Neues aus dem Ausland am Donnerstag

Neues aus dem Ausland am Donnerstag

Wirbelsturm «Ian» gewinnt an Stärke - wieder zum Hurrikan hochgestuft

WASHINGTON: Nachdem er schwere Verwüstungen in Florida angerichtet hat, hat der Wirbelsturm «Ian» über dem Atlantik erneut an Kraft gewonnnen. Mit anhaltenden Windgeschwindigkeiten von 120 Kilometern pro Stunde in dem Sturmsystem wurde «Ian» auf dem Weg in Richtung der Küste des Bundesstaats South Carolina wieder zu einem Hurrikan der Stufe eins von fünf, wie das US-Hurrikanzentrum am Donnerstag mitteilte. Zuvor war «Ian» zwischenzeitlich zu einem Tropensturm zurückgestuft worden. Am Mittwoch war «Ian» als Hurrikan der zweithöchsten Kategorie auf die Westküste Floridas getroffen.

Der Wirbelsturm bewegte sich am Donnerstag mit einer Geschwindigkeit von rund 16 Kilometern pro Stunde über dem Meer auf South Carolina zu. Auch in North Carolina und Georgia wurden auf dem Weg des Wirbelsturms schwere Schäden befürchtet.


Logistik-Kosten und starker Dollar drücken Nike-Gewinn

BEAVERTON: Das Geschäft des Sportartikel-Konzerns Nike wird von gestiegenen Logistik-Kosten und dem starken Dollar gebremst. Im vergangenen Quartal sank der Gewinn deswegen im Jahresvergleich um 22 Prozent auf rund 1,47 Milliarden US-Dollar (1,5 Milliarden Euro). Der Umsatz legte in dem Ende August abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal um vier Prozent auf knapp 12,7 Milliarden Dollar zu, wie Nike am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte.

Bei stabilen Wechselkursen hätte es ein Umsatzplus von zehn Prozent gegeben, hieß es weiter. Der starke Dollar lässt Auslandseinnahmen bei der Umrechnung in US-Währung in der Bilanz niedriger erscheinen.

Die Quartalszahlen lagen über den Erwartungen der Analysten - Anleger ließen die Aktie dennoch im nachbörslichen Handel zeitweise um rund sechs Prozent fallen.

Während die Umsätze im größten Nike-Markt Nordamerika um 13 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar zulegten, blieben sie in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika mit 3,33 Milliarden Dollar fast unverändert. In China als drittwichtigster Region fielen sie unterdessen um 16 Prozent auf gut 1,65 Milliarden Dollar.


Experten kritisieren Ermittlungen zu verschleppten Studenten

MEXIKO-STADT: Bei den Ermittlungen im Fall von 43 vor acht Jahren verschleppten Studenten in Mexiko gibt es nach Einschätzung einer unabhängigen Expertengruppe schwerwiegende Rückschläge. Die Streitkräfte verweigerten weiterhin Informationen und es gebe unzulässige Einmischungen in die Untersuchungen, kritisierten die internationalen Experten am Donnerstag in Mexiko-Stadt.

Die Gruppe leistete im Auftrag der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) in den vergangenen Jahren technische Unterstützung bei den Ermittlungen. Vor wenigen Tagen hatte der Chef-Ermittler wegen Streitigkeiten innerhalb der Staatsanwaltschaft seinen Rücktritt eingereicht. Zuletzt waren Dutzende bereits erlassene Haftbefehle zurückgenommen worden, darunter 16 gegen Mitglieder der Streitkräfte.

Korrupte Polizisten hatten die Studenten des Lehrerseminars Ayotzinapa in der im Süden des Landes liegenden Stadt Iguala in der Nacht zum 27. September 2014 verschleppt und dem Verbrechersyndikat Guerreros Unidos übergeben. Die Hintergründe der Tat sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Nur Knochenteile von drei der jungen Männer wurden bislang gefunden und identifiziert. Eine Wahrheitskommission hatte im August die Tat als Staatsverbrechen bezeichnet und die Studenten für tot erklärt.


Iran bestellt französischen Geschäftsträger ein

TEHERAN/PARIS: Der Iran hat den Geschäftsträger der französischen Botschaft im Zusammenhang mit den Protesten nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini einbestellt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars von Donnerstag warf das iranische Außenministerium Frankreich eine illegitime Einmischung in die internen Angelegenheiten des Irans und Unterstützung für die Proteste vor. Außerdem verurteilte das Außenministerium demnach die Veröffentlichung einer Karikatur von Präsident Ebrahim Raisi in der Satirezeitschrift Charlie Hebdo.

Im Zusammenhang mit den systemkritischen Protesten in Iran waren vergangene Woche auch die Botschafter Norwegens und Großbritanniens ins Außenministerium einbestellt worden. Hintergrund waren im Fall Norwegen kritische Äußerungen des Parlamentsvorsitzenden und im Fall Großbritannien kritische Berichterstattungen der in London ansässigen persischsprachigen Nachrichtensender.


Biden: «Ian» könnte tödlichster Hurrikan in Floridas Geschichte sein

WASHINGTON: US-Präsident Joe Biden befürchtet, dass Hurrikan «Ian» im Bundesstaat Florida zahlreiche Menschenleben gefordert hat. «Dies könnte der tödlichste Hurrikan in der Geschichte Floridas sein», sagte Biden am Donnerstag in Washington bei einem Besuch in der Zentrale der US-Katastrophenschutzbehörde Fema. «Die Zahl der Opfer ist noch unklar, aber wir hören erste Berichte über möglicherweise erhebliche Verluste an Menschenleben.» Offizielle Angaben zur Zahl möglicher Todesopfer gab es zunächst nicht.

Die Lage sei weiter gefährlich, mahnte Biden. «Wir erleben weiterhin tödliche Regenfälle, katastrophale Sturmfluten, überflutete Straßen und Häuser», sagte er. «Wir sehen Millionen von Menschen ohne Strom - und Tausende, die in Schulen und Gemeindezentren Schutz suchen.» Diese Menschen fragten sich, was übrig bleibe von ihrem Zuhause oder ob sie überhaupt noch ein Zuhause haben würden.

Die Leiterin der Katastrophenschutzbehörde Fema, Deanne Criswell, sagte: «Hurrikan «Ian» wird ein Sturm sein, über den wir noch jahrzehntelang sprechen werden.» Die nächsten Tage würden schwierig, es gebe viele komplexe Probleme zu lösen bei den Einsätzen im Sturmgebiet.

«Ian» war am Mittwoch als einer der stärksten Hurrikans in der Geschichte Floridas auf Land getroffen und hatte dort große Schäden angerichtet.


