Neues aus dem Ausland am Donnerstag

Neues aus dem Ausland am Donnerstag

Terrormiliz IS übernimmt Verantwortung für Anschlag im Niger

PARIS/BEIRUT: Gut einen Monat nach dem tödlichen Anschlag auf acht Menschen im Niger hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Verantwortung für die Tat übernommen. Der Angriff habe zu dem Tod von sechs Franzosen und zwei ihrer Begleiter aus dem westafrikanischen Land geführt, hieß es in der am Donnerstag verbreiteten neuen Ausgabe des elektronischen IS-Magazins Al-Naba.

Die Echtheit des Bekenntnisses ließe sich zunächst nicht verifizieren. Al-Naba wurde aber über die üblichen Kanäle des IS im Internet verbreitet.

Die frühere Kolonialmacht Frankreich ist in Westafrika massiv im Einsatz gegen Islamistenmilizen. Der Anti-Terror-Einsatz «Barkhane» war im Februar auf rund 5100 Soldaten aufgestockt worden. Die Sahelregion - ein Gebiet, das sich südlich der Sahara vom Atlantik bis zum Roten Meer erstreckt - gilt als unsicher, da dort etliche Terrorgruppen aktiv sind. Einige von ihnen haben dem Terrornetzwerk Al-Kaida oder dem IS die Treue geschworen. Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert - dabei starben über 250 Menschen.


Stimmzettel oder «Wahlautomaten»: Bulgarien ändert Wahlrecht

SOFIA: Die Bulgaren können bei der nächsten Abstimmung entscheiden, ob sie ihr Wahlrecht per Stimmzettel oder mithilfe eines «Wahlautomaten» ausüben. Eine von der bürgerlichen Regierungspartei GERB eingebrachte entsprechende Wahlrechtsnovelle wurde am Donnerstag vom Parlament in Sofia verabschiedet. Damit wurde parallel zur erstmals vorgesehenen Abstimmung nur mit «Wahlautomaten» die bislang gültige und erst kürzlich abgeschaffte Abstimmungsweise mit Wahlzetteln wieder eingeführt.

Die Opposition aus Sozialisten (BSP) und der Türkenpartei DPS hatte die Wiedereinführung von Stimmzetteln wegen möglicher Fälschung der Wahlergebnisse abgelehnt. Mithilfe der «Wahlautomaten» können die Bürger im Wahllokal per Tastendruck abstimmen. Briefwahl gibt es in Bulgarien nicht. Bulgaren im Ausland sollen in der jeweiligen Botschaft oder den Konsulaten abstimmen.

Staatspräsident Rumen Radew, der den Sozialisten nahesteht, wollte sein Veto gegen die wieder möglich gewordene Abstimmung mit Wahlzetteln einlegen: «Dies ist ein Versuch, die Möglichkeit beizubehalten, die Wahlen zu manipulieren», meinte der Staatschef. Aktuellen Meinungsumfragen zufolge zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der konservativen Regierungspartei GERB und den oppositionellen Sozialisten ab.

Regierungskritische Protestierende, die seit mehr als zwei Monaten Neuwahlen fordern, wollen eine Abstimmung nur mit Wahlautomaten durchsetzen, um Fälschungen zu vermeiden. Die Demonstranten werfen der Regierung korrupte Amtsführung und Abhängigkeit von Oligarchen vor. Die nächste reguläre Parlamentswahl in dem EU-Land wäre im März 2021. Das seit 2017 regierende bürgerlich-nationalistische Koalitionskabinett von Ministerpräsident Boiko Borissow will angesichts der Corona-Krise weiter im Amt bleiben.


Neuer Regierungschef in Somalia ernannt

MOGADISCHU: Das afrikanische Krisenland Somalia hat einen neuen Regierungschef. Präsident Abdullah Farmajo ernannte nach einer Mitteilung des Präsidialamtes in Mogadischu am Donnerstagabend Mohammed Hussein Roble zum Nachfolger von Hassan Ali Khaira, der Ende Juli über ein überraschendes Misstrauensvotum gestürzt war. Grund waren Differenzen über ein neues Wahlsystem gewesen.

Nach den bisherigen Plänen sollte im Dezember ein neues Parlament gewählt werden. Dieser Abstimmung sollte Anfang 2021 die Wahl eines neuen Präsidenten folgen.


FBI-Chef: Russische Einmischung in US-Wahlkampf weiter stark

WASHINGTON: Russland mischt sich nach Worten von FBI-Chef Christopher Wray wieder massiv in den US-Präsidentschaftswahlkampf ein. Dabei gehe es speziell darum, den demokratischen Gegenkandidaten von Präsident Donald Trump, Joe Biden, «zu verunglimpfen», sagte Wray am Donnerstag in einer Anhörung im US-Kongress.

