Neues aus dem Ausland am Donnerstag

Neues aus dem Ausland am Donnerstag


Belgische Minderheitsregierung bleibt zwei Wochen länger im Amt

BRÜSSEL: Die aktuelle Minderheitsregierung in Belgien bleibt bis zum 1. Oktober im Amt - und damit zwei Wochen länger als geplant. Zuvor hatte es wegen eines Corona-Falls Probleme bei der Bildung einer neuen Regierung gegeben. Die aktuelle Regierungschefin Sophie Wilmès von den frankophonen Liberalen werde am 1. Oktober und nicht schon am 17. September die Vertrauensfrage im Parlament stellen, berichtete die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf Verhandlungskreise einer möglichen neuen Regierung.

Wilmès' Regierung hat derzeit nur 38 der 150 Sitze in der Abgeordnetenkammer. Angesichts der Corona-Krise hatten sich jedoch im März zehn der zwölf Parteien im Parlament geeinigt, die Regierung bei allen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus zu unterstützen. Eigentlich wollte Wilmès nächste Woche die Vertrauensfrage stellen. Anschließend hätte eine neue Regierung übernehmen sollen - sofern sie bis dahin denn gefunden worden wäre.

Seit der Parlamentswahl Ende Mai 2019 versuchen belgische Politiker vergeblich, eine stabile Koalition zu bilden. Zuletzt schien die sogenannte Vivaldi-Koalition aus sieben Parteien - Liberale, Sozialdemokrate und Grüne aus beiden Landesteilen sowie die flämischen Christdemokraten - Chancen auf Erfolg zu haben. Einer der beteiligten Vorregierungsbildner infizierte sich jedoch mit dem Coronavirus. Der Zeitplan war deshalb nicht mehr zu halten.


Athen: Migranten haben Feuer in Moria gelegt

ATHEN/LESBOS: Laut griechischer Regierung haben Migranten den Großbrand im Camp Moria selbst gelegt. «Das Feuer wurde von Menschen gelegt, die Asyl beantragt haben - als Reaktion auf die wegen des Coronavirus verhängte Quarantäne (in Moria)», sagte Regierungssprecher Stelios Petsas am Donnerstag. Es handele sich um Menschen, die «ihr Gastland nicht respektieren», so Petsas. Mit solchen Aktionen jedoch torpedierten diese Menschen jede Lösung. «Wir sagen es ihnen klipp und klar: Sie werden nicht wegen des Feuers die Insel verlassen. Das können sie vergessen.» Gelungen sei den Brandstiftern lediglich, Tausende Menschen - darunter Familien- obdachlos zu machen, kritisierte Petsas.

Athen will unterdessen in den nächsten Tagen 19.000 Coronatests auf Lesbos durchführen, teilte der Regierungssprecher weiter mit. Die Angst eines unkontrollierbaren Virusausbruchs ist groß: 35 Migranten sind positiv auf das Virus getestet worden, doch infolge des Großbrandes sind sie nicht mehr alle ausfindig zu machen und könnten Tausende andere Menschen anstecken. Die Polizei habe nur acht von ihnen aufgreifen können, teilte die Regierung mit.

Das griechische Fernsehen (ERT) zeigte am Donnerstag erneut Bilder von Menschen, die am Straßenrand lagen und auf Hilfe warteten. Einige Menschen übernachteten auf einem Friedhof. Humanitäre Organisationen und die Behörden planten am Donnerstag Essen und Wasser zu den Menschen zu bringen, hieß es.


Südliche EU-Staaten fordern im Erdgasstreit Kurswechsel von Ankara

AJACCIO: Sieben südliche EU-Staaten fordern im Streit um Erdgaserkundungen im östlichen Mittelmeer einen raschen Kurswechsel des Nato-Mitglieds Türkei. Die Partner seien mit Griechenland und Zypern solidarisch, sagte der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte am Donnerstagabend am Rande von Gipfelberatungen auf der Mittelmeerinsel Korsika. Contes griechischer Amtskollege Kyriakos Mitsotakis erklärte laut einer offiziellen Übersetzung: «Die Türkei muss die Forschungen unterlassen.» Er forderte Ankara auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Im östlichen Mittelmeerraum hat sich die Lage zuletzt gefährlich angespannt. Die Türkei sucht nach Erdgasvorkommen. Griechenland und Zypern sind der Ansicht, dass die Bohrungen in ihren Seegebieten erfolgen und damit illegal sind. Ankara weist dies zurück.

Die EU hatte Ankara wegen der Erdgaserkundungen bereits ein Ultimatum gesetzt und mit zusätzlichen Sanktionen gedroht. Wenn es in den nächsten Wochen keine Fortschritte beim Dialog gebe, könne beim EU-Sondergipfel am 24. September eine Liste weiterer Strafmaßnahmen diskutiert werden, hatte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell Ende August angekündigt. Diese würden auch Wirtschaftssanktionen umfassen.


Angriffe auf Schulen werden immer mehr zur Kriegstaktik

NEW YORK: Angriffe auf Schulen werden einer UN-Expertin zufolge immer häufiger zur Kriegstaktik. Es habe zwar auch Fortschritte beim Schutz von Schulen gegeben, sagte die UN-Sonderbeauftragte für Kinder in bewaffneten Konflikten, Virginia Gamba, am Donnerstag dem UN-Sicherheitsrat in New York. Die Angriffe hätten aber nicht aufgehört. «Im Gegenteil, es scheint sich eine Kriegstaktik herauszubilden, insbesondere in der Sahelzone, wo Schulen genau deswegen angegriffen werden, weil es Schulen sind, und ganz besonders, wenn sie für Mädchen da sind.»

In Burkina Faso beispielsweise seien im vergangenen Jahr nach einem Anstieg von Angriffen rund 2500 Schulen geschlossen worden, in Mali rund 1260. Die Corona-Pandemie habe auch diese Krise noch schlimmer gemacht. Gamba rief alle Beteiligten auf, Schulen als zivile Einrichtungen zu respektieren und zu schützen.


Taliban und Kabul bereit für Friedensgespräche

KABUL/DOHA: Die militant-islamistischen Taliban und Afghanistans Regierung sind bereit für Friedensgespräche. Am Samstag soll der Auftakt der Verhandlungen in der katarischen Hauptstadt Doha beginnen, wie Vertreter beider Konfliktparteien am Donnerstag bestätigten. Die Verhandlungsdelegation aus Kabul soll am Freitag anreisen. Die Taliban befinden sich bereits in Doha, in einem Hotel am Meer.

Fast zwei Jahrzehnte nach ihrer Vertreibung aus Kabul wollen die Taliban erstmals mit Kabul über Frieden verhandeln. Ein Abkommen zwischen den USA und den Taliban Ende Februar verpflichtete die Islamisten zur Aufnahme der Friedensverhandlungen. Streit über einen Gefangenentausch, der Vertrauen aufbauen sollte, hatte zu erheblichen Verzögerungen der Verhandlungen geführt.


Tichanowskaja: Lukaschenko kommt bei Sieg der Opposition vor Gericht

WARSCHAU: Die belarussische Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja glaubt, dass Staatschef Alexander Lukaschenko nach einem Machtwechsel vor Gericht landen wird. Auch bei einem Sieg der Opposition könne Lukaschenko weiter im Land bleiben, sagte Tichanowskaja am Donnerstag in einem Interview mit dem polnischen Sender TVN24. «Er ist ein Bürger wie alle anderen. Wenn er in Belarus bleiben will, warum nicht?» Allerdings werde es nach einem Machtwechsel eine gerechte Justiz geben, der sich Lukaschenko stellen müsse. Auch alle anderen, die Schuld an der Tötung, Misshandlung oder Inhaftierung von Demonstranten hätten, würden zur Verantwortung gezogen.

