zudem deutlich niedriger, schrieb die «FT».

Johnsons Tories stehen immer wieder im Verdacht der Vetternwirtschaft. So erhielten in der Corona-Pandemie Bekannte von Top-Politikern oder Großspender millionenschwere Staatsaufträge auch ohne Ausschreibung. Vor kurzem wurde ein Studienfreund Johnsons in ein Beratungsgremium berufen.


Zweitwärmster jemals gemessener Juli in Europa

LONDON: Angetrieben von der Hitze im Osten des Kontinents ist der vergangene Monat der zweitwärmste jemals verzeichnete Juli in Europa gewesen. Der Juli 2021 sei über weiten Teilen Nord-, Ost- und Südosteuropas bedeutend wärmer als der Durchschnitt gewesen, teilte der europäische Klimawandeldienst Copernicus (C3S) am Donnerstag in London mit. Zwischen dem Baltikum und dem östlichen Mittelmeerraum habe es Hitzewellen gegeben, besonders zum Monatsende hin seien die Hitzebedingungen im Südosten des Kontinents schwierig gewesen.

Weltweit war der Monat gemeinsam mit dem Vorjahresmonat der drittwärmste Juli seit Beginn der Copernicus-Aufzeichnungen - er lag nur knapp unter den Werten von 2016 und 2019. Der Juli stellt global betrachtet gewöhnlich den wärmsten Monat des Jahres, auch wenn der August manchmal noch höhere Temperaturen aufweisen kann.

Wärmer war es in einem europäischen Juli zuvor lediglich im Jahr 2010 gewesen, als unter anderem über dem Westen Russlands eine heftige Hitzewelle geherrscht hatte. Diesmal wurde der Rekord der täglichen Maximaltemperatur in Nordirland gebrochen. Auch im Osten Islands und Grönlands hätten die Temperaturen weit über dem Durchschnitt gelegen. Im Gegensatz dazu sei der Monat unter anderem in einem Streifen zwischen Portugal und Deutschland etwas kühler als der Durchschnitt der Vergleichsjahre 1991 bis 2020 gewesen.

Der Klimawandeldienst der EU erstellt monatlich Berichte über die Lufttemperatur, das Meereis und den Wasserkreislauf. Er stützt sich auf Messdaten von Satelliten, Schiffen, Flugzeugen und Wetterstationen rund um den Globus sowie Modellrechnungen.


Russische Medien stellen Arbeit nach Blockade durch Behörden ein

MOSKAU: Nach der Blockade ihrer Internetseiten haben zwei unabhängige russische Medien ihre Arbeit eingestellt. Die Risiken für die eigenen Mitarbeiter seien zu groß geworden, erklärte die Redaktion der Investigativplattform openmedia.io am Donnerstag auf Telegram. Auch «MBCh Media» hört nach eigenen Angaben auf. Beide Medien wurden von dem im Ausland lebenden Kremlgegner Michail Chodorkowski gegründet.

Die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor blockierte sie am Mittwoch wegen angeblicher Verbindungen zu in Russland «unerwünschten» Organisationen. Beide Medien wiesen das zurück.

Ende Mai hatten die russischen Behörden die von Chodorkowski unterstütze Organisation «Offenes Russland» als «unerwünscht» eingestuft. Die Vereinigung, die sich rund 20 Jahre lang für mehr Demokratie und zivilgesellschaftliche Entwicklung in Russland eingesetzt hatte, löste sich daraufhin auf.


Brüder mit kleinem Kind auf Irrweg in den Alpen

EBENSEE: Dank des Einsatzes zahlreicher Bergretter hat ein Trio aus Nordrhein-Westfalen seinen Irrweg in den österreichischen Alpen unversehrt überstanden. Ein 23-Jähriger und sein 32 Jahre alter Bruder hatten sich nach einer Übernachtung auf einer Hütte am Feuerkogel in Oberösterreich auf dem Rückweg verlaufen, wie die Polizei am Donnerstag berichtete. Sie waren im steilen Gelände - samt dem dreijährigen Sohn in der Rückentrage des 32-Jährigen - bei schlechtem Wetter am Ende einer mit Seil gesicherten senkrechten Stelle in Bergnot geraten.