«Wir sehen sehr, sehr aktive Bemühungen der Russen, unsere Wahlen 2020 zu beeinflussen», sagte Wray. Sie versuchten auch, «Spaltung und Zwietracht» zu säen. Das war laut US-Geheimdiensten auch eine Vorgehensweise von Russland aus geführter Kampagnen vor der Präsidentenwahl 2016. Unterdessen habe man - bisher anders als damals - keine direkten Attacken auf die Wahl-Infrastruktur festgestellt, sagte der FBI-Direktor. Die russische Regierung hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Die Abgeordneten im Heimatschutz-Ausschuss des Repräsentantenhauses befragten Wray auch intensiv zur sogenannten Antifa-Bewegung, die Trump in seinem Wahlkampf als eine zentrale Gefahr und treibende Kraft hinter den Ausschreitungen in amerikanischen Städten darstellt. Die Republikaner suchten dabei mit ihren Fragen eine Bestätigung dieser Einschätzung, die Demokraten zogen sie in Zweifel. Wray sagte dazu, dass Antifa aus Sicht des FBI eher eine Bewegung als eine Organisation sei - und widersprach damit indirekt den Darstellungen des Präsidenten. Zugleich betonte er aber auch, dass die Bundespolizei wegen des Extremismus-Verdacht gegen einzelne Personen ermittele, die sich mit der Antifa identifizierten.


Trump kündigt Kommission für patriotische Bildung an

WASHINGTON: Mitten in der Debatte über Rassismus und Diskriminierung in den USA setzt Präsident Donald Trump eine Kommission zur Förderung patriotischer Bildung ein. Die Ausschreitungen in amerikanischen Städten in den vergangenen Monaten seien ein Ergebnis von «Jahrzehnten linker Indoktrination in unseren Schulen», sagte Trump am Donnerstag. Dabei werde versucht, Schüler dazu zu bringen, sich für die Geschichte des Landes zu schämen. Das sei «eine Form des Kindesmissbrauchs», sagte Trump.

Die per Präsidentenerlass gebildete Kommission für patriotische Bildung solle das ändern. «Unserer Jugend wird beigebracht werden, Amerika mit ihrem ganzen Herzen und ihrer ganzen Seele zu lieben», sagte Trump.

In Amerika gibt es schon länger eine Debatte darüber, ob Rassismus in Institutionen und Alltag verankert ist - und darüber, inwieweit die frühe Geschichte der Vereinigten Staaten von der Sklaverei geprägt wurde. Die Kontroverse spitzte sich in den vergangenen Monaten nach dem Tod schwarzer Amerikaner durch Polizeigewalt und den zum Teil gewalttätigen Protesten dagegen zu. Vor der US-Präsidentenwahl am 3. November beziehen Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden klar Position auf verschiedenen Seiten der Debatte. Biden sprach Anfang des Monats davon, dass sich Amerika seiner «Ursünde» der Sklaverei und ihrer Folgen stellen müsse. Trump verneinte stets, dass es systematischen Rassismus in den USA oder Institutionen wie der Polizei gebe.


Jemen-Treffen: Notwendigkeit einer politischen Lösung bekräftigt

NEW YORK: Nach einem hochrangigen virtuellen Jemen-Treffen unter anderem mit Bundesaußenminister Heiko Maas und UN-Chef António Guterres haben acht Länder die Notwendigkeit einer politischen Lösung für das Bürgerkriegsland bekräftigt. Die Gruppe aus den UN-Vetomächten USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland, Kuwait und Schweden forderte in einer Erklärung am Donnerstag zudem eine militärische Deeskalation und eine landesweite Waffenruhe.

UN-Generalsekretär Guterres hob zudem laut Redetext die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie hervor. Zwar gebe es nur 2000 bestätigte Fälle im Jemen, doch Experten zufolge könnten etwa eine Million Menschen in dem bitterarmen Land auf der arabischen Halbinsel betroffen sein - die Sterblichkeitsrate könnte bei etwa 30 Prozent legen. Viele medizinische Einrichtungen im Jemen wurden in dem Krieg zerstört.

Im Jemen tobt seit mehr als fünf Jahren ein Bürgerkrieg. Die Huthi-Rebellen kontrollieren große Teile des Landes, darunter die Hauptstadt Sanaa. Eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition unterstützt die international anerkannte Regierung im Kampf gegen die Rebellen. Bei Luftangriffen des Bündnisses sterben immer wieder Zivilisten.


Litauen gegen EU-Sanktionen gegen Polen wegen Justizreform

VILNIUS: Litauens Regierungschef Saulius Skvernelis hat sich gegen mögliche EU-Sanktionen gegen Polen wegen dessen umstrittener Justizreform ausgesprochen. «Wir werden dem definitiv nie zustimmen», sagte er am Donnerstag nach einem Treffen mit seinem polnischen Amtskollegen Mateusz Morawiecki in Vilnius. «Ich unterstütze Polen und bin für einen Dialog.» Die EU-Kommission und Polen sollten die Argumente des jeweils anderen anhören und gemeinsam eine Lösung finden, sagte Skvernelis der Agentur BNS zufolge.