Britische Konservative verlieren in Umfragen dramatisch an Zuspruch

LONDON: Die regierenden Konservativen in Großbritannien unter Premierministerin Liz Truss haben wenige Tage vor dem Start ihres Parteitags dramatisch an Zuspruch der Wähler verloren. Wie aus mehreren Umfragen am Donnerstag hervorging, konnte die oppositionelle Labour-Partei ihren Vorsprung in der Wählergunst weiter ausbauen.

Einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der konservativen Zeitung «The Times» zufolge führen die britischen Sozialdemokraten mit 33 Prozentpunkten vor den Konservativen. Demnach sagten 54 Prozent der Befragten, sie würden Labour wählen, nur 21 Prozent sprachen sich für die Tories aus.

Nur wenige Tage zuvor hatte YouGov einen Vorsprung von nur 17 Prozentpunkten ermittelt. Der neue Wert entspricht der «Times» zufolge dem größten Umfragevorsprung einer Partei in Großbritannien seit Ende der 1990er-Jahre. Eine Umfrage des Instituts Survation bescheinigte Labour immerhin einen Vorsprung von 21 Prozentpunkten.

Für Truss, deren Konservative sich von Sonntag bis Mittwoch zum Parteitag in Birmingham treffen, ist das eine verheerende Bilanz ihrer ersten vier Wochen im Amt. Den schlechten Umfrageergebnissen waren heftige Reaktionen der Finanzmärkte auf die vergangene Woche vorgestellten Pläne zu Steuersenkungen der britischen Regierung vorangegangen. Profitieren sollen davon vor allem Reiche. Doch Investoren hatten die ohne Pläne zur Gegenfinanzierung vorgestellten Maßnahmen nicht goutiert: Der Pfund-Kurs stürzte im Vergleich zum US-Dollar auf ein Rekordtief ab. Die britische Notenbank musste eingreifen und langfristige Staatsanleihen kaufen, um Pensionsfonds vor dem Kollaps zu bewahren.


Lettland beschließt Sprachreform im Schulwesen: Kein Russisch mehr

RIGA: In Lettland soll bis 2025 Lettisch schrittweise zur alleinigen Unterrichtssprache in Kindergärten und Grundschulen werden. Das Parlament in Riga stimmte am Donnerstag für die von der Mitte-Rechts-Regierung eingebrachten Änderungen am Bildungsgesetz. Demnach soll im dem baltischen EU- und Nato-Land mit einer großen russischen Minderheit der Übergang vom kommenden Schuljahr an erfolgen. Die seit vielen Jahren diskutierte Reform hat wiederholt Proteste von Vertretern der russischen Minderheit hervorgerufen, die gut ein Drittel der rund zwei Millionen Einwohner Lettlands ausmacht.

Nach der neuen Regelung ist vom 1. September 2023 in den Klassen 1, 4 und 7 ausschließlich auf Lettisch zu unterrichten, ein Jahr später gilt dies auch für die Klassen 2, 5 und 8. In den Klassen 3, 6 und 9 soll die Umstellung dann im Schuljahr 2025 erfolgen. Das Gesetz gilt gleichermaßen für öffentliche und private Lehreinrichtungen. Und auch in Berufsbildungseinrichtungen ist die Unterrichtssprache künftig auf offizielle Sprachen der Europäischen Union begrenzt.

Für Angehörige der russischen Minderheit gibt es spezielle Schulen, in denen bislang ein Teil der Fächer auf Russisch unterrichtet werden konnte. Dies wird nun nicht mehr möglich sein. Dafür sollen die Sprache und Kulturgeschichte von Minderheiten künftig in außerschulischen Bildungsprogrammen gelehrt werden.

Lettisch ist die einzige offizielle Amtssprache in dem an Russland grenzenden Baltenstaat, der nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1991 unfreiwillig Teil der Sowjetunion war.


Terrorverdacht: Haftbefehl gegen mutmaßliche Rechtsextreme

ANTWERPEN: Die belgische Bundesstaatsanwaltschaft hat nach Durchsuchungen in der rechtsextremen Szene zwei Haftbefehle wegen der Vorbereitung terroristischer Straftaten und Verstößen gegen das Waffengesetz erlassen. Die beiden Männer würden angeklagt, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga am Donnerstagabend unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Vier von sechs zuvor Festgenommenen seien wieder freigelassen worden.

Bei einer der am Mittwoch durchgeführten Hausdurchsuchungen kam in Antwerpen eine Person zu Tode. Es habe einen Schusswechsel zwischen der Polizei und einem Verdächtigen gegeben, teilte die Staatsanwaltschaft später mit. Wie Belga berichtete, handelte es sich bei dem Toten um einen 36-Jährigen.

Insgesamt wurden nach Angaben der Bundesstaatsanwaltschaft zehn Hausdurchsuchungen durchgeführt. Es seien mehr als hundert Waffen sowie Munition, Nacht- und Wärmesichtgeräte sowie andere Ausrüstung gefunden worden, hieß es. Demnach besteht der Verdacht, dass die Gruppe eine Art bewaffneten Widerstand gegen die Regierung geplant hatte - ohne ein bestimmtes Angriffsziel oder Datum festgelegt zu haben.


Tödlicher Unfall: US-Amerikanerin per Videocall vor Londoner Gericht

LONDON: Nach langem diplomatischem Tauziehen hat sich eine US-Amerikanerin, die einen tödlichen Unfall in Großbritannien verursacht haben soll, erstmals einem Gericht in London per Videoschalte gestellt. Bei der kurzen Anhörung am Donnerstag bestätigte die Angeklagte lediglich ihren Namen und ihr Geburtsdatum. Der Prozess soll am 27. Oktober fortgesetzt werden. Ob sie dann, wie vom Gericht gefordert, persönlich erscheinen wird, war aber zunächst unklar.

Die 45-Jährige soll der Anklage zufolge im August 2019 nach Verlassen einer US-Militärbasis in der englischen Grafschaft Northamptonshire nahe Birmingham mit ihrem Auto mit einem 19-jährigen Motorradfahrer zusammengestoßen sein. Der Mann starb. Berichten zufolge soll die Amerikanerin auf der falschen Straßenseite unterwegs gewesen sein. Sie berief sich auf diplomatische Immunität und reiste kurze Zeit später in die USA aus.

Die Familie des Verunglückten kämpfte seitdem darum, dass der Frau in Großbritannien der Prozess gemacht werden kann. Die Eltern trafen bei einer Reise nach Washington sogar den damaligen US-Präsidenten Donald Trump. Auch die damalige britische Regierung schaltete sich ein und forderte die Rückkehr der Fahrerin nach Großbritannien - ohne Erfolg.