Die Männer aus Soest setzten einen Notruf ab und wurden schließlich vom Polizeihubschrauber entdeckt. Beim sechsstündigen Abstieg trug ein Polizist das Kind, die Männer wurden von Helfern gesichert. Insgesamt waren 21 Bergretter, fünf Alpinpolizisten und die Hubschrauberbesatzung im Einsatz.


Italienischer Mafia-Boss in Madrid gefasst

MADRID: Die spanische Polizei hat einen hochrangigen italienischen Mafia-Boss gefasst. Der Chef der 'Ndrangheta aus dem süditalienischen Kalabrien sei nach monatelangen Ermittlungen in Madrid festgenommen worden, teilte die Nationalpolizei am Donnerstag mit. Es handele sich um einen der wichtigsten Mafiosi Kalabriens sowie um einen der meistgesuchten Verbrecher Italiens. Die Aktion sei in Zusammenarbeit mit den italienischen Behörden durchgeführt worden.

Der Italiener sei bereits im Jahr 2005 zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Den amtlichen Angaben zufolge war er seit längerer Zeit flüchtig und hatte sich in den vergangenen Monaten unter anderem bei Verwandten in Barcelona im Nordosten Spaniens aufgehalten. In Madrid sei er jetzt mit falschen Papieren aus Portugal aufgegriffen worden. Neben den falschen Papieren seien bei der Aktion sechs Mobiltelefone sowie Bargeld in Höhe von 6000 Euro sichergestellt worden, hieß es.


Wütender Mob verwüstet Hindu-Tempel

ISLAMABAD: Eine wütende Menschenmenge hat in Pakistan einen Hindu-Tempel verwüstet. Auslöser sei die Freilassung eines achtjährigen Hindus gewesen, dem Gotteslästerung vorgeworfen worden war, teilte die Polizei in der zentralpakistanischen Provinz Punjab am Donnerstag mit. Die Behörden in der Stadt Rahim Yar Khan hätten das Militär rufen müssen, um die Hindu-Minderheit in dem überwiegend muslimischen Land zu schützen.

Dutzende Männer seien in den Tempel eingedrungen und hätten Türen, Fenster sowie Hindu-Büsten zerstört. Ein Geistlicher hatte dem Jungen vorgeworfen, in der Bibliothek einer Koranschule uriniert zu haben. Der Achtjährige wurde daraufhin in Gewahrsam genommen. Ein Gericht habe dann jedoch die Freilassung angeordnet, weil er noch zu jung sei, um nach dem Blasphemiegesetz verurteilt zu werden, sagte ein Polizeisprecher. Gotteslästerung kann in Pakistan mit dem Tod bestraft werden.

Der Vorfall ist das jüngste Beispiel für die Verfolgung von Minderheiten im zu 95 Prozent muslimischen Pakistan. Das Land gehört zu den Staaten, in denen die Religionsfreiheit nach Einschätzung von Menschenrechtlern massiv verletzt wird. Der Vorwurf, den Islam oder den Propheten Mohammed beleidigt zu haben, kann extreme Reaktionen auslösen. Beschuldigte wurden auch schon erschossen, lebendig verbrannt oder zu Tode geprügelt.


Bären-Baby von Baum gerettet - Mutter ganz in der Nähe

TRIENT: Ein Bären-Junges ist in Norditalien in einer heiklen Aktion von einem Baum gerettet worden. Die Operation sei besonders anspruchsvoll gewesen, weil die Mutter mit einem weiteren Bären-Kind in unmittelbarer Nähe gewesen sei, teilte der Forstkorps der Provinz Trient mit. Das Jungtier war in einem Tal im Trentino zwischen zwei Bäumen eingeklemmt und konnte sich nicht mehr befreien.

