Neues aus dem Ausland am Donnerstag

Neues aus dem Ausland am Donnerstag

Krawalle vor Jahrestag der Studenten-Entführung

MEXIKO-STADT: Kurz vor dem achten Jahrestag der Entführung von 43 Studenten in Mexiko haben sich Demonstranten und Polizisten heftige Auseinandersetzungen geliefert. Vor dem Sitz der Generalstaatsanwaltschaft in Mexiko-Stadt schleuderten Vermummte am Donnerstag Steine und Sprengsätze auf die Beamten, wie die Zeitung «El Universal» berichtete. Mindestens elf Polizisten wurden dabei verletzt. Zuvor hatte eine größere Gruppe aus Studenten und Angehörigen der Opfer friedlich für eine Aufklärung des Kriminalfalls demonstriert.

Korrupte Polizisten hatten die Studenten des Lehrerseminars Ayotzinapa in der südlichen Stadt Iguala in der Nacht zum 27. September 2014 verschleppt und dem Verbrechersyndikat Guerreros Unidos übergeben. Die Hintergründe der Tat sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Laut dem Bericht einer Wahrheitskommission wurden wohl alle getötet. Bislang wurden allerdings nur Knochenfragmente von drei der jungen Männer gefunden und identifiziert.


Hurrikan «Fiona» nimmt Kurs auf Bermuda und Kanada

HAMILTON: Als Hurrikan der zweitstärksten Kategorie hat sich der Wirbelsturm «Fiona» Bermuda genähert. Das Sturmzentrum werde in der Nacht (Ortszeit) nah an dem britischen Überseegebiet vorbeiziehen und sich am Freitag auf Kanada zubewegen, sagte das US-Hurrikanzentrum NHC am Donnerstag voraus. «Fiona» werde sich voraussichtlich bis dahin leicht abschwächen, aber als großer, kräftiger Wirbelsturm mit Hurrikan-Stärke über die kanadische Provinz Nova Scotia ziehen. Mit anhaltenden Windgeschwindigkeiten von bis zu 215 Stundenkilometern handelte es sich am Donnerstag, wie schon am Vortag, um einen Hurrikan der Stärke vier von fünf.

Noch als Kategorie-Eins-Hurrikan war «Fiona» am Sonntag in Puerto Rico auf Land getroffen und hatte Überschwemmungen und schwere Schäden angerichtet - Gouverneur Pedro Pierluisi nannte das Ausmaß der Zerstörung «katastrophal». Es kam zu einem kompletten Stromausfall in dem karibischen US-Außengebiet. Selbst am Donnerstag waren bei brütender Hitze nach Angaben des Stromanbieters Luma Energy noch immer 68 Prozent der Kunden ohne Strom und laut Wasserbehörde knapp 33 Prozent ohne Wasser. Auch in der Dominikanischen Republik verursachte der Sturm Überschwemmungen, Schäden und nach Medienberichten mindestens zwei Todesfälle.

Puerto Ricos Infrastruktur war fünf Jahre nach dem verheerenden Hurrikan «Maria» mit fast 3000 Todesopfern ohnehin noch geschwächt und wurde nun abermals schwer getroffen. US-Präsident Joe Biden sagte am Donnerstag eine einmonatige, vollständige Kostenübernahme der US-Regierung für die Beseitigung von Trümmern, Such- und Rettungsmaßnahmen, die Wiederherstellung der Versorgung mit Strom und Wasser sowie für Unterkünfte und Lebensmittel zu. «Wir werden den Menschen in Puerto Rico jetzt und so lange beistehen, bis dies erledigt ist», sagte er in einer Schalte mit Pierluisi. Das Katastrophenmanagement von Bidens Amtsvorgänger Donald Trump im Nachgang des Hurrikans «Maria» war stark kritisiert worden.


Italiens Rechts-Parteien auf Abschlussevent in Rom: «Sind bereit!»

ROM: Italiens Rechts-Parteien haben drei Tage vor der Wahl noch einmal Geschlossenheit demonstriert. Mit populistischen Parolen stachelte dabei am Donnerstagabend vor allem Giorgia Meloni Tausende Anhänger in Rom auf. «Wir sind bereit!», rief die Parteichefin der nationalistischen Fratelli d'Italia und mögliche nächste Ministerpräsidentin von der Bühne. «Italien hat keine Angst», behauptete sie und bezog sich dabei auf Sorgen aus dem Ausland vor einer extrem rechten Regierung in dem Mittelmeerland. Am Sonntag wählt Italien sein neues Parlament.

Meloni und ihre Fratelli dürften laut allen Umfragen die stärkste Einzelpartei werden, dem Rechtsblock winkt die absolute Mehrheit im neuen Parlament. Zur Koalition gehören noch die rechtspopulistische Lega von Ex-Innenminister Matteo Salvini, die konservative Forza Italia des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi und ein kleines Bündnis moderater Gruppen. Dass Meloni die Anführerin der Allianz ist, zeigte sich beim Event auf der Piazza del Popolo - Berlusconi und Salvini wirkten nur wie Statisten für die gebürtige Römerin.

Dabei hatte Salvini ähnlich wie Meloni mit rechten Parolen um sich geworfen, etwa vom harten Kampf gegen Kriminalität und Einwanderung bis hin zur Ablehnung von Familien mit homosexuellen Elternpaaren oder den Abgaben für den öffentlich-rechtlichen Rundfunksender Rai. Alle Redner attackierten die Sozialdemokraten und deren Mitte-Links-Bündnis, das laut Umfragen weit zurückliegt, scharf. Meloni schimpfte über eine «extremistische, zornige, gewalttätige Linke».