Polen steht derzeit in Europa wegen Justizreformen in der Kritik. Die EU-Kommission sieht nach den Gesetzesänderungen durch die nationalkonservative Regierung in Warschau die Unabhängigkeit der Justiz bedroht. Die EU-Kommission führt mehrere Sanktionsverfahren gegen das Land.


Prozess gegen türkischen Oppositionspolitiker wird neu aufgerollt

ISTANBUL: Der Prozess gegen den ehemaligen türkischen Oppositionsabgeordneten Enis Berberoglu wegen Geheimnisverrats soll neu aufgerollt werden. Das entschied das Verfassungsgericht in Ankara am Donnerstag, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Unter anderem seien Berberoglus Recht auf persönliche Freiheit und sein Recht auf Ausübung einer politischen Tätigkeit verletzt worden, hieß es demnach zur Begründung.

Berberoglu von der größten Oppositionspartei CHP war beschuldigt worden, der Zeitung «Cumhuriyet» brisantes Bildmaterial zugespielt zu haben, das die Zeitung 2015 veröffentlichte. Es soll Waffenlieferungen der türkischen Regierung an Rebellen in Syrien belegen. Der Abgeordnete war dafür 2017 wegen Geheimnisverrats zunächst zu 25 Jahren Haft verurteilt worden und saß zwischenzeitlich mehr als ein Jahr in Untersuchungshaft. Das Verfahren wurde dann neu aufgerollt und die Strafe im Februar 2018 auf fünf Jahre und zehn Monate Haft gesenkt.

Im Juni war Berberoglu das Abgeordnetenmandat wegen eines rechtskräftigen Urteils entzogen worden. Anschließend wurde er erneut verhaftet, dann aber wegen der Corona-Pandemie in den Hausarrest entlassen.


Kuriose Forschung: Ig-Nobelpreise werden in den USA verliehen

BOSTON: Zum 30. Mal werden in der Nacht zum Freitag (00.00 Uhr MESZ, 18.00 Uhr am Donnerstag Ortszeit) die sogenannten «Ig-Nobelpreise» für besonders kuriose Forschung verliehen. Wegen der Coronavirus-Pandemie wird die Veranstaltung diesmal allerdings nicht wie sonst in einem Auditorium der Elite-Universität Harvard, sondern im Internet stattfinden. Die Ig-Nobelpreise («ignoble» heißt auf Deutsch etwa «unwürdig») zeichnen wissenschaftliche Ergebnisse aus, die erst zum Lachen und dann zum Denken anregen sollen.


Lettland beteiligt sich an Militäreinsätzen im Irak und Mittelmeer

RIGA: Lettland wird sich mit Soldaten an zwei internationalen Militäreinsätzen beteiligen.

Das Parlament in Riga erteilte den Streitkräften des Baltenstaats am Donnerstag ein bis 1. November 2022 laufendes Mandat, um bis zu 34 Truppen für die Trainings- und Aufbaumission der Nato im Irak abstellen zu können. Zwei Soldaten sollen zudem an der EU-Operation Irini im Mittelmeer teilnehmen, mit der das nordafrikanischen Bürgerkriegslandes Libyen stabilisiert und der UN-geführte politische Friedensprozesses unterstützt werden soll. Der Ostseestaat Lettland mit seinen 1,9 Millionen Einwohnern gehört seit 2004 der EU und Nato an.


Deutschland und Frankreich wollen Rüstungsprojekte vorantreiben

MANCHING: Deutschland und Frankreich wollen die Entwicklung eines gemeinsames europäischen Kampfflugzeugs sowie einer Aufklärungsdrohne weiter vorantreiben. Dies betonten Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und ihre französische Kollegin Florence Parly am Donnerstag bei einem Besuch in dem Airbus-Werk in Manching bei Ingolstadt.

Bei dem neuen Kampfflugzeug geht es um ein ganzes Luftkampfsystem namens FCAS (Future Combat Air System). Es soll von 2040 an einsatzfähig sein. Das Rüstungsprojekt soll nicht nur einen Kampfflieger der neuen Generation bringen, sondern auch Drohnen und Satelliten steuern. Ein erster Prototyp - ein sogenannter Demonstrator - des Kampfjets soll nach bisherigen Plänen 2026 fliegen. Der französische Flugzeugbauer Dassault ist gemeinsam mit Airbus bei dem Vorhaben federführend.

Davon abgesehen arbeiten die beiden Staaten auch an der sogenannten «Eurodrohne», an der auch Italien und Spanien beteiligt sind. Das unbemannte Aufklärungsflugobjekt mit 26 Metern Spannweite soll 2025 erstmals fliegen.


Mini-Europa in Brüssel schließt Ende des Jahres

BRÜSSEL: Eiffelturm, Buckingham Palace und das Brandenburger Tor an einem Ort - aber nicht mehr lange: Ende des Jahres schließt die Touristen-Attraktion «Mini-Europa» in Brüssel. Nach 31 Jahren und mehr als 10 Millionen Besuchern soll am 31. Dezember Schluss sein, wie der Freizeit-Park am Fuße des Atomiums am Donnerstag mitteilte.