Nachdem die Forstleute am Dienstag ein Wimmern vernommen hatten, entdeckten sie den weniger als ein Jahr alten Bären auf dem Baum. Sie rückten sogleich mit Sägen an. Man sei besonders vorsichtig gewesen und habe sich mit einem Helikopter genähert, da eine Bären-Mutter mit Kindern aggressiv werden und angreifen könnte, heißt es in der Mitteilung. Nach getaner Sägearbeit plumpste das Bären-Kind etwas unsanft zu Boden und rannte offenkundig unverletzt sofort Richtung Mutter.

Ein bewaffneter Kollege und zwei Hundeeinheiten hätten die Sicherheit des Försters ständig kontrolliert - in ständigem Funkkontakt mit dem Hubschrauber, der die Aktion von oben überwachte, so die Forstbehörde.

Im Trentino leben nach einem Wiederansiedlungsprogramm relativ viele Braunbären. Einst wanderte von hier auch «Problem-Bär» Bruno in Richtung Bayern.


Hochwasser-Alarm in Südtirol - Straßen wegen Erdrutschen gesperrt

BOZEN: Südtirol kämpft nach starkem Regen nun gegen Hochwasser. In der beliebten Urlaubsregion in Norditalien mussten wegen Erdrutschen Straßen gesperrt werden, darunter die Brennerstaatsstraße. In Klausen warnte der Zivilschutz in der Nacht zu Donnerstag vor Hochwasser, weil der Fluss Eisack über die Ufer getreten war. Bewohner sollten Autos aus Tiefgaragen fahren und Vorbereitungen treffen, erklärte die Feuerwehr.

Auch Brixen war von Überschwemmungen betroffen. Landesweit war die Feuerwehr laut Zivilschutz mit rund 1000 Männern und Frauen im Einsatz. Es galt die zweithöchste von vier Warnstufen.

Ein Mensch musste in der Nacht beim Zusammenfluss zwischen Talfer und Eisack nördlich von Sterzing gerettet werden. Er wurde mit einer Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht, wie die Feuerwehr mitteilte. Auch die Etsch im Unterland hat Hochwasser, die Lage ist laut Feuerwehr angespannt.

Auch am Gardasee machten Unwetter Probleme. Schlammmassen schoben sich in Limone sul Garda in ein Hotel. Betroffen seien nur die Essensräume, die Gäste könnten weiter in ihren Zimmern bleiben, sagte eine Hotelmitarbeiterin der dpa. Die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, dass 100 Gäste in der Nacht in Sicherheit gebracht werden mussten. Es gab demnach keine Verletzten.


Missbrauchskomplex Münster: Mutter von Opfer vor Gericht

MÜNSTER: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist am Donnerstag die Anklage gegen die Mutter eines Opfers im Missbrauchskomplex Münster verlesen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft der 31-Jährigen aus Münster in neun Fällen Beihilfe durch Unterlassen vor. Die Frau soll seit 2018 vom schweren sexuellen Missbrauch ihres eigenen Kindes durch ihren Lebensgefährten gewusst haben. Vereinzelt soll die Deutsche ihren heute elfjährigen Sohn auch zu sexuellen Handlungen mit dem Mann animiert haben.

Im Hauptprozess war dieser im Juli zu 14 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Das Urteil gegen den 28-Jährigen ist noch nicht rechtskräftig. Münster ist nach Lügde und Bergisch Gladbach einer von drei großen Kindesmissbrauchskomplexen der vergangenen Jahre in Nordrhein-Westfalen.

Ob sich die Mutter des Kindes zu den Vorwürfen einlässt, war zum Prozessauftakt noch offen. Zum Schutz des Opfers hatte die Nebenklage den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt. Verteidiger und Staatsanwaltschaft schlossen sich dem an. Bis Ende September hat das Landgericht Münster acht weitere Verhandlungstage angesetzt. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin droht der Angeklagten im Fall einer Verurteilung eine Haftstrafe zwischen 2 und 15 Jahren. Auch über eine anschließende Sicherungsverwahrung muss das Landgericht entscheiden.