Zypernkonflikt: Türkei will mehr Waffen an Nordzypern liefern

ISTANBUL: Die Türkei will mehr Waffen an das von ihr besetzte Nordzypern liefern. Damit reagiert das Land auf die von Ankara scharf kritisierte Aufhebung eines US-Waffenembargos für die Republik Zypern, wie der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Donnerstag erklärte. Man wolle «die türkischen Zyprer schützen» und liefern, was immer sie bräuchten.

Zypern ist nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärinvasion im Jahr 1974 in einen größeren griechisch-zyprischen Teil im Süden und einen türkisch-zyprischen Teil im Norden geteilt. Die «Türkischen Republik Nordzypern» wird weltweit nur von der Türkei anerkannt.

Die USA hatten Mitte September mitgeteilt, die Republik Zypern könne künftig erstmals seit 1987 wieder unbeschränkt Waffen aus den Vereinigten Staaten beziehen. Das US-Embargo war eingeführt worden, um die Streitparteien auf der geteilten Insel und die involvierten Garantiemächte Griechenland und Türkei zu einer diplomatischen Lösung zu bewegen.

Der Präsident der Republik Zypern, Nikos Anastasiades, hatte die Entscheidung als «Meilenstein» begrüßt, ähnlich die griechische Regierung. Das Außenministerium in Ankara hingegen hatte gewarnt, die Entscheidung könne zu einem Wettrüsten auf der Insel führen.


Tausende Franzosen protestieren gegen hohe Preise und Rentenreform

PARIS: Tausende Menschen haben in Frankreich am Donnerstag gegen steigende Preise und die geplante Rentenreform von Präsident Emmanuel Macron protestiert. Die Gewerkschaften hatten zu landesweiten Streiks aufgerufen, der Fokus lag auf den öffentlichen Verkehrsmitteln und Schulen. Über 200 Demonstrationszüge im ganzen Land waren geplant. Die Beteiligung an den Protesten und die Behinderungen hielten sich allerdings in Grenzen. 20 bis 30 Prozent des Schulpersonals schlossen sich nach Gewerkschaftsangaben den Streikaktionen an. Im regionalen Bahn- und Busverkehr gab es Ausfälle, die meisten Fernzüge fuhren wie geplant.

Traditionell gibt es in Frankreich im Herbst, wenn alle aus den Sommerferien zurück sind, regelmäßig landesweite Proteste zu befürchteten sozialen Missständen. Zu einem breiten Protest auf der Straße gegen den im Frühjahr wiedergewählten Macron und seine im Sommer neuformierte Regierung, den einige zunächst vorhergesagt hatten, kam es am Donnerstag nicht. Aufgrund milliardenschwerer Hilfen und eines Energiepreisdeckels ist die Inflation in Frankreich im Moment deutlich niedriger als in anderen europäischen Ländern.

Mehr Zündstoff birgt die Rentenreform, mit der der Rentenbeginn von 62 auf 64 oder 65 Jahre erhöht werden soll. Für viele Menschen in Frankreich ist das ein rotes Tuch. Premierministerin Élisabeth Borne erklärte am Donnerstag, dass über das Vorhaben in den kommenden drei Monaten zunächst erneut mit den Sozialpartnern und Parteien beraten werden soll. Bis zum Jahresende soll die Reform dann beschlossen werden, damit sie im kommenden Sommer in Kraft treten kann.

Die Gewerkschaften und die Opposition sind in ihrem Protest gegen die Regierung im Moment gespalten. Während die Gewerkschaften am Donnerstag demonstrierten, haben Linkspartei, Sozialisten und Grüne für den 16. Oktober zu einem «Marsch gegen das teure Leben und das Nichtstun in der Klimakrise» aufgerufen.


Gewaltsamer Protest vor Botschaft des Iran in Oslo - viele Festnahmen

OSLO: Mehrere Demonstranten haben bei einem Protest in Oslo versucht, in die iranische Botschaft zu gelangen. Viele Menschen hätten sich bei der Demonstration gewalttätig und aggressiv verhalten, mehrere versucht, in die Botschaft einzudringen, teilte die Polizei der norwegischen Hauptstadt am Donnerstag über Twitter mit. Bislang seien zwei Leichtverletzte identifiziert worden. Man habe die Situation unter Kontrolle gebracht. Rund 90 Personen seien in Gewahrsam genommen worden.

Ein Reporter der Zeitung «Verdens Gang» berichtete vor Ort, die Demonstranten hätten Steine geworfen. Die Polizei habe auch Tränengas gegen sie benutzt. In Aufnahmen, die in sozialen Netzwerken kursierten, wurde auch «Lang lebe Kurdistan» gerufen. Bilder zeigten, dass viele Demonstranten kurdische Flaggen trugen.

Durch den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini waren im Iran massive Proteste ausgelöst worden. Sie richten sich inzwischen gegen das islamische System im Land. Die Sittenpolizei hatte Amini wegen ihres angeblich «unislamischen Outfits» festgenommen. Was genau nach ihrer Festnahme geschah, ist unklar. Die junge Frau war ins Koma gefallen und am 16. September in einem Krankenhaus gestorben. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück.


Somalisches Militär: 19 Tote nach Gefechten mit Al-Shabaab

MOGADISCHU: Mindestens 19 Menschen sind laut Angaben des somalischen Militärs bei erneuten Gefechten mit der islamistischen Terrormiliz Al-Shabaab in Zentralsomalia ums Leben gekommen. Demnach hatten die Extremisten am Donnerstag versucht, ein unlängst von den Islamisten befreites Dorf in der Region Hiiraan zurückzuerobern.

Seit mehreren Monaten geht die Regierung in Mogadischu mit einer militärischen Offensive gegen Al-Shabaab vor. Die islamistischen Terroristen kontrollieren weite Teile der Region Zentralsomalia sowie den Süden des Landes. Erst mit Unterstützung von bewaffneten Clans und Zivilisten konnte das somalische Militär zuletzt große Gebietsgewinne gegen Al-Shabaab erreichen.

Auch diesmal hätte das Militär den Angriff gemeinsam mit Clanmilizen abgewehrt, teilten die somalischen Sicherheitskräfte mit. Insgesamt sollen 14 Al-Shabaab-Kämpfer sowie fünf Clanmitglieder getötet worden sein. Über sein Propaganda-Radio Andalus ließ Al-Shabaab hingegen verlautbaren, dass 20 Soldaten und Clanmitglieder getötet wurden.

Nach massiven Gebietsverlusten in Zentralsomalia hat Al-Shabaab weitere Kämpfer aus dem noch immer von den Extremisten kontrollierten Süden des Landes zusammengezogen, um Gegenangriffe in der umkämpften Region Hiiraan zu starten.