Als Grund wurde angegeben, dass es keine Einigung über eine Vertragsverlängerung gebe. Diese sei jedoch unerlässlich, um Teil des Stadtentwicklungsprojekts Néo1 zu werden. «Die aktuellen Umstände und die Covid-19-Krise (...) haben dazu geführt, dass wir keine andere Wahl haben, als die Absicht bekanntzugeben, den Betrieb am 31. Dezember 2020 einzustellen», sagte Geschäftsführer Thierry Meeùs.

«Mini-Europa» wurde 1989 gegründet. Heute sind nach Angaben des Parks unter anderem 350 Attraktionen aus europäischen Ländern im Maßstab von 1:25 zu sehen. Im vergangenen Jahr kamen rund 400.000 Besucher.


«Polens Ivanka» - Präsident Duda macht Tochter zu seiner Beraterin

WARSCHAU: Polens Präsident Andrzej Duda hat seine Tochter Kinga zu seiner Beraterin ernannt. Die 25-jährige Juristin bekomme für ihre ehrenamtliche Tätigkeit kein Gehalt, teilte Duda Mittwochabend auf Twitter mit. Laut Webseite des Präsidialamtes ist Kinga Duda bereits seit August Beraterin ihres Vaters, eine offizielle Stellungnahme gab es zum Zeitpunkt ihrer Ernennung aber nicht.

Obwohl es um ein Ehrenamt geht, stieß der Schritt bei politischen Kommentatoren in Polen auf Kritik. Die Rede ist von Vetternwirtschaft und einer «polnischen Ivanka Trump» - in Anspielung auf die Tochter des US-Präsidenten Donald Trump, die seit 2017 als Beraterin ihres Vaters fungiert.

Im politischen Leben ist Kinga Duda bislang kaum aktiv in Erscheinung getreten: Zuletzt Mitte Juli, am Abend der Stichwahl um die polnische Präsidentschaft, die ihr Vater knapp gewann. Damals wandte sie sich mit einem versöhnlichen Appell an die Gesellschaft. Niemand habe es verdient, zum Objekt des Hasses zu werden, «unabhängig davon, an was wir glauben, welche Hautfarbe und welche Ansichten wir haben (...) und wen wir lieben.» Diese Botschaft stand im Kontrast zu den homophoben Tönen, die Duda im Wahlkampf angeschlagen hatte.


Schlag gegen die Cosa Nostra: 22 Festnahmen in Sizilien

CATANIA: Der italienischen Polizei und Staatsanwaltschaft ist ein Schlag gegen die sizilianische Mafia Cosa Nostra gelungen. Laut einer gemeinsamen Mitteilung wurden am Donnerstag insgesamt 22 mutmaßliche Mafia-Mitglieder festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht. Darunter ist demnach auch der 62 Jahre alte Mafia-Boss Benedetto La Motta, der den Clan «Santapaola-Ercolano», anführte. Auch einige seiner engsten Vertrauten und Helfer wurden festgenommen.

Darunter war nach Angaben der Behörden auch der 76 Jahre alte Antonino Marano, bekannt als «Gefängniskiller». Er soll nach 47 Jahren in Haft erst im Dezember 2014 wieder freigekommen sein und im Oktober 2016 gemeinsam mit La Motta einen weiteren Mord begangen haben. Den 22 nun Festgenommenen wird Mafia-Mitgliedschaft, Bildung einer kriminellen Vereinigung mit dem Ziel des illegalen Handels von Betäubungsmitteln, Besitz und Handel von Betäubungsmitteln, mehrfache Körperverletzung und mehrfache Erpressung vorgeworfen. Verschärfend komme die Anwendung von Mafia-Methoden bei den Verbrechen hinzu.


EU-Kommission: Neues Klimaziel kann die Wirtschaft ankurbeln

BRÜSSEL: Die Verschärfung des EU-Klimaziels und die dafür nötigen Milliardeninvestitionen könnten aus Sicht der EU-Kommission zusätzliches Wirtschaftswachstum bringen. Die Brüsseler Behörde beziffert den Effekt auf 0,5 Prozent des Bruttonationaleinkommens bis 2030, falls zugleich Einnahmen aus einem CO2-Preis zur Verminderung falscher Steueranreize genutzt würden. Gerade in der Corona-Krise könnten die Klimainvestitionen der Wirtschaft neuen Schub geben, erklärte die Kommission am Donnerstag.

Sie legte Einzelheiten zum Vorschlag von Kommissionschefin Ursula von der Leyen vor, das EU-Klimaziel für 2030 deutlich zu erhöhen: Bis dahin sollen die Treibhausgase der Europäischen Union um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 gebracht werden - statt der bisher anvisierten 40 Prozent. Dafür müssen nach Berechnungen der Kommission jährlich 350 Milliarden Euro zusätzlich investiert werden, im Vergleich zu den Werten in den vergangenen zehn Jahren.

