Neues aus dem Ausland am Dienstag

Neues aus dem Ausland am Dienstag

Vögelschützer: Mäuse bedrohen seltene Vogelart auf Atlantikinsel

GOUGH ISLAND: Eingeschleppte Mäuse bedrohen auf einer abgelegenen Atlantikinsel eine stark gefährdete Vogelart. Mäuse hätten in diesem Jahr erneut Dutzende Nester einer Unterart des Kleinen Entensturmvogels (Pachyptila salvini macgillivrayi) auf Gough Island zwischen Südamerika und Südafrika geplündert, teilte die britische Vogelschutzorganisation Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) am Mittwoch in London mit.

Alle Küken bis auf eines seien getötet worden, und auch diesem Tier würden keine großen Überlebenschancen eingeräumt. Die RSPB beobachtet seit 2014 eine Gruppe der nachtaktiven, in Höhlen brütenden Vögel. Die Art ist vom Aussterben bedroht.

Die Mäuse kamen im 19. Jahrhundert mit Walfängern auf die Insel, die rund 2600 Kilometer westlich von Kapstadt liegt und zum britischen Überseegebiet St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha gehört. Eigentlich sollte 2020 mit der Ausrottung der Nagetiere auf der Insel begonnen werden, die auch erwachsene Vögel angreifen und damit zwingen, ihre Nester zu verlassen. Doch die Corona-Pandemie verzögerte dies.

«Es ist erschütternd, dass schon wieder so viele kleine Küken gestorben sind», sagte RSPB-Expertin Kim Stevens. Seit Beginn der Beobachtung seien aus 370 Nestern nur 21 Küken flügge geworden, wie die Organisation mitteilte. Lebten 1956 weltweit 3,5 Millionen Paare der Vogelart, so waren es 2020 noch 175.000 - die überwältigende Mehrzahl auf Gough Island. Falls weiterhin Mäuse die Insel bevölkern, werde ihre Zahl noch einmal deutlich abnehmen, warnten die Wissenschaftler. Andernfalls aber gebe es Hoffnung, dass sich der Bestand erhole.


Hollywood-Regisseur Quentin Tarantino wird Romanautor

KÖLN: Star-Regisseur und Oscar-Preisträger Quentin Tarantino wird Romanautor. Sein erstes belletristisches Werk «Es war einmal in Hollywood» erscheint im Juli im Verlag Kiepenheuer & Witsch. Der Roman basiert auf dem preisgekrönten Film «Once Upon a Time in Hollywood» mit Leonardo DiCaprio und Brad Pitt in den Hauptrollen. Tarantino schreibe die Geschichte des Schauspielers Rick Dalton und seines Stuntdoubles Cliff Booth fort und erweitere die Filmfassung um die Vorgeschichte der Figuren, teilte der Kölner Verlag mit. Der Roman belege «Tarantinos Status als einer der größten Geschichtenerzähler unserer Zeit», hieß es dazu.


Der Traum vom All: Esa sucht Astronauten und setzt auf Vielfalt

PARIS: Flexibilität oder die Bereitschaft für lange und weite Reisen sind gefragt: Wer schon immer mal ins All wollte, kann sich ab 31. März bei der europäischen Raumfahrtagentur Esa bewerben. «Es ist Zeit, nach neuen Astronauten zu suchen, und ich bin sicher, wir werden die besten finden», sagte Esa-Generaldirektor Jan Wörner am Dienstag bei einer Online-Pressekonferenz. Die Esa will dabei ganz besonders auf Diversität setzen. «Vielfalt ist ein Gewinn», so Wörner. Die Esa ermutigt insbesondere Frauen, sich zu bewerben. Insgesamt sucht sie vier bis sechs sogenannte Karriere-Astronauten. Sie werden als festangestellte Esa-Mitarbeiter eingestellt und für die Weltraummissionen eingesetzt.


Schnee und Eis in den USA - Millionen Haushalte ohne Strom

HOUSTON/WASHINGTON: Wegen eines heftigen Wintersturms haben Millionen Menschen in den USA eine Nacht bei extremer Kälte und heftigem Schneefall ohne Strom verbracht. Der Sturm verursachte zeitweise Stromausfälle in mehr als 4,5 Millionen US-Haushalten, wie aus Angaben der Webseite poweroutage.us am Dienstag (Ortszeit) hervorging. In sieben Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen. Am stärksten betroffen war der südliche US-Bundesstaat Texas, wo mehr als vier Millionen Haushalte zeitweise ohne Strom ausharren mussten.