Für Aufsehen hatte davor ein Vorfall aus Mailand gesorgt. Dort war ein Regionalpolitiker der Fratelli gefilmt worden, wie er bei der Beerdigung eines früheren Rechtsextremen den sogenannten römischen Gruß zeigte, den aus dem Faschismus bekannten ausgestreckten Arm. Der Politiker ist der Bruder von Ignazio La Russa, dem Mitbegründer von Fratelli d'Italia. «Ich bin stinksauer», sagte dieser in einem TV-Interview, «und zwar wegen der Sache an sich, aber auch wegen der völlig übertriebenen Art und Weise, wie mit diesem Gruß umgegangen wird, den sich ein Toter gewünscht hat.» Lega-Chef Salvini bemerkte angesprochen auf den Vorfall: «Das hätte er sich sparen können.»


USA kündigen Hunderte Millionen Dollar für Venezolaner an

WASHINGTON: Angesichts der humanitären Krise in Venezuela haben die USA Hilfen von fast 367 Millionen US-Dollar für die Region angekündigt.

Mit dem Geld sollen die von größter Not betroffenen Venezolaner im Land sowie die rund 6,8 Millionen Flüchtlinge und ihre Aufnahmeländer in der Region unterstützt werden, teilte das US-Außenministerium am Donnerstag in Washington mit. Das Geld soll etwa zur Bereitstellung von Lebensmitteln, Notunterkünften und Medikamenten verwendet werden. Auch soll es dabei helfen, den Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen zu verbessern. Die Gesamtsumme der US-Hilfen für die Region hat sich nach US-Angaben damit seit 2017 auf 2,7 Milliarden US-Dollar erhöht.


Terrorverdächtige auf Island festgenommen

REYKJAVIK: Die Polizei hat auf Island einen möglichen Terroranschlag vereitelt. Wie die Polizei am Donnerstag bekanntgab, nahmen Spezialkräfte am Mittwoch vier Männer im Raum der Hauptstadt Reykjavik fest. Dabei fanden sie Dutzende Waffen sowie viel Munition. Die Gefahr sei abgewendet worden, sagte der Polizeivertreter Karl Steinar Valsson.

Wie der isländische Rundfunksender RÚV berichtete, handelte es sich um den ersten Anti-Terror-Einsatz dieser Art überhaupt auf der Nordatlantik-Insel. Die Festgenommenen sind demnach Isländer im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Sie stehen im Verdacht, einen Terrorangriff gegen die Öffentlichkeit und staatliche Institutionen - mutmaßlich das Parlament und die Polizei - geplant zu haben. Außerdem sollen sie mit Hilfe von 3D-Druckern Waffen zum Verkauf hergestellt haben. Zwei von ihnen befinden sich nach RÚV-Angaben in Gewahrsam, die anderen beiden kamen auf freien Fuß.


Kuleba: Putin hat mit Teilmobilisierung Niederlage eingestanden

NEW YORK: Mit der angekündigten Teilmobilisierung hat Kremlchef Wladimir Putin nach Ansicht des ukrainischen Außenministers Dmytro Kuleba die Niederlage Russlands eingestanden.

«Putin hat die Mobilisierung angekündigt, aber was er wirklich vor der ganzen Welt angekündigt hat, war die Niederlage», sagte Kuleba am Donnerstag in New York vor dem UN-Sicherheitsrat. «Du kannst 300.000 oder 500.000 Menschen einziehen, aber du wirst diesen Krieg nie gewinnen.» Jeder einzelne Ukrainer stünde bereit, sein Land zu verteidigen, sagte er.


Rotterdamer Zollfahnder finden Kokain für 166 Millionen Euro

ROTTERDAM: Niederländische Zollfahnder haben im Hafen von Rotterdam an nur zwei Tagen Kokain im Verkaufswert von 166 Millionen Euro sichergestellt. Rund 700 Kilogramm der Drogen mit einem Marktwert von etwa 52 Millionen Euro waren in einem Container mit Bananen-Püree aus Costa Rica versteckt worden, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte. Die Ermittler hatten den Angaben zufolge zuvor einen Tipp der US-Antidrogenbehörde DEA bekommen.

Bereits am Dienstag hatten die Fahnder bei einer Kontrolle zwei Ladungen Kokain mit dem Verkaufswert von insgesamt 114 Millionen Euro sichergestellt. Die erste Ladung von 450 Kilogramm war in einem Container mit Dosen-Spargel aus Peru versteckt. Etwas später war eine zweite Ladung von 1077 Kilogramm in einem Container mit Gitarren aus Südamerika gefunden worden.

Die Unternehmen, an die die entsprechenden Container geliefert werden sollten, haben nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wahrscheinlich nichts mit dem Drogenschmuggel zu tun. Die Ermittler denken, dass das Kokain in Südamerika in die Container geschmuggelt worden war. Die Drogen sollten dann vermutlich von Handlangern in Rotterdam aus dem Containern geholt werden.


Irans Präsident kommt wegen fehlendem Kopftuch nicht zu CNN-Interview

NEW YORK: Irans Präsident Ebrahim Raisi ist bei seinem Besuch in New York nicht zu einem Interview gegangen, weil eine CNN-Journalistin kein Kopftuch tragen wollte. «Nach wochenlanger Planung und acht Stunden Aufbau von Übersetzungsgeräten, Licht und Kameras waren wir bereit. Aber keine Spur von Präsident Raisi», schrieb die Journalistin Christiane Amanpour am Donnerstag auf Twitter.