Vor allem die Erneuerbaren Energien und die sparsamere Nutzung von Energie müsse viel schneller vorankommen. So muss der Anteil von Öko-Energien am Gesamtverbrauch bis 2030 nicht nur wie geplant auf 32 Prozent gesteigert werden, sondern auf 38 bis 40 Prozent, wie Energiekommissarin Kadri Simson erläuterte. Bei der Energieeffizienz soll die bisherige Zielmarke von 32,5 auf 36 bis 39 Prozent erhöht werden. Vor allem im Renovieren von Gebäuden stecke großes Potenzial, um Energie beim Heizen und Kühlen einzusparen. In vier Wochen werde die Kommission einen Plan für eine «Renovierungswelle» vorlegen.


Militär in Uganda sucht nach 219 ausgebrochenen Häftlingen

KAMPALA: Die Streitkräfte in Uganda sind auf der Suche nach 219 ausgebrochenen Gefangenen.

Die Häftlinge seien am Mittwoch aus einem Gefängnis nahe dem abgelegenen Ort Moroto im Nordosten des Landes entkommen und hätten aus einem Arsenal Schusswaffen gestohlen, sagte am Donnerstag Militärsprecher Peter Mugisha. Ein Soldat und drei Gefangene seien getötet worden. Das Militär suche nun mit Hilfe von Flugzeugen und Patrouillen nach den Ausgebrochenen, bislang konnten demnach sieben Häftlinge geschnappt werden.


Cannabis-Plantage mit 4000 Pflanzen nahe Nordhorn ausgehoben

NORDHORN: In Zusammenarbeit mit der niederländischen Polizei ist einer Osnabrücker Ermittlungsgruppe von Zoll und Polizei ein Schlag gegen fünf mutmaßliche Drogenhändler gelungen. Bei Nordhorn sei eine Indoor-Plantage mit rund 4000 Cannabispflanzen ausgehoben worden, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Es handele sich um einen der größten Funde in Niedersachsen. Die Pflanzen beziehungsweise Drogen hatten laut Polizei einen Marktwert von mehr als 900.000 Euro.

Die fünf Tatverdächtigen wurden am Mittwoch in der Grafschaft Bentheim festgenommen. Bei Wohnungsdurchsuchungen unter anderem in Wielen sowie im niederländischen Coevorden und Lutten stellten die Ermittler unter anderem 13 Kilogramm Marihuana, eine scharfe Handgranate, echte Munition sowie ein Schießkugelschreiber sicher. Das Ermittlungsverfahren werde schon seit dem Frühjahr von Osnabrück aus geführt, hieß es.


Kokainschmuggel-Bande zerschlagen - Festnahmen in zehn Ländern

FLORENZ/DEN HAAG: Bei einer gemeinsamen Polizeiaktion in zehn europäischen Ländern ist die Zerschlagung einer albanischen Drogenschmuggel-Bande gelungen. Insgesamt 20 Beschuldigte wurden festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht, wie Europol und die italienischen Behörden, die die Ermittlungen leiteten, am Donnerstag mitteilten. In Deutschland gab es demnach zwei Festnahmen, das Bundeskriminalamt sowie die Landeskriminalämter Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein waren beteiligt.

Die albanische Gruppe «Kompania Bello» sei eine der aktivsten Banden in Europa beim Kokainschmuggel aus Südamerika gewesen, hieß es. Hunderte Polizisten waren am Dienstag an den koordinierten Razzien beteiligt, bei der die Festnahmen erfolgten. Es wurden vier Tonnen Kokain und 5,5 Millionen Euro beschlagnahmt. Die Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft. Ihnen werden laut Europol internationaler Schmuggel von Betäubungsmitteln, illegaler Besitz und Vertrieb von Drogen und brutale Übergriffe, darunter Mord, vorgeworfen.

Die von den Behörden in Florenz geführte Operation «Los Blancos» lief seit fünf Jahren. Im Verlauf der Ermittlungen waren bereits 84 Verdächtige festgenommen worden, auch in Deutschland. Es handelt sich laut Europol um eine der bislang größten Aktionen gegen das albanische organisierte Verbrechen. Besonders bemerkenswert sei, dass die Bande vom Kauf in Südamerika, über die Verschiffung bis zum Vertrieb und Verkauf in Europa den gesamten Handel kontrolliert habe.


Gesetz in Nigeria erlaubt Kastration als Strafe für Vergewaltigung

ABUJA: In einem Bundesstaat von Nigeria können verurteilte Vergewaltiger künftig mit Kastration bestraft werden. Die Gesetzesänderung sehe zudem vor, dass Täterinnen bei Verurteilung die Entfernung der Eileiter drohe, hieß es in einer Mitteilung, die der Gouverneur des Bundesstaates Kaduna, Nasir el-Rufai, am Mittwochabend twitterte. Bei Opfern jünger als 14 Jahren drohe zudem die Todesstrafe, bei Opfern älter als 14 Jahren lebenslange Haft. Das Gesetz wurde demnach vergangene Woche verabschiedet.