«Enorme Zeitverschwendung» - Deutsche Hochstaplerin in New York frei

NEW YORK: Die deutsche Hochstaplerin Anna Sorokin ist aus der Haft in New York entlassen worden. Gegenüber dem Magazin «Insider» beschrieb die verurteilte Betrügerin am Montag, wie sie die vergangenen mehr als eineinhalb Jahre erlebt hat. Im Gefängnis habe sie an einem Programm zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft teilgenommen, das aber aus Sorokins Sicht veraltet und nicht zielführend war: «Es ist einfach sinnlos. Es ist eine enorme Zeitverschwendung.» Die 30-Jährige war nach Angaben der New Yorker Gefängnisbehörde am vorigen Donnerstag wegen guter Führung aus der Haft entlassen worden - deutlich früher als die bei ihrer Verurteilung 2019 angenommenen mindestens vier Jahre.


Zitterpartie vorbei: Tauwetter sorgt für Ende der Kältewelle

OFFENBACH/BERLIN: Nach der arktischen Kälte wird es in den kommenden Tagen fast schon frühlingshaft: Ein Atlantiktief sorgt in Deutschland für deutlich milderes Wetter. Am Mittwoch erreichen die Temperaturen laut Deutschem Wetterdienst (DWD) 5 Grad im Nordosten und 13 Grad entlang des Rheins. Am Donnerstag bleiben die Werte ähnlich. In der Nacht zum Mittwoch soll von Westen her Regen aufziehen, im Südosten sowie in den Mittelgebirgen herrscht erneut Glatteisgefahr. Am Nachmittag ist es meist trocken und südlich der Donau teils auch länger sonnig.


«Absolute Katastrophe»: Kinozahlen in Pandemie eingebrochen

BERLIN: Die Corona-Pandemie hat die Besucherzahlen deutscher Kinos dramatisch einbrechen lassen. Im vergangenen Jahr wurden rund 38,1 Millionen Tickets verkauft - etwa 80,5 Millionen weniger als noch ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Rückgang von rund 68 Prozent, wie aus Zahlen der Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin hervorgeht. Die Kinos waren schon im Frühjahr 2020 mehrere Wochen geschlossen, wegen der Abstandsregeln durften auch im Sommer und Herbst nur deutlich weniger Besucher in die Kinosäle. Seit November sind Filmtheater und andere Einrichtungen bundesweit wieder dicht, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.


Gesetz soll verschärft werden: Stalking besser bekämpfen

BERLIN: Mit einer Gesetzesverschärfung soll Stalking künftig besser bekämpft werden können. Ein entsprechender Entwurf zur Änderung des Strafgesetzbuches sei veröffentlicht worden, Länder und Verbände könnten sich bis zum 1. März dazu äußern, teilte das Bundesjustizministerium am Dienstag mit. «Stalking ist für Betroffene oft schrecklicher Psychoterror - mit traumatischen Folgen», sagte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht. Die SPD-Politikerin betonte, es müssten «mehr Stalking-Fälle vor Gericht kommen und die Täter konsequent zur Verantwortung gezogen werden». Beispiele für Stalking sind laut Ministerium Anrufe oder Nachrichten zu allen Tages- und Nachtzeiten, Verfolgen und Auflauern vor der Wohnung oder dem Arbeitsplatz, Beleidigungen, Bedrohungen und Nötigungen. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge würden elf Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben das Opfer von Stalkern.


Trump rechnet mit Top-Republikaner McConnell ab

WASHINGTON: Wenige Tage nach seinem Freispruch im US-Senat hat der ehemalige US-Präsident Donald Trump mit seinem früheren Verbündeten, dem Top-Republikaner Mitch McConnell, abgerechnet. In einer langen Mitteilung rief Trump am Dienstag republikanische Senatoren dazu auf, sich von McConnell als führenden Republikaner in der mächtigen Parlamentskammer abzuwenden. «Die Republikanische Partei kann mit politischen «Anführern» wie Senator Mitch McConnell an der Spitze nie wieder respektiert werden oder stark sein», erklärte Trump. «Wenn die republikanischen Senatoren an ihm festhalten, werden sie nicht wieder gewinnen. Er wird niemals tun, was getan werden muss oder was für unser Land richtig ist.» Trump beschimpfte McConnell als «mürrischen, übellaunigen und ernsten politischen Nichtsnutz».

Die Erstürmung des US-Kapitols durch Anhänger Trumps am 6. Januar hatte zum Bruch zwischen den beiden Republikanern geführt. McConnell gab Trump eine Mitschuld an dem Angriff auf den Kongress. Am Samstag sagte er, dass Trump «praktisch und moralisch» dafür verantwortlich sei. Im Amtsenthebungsverfahren, mit dem die Demokraten den ehemaligen Präsidenten wegen «Anstiftung zum Aufruhr» zur Verantwortung ziehen wollten, stimmte McConnell jedoch gegen eine Verurteilung Trumps. McConnell und andere Republikaner hielten das Verfahren für verfassungswidrig, da es sich gegen einen Ex-Präsidenten richtete.

