Neues aus dem Ausland am Donnerstag

Neues aus dem Ausland am Donnerstag

Musk gibt Produktionsstart des Tesla-Sattelschleppers bekannt

AUSTIN: Teslas um Jahre verzögerter Elektro-Sattelschlepper ist laut Firmenchef Elon Musk nun in die Produktion gegangen. Am 1. Dezember sollen erste Fahrzeuge an den Getränke- und Lebensmittelriesen Pepsi ausgeliefert werden, wie Musk in der Nacht zum Freitag bei Twitter ankündigte. Stückzahlen wurden zunächst nicht bekannt. Es handele sich dabei um die Version mit rund 800 Kilometern Reichweite, schrieb er.

Der Sattelschlepper Tesla Semi wurde von Musk Ende 2017 vorgestellt und die Produktion damals für 2019 in Aussicht gestellt. Danach zog es Tesla allerdings vor, die vorhandenen Kapazitäten in der Batterie-Produktion für Personenwagen wie Model 3 und Model Y zu verwenden.

Musk hatte im August erste Auslieferungen bis Jahresende angekündigt. Nach seinen früheren Äußerungen wurde die Produktion für das kommende Jahr erwartet.

Tesla verspricht mit dem Semi geringere Kosten als beim Betrieb herkömmlicher Diesel-Lastwagen, unter anderem durch günstigen Strom an seinen speziellen Schnell-Ladestationen in den USA sowie eine einfachere Wartung. Unter den Interessenten sind Logistik-Dienste wie Fedex, DHL und UPS sowie der Supermarkt-Riese Walmart. Es soll auch eine Ausführung mit einer Reichweite von rund 480 Kilometern geben.


Paris will Mahsa Amini posthum zur Ehrenbürgerin machen

PARIS: Die Stadt Paris will Mahsa Amini posthum zur Ehrenbürgerin ernennen. Das kündigte die Bürgermeisterin der französischen Hauptstadt, Anne Hidalgo, am Donnerstag auf Twitter an. Mit der Auszeichnung würden auch iranische Frauen geehrt, die «unter Einsatz ihres Lebens» kämpften, schrieb Hidalgo weiter. Sie werde auch vorschlagen, einen Ort in Paris nach Amini zu benennen, damit niemand ihren Namen vergesse. «Unsere Bewunderung für diese Frauen ist unendlich. Paris wird immer an der Seite derer stehen, die für ihre Rechte und ihre Freiheit kämpfen.»

Der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini Mitte September hatte heftige Proteste im Iran ausgelöst. Die Sittenpolizei hatte die junge Frau wegen ihres angeblich «unislamischen Outfits» festgenommen. Sie fiel ins Koma und starb am 16. September im Krankenhaus. Die Polizei weist zurück, Gewalt angewendet zu haben.


Erdogan erneuert Drohung an Griechenland: Könnten nachts kommen

PRAG: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seine jüngsten Drohungen an den Nachbarn und Nato-Partner Griechenland wiederholt. «Welches Land auch immer uns stört, welches Land auch immer uns angreift, unsere Reaktion wird immer sein zu sagen: Wir könnten zweifellos mitten in der Nacht kommen», sagte der 68-Jährige am Donnerstag in Prag. Dort nahm die Türkei am Gründungsgipfel der sogenannten Europäischen Politischen Gemeinschaft teil. Darin wollen sich die 27 EU-Staaten mit 17 weiteren europäischen Ländern vernetzen.

Eine ähnliche Warnung hatte Erdogan bereits Anfang September ausgesprochen. Damals bezog er sich auf die angebliche Ausrichtung eines griechischen Luftverteidigungssystems auf türkische Kampfjets. Zudem warf er Athen eine Militarisierung griechischer Inseln in der Ostägäis vor. Athen bestritt die Vorwürfe Ankaras und berief sich unter anderem auf sein Recht auf Selbstverteidigung. Die Beziehungen zwischen den beiden Nato-Partnern sind schon seit langem angespannt.

Den Satz, man könne plötzlich nachts kommen, hatte der türkische Präsident in der Vergangenheit häufig bezogen auf militärische Operationen verwendet - etwa in Syrien oder im Irak.


Zwei Tote und mehrere Verletzte durch Messerstiche am Las Vegas Strip

LAS VEGAS: Bei einer Messerattacke auf der bekannten Hotelmeile in Las Vegas sind zwei Menschen getötet worden. Sechs weitere wurden verletzt, drei davon schwer, sagte Polizeichef James LaRochelle am Donnerstag (Ortszeit). Unter den Opfern seien sowohl Touristen als auch Einwohner der Stadt, sagte er ohne nähere Angaben. Der mutmaßliche Täter - ein Mann Mitte 30 - sei festgenommen worden. Als Waffe sei am Tatort ein großes Küchenmesser sichergestellt worden. Zum möglichen Motiv äußerte sich die Polizei zunächst nicht.

Der Angriff ereignete sich auf dem Las Vegas Boulevard in der Nähe der Hotels Encore und Wynn sowie des Einkaufscenters Fashion Show. Der Polizei zufolge versuchte der mutmaßlich Täter zu flüchten, sei aber kurz darauf von Sicherheitsleuten überwältigt worden. Die Zeitung «Las Vegas Review-Journal» berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, dass unter den Angegriffenen mehrere Frauen in Showgirl-Kostümen gewesen seien, die man oft am Las Vegas Strip sieht.


Annäherung zwischen Türkei und Armenien - Treffen auf höchster Ebene

PRAG: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schaut nach einem Treffen mit dem armenischen Premier Nikol Paschinjan zuversichtlich auf die Beziehungen ihrer Länder. «Ich bin fest davon überzeugt, dass wir unser Ziel der vollständigen Normalisierung auf der Grundlage gutnachbarlicher Beziehungen in unserer Region erreichen können», sagte Erdogan am Donnerstagabend am Rande des Treffens der sogenannten Europäischen Politischen Gemeinschaft in Prag. Die beiden Länder bemühen sich seit Ende vergangenen Jahres, ihre lange ruhenden diplomatischen Kontakte wieder aufzunehmen. Bereits im Sommer hatten die beiden Politiker miteinander telefoniert.

Das Verhältnis zwischen den Nachbarstaaten war lange Zeit belastet - unter anderem durch den Genozid an den Armeniern im Ersten Weltkrieg oder den Konflikt um die zwischen Armenien und Aserbaidschan umstrittene Region Berg-Karabach. Die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken streiten um die Kontrolle über das Gebiet. Im Jahr 2020 flammten die Kämpfe wieder auf - die Türkei unterstützt dabei Aserbaidschan.

Zuvor war es auf dem Gipfel zu einer vielbeachteten Gesprächsrunde mit mehreren Staats- und Regierungschefs gekommen, an der neben Erdogan und Paschinjan auch der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev teilgenommen hatte.


US-Präsident Biden mit Vorstoß zur Lockerung der Marihuana-Regeln

WASHINGTON: US-Präsident Joe Biden macht einen Vorstoß zur Entkriminalisierung des Besitzes von Marihuana. Biden werde per Präsidentenerlass das Justiz- und das Gesundheitsministerium auffordern, die Bewertung von Cannabis beschleunigt zu prüfen, wie das Weiße Haus am Donnerstag mitteilte. Aktuell werde Marihuana mit Heroin und LSD gleichgestellt, betonte Biden. Er erinnerte an seine Wahlkampf-Versprechen, dass niemand für Besitz und Gebrauch von Marihuana ins Gefängnis kommen solle.

Der Präsidentenerlass sieht auch eine Amnestie für alle vor, die in den USA auf Bundesebene wegen des Besitzes von Marihuana verurteilt worden seien. Nach Rechnung der Behörden waren es rund 6500 Personen von 1992 bis 2021, sagten ranghohe Beamte des Weißen Hauses. Aktuell sei niemand deswegen in Bundesgefängnissen.