Diese «drastischen Strafen sind notwendig, um Kinder mehr vor schlimmen Verbrechen zu schützen», teilte der Gouverneur mit. In dem konservativen Bundesstaat Kaduna im Norden Nigerias haben einige Bürger härtere Strafen für Vergewaltiger gefordert.

In dem Land in Westafrika erlebt laut einem Unicef-Bericht von 2015 jedes vierte Mädchen und jeder zehnte Junge vor dem 18. Lebensjahr sexuelle Gewalt.


Louvre sucht Spender für Restaurierung der Tuilerien

PARIS: Der Pariser Louvre sucht Mäzene für die Renovierung der Großen Allee des Tuileriengartens. Man müsse dafür bis zum 15. Januar mindestens eine Million Euro aufbringen, hieß es von dem Museum. Zu der Renovierung gehört die Neupflanzung von 92 majestätischen Ulmen. Die Allee verbindet den Louvre mit dem Place de la Concorde. André Le Nôtre, Schöpfer der Gärten Ludwigs XIV., konzipierte 1665 diese außergewöhnliche Perspektive.

Die Wahl der Ulme wurde auf der Grundlage einer umfangreichen historischen Dokumentation getroffen. Ihr zufolge gab es in den Tuilerien den Laubbaum seit Le Nôtre, durch eine Pilzkrankheit ist er in den 1970er Jahren jedoch fast verschwunden. Nach der in diesem Sommer fertiggestellten Restaurierung des Bosquet des Oiseaux, eines der quadratischen Parterrefelder, ist die Wiederbepflanzung der Grande Allée das zweite Tuilerien-Großprojekt.


Israels Polizei vereitelt Handy-Schmuggel per Drohne in Gefängnis

TEL AVIV: Die israelische Polizei hat im Norden des Landes den Schmuggel mehrerer Handys per Drohne in ein Gefängnis verhindert. Drei Verdächtige mit gefälschten Ausweisen seien vor dem Gefängnis festgenommen worden, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Sie hätten beabsichtigt, die Drohne über das Gelände fliegen zu lassen, um darüber die Handys abzuwerfen. Adressaten seien Insassen gewesen. Insgesamt wurden demnach im Zusammenhang mit dem Schmuggelversuch fünf Verdächtige festgenommen.

Einem Bericht der Nachrichtenseite «ynet» zufolge sind die drei vor dem Gilboa-Gefängnis Festgenommenen Mitglieder der radikalen Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad.


Kramp-Karrenbauer gibt Signal für Zusammenarbeit mit Frankreich

EVREUX: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat in Frankreich ein Signal für die Zusammenarbeit beim militärischen Lufttransport gegeben. Sie besuchte am Donnerstag gemeinsam mit ihrer französischen Kollegin Florence Parly den Luftwaffenstützpunkt Evreux in der nordwestfranzösischen Region Normandie, wo eine deutsch-französische Lufttransportstaffel mit zehn Flugzeugen C-130 J Hercules aufgebaut wird. Wie das Bundesverteidigungsministerium via Twitter mitteilte, werden dort vom kommenden Jahr an Soldaten und Soldatinnen beider Länder gemeinsam arbeiten.

Am Nachmittag werden die beiden Ressortchefinnen beim Unternehmen Airbus Space and Defense im bayerischen Manching erwartet. Ein Thema dort wird das gemeinsame Rüstungsvorhaben eines europäischen Kampfjets sein. Bei dem Projekt, an dem auch Spanien beteiligt ist, geht es um milliardenschwere Investitionen. Vor gut einem Jahr war ein erstes Modell des Flugzeugs enthüllt worden.

Das Luftkampfsystem FCAS (Future Combat Air System) soll von 2040 an einsatzfähig sein. Das Rüstungsprojekt soll nicht nur einen Kampfflieger der neuen Generation bringen, sondern auch ein Gesamtsystem, das Drohnen oder Satelliten steuern kann. Ein erster Prototyp - ein sogenannter Demonstrator - des Kampfjets selbst soll nach bisherigen Plänen 2026 fliegen. Der französische Flugzeugbauer Dassault ist gemeinsam mit Airbus bei dem Vorhaben federführend.


Türkei geht gegen mutmaßliche IS-Mitglieder vor

ISTANBUL: Türkische Einsatzkräfte sind gegen mutmaßliche Angehörige der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in der Türkei vorgegangen. Dabei seien 16 Verdächtige in Ankara festgenommen worden, teilte die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag mit. Drei weitere Verdächtige seien flüchtig, hieß es. Alle seien irakische Staatsangehörige.

Der IS hat in den vergangenen Jahren mehrere Anschläge in der Türkei für sich reklamiert, darunter den Anschlag auf den Istanbuler Nachtclub Reina in der Silvesternacht 2016/2017. 39 Menschen wurden damals erschossen.