Fünfjähriger tot in Wales: Stiefvater, Mutter und Teenager in Haft

BRIDGEND: Der Tod eines Fünfjährigen sorgt in Wales für Aufsehen. Der 39 Jahre alte Stiefvater des Jungen wurde wegen Mordes angeklagt, wie die Polizei in der Nacht zum Donnerstag mitteilte. In Haft sind auch die 30 Jahre alte Mutter des Jungen sowie ein 13-Jähriger, dessen Beziehung zum Opfer noch nicht bekannt ist. Sie werden verdächtigt, die Tat vertuscht zu haben.

Der kleine Junge war am Wochenende leblos in einem Fluss unweit des Hauses der Familie im südwalisischen Bridgend gefunden worden. Notärzte konnten ihn nicht mehr retten. Die Zeitung «The Sun» berichtete, Nachbarn hätten gehört, wie unter anderem geschrien wurde: «Die Hintertür stand offen!» Demnach war es der letzte Tag einer 14-tägigen Corona-Quarantäne der Familie.

«Dies ist ein sehr erschütternder Fall für alle Beteiligten», sagte Chefermittler Mark O'Shea. Nachbarn und auch Fremde legten Plüschtiere in der Nähe des Ortes ab, wo der Fünfjährige gefunden worden war.


Brände : Ermittlungen wegen Bitten um internationale Hilfe

ISTANBUL: Die türkische Generalstaatsanwaltschaft hat wegen einer Kampagne in den sozialen Medien, die um internationale Unterstützung bei den Waldbränden bittet, Ermittlungen eingeleitet. Unter anderem werde wegen «Erzeugung von Sorge, Angst und Panik» in der Bevölkerung und Anstiftung des Volkes zu Hass und Feindschaft ermittelt, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag. Untersuchungen gebe es auch wegen des Vorwurfs der Beamtenbeleidigung, Beleidigung des Präsidenten und Herabwürdigung des türkischen Staates.

Angesichts der verheerenden Brände hatten Nutzer auf Twitter und Instagram in den vergangenen Tagen unter dem Hashtag #HelpTurkey um internationale Hilfe gebeten. Seit Beginn der Brände vergangene Woche wird immer wieder Kritik an der Ausstattung der Einsatzkräfte laut.

Präsident Recep Tayyip Erdogan wies am Mittwochabend in einem Interview erneut Vorwürfe zurück und warf der Opposition vor, «Lügen-Terror» zu verbreiten. Erdogan sagte, inzwischen seien 20 Löschflugzeuge und 51 Helikopter im Einsatz. Unterstützung kommt nach offiziellen Angaben aus Kroatien, Spanien, der Ukraine, Russland, dem Iran und Aserbaidschan.

Ein Brand im westtürkischen Milas, der auf ein Kohlekraftwerk übergegriffen war, ist nach offiziellen Angaben inzwischen unter Kontrolle. In der Nacht waren zahlreiche Viertel in der Region evakuiert worden. Unter anderem wurden Menschen mithilfe der Marine über das Meer in Sicherheit gebracht. Die Brände in der Türkei wüten aber weiter. Besonders betroffen sind die Provinzen Antalya und Mugla.


Weiter Hitze - Großbrände unter Kontrolle

SOFIA: Bulgarien wird weiter von einer Hitzewelle mit Temperaturen um 40 Grad heimgesucht. Die zweithöchste Alarmstufe Orange wurde am Donnerstag in 24 der 28 Regionen ausgerufen - auch in der Hauptstadt Sofia mit rund 1,5 Millionen Einwohnern. Die Schwarzmeerküste soll bei Temperaturen bis 31 Grad von der großen Hitze verschont bleiben. Am Freitag wird es den Prognosen zufolge etwas Abkühlung mit Gewittern geben.

Die beiden Großbrände im Süden des Balkanlandes konnten unter Kontrolle gebracht werden, wie bulgarische Medien am Donnerstag berichteten. Die Löscharbeiten gingen in der Nacht zum Donnerstag weiter. Dabei kamen am Mittwoch zwei Forstarbeiter ums Leben, einer erlitt schwere Verbrennungen. Wegen der extrem hohen Waldbrandgefahr rief Interims-Regierungschef Stefan Janew die Bevölkerung zu Wachsamkeit auf.