«40 Minuten nach dem geplanten Beginn des Gesprächs kam ein Berater zu mir. Der Präsident, sagte er, schlug vor, dass ich ein Kopftuch trage», schrieb Amanpour weiter. «Ich habe höflich abgelehnt. Wir sind in New York, wo es keine Gesetze oder Traditionen in Bezug auf Kopftücher gibt. Ich wies darauf hin, dass kein früherer iranischer Präsident dies verlangt hat, wenn ich ihn außerhalb des Irans interviewt habe.»

Präsident Raisi ist erstmals seit Beginn seiner Amtszeit in die USA gereist. Dort sprach er am Mittwoch vor der UN-Vollversammlung.

Im Iran gehen derzeit zahlreiche Menschen nach dem Tod der 22 Jahre alten Iranerin Mahsa Amini auf die Straße. Sie wurde vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah, ist unklar. Jedenfalls fiel sie ins Koma und starb am Freitag in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück.


US-Regierung verhängt Sanktionen gegen Irans Moralpolizei

WASHINGTON: Die US-Regierung verhängt nach dem Tod einer jungen Frau im Iran Sanktionen gegen die Moralpolizei und hochrangige Sicherheitsbeamte. Die Moralpolizei sei verantwortlich für Gewalt gegen iranische Frauen und verletze die Rechte friedlicher Demonstranten, teilte das US-Finanzministerium am Donnerstag mit. Von den Maßnahmen seien auch hochrangige Führungskräfte verschiedener Sicherheitsorganisationen des Landes betroffen - darunter der Leiter der Moralpolizei. Diese Beamten beaufsichtigen dem Ministerium zufolge Organisationen, die routinemäßig Gewalt anwenden, um friedliche Demonstranten und Mitglieder der iranischen Zivilgesellschaft zu unterdrücken.

Bei den jüngsten Protesten und Unruhen in Dutzenden Städten des Irans kamen mehrere Menschen ums Leben. Unter den Opfern seien sowohl Sicherheitskräfte als auch Demonstranten, berichtete das Staatsfernsehen. Auslöser der Proteste ist der Tod der 22 Jahre alten Mahsa Amini im iranischen Polizeigewahrsam. Sie wurde vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah, ist unklar. Sie fiel ins Koma und starb am Freitag in einem Krankenhaus.

Die US-Regierung verurteile diesen «skrupellosen Akt» auf das Schärfste und fordere die iranische Regierung auf, die Gewalt gegen Frauen und die anhaltende gewaltsame Unterdrückung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu beenden, erklärte US-Finanzministerin Janet Yellen. Als Folge der Sanktionen wird etwaiger Besitz der Betroffenen in den USA eingefroren, US-Staatsbürgern werden Geschäfte mit ihnen untersagt.


Großer Andrang auf Kricket-Tickets - 20 Verletzte

NEU DELHI: In Indien sind bei einem Massenandrang auf Tickets für ein Kricket-Spiel gegen Australien nach Medienberichten rund 20 Menschen verletzt worden. Sieben seien am Donnerstag in ein Krankenhaus gebracht worden, berichtete «The Hindu» unter Berufung auf einen Krankenhausvertreter. Demnach wollten rund 30.000 Fans beim Verkauf in der Stadt Hyderabad eines der nur 3000 Tickets für das Spiel am Sonntag ergattern.

Um die Menschenmenge unter Kontrolle zu bringen, hätten Polizisten Schlagstöcke eingesetzt. Bei dem Spiel habe es keinen Online-Verkauf gegeben. Kricket ist in der ehemaligen britischen Kolonie Indien etwa so wichtig wie Fußball in Deutschland.


Zweitägige Kommunal- und Senatswahlen beginnen

PRAG: In Tschechien beginnen am Freitag zweitägige Kommunal- und Teilsenatswahlen. Die Bürgerinnen und Bürger können ihre Stimme von 14.00 Uhr bis 22.00 Uhr und auch noch am Samstag abgeben. Entschieden wird über die Zusammensetzung der mehr als 6000 Stadt- und Gemeinderäte in dem EU- und Nato-Mitgliedstaat. Gleichzeitig werden in einem Drittel der 81 Wahlkreise zum Senat die Sitze im Oberhaus des Parlaments neu bestimmt. Die zweite Runde findet dabei eine Woche später statt.

Die Abstimmung auf kommunaler Ebene gilt auch als Stimmungsbarometer für die Regierung. Das Kabinett unter dem liberalkonservativen Ministerpräsidenten Petr Fiala ist seit Dezember an der Macht. Es war zuletzt wegen der hohen Energiepreise unter Druck geraten. In der Hauptstadt Prag stellt die ebenfalls in der Regierung vertretene Piratenpartei mit Zdenek Hrib seit 2018 den Oberbürgermeister.

Aufgrund des komplizierten Auszählungsverfahrens wird erst am Sonntag mit aussagekräftigen Ergebnissen gerechnet. Die Beteiligung war bei der letzten Kommunalwahl vor vier Jahren mit 47,34 Prozent eher schwach.


Dieb in England stiehlt Auto - samt Kleinkind

QUARRINGTON HILL: Den Alptraum jeder Familie haben Eltern in England erlebt. Ihr Auto mitsamt einem angeschnallten zweijährigen Mädchen auf dem Rücksitz wurde vor ihrer Nase von einem Dieb gestohlen, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Der Wagen parkte am Mittwochabend mit laufendem Motor vor dem Haus von Verwandten im nordostenglischen Dorf Quarrington Hill, während die Familie Einkäufe auslud. Da stoppte ein anderes Auto, ein Mann sprang heraus, kletterte in den Familienwagen und brauste los. Ein Familienmitglied hatte am Auto gestanden, konnte den Diebstahl aber nicht verhindern.