OPCW-Chemiewaffen-Experten haben Nawalny-Proben untersucht

DEN HAAG: Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) hat biomedizinische Proben des mutmaßlich vergifteten russischen Kremlkritikers Alexej Nawalny von Experten untersuchen lassen und wird jetzt die deutschen Behörden über die Ergebnisse unterrichten. Das teilte die in Den Haag ansässige Organisation am Donnerstag mit. Für die Untersuchungen durch das technische Sekretariat der OPCW habe ein eigenes Expertenteam unabhängig Proben Nawalnys gesammelt, teilte die Organisation weiter mit, der auch Russland angehört.

Die OPCW war von der Bundesregierung eingeschaltet worden, die es eigenen Angaben zufolge nach Untersuchungen in einem Spezial-Labor der Bundeswehr als zweifelsfrei erwiesen ansieht, dass Nawalny mit dem militärischen Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurde. Auch Speziallabore in Frankreich und Schweden hatten einen Nervengift-Kampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe als Ursache der Vergiftung festgestellt. Die Bundesregierung hatte erklärt, die Vergiftung sei kein Fall zwischen Deutschland und Russland, sondern ein Verstoß gegen das Chemiewaffenabkommen. Für dessen Kontrolle ist die OPCW zuständig.


Annäherung mit Russland bezüglich Waffenruhe in Libyen

ISTANBUL: Die Türkei und Russland sind einer Waffenruhe im Bürgerkriegsland Libyen nach türkischen Angaben näher gekommen. «Bei den letzten Gesprächen haben wir uns bezüglich einer Waffenruhe und eines politischen Prozesses etwas mehr angenähert», sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Mittwochabend dem Sender CNN Türk.

Die Türkei unterstützt in Libyen die in Tripolis sitzende Regierung, Russland den gegen Tripolis kämpfenden General Chalifa Haftar, der seine Machtbasis in Ostlibyen hat.


Griechenland bereitet sich auf Wirbelsturm «Ianos» vor

ATHEN: Ein schwerer Herbststurm mit den Merkmalen eines Hurrikans bewegt sich auf Griechenland zu. Meteorologin Christina Souzi sprach im Nachrichtensender «Skai» am Donnerstag von einem sogenannten Medicane, einem mediterranen Hurrikan. Der Bürgermeister der Insel Zakynthos, Nikitas Aretakis, sagte im Staatsradio: «Wir bereiten uns vor, wir sind besorgt.» Der Zivilschutz warnte alle Einwohner, während des Sturms nicht auf die Straße zu gehen. Segler wurden vom Wetteramt dazu aufgerufen, sobald wie möglich den nächsten Hafen aufzusuchen.

Der Mittelmeer-Hurrikan befand sich am Donnerstag westlich der Halbinsel Peloponnes und bewegte sich langsam in Richtung Osten. Meteorologen haben dem Sturm den Namen «Ianos» gegeben. Am Vormittag wurden alle Fährverbindungen von und nach Zakynthos unterbrochen. Auch bleiben auf der Insel alle Schulen geschlossen, berichtete der staatliche Regionalsender ERA-Zakynthos. Mit einer Wetterbesserung rechneten die Meteorologen von Sonntagnacht an.


Polizei räumt abgebranntes Flüchtlingscamp Moria

LESBOS: Die griechische Polizei hat am Donnerstagmorgen damit begonnen, die verbliebenen Migranten aus dem abgebrannten Flüchtlingslager Moria zu holen. Sie sollen in ein neues, provisorisches Zeltlager ziehen, das die Behörden errichtet haben. «Bisher läuft alles friedlich ab», sagte der Mainzer Arzt Gerhard Trabert, der mit einer Hilfsorganisation vor Ort ist, der Deutschen Presse-Agentur. Trabert schätzt, dass sich noch mehrere Tausend Menschen in und um das zerstörte Lager herum aufhalten.

«Wir müssen die Menschen in das neue Lager holen; wenn sie auf der Straße ausharren, ist das eine Bombe in Sachen Hygiene», sagte der Chef der griechischen Gesundheitsbehörde (EODY), Panagiotis Arkoumaneas, am Donnerstagmorgen dem griechischen Radiosender Skai. Im Einsatz seien rund 170 Beamte.

In das neue Zeltlager Kara Tepe sind bisher rund 2000 Menschen eingezogen, nachdem beim Brand von Moria vergangene Woche 12.000 Migranten obdachlos geworden waren. Viele haben Angst, das neue Lager zu beziehen; sie befürchten, dort eingesperrt zu werden, und fordern stattdessen, von der Insel aufs Festland gebracht zu werden.


Weniger Badetote - aber im August besonders viele Menschen ertrunken

BAD NENNDORF: In Deutschland sind im laufenden Jahr weniger Menschen durch Ertrinken gestorben. In den ersten acht Monaten starben in deutschen Gewässern mindestens 329 Menschen - 20 weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Donnerstag in Bad Nenndorf mitteilte. Allerdings ertranken im Monat August mit 117 so viele Menschen wie seit vielen Jahren nicht, im Vorjahresmonat waren es 45. Zuletzt lag die Zahl der Ertrunkenen im Sommermonat August 2003 höher - damals waren es 129.