Lukaschenko hatte sich nach der Präsidentenwahl vor einem Monat mit mehr als 80 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären lassen. Die Opposition hält dagegen die 37-jährige Tichanowskaja für die wahre Gewinnerin. Die Abstimmung steht international als grob gefälscht in der Kritik. Seit dem 9. August gibt es täglich Proteste, bei denen die Sicherheitskräfte teilweise brutal vorgingen.

Tichanowskaja hält sich derzeit in Polen auf, wo sie unter anderem an einem Wirtschaftsforum teilnimmt. Die Oppositionelle lebt inzwischen im Exil im benachbarten EU-Land Litauen. Sie war unter Druck der Behörden dorthin ausgereist.


Demokraten blockieren Konjunkturpaket der Republikaner im US-Senat

WASHINGTON: Die US-Politik kann sich weiterhin nicht auf ein neues Konjunkturpaket einigen, das unter anderem zusätzliche Hilfen für Arbeitslose bringen soll. Die Demokraten blockierten am Donnerstag einen rund 500 Millionen Dollar schweren Plan der Republikaner im Senat. Das Paket sei unzureichend, argumentierte der demokratische Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer. Unter anderem sehe es keine Unterstützung des öffentlichen Nahverkehrs vor, kritisierte er.

Die Republikaner hielten den Demokraten vor, mit der Ablehnung auch die ergänzende Arbeitslosenhilfe von 300 Dollar pro Woche torpediert zu haben. «Sie müssen dem amerikanischen Volk erklären, gegen welchen Teil des Vorschlags genau sie sind», sagte der republikanische Mehrheitsführer Mitch McConnell. Die Republikaner hätten für die Annahme des Pakets auf 60 Stimmen kommen und damit auch mindestens sieben Demokraten auf ihre Seite ziehen müssen. Sie erreichten am Ende 52 Ja-Stimmen, weil auch ein republikanischer Senator dagegen stimmte. Außerdem hätte das Paket angesichts der ablehnenden Haltung der Demokraten kaum Chancen gehabt, das von ihnen kontrollierte Repräsentantenhaus zu passieren.


Parlamentswahl soll Ende Oktober beginnen

KAIRO: In Ägypten soll ab Ende Oktober in zwei Phasen ein neues Parlament gewählt werden. Bis Ende November soll die Parlamentswahl abgeschlossen sein, wie die Wahlkommission am Donnerstag mitteilte. Die endgültigen Ergebnisse sollen bis Mitte Dezember bekanntgegeben werden.

Die erste Phase der Abstimmung wird für im Ausland lebende Ägypter ab dem 21. Oktober an drei Tagen in Serie stattfinden. Im Inland soll am 24. und 25. Oktober gewählt werden, sagte der Vorsitzende der Wahlkommission, Laschin Ibrahim, in einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. Die zweite Phase soll für im Ausland lebende Ägypter vom 4. bis 6. November stattfinden, für Wähler im Inland am 7. und 8. November.

Im vergangenen Monat fanden in Ägypten Wahlen für einen neu geschaffenen Senat statt. Die Wahlbeteiligung lag nur bei rund 14 Prozent, was Wahlleiter Ibrahim auf den Ausbruch des Coronavirus und die hohen Temperaturen im Land zurückführten. Parlamentswahlen hielt Ägypten zuletzt im Jahr 2015 ab. Das Parlament wird seitdem von Anhängern des Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi dominiert, der das Land seit seiner Machtübernahme 2013 mit harter Hand regiert. Nach offiziellen Angaben sind fast 63 Millionen Ägypter wahlberechtigt.


Britische Regierung hält trotz Protest an umstrittenem Gesetz fest

LONDON: Die britische Regierung will trotz massiven Protests aus Brüssel an einem umstrittenem Gesetz festhalten, das Teile des bereits gültigen Brexit-Abkommens mit der EU aushebeln würde. Nach einem Krisentreffen sagte der britische Staatsminister Michael Gove am Donnerstag in London, seine Regierung «werde und könne» das geplante Binnenmarktgesetz nicht zurückziehen.

EU-Kommissionsvizepräsident Maros Sefcovic hatte Großbritannien zuvor aufgefordert, die Pläne zur Änderung des Brexit-Abkommens spätestens bis Ende September zu stoppen. Sollte das Gesetz in der von London geplanten Form in Kraft treten, wäre dies «eine extrem ernste Verletzung des Austrittsabkommens und von internationalem Recht», warnte Sefcovic. Die laufenden Verhandlungen über einen Handelsvertrag würden damit in Gefahr gebracht.

Das geplante britische Binnenmarktgesetz würde in seiner jetzigen Fassung einige Klauseln des mühsam ausgehandelten und bereits geltenden Brexit-Deal aushebeln. Über den geplanten Handelspakt wird derzeit verhandelt. Gelingt er nicht, droht nach der Brexit-Übergangsphase zum Jahresende ein harter wirtschaftlicher Bruch mit Zöllen und weiteren Hürden.


Litauen kauft deutsche Pistolen

VILNIUS: Deutsche Dienstwaffen für die litauische Armee: Die Streitkräfte des baltischen EU- und Nato-Landes werden künftig Pistolen vom Typ «SFP9 SF Paddle» der Waffenschmiede Heckler & Koch verwenden. Der Kaufvertrag für das Rüstungsgeschäft im Wert von 1,57 Millionen Euro wurde am Donnerstag in Vilnius unterzeichnet, wie das litauische Verteidigungsministerium mitteilte.

Die Handfeuerwaffen sollen bis Ende 2021 geliefert werden und die bisherigen Pistolen unterschiedlichen Kalibers der Streitkräfte ersetzen. Der Vertrag sieht die Möglichkeit der Anschaffung weiterer Pistolen vor. Angaben zur Anzahl der bestellten Waffen wurden vom Ministerium nicht gemacht.


EU-Umweltausschuss für 60-Prozent-Ziel beim Klimaschutz bis 2030

BERLIN: Der Umweltausschuss im Europaparlament hat für eine Minderung der EU-Klimagase um 60 Prozent bis 2030 gestimmt. Verglichen wird mit dem Wert aus dem Jahr 1990. Damit votierte das Gremium am Donnerstag für eine noch stärkere Verschärfung des Klimaziels, als es die EU-Kommission anstrebt.

Diese erwägt nach Angaben aus EU-Kreisen eine Minderung um 55 Prozent. Offiziell will sich Kommissionschefin Ursula von der Leyen kommende Woche dazu äußern. Bisher gilt eine Zielmarke von 40 Prozent. Die Verschärfung soll helfen, die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens einzuhalten und die gefährliche Überhitzung der Erde zu stoppen.

Der Grünen-Europaabgeordnete Michael Bloss nannte das Votum des Umweltausschusses einen «Klimahammer» und einen vollen Erfolg. Es ist aber noch nicht das letzte Wort: Im Oktober soll das Plenum die Position des Parlaments bestimmen, danach folgen Verhandlungen mit den EU-Staaten. Unter anderen sind die CDU/CSU-Abgeordneten im Parlament gegen eine so drastische Erhöhung des Klimaziels. Sie befürchten zu große Lasten für die Wirtschaft.