Glücklicherweise wurde das gestohlene Fahrzeug bald darauf einige Kilometer entfernt gefunden - dem Kind war nichts passiert. Allerdings fehlt bisher die Katze der Familie, die ebenfalls im Auto gesessen hatte. Nach dem Dieb und seinen Komplizen werde gefahndet, teilte die Polizei weiter mit.


Journalistin und Aktivist im Iran festgenommen

TEHERAN: Im Iran sind bei den schweren Protesten eine Journalistin und ein Aktivist festgenommen worden. Bei der Journalistin handelt es sich um Nilufar Hamedi von der Reformzeitung «Shargh», wie das iranische Onlineportal Emtedad am Donnerstag unter Berufung auf ihren Anwalt berichtete. Außerdem sei der Autor und Aktivist Hamidresa Dschalaipur vom Geheimdienst aufgegriffen worden. Er befinde sich im berüchtigten Ewin-Gefängnis in der Hauptstadt Teheran.

Auslöser der Proteste ist der Tod der 22 Jahre alten Iranerin Mahsa Amini. Sie wurde vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah, ist unklar. Jedenfalls fiel sie ins Koma und starb am Freitag in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück. Seitdem demonstrieren landesweit Tausende Menschen gegen den repressiven Kurs der Regierung.


Sechs vermisste Migranten in der Ägäis - Dutzende gerettet

ATHEN: Vor der griechischen Insel Leros ist am Donnerstag ein Schlauchboot mit Migranten an Bord gekentert. Während 49 Menschen sich an Land retten konnten, werden ersten Erkenntnissen nach sechs Insassen vermisst. Die Küstenwache suchte mit Patrouillenbooten nach ihnen, auch ein Flugzeug der europäischen Grenzschutzagentur Frontex war im Einsatz. Die Menschen sollen von der türkischen Küste aus gestartet sein. In der Region herrschten am Donnerstag starke Winde.

Zuvor waren am Vormittag westlich der Halbinsel Peloponnes 86 Migranten von einem in Seenot geratenen Boot gerettet worden. Wie der staatliche Rundfunk unter Berufung auf die Küstenwache berichtete, waren alle Passagiere wohlauf. Sie sollten zum südgriechischen Hafen Kalamata gebracht werden. Aus welchen Staaten sie stammen, war zunächst unklar.

Im Mittelmeer südlich von Kreta und der Halbinsel Peloponnes wurden zuletzt immer häufiger Migranten in Booten aufgegriffen. Schleuser versuchen, sie von der türkischen Ägäisküste oder auch aus anderen Staaten im Osten des Mittelmeers auf einer langen, gefährlichen Route an Griechenland vorbei direkt nach Süditalien zu bringen. Dabei kommt es immer wieder zu Unglücken, Havarien und auch Todesopfern. Wie viele Menschen in diesem Jahr auf der Strecke gestorben sind, ist nicht bekannt.


US-Justizministerium darf Trump-Dokumente weiter auswerten

WASHINGTON: Im Streit um die Auswertung der im Anwesen des Ex-Präsidenten Donald Trump beschlagnahmten Geheimunterlagen hat das US-Justizministerium einen wichtigen Erfolg erzielt. Ein Bundesgericht entschied am Mittwochabend (Ortszeit), dass die Ermittler die Dokumente für ihre Arbeit weiterhin verwenden dürfen. Sie untersuchen, ob Trump mit der Aufbewahrung mehrerer teils als streng geheim eingestufter Unterlagen in seiner privaten Villa nach seiner Amtszeit gegen das Gesetz verstoßen hat.

Das Bundesgericht hob damit die Entscheidung eines Gerichts im US-Bundesstaat Florida aus unterer Instanz auf. Das hatte den Ermittlern die Verwendung der als geheim gekennzeichneten Dokumenten untersagt, solange sich der in dem Fall eingesetzte neutrale Prüfer, Raymond Dearie, mit den Unterlagen beschäftigt. Das US-Justizministerium erhob gegen die Entscheidung Einspruch, weil es eine Verzögerung der Ermittlungen befürchtete.

Das Bundesgericht teilte weiter mit, dass es für Trumps wiederkehrende Behauptung, die Geheimhaltung der Dokumente rechtzeitig aufgehoben zu haben, keine Belege gebe. In einem Interview mit Fox News am Mittwochabend (Ortszeit) behauptete Trump, ein US-Präsident könne geheime Dokumente einfach freigeben, in dem er es sage - oder sogar nur darüber nachdenke. Tatsächlich gibt es für die Freigabe von Dokumenten ein formelles Verfahren mit mehreren hochoffiziellen Schritten.

Die Untersuchung von Trumps Umgang mit geheimen Regierungsunterlagen ist nur eines von vielen juristischen Problemen, mit denen sich der Ex-Präsident derzeit konfrontiert sieht. Mit der New Yorker Zivilklage, die am Mittwoch gegen Trump und seine Angehörigen wegen Betrugs erhoben wurde, haben die Ermittlungen nichts zu tun. Anfang August hatte die Bundespolizei FBI Trumps Anwesen in Palm Beach im US-Bundesstaat Florida durchsucht.


Schüler bei Einsturz einer Theater-Holztreppe in Rom verletzt

ROM: Beim Einsturz einer Außentreppe eines Theaters sind in Rom mehrere Schüler verletzt worden. Ein Teil eines Holzgerüstes des Globe Theatre in dem beliebten Park Villa Borghese krachte am Donnerstag am Ende einer Schülerveranstaltung zusammen. Wie Bürgermeister Roberto Gualtieri berichtete, wurden dabei sieben Jugendliche und fünf Erwachsene verletzt und in Kliniken gebracht.