Bätzing: Polnische Reparationsforderungen «eher hinderlich»

FULDA: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat polnische Reparationsforderungen an Deutschland als «eher hinderlich» bezeichnet. Der richtige Weg zur Aussöhnung bestehe etwa in gegenseitigem Kennenlernen, Besuchen, gemeinsamen Projekten, sagte Bätzing am Donnerstag zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Bischöfe in Fulda.

Dieser Weg müsse fortgesetzt und intensiviert werden. «Ich glaube, in diesem Kontext ist die Forderung nach Reparationen eher hinderlich als förderlich.»

Eine Parlamentskommission in Warschau hatte kürzlich ein Gutachten vorgelegt, in dem die von Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg angerichteten Schäden in Polen auf mehr als 1,3 Billionen Euro beziffert werden. Der Vorsitzende der nationalkonservativen Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, erneuerte gleichzeitig die Forderung nach Entschädigungszahlungen. Die deutsche Regierung beruft sich bei der Ablehnung dieser Forderungen auf den Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 über die außenpolitischen Folgen der deutschen Einheit.


Nach politischem Stillstand: Kuwaitis wählen neues Parlament

KUWAIT-STADT: Nach einem politischen Patt im kuwaitischen Parlament hat der ölreiche Golfstaat eine vorgezogene Neuwahl abgehalten. Knapp 796.000 der etwa 4,8 Millionen Einwohner waren am Donnerstag aufgerufen, Kandidaten für die 50 Sitze in der Nationalversammlung zu wählen. Offizielle Wahlergebnisse werden am Freitag erwartet.

Die Kuwaitis hatten vor knapp zwei Jahren zuletzt über ihr Parlament abgestimmt. Es wurde jedoch im Juni aufgelöst, nachdem sich Opposition und Regierung monatelang ergebnislose Streitereien geliefert hatten. Die faktische Macht in Kuwait liegt beim Emir Nawaf al-Ahmed al-Dschaber al-Sabah , dessen Regierung und der Herrscherfamilie. Das Parlament hat nur einen gewissen Einfluss auf die Gesetzgebung und kann Kabinettsmitglieder entlassen, die vom Emir berufen wurden.

In Kuwait leben viele Arbeitsmigranten. Rund 70 Prozent der Einwohner haben keinen kuwaitischen Pass und dürfen deshalb nicht wählen gehen. Zehntausende Angehörige der Bidun-Ethnie sind zudem staatenlos und Amnesty International zufolge deutlich schlechter gestellt als ihre Mitbürger mit Staatsbürgerschaft.


Floridas Gouverneur: Historische Schäden durch Hurrikan «Ian»

TALLAHASSEE/WASHINGTON: Hurrikan «Ian» hat im US-Bundesstaat Florida schwere Schäden angerichtet. «Die Auswirkungen dieses Sturms sind historisch», sagte Floridas Gouverneur Ron DeSantis am Donnerstag. «Und die Schäden, die entstanden sind, sind historisch.» Dies basiere nur auf den ersten Einschätzungen, das ganze Ausmaß werde erst in den kommenden Tagen abzusehen sein. «Wir haben noch nie ein solches Hochwasser erlebt», sagte DeSantis. «Wir haben noch nie eine Sturmflut dieses Ausmaßes gesehen.» Bestätigte Todesfälle gebe es bislang jedoch nicht.

Es seien momentan lediglich zwei Todesfälle bekannt, bei denen noch nicht klar sei, ob diese unmittelbar mit dem Sturm zusammenhingen, sagte der Republikaner. Sobald Einsatzkräfte in die am stärksten betroffenen Gebiete vorrücken könnten, werde es mehr Klarheit geben. Rettungsaktionen seien im Gange, unter anderem mit Hubschraubern.

«Ian» war am Mittwoch als einer der stärksten Hurrikans in der Geschichte Floridas auf Land getroffen und hatte heftige Winde, Starkregen und Sturmfluten verursacht. Auf seinem Weg ins Landesinnere Floridas schwächte sich der Sturm dann ab. DeSantis mahnte jedoch, die Situation sei weiter gefährlich.


Wahl eines neuen Staatschefs im krisengeplagten Libanon gescheitert

BEIRUT: Dem libanesischen Parlament ist es im ersten Anlauf nicht gelungen, einen neuen Präsidenten für das krisengeschüttelte Land zu wählen. Die Hälfte der anwesenden Abgeordneten gab im ersten Wahlgang leere Stimmzettel ab. Der zweite fiel deshalb aus. Es gibt bislang keinen Konsens über einen möglichen Kandidaten für das Amt des Staatsoberhauptes im tief gespaltenen Parlament. Der Wahlprozess könnte sich deshalb noch Monate ziehen.

Nach Ende der Amtszeit des bisherigen Staatschefs Michel Aoun in einem Monat droht das Land wieder einmal in ein Machtvakuum zu geraten, sollte nicht rechtzeitig ein Nachfolger für den mit der der pro-iranischen Hisbollah verbündeten Ex-Armeechef bestimmt werden. Dies dürfte die schwerste Wirtschafts- und Finanzkrise in der Geschichte des Landes am Mittelmeer noch verschärfen. Der Libanon braucht sowohl einen Präsidenten als auch eine funktionsfähige Regierung, um bislang ausgebliebene Reformen umzusetzen. Internationale Geldgeber setzen diese voraus. Auch die Bildung einer neuen Regierung zieht sich aufgrund politischer Machtkämpfe hin. Drei Viertel der libanesischen Bevölkerung leben wegen der schlimmen Wirtschaftskrise mittlerweile in Armut.


Totenschein: Queen Elizabeth II. starb an Altersschwäche

LONDON: Die britische Königin Elizabeth II. ist an Altersschwäche gestorben. Das geht aus dem Totenschein der am 8. September im Alter von 96 Jahren auf ihrem schottischen Landsitz Balmoral gestorbenen Monarchin hervor. Sie starb um 15.10 Uhr Ortszeit (16.10 Uhr MESZ), wie in dem von einer schottischen Behörde am Donnerstag veröffentlichten Auszug des Dokuments vermerkt wurde. Informiert wurden die Behörden vom Ableben der Queen laut Totenschein durch deren Tochter Prinzessin Anne (72). «Ich hatte das Glück, die letzten 24 Stunden im Leben meiner Mutter mit ihr zu verbringen», hatte sie nach dem Tod der Queen mitgeteilt.

Die Queen war am 19. September mit einem Staatsbegräbnis von historischem Ausmaß auf dem Gelände von Schloss Windsor beigesetzt worden. Das Schloss und die Kirche, in der sie beigesetzt wurde, sind seit Donnerstag wieder für Besucher geöffnet.