Niederlande wollen 100 Flüchtlinge aus Moria aufnehmen

DEN HAAG: Die Niederlande wollen 100 Menschen aus dem abgebrannten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos aufnehmen. Darauf einigten sich die Koalitionsparteien am Donnerstag in Den Haag. Bisher hatte die Regierung des rechtsliberalen Premier Mark Rutte die Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland strikt abgelehnt. Nach dem verheerenden Brand hatten jedoch seine drei Koalitionspartner auf eine Änderung des Standpunktes gedrängt.

Das Feuer habe die Lage dramatisch geändert, begründete die zuständige Staatssekretärin Ankie Broekers-Knol in einem Brief an das Parlament den Kurswechsel. «In dieser besonderen Situation sind nach Ansicht der Regierung außergewöhnliche Schritte notwendig.»

Die Niederlande wollen Jugendliche und Familien mit Kindern aufnehmen.


Merkel und Selenskyj telefonieren vor Beratertreffen zur Ostukraine

KIEW: Kurz vor einem Beratertreffen haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj über mögliche Fortschritte für eine Friedenslösung im Konflikt in der Ostukraine gesprochen. Selenskyj dankte Deutschland für die Bemühungen und hoffe, dass das Treffen positiv werde, teilte das Präsidentenbüro in Kiew am Donnerstag nach einem Telefonat der beiden mit. Am Freitag ist ein Treffen von Diplomaten aus der Ukraine, Russland, Deutschland und Frankreich geplant.

Die Beratungen sollen den Weg für ein zweites Gipfeltreffen von Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Russlands Staatschef Wladimir Putin und Selenskyj in Berlin ebnen. Viele Vereinbarungen, die beim Gipfel in Paris getroffen wurden, werden nicht oder nur schleppend umgesetzt. Dazu gehört unter anderem eine neue Waffenruhe, die seit Juli gilt. Diese ist jedoch nach Angaben der Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bereits brüchig.

Seit 2014 kämpfen Regierungseinheiten im Bergbaurevier Donbass gegen aus Russland unterstützte Separatisten. UN-Schätzungen nach sind seitdem mehr als 13.000 Menschen getötet worden. Ein 2015 mit deutsch-französischer Vermittlung vereinbarter Friedensplan wurde nur in Ansätzen umgesetzt.


Rebellen entführen früheren Vizepräsidenten von Paraguay

BELLA VISTA NORTE: Linke Rebellen haben im Nordosten von Paraguay den ehemaligen Vizepräsidenten des südamerikanischen Landes entführt. Kämpfer der Guerillaorganisation EPP verschleppten Óscar Denis und einen Arbeiter von seinem Landgut nahe der Ortschaft Bella Vista Norte an der Grenze zu Brasilien. Zunächst stellten die Entführer keine Forderungen. «Wir sind offen für ein Gespräch. Wir sind bereit zuzuhören. Wir wollen, dass sie mit uns Kontakt aufnehmen», sagte seine Tochter Beatriz Denis am Donnerstag im Radiosender ABC.

In der vergangenen Woche hatten Soldaten bei einem Militäreinsatz gegen die Paraguayische Volksarmee (EPP) zwei elfjährige Mädchen aus Argentinien erschossen. Nach Einschätzung der Streitkräfte handelte es sich bei den Opfern um Verwandte der Rebellenführer Liliana und Osvaldo Villalba. Sie seien bewaffnet gewesen und hätten das Feuer auf die Soldaten eröffnet, hieß es.

Die Entführung des Ex-Vizepräsidenten könnte eine Vergeltung für die Operation gewesen sein. «Das ist keine Überraschung, wir haben mit einem Gegenschlag gerechnet», sagte der Präsident des Landwirtschaftsverbands (ARP), Pedro Galli, der Zeitung ABC Color. «Wir bitten um die Unversehrtheit von Óscar Denis und hoffen, dass diese Bande ein Mindestmaß an Menschlichkeit aufbringt.»


Kraftwerk soll trotz Protesten von Bauern ans Netz gehen

MEXIKO-STADT: Trotz jahrelangen Widerstands von Bauern und Umweltaktivisten will die mexikanische Regierung ein thermoelektrisches Kraftwerk im Zentrum des Landes in Betrieb nehmen. Das Gaskraftwerk bei Huexca im Bundesstaat Morelos werde Ende des Jahres ans Netz gehen, teilte Präsident Andrés Manuel López Obrador am Donnerstag mit. Alle Rechtsmittel gegen das Projekt seien ausgeschöpft. «Es gibt kein rechtliches Problem mehr», sagte der Staatschef.

Das Kraftwerk ist seit drei Jahren fertiggestellt. Der Bau der letzten 140 Meter einer benötigten Wasserleitung wurde aber 2016 von Bewohnern umliegender Gemeinden gestoppt. Das Projekt hatte für viel Unmut gesorgt. Die Gemeinden in der Region befürchten Wasserknappheit und die Verschmutzung des Flusses Cuautla. Im vergangenen Jahr wurde im Zusammenhang mit den Protesten der indigene Umweltaktivist und Projektgegner Samir Flores getötet.

Das 20 Milliarden Peso (792 Millionen Euro) teure Projekt umfasst auch eine Gaspipeline, die in der Nähe des Vulkans Popocatépetl verläuft, und eine Wasseraufbereitungsanlage. Das Kraftwerk hat eine Kapazität von 642 Megawatt.


Anschläge auf Moscheen: Terrorverdächtiger gefasst

KABUL: Der afghanische Geheimdienst hat einen mutmaßlichen Drahtzieher der tödlichen Bombenanschläge auf zwei Prediger in Kabul festgenommen. Bei dem Verdächtigen handele es sich um einen Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Afghanistan, gab der Geheimdienst am Donnerstag bekannt. Er habe einen weiteren Anschlag auf eine Moschee in der nördlichen Provinz Kundus geplant, hieß es weiter.

Die islamischen Gelehrten Ajas Niasi und Asisullah Mofleh waren im Juni bei Bombenanschlägen auf zwei Moscheen getötet worden. Ihr Tod sorgte bei vielen Menschen im Land für Bestürzung. In den vergangenen Monaten wurden immer wieder Politiker, Aktivisten und Religionsvertreter gezielt angegriffen oder getötet. Experten sehen dahinter den Versuch, Afghanistans Zivilgesellschaft vor den geplanten Friedensgesprächen in Katar einzuschüchtern und zu schwächen. Die Drahtzieher der Attentate blieben in der Regel im Verborgenen.


Algeriens Parlament stimmt Verfassungsänderungen zu

ALGIER: Mehr als ein Jahr nach dem Rücktritt von Langzeitpräsident Abdelaziz Bouteflika hat das algerische Parlament Verfassungsänderungen zugestimmt. Medienberichten zufolge erhalten das Parlament und der Ministerpräsident dadurch mehr Befugnisse. Die Änderungen seien einstimmig angenommen worden, meldete die staatliche algerische Nachrichtenagentur APS am Donnerstag. Am 1. November sollen die Algerier in einem Referendum über sie abstimmen.