Zugleich räumten die Regierungsbeamten ein, dass es die meisten Verurteilungen wegen Cannabis-Besitzes auf Ebene der Bundesstaaten gab. Biden rufe deren Behörden auf, genauso vorzugehen, hieß es. In einigen Bundesstaaten ist der Besitz von Marihuana bereits entkriminalisiert.


US-Ausschuss zur Kapitol-Attacke tagt nächste Woche erneut

WASHINGTON: Der Untersuchungsausschuss zum Angriff auf das US-Kapitol in Washington im Januar 2021 hat für die kommende Woche seine nächste öffentliche Sitzung angesetzt. Die Anhörung solle am 13. Oktober stattfinden, teilte das Gremium am Donnerstag in Washington mit. Es ist die erste öffentliche Sitzung nach der Sommerpause des Parlaments. Ursprünglich war die Anhörung bereits Ende September geplant gewesen. Weil an jenem Tag der schwere Hurrikan «Ian» im US-Bundesstaat Florida auf die Küste getroffen war, hatte der Ausschuss den Termin jedoch kurzfristig verschoben.

Es könnte womöglich die letzte öffentliche Sitzung des Gremiums vor den US-Kongresswahlen Anfang November werden. Bis zum Jahresende - bevor im Januar das neugewählte Repräsentantenhaus seine Arbeit aufnimmt - muss der Ausschuss seine Arbeit abgeschlossen haben.

Angaben zur Tagesordnung machte das Gremium zunächst nicht. In den vergangenen Monaten hatte der Ausschuss erstaunliche Details zur Attacke auf das Kapitol zu Tage befördert. Zahlreiche Zeugen belasteten den damaligen Präsidenten Donald Trump dabei schwer.

Anhänger Trumps hatten am 6. Januar 2021 gewaltsam den Parlamentssitz in der Hauptstadt Washington gestürmt. Dort war der Kongress damals zusammengekommen, um den Wahlsieg von Trumps demokratischem Herausforderer Joe Biden bei der vorausgehenden Präsidentschaftswahl formal zu bestätigen. Durch die Krawalle kamen fünf Menschen ums Leben. Trump hatte seine Anhänger kurz zuvor bei einer Kundgebung damit aufgewiegelt, dass ihm der Wahlsieg gestohlen worden sei. Der Ausschuss arbeitet die Hintergründe der Attacke auf.


Gewalt bei Demos im Iran: USA verhängen weitere Sanktionen

WASHINGTON: Angesichts des brutalen Vorgehens iranischer Sicherheitskräfte gegen regierungskritische Demonstranten hat die US-Regierung weitere Sanktionen gegen Vertreter der iranischen Führung verhängt. Das Finanzministerium teilte am Donnerstag in Washington mit, betroffen seien sieben ranghohe Mitglieder der Regierung und des Sicherheitsapparates im Iran. Darunter seien die Minister für Inneres und Kommunikation. Die Sanktionen würden wegen anhaltender Gewalt gegen friedliche Demonstranten und wegen der Sperrung des iranischen Internetzugangs verhängt. Etwaige Vermögenswerte der Betroffenen in den USA werden eingefroren. Geschäfte mit ihnen werden für US-Bürger untersagt.

Iranische Sicherheitskräfte waren zuletzt mit massiver Gewalt gegen Bürger vorgegangen, die gegen das repressive islamische System demonstrierten. Auslöser der Proteste war der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini Mitte September. Die Sittenpolizei hatte die junge Frau wegen ihres angeblich «unislamischen Outfits» festgenommen. Was mit Amini danach geschah, ist unklar. Sie fiel ins Koma und starb am 16. September in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben; die Polizei weist das zurück. Seit dem Tod der Frau demonstrieren landesweit Tausende gegen den repressiven Kurs der Regierung sowie den Kopftuchzwang.

Nach Aminis Tod hatte die US-Regierung bereits Sanktionen gegen die iranische Moralpolizei und hochrangige Sicherheitsbeamte verhängt. US-Präsident Joe Biden hatte bereits vor wenigen Tagen in Aussicht gestellt, dass seine Regierung weitere Strafmaßnahmen gegen die Führung in Teheran verhängen wolle. Die folgten nun.


Steinmeier absolviert offiziellen Besuch

VALLETTA: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier absolviert am Freitag einen offiziellen Besuch in Malta. Geplant sind Gespräche mit Staatspräsident George Vella und mit Vertreterinnen und Vertretern der EU-Asylagentur. Der Bundespräsident will zudem den Deutsch-Maltesischen Zirkel besuchen, der eine Kultureinrichtung vergleichbar dem Goethe-Institut ist.

Auch eine Diskussionsrunde mit Studentinnen und Studenten steht auf dem Programm. Vor dem Rückflug will Steinmeier am Abend an einem Empfang des deutschen Botschafters Walter Haßmann anlässlich des Tages der deutschen Einheit teilnehmen.

Steinmeier hält sich seit Mittwochabend im kleinsten EU-Land auf. Er hatte zunächst am Jahrestreffen der so genannten Arraiolos-Gruppe teilgenommen. Dies ist ein informeller Zusammenschluss der Staatsoberhäupter aus 16 EU-Staaten, die zumeist eher eine repräsentative Funktion haben.


Russischer Oppositioneller Kara-Mursa wegen Hochverrats angeklagt

MOSKAU: Der russische Oppositionspolitiker und Journalist Wladimir Kara-Mursa ist in Moskau wegen Hochverrats angeklagt worden. «Unser Mandant wird wegen drei Fällen angeklagt, in denen er bei öffentlichen Auftritten in Lissabon, Helsinki und Washington Kritik an der russischen Obrigkeit geübt hat», erklärte sein Anwalt Wadim Prochorow am Donnerstag der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge. Diese Auftritte bedeuteten jedoch keine Gefahr für die nationale Sicherheit. Bei einer Verurteilung drohen dem 40-Jährigen bis zu 20 Jahre Haft.

Zuvor hatten staatliche Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise behauptet, Kara-Mursa habe gegen eine Bezahlung von rund 30.000 Euro pro Monat Organisationen aus Nato-Ländern geholfen, Russlands nationale Sicherheit zu unterhöhlen. Kara-Mursa gilt als prominenter Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin. Zweimal hat er rätselhafte Vergiftungen nur knapp überlebt.

Recherchen der Investigativgruppe Bellingcat zufolge wurde Kara-Mursa von den FSB-Agenten verfolgt, die auch in den Giftanschlag auf den Oppositionellen Alexej Nawalny verwickelt sein sollen. Kara-Mursa sitzt bereits wegen angeblicher Diskreditierung der russischen Streitkräfte in Untersuchungshaft.

Die Behörden hätten erfolglos versucht, Kara-Mursa zu vergiften und außer Landes zu treiben. Nun versuchten, sie ihn als Vaterlandsverräter zu brandmarken, kritisierte der bekannte Publizist Anton Orech die Strafverfolgung. «Verwechselt nicht die Heimat mit dem Staat, nicht die Obrigkeit mit dem Land. Dann werdet ihr auch nicht Freunde mit Feinden verwechseln», kommentierte er.


Proteste im Iran: Tod einer 17-Jährigen sorgt für Aufregung

TEHERAN: Der Tod einer 17-Jährigen hat bei Unterstützern der Proteste im Iran für Aufregung gesorgt. Die Leiche von Nika Shakarami war vergangene Woche nach Polizeiangaben an einem Gebäude in der Stadtmitte Teherans gefunden, und zur Gerichtsmedizin gebracht worden. Seitdem gibt es widersprüchliche Aussagen über ihren Tod. In den sozialen Medien sorgte der Fall auch am Donnerstag für Aufregung.