Polnische Experten: Giftige Alge war Grund für Fischsterben in Oder

WARSCHAU: Polnische Wissenschaftler haben in einem Bericht die These bestätigt, dass eine giftige Alge das Fischsterben in der Oder ausgelöst hat. «Der Grund für das Fischsterben war höchstwahrscheinlich die toxische Wirkung einer Algenblüte», sagte die Wasserbiologin Agnieszka Kolada vom Institut für Umweltschutz am Donnerstag in Warschau bei der Vorstellung des vorläufigen Berichts. Das polnische Umweltministerium hatte eine Gruppe von 49 Wissenschaftlern aus 14 Forschungsinstituten damit beauftragt, den Ursachen der Umweltkatastrophe auf den Grund zu gehen.

Im Juli und August waren in der Oder auf polnischer und deutscher Seite massenhaft tote Fische entdeckt und eingesammelt worden. Auf polnischer Seite waren es nach Angaben von Kolada 249 Tonnen. Nach einer langwierigen Suche nach den Ursachen für das Fischsterben war in Wasserproben sowohl in Polen als auch in Deutschland die Algenart Prymnesium parvum nachgewiesen worden. Sie kann ein für Fische tödliches Gift bilden.

In Polen seien in der Zeit vom 12. August bis 8. September insgesamt 221 Wasserproben aus verschiedenen Abschnitten der Oder entnommen worden, sagte Kolada. In 78 Prozent dieser Proben habe sich Prymnesium parvum nachweisen lassen. Diese Algenart sei zuvor in Polen noch nie bemerkt worden. Auch die Befunde bei der Untersuchung verendeter Fische und Muscheln wiesen darauf hin, dass das Algengift Ursache für einen «plötzlichen, schnellen» Tod gewesen sei.

Eine Reihe von Faktoren habe die Algenblüte begünstigt, hieß es in dem Bericht weiter. So habe es im Hochsommer fast zwei Monate lang nicht geregnet, was zu einem niedrigen Wasserstand in der Oder geführt habe. Die Wassertemperatur stieg zeitweise auf bis zu 27 Grad. Der niedrige Wasserstand führte außerdem dazu, dass die Salzkonzentration zunahm. «So hat die Alge Bedingungen gefunden, die es ihr ermöglichten, sich zu entwickeln», sagte Kolada. Die massenhafte Blüte von Prymnesium parvum in der Oder und anderen Flüssen in Polen könne sich in den kommenden Jahren wiederholen, warnen die Wissenschaftler. Am Freitag will das deutsche Bundesumweltministerium die Abschlussergebnisse der deutschen Seite veröffentlichen.


Ex-Feuerwehrmann muss für das Legen von Waldbrand in Haft

BÉZIERS: Ein Gericht im südfranzösischen Béziers hat einen ehemaligen freiwilligen Feuerwehrmann zu zwei Jahren Haft verurteilt, der das Legen eines Waldbrandes gestanden hat. Ein Jahr der Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, teilte das Gericht am Donnerstag mit.

Der 33-Jährige war Anfang August am selben Tag zwei Mal Feuerwehrleuten verdächtig vorgekommen, die zu Bränden in der Natur ausgerückt waren. Der bei seiner Festnahme betrunkene Mann gestand, einen der Brände gelegt zu haben, den die Feuerwehr aber schnell löschen konnte. Der Mann entschuldigte sich für seine Tat, zu der es wegen seines Alkoholkonsums gekommen sei.

Der Verurteilte erhielt die Auflage, seine Trinksucht zu behandeln, einer Arbeit nachzugehen und die entstandenen Schäden zu begleichen. Außerdem erhielt der in einer anderen Region Frankreichs lebende Mann ein fünfjähriges Verbot, sich in das Departement Hérault zu begeben, in dem er den Brand gelegt hatte.


Nach Abreise von Harris: Nordkorea startet erneut ballistische Rakete

SEOUL: Nur wenige Stunden nach der Abreise der amerikanischen Vizepräsidentin Kamala Harris aus Südkorea hat Nordkorea erneut einen Test mit einer ballistischen Rakete unternommen. Nach Angaben des südkoreanischen Militärs vom Donnerstag flog die Rakete in Richtung des Japanischen Meeres (koreanisch: Ostmeer), wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

Es war schon der dritte Raketenabschuss diese Woche. UN-Resolutionen verbieten Nordkorea die Erprobung jeglicher Art von ballistischen Raketen, die je nach Bauart auch einen oder mehrere Atomsprengköpfe tragen können. Es handelt sich in der Regel um Boden-Boden-Raketen.


Katholische Bischöfe: Kleinere Unternehmen nicht allein lassen

FULDA: Angesichts der Energiekrise haben die katholischen Bischöfe den Staat zur Hilfe auch für kleinere Unternehmen aufgefordert. «Ebenso dürfen kleinere Betriebe und Unternehmen nicht allein gelassen werden, und es sollte nicht der Eindruck entstehen, man hilft nur den großen», teilte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, am Donnerstag zum Abschluss der diesjährigen Herbstvollversammlung in Fulda mit. «In einigen Fällen können je nach konkreter Lebenssituation auch bis weit in die Mittelschicht Menschen und Familien von hohen Energiepreisen existenziell betroffen sein, auch hierfür braucht es Aufmerksamkeit und Hilfe.»

Die katholische Kirche als große Institution und entsprechend großer Energieverbraucher wolle zum Energiesparen ihren eigenen Beitrag leisten und etwa den Gasverbrauch verringern, beispielsweise durch weniger Kirchenbeleuchtung und -beheizung.


Windanlagenbauer Siemens Gamesa will Tausende Stellen streichen

ZAMUDIO: Im Zuge seines Umbauprogramms will der angeschlagene Windanlagenbauer Siemens Gamesa Tausende Stellen streichen. Bis spätestens zum Geschäftsjahr 2025 sollen weltweit 2900 Arbeitsplätze abgebaut werden, teilte die Tochter des Energietechnikkonzerns Siemens Energy am Donnerstag in Zamudio mit. Ein Großteil soll etwa mit 800 Stellen in Dänemark wegfallen, in Spanien sind 475 Arbeitsplätze betroffen und in Deutschland 300. Das Unternehmen werde mit den Arbeitnehmervertretern zusammenarbeiten, dabei sollen bevorzugt die natürliche Fluktuation oder interne Versetzungen genutzt werden.

Gamesa ächzt unter hohen Kosten, Materialengpässen und Problemen mit seinen Landturbinen und erwartet für das laufende Geschäftsjahr 2021/22 (per Ende September) Verluste. Dabei hatte der Konzern bereits mehrfach seine Prognose senken müssen.