Im Februar vergangenen Jahres waren Massenproteste gegen den altersschwachen Bouteflika und die Machtelite ausgebrochen, nachdem der damalige Staatschef erneut bei der Wahl kandidieren wollte. Anfang April erklärte Bouteflika nach 20 Jahren im Amt seinen Rücktritt. Im Dezember wurde der frühere Regierungschef Abdelmadjid Tebboune zum Präsidenten gewählt. Die Demonstranten lehnten auch ihn ab, weil er zu Bouteflikas Machtelite gehörte.

Parlamentschef Slimane Chenine sagte am Donnerstag, die Änderungen der Verfassung entsprächen «den Anforderungen einer neuen Republik». Sie erfüllten die grundlegenden Forderungen der Protestbewegung.


Mitarbeiter der Indigenen-Behörde von Ureinwohnern getötet

PORTO VELHO: Ein Mitarbeiter der Indigenen-Behörde Funai ist nach einem Pfeilangriff isoliert lebender Ureinwohner im brasilianischen Amazonas-Gebiet gestorben. Dies bestätigte die Zivilpolizei des Bundesstaates Rondônia der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Rieli Franciscato galt als Experte für die Arbeit mit Indigenen, insbesondere mit Völkern, die freiwillig abgeschottet leben und noch bisher noch keinen Kontakt zur weißen Bevölkerung hatten. Er setzte sich auch für die Politik des sogenannten «Nicht-Kontakts» und ein friedliches Miteinander ein.

Zuletzt war der 56-Jährige unter anderem mit der Überwachung der «isolados do Cautário» beauftragt. Die Funai hatte die nach einem Fluß in der Nähe benannte Gruppe in den 1990er Jahren entdeckt und seither überwacht. Medienberichten zufolge war Rieli über den Aufenthaltsort der Gruppe informiert worden und mit Militärpolizisten auf dem Weg, um die Situation zu überprüfen. Beim Zusammentreffen kam es zu dem tödlichen Angriff, teilte das Nachrichtenportal «G1» ein. Ivaneide Cardozo von der Nichtregierungsorganisation Kanindé sagte der «Folha de S. Paulo», die isoliert lebenden Indigenen könnten nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden.


Ex-Innenminister Castaner neuer Fraktionschef von Macron-Partei

PARIS: Der ehemalige französische Innenminister Christophe Castaner ist neuer Fraktionsvorsitzender der Präsidentenpartei La République en Marche (LREM) in der Nationalversammlung. Der 54-Jährige setzte sich am Donnerstag in einer Kampfabstimmung gegen die Abgeordnete Aurore Bergé durch. Castaner kam auf 55 Prozent der Stimmen, Bergé auf 45 Prozent. Die Fraktion gratulierte ihm auf Twitter.

Castaner saß bis Juli im Kabinett von Staatschef Emmanuel Macron. Der Macron-Vertraute geriet als Minister immer wieder scharf in die Kritik - beispielsweise wegen seines Umgangs mit dem Thema Polizeigewalt und während der «Gelbwesten»-Proteste. Castaner ist LREM-Unterstützer der ersten Stunde. In den Jahren 2017/2018 war er auch Parteichef. In den vergangenen Monaten hatte es in der Fraktion heftig geknirscht. Mehrere Abgeordnete verließen sie.


45-Jähriger in Wien: War monatelang im Keller eingesperrt

WIEN: Ein 45-jähriger Mann in Wien ist nach eigener Aussage von seiner Mutter seit April im Keller ihres Einfamilienhauses gefangen gehalten worden. Die Polizei ermittelt nach Angaben vom Donnerstag wegen des Anfangsverdachts einer Freiheitsentziehung. Objektive Erkenntnisse lägen aber noch nicht vor, sagte ein Polizeisprecher. Die 77-jährige Mutter sowie weitere mögliche Zeugen würden nun vernommen.

Die Mutter hatte am Mittwoch die Sanitäter wegen des bedrohlichen Gesundheitszustands ihres Sohnes alarmiert. Die Sanitäter wiederum riefen die Polizei wegen des «sanitären Übelstands» vor Ort. Der Schwerkranke erzählte dann auf dem Weg in die Klinik, dass er von seiner Mutter in einem Kellerabteil eingesperrt worden sei. Er war laut Polizei anfangs in Lebensgefahr, dann habe sich sein Zustand etwas stabilisiert. Mit Ermittlungsergebnissen rechnen die Behörden am Freitag.


Innerafghanische Friedensgespräche für Samstag geplant

KABUL/DOHA: Die innerafghanischen Friedensgespräche könnten nach Angaben aus Teilnehmerkreisen am Samstag in Doha beginnen. Die afghanische Verhandlungsdelegation soll am Freitag in die Hauptstadt des Golfemirats fliegen, wie die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag in Doha erfuhr. Eine offizielle Bestätigung der militant-islamistischen Taliban und Afghanistans Regierung steht allerdings noch aus.

Fast zwei Jahrzehnte nach ihrer Vertreibung aus Kabul wollen die Taliban erstmals mit Kabul über Frieden verhandeln. Ein Abkommen zwischen den USA und den Taliban Ende Februar verpflichtete die Islamisten zur Aufnahme der Friedensverhandlungen. Streit über einen Gefangenentausch, der Vertrauen aufbauen sollte, hatte zu erheblichen Verzögerungen der Verhandlungen geführt.


Nawalny-Mitarbeiter vor Regionalwahl zusammengeschlagen

TSCHELJABINSK: Ein Mitarbeiter des vergifteten Kremlkritikers Alexej Nawalny ist vor der bevorstehenden Regionalwahl in der Großstadt Tscheljabinsk zusammengeschlagen worden. Der Koordinator von Nawalnys Stab in der Stadt am Ural sei in der Nacht zum Donnerstag von Unbekannten angegriffen worden, teilte das Team mit. Er habe möglicherweise schwere Verletzungen am Kopf erlitten. Die Polizei kündigte nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax an, den Fall zu prüfen.

Mehrere Nawalny-Helfer sollen nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen zahlreiche Drohungen bekommen haben. In Tscheljabinsk wird am Wochenende das Regionalparlament gewählt. Nawalnys Team will dort die Dominanz der Kremlpartei Geeintes Russland brechen. Auch in der Stadt Nowosibirsk sei vor einigen Tagen das Büro angegriffen worden, in dem Nawalnys Team arbeitet, hieß es.

Nawalny wird derzeit wegen einer Vergiftung in der Berliner Charité behandelt, nachdem er bei einem Inlandsflug in Russland ins Koma fiel. Inzwischen ist er wieder bei Bewusstsein. Der 44-Jährige gilt als einer der schärfsten Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin.


Ex-Premier Major warnt Briten vor Vertrauensverlust

LONDON: In der Debatte um Änderungen am bereits gültigen Brexit-Abkommen hat der frühere britische Premierminister John Major davor gewarnt, Vertrauen zu verspielen. «Für Generationen wurde das Wort der Briten - einmal feierlich gegeben - von Freunden und Feinden akzeptiert. Unsere Unterschrift unter Verträgen oder Abkommen war heilig», sagte der 77-Jährige am Donnerstag. «Wenn wir jetzt den Ruf verlieren, unsere Versprechen zu halten, könnten wir etwas Unbezahlbares unwiderruflich verloren haben.»