Familienmitglieder erhoben Vorwürfe, die junge Frau sei vom Geheimdienst verhaftet und getötet worden. Die Polizei erklärte dagegen nach Angaben der Nachrichtenagentur Tahsim, Shakarami sei von einem Hochhaus gestürzt und ihre Leiche erst am nächsten Tag von den Nachbarn entdeckt worden. Sie wies zudem Vorwürfe zurück, wonach Shakaramis Tod im Zusammenhang mit den aktuellen Protesten stehe. Die Gerichtsmedizin habe bei der Obduktion der Leiche keine Schusswunden festgestellt, aber Frakturen, die auf einen Sturz hindeuteten.

Die SPD-Politikerin Sawsan Chebli twitterte am Donnerstag ein Video, dass Shakarami zeigen soll, mit der Mahnung, sie nicht zu vergessen. «#NikaShakarami wurde gefoltert und ist nun tot, weil sie frei leben wollte», schrieb Chebli.

Auslöser der andauernden Demonstrationen im Iran ist der Tod der iranischen Kurdin Mahsa Amini Mitte September. Die Sittenpolizei hatte sie wegen ihres angeblich «unislamischen Outfits» festgenommen. Sie fiel ins Koma und starb am 16. September in einem Krankenhaus. Die Polizei weist zurück, Gewalt angewendet zu haben.


Iran hält festgesetzte Franzosen als «staatliche Geiseln»

PARIS: Das französische Außenministerium hat dem Iran vorgeworfen, ein im Mai festgesetztes französisches Paar als «staatliche Geiseln» zu halten und auf inakzeptable Weise im Fernsehen vorzuführen. «Diese Maskerade offenbart die Missachtung der Menschenwürde, die die iranischen Behörden kennzeichnet», erklärte das Ministerium am Donnerstag in Paris, wie der Sender Franceinfo berichtete. Paris pocht demnach auf eine sofortige Freilassung der beiden Landsleute.

Ein iranischer Fernsehsender strahlte am Donnerstag ein angebliches Spionagegeständnis des Paares aus. Die beiden Franzosen sollen gestanden haben, dass sie Proteste im Iran provozieren wollten. Sie seien Agenten des französischen Geheimdienstes.

Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens reisten die beiden im Mai diesen Jahres mit einem Touristenvisum ein, aber für den Geheimdienst waren sie keine normalen Touristen. Sie trafen sich mit Mitgliedern der iranischen Lehrergemeinschaft, die einige Tage später auch an den Protestversammlungen von Lehrern teilnahmen. Vor ihrer Abreise am Flughafen von Teheran waren die beiden vom Geheimdienst verhaftet worden.


Mehr als 150 Migranten auf Mallorca eingetroffen

PALMA: Auf Mallorca sind innerhalb von rund 24 Stunden neun Flüchtlingsboote mit insgesamt 153 Insassen eingetroffen. Alle diese Migranten hätten sich den Erkenntnissen zufolge von Algerien aus auf den Weg nach Europa gemacht, berichtete die «Mallorca Zeitung» am Donnerstag unter Berufung auf die Sicherheitsbehörden der spanischen Mittelmeer-Insel.

Man habe die Ankunft der Boote zwischen Mittwoch und Donnerstag in den meisten Fällen durch ein spezielles Radarsystem zur Sicherung der EU-Außengrenzen bemerkt, hieß es. Eines der Boote ging den Angaben zufolge am Strand von Calò de Sant Antoni unweit des «Ballermann» an Land. Den aus nordafrikanischen Ländern stammenden Migranten gehe es allen gut.

Die Zahl der Nordafrikaner, die mit Booten auf illegalem Wege Mallorca und die anderen Balearen-Inseln erreichen, weist in den letzten Jahren eine deutlich steigende Tendenz auf. Im vergangenen Jahr wurde mit 2392 Personen ein Rekord registriert. Zum Vergleich: 2019, das letzte Jahr vor der Pandemie, waren es nur 507 gewesen. In den ersten gut neun Monaten dieses Jahres wurden bereits 104 Migrantenboote mit insgesamt 1512 Personen an Bord gezählt.


Weltkriegsbombe in Dresden entschärft

DRESDEN: In der ostdeutschen Stadt Dresden haben Experten am Donnerstag eine Weltkriegsbombe entschärft. «Nach mehr als zweistündiger Arbeit hatte sich der Sprengmeister entschlossen, den Zünder zu entfernen. Dieser muss nun noch gesprengt werden», sagte Polizeisprecher Marko Laske am Donnerstagnachmittag.

Anschließend sollte die 250 Kilogramm schwere Bombe zur Entsorgung in die zentrale Sammelstelle nach Zeithain gebracht und alle Evakuierungsmaßnahmen sowie Straßensperrungen aufgehoben werden.

Der Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg war am Mittwoch bei Bauarbeiten in Dresden entdeckt worden. «Da der Zünder stark deformiert ist, handelt es sich nicht um einen alltäglichen Einsatz», betonte der Polizeisprecher. Die Kampfmittelexperten hatten den stark verformten Zünder mit einer speziellen Maschine entfernt. Rund 3300 Menschen hatten ihre Wohnungen am Morgen verlassen müssen. 25 Anwohner verbrachten einige Stunden in einer Notunterkunft in der Messehalle.

Dresden war im Februar 1945 in der Endphase des Zweiten Weltkriegs von der britischen und amerikanischen Luftwaffe bombardiert worden. Mindestens 25.000 Menschen kamen dabei ums Leben.


Gerichtshof verurteilt Polen wegen geplanter Auslieferung nach China

STRAßBURG: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat Polen im Zusammenhang mit der geplanten Auslieferung eines Häftlings nach China zu Entschädigungszahlungen verurteilt. Der Mann befinde sich unangemessen lang in Haft und sei durch das drohende Strafverfahren in China Folter und anderen Formen von Misshandlung ausgesetzt, teilten die Richter am Donnerstag in Straßburg mit. (AZ: 37610/18)

Der Mitteilung zufolge wurde der Mann 2016 wegen internationalen Telekommunikationsbetrugs von Interpol gesucht und 2017 in Polen verhaftet. China forderte daraufhin seine Auslieferung. Einen Asylantrag des gebürtigen Taiwanesen lehnte Polen ab. Seitdem sitzt er in Haft, die regelmäßig verlängert wurde. Er klagte vor dem EGMR, dass seine Auslieferungshaft willkürlich und unangemessen lang sei und ihm bei einer Auslieferung nach China Folter und ein unfaires Strafverfahren drohten.

Der Gerichtshof gab dem Mann Recht. Die Richter stellten fest, dass die Lage in chinesischen Gefängnissen mit einer «allgemeinen Gewaltsituation» gleichzusetzen sei. Der Mann sei bei einer Auslieferung nach China dem Risiko von Misshandlungen ausgesetzt. Außerdem hätten die polnischen Behörden den üblichen Zeitraum für ein solches Auslieferungsverfahren nicht eingehalten. Polen muss dem Mann deswegen nun insgesamt 18.000 Euro zahlen.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mit Sitz im französischen Straßburg gehört zum Europarat. Die von der EU unabhängigen Organe setzen sich für den Schutz der Menschenrechte in den 46 Mitgliedstaaten ein.


Türkei ernennt nach vier Jahren wieder Botschafter für Israel

ISTANBUL: Im Zuge der Wiederannäherung mit Israel hat nun auch die Türkei einen Botschafter für ihre Auslandsvertretung ernannt. Sakir Özkan Torunlar werde als erster türkischer Botschafter seit vier Jahren das Land in Tel Aviv vertreten, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag. Nach der Ankündigung, die diplomatischen Beziehungen vollständig wieder aufnehmen zu wollen, hatte Israel bereits im September Irit Lillian zur neuen Botschafterin in der Türkei ernannt.