Um die Profitabilität zu stabilisieren und mittelfristig zu verbessern, will Konzernchef Jochen Eickholt den Konzern neu aufstellen. So sollen die verschiedenen Strukturen und Technologien vereinheitlicht werden. Geplant ist künftig nur noch ein Entwicklungsteam über alle Plattformen hinweg, gleiches gilt für die Produktion. Zudem hatte Gamesa angekündigt, die Kapazitäten überprüfen zu wollen. Eickholt erhofft sich so einfachere und schlankere Abläufe.

Mehrheitseigner Siemens Energy hat angekündigt, die schwächelnde Tochter vollständig übernehmen zu wollen.


Pakistan fehlen Mittel zur Flutbewältigung

ISLAMABAD: Die Flutkatastrophe in Pakistan könnte sich negativ auf die Anpassung Pakistans an den Klimawandel auswirken. Wie die Regierung am Donnerstag mitteilte, müsse das Land zur Bewältigung der Fluten auf Mittel zurückgreifen, die Katastrophen dieser Art eigentlich verhindern sollten. Die pakistanische Klimaschutzministerin Sherry Rehman wandte sich deswegen am Donnerstag an die internationale Weltgemeinschaft. «Es gibt eine große Lücke zwischen dem, was gebraucht wird und dem, was wir erhalten. Wir bitten die Welt dringend, ihre Bemühungen zu verstärken.»

Derzeit erlebt Pakistan die schlimmste je aufgezeichnete Flutkatastrophen seiner Geschichte. Während große Teile des Landes unter Wasser stehen, ist die Zahl der Todesopfer laut der Nationalen Katastrophenbehörde auf über 2000 gestiegen. Der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif warnte aufgrund der schnellen Ausbreitung von Infektionskrankheiten durch das Wasser vor einer zweiten Katastrophe in Form einer Epidemie. In Pakistan «bricht die Hölle los», wenn das Land bald nicht mehr Unterstützung bei der Bewältigung der Flutkatastrophe erhält, so der Premierminister in einem Interview.

Pakistan gehört zu den Ländern, die am meisten vom Klimawandel bedroht sind - und das, obwohl es selbst kaum zu den weltweiten Emissionen beigetragen hat. Mit Projekten und Initiativen will sich Pakistan an die steigende Zahl an Naturkatastrophen als Folge des Klimawandels anpassen, die vorgesehenen Mittel dafür fließen nun aber in die Bewältigung der derzeitigen Flut.


Eiffelturm wird bestreikt

PARIS: Touristen in Paris haben den Eiffelturm am Donnerstag wegen eines landesweiten Streiktags nicht besichtigen können. Aufgrund der nationalen Proteste, die sich gegen steigende Preise und die geplante Rentenreform richten, sei der Turm nicht zugänglich, teilte die Betreibergesellschaft des Pariser Wahrzeichens mit. Besucher mit einem E-Ticket würden per Mail informiert, man entschuldige sich für die Unannehmlichkeiten, hieß es. Der Vorplatz des Eiffelturms bleibe jedoch geöffnet und sei kostenlos zugänglich. Oft über 20.000 Menschen täglich besuchen den Eiffelturm.

Der Fokus der Streiks sollte am Donnerstag auf den öffentlichen Verkehrsmitteln und den Schulen liegen. Beruhigend aus Sicht von Paris-Touristen war dabei, dass es im Metro-Netz praktisch keine Einschränkungen geben sollte.


Schloss Windsor und Kapelle mit Grab der Queen für Besucher geöffnet

WINDSOR: Erstmals seit dem Tod der britischen Königin Elizabeth II. sind Schloss Windsor und die St.-Georges-Kapelle, in der die Queen beigesetzt wurde, am Donnerstag für Besucher geöffnet worden. Wie die britische Nachrichtenagentur PA meldete, reihten sich bereits am Morgen Hunderte Menschen in eine Schlange ein, um die frühere Wochenendresidenz und das Grab der Queen zu besuchen.

Die Queen wurde in einer Seitenkapelle der Kirche an der Seite ihres im vergangenen Jahr gestorbenen Mannes Prinz Philip, ihrer Schwester Margaret und ihrer Eltern beigesetzt.

Elizabeth II. war am 8. September im Alter von 96 Jahren auf ihrem Landsitz Balmoral in Schottland gestorben. Sie hatte aber die letzten Jahre ihres Lebens meist in dem rund 40 Kilometer westlich von London gelegenen Windsor verbracht, wo sie schon als Jugendliche während des Zweiten Weltkriegs gewohnt hatte.


Geklonter Polarwolf vorgestellt - Leihmutter war ein Beagle

PEKING: Ein geklonter Polarwolf ist in einem Tierpark in Harbin in Nordostchina der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Die Spenderzellen stammten von der Haut eines wilden Polarwolfs namens «Maya» aus Kanada, ausgetragen hat das Wolfskind eine Beaglehündin, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag.

Das drei Monate alte, weibliche Jungtier sei gesund und lebe mit der Hundemutter in dem «Polarland» genannten Tierpark. «Klontechnologie ist ein wirksamer Weg, die Gendiversität zu schützen und die Population zu vergrößern», sagte der Forscher Lai Liangxue vom Institut für Biomedizin und Gesundheit in Guangzhou der Agentur. Die Geburt eines zweiten geklonten Polarwolfs wird in Kürze erwartet.

Die auch Weißwölfe genannten Tiere gehören zur Hundefamilie, leben im Norden Kanadas und in Grönland, sind als Tierart aber nicht bedroht.


Neues aus dem Ausland am Donnerstag

US-Vizepräsidentin Harris und Südkoreas Präsident Yoon verurteilen nordkoreanische Raketentests

SEOUL: US-Vizepräsidentin Kamala Harris hat bei einem gemeinsamen Treffen mit Südkoreas Präsidenten Yoon Suk Yeol in Seoul die jüngsten Raketentests Nordkoreas verurteilt. Beide Politiker hätten besprochen, wie man auf künftige Provokationen Nordkoreas reagieren werde, teilte das Weiße Haus am Donnerstag mit.

UN-Resolutionen verbieten Nordkorea die Erprobung jeglicher Art von ballistischen Raketen, die je nach Bauart auch einen oder mehrere Atomsprengköpfe tragen können. Es handelt sich in der Regel um Boden-Boden-Raketen.

Nach dem knapp eineinhalbstündigen Treffen hat Harris die schwer befestigte Grenze zwischen Süd- und Nordkorea besucht, wo sie sich unter anderem mit mehreren US-Soldaten und ihren Familienangehörigen traf.

Nordkorea hatte nach Angaben des südkoreanischen Militärs am Mittwochabend (Ortszeit) zwei ballistische Kurzstreckenraketen getestet. Zudem soll das Land Berichten zufolge den Abschuss einer ballistischen U-Boot-Rakete vorbereiten. Die Spannungen in der Region haben in diesem Jahr nach mehreren Raketentests durch Nordkorea deutlich zugenommen.