Gegen Trump wurde bereits im vergangenen Jahr ein Amtsenthebungsverfahren geführt, das ebenfalls mit einem Freispruch endete. Am Samstag reichten die Stimmen von 50 Demokraten und 7 Republikanern nicht für eine Verurteilung aus, für die eine Zweidrittelmehrheit von 67 Stimmen nötig gewesen wäre.


Vulkan Ätna auf Sizilien ausgebrochen - ein großes Naturschauspiel

ROM: Auf der süditalienischen Insel Sizilien hat der Ätna spektakulär Feuer und Asche gespuckt. Wie mehrere Medien berichteten, gab es am Dienstagabend eine starke Explosion auf der Südost-Seite des Vulkans. Zahlreiche Nutzer teilten in sozialen Medien Fotos und Videos des Naturschauspiels. Darauf waren eine riesige Rauchwolke zu sehen, die aus dem Krater aufstieg, und Lava, die den Hang hinunter floss. Der Strom habe etwa eine Höhe von 2000 Metern erreicht, schrieb die Nachrichtenagentur Adnkronos. Von Schäden oder Verletzten wurde zunächst nicht berichtet.

Der internationale Flughafen der Stadt Catania südlich des Ätna stellte wegen der Vulkanasche in der Luft nach eigenen Angaben zeitweise den Betrieb ein. Die Rauch- und Aschesäule sei laut Nachrichtenagentur Ansa über einen Kilometer weit aufgestiegen, was das sichere Fliegen beeinträchtigt habe. Auf die Häuser, Straßen und Balkone in der Stadt prasselte der Ascheregen nieder.

Am Ätna kommt es immer wieder zu Ausbrüchen. Der Vulkan liegt im Osten Siziliens. Catania gehört mit mehr als 300.000 Einwohnern zu den größeren Städten in der Umgebung. Der Berg selbst ist über 3300 Meter hoch und gehört zum Weltnaturerbe der Unesco.


Stoltenberg warnt Alliierte vor falscher Botschaft an Biden

BRÜSSEL: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat Deutschland und die anderen Bündnisstaaten davor gewarnt, den Wunsch des neuen US-Präsidenten Joe Biden nach höheren Verteidigungsausgaben zu unterschätzen. «Die europäischen Staaten haben die Verteidigungsausgaben während Trumps Präsidentschaft erhöht und sollten damit jetzt nicht aufhören. Das wäre die falsche Botschaft», sagte er der Süddeutschen Zeitung» (Mittwoch). Auch die neue US-Regierung werde auf höhere Verteidigungsausgaben der Verbündeten fokussiert sein.

Stoltenberg erinnerte daran, dass das Ziel der Nato-Staaten, jährlich mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung auszugeben, 2014 beschlossen wurde, «als Joe Biden Vizepräsident war». Grund seien ein aggressiver auftretendes Russland, die Annexion der Krim und brutaler werdende Formen des Terrorismus mit der Terrormiliz Islamischer Staat im Irak und Syrien gewesen. «Diese Bedrohungen sind nicht verschwunden, und es kommen immer gefährlichere Cyberangriffe hinzu», betonte er.

Stoltenberg leitet an diesem Mittwoch die erste Sitzung der Verteidigungsminister seit der Amtseinführung Bidens. Für die USA wird der neue Pentagon-Chef Lloyd Austin in der Videokonferenz erwartet.


Rassismus-Vorfall in New Yorks Central Park: Vorwürfe fallen gelassen

NEW YORK: Nach einem aufsehenerregenden Rassismus-Vorfall im New Yorker Central Park hat die Anklage den Vorwurf gegen die Beschuldigte fallen gelassen. Staatsanwältin Joan Illuzzi sagte am Dienstag bei einer Anhörung in New York, dass das Verfahren gegen die Frau nach einem absolvierten Kurs zu Rassismus und dessen Vermeidung im Alltag eingestellt würde. «Nach fünf Sitzungen berichtete Frau Coopers Therapeut, dass es eine bewegende Erfahrung war und dass Frau Cooper in ihren gemeinsamen Sitzungen viel gelernt hat», hieß es weiter.

Bei dem Vorfall Ende Mai hatte ein afro-amerikanischer Hobby-Vogelbeobachter die damals 40-Jährige gebeten, den Parkregeln entsprechend ihren Hund anzuleinen. Die Frau hatte das abgelehnt, die Polizei angerufen und gedroht zu berichten, dass ein schwarzer Mann ihr Leben bedrohe. Das Video des Vorfalls, das die Schwester des Vogelbeobachters im Mai auf Twitter veröffentlicht hatte, war millionenfach angesehen worden und hatte in den USA für viel Wirbel gesorgt.

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio hatte die Frau schwer kritisiert und gesagt, das Video zeige «Rassismus, ganz einfach». Die Frau, die daraufhin von ihrem Arbeitgeber entlassen wurde, entschuldigte sich, wies aber alle Rassismus-Vorwürfe zurück. «Es war inakzeptabel und ich entschuldige mich demütig und vollkommen.» Der Hobby-Vogelbeobachter hat die Erfahrung inzwischen zu einem Comic verarbeitet.