Zwischen den einst engen Bündnispartnern Türkei und Israel war es 2010 zum Zerwürfnis gekommen. Auslöser war die Erstürmung eines Gaza-Solidaritätsschiffs durch die israelische Marine - zehn türkische Staatsbürger waren dabei getötet worden. 2016 kam es zu einer ersten Wiederannäherung.

Seit der Gaza-Krise 2018 aber, die rund um die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem eskaliert war, hatten die beiden Länder keine Botschafter mehr im jeweils anderen Land.

Der nun ernannte Torunlar war laut Website des türkischen Konsulats in Ost-Jerusalem von 2010 bis 2014 bereits Generalkonsul.


Pakistan: Fluthilfe noch lange nicht genug

ISLAMABAD: Nach den verheerenden Fluten hat Pakistan die bis jetzt größten Hilfszahlungen erhalten. Der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif rief am Donnerstag dennoch zu weiterer Unterstützung auf. Die Asiatische Entwicklungsbank sagte dem Land am Mittwochabend 2,5 Milliarden Dollar zu. Mehr als die Hälfte des Betrages wolle Pakistan für die Anpassung an den Klimawandel aufwenden. Angesichts des Ausmaßes der Flutkatastrophe brauche Pakistan jedoch weitere Mittel, so Sharif in einer Pressekonferenz.

Seit Mitte Juni leidet Pakistan unter den schlimmsten je aufgezeichneten Fluten seiner Geschichte. Insgesamt sind 33 Millionen Menschen davon betroffen, knapp 1700 Menschen haben ihr Leben verloren. Zwischenzeitlich stand ein Drittel des Landes unter Wasser. Unzählige Straßen, Schulen, Krankenhäuser und landwirtschaftliche Flächen wurden zerstört.

Die WHO warnte erst am Mittwoch vor einer «Gesundheitskatastrophe». Im verschmutzten Wasser breiten sich Infektionskrankheiten mit rasender Geschwindigkeit aus. Millionen von Menschen haben keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung, so die Organisation über die Situation in dem Land.

Experten machen den Klimawandel für die zunehmende Anzahl von Naturkatastrophen in Pakistan verantwortlich. Das südasiatische Land gilt als mit am meisten vom Klimawandel bedroht, obwohl es kaum zu den weltweiten Emissionen beigetragen habe.


Ein Toter bei US-Operation in syrischem Regierungsgebiet

DAMASKUS: Die US-Armee hat nach syrischen Angaben bei einer Luftlandeoperation im Nordosten des Landes einen Mann getötet und mindestens zwei weitere festgenommen. Es handelte sich um einen seltenen US-Militäreinsatz in einem Gebiet unter Kontrolle der Regierung in Damaskus, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete.

Aus syrischen Sicherheitskreisen hieß es, US-Hubschrauber seien am frühen Donnerstagmorgen in einem Ort südlich der Stadt Kamischli gelandet. Die Identität des Toten und der Festgenommenen war zunächst unklar. Auch Syriens Staatsfernsehen berichtete über den Einsatz.

Das US-Militär ist in dem Bürgerkriegsland normalerweise nur in Gebieten im Einsatz, die von der kurdischen Miliz YPG und deren Verbündeten kontrolliert werden. Die US-Streitkräfte unterstützen dort deren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die in Syrien noch immer aktiv ist. Die syrische Regierung von Machthaber Baschar al-Assad fordert den Abzug der amerikanischen Truppen. Assad wird in dem Bürgerkrieg von Russland und dem Iran unterstützt.

Der Syrien-Konflikt hatte im Frühjahr 2011 mit Protesten gegen die Regierung begonnen, gegen die Assads Sicherheitskräfte mit Gewalt vorgingen. Daraus entwickelte sich ein Bürgerkrieg. Die Regierung kontrolliert rund zwei Drittel des Landes. Die Herrschaft der Kurden erstreckt sich über Gebiete im Nordosten des Landes.


Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe steigen deutlich

WASHINGTON: Die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt hat sich in der vergangenen Woche etwas eingetrübt. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe legte um 29.000 auf 219.000 zu, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Im historischen Vergleich bleibt die Zahl aber niedrig.

Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 204.000 Anträgen gerechnet. Die Zahl der Erstanträge war in der Woche zuvor etwas niedriger als bisher ermittelt ausgefallen. Das Arbeitsministerium revidierte den Wert um 3000 auf 190.000 nach unten.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gelten als kurzfristiger Indikator für die Entwicklung des amerikanischen Arbeitsmarkts. Trotz der Konjunkturschwäche klagen derzeit viele Unternehmen über einen Mangel an Arbeitskräften.

Die US-Notenbank Fed orientiert sich in ihrer Geldpolitik stark an der Entwicklung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt. Sie hat den soliden Arbeitsmarkt als Argument gegen eine tiefe Rezession angeführt und versucht, mit starken Zinserhöhungen die hohe Inflation in den Griff zu bekommen.


Grönland im September zum Teil mehr als acht Grad wärmer als üblich

READING: In Grönland war es offiziellen Angaben zufolge im September 2022 an einigen Orten mehr als acht Grad wärmer als im mehrjährigen Schnitt für diesen Monat. «In Grönland war es ungewöhnlich warm, und der größte Teil des Gebiets erlebte den wärmsten September seit 1979», sagte die Klimaforscherin Freja Vamborg vom EU-Klimawandeldienst Copernicus am Donnerstag einer Mitteilung zufolge.

Weltweit lag die Durchschnittstemperatur fast 0,3 Grad über dem Durchschnitt. Als Referenzzeitraum dafür gelten die Jahre von 1991 bis 2020. Gemeinsam mit dem September 2016 war der diesjährige September der viertwärmste bislang gemessene. In Europa lagen die Temperaturen hingegen etwas unter dem Durchschnitt.

In der Antarktis lag die Ausdehnung des Meereises im September drei Prozent unter dem Durchschnitt. Das rangiert unter den fünf niedrigsten Werten für September. In mehreren Monaten waren in diesem Jahr eine rekordverdächtig niedrige Ausdehnung festgestellt worden.

Für seine Messungen und Auswertungen nutzt der EU-Klimawandeldienst Satelliten, Schiffe, Flugzeuge und Wetterstationen auf der ganzen Welt. Monatlich werden mit Hilfe von Computeranalysen Daten zu Temperaturen, der Meereisdecke und anderen Aspekten veröffentlicht.


Über 60 Kinder in Gambia tot: Warnung vor verunreinigtem Hustensaft

GENF/BANJUL: Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt nach Dutzenden Todesfällen bei Kindern in Westafrika vor dem Einsatz von vier verunreinigten Medikamenten eines indischen Herstellers. Die in Gambia vertriebenen Husten- und Erkältungssäfte stehen nach WHO-Angaben im Verdacht, akutes Nierenversagen auszulösen und den Tod von mehr als 60 Kindern verursacht zu haben, wie die WHO am Mittwoch in Genf mitteilte. Die gambischen Gesundheitsbehörden riefen ebenfalls dazu auf, die in Verdacht stehenden Husten- und Erkältungssäfte nicht mehr zu verschreiben. Ihren Angaben zufolge waren die vom Nierenversagen betroffenen Kinder unter fünf Jahre alt.

Die WHO untersucht nach eigenen Angaben den Vorfall in Zusammenarbeit mit der Herstellerfirma Maiden Pharmaceuticals Limited und indischen Behörden. Es sei nicht auszuschließen, dass die in Frage stehenden Medikamente auch in weiteren Ländern verwendet wurden.

Das indische Gesundheitsministerium teilte am Donnerstag mit, Proben der Hustensäfte zu untersuchen. Indische Behörden forderten auch die WHO auf, Informationen zum genauen Zusammenhang der Todesfälle und des Sirups zur Verfügung zu stellen. Ministeriumsangaben zufolge hat die indische Herstellerfirma nur eine Genehmigung, die Hustensäfte für den Export zu produzieren und sie habe sie nur nach Gambia exportiert. Die indische Herstellerfirma war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Indien ist als Apotheke der Welt bekannt und stellt viele Medikamente kostengünstig besonders für ärmere Länder her.