Major war Premierminister von 1990 bis 1997. Wie der amtierende Regierungschef Boris Johnson ist er Mitglied der konservativen Tory-Partei. Mit seiner Warnung richtete er sich gegen Johnsons Ankündigung, Teile des Brexit-Abkommens per Gesetz ändern zu wollen. Nach Aussage von Nordirland-Minister Brandon Lewis würde das geplante Binnenmarktgesetz, das Johnson am Mittwoch ins Parlament eingebracht hatte, in Teilen gegen internationales Recht verstoßen.

Die Europäische Union verurteilte die Pläne. Die EU-Kommission berief ein Notfalltreffen des Ausschusses ein, der die Umsetzung des Austrittsvertrags überwacht. Parallel dazu verhandelten die Chef-Unterhändler David Frost und Michel Barnier weiter über ein mögliches Handelsabkommen. Zuletzt gab es kaum Fortschritte.


Dänemark eröffnet Botschaft im Irak

KOPENHAGEN: Dänemark will noch in diesem Herbst in der irakischen Hauptstadt Bagdad eine Botschaft eröffnen.

«Der Irak spielt eine Schlüsselrolle für die Stabilität des Nahen Ostens, und mit der Eröffnung der Botschaft wird Dänemark die Zusammenarbeit mit dem Irak verstärken», kündigte Außenminister Jeppe Kofod am Donnerstag in Kopenhagen an. Darüber solle der Dialog in Bereichen wie Migration und Terrorbekämpfung verstärkt werden. Ende des Jahres übernimmt Dänemark die Führung der Nato-Mission im Irak.


Wertvoller Diamant aus Kanada soll in Hongkong versteigert werden

NEW YORK: Ein in Kanada entdeckter wertvoller Diamant soll im Oktober in Hongkong versteigert werden.

Der weiße ovale Diamant mit 102,39 Karat sei erst der achte seiner Art, der weltweit versteigert werde, teilte das Auktionshaus Sotheby's am Donnerstag in New York mit. Die vorherigen sieben hätten alle zweistellige Millionenbeträge bis zu mehr als 30 Millionen Dollar (25 Millionen Euro) eingebracht. Der 2018 in einer kanadischen Mine entdeckte Diamant, der sich derzeit noch in New York befindet, soll am 5. Oktober in Hongkong versteigert werden - und das erstmals bei einer Auktion dieser Art ohne verbindliches Mindestgebot.


Schweinepest: Krisenmaßnahmen in zwei Landkreisen in Brandenburg

POTSDAM: Nach dem erstmaligen Nachweis der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland sollen in zwei Landkreisen in Brandenburg Krisenmaßnahmen anlaufen. Der Fundort des toten Wildschweins mit dem Virus liege im Landkreis Spree-Neiße, aber sehr nah an der Grenze zum Landkreis Oder-Spree, sagte Landes-Verbraucherministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Donnerstag in Potsdam. In einem Radius von mindestens 15 Kilometern um den Fundort herum solle jetzt ein vorläufiges Gefahrengebiet eingerichtet werden, das beide Landkreise umfasse und auch ins Nachbarland Polen reiche.

In diesem Gebiet seien Beschränkungen vorgesehen. Angeordnet werden solle etwa ein striktes Jagdverbot, um Wildschweine nicht aufzuschrecken, sagte Nonnemacher. Möglich seien auch Nutzungsbeschränkungen für Förster und Bauern, beispielsweise ein Ernteverbot für Maisfelder. In dem Gebiet gebe es auch Schweinehalter. Der Abstand zu einem größeren Betrieb betrage etwa sieben Kilometer. Tierhalter seien bereits seit längerem für strenge Hygienevorkehrungen sensibilisiert worden. Diese Vorgaben sollen nun nochmals überprüft werden. Veranstaltungen mit Schweinen wie Hoffeste oder Landwirtschaftsschauen werden untersagt.

«Wir müssen jetzt alles versuchen, um eine weitere Ausbreitung des Seuchengeschehens zu verhindern», sagte Nonnemacher. Später solle auch eine Kernzone eingerichtet werden. Landestierarzt Stephan Nickisch sagte, sie solle einen Radius von mindestens drei Kilometern um den Fundort haben. Die Zone soll dann auch eingezäunt werden, das Betreten soll verboten sein.


FAO: Gefahr der Heuschreckenplage noch nicht gebannt

NAIROBI: Trotz Erfolgen im Kampf gegen die Heuschreckenplage in Ostafrika sind etliche Menschen Experten zufolge weiter von den Folgen bedroht. In Kenia «konnten wir eine große Anzahl von Schwärmen kontrollieren», sagte am Donnerstag Dominique Burgeon, der Leiter der Notfallabteilung bei der UN-Landwirtschaftsorganisation (FAO). Von einst 29 Bezirken seien nur noch zwei oder drei von den Wüstenheuschrecken betroffen. «Aber die Arbeit ist noch nicht vorbei.» Denn die noch existierenden Schwärme in Kenia könnten sich wieder vermehren. Zudem gebe es in Äthiopien und Somalia Schwärme, die sich nach Kenia ausbreiten könnten. Besonders besorgt ist Burgeon um den Jemen: Wegen des Konflikts sei die Bekämpfung der Insekten dort sehr schwer. «Und Heuschrecken, die sich dort entwickeln, können sich zum Horn von Afrika und nach Südwest-Asien ausbreiten.»

Seit Ende letzten Jahres fallen Millionen von Wüstenheuschrecken über ganze Landstriche her und zerstören Äcker und Weiden. Ein Schwarm von etwa einem Quadratkilometer kann an einem Tag so viel fressen wie 35.000 Menschen. Zudem können die Insekten mit günstigem Wind mehr als 130 Kilometer am Tag zurücklegen.


Naturschutzbund: Kreuzschifffahrt hat keine Klimastrategie

HAMBURG: Den großen Reedereien in der Kreuzschifffahrt fehlt nach Einschätzung des Naturschutzbundes Nabu eine Strategie, um in überschaubarer Zeit ohne klimaschädliche Emissionen unterwegs zu sein. Lediglich einzelne Unternehmen wie der französische Luxus-Anbieter Ponant und die Rostocker Reederei Aida Cruises hätten mit der Entwicklung entsprechender Antriebe begonnen oder sie teilweise in Pilotprojekten zum Einsatz gebracht, teilte der Nabu am Donnerstag in Hamburg mit.

Die Hälfte von 18 befragten Reedereien auf dem europäischen Markt hätten sich zwar zu den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens bekannt, aber daraus keine nachvollziehbare Strategie entwickelt, heißt es in der Mitteilung. Die deutschen Anbieter TUI Cruises und Hapag-Lloyd-Cruises landeten bei der Bewertung durch den Nabu im oberen Drittel.


Schüler bei Busunglück im Süden Englands verletzt

WINCHESTER: Bei einem Unfall eines Schulbusses in Winchester im Süden Englands sind mehrere Schüler verletzt worden. Der Doppeldecker-Bus hatte mit seinem Dach am Donnerstagmorgen eine Eisenbahnbrücke gerammt, wie die Polizei der Grafschaft Hampshire mitteilte. Drei Schüler wurden mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, 13 weitere vor Ort behandelt. Es schwebe jedoch niemand in Lebensgefahr, hieß es weiter. Die Betroffenen waren nach Angaben der Polizei zwischen 11 und 16 Jahren alt.

«Das Dach wurde vom Tunnel abgetragen und fiel an der Seite des Busses herunter», sagte ein Augenzeuge dem Sender Sky News. Weshalb der Bus trotz seiner Höhe versucht hatte, unter der Brücke hindurch zu fahren, war zunächst unklar.