Gualtieri sagte bei einem Besuch vor Ort, dass sich ersten Erkenntnissen nach die Treppe aus der Verankerung gelöst habe. «Das ist ein schlimmer Vorfall», sagte er.

«Wir sind nach der Vorstellung nach draußen gegangen, und dann hat die Treppe nachgegeben», berichtete eine Lehrerin der Zeitung «La Repubblica». «Die Schüler sind zwischen den Balken drei Meter nach unten gestürzt, vom dritten in den zweiten Stock.»


Israel erhöht Zahl der Genehmigungen für Arbeiter aus Gazastreifen

TEL AVIV: Israel will mehr palästinensischen Arbeitern aus dem Gazastreifen die Einreise erlauben. Die Zahl werde um weitere 1500 Genehmigungen erhöht, teilte die zuständige Behörde Cogat am Donnerstag mit. Die Entscheidung sei nach einer Bewertung der Sicherheitslage getroffen worden und trete nächste Woche nach dem jüdischen Neujahrsfest (Rosch Haschana) in Kraft.

Mit den zusätzlichen Arbeitsgenehmigungen sind insgesamt 17.000 Palästinenser aus dem Gazastreifen berechtigt, zur Arbeit nach Israel zu reisen. Israel will mit wirtschaftlichen Anreizen mehr Sicherheit in der Region schaffen. Rund die Hälfte der 2,2 Millionen Menschen im Gazastreifen ist arbeitslos.


Breakthrough-Preis geht nach Dresden an Zellbiologen Hyman

NEW YORK/DRESDEN: Für seine grundlegenden Erkenntnisse zur Funktion von Zellen erhält der in Dresden arbeitende Brite Anthony Hyman den Breakthrough-Preis 2023. Seine Forschungsergebnisse könnten auch für die Entwicklung einer Alzheimer-Therapie wichtig werden. Hyman teilt sich die Auszeichnung im Wert von drei Millionen Dollar (drei Millionen Euro) mit Clifford Brangwynne von der Princeton University (USA), wie die Breakthrough-Preis-Stiftung am Donnerstag in New York mitteilte. Das Team habe gezeigt, wie Moleküle in der Zellflüssigkeit winzige Tröpfchen bilden, dort geordnet zusammenarbeiten und sich wieder trennen. Wenn dieser Prozess schieflaufe, könne dies zu Alzheimer, ALS (Amyotropher Lateralsklerose) und anderen neurodegenerativen Krankheiten führen.

Hyman wurde 1998 einer der vier Gründungsdirektoren des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden und ist derzeit sein Geschäftsführender Direktor. Der 60-Jährige hat in diesem Jahr bereits den Körber-Preis erhalten. Er wurde in Haifa (Israel) geboren, studierte in England, arbeitete danach in den USA und von 1993 bis 1997 in Heidelberg.

Die Breakthrough-Preise 2023 werden an insgesamt fünf Teams vergeben, dreimal in Lebenswissenschaften und je einmal in Physik und Mathematik. Zudem gibt es Auszeichnungen für Jungforscher. Unter den Preisträgern 2023 sind auch Demis Hassabis und John Jumper von dem Unternehmen DeepMind. Sie haben ein Programm entwickelt, mit denen sich die dreidimensionalen Strukturen von Proteinen mit hoher Genauigkeit errechnen lassen. Das Programm reduziert laut Stiftung die Zeit, die Forscher normalerweise für die Bestimmung der Proteinstruktur brauchen, «von Monaten oder Jahren auf Stunden oder Minuten».

Der Breakthrough-Preis wird seit 2013 verliehen. Zu den früheren Preisträgern gehörten der Astrophysiker Stephen Hawking und das Team, das das erste Bild eines Schwarzen Lochs aufgenommen hatte.


Markus Krah wird Direktor des Leo Baeck Instituts

BERLIN: Das in Berlin und New York ansässige Leo Baeck Institut bekommt einen neuen Direktor: Der Religionswissenschaftler Markus Krah übernimmt das Amt zum 1.

Oktober von William Weitzer, der in den Ruhestand geht. Das Institut widmet sich der Geschichte des deutschsprachigen Judentums. Es verfügt nach eigenen Angaben über eine der bedeutendsten Quellen- und Forschungssammlungen zum jüdischen Leben in Mitteleuropa vor dem Holocaust. Krah war früher Journalist bei der Nachrichtenagentur Reuters und promovierte dann am Jewish Theological Seminary in New York. Zuletzt war Krah Dozent für jüdische Religions- und Geistesgeschichte an der Universität Potsdam, wie das Leo Baeck Institut am Donnerstag weiter mitteilte.


C-Klasse: Mercedes-Benz ruft mehr als 100.000 Fahrzeuge zurück

STUTTGART: Mercedes-Benz ruft weltweit etwas mehr als 100.000 Limousinen der C-Klasse zurück. Davon seien vermutlich 10.254 Fahrzeuge in Deutschland betroffen, teilte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in seiner Datenbank mit. Es gehe um Fahrzeuge aus dem Produktionszeitraum von Oktober 2020 bis Juni 2022, teilte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage in Stuttgart mit.

Der Autobauer habe festgestellt, dass Feuchtigkeit in das Signalerfass- und Ansteuermodul (SAM) eindringen könnte, sofern Wasser in den Kofferraum gelangen sollte. Durch einen möglichen Kurzschluss könnten verschiedene Fehlfunktionen auftreten. «Unter anderem könnte die Außenbeleuchtung am Fahrzeugheck ausfallen, die Fondsitzlehnen könnten unmotiviert entriegeln sowie die Rückfahrkamera nicht zur Verfügung stehen», teilte der Sprecher mit. Laut KBA könne auch Brandgefahr nicht ausgeschlossen werden.