Britische Schulen stellen Regierung vernichtendes Corona-Zeugnis aus

LONDON: Britische Schulleiter haben ihrer Regierung einer Umfrage zufolge für die ersten Monate der Pandemie ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Von knapp 300 Befragten gaben mehr als 70 Prozent der Leitenden an, es habe «zu viel Input und zu viele Informationen» gegeben, wie aus einer Analyse im «British Educational Research Journal» hervorgeht.

Die Umfrage von Forschern der Universität Cambridge und des University College London bezieht sich auf die ersten drei Monate der Pandemie im vergangenen Jahr, in der die Schulen zuerst geschlossen waren und dann teilweise wieder ihren Betrieb aufnahmen. In dieser Zeit gab es den Studienautoren zufolge mehr als 200 Änderungen an gesetzlichen Vorgaben, die sich teilweise mehrmals täglich änderten. Ein Problem sei gewesen, dass die Öffentlichkeit Änderungen oft zeitgleich mit den Schulen erfahren habe. So hätten Eltern bereits angerufen, bevor Schulleiter die neuen Vorgaben hätten lesen können.

«Wir dachten, die größte Herausforderung für Schulleiter während des Lockdowns sei das Wohl der Schüler gewesen», sagte Erstautor Peter Fotheringham laut einer Mitteilung. Tatsächlich sei aber die Kommunikation des Bildungsministeriums und anderer Behörden für die Schulleiter «überwältigend» gewesen. Immer wieder sei das Wort «Lawine» für das Ausmaß an Informationen und darauffolgenden Änderungen in den Befragungen gefallen.

Die Forscher verweisen darauf, dass auch während der Schweinegrippe im Jahr 2009 britische Schulen geschlossen waren, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß. Es hätte also bekannt sein können, dass Ankündigungen der Regierung Schulen vor Probleme stellen können. «Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass wir diese Lektionen nicht gelernt haben», so Fotheringham.


FDP-Politiker stellt deutsch-iranische Parlamentariergruppe in Frage

BERLIN: Der Vorsitzende der deutsch-iranischen Parlamentariergruppe, Bijan Djir-Sarai, zweifelt am künftigen Nutzen dieses Gremiums. «Im iranischen Parlament sitzen immer mehr Hardliner und Ideologen», sagte der FDP-Politiker am Donnerstag dem Bayerischen Rundfunk (Bayern 2/Radiowelt am Morgen). «Da stellt sich die Frage, ob eine solche Parlamentariergruppe in der nächsten Legislaturperiode überhaupt noch Sinn macht.» Denn dabei gehe es um den Austausch zwischen dem Bundestag und den jeweiligen Parlamenten. «Und in den letzten Jahren war ein Dialog und die Kommunikation mit dem iranischen Parlament überhaupt nicht möglich.»

Djir-Sarai äußerte sich kurz vor der Vereidigung des neuen iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi im Parlament. Der 60-jährige war Spitzenkandidat der Hardliner und Wunschkandidat des Regimes. Der Kleriker gilt als erzkonservativ.


Israel greift nach Raketenbeschuss Ziele im Libanon an

TEL AVIV: Nach Raketenbeschuss aus dem Libanon haben israelische Kampfflieger Ziele im Süden des Nachbarlands angegriffen. Wie die Armee am Donnerstag mitteilte, wurden die Orte, von denen die Raketen abgefeuert wurden, sowie «für Terror genutzte Ziele» beschossen. Der Libanon sei verantwortlich für alle Handlungen, die von seinem Staatsgebiet ausgingen, hieß es weiter. Zugleich warnte die Armee vor weiteren Versuchen, Israel und seiner Zivilbevölkerung zu schaden.

Nach Angaben libanesischer Sicherheitskreise erfolgten die Angriffe vor allem auf dem Gebiet um das Dorf Mahmudijah nahe der israelisch-libanesischen Grenze. Tote oder Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet. Der libanesische Präsident Michel Aoun bezeichnete den Angriff als ernsthafte Verletzung der UN-Sicherheitsrat-Resolution, die 2006 den 33 Tage-Krieg zwischen Israel und dem Libanon beendet hatte.