Bund sieht keinen Konsens für Verhandlungen mit Hohenzollern

BERLIN: Der Bund sieht derzeit keine Ebene für neue Verhandlungen mit den Nachfahren der letzten deutschen Monarchie im Streit um mögliche Rückgaben und Entschädigungen an die Hohenzollern.

Aus Sicht von Kulturstaatsministerin Monika Grütters sind weitere Verhandlungen erst sinnvoll, wenn Brandenburg und Berlin deren Fortsetzung befürworten. Für die CDU-Politikerin sind dazu innerhalb der beiden Landesregierungen entsprechende abgestimmte Entscheidungen zu treffen. «Nach unserem Eindruck liegt ein solcher Konsens zur Fortsetzung der Gespräche derzeit in beiden Ländern nicht vor», sagte ein Sprecher von Grütters der dpa in Berlin. Es gebe dazu jedenfalls bislang keine Initiative seitens einer der Landesregierungen gegenüber dem Bund.


Verteidigungsminister beraten über Nato-Reformvorschläge

BRÜSSEL: Die Verteidigungsminister der 30 Nato-Staaten wollen an diesem Mittwoch (14.00 Uhr) über Reformvorschläge von Generalsekretär Jens Stoltenberg beraten. Der Norweger will Deutschland und die anderen Alliierten unter anderem zu höheren Gemeinschaftsausgaben für Verteidigung und Abschreckung bewegen. Mit dem zusätzlichen Geld könnte seinen Vorstellungen zufolge zum Beispiel die Stationierung von Nato-Truppen in den östlichen Mitgliedstaaten unterstützt werden.

«Derzeit haben wir ein System, in dem die Länder, die die Truppen stellen, auch für alle Kosten aufkommen», hatte Stoltenberg am Montag erklärt. Er denke, es sei fair, wenn zumindest ein Teil aus dem Nato-Budget kommen würde.

Weitere Vorschläge von Stoltenberg sehen vor, klarere Ziele für die Fähigkeit der Mitgliedstaaten zur Gefahrenabwehr zu vereinbaren, um die Einhaltung von Mindeststandards zu gewährleisten. Zudem will er zusätzliche Konsultationen einführen, um die politische Koordinierung zu stärken. Auch das derzeitige strategische Konzept der Nato soll nach seiner Meinung überarbeitet werden.

Weiteres Thema des Online-Treffens werden am Mittwoch die Prognosen für die Verteidigungsausgaben der Alliierten im Jahr 2021 sein. Um die Einsätze in Afghanistan und dem Irak soll es dann bei einer Gesprächsrunde am Donnerstagnachmittag gehen. Für Deutschland wird Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zu den Videoschalten erwartet.


Visegrad-Staaten beraten über gemeinsame Ziele

WARSCHAU: Bei einem Gipfel in Krakau wollen die Regierungschefs der mittelosteuropäischen Visegrad-Gruppe (V4) am Mittwoch über ihre gemeinsamen Ziele beraten. Bei dem Treffen der Ministerpräsidenten Polens, Tschechiens, Ungarns und der Slowakei wird auch der EU-Ratsvorsitzende Charles Michel dabei sein. Die Anwesenheit Michels betone die Position der Visegrad-Gruppe innerhalb der europäischen Strukturen, sagte Polens Vize-Außenminister Szymon Szynkowski vel Sek. Seit Mitte des vergangenen Jahres hat Polen die jährlich wechselnde Präsidentschaft des Bündnisses inne. Das Treffen markiert das 30-jährige Bestehen der Gruppe.

Das lose Kooperationsforum ist nach der ungarischen Stadt Visegrad benannt, wo es am 15. Februar 1991 von den Präsidenten Ungarns, Polens und der damaligen Tschechoslowakei, die 1993 in zwei Staaten zerfiel, gegründet wurde. Hauptziel war der gemeinsame Beitritt der Teilnehmerländer zur Europäischen Union. Nach der EU-Osterweiterung im Jahre 2004 verlor das Bündnis zunächst an Bedeutung und Orientierung. Mit dem Einsetzen der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 zeigten sich die vier Staaten als Kritiker der deutschen Flüchtlingspolitik. Sie wehrten sich vehement gegen einen dauerhaften Mechanismus zur EU-weiten Verteilung von Flüchtlingen.

Zuletzt profilierten sich vor allem Ungarn und Polen als Quertreiber innerhalb der EU. Ende des vergangenen Jahres blockierten beide Länder aus Protest gegen ein neues Verfahren zur Ahndung von Rechtsstaatsverstößen Entscheidungen für die milliardenschweren Corona-Konjunkturhilfen und den nächsten langfristigen Haushalt der EU. Erst nach einem Kompromissvorschlag gaben sie ihre Blockadehaltung auf.