Nordkorea schickt 12 Kampfflugzeuge in Nähe der Grenze zu Südkorea

SEOUL: Nordkorea hat zwölf Kampfflugzeuge in der Nähe der innerkoreanischen Grenze entsandt. Wie die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf den südkoreanischen Generalstab am Donnerstag berichtete, sollen diese einer ersten Einschätzung zufolge Schießübungen durchgeführt haben. Südkorea schickte als direkte Reaktion 30 Kampfflugzeuge in das Grenzgebiet.

Erst am Donnerstagmorgen hat Nordkorea ungeachtet starker Proteste seine Serie von Raketentests fortgesetzt und erneut zwei ballistische Kurzstreckenraketen in Richtung des Japanischen Meeres (koreanisch: Ostmeer) abgefeuert. Am Dienstag hatte Pjöngjang zudem eine ballistische Mittelstreckenrakete abgefeuert, die - erstmals seit knapp fünf Jahren - über die japanische Inselgruppe geflogen war. Die USA entsandten derweil am Mittwoch laut Angaben der südkoreanischen Armee ihren nukleargetriebenen Flugzeugträgers «USS Ronald Reagan» in die Gewässer östlich der koreanischen Halbinsel.


Drei Menschen in London niedergestochen - versuchter Handydiebstahl

LONDON: Bei einem versuchten Handydiebstahl in der Londoner City sind am Donnerstag drei Menschen niedergestochen worden. Im Zusammenhang mit dem Vorfall im Viertel Bishopsgate nahe dem Bahnhof Liverpool Street Station werden zwei Verdächtige gesucht, wie die Polizei mitteilte. Die drei Opfer seien nach der Tat am Morgen zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht worden, hieß es weiter. Ihre Verletzungen sollen nicht lebensgefährlich sein. Einen terroristischen Hintergrund hatte die Polizei schon früh ausgeschlossen.

Die britische Nachrichtenagentur PA zitierte Augenzeugen, die beobachtet hatten, wie mehrere jugendliche Fahrradfahrer einen gut gekleideten Mann mittleren Alters angriffen. Mehrere Passanten sollen dem Mann zur Hilfe gekommen sein. Ein maskierter Jugendlicher soll dann im Handgemenge auf mehrere Menschen eingestochen haben.

In sozialen Medien war zuvor von vier Opfern die Rede gewesen. Die Polizei stellte jedoch klar, dass eine vierte Person lediglich zu Boden gestoßen wurde. Die Londoner Altstadt, in der sich auch ein großer Teil des Finanzdistrikts befindet, hat ihre eigene Verwaltung und Polizeibehörde, die City of London Police.


Äthiopien: Tigray-Rebellen stimmen Friedensgesprächen zu

ADDIS ABEBA: Die Tigray-Rebellen im nordafrikanischen Äthiopien haben der Aufname von Friedengesprächen mit der Zentralregierung in Addis Abeba zugestimmt. Das geht aus einer Mitteilung des Defacto-Präsidenten der Tigray-Region, Debretsion Gebremichael, vom Mittwochabend hervor. Zuvor hatte bereits die Zentralregierung erklärt, an den von der Afrikanischen Union (AU) geleiteten Friedensgesprächen teilnehmen zu wollen. Sie sollen am 8. Oktober geplanten in Südafrika beginnen.

In Äthiopien kommt es seit August immer wieder zu schweren Auseinandersetzungen zwischen dem Militär und den Tigray-Rebllen (TPLF). Die TPLF fordert in dem seit November 2020 andauernden Konflikt mehr Autonomie für ihre ethnische Gruppe. Menschenrechtsorganisationen beklagen, dass es auf beiden Seiten zu schwerwiegenden Kriegsverbrechen und ethnischen Säuberungen gekommen sei. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge sind von den gut sieben Millionen Menschen in Tigray etwa 5,2 Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Die Rebellen hatten bereits Mitte September signalisiert, Friedensgespräche führen zu wollen. Zwischenzeitlich war es in der Region allerdings wieder zu schweren Gefechten gekommen.


Gericht: Unterbringung Asylsuchender in Niederlanden menschenunwürdig

DEN HAAG: Notunterkünfte für Asylsuchende in den Niederlanden sind einem Gerichtsurteil zufolge nicht menschenwürdig. Der Staat und seine Asylbehörde erfüllten bei der Versorgung und Unterbringung nicht die europäischen Normen, erklärte ein Gericht in Den Haag am Donnerstag. Die Behörden müssen dem Urteil zufolge umgehend für Zugang zu Trinkwasser, medizinische Versorgung und ausreichend Essen sorgen. Auch dürfen Kinder, Kranke oder Hochschwangere nicht mehr in Notunterkünften untergebracht werden.

Das Gericht gab damit einer Klage des Flüchtlingshilfswerks statt. Als Folge staatlicher Sparmaßnahmen müssten seit fast einem Jahr tausende Flüchtlinge unter «unmenschlichen Umständen» in Zelten oder Sporthallen leben, hatte das Flüchtlingswerk geklagt. Hunderte von Asylsuchenden waren zusätzlich wochenlang unter erbärmlichen Umständen außerhalb des völlig überfüllten nationalen Asylzentrums beim Dorf Ter Apel an der Grenze zu Niedersachsen untergekommen - ohne saubere Toiletten, Betten und Regenschutz.

Angesichts der Zustände hatte die Regierung im August mehr Mittel und mehr Wohnungen für Asylsuchende versprochen. Außerdem waren Notunterkünfte eingerichtet worden. Ursache der Krise ist nicht ein großer Zustrom von Flüchtlingen. Dieser ist mit rund 43.000 Menschen pro Jahr stabil. Doch nach Sparmaßnahmen bei der Einwanderungsbehörde und der Schließung von Asylzentren fehlen die Plätze.


Ausstellung zum römischen Kaiser Augustus in Hamburg

HAMBURG: Eine Ausstellung im norddeutschen Hamburg widmet sich von Samstag an bis zum 15. Januar dem ersten römischen Kaiser Augustus (63 v. Chr. bis 14 n. Chr.)

«Augustus markiert einen Wendepunkt in der römischen Geschichte. Der erste Kaiser besitzt nicht nur eine immense Macht, sondern bedient sich auch neuartiger Kommunikationsstrategien», teilte das Bucerius Kunstforum am Donnerstag in Hamburg mit. Mit der Schau «Die neuen Bilder des Augustus. Macht und Medien im antiken Rom» werde ein zentraler Aspekt antiker Bildkultur thematisiert: der regelrechte Bilderboom, der sich unter dem ersten römischen Kaiser Augustus Bahn bricht.

Die Ausstellung in der Hansestadt präsentiert mehr als 200 Objekte wie Statuen, Büsten, Reliefs, Wandgemälde, Münzen und Keramiken, die unter anderem aus dem Louvre in Paris, den Uffizien in Florenz, den Kapitolinischen und Vatikanischen Museen in Rom und dem Archäologischen Nationalmuseum in Neapel stammen.

«Durch Bildnisse in Form von Porträtköpfen, Büsten, Statuen und Münzen, die in zuvor unerreichter Omnipräsenz in Rom und in den Provinzen Verbreitung fanden, kommunizierte das Kaiserhaus in diversen Medien mit dem Volk», sagte Kurator Andreas Hoffmann. Diese neue Lust am Bild veränderte den Stil in den verschiedenen Gattungen wie Wandmalerei, Skulptur, Architektur oder Alltagsgegenständen.


Türkei bestellt schwedischen Botschafter wegen TV-Show ein

ISTANBUL: Das türkische Außenministerium hat den Botschafter Schwedens wegen einer Sendung im schwedischen Fernsehen einbestellt. Der Satirebeitrag enthalte Inhalte, die Präsident Recep Tayyip Erdogan und die Türkei beleidigten, schrieb die türkische staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch. Das schwedische Außenministerium bestätigte der Nachrichtenagentur TT, dass der Botschafter einbestellt worden sei.