Am Mittwoch waren drei Raketen im Libanon abgefeuert worden. Zwei davon seien in Israel gelandet, eine sei noch im Libanon niedergegangen, hieß es in einer Stellungnahme der Armee. Die Armee habe mit Artilleriefeuer reagiert. Nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen landeten zunächst sechs israelische Granaten im Libanon. Auf beiden Seiten gab es keine Berichte über Verletzte.

Israel und Libanon befinden sich offiziell im Kriegszustand. An der Grenze kommt es immer wieder zu Spannungen. Vor allem die eng mit dem Iran verbündete libanesische Schiitenmiliz Hisbollah sieht in Israel einen Erzfeind.


Gouverneur: Antike Stätten von Olympia vorerst vor Flammen gerettet

ATHEN: Der Großbrand nahe Olympia ist in der Nacht zum Donnerstag eingedämmt worden - kurz bevor die Flammen die antike Stätte in Griechenland erreichen konnten. «Die Stätte ist vorerst gerettet», sagte der Gouverneur der Region Westgriechenland, Nektarios Farmakis, am frühen Morgen im Staatsfernsehen. Er warnte jedoch: «Die Gefahr ist nicht vorbei.» Zu hoffen sei, dass der Brand mithilfe von Hubschraubern und Löschflugzeugen in den nächsten Stunden unter Kontrolle gebracht werde.

In ganz Griechenland herrscht seit Monaten Dürre, zudem erreichen die Temperaturen seit zehn Tagen teils Werte von 40 bis 47 Grad. So kann schon ein Funken reichen, um zerstörerische Großbrände auszulösen. «Uns stehen noch schwierige Tage bevor», sagte der Chef des Zivilschutzes, Nikos Chardalias, am Mittwochabend nach einer Krisensitzung mit der Feuerwehrführung.

Die ganze Nacht kämpften Feuerwehrkräfte und freiwillige Helfer rund um Olympia gegen die Flammen. «Wir tun alles Menschenmögliche, um Olympia zu retten», sagte Kulturministerin Lina Mendoni dem griechischen Staatsfernsehen. Rund um die antike Stätte und das Stadion von Olympia hatten starke Einheiten der Feuerwehr und der lokalen Behörden eine letzte Verteidigungslinie gegen die Flammen gebildet. Am frühen Donnerstagmorgen lenkte eine leichte Brise die Flammen weg von Olympia, wie Reporter vor Ort berichteten.

Schwere Brände tobten am Donnerstagmorgen auch auf der Halbinsel Euböa und in zahlreichen Regionen der Halbinsel Peloponnes. An Euböas Küste mussten nahe der Ortschaft Rovies Dutzende Menschen mit Booten in Sicherheit gebracht werden. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, mehrere Dörfer evakuiert.


Schottischer Minister fordert Erklärung von Premier Boris Johnson

EDINBURGH: Nach der Schottland-Reise des britischen Premiers Boris Johnson ohne ein Treffen mit Regierungschefin Nicola Sturgeon hat ein Minister der Schottischen Nationalpartei (SNP) eine Erklärung gefordert. «Es ist an Boris Johnson zu erklären, warum Gespräche mit unserer Ersten Ministerin (First Minister) über die Erholung von der Pandemie keine Priorität für ihn haben», sagte der Minister für Konstitutionelles und externe Angelegenheiten, Angus Robertson, der Deutschen Presse-Agentur. Er sei «verwirrt», warum Johnson die Einladung nicht angenommen habe, sagte der Politiker, der wie Sturgeon der Schottischen Nationalpartei (SNP) angehört. Auch Sturgeon selbst hatte zuvor vermutet, die Menschen könnten die Absage «sehr komisch» finden.

Johnson war am Mittwoch zu einer zweitägigen Reise nach Schottland aufgebrochen, hatte aber die Einladung in den Regierungssitz ausgeschlagen. Konfliktpunkt zwischen London und Edinburgh ist das schottische Bestreben nach Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. Sturgeon will nach der Pandemie ein weiteres Unabhängigkeitsreferendum abhalten und im besten Fall ihr Land in eine eigenständige Zukunft und zurück in die EU führen.