Klage gegen Kavala-NGO : «Völlig rechtswidrig»

ISTANBUL: Das türkische Handelsministerium hat Klage gegen die von dem inhaftierten Kulturförderer Osman Kavala gegründete Nicht-Regierungsorganisation Anadolu Kültür eingereicht und scharfe Kritik der Einrichtung auf sich gezogen. In der Klage werde die Schließung der NGO gefordert, teilte Anadolu Kültür am Dienstag mit und kritisierte das Vorgehen als «völlig rechtswidrig». Es stehe beispielhaft dafür, dass die Justiz in der Türkei «instrumentalisiert» werde und sei eine «Fortsetzung» der Rechtswidrigkeiten gegen Kavala.

Erstmals in der Geschichte der Republik Türkei werde einem Unternehmen ein Strick daraus gedreht, dass es gemeinnützig arbeite, hieß es. Die Klage sei «erfunden» worden, nachdem bei einer Prüfung durch das Finanzministerium keine Fehler festgestellt werden konnten. Anadolu Kültür ist eine Aktiengesellschaft, die gemeinwohlorientiert arbeitet.

Das Handelsministerium habe der Organisation zufolge Klage eingereicht, weil Anadolu Kültür dem Vorwurf nach ursprünglich mit der Absicht gegründet worden sei, «wirtschaftliche Zwecke und Angelegenheiten» zu verfolgen. Ein Großteil des Einkommens komme der zitierten Klage nach aber von Institutionen und Personen im In- und Ausland, in Form von «Spenden und anderen Fonds». Anadolu Kültür führe seine Tätigkeiten demnach also wie «Vereine und Stiftungen» aus.

Die Organisation arbeitet unter anderem mit dem Goethe-Institut und anderen deutschen Stiftungen zusammen. Gründer Kalava sitzt seit November 2017 in Untersuchungshaft, ohne verurteilt worden zu sein. Er steht wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit dem Putschversuch 2016 und der Gezi-Proteste 2013 vor Gericht. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte bereits im Dezember 2019 Kavalas Freilassung angeordnet, weil nicht genügend Beweise gegen ihn vorlägen.


Russland, Iran und Türkei wollen Syrien-Gespräche voranbringen

SOTSCHI: Russland und die Türkei haben gemeinsam mit dem Iran einen neuen Anlauf unternommen, um Auswege aus den festgefahrenen Gesprächen über eine neue Verfassung für das Bürgerkriegsland Syrien zu suchen. Dazu kamen am Dienstag Vertreter der drei Länder in der russischen Stadt Sotschi am Schwarzen Meer zusammen.

Die Arbeit des Verfassungsausschusses sei ins Stocken geraten, sagte der russische Sonderbotschafter für Syrien, Alexander Lawrentjew. Notwendig sei eine «konstruktive Atmosphäre» und ein «gewisser Impuls». Eine neue Eskalation des Konflikts müsse verhindert werden.

Der Verfassungsausschuss hatte im Herbst 2019 seine Arbeit aufgenommen. Das Gremium mit Vertretern der Regierung, der Opposition und der Zivilgesellschaft soll den Weg für eine politische Lösung des Konflikts ebnen, der im März 2011 mit Protesten gegen die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad ausgebrochen war. Bislang wurden aber keine entscheidenden Fortschritte erzielt. Der UN-Syrien-Gesandte Geir Pedersen zeigte sich nach dem jüngsten Treffen des Verfassungsausschusses enttäuscht von dem Stillstand der Gespräche.


400 Kilogramm Heroin in Hafen Warna konfisziert

SOFIA: Im Hafen der bulgarischen Schwarzmeerstadt Warna sind gut 400 Kilogramm Heroin beschlagnahmt worden. Die Drogen waren in iranischen Bitumenrollen versteckt, die aus Dubai in Containern auf dem Wasserweg transportiert wurden. Das teilte das Hauptzollamt in Sofia am Dienstag mit. Der Wert des geschmuggelten Rauschgifts wurde für die bevorstehenden Gerichtsverfahren auf bis zu 36 Millionen Lewa (rund 18 Mio. Euro) geschätzt. Der Marktwert der in 487 Päckchen sortierten Drogen könnte bis zu drei Mal höher liegen.

Die Ladung Bitumenrollen war für eine bulgarische Firma bestimmt, dessen Besitzer festgenommen wurde. Auch ein Zöllner wurde bei der Polizei-Aktion festgesetzt. Die beiden Bulgaren können zu Haftstrafen von bis zu 15 Jahren verurteilt werden. Ermittler gehen davon aus, dass die konfiszierte Großmenge Drogen eher nicht für den bulgarischen Schwarzmarkt bestimmt war. Durch das EU-Land auf dem Balkan führen mehrere Landrouten von Drogenschmugglern.