Daimlers Bussparte zieht Großauftrag in Israel an Land

STUTTGART: Der Auto- und Nutzfahrzeugbauer Daimler hat in Israel einen großen Auftrag für die Lieferung von Bussen eingeheimst. 415 Stadt- und Überlandbusse werden an die größte private Busgesellschaft im Land namens Egged geliefert, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. «Der Auftrag von 415 Einheiten ist einer der größten in der Geschichte unseres Unternehmens», sagte Daimler-Buschef Till Oberwörder. Die Fahrgestelle für die Busse werden im spanischen Samano produziert und dann im Land mit Aufbauten israelischer Hersteller ergänzt. Die Fahrzeuge will Daimler in diesem und dem kommenden Jahr ausliefern.

Daimler hat im vergangenen Jahr insgesamt gut 32.600 Busse abgesetzt. Im zweiten Quartal war der Absatz in der Corona-Krise allerdings gegenüber dem Vorquartal um 63 Prozent auf nur noch knapp 3100 Stück abgesackt.


Vergiftung mit Frostschutzmittel: Pflegerin unter Verdacht

TURIN: Eine 46-jährige Seniorenpflegerin wird verdächtigt, einen 88-Jährigen im italienischen Susa mit Frostschutzmittel vergiftet zu haben. Die Frau soll nach Ansicht der Polizei im vergangenen Jahr versucht haben, den Senior mit der Chemikalie zu töten, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag berichtete. Die Frau wurde zunächst unter Hausarrest gestellt.

Das Opfer war im Juni 2019 in der Kleinstadt Susa bei Turin in ernstem Zustand ins Krankenhaus gebracht worden, nachdem er ein Frostschutzmittel für Motoren getrunken hatte. Er sei nach längerer Zeit in der Klinik erst vor kurzem entlassen worden, berichtete die Zeitung «La Stampa».

Die Anklage wirft seiner 46-jährigen Pflegerin nun versuchten Mord vor. Die Frau soll dafür gesorgt haben, dass der Mann das Mittel trinkt, indem sie sein Getränk damit vertauschte. Demnach hatte sie Angst, ihr Haus zu verlieren. Im Jahr 2016 soll sie den älteren Mann mit einem Trick dazu gebracht haben, ihr sein damaliges Haus zu überschreiben.


Pro Asyl fordert Luftbrücke für Migranten aus Moria

BERLIN: Pro Asyl verlangt nach dem Großbrand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos eine Luftbrücke nach Deutschland und in andere europäische Länder. Jetzt müssten die gleichen Maßnahmen ergriffen werden, «wie wenn sich über 10.000 europäische Touristinnen und Touristen in akuter Gefahr befänden», erklärte die Organisation am Donnerstag in Berlin. Zudem müssten Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen, die Versorgung mit Essen und Wasser sichergestellt und medizinisches Personal eingeflogen werden.

Pro Asyl begrüßte Vorschläge, einen Teil der obdachlos gewordenen Migranten in Deutschland aufzunehmen. Das sei aber nicht ausreichend. Vielmehr müsse eine Lösung für alle etwa 12.500 Schutzsuchenden gefunden werden. Durch das Feuer in der Nacht zum Mittwoch wurde das Lager, das eigentlich nur auf 2800 Bewohner ausgelegt war, weitgehend zerstört. Die griechischen Behörden gehen von Brandstiftung aus.


«Wunder auf See»: Fischer nach einer Woche auf dem Ozean gerettet

SYDNEY: Im Süden Australiens sind zwei als vermisst gemeldete Fischer nach fast einer Woche aus dem Ozean gerettet worden. Das Boot von Derek Robinson (48) und Tony Higgins (57), das einen Motorschaden erlitten hatte, wurde nach Angaben des Fernsehsenders SBS am Donnerstagmorgen nach einer tagelangen Suchaktion in der Nähe von Goolwa südlich von Adelaide entdeckt. Die Hoffnung, die beiden lebend zu finden, sei da schon fast erloschen gewesen, berichtete die Nachrichtenseite «Adelaide Now» und sprach von einem «Wunder auf See».

«Es war hart und sehr wackelig. Es fühlte sich so an, als würde die Welt nicht existieren, weil wir mitten im Nirgendwo waren», sagte Robinson, nachdem er am Strand von Encounter Bay wieder festen Boden unter den Füßen hatte.

«Man könnte meinen, mit der heutigen Technologie hätte man da draußen ein Telefonsignal - aber mein Handy war die ganze Zeit tot.» Besonders die teils riesigen Wellen hätten den beiden Männern Angst gemacht, «aber das war irgendwie alles Teil des Abenteuers», so der Fischer. Dann nahm Robinson schwankenden Schrittes seine Söhne Ashley und Tim in die Arme - und bekam erstmal ein Bier.


Fotokunst ohne Kamera - Thomas Ruff in Düsseldorf

DÜSSELDORF: Er ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Fotokünstler, doch eine Kamera nimmt Thomas Ruff nur noch selten zur Hand. Die Kunstsammlung NRW zeigt ab Samstag eine umfangreiche Ausstellung mit rund 150 Werken aus 13 Serien des 62-jährigen Künstlers. Die Schau vermittelt nach Angaben der Kunstsammlung nicht nur einen Überblick über Ruffs Schaffen der vergangenen Jahrzehnte, sondern auch über fast 170 Jahre Fotogeschichte. Denn Basis seiner Kunst sind etwa alte Fotoarchive, Zeitungsfotos oder auch wissenschaftliche Aufnahmen von Raumsonden. Ruff bedient sich bei Bildquellen des 19. Jahrhunderts und bei Techniken aus den 1920er Jahren. Zugleich benutzt er Hochleistungscomputer für die Bearbeitung seiner Bilder.

Zu sehen sind in Düsseldorf etwa Ruffs Bearbeitungen von chinesischen Propagandabildern, Verfremdungen von Porno- und Katastrophenbildern aus dem Internet, eigenhändige Retuschen sowie die jüngste Serie zarter Blumenbilder, die Ruff in einem komplizierten Computerverfahren erstellte.

Ruff gehört neben Andreas Gursky und Thomas Struth zu den wichtigsten Künstlern der auf die Fotografen Bernd und Hilla Becher zurückgehenden Düsseldorfer Fotoschule.


Braut hat während Hochzeit Herzattacke

TEL AVIV: Tragische Hochzeit in Israel: Eine 34-jährige Braut hat während des Fests eine Herzattacke erlitten und ist eineinhalb Wochen später gestorben. Im Krankenhaus in der Wüstenstadt Beerscheva habe man vergeblich versucht, das Leben der Kinderärztin zu retten, berichtete die Nachrichtenseite ynet am Donnerstag.

Unter den Gästen bei der Hochzeit Ende August seien viele Ärzte gewesen, auch der Bräutigam, hieß es in dem Bericht. Als die junge Frau während der Feier zusammengebrochen sei, hätten sie sofort Wiederbelebungsmaßnahmen ergriffen.

Die Kinderärztin starb in der Soroka-Klinik, in der sie selbst gearbeitet hatte, und wurde am Mittwochabend beigesetzt.