Als vorsorgliche Maßnahme werde bei den betroffenen Fahrzeugen eine Abdeckung über dem SAM nachgerüstet, um das mögliche Eindringen von Wasser zu verhindern, so der Sprecher. Der nötige Werkstattaufenthalt dauere etwa eine Stunde. Mercedes-Benz werde die Kunden schriftlich benachrichtigen, diese sollten umgehend einen Termin vereinbaren.


Ungarn verstößt mit Asylregeln gegen EU-Recht

LUXEMBURG: Ungarn verstößt nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs mit einer weiteren Asylregel gegen EU-Recht. Die Richter in Luxemburg entschieden am Donnerstag, dass das Informationsrecht Schutzsuchender, die eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen, in dem Land unrechtmäßig eingeschränkt werde (Rechtssache C-159/21). Der EuGH hat in früheren Urteilen bereits wesentliche Teile des ungarischen Asylsystems gekippt.

Hintergrund der aktuellen Entscheidung ist der Fall eines Syrers, dem in Ungarn der Status als Flüchtling aberkannt wurde. Grund dafür war die nicht begründete Einschätzung zweier Behörden, wonach der Betroffene die nationale Sicherheit gefährde. Der Mann klagte gegen die Entscheidung, woraufhin ein ungarisches Gericht den EuGH anrief.

Das höchste EU-Gericht befand nun, dass es in einem Fall wie diesem nicht rechtens sei, dass der Betroffene oder sein Rechtsberater nur nachträglich und nach Genehmigung Zugang zu Informationen erhielten, deren Offenlegung die nationale Sicherheit des Landes gefährden würde, und ihnen nicht einmal die Gründe für die fragliche Entscheidung genannt würden. Zudem dürfe sich die zuständige Asylbehörde bei ihrer Entscheidung nicht allein auf eine unbegründete Stellungnahme anderer Behörden verlassen.


15-Jähriger vor Schule in England erstochen - 16-Jähriger verdächtig

HUDDERSFIELD: Direkt vor einer Schule ist in England ein 15-jähriger Junge erstochen worden. Ein 16 Jahre alter Verdächtiger sei am frühen Donnerstagmorgen festgenommen worden, teilte die Polizei in der Stadt Huddersfield mit. Gegen ihn werde wegen Mordes ermittelt. In Großbritannien kommt es immer wieder zu tödlichen Messerattacken auf Teenager. Oft sind andere Jugendliche die Täter, es geht um Bandenkriege und Drogen. Der tödliche Angriff am Mittwochnachmittag sorgte allerdings landesweit für besonderes Aufsehen, weil zu der Zeit viele Eltern ihre Kinder abholten.

Schuldirektor Andrew Fell sprach in einer Mitteilung an die Eltern von einer «schockierenden Nachricht für unsere Schüler, Ihre Kinder und unsere Mitarbeiter». Die Schule öffnete am Donnerstag später und nur für diejenigen, die psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen wollten.


Erneut Erdbeben - Zwei Tote mitten in der Nacht

MEXIKO-STADT: Wenige Tage nach einem heftigen Erdbeben in Mexiko hat ein Nachbeben mitten in der Nacht zwei weitere Menschenleben gefordert. Das sagte Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit) in einer kurzen Videoansprache auf Twitter. Bereits am Montag waren bei einem Erdbeben der Stärke 7,7 zwei Menschen gestorben.

Das Zentrum des jüngsten Bebens der Stärke 6,9 lag an der Pazifikküste im Bundesstaat Michoacán, wie das nationale Seismologische Institut mitteilte. Die US-Behörde USGS gab die Stärke mit 6,8 an. Das Nachbeben überraschte die Menschen um 01.06 Uhr Ortszeit, als die meisten bereits schliefen.

Nach dem Erdbeben vom Montag - genau am Jahrestag der starken Beben von 2017 und 1985 - registrierte das Seismologische Institut mehr als 1200 Nachbeben, die in mehreren Bundesstaaten zu spüren waren.

Mexiko sowie die ganze Westküste Süd-, Mittel- und Nordamerikas liegen auf dem Pazifischen Feuerring. Das ist die geologisch aktivste Region der Welt. Dort ereignen sich 90 Prozent aller Erdbeben weltweit.


Volkszählung: Erstmals mehr Katholiken als Protestanten in Nordirland

BELFAST: Erstmals in der 101-jährigen Geschichte von Nordirland leben mehr Katholiken als Protestanten in der britischen Provinz. In einer Volkszählung von 2021 bezeichneten sich 45,7 Prozent der knapp 1,9 Millionen Einwohner als katholisch oder katholisch erzogen, wie das Statistikamt in Belfast am Donnerstag mitteilte. Das war ein knappes Plus von 0,7 Prozentpunkten im Vergleich zum Zensus vor zehn Jahren. Allerdings sank die Zahl der Menschen, die sich als protestantisch oder protestantisch erzogen verstehen, deutlich von 48 Prozent auf 43,5 Prozent. Keiner Religion zugehörig fühlen sich 9,3 Prozent, 2011 waren es 5,6 Prozent.

Religion war ein entscheidender Faktor im jahrzehntelangen nordirischen Bürgerkrieg mit Tausenden Toten. So unterstützen vornehmlich Protestanten die Union mit Großbritannien, während sich vor allem Katholiken für die Wiedervereinigung mit dem EU-Mitglied Republik Irland aussprechen. Experten hatten wiederholt darauf hingewiesen, dass die Zahl der Katholiken deutlich zunehme. Bei der Regionalwahl im Mai hatte mit Sinn Fein erstmals eine katholisch-unionistische Partei die meisten Stimmen erhalten. Wie die Volksabstimmung weiter ergab, bezeichnen sich allerdings etwas mehr Menschen als britisch denn als irisch (31,9 bzw. 29,1 Prozent).