BBC zeigt bisher unbekannte Videos von entführter Scheicha Latifa

LONDON/DUBAI: Der britische Sender BBC hat bisher unbekanntes Videomaterial von der entführten Scheicha Latifa aus Dubai veröffentlicht. «Ich bin eine Geisel und diese Villa ist in ein Gefängnis verwandelt worden», sagt die junge Frau in einem der Videos, die am Dienstag von der BBC publiziert wurden und die die Scheicha im Badezimmer aufgenommen haben soll - ihren Angaben zufolge der einzige ihr zugängliche Raum, der sich abschließen lässt. Die Regierungen Dubais und der Vereinigten Arabischen Emirate hätten die Videos auf Anfrage nicht kommentiert, hieß es von der BBC.

Latifa ist die Tochter des emiratischen Ministerpräsidenten und Emirs von Dubai, Mohammed bin Raschid al-Maktum. Ihre ältere Schwester Schamsa (38) wurde bereits im Jahr 2000 in Cambridge entführt und nach Dubai zurückgebracht, nachdem sie versucht hatte, sich abzusetzen. Unter anderem die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat die Freilassung der beiden gefordert.

In den Videos berichtet die junge Frau, wie sie von Polizisten bewacht wird und dass sie um ihr Leben fürchtet. Latifa soll sie mehr als ein Jahr nach ihrem spektakulären Fluchtversuch heimlich mit dem Handy für Freunde aufgenommen haben. Sie hatte im Februar 2018 per Schlauchboot und Jacht versucht, Dubai zu verlassen. Dann soll sie von einem Sonderkommando vor der indischen Küste gestoppt und gewaltsam zurückgebracht worden sein - so behaupten es Latifas Unterstützer. Diese stellten das ältere Videomaterial nun der BBC zur Verfügung, da sie sich um die Sicherheit der Scheicha sorgten.

Ein britisches Gericht hatte Scheich Mohammed im vergangenen Jahr für die Entführung seiner zwei Töchter und die Einschüchterung einer seiner Ehefrauen verantwortlich gemacht. Das Gerichtsurteil bestätigt Vorwürfe von Prinzessin Haja Bint al-Hussein, einer der Ehefrauen des Scheichs. In einem Fall stellte das Gericht sogar Folter fest.


Papst ändert Gesetze des Vatikans - Strafmilderung für Verurteilte

ROM: Papst Franziskus hat mit Änderungen am Gesetz des Staates Vatikanstadt Strafen für bereits Verurteilte gemildert. Eine Person, die zu Haft verurteilt wurde, kann die Anzahl der Tage verkürzen, wenn sie «gewinnbringend» an einem Programm zur Resozialisierung teilnimmt, wie aus dem Dekret am Dienstag hervorging. Je bereits verbüßtem Jahr können demnach 45 bis 120 Tage erlassen werden. Ein Verurteilter muss dieses Programm mit einem Richter vereinbaren. Er kann zum Beispiel gemeinnützige Arbeit leisten.

Franziskus verfügte außerdem, dass eine Verhandlung nicht wie bislang unbedingt stattfinden muss, auch wenn der Angeklagte abwesend ist. Wenn der Beschuldigte nachweislich nicht erscheinen könne, etwa wegen eines «legitimen und schweren Hindernisses», müsse das Verfahren ausgesetzt werden. Bleibe er jedoch ohne triftigen Grund fern, vertrete ihn sein Verteidiger. Zuvor hatte es diese Ausnahmen nicht gegeben. Dem Medienportal «Vatican News» zufolge wurden Prozesse in Abwesenheit der Angeklagten dann auf Grundlage der Dokumente und ohne Zeugen der Verteidigung abgehalten.


Adidas will Problem-Tochter Reebok abstoßen

HERZOGENAURACH: Der fränkische Sportartikelhersteller Adidas trennt sich von seiner US-Tochter Reebok. Das Unternehmen habe beschlossen, einen formalen Prozess einzuleiten, «der auf die Veräußerung von Reebok abzielt», teilte Adidas am Dienstag in Herzogenaurach mit. In Zukunft wolle sich das Unternehmen darauf konzentrieren, die führende Position der Marke Adidas weltweit weiter zu stärken.

Wo die Reise für Reebok hingehen wird, ist unklar. Die US-Tochter werde vom ersten Quartal an als «aufgegebener Geschäftsbereich» ausgewiesen. «Nach sorgfältiger Abwägung sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Reebok und Adidas ihr Wachstumspotenzial unabhängig voneinander deutlich besser ausschöpfen können. Wir werden in den kommenden Monaten mit Hochdruck daran arbeiten, eine erfolgreiche Zukunft für die Marke Reebok und das Team dahinter zu gewährleisten», sagte Adidas-Vorstandschef Kasper Rorsted am Dienstag.

Adidas hatte im Jahr 2005 die Anteile an Reebok übernommen. Zu einer glücklichen Ehe war die Zusammenarbeit jedoch nie geworden. Reebok hatte den Franken immer wieder Verluste eingebrockt.