Athen: Türkei hat kein Recht, Griechenland mit Krieg zu drohen

ATHEN: Im Konflikt mit der Türkei hat Griechenland einmal mehr Dialogbereitschaft signalisiert, sich jedoch gegen Drohungen aus Ankara verwahrt. Die Türkei habe das Recht, ihre Intressen auf Basis des Völkerrechts zu verteidigen, hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums am späten Mittwochabend. «Sie hat jedoch kein Recht, das Völkerrecht eklatant zu verletzen und Griechenland mit Krieg, mit casus belli zu drohen.» Griechenland selbst erhebe keine Ansprüche gegen die Türkei.

Zuvor hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwochabend laut staatlicher Nachrichtenagentur Anadolu erneut die Militarisierung griechischer Inseln kritisiert. Drohnenaufnahmen belegten, dass dort gepanzerte Fahrzeuge stationiert seien, was inakzeptabel sei. Er mahnte auch die USA, Griechenland nicht in falsche Berechnungen einzubeziehen und nicht die Manipulation der internationalen öffentlichen Meinung zuzulassen.

Die Militarisierung griechischer Inseln, die schon seit Jahrzehnten besteht, ist von Ankara zuletzt verstärkt thematisiert worden. Der Vertrag von Lausanne (1923) legt fest, dass Inseln wie Lesbos und Samos vor der türkischen Westküste demilitarisiert sein müssen. Griechenland hat dort allerdings bereits seit Beginn des Zypernkonflikts im Jahr 1974 Militär stationiert - zur Selbstverteidigung, wie Athen betont, weil die Türkei an ihrer Westküste zahlreiche Landungsboote stationiert habe. Ankara argumentiert, wegen des Vertragsbruchs durch die Militarisierung könne Griechenland die Souveränität über die betreffenden Inseln verlieren.


Regierungskrise in Katalonien kurz vor Jahrestag von Chaos-Referendum

BARCELONA: Kurz vor dem fünften Jahrestag des chaotischen Referendums über die Unabhängigkeit Kataloniens ist die separatistische Koalitionsregierung in Barcelona in eine schwere Krise geraten. Der linke Regionalregierungschef Pere Aragonès (ERC) entließ am späten Mittwochabend seinen Stellvertreter Jordi Puigneró von der liberalkonservativen JuntsXCat. Er habe das Vertrauen in seinen Stellvertreter verloren, sagte Aragonès in einer kurzen nächtlichen Stellungnahme.

Beide Parteien konkurrieren um dieselbe separatistische Wählerschaft, zu der knapp 50 Prozent der Katalanen gerechnet werden. Was sie entzweit ist die Frage, wie die Unabhängigkeit von Spanien erreicht werden soll. Aragonès plädiert für ein mit der Zentralregierung auszuhandelndes neues Referendum, JuntsXCat will die Unabhängigkeit auch ohne Zustimmung Madrids zu einem Referendum.

Fraglich war, ob JuntsXCat nach dem Rauswurf von Puigneró die Koalition mit ERC beenden würde. In einer ersten Reaktion bezeichnete die Partei die Entlassung als «historischen Fehler», mit dem «die Vereinbarung der Regierung verletzt» und «das Mandat der Wähler missachtet» werde. Eine Entscheidung sollte im Laufe des Donnerstag fallen.

Am 1. Oktober vor fünf Jahren hatte ein illegales Referendum der separatistischen Regionalregierung über eine Abspaltung von Spanien stattgefunden. In der Folge wurde Katalonien von der Zentralregierung zeitweise unter Zwangsverwaltung gestellt. Der damalige Regionalregierungschef Carles Puigdemont und einige Mitstreiter flohen ins Ausland. Andere Separatisten wurden zu langer Haft verurteilt, 2021 allerdings begnadigt.


Tschechien startet Grenzkontrollen zur Slowakei

PRAG: Tschechien hat wegen der zunehmenden Migration auf der Balkanroute mit Grenzkontrollen zur Slowakei begonnen. Polizisten und Zollbeamte bezogen am Donnerstag Station an 27 früheren Grenzübergängen. Auch die sogenannte grüne Grenze wird überwacht. Ziel sei es, den Schleusergruppen klarzumachen, dass es hier ein Hindernis für sie gebe, sagte der tschechische Innenminister Vit Rakusan. Es handele sich um Verbrecher, die Geschäfte mit dem Unglück anderer Menschen machten, betonte der konservative Politiker.

Insgesamt sind rund 500 Polizisten und 60 Zollbeamte an dem Einsatz beteiligt, der mindestens zehn Tage dauern soll. Der Zustrom auf der Balkanroute nach Tschechien und weiter Richtung Westeuropa hatte zuletzt deutlich zugenommen. Seit Anfang des Jahres wurden nach offiziellen Angaben knapp 12.000 sogenannte Transitmigranten erfasst, die ein anderes Zielland angeben. Die meisten von ihnen sollen Syrer sein.

Die tschechische Staatsbahn CD warnte wegen der Kontrollen vor Verspätungen im internationalen Zugverkehr. Der slowakische Ministerpräsident Eduard Heger kritisierte die Entscheidung der Regierung in Prag. «So macht man das nicht», sagte der 46-Jährige. Es sei notwendig, miteinander zu kommunizieren, statt sich gegenseitig zu überraschen. Nach der tschechischen Entscheidung hat auch Österreich mit Kontrollen an der Grenze zur Slowakei begonnen, um Ausweichbewegungen zu verhindern.

Die Grenze zwischen Tschechien und der Slowakei ist rund 250 Kilometer lang. Beide Länder gehören dem grenzkontrollfreien Schengenraum an. Sie bildeten bis zur friedlichen Teilung zum 1. Januar 1993 einen gemeinsamen Staat, die Tschechoslowakei.


Proteste im Iran: Präsident Raisi stimmt versöhnliche Töne an

TEHERAN: Angesichts der andauernden Proteste im Iran hat Präsident Ebrahim Raisi erstmals versöhnliche Töne angestimmt. «Ich habe schon immer gesagt, dass wir unserer Toleranzschwelle bezüglich Kritik und auch Protesten erhöhen sollten», sagte Raisi am Mittwoch. Der Weg dahin ist laut Raisi offen, man könnte im Land dazu auch Zentren für Diskussionen eröffnen. «Auch die Umsetzung der Gesetze könnte reformiert und revidiert werden. Dies würde dem Land sogar nützen», sagte der Kleriker in einem Live-Interview des Staatssenders Irib. Er ließ jedoch offen, welche Gesetze revidiert werden könnten und ob auch islamische Gesetze wie das Kopftuchverbot dazu gehören.