Mandelas Mitstreiter George Bizos gestorben

JOHANNESBURG: Der einstige Mitstreiter und Anwalt von Nelson Mandela im Kampf gegen das rassistische Apartheidsystem, George Bizos, ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Er sei am Mittwochabend im Kreise seiner Angehörigen in Johannesburg eines natürlichen Todes gestorben, hieß es in einer Erklärung der Familie.

Der international renommierte Menschenrechtler war als 13-Jähriger aus seinem Heimatland Griechenland nach Südafrika ausgewandert und hatte sich nach dem Studium schnell als engagierter Anwalt für Apartheidsgegner einen Namen gemacht. Mandela verteidigte er 1964 in einem Prozess, bei dem dieser zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Auch nach Mandelas Freilassung 1990 vertrat Bizos seine Interessen und wurde mehrfach zu Hause wie auch im Ausland für seinen langjährigen Kampf gegen Rassismus und für die Menschenrechte ausgezeichnet und geehrt. Mit Bizos sind innerhalb weniger Wochen gleich drei prominente Mitstreiter des ehemaligen Anti-Apartheid-Kämpfers und späteren Präsidenten Nelson Mandela gestorben, die mit ihm damals vor Gericht standen. Der Anwalt überlebt den Tod der Mandela-Mitstreiter Denis Goldberg und Andrew Mlangeni nur um wenige Wochen.


Justiz fordert Geldstrafe gegen Islamwissenschaftler Ramadan

PARIS: Der Islamwissenschaftler Tariq Ramadan soll in Frankreich zu einer Geldstrafe verurteilt werden, weil er die Identität einer Frau enthüllte, die ihm Vergewaltigung vorwirft. Die Staatsanwaltschaft in Paris beantragte am Mittwoch eine Geldstrafe von 8000 Euro gegen Ramadan, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die Hälfte der Summe solle demnach ausgesetzt werden, für den französischen Verlag Ramadans wurde eine Geldstrafe von 12.000 Euro beantragt. Eine Entscheidung wurde dem Bericht zufolge am 6. November erwartet.

Ramadan hatte öffentlich die Identität einer der Frauen enthüllt, die ihm Vergewaltigung vorwerfen. In seinem Buch «Le devoir de vérité» (Auf Deutsch etwa: «Die Pflicht zur Wahrheit») nannte Ramadan den echten Namen der Frau Medienberichten zufolge Dutzende Male. Auch bei einem Fernsehauftritt und in einer Pressemitteilung zum Buch nannte er demnach den Namen der Frau.

Gegen den aus der Schweiz stammenden Wissenschaftler wird in Frankreich wegen Vorwürfen der Vergewaltigung sowie der Vergewaltigung einer schutzbedürftigen Person in vier Fällen ermittelt, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Der 58-Jährige befand sich bereits zehn Monate in Untersuchungshaft. Ramadan hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Der Autor lehrte Islamwissenschaft an der Universität Oxford. Im November 2017 ließ er sich wegen der Vorwürfe von der traditionsreichen britischen Hochschule beurlauben.


Inlandstourismus auch im Juli deutlich im Minus

WIESBADEN: Die Corona-Krise belastet weiterhin massiv die Geschäfte von Hotels und anderen Beherbergungsbetrieben in Deutschland. Im Juli wurden 45,4 Millionen Übernachtungen in- und ausländischer Gäste gezählt, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Das war ein Minus von 22,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Vor allem Reisende aus dem Ausland fehlten, die Zahl der Übernachtungen brach um 56,7 Prozent ein. Besser sah es bei Gästen aus dem Inland aus - mit einem Rückgang um 14,9 Prozent auf 40,6 Millionen Übernachtungen.

Von Januar bis Juli verbuchten Hotels, Pensionen, Ferienunterkünfte, Campingplätze und andere Unterkünfte insgesamt 162,5 Millionen Übernachtungen - ein Rückgang von 42,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Seit Mitte März galt wegen der Pandemie ein Übernachtungsverbot für privatreisende Gäste. Das Verbot wurde je nach Bundesland ab Mai aufgehoben.

Die Daten beziehen sich auf Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Schlafgelegenheiten.


Gerichtshof soll im Ägäis-Streit mit Ankara entscheiden

BERLIN: Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hat im Streit mit der Türkei um Gebiete in der Ägäis mit Sanktionen gedroht und die Anrufung des Internationalen Gerichtshofs vorgeschlagen. Wenn Ankara bis zu einem EU-Sondergipfel am 24. und 25. September keine Vernunft annehme, hätten die EU-Regierungschefs «keine andere Option, als wirksame Sanktionen zu beschließen», schrieb Mitsotakis in einem Beitrag für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (Donnerstag).

Die Türkei sucht in von Griechenland und Zypern beanspruchten Seegebieten nach Erdgas und setzt dabei auch Kriegsschiffe ein. Mitsotakis warf Ankara nationalistische Propaganda, aggressiven Militarismus, den Kauf russischer Waffensysteme und Kriegsdrohungen vor. «Wir müssen anerkennen, dass vitale Interessen - strategische europäische Interessen - auf dem Spiel stehen», schrieb Mitsotakis. «Wenn Europa echten geopolitischen Einfluss ausüben will, kann es eine kriegslüsterne Türkei nicht einfach gewähren lassen.» Die Türkei bedrohe die internationale Rechtsstaatlichkeit.

«Wir brauchen Dialog, aber nicht mit vorgehaltener Waffe», schrieb der Regierungschef. «Es gibt einen einfachen Ausweg.» Die Türkei solle sich zurückziehen und an den Gesprächstisch zurückkehren. «Wir sprechen über unsere Differenzen. Und wir versuchen, ein Übereinkommen zu erreichen. Wenn wir das nicht können, lassen wir den Internationalen Gerichtshof entscheiden. Was hat Ankara schließlich von der Herrschaft des Rechts zu befürchten?»


Iran beginnt Militärmanöver am Persischen Golf

TEHERAN: Die iranische Armee hat am Donnerstag ein Militärmanöver in der Nähe der Straße von Hormuz am Persischen Golf begonnen.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA nehmen an dem dreitägigen Manöver Einheiten der Bodentruppen, Marine und Luftwaffe teil. Bei den Übungen sollen unter anderem das im Iran hergestellte U-Boot «Fateh» (Eroberer) und die Drohne «Simorgh» (Phönix) getestet werden. Das Hauptziel des Manövers sei, die Bereitschaft der Streitkräfte gegen militärische Bedrohungen zu steigern, berichtete IRNA.


Brände - Dutzende Häuser zerstört

ATHEN: Nach längerer Trockenheit sind in Griechenland zahlreiche Busch- und Waldbrände ausgebrochen.

Dies teilte die Zentrale der Feuerwehr in Athen am Donnerstag mit. Stürmische Winde fachten die Flammen immer wieder an. Betroffen war vor allem eine Region rund 50 Kilometer östlich von Athen. Dort musste die Urlaubsregion von Anavyssos vorübergehend evakuiert werden. Nach Berichten des Staatsfernsehens (ERT) wurden rund 100 Häuser beschädigt. Im Juli 2018 waren mehr als 100 Menschen im Osten Athens bei Waldbränden ums Leben gekommen. Damals hatten die Behörden die Gefahr zunächst nicht erkannt.


Zwei Mädchen bei Bootsunglück ertrunken

ISLAMABAD: Bei einem Bootsunglück auf dem Fluss Indus in Pakistan sind zwei Mädchen ertrunken.