In der politischen Satire-Sendung «Svenska Nyheter» (Schwedische Nachrichten) war der schwedisch-kurdische Komiker Kadir Meral am Freitag über Erdogan hergezogen, indem er einige Minuten lang auf Kurdisch Witze über ihn machte. Der Beitrag erinnerte etwas an das Schmähgedicht des deutschen Satirikers Jan Böhmermann, das 2016 zu politischen Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei geführt hatte.

Die Beziehungen zwischen Schweden und der Türkei sind derzeit auch wegen der türkischen Veto-Drohungen zur Erweiterung der Nato um Schweden und Finnland belastet. Derzeit verhandeln Delegationen beider Länder zu dem Thema in der Türkei.


Scotland-Yard-Skandal: Ex-Beamter wegen rassistischer Chats entlassen

LONDON: Die krisengeplagte Londoner Metropolitan Police ist erneut von einem Rassismus-Skandal erschüttert worden. Ein früherer Polizist, der später als Grenzbeamter beim Innenministerium arbeitete, ist entlassen worden, weil er rassistische Nachrichten in Whatsapp-Gruppen geteilt haben soll, wie die BBC am Donnerstag berichtete. Die Vorfälle waren durch Recherchen der BBC-Sendung «Newsnight» ans Licht der Öffentlichkeit gekommen. Das Innenministerium bezeichnete die Nachrichten als «erbärmlich» und teilte mit, man verfolge in Fällen von Rassismus und Diskriminierung eine Null-Toleranz-Politik. Ein Mitglied der Belegschaft sei nach Bekanntwerden der Vorwürfe umgehend entlassen worden.

Dem Bericht zufolge soll der Beschuldigte die Whatsapp-Gruppe, in der auch weitere frühere und aktuelle Polizisten von Scotland Yard Mitglied waren, gegründet und darin etwa rassistische Witze über die Flutkatastrophe in Pakistan geteilt haben. Auch das Vorhaben der britischen Regierung, Asylsuchende nach Ruanda zu schicken, soll Thema gewesen sein - genauso wie Prinz Harry und seine Frau Meghan. Mehrere Mitglieder sollen der BBC zufolge Teil einer Einheit der Polizei gewesen sein, die das Parlament absichert und für den Schutz von Regierungsmitgliedern zuständig ist.

Es ist nicht der erste Skandal dieser Art in der Londoner Polizei: Immer wieder waren in den vergangenen Jahren Fälle von Diskriminierung und Rassismus ans Licht gekommen. Den Tiefpunkt für Scotland Yard stellte der Mord an der Londonerin Sarah Everard durch einen Polizisten dar. Mittlerweile hat Scotland Yard eine neue Führung: Der neue Chef, Mark Rowley, versprach umfassende Reformen und kündigte an, das Vertrauen in die Polizei wieder herstellen zu wollen.


Steinmeier sieht Reparationsfrage mit Polen als geklärt an

VALLETTA: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die polnischen Reparationsforderungen für die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg zurückgewiesen. «Die Bundesregierung hat dazu eindeutig geantwortet. Die Reparationsfrage ist keine Frage, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt in irgendeiner Weise offen ist», sagte er am Donnerstag in Maltas Hauptstadt Valletta. Dort führte er am Rande des Treffens der Arraiolos-Gruppe von europäischen Staatsoberhäuptern ein bilaterales Gespräch mit Polens Staatspräsident Andrzej Duda.

Steinmeier erklärte vor dem Treffen, Deutschland bekenne sich zu seiner historischen Verantwortung und sei dankbar dafür, dass Polen nach dem Zweiten Weltkrieg die Hände zu einem Versöhnungsprozess gereicht habe. Dieser sei viele Jahrzehnte lang erfolgreich gewesen. «Deshalb werde ich dafür plädieren, dass wir das gute nachbarschaftliche Verhältnis, das wir mit Polen geschafft haben in den letzten Jahrzehnten, dass wir dieses fortsetzen.» In der Reparationsfrage werde er «die Haltung der Bundesregierung wiederholen».

Polens PiS-Regierung hat in den vergangenen Wochen die seit langem erhobene Forderung nach Reparationen mit neuer Schärfe vorgebracht. Zum 83. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs am 1. September hatte eine Parlamentskommission in Warschau ein Gutachten vorgelegt, in dem die Schäden in Polen auf mehr als 1,3 Billionen Euro beziffert werden. Zuletzt hatte Anfang der Woche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) dieser Forderung bei einem Besuch in Warschau eine klare Absage erteilt.

Die so genannte Arraiolos-Gruppe trifft sich einmal jährlich. Ihr gehören die Staatsoberhäupter jener EU-Staaten an, deren Präsidenten keine exekutive, sondern zumeist eher eine repräsentative Funktion haben. Benannt hat sich der informelle Zusammenschluss nach einer kleinen Stadt in Portugal, in der 2003 das erste Treffen veranstaltet worden war.


EU-Chefdiplomat fordert vom Iran Ende der Gewalt

BRÜSSEL/TEHERAN: Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hat auf ein Ende der Gewalt im Iran und die Freilassung festgenommener Demonstranten gedrungen. Borrel erklärte am Donnerstag auf Twitter, er habe gegenüber seinem iranischen Kollegen Außenminister Hussein Amirabdollahian auch betont, dass die für den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Versammlungsfreiheit müssten gewährt sein, forderte Borrel. «Die EU erwägt alle Optionen», sagte er mit Blick auf mögliche EU-Maßnahmen wegen der Unterdrückung der Proteste im Iran.

Teheran wiederum warnte die Europäische Union vor voreiligen Schritten aufgrund der Demonstrationen. «Friedliche Proteste gehören zu den Grundrechten der iranischen Bürger, aber Brandanschläge auf Banken, Krankenwagen und öffentliche Einrichtungen haben mit Protesten nichts mehr zu tun», sagte Amirabdollahian. Der Fall der verstorbenen Amini werde untersucht. Aber die EU solle keine unsachlichen Maßnahmen ergreifen, so der iranische Außenminister. «Falls aber doch, dann wird der Iran auf die adäquat reagieren», warnte er - ohne Details zu nennen.

Auslöser der anhaltenden Demonstrationen im Iran war der Tod der 22-jährigen Amini Mitte September. Die Sittenpolizei hatte sie wegen ihres angeblich «unislamischen Outfits» festgenommen. Was mit Amini danach geschah, ist unklar. Die Frau fiel ins Koma und starb am 16. September in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben; die Polizei weist das zurück. Seit dem Tod der Frau demonstrieren landesweit Tausende gegen den repressiven Kurs der Regierung der islamischen Republik sowie den Kopftuchzwang.


Familie nach Entführung tot aufgefunden

SAN FRANCISCO: Eine Familie mit einem acht Monate alten Baby ist im US-Westküstenstaat Kalifornien wenige Tage nach ihrer Entführung tot aufgefunden worden. Die Leichen der drei Erwachsenen und des Säuglings seien am Mittwoch in einer Obstplantage im Bezirk Merced County südöstlich von San Francisco entdeckt worden, sagte Sheriff Vern Warnke Medien zufolge auf einer Pressekonferenz. Die Polizei nahm einen Verdächtigen fest. Das Motiv war zunächst völlig unklar.

Wenige Stunden vor dem Fund der Leichen hatte das Sheriffbüro ein Video vom Moment der Entführung veröffentlicht, wie der Sender CNN und andere Medien berichteten. Auf den Aufzeichnungen war demnach zu sehen, wie die Eltern, das Baby und ein Onkel des Kindes am Montag am Sitz ihres Unternehmens im ländlichen Kalifornien von einem Mann verschleppt wurden, der augenscheinlich bewaffnet war.