«Waldläufer von Oppenau»: Drei Jahre und neun Monate Haft gefordert

OFFENBURG: Die Staatsanwaltschaft hat im Prozess um den «Waldläufer von Oppenau» und dessen spektakuläre Flucht mit gestohlenen Polizeiwaffen drei Jahre und neun Monate Haft gefordert. Man gehe von einem minderschweren Fall von Geiselnahme aus, sagte Staatsanwältin Raffaela Sinz am Dienstag vor dem Landgericht Offenburg. Für den Angeklagten spreche unter anderem, dass er frühzeitig ein Geständnis abgelegt und sich im Verfahren entschuldigt habe - und dass es sich nicht um eine typische Geiselnahme gehandelt habe. Der als «Waldläufer von Oppenau» bekannt gewordene Yves R. hatte im Juli 2020 bei der Kontrolle einer von ihm illegal bewohnten Waldhütte im Schwarzwald vier Polizisten entwaffnet und war mit deren Dienstwaffen in den Wald geflohen. Die Polizei suchte mit einem Großaufgebot tagelang nach dem heute 32-Jährigen.


Seltener Bugatti wird versteigert: Bis zu 8 Millionen Euro Schätzwert

LONDON: Ein seltener Bugatti von 1937 im Schätzwert von bis zu acht Millionen Euro kommt in Großbritannien unter den Hammer. Es handele sich um das letzte bekannte Modell eines Bugatti Type 57S des Karosserieherstellers Corsica Coachworks, teilte das Auktionshaus Bonhams am Dienstag mit. Der Oldtimer sei die vergangenen 51 Jahre im Besitz eines britischen Ingenieurs und Auto-Enthusiasten gewesen. Der Wagen ist der Höhepunkt einer Versteigerung von «Legenden der Straße» an diesem Freitag, bei der insgesamt sechs Oldtimer angeboten werden.

Das Chassis des Viersitzers wurde in Molsheim im Elsass gebaut und dann nach England verschifft. Dort wurde der Wagen nach den Wünschen des Käufers Robert Ropner fertig gestellt. Insgesamt seien in Molsheim nur 42 Exemplare des Bugatti Type 57S hergestellt worden, betonte Bonhams.

Ebenfalls im Angebot sind unter anderem ein 1960er Aston Martin DB4GT Coupé - Schätzwert bis zu 2,1 Millionen Euro - und ein Ferrari 275 GTS Convertible von 1965, der auf bis zu eine Million Euro taxiert wird. Oldtimer sind begehrte Sammlerstücke. Als teuerster Wagen der Welt gilt ein roter Ferrari 250 GTO Berlinetta von 1962 - er wurde 2018 für 48,4 Millionen US-Dollar (aktuell 40 Mio Euro) verkauft.


Tschechischer Philosoph Jan Sokol gestorben

PRAG: Der tschechische Philosoph Jan Sokol ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Das teilte die Vaclav-Havel-Bibliothek am Dienstag in Prag mit. Der Intellektuelle christlicher Prägung kandidierte 2003 erfolglos gegen den Neoliberalen Vaclav Klaus für das Präsidentenamt. Seine Aufsätze über Ethik, Menschenrechte, Bildung und Politik erschienen auch in deutscher Übersetzung. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie den Offiziersorden der französischen Ehrenlegion und den Preis «Vize 97» (Vision 97).

Vor der Wende von 1989 kämpfte Sokol, der ursprünglich Mathematik studiert hatte, als Dissident gegen das kommunistische Regime. Er zählte zu den Erstunterzeichnern der Petition Charta 77, die sich für mehr Bürgerrechte einsetzte. Im Untergrund hielt er Seminare unter anderem über Friedrich Nietzsche ab. Nach der Samtenen Revolution wurde Sokol erst Parlamentsabgeordneter und später für kurze Zeit Schulminister. Er war Gründungsdekan der neuen Fakultät für Humanwissenschaften der Karls-Universität in Prag.

Der Präsident des tschechischen Verfassungsgerichts, Pavel Rychetsky, würdigte Sokol als einen «außerordentlich ehrenhaften und prinzipienfesten Menschen». Er habe die Fähigkeit besessen, Leute unterschiedlichster Ansichten zusammenzubringen. Ex-Kulturminister Daniel Herman hob Sokols Überzeugung hervor, dass man ohne moralische Basis keine gesunde Gesellschaft aufbauen könne. Auch zahlreiche weitere Politiker und der katholische Prager Erzbischof Dominik Duka drückten ihr Beileid aus.