Die Opfer waren 14 und 15 Jahre alt, wie ein Sprecher der Wohltätigkeitsorganisation Edhi am Donnerstag sagte. Helfer retteten insgesamt 25 Menschen aus dem Fluss. Das Boot der Gruppe kenterte demnach Nahe der Stadt Khairpur in der Provinz Sindh, als eine Gruppe aus einem überschwemmten Gebiet in Sicherheit gebracht werden sollte.


USA erlebten drittwärmsten August und viertwärmsten Sommer

WASHINGTON: Der vergangene Monat war nach Angaben der US-Klimabehörde NOAA der drittwärmste August in den USA seit Beginn der Aufzeichnungen 1895. Die Temperatur in den 48 aneinandergrenzenden Festlandbundesstaaten habe im August durchschnittlich 23,7 Grad betragen und damit etwa 0,16 Grad über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts, wie die NOAA am Mittwoch (Ortszeit) mitteilte.

In den Sommermonaten Juni bis August habe die Durchschnittstemperatur in den 48 Bundesstaaten 23,1 Grad Celsius betragen und damit rund 0,17 Grad über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts. Damit habe es sich um die viertwärmsten Sommermonate seit Beginn der Aufzeichnungen gehandelt, hieß es von der NOAA.

Wenige Tage zuvor hatte der Copernicus-Klimawandeldienst bereits mitgeteilt, dass der vergangene Monat der weltweit insgesamt viertwärmste August seit Beginn seiner Aufzeichnungen im Jahr 1979 gewesen sei.


US-Regierung sanktioniert ukrainischen Abgeordneten Derkatsch

WASHINGTON: Die US-Regierung hat den ukrainischen Abgeordneten mit Sanktionen belegt, der im Wahlkampf ums Weiße Haus den demokratischen Kandidaten Joe Biden diskreditieren wollte. Der prorussische Politiker Andrej Derkatsch hatte zuletzt im Sommer behauptet, Biden, dessen Sohn Hunter und deren Umfeld hätten sich in der Ukraine um hunderte Millionen Dollar bereichern wollen. Die Vorwürfe waren entweder widerlegt worden oder blieben unbelegt. Die neuen Sanktionen verbieten Derkatsch die Einreise und Geschäfte in den USA, der Grund ist versuchte Einmischung in den US-Wahlkampf.

Derkatsch habe enge Verbindungen zu russischen Geheimdiensten, betonte das US-Finanzministerium. Russland versuche auf breiter Front, die Wahlen zu untergraben und die politischen Parteien zu spalten, hieß es. In den USA hatte es nach dem Trauma des Präsidentschaftswahlkampfs 2016 Debatten darüber gegeben, wie sehr sich Russland diesmal in den Wahlkampf einmischen will.

Die US-Geheimdienste warnten bereits, dass Russland Biden zu schwächen versuche, während China und Iran eine Wiederwahl Trumps verhindern wollten. Im Wahlkampf 2016 gaben es unter anderem bei Facebook und Twitter von Russland aus gesteuerte Propaganda-Kampagnen, die die Spannungen in der amerikanischen Gesellschaft verstärken sollten. Zugleich sehen US-Geheimdienste Russland hinter dem Diebstahl und der Veröffentlichung von E-Mails der Demokraten, die Trumps damaliger Gegenkandidatin Hillary Clinton schadeten.


Massiver Schwund bei vielen Tierbeständen seit 1970

BERLIN: Um mehr als zwei Drittel sind laut einer Untersuchung zahlreiche Tierbestände weltweit in den vergangenen Jahrzehnten geschrumpft. Der Rückgang bei rund 21.000 beobachteten Populationen von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Amphibien und Reptilien zwischen 1970 und 2016 betrage im Durchschnitt 68 Prozent. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Living Planet Report 2020 der Umweltstiftung WWF und der Zoologischen Gesellschaft London hervor.

Damit hat sich der Wert im Vergleich zur vergangenen Ausgabe von 2018 weiter verschlechtert. Einbezogen wurden nun Bestände von mehr als 4400 bedrohten und nicht bedrohten Wirbeltierarten, also nur ein kleiner Ausschnitt der Tierwelt. Insekten wurden nicht einberechnet. Der WWF spricht von einem neuen Tiefpunkt bei der biologischen Vielfalt. «Wir verlieren die Vielfalt des Lebens auf der Erde», sagte der Vorstand Naturschutz der Stiftung, Christoph Heinrich, der Deutschen Presse-Agentur.

Als besonders gefährdete Tiere nennt der WWF den Östlichen Flachlandgorilla im Kongo, Lederschildkröten in Costa Rica und Störe im Jangtse - bei den letztgenannten liege der Rückgang seit 1970 bei 97 Prozent. In Deutschland sind laut Heinrich zum Beispiel Rebhuhn und Kiebitz von deutlichen Bestandsrückgängen betroffen.


Mindestens sieben Tote bei Protesten gegen Polizeigewalt

BOGOTÁ: Die Zahl der Toten bei gewaltsamen Protesten wegen des Todes eines Mannes nach einem Polizeieinsatz in Kolumbien ist Behördenangaben zufolge auf sieben gestiegen, mehr als 140 Personen wurden verletzt. Die Todesfälle hätten sich in Bogotá und in der nahen Gemeine Soacha ereignet, sagte Polizei-Direktor Gustavo Moreno im kolumbianischen Fernsehen am Donnerstag. Demnach gehörten zu den Verletzten 55 Zivilisten und 93 Polizisten.

Zudem wurden mehr als 50 Polizeiwachen, Dutzende Autos und Busse, Geschäfte und Banken beschädigt und teilweise in Brand gesetzt. Vor allem in der Hauptstadt Bogotá gab es Verwüstungen und Zusammenstöße mit Sicherheitskräften. Die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten gegen randalierende Demonstranten ein. Auch in Cali, Medellín und weiteren Städten kam es zu Zwischenfällen. Manche Stadt- erinnerten an Kriegsgebiete. 70 Personen wurden festgenommen.

«Unsere Stadt zu zerstören, wird nicht die Polizei in Ordnung bringen», sagte Bogotás Bürgermeisterin Claudia López. Verteidigungsminister Carlos Holmes Trujillo kündigte die Entsendung von 2250 weiteren Polizisten und 300 Soldaten nach Bogotá an.

Auslöser der Proteste war der gewaltsame Tod des Anwalts Javier Ordóñez im Zuge einer Polizeikontrolle in Bogotá am Dienstag. Die beiden beteiligten Polizisten kontrollierten Berichten zufolge die Einhaltung von Corona-Vorschriften und warfen dem 46-Jährigen sowie seinen Freunden vor, Alkohol auf der Straße zu trinken. Auf einem Video ist zu sehen, wie die Beamten Ordóñez zu Boden drücken und ihm wiederholt mit einer Elektroschockwaffe zusetzen. Anschließend sei er auf eine Polizeiwache gebracht worden, auf der Beamte ihn geschlagen haben sollen. Im Krankenhaus erlag er seinen Verletzungen.

Das von Freunden Ordóñez' gedrehte Video löste große Empörung aus. Kolumbiens Präsident Iván Duque und Verteidigungsminister Carlos Holmes Trujillo versprachen, bei Amtsmissbrauch durch die Polizei «null Toleranz» walten zu lassen. Polizei und Staatsanwaltschaft kündigten Ermittlungen an. Die beiden Beamten wurden vom Dienst suspendiert.

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