Seit dem Brexit ist Nordirland verstärkt in den Fokus gerückt. Die EU und Großbritannien hatten damals Sonderregeln vereinbart, um eine harte Grenze zwischen der Provinz und Irland zu verhindern. Die Folge waren aber Handelsschwierigkeiten zwischen Nordirland und Großbritannien. London will das Abkommen deshalb aufkündigen. Wie die Zeitung «Guardian» berichtete, will die britische Regierung den Konflikt bis April gelöst haben. Dann könnte US-Präsident Joe Biden, der irische Wurzeln hat und das britische Vorgehen scharf kritisiert, anlässlich des 25. Jahrestags des Karfreitagsabkommens zum Staatsbesuch ins Vereinigte Königreich reisen, hieß es.


EuGH stärkt Urlaubsanspruch bei Verjährung

LUXEMBURG: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat den Urlaubsanspruch von Arbeitnehmern gestärkt. Das höchste EU-Gericht entschied in drei Fällen aus Deutschland, dass der Anspruch auf Urlaub in bestimmten Fällen doch nicht verfällt. Entscheidend ist demnach, ob der Arbeitgeber seinen Teil dazu beigetragen und beispielsweise darauf hingewiesen hat, dass der Urlaub bald verfällt. Das teilten die Richter am Donnerstag in Luxemburg mit. (C-120/21; C-518/20; C-727/20)

Zwei der Fälle drehten sich um den Urlaubsanspruch bei Krankheit. Die Kläger machten geltend, dass sie einen Anspruch auf bezahlten Urlaub für das Jahr haben, in dem sie aus gesundheitlichen Gründen erwerbsgemindert beziehungsweise arbeitsunfähig waren. Bei Krankheit verfällt der Urlaubsanspruch nach deutschem Recht normalerweise nach 15 Monaten. Dies gelte aber nur, wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer rechtzeitig in die Lage versetzt habe, seinen Urlaub zu nehmen, so die Luxemburger Richter.

Im dritten Fall konnte die Klägerin ihren Urlaub nach eigener Aussage wegen des hohen Arbeitsaufwands nicht nehmen und forderte eine Abgeltung der Urlaubstage. Ihr Arbeitgeber argumentierte, dass der Anspruch verjährt sei wegen der üblichen zivilrechtlichen Verjährungsfrist von drei Jahren. Auch in diesen Fällen muss der Arbeitgeber dem EuGH zufolge aber dafür sorgen, dass der Arbeitnehmer seinen Urlaubsanspruch tatsächlich wahrnehmen kann.


Zehn Tote bei Angriff auf Bar

TARIMORO: Bei einem bewaffneten Überfall auf eine Bar in Zentralmexiko sind Medienberichten zufolge mindestens zehn Menschen erschossen worden. Zwei weitere wurden am Mittwochabend (Ortszeit) bei der Attacke in der Stadt Tarimoro im Bundesstaat Guanajuato verletzt, wie die Zeitung «El Universal» und andere Medien unter Berufung auf die Polizei schrieben. Der Gouverneur Diego Sinhue bestätigte die Tat auf Twitter - ohne genaue Angaben zu Todesopfern.

Unbekannte Angreifer fuhren den Berichten zufolge in mehreren Autos vor und eröffneten das Feuer in der Bar. Neun Menschen starben demnach am Tatort, eine weitere Person erlag auf dem Weg ins Krankenhaus ihren Verletzungen. Die Hintergründe sind noch unklar. In Guanajuato stehen sich die Drogenkartelle Santa Rosa de Lima und Jalisco Nueva Generación gegenüber. Immer wieder kommt es zu Angriffen mit Todesopfern.

Mexiko erlebt eine Spirale der Gewalt. Es gibt zahlreiche Drogenkartelle und andere kriminelle Gruppen, die oft Verbindungen zu korrupten Politikern und Sicherheitskräften haben und um Kontrolle über Gebiete kämpfen. Im vergangenen Jahr wurden in dem nordamerikanischen Land mit etwa 126 Millionen Einwohnern im Schnitt 94 Morde pro Tag registriert. Ende 2006 begann der damalige Präsident Felipe Calderón, den sogenannten Drogenkrieg militärisch zu führen. Seitdem sind Soldaten neben Polizisten im Einsatz, es gibt aber keine spezielle Gruppe im Kampf gegen die Drogenkartelle.


Athen: Innerhalb eines Tages 1500 Migranten am Grenzfluss Evros

ATHEN: Der griechische Grenzschutz hat am Mittwoch innerhalb eines Tages in rund 1500 Fällen Migranten daran gehindert, von der Türkei aus über den Grenzfluss Evros nach Griechenland zu gelangen. Dies sagte der Minister für Bürgerschutz, Takis Theodorikakos, am Donnerstag dem Nachrichtensender Skai. «Ich möchte klarstellen: Es ist ein organisierter Plan der Türkei», sagte Theodorikakos. In zahlreichen Fällen brächten Fahrzeuge türkischer Sicherheitskräfte die Menschen bis an die türkische Seite des Grenzflusses, berichteten Migranten nach ihrer Ankunft.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Athen zuletzt bei einer Rede vor den Vereinten Nationen (UN) erneut vorgeworfen, Migranten illegal zurück in die Türkei zu drängen (Pushbacks). Griechenland nennt die Taktik Ankaras «Pushforward»: Die Migranten würden von türkischen Behörden vor die Wahl gestellt, zurück nach Syrien zu gehen, oder aber illegal nach Griechenland einzureisen.