Der zu ABC gehörende kalifornische Lokalsender KFSN berichtete, der Festgenommene habe zuvor versucht, sich das Leben zu nehmen. Seine eigenen Verwandten hätten die Polizei auf ihn aufmerksam gemacht, nachdem er ihnen erzählt habe, er sei in die Entführung verwickelt.


Steinmeier: Regime in Teheran muss Gewalt gegen Demonstranten stoppen

VALLETTA: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Führung im Iran zu einem Ende der Gewalt gegen regierungskritische Demonstranten aufgefordert. Vor einem Treffen mit anderen europäischen Staatsoberhäuptern sagte er am Donnerstag in Maltas Hauptstadt Valletta: «Es muss ein Appell von hier aus ausgehen, dass das Regime in Teheran die Gewalt stoppt und Respekt zeigt vor den jungen Menschen und den Frauen, die dort auf der Straße sind.»

Er werde die Situation im Iran beim Treffen der so genannten Arraiolos-Gruppe an diesem Donnerstag ansprechen, kündigte Steinmeier an. «Das kann uns nicht gleichgültig sein, wenn dort Sicherheitsorgane mit großer Gewalt gegen vor allen Dingen junge Menschen, Repräsentanten der jungen Generation und Frauen vorgehen.»

Auslöser der Demonstrationen war der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini Mitte September. Die Sittenpolizei hatte sie wegen ihres angeblich «unislamischen Outfits» festgenommen. Was mit Amini danach geschah, ist unklar. Die Frau fiel ins Koma und starb am 16. September in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben; die Polizei weist das zurück. Seit dem Tod der Frau demonstrieren landesweit Tausende gegen den repressiven Kurs der Regierung sowie den Kopftuchzwang.

Die so genannte Arraiolos-Gruppe trifft sich einmal jährlich. Ihr gehören die Staatsoberhäupter jener EU-Staaten an, deren Präsidenten keine exekutive, sondern zumeist eher eine repräsentative Funktion haben. Benannt hat sich der informelle Zusammenschluss nach einer kleinen Stadt in Portugal, in der 2003 das erste Treffen veranstaltet worden war.


Athen appelliert an Ankara: Stoppt illegale Flüchtlingsüberfahrten

ATHEN: Der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis hat an die Türkei appelliert, wegen extrem schlechten Wetters alle irregulären Überfahrten auf dem Mittelmeer von Migranten zu verhindern. «Heute sind schon viele Leben in der Ägäis verloren gegangen», twitterte Mitarakis am Donnerstag. In der Nacht hatte es zwei schwere Bootsunglücke gegeben - eines vor der Insel Lesbos, bei dem mindestens 17 Menschen ums Leben kamen, und eines vor der Insel Kythira mit mindestens zwei Toten. Die Rettungseinsätze dauerten am Morgen noch an. Es wurden weiterhin zahlreiche Menschen vermisst. Die Migranten seien in seeuntüchtigen Booten unterwegs und ertränken. Die EU müsse handeln, forderte Mitarakis.

Auch der griechische Schifffahrtsminister Giannis Plakiotakis kritisierte Ankara. «Einmal mehr hat die Toleranz der Türkei gegenüber skrupellosen Schleuserbanden Menschenleben gekostet», teilte er mit. Solange die türkische Küstenwache diese Aktionen nicht verhindere, pferchten Schleuser die Menschen weiterhin ohne Sicherheitsvorkehrungen in Boote, die den Wetterbedingungen nicht standhalten könnten. Die Türkei müsse den Flüchtlingspakt mit der EU einhalten, forderte Plakiotakis.

In der Ägäis herrschen derzeit vielerorts starke Herbststürme mit Sturmböen und hohen Wellen. Dennoch versuchen Migranten immer wieder, von der türkischen Westküste und Ländern des Nahen Ostens nach Griechenland zu gelangen. Wiederholt kam es bei den zum Teil langen Routen auf seeuntüchtigen Booten in den vergangenen Monaten zu schweren Unglücken mit Toten.


Israels Ex-Regierungschef Netanjahu wieder aus Krankenhaus entlassen

TEL AVIV: Israels Oppositionsführer und früherer Regierungschef Benjamin Netanjahu ist nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt wieder aus der Klinik entlassen worden. Es gehe ihm gut, die durchgeführten Tests seien alle normal ausgefallen, teilte ein Sprecher am Donnerstagmorgen mit. Netanjahu hatte sich am Abend zuvor während des Jom-Kippur-Gebetes in einer Synagoge in Jerusalem unwohl gefühlt und sich selbstständig ins Krankenhaus begeben. Zur Sicherheit sei der 72-Jährige vorsorglich über Nacht im Krankenhaus geblieben. Nach Angaben des Sprechers hat Netanjahu während des Feiertags gefastet. Am 1. November wählt Israel ein neues Parlament. Netanjahu strebt eine Rückkehr als Ministerpräsident an.

An Jom Kippur verzichten viele Jüdinnen und Juden für 25 Stunden auf Essen und Trinken. Der höchste jüdische Feiertag begann am Dienstagabend nach Sonnenuntergang und endete am Mittwochabend. Jedes Jahr kommt es auch zu Notfällen. Nach Angaben von Israels Rettungsdienst Magen David Adom wurden in diesem Jahr rund 268 Menschen behandelt, die in Ohnmacht fielen, dehydriert waren oder sich wegen des Fastens unwohl fühlten.


Mindestens 13 Tote bei Kämpfen in Gefängnis

GUAYAQUIL: Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen in einem Gefängnis in Ecuador sind mindestens 13 Häftlinge ums Leben gekommen. Mehrere weitere Menschen seien bei den Kämpfen in der Haftanstalt in Guayaquil verletzt worden, teilte die Gefängnisverwaltung am Donnerstag mit. Der Hintergrund für die Ausschreitungen war zunächst unklar. Medienberichten zufolge sitzen in den Gefängnis Mitglieder verfeindeter Banden gemeinsam ein. Um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen, rückten mehr als 900 Soldaten und Polizisten in die Haftanstalt ein.

In Ecuadors Gefängnissen kommt es immer wieder zu Gefangenenmeutereien und Kämpfen zwischen verfeindeten Banden. Erst Anfang der Woche waren bei Auseinandersetzungen in einem anderen Gefängnis 16 Menschen getötet und 43 weitere verletzt worden. Seit Beginn vergangenen Jahres wurden laut einem Bericht der Zeitung «El Universo» bei Kämpfen in Gefängnissen in dem südamerikanischen Land 386 Menschen getötet.

Wie auch in anderen Ländern Lateinamerikas sind die Gefängnisse in Ecuador überfüllt. Viele Strafanstalten werden von Verbrechersyndikaten kontrolliert. Oftmals sorgen die Sicherheitskräfte lediglich dafür, dass die Gefangenen in den Haftanstalten bleiben. Innerhalb der Mauern bleiben sie sich weitgehend selbst überlassen.


Brasiliens Lula erhält vor Stichwahl weitere wichtige Unterstützung

SÃO PAULO: Vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien hat der linke Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva weiter an Unterstützung gewonnen. Nach dem in der ersten Wahlrunde Viertplatzierten Ciro Gomes sprach sich nun auch die Drittplatzierte Simone Tebet für in aus. Sie habe auch Kritik an Lula, erkenne aber seine «Verpflichtung mit der Demokratie und der Verfassung an», sagte die sozialliberale Tebet in São Paulo am Mittwoch (Ortszeit). Beim Amtsinhaber Jair Bolsonaro könne sie das nicht sehen. Tebet will demnach aktiv Wahlkampf für Lula machen.

Auch Ex-Staatschef und Lula-Vorgänger Fernando Henrique Cardoso sprach sich für Lula aus. Lula hatte Brasilien von 2003 bis 2010 regiert. Am 30. Oktober kommt es zur Stichwahl zwischen Lula und Amtsinhaber Jair Bolsonaro.