Robertson, der auch deutsche Wurzeln hat, war früher Fraktionsvorsitzender der Schottischen Nationalpartei (SNP) im britischen Parlament und ehemaliger BBC-Korrespondent. Bei der Regionalwahl am 6. Mai hat er als Direktkandidat den Wahlbezirk Edinburgh Central in der schottischen Hauptstadt gewonnen.


Mindestens zehn Tote bei Verkehrsunfall in Texas

AUSTIN: Bei einem schweren Verkehrsunfall im südlichen US-Bundesstaat Texas sind nach Behördenangaben mindestens zehn Menschen ums Leben kommen. Der Fahrer eines Kleinbusses sei laut Augenzeugen bei zu hoher Geschwindigkeit plötzlich nach rechts abgebogen, von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Strommast und ein Stoppschild geprallt, teilte die texanische Staatspolizei mit. Der Fahrer und neun Passagiere seien getötet und 20 Insassen verletzt in verschiedene Krankenhäuser gebracht worden. Der Unfall ereignete sich am Mittwochnachmittag (Ortszeit, 23.00 Uhr MESZ) nahe dem Ort Encino im Bezirk Brooks rund 80 Kilometer nördlich der Grenzstadt McAllen.

US-Medien hatten zuvor von elf Toten gesprochen. Bei den Passagieren soll es sich der Polizei zufolge vor allem um Migranten gehandelt haben, berichtete der Sender WFAA.


Nach Untersuchung: New Yorks Gouverneur drohen nun Strafverfahren

NEW YORK: Nachdem eine offizielle Untersuchung Andrew Cuomo der sexuellen Belästigung mehrerer Frauen für schuldig befunden hat, drohen dem Gouverneur von New York nun auch strafrechtliche Konsequenzen. Mindestens drei regionale Staatsanwaltschaften im Bundesstaat New York, in Manhattan, Westchester County und Albany County, beantragten nach Angaben vom Mittwoch bei Generalstaatsanwältin Letitia James Beweismaterialien zur Prüfung.

Zudem hat der Vorsitzende des Repräsentantenhauses von New York, Carl Heastie, ein rasches Amtsenthebungsverfahren gegen Cuomo angekündigt. Bis das losgehen könnte, dürfte es nach Einschätzungen von Experten aber noch mehrere Wochen dauern.

Zuvor war eine von Generalstaatsanwältin James geleitete Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen, dass Cuomo frühere und derzeitige Mitarbeiterinnen der Behörden des Bundesstaats sexuell belästigt hat. Unter anderem habe es ungewollte Berührungen, Küsse, Umarmungen und unangebrachte Kommentare gegeben. Außerdem habe der seit 2011 amtierende Gouverneur eine für Frauen «feindliche Arbeitsatmosphäre» und ein «Klima der Angst» geschaffen, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten 168 Seiten langen Untersuchungsbericht.

Zahlreiche prominente Politiker beider Parteien hatten daraufhin Cuomos Rücktritt gefordert - bis hin zu US-Präsident Joe Biden. Cuomo wies die Vorwürfe per Videobotschaft zurück und thematisierte einen Rücktritt zunächst nicht.


Biden gibt Kandidat für US-Botschafterposten in Polen bekannt

WASHINGTON: US-Präsident Joe Biden will Mark Brzezinski, den Gründer einer Strategieberatung, auf den Posten des Botschafters in Polen berufen.

Das Weiße Haus teilte am Mittwoch mit, er spreche neben Englisch auch Französisch und Polnisch. Brzezinski war unter dem früheren demokratischen Präsidenten Barack Obama von 2011 bis 2015 Botschafter in Schweden. Zuvor hatte er unter anderem für den damaligen Präsidenten Bill Clinton im Nationalen Sicherheitsrat gearbeitet. Dabei war unter anderem als Direktor für Russland und Eurasien tätig. Biden muss die Nominierung nun an den Senat übermitteln. Die Parlamentskammer muss die Personalie bestätigen.

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