Wegen der erhöhten Zahl von Migranten am Evros will Griechenland die Grenze im Nordosten des Landes fast vollständig abriegeln. Die bestehenden 35 Kilometer Grenzzaun werden derzeit um 80 Kilometer verlängert. Auch Bulgarien hat weite Teile seiner Grenze zur Türkei mit einem Zaun abgeriegelt.

Insgesamt setzt Athen sowohl an Land als auch auf See auf rigorosen Grenzschutz. Dennoch ist es dem UN-Flüchtlingshilfswerk zufolge seit Jahresbeginn und bis zum 18. September mehr als 10.000 Menschen gelungen, nach Griechenland einzureisen.


Truss prüft Verlegung der britischen Botschaft nach Jerusalem

NEW YORK: Großbritanniens neue Premierministerin Liz Truss zieht eine Verlegung der britischen Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem in Betracht. Truss habe den israelischen Regierungschef Jair Lapid am Rande der UN-Vollversammlung in New York über die Überprüfung informiert, teilte eine Sprecherin in der Nacht zum Donnerstag mit. Lapid bedankte sich auf Twitter bei der neuen Regierungschefin für die Erwägung, die Botschaft zu verlegen. Truss sei eine wahre Freundin Israels. «Gemeinsam werden wir das Bündnis zwischen Großbritannien und Israel noch stärker machen», schrieb Lapid.

Die Verlegungen von Botschaften nach Jerusalem sind umstritten. Der Status Jerusalems soll nach Auffassung des überwiegenden Teils der internationalen Gemeinschaft in zukünftigen Friedensgesprächen zwischen Israel und den Palästinensern festgelegt werden. Israel beansprucht ganz Jerusalem als Hauptstadt, die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen eigenen Staat Palästina.

In einem historischen Alleingang hatte der damalige US-Präsident Donald Trump 2017 Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. Im Mai 2018 verlegten die USA dann ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. Beide Schritte wurden international und vor allem seitens der Palästinenser scharf kritisiert. Auch Honduras, Guatemala und der Kosovo haben ihre Botschaften mittlerweile in Jerusalem.


Ehemalige First Lady muss wegen Unterschlagung in Haft

TEGUCIGALPA: Die ehemalige First Lady von Honduras ist wegen Unterschlagung öffentlicher Gelder zu mehr als 14 Jahren Haft verurteilt worden. Rosa Elena Bonilla Ávila habe kurz vor dem Ende der Amtszeit ihres Mannes zwölf Millionen Lempira (rund 500.000 Euro) aus dem Budget des Büros der First Lady auf ihr Privatkonto überwiesen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch mit.

In einem ersten Verfahren war die Ehefrau des früheren honduranischen Präsidenten Porfirio Lobo (2010-2014) bereits zu 58 Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil wurde aus formalen Gründen allerdings kassiert und der Prozess neu aufgerollt. Ex-Präsident Lobo darf wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Drogenhandel seit vergangenem Jahr nicht mehr in die USA einreisen. Ein Sohn des Paars wurde im Juli von Auftragskillern vor einer Diskothek in der Hauptstadt Tegucigalpa erschossen. Ein weiterer Sohn verbüßt wegen Drogenhandels eine langjährige Freiheitsstrafe in den USA.

Das mittelamerikanische Land leidet unter schwerer Korruption. Im Korruptionswahrnehmungsindex der Organisation Transparency International liegt Honduras auf Platz 157 von 180 untersuchten Ländern.


Frau von US-Richter soll vor Kapitol-Ausschuss aussagen

WASHINGTON: Die Frau des konservativen Supreme-Court-Richters Clarence Thomas hat sich übereinstimmenden US-Medienberichten zufolge dazu bereiterklärt, vor dem Untersuchungsausschuss zum Sturm auf das Kapitol auszusagen. Die konservative Aktivistin Virginia «Ginni» Thomas habe sich mit dem Komitee auf eine freiwillige Befragung geeinigt, berichteten unter anderem die Sender CNN, NBC News und das US-Medium «Politico» am Mittwoch unter Berufung auf ihren Anwalt Mark Paoletta. Die 65-Jährige sei «bestrebt, die Fragen des Ausschusses zu beantworten, um alle Missverständnisse über ihre Arbeit im Zusammenhang mit der Wahl 2020 auszuräumen», teilte der Anwalt demnach mit.

Der Untersuchungsausschuss möchte mehr über Ginni Thomas' Rolle erfahren, die sie beim Versuch einnahm, das Wahlergebnis der Präsidentenwahl 2020 nachträglich zu kippen. Medienberichten zufolge soll Thomas nach der Wahl den Stabschef des Weißen Hauses, Mark Meadows, und Wahlverantwortliche in den US-Bundesstaaten Arizona und Wisconsin kontaktiert haben. Ex-Präsident Donald Trump hatte die Wahl verloren, behauptet aber bis heute das Gegenteil und erkennt den Demokraten Joe Biden nicht als seinen rechtmäßigen Nachfolger an.

Der Untersuchungsausschuss befasst sich mit dem Geschehen rund um die Erstürmung des US-Kapitols am 6. Januar 2021. Anhänger Trumps hatten an diesem Tag gewaltsam den Parlamentssitz in der Hauptstadt Washington gestürmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um Bidens Wahlsieg bei der vorausgehenden Präsidentschaftswahl zu zertifizieren. Durch die Krawalle kamen fünf Menschen ums Leben, darunter ein Polizist. Trump hatte seine Anhänger kurz zuvor bei einer Kundgebung mit der Behauptung aufgewiegelt, dass ihm der Wahlsieg gestohlen worden sei.

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