Nach Einschätzung von Experten hatten sich viele Anhänger von Tebet und Gomes kurz vor dem ersten Durchgang am Sonntag für Bolsonaro entschieden. Zwar hat sich Lula mit 48,43 Prozent der Stimmen gegen Bolsonaro durchgesetzt. Doch auch der Rechtspopulist kann sich als Gewinner fühlen - mit 43,20 Prozent ging er deutlich stärker aus der ersten Runde hervor als erwartet. Viele Gefolgsleute Bolsonaros zogen bei der Wahl in den Kongress ein.


Texas richtet Mann wegen Mordes hin - Geistlicher anwesend

WASHINGTON/HOUSTON: Der US-Bundesstaat Texas hat einen Mann wegen Mordes hingerichtet - und wie von dem Häftling gerichtlich durchgesetzt, war ein Geistlicher anwesend. Nach Jahren im Todestrakt wurde der 38-Jährige am Mittwoch (Ortszeit) durch die Giftspritze getötet, wie unter anderem der Sender CNN berichtete. Der Fall hatte vor einigen Monaten für Aufmerksamkeit gesorgt, weil der Verurteilte vor dem Obersten US-Gericht gegen die Gefängnisvorschriften geklagt hatte.

Diese verbieten unter anderem, dass ein Geistlicher den zum Tode Verurteilten während der Hinrichtung berührt und betet. Der Supreme Court gab dem Verurteilten Recht - ein Geistlicher war dem Sender zufolge bei der Hinrichtung dabei.

Der 38-Jährige wurde zum Tode verurteilt, weil er 2004 bei einem Raubüberfall den Angestellten eines Lebensmittelladens brutal getötet hatte. Er wurde rund vier Jahre später verurteilt, nachdem er mehrere Jahre auf der Flucht war. Begnadigungsanträge des Beschuldigten waren abgelehnt worden. In den USA vollstrecken 27 Bundesstaaten trotz internationaler Kritik weiterhin die Todesstrafe.


Bürgermeister und 17 weitere Menschen bei Angriff getötet

SAN MIGUEL TOTOLAPAN: Bewaffnete haben in einer südmexikanischen Kleinstadt den Bürgermeister und 17 weitere Menschen getötet. Der Überfall ereignete sich am Mittwoch (Ortszeit) in San Miguel Totolapan, wie die Generalstaatsanwaltin des Bundesstaates Guerrero, Sandra Valdovinos, am Abend im Fernsehsender Milenio bestätigte. Hinter dem Anschlag stand vermutlich das lokale Verbrechersyndikat Los Tequileros, wie mehrere Zeitungen berichteten. Die Hintergründe der Tat blieben zunächst unklar.

In einem in sozialen Netzwerken verbreiteten Video behaupteten angebliche Mitglieder der Gruppe, in die 24.000-Einwohner-Stadt zurückgekehrt zu sein, um ihre kriminellen Geschäfte zu betreiben. Die Angreifer ließen nach der Tat stundenlang die Zufahrtswege zum Rathaus mit Bussen und Lastwagen blockieren, um die Sicherheitskräfte am Durchkommen zu hindern. Die Fassade des Rathauses wies mehrere Einschusslöcher auf.

Unter den Opfern befand sich auch der Vater des Bürgermeisters, zwei Leibwächter sowie der Direktor der Stadtpolizei. «Die bösartigen Angriffe auf den Bürgermeister und die Beamten des Stadtrats werden nicht ungestraft bleiben», schrieb die Gouverneurin von Guerrero, Evelyn Salgado, auf Twitter.

Mexiko erlebt eine Spirale der Gewalt. Es gibt zahlreiche Drogenkartelle und andere kriminelle Gruppen, die oft Verbindungen zu korrupten Politikern und Sicherheitskräften haben und um Kontrolle über Gebiete kämpfen. Im vergangenen Jahr wurden in dem nordamerikanischen Land mit etwa 126 Millionen Einwohnern im Schnitt 94 Morde pro Tag registriert.


Regen-Rekord in Sydney: Nassestes Jahr in der Geschichte

SYDNEY: So viel Regen gab es in Sydney noch nie: Nach neuen heftigen Regenfällen in der australischen Metropole haben Meteorologen am Donnerstag 2022 als nassestes Jahr in der Geschichte eingestuft. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 1950, als 2194 Millimeter Regen in der Millionenstadt verzeichnet wurden, sei am Mittag (Ortszeit) gebrochen worden, berichtete die Nachrichtenagentur AAP unter Berufung auf die Behörden. Bis zum Jahresende werden weitere schwere Niederschläge erwartet.

In zahlreichen Orten des Bundesstaates New South Wales an der Ostküste gab es Warnungen vor neuen Überschwemmungen, so in der berühmten Weinbauregion Hunter Valley und im Großraum Sydney. «Wir erwarten erhebliche Regenmengen, manchmal werden die üblichen monatlichen Niederschläge in wenigen Tagen erreicht werden», sagte Sean Kearns vom Notdienst der Region (SES). Urlauber wurden davor gewarnt, Campingplätze in der Nähe von Flüssen aufzusuchen.

Australiens Ostküste war in diesem Jahr bereits mehrfach von außergewöhnlich starken Regenfällen und Überflutungen betroffen. Anfang Juli wurden Gebiete in Sydney meterhoch überflutet. Verantwortlich war ein mächtiges Tiefdruckgebiet zwischen Australiens Ostküste und der Nordinsel Neuseelands.

Auch im März gab es rund um die Metropole und in weiten Teilen von New South Wales und Queensland heftige Überschwemmungen. In Sydney hatte es dabei zweieinhalb Wochen lang fast ununterbrochen geregnet. Meteorologen sprachen damals schon vom nassesten Jahresbeginn in der größten Stadt des Landes seit Beginn der dortigen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1858. Australien ist besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen.


Erste Runde der «Fat Bear»-Wahlen: «Jumbo Jet» 747 weiter im Rennen

ANCHORAGE: Glück für Nr. 747: Bei den «Fat Bear»-Wahlen im Katmai-Nationalpark in Alaska hat es der massige Braunbär mit dem vielsagenden Spitznamen «Jumbo Jet» in die nächste Runde geschafft. Beim Wahlauftakt am Mittwoch (Ortszeit) erhielt 747, dessen Gewicht auf über 600 Kilogramm geschätzt wird, mehr Stimmen als sein jüngerer Rivale Nr. 856. Mit dem gewaltigen «Boeing Körper» hätte 747 die Flughöhe erreicht, witzelte die Park-Verwaltung in einer Mitteilung.

Der Katmai-Park im Südwesten von Alaska richtet die «Fat Bear Week» zum achten Mal aus. Der Wettbewerb soll über das Ökosystem und den Lebensraum der über 2000 Braunbären in der Region informieren. Über 800.000 Menschen aus aller Welt hatten im Vorjahr ihre Stimme abgegeben.

Auch Neuling Nr. 164 setzte sich in der ersten Stichwahl durch. Die Park-Ranger hatten zuvor die cleveren Fischfangmethoden des jüngeren Braunbären gelobt. Mit diesen beiden Kandidaten sind jetzt noch acht weitere Bären und Bärinnen im Rennen, darunter Vorjahressieger Otis, das imposante Männchen Nr. 32 mit dem Beinamen «Chunk» (auf Deutsch «Klotz») und die üppige Holly.

Online können Besucher und Bären-Fans täglich für die dicksten Prachtexemplare stimmen. Auf Vorher-Nachher-Fotos ist zu erkennen, wie die nach dem Winterschlaf dünnen Bären den Sommer über beim Lachsfang anspecken. Der Gewinner wird am «Fat Bear»-Dienstag (11. Oktober) gekürt.

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