Auslöser der Proteste war der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini. Die Sittenpolizei hatte sie wegen ihres angeblich «unislamischen Outfits» festgenommen. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah ist unklar. Die junge Frau war ins Koma gefallen und am 16. September in einem Krankenhaus gestorben. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe entschieden zurück. Seitdem demonstrieren landesweit Tausende Menschen gegen den repressiven Kurs der Regierung.

Raisi habe umgehend nach Aminis Tod deren Familie kontaktiert und versprochen, eine akribische Untersuchung durch das Innenministerium anzuordnen. «Mir wurde jetzt gesagt, dass der finale Bericht der Gerichtsmedizin schon in den nächsten Tagen fertig sein wird», sagte der Präsident. Danach würden Regierung und Justiz die notwendigen Schritte einleiten.

Raisi betonte aber erneut, dass Proteste nicht zu Ausschreitungen führen dürften. «Die Gefährdung der nationalen Sicherheit ist für uns die Rote Linie, die nicht überschritten werden darf», sagte der 61-Jährige. Die Randale der vergangenen Tage sei von den Feinden des Irans arrangiert worden, um das Land und das islamische System «zum Stillstand zu bringen». Daher würden die Polizeikräfte konsequent gegen die Randalierer vorgehen und die Justiz die vom Ausland angeheuerten Söldner hart bestrafen, warnte der Präsident.


Chinas Ansehen unter Xi Jinping «steil negativer geworden»

PEKING: Das Ansehen Chinas in Deutschland, den USA und anderen entwickelten Ländern hat sich unter Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping drastisch verschlechtert. Nach Umfragen und Daten-Analysen die das Meinungsforschungsinstitut Pew am Donnerstag veröffentlichte, ist in den Industriestaaten die öffentliche Meinung von China in der zehnjährigen Amtszeit von Xi Jinping «steil negativer geworden». Sorgen gebe es vor allem über Chinas Menschenrechtspolitik, militärische Macht und Wirtschaft.

Auf dem nur alle fünf Jahre stattfindenden Kongress der Kommunistischen Partei Chinas, der am 16. Oktober in Peking beginnt, will sich Xi Jinping für eine bislang beispiellose dritte Amtszeit als Parteichef bestätigen lassen. Das Zentralkomitee hatte dem 69-Jährigen bereits im November praktisch ein Mandat für eine andauernde, mögliche lebenslange Führungsrolle erteilt - als erstem Parteiführer seit dem Revolutionär und Staatsgründer Mao Tsetung.

Die Zahl der befragten Deutschen, die «kein Vertrauen» in Xi Jinping haben, stieg von 62 Prozent vor acht Jahren auf 79 Prozent. Vor allem hat sich aber das China-Bild in Deutschland radikal verändert: Hatten 2005 nur 37 Prozent der Deutschen eine negative Meinung von China, verdoppelte sich die Zahl seither auf zuletzt 74 Prozent, wie die Pew-Forscher berichteten.


«Ian» über Florida vom Hurrikan zum Tropensturm herabgestuft

CAPE CORAL: Der Wirbelsturm «Ian» hat sich auf seinem Weg durch den US-Bundesstaat Florida abgeschwächt. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde gelte er nun als Tropensturm, teilte das Hurrikanzentrum am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit) mit. Als Wirbelsturm der Kategorie vier hatte «Ian» am Mittwochnachmittag die Westküste Floridas getroffen und heftige Winde, Regen und Sturmfluten gebracht. Wenige Stunden später war er bereits auf die niedrigste Stärke eins von fünf herabgestuft worden.

Trotz Abschwächung war auf seinem Weg ein breiter Landstreifen heftigen Unwettern ausgesetzt. Am frühen Donnerstagmorgen befand sich der Sturm demnach rund 70 Kilometer südöstlich von Orlando. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Regen durch Straßen peitschte, von Autos nur die Dächer aus den Fluten herausragten und Trümmer durch die Luft flogen. «Ian» gehöre wohl zu den fünf schwersten Hurrikans in Florida, sagte Floridas Gouverneur Ron DeSantis.

Das Zentrum von «Ian» soll im Laufe des Donnerstags zunächst über die Ostküste Floridas abziehen und dann am Freitag auf die Küste des Bundesstaats South Carolina zusteuern.

Am Dienstag war «Ian» als Hurrikan der Kategorie drei von fünf in Kuba auf Land getroffen. In dem Staat mit gut elf Millionen Einwohnern fiel der Strom zeitweise landesweit aus.


Oberstes Gericht künftig von Frauen dominiert

CANBERRA: Der Oberste Gerichtshof von Australien wird künftig erstmals in der Geschichte des Landes von Frauen dominiert. Richterin Jayne Jagot werde Mitte Oktober den in den Ruhestand gehenden Richter Patrick Keane ersetzen, teilte Generalstaatsanwalt Mark Dreyfus am Donnerstag mit. Jagot sei insgesamt die siebte Frau, die an das Oberste Gericht berufen werde.

Präsidentin des Obersten Gerichtshofs mit Sitz in der Hauptstadt Canberra ist seit 2017 Susan Kiefel - die erste Frau, die jemals für diesen Posten nominiert wurde. Das siebenköpfige Gremium besteht damit in Zukunft aus vier Frauen und drei Männern.

Die Berufung Jagots sei unabhängig vom Geschlecht entschieden worden, betonte der Oberstaatsanwalt. «Dies war eine Ernennung der bestmöglichen Person zum High Court of Australia», sagte er. «Richterin Jagot ist eine hervorragende Juristin, sie bringt enorme Erfahrung mit - und sie wurde von sehr, sehr vielen Leuten nominiert, mit denen ich mich beraten habe.»


Schüsse an Schule in Kalifornien - sechs Erwachsene verletzt

OAKLAND: Bei Schüssen auf einem Schulgelände in Oakland im US-Bundesstaat Kalifornien sind sechs Menschen verletzt worden. Zwei der Opfer hätten lebensgefährliche Schusswunden erlitten, teilte Polizei-Chef Darren Allison am Mittwoch (Ortszeit) mit. Die Betroffenen seien 18 Jahre oder älter. Festnahmen gab es den Angaben zufolge zunächst nicht. Die Polizei suche nach mindestens einem Schützen, sagte Allison. Die Hintergründe der Tat waren vorerst unklar. Der Campus mit mehreren Schulen war nach dem Vorfall abgeriegelt worden.

Derartige Waffengewalt an einer Schule «erschüttert die Seele», schrieb die Bürgermeisterin von Oakland, Libby Schaaf, auf Twitter. Schulen sollten sichere Zufluchtsorte für Kinder sein. Der «unkontrollierte Zugriff auf Waffen» in den USA sei unentschuldbar. Schusswaffen sind in den Vereinigten Staaten verhältnismäßig leicht zu bekommen.

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