«Sobald es heiß wird, gehen die Leute - oft zu sorglos - ins Wasser», warnte DLRG-Präsident Achim Haag. «Die Ursachen sind wie so oft Leichtsinn, Überschätzen der eigenen Leistungsfähigkeit, eine zu hohe Risikobereitschaft und insbesondere das Schwimmen in unbewachten Gewässern.» Weil zahlreiche Schwimmbäder coronabedingt geschlossen hatten, hätten sich viele Menschen Alternativen im Freien gesucht. Unfallschwerpunkte sind nach wie vor Seen und Flüsse.

Die meisten tödlichen Badeunfälle gab es mit 68 Opfern in Bayern - 12 weniger als im Vorjahreszeitraum. In Nordrhein-Westfalen gab es 41 Opfer zu beklagen, 13 weniger als im Vergleichszeitraum, in Niedersachsen waren es ebenfalls 41 und damit so viele wie im Vorjahreszeitraum. Es starben zumeist Männer, ihr Anteil an den Todesfällen lag bei fast 80 Prozent. Gründe seien Selbstüberschätzung, Leichtsinn und oftmals auch Alkohol.


Bolivien ruft wegen Waldbränden nationalen Notstand aus

SANTA CRUZ: Die bolivianische Übergangspräsidentin Jeanine Áñez hat wegen der Waldbrände vor allem in der Region Chiquitania im Osten des Landes den nationalen Notstand erklärt. Damit könnten schnell die notwendigen Mittel bereitgestellt werden, um die Brände zu stoppen, schrieb Ánez nach einem Flug über besonders betroffene Gebiete im Department Santa Cruz auf Twitter am Mittwoch. Nach einem Bericht der bolivianischen Zeitung «El Deber» hat das Feuer im Schutzgebiet Copaibo bei Concepción in fast einem Monat über 20.000 Hektar Wald zerstört. Außerdem hob Áñez einen Erlass aus dem Jahr 2019 auf, der die «kontrollierte» Abholzung und das Abbrennen zur Ausdehnung der Agrargrenze in den Departments Santa Cruz und Beni erlaubt hatte.

In Südamerika toben derzeit Waldbrände in verschiedenen Ländern und Regionen, in Brasilien etwa im Amazonas-Gebiet und im Pantanal, einem der größten Binnenland-Feuchtgebiete der Welt. Die brasilianische Regierung hatte deshalb auch für den Bundesstaat Mato Grosso do Sul, von dem aus sich das Pantanal auf den Mato Grosso und die brasilianischen Nachbarländer Bolivien und Paraguay, erstreckt, am Montag den Notstand ausgerufen.


Forscher graben erstmals eisenzeitliche Weinpresse im Libanon aus

BEIRUT/TÜBINGEN: Bei Ausgrabungen im Libanon hat ein Team libanesischer und deutscher Archäologen eine Weinpresse aus dem siebten Jahrhundert vor Christus ausgegraben. Bei dem Fund im südlichen Tell el-Burak handele es sich um die erste eisenzeitliche Weinpresse, die auf dem Gebiet des heutigen Libanon entdeckt wurde, teilte das Team der Universität Tübingen und der Amerikanischen Universität Beirut (AUB) am Donnerstag mit.

Die Stätte Tell el-Burak wird seit 2001 als libanesisch-deutsches Gemeinschaftsprojekt archäologisch ausgegraben. Dort, etwa drei Kilometer südlich der südlichen Hafenstadt Sidon, konnten die Überreste einer kleinen phönizischen Siedlung aus dem späten achten bis in die Mitte des vierten Jahrhunderts vor Christus ausgegraben werden. Die Weinpresse sei bereits 2018 vollständig freigelegt worden und in akademischen Kreisen bekannt gewesen. Die Studie zu dem Fund wurde nun in der Fachzeitschrift «Antiquity» veröffentlicht.

«Wir hatten Textbelege für phönizischen Wein aus Byblos (im Nordlibanon) und Sidon (im Süden) und jetzt haben wir archäologische Beweise für die phönizische Weinproduktion», sagte die AUB-Professorin und Co-Autorin der Studie, Helene Sader. Frühere Forschungen in Tell el-Burak hätten bereits ergeben, dass in der Umgebung des Orts großflächig Trauben angebaut wurden. «Wir gehen davon aus, dass dort für einige Jahrhunderte in großem Stil Wein hergestellt wurde. Für die Phönizier hatte er große Bedeutung, sie nutzten Wein auch in religiösen Zeremonien», sagten die Autoren.

Bisher habe es kaum Nachweise für die Weinherstellung in Phönizien gegeben. «Die neue Entdeckung liefert zahlreiche Hinweise, wie die Weinpioniere das Getränk herstellten», sagte Adriano Osingher von der Universität Tübingen. Phönizier spielten der Studie zufolge eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Weins im Mittelmeergebiet.

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