Gericht: Großbritannien hat Menschenhandelsopfer ungenügend geschützt

STRAßBURG: Großbritannien hat nach Ansicht des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zwei jugendliche Opfer von Menschenhandel nicht ausreichend geschützt. Wie das Gericht mit Sitz in Straßburg am Dienstag entschied, muss Großbritannien den beiden je 45.000 Euro Entschädigung und Kostenausgleich zahlen. Die Polizei hatte die Jugendlichen auf Cannabis-Farmen aufgefunden, es habe den Verdacht des Menschenhandels gegeben. Beide wurden zu Haftstrafen verurteilt. Entgegen einer Facheinschätzung befand die Staatsanwaltschaft bei einer Überprüfung des Urteils später, die Jugendlichen seien nicht Opfer von Menschenhandel. (Nummer 77587/12 und 74603/12)

Das Gericht stellte fest, dass die Strafverfolgung potenzieller Opfer von Menschenhandel nicht grundsätzlich gegen Menschenrecht verstoße. Sollten Behörden aber den glaubhaften Verdacht hegen, dass ein Verdächtiger oder eine Verdächtige Opfer sein könnte, sollte es hierzu eine Untersuchung durch Fachpersonal geben.

Bei den beiden Jugendlichen sei dies nicht geschehen. Eine Fachbehörde stufte sie erst nach ihrer Verurteilung als Menschenhandelsopfer ein. Die britische Staatsanwaltschaft hätte zudem klare Gründe für ihre abweichende Einschätzung des Opferstatus der beiden Jugendlichen vorlegen müssen. Auch das sei eindeutig nicht geschehen. Großbritannien habe gegen das Recht auf ein faires Verfahren und das Verbot von Zwangsarbeit verstoßen.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte gehört zum Europarat. Gemeinsam setzen sie sich für die Wahrung der Menschenrechte in ihren 47 Mitgliedstaaten ein. Sie sind keine Organe der Europäischen Union.


WHO: Tabakproduktion in Afrika um ein Zehntel gestiegen

GENF/NAIROBI: Die Tabakproduktion in Afrika hat laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) innerhalb von sechs Jahren um ein Zehntel zugenommen. Während die weltweite Produktion von Tabakblättern zwischen 2012 und 2018 um knapp 14 Prozent gesunken sei, sei sie in Afrika im selben Zeitraum um mehr als zehn Prozent gestiegen, teilte die WHO am Dienstag in einem Bericht mit. Zudem sei die Fläche, auf der Tabak angebaut wird, in Afrika um 3,4 Prozent angewachsen. Demnach trägt der Osten des Kontinents rund 90 Prozent der Tabakproduktion Afrikas bei.

Tabak führt der WHO zufolge weltweit jährlich zu rund acht Millionen Toten. Zwar hat es weltweit Fortschritte im Kampf gegen Zigaretten und andere Tabakprodukte gegeben. Allerdings steigt in Afrika der Tabakkonsum: In der WHO-Afrika-Region - die die meisten afrikanischen Länder umfasst - ist der Konsum von Zigaretten zwischen 1980 und 2016 um 52 Prozent gestiegen, wie der «Tobacco Atlas» zeigt. Das liege vor allem am steigenden Einkommen der Menschen und aggressiver Vermarktung der Tabakindustrie sowie weniger staatlicher Regulierung, hieß es von der WHO.


Russisches Gericht bestätigt 13 Jahre Straflager für Historiker

ST. PETERSBURG: Ein russisches Berufungsgericht hat die international kritisierte Verurteilung des Menschenrechtlers Juri Dmitrijew zu 13 Jahren Straflager bestätigt. Dmitrijews Anwalt Viktor Anufrijew kündigte am Dienstag an, den Richterspruch vor dem Obersten Gericht Russlands anzufechten. Der 65 Jahre alte Historiker hatte für die renommierte Menschenrechtsorganisation Memorial gearbeitet. Er machte Verbrechen unter Sowjetdiktator Josef Stalin öffentlich und sich selbst damit Feinde im Machtapparat.

Memorial hat Dmitrijew als politischen Gefangenen eingestuft. Die EU hatte nach der Verurteilung im September die sofortige Freilassung des Bürgerrechtlers gefordert. Die russische Justiz wirft Dmitrijew vor, er habe seine Adoptivtochter unbekleidet fotografiert und sexuell missbraucht. Der Historiker, der in der Vergangenheit auch von einem Gericht freigesprochen worden war, weist die Vorwürfe zurück. Das Verfahren gilt als politische Inszenierung, um ihn an weiteren Forschungen zu hindern.

Zuletzt hatte der Oberste Gerichtshof in der Teilrepublik Karelien eine Haftstrafe von 3,5 Jahren auf 13 Jahre Straflager mit verschärften Bedingungen heraufgesetzt. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell bezeichnete das Urteil im September als «unbegründet und ungerecht». Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, teilte mit: «Es ist klar, dass dies ein neuer Versuch ist, diejenigen mundtot zu machen, die historische Verbrechen in Russland aufarbeiten und das Gedenken an den stalinistischen Terror aufrechterhalten möchten.»

Das harte Urteil war vollkommen überraschend gekommen. Im Juli hatte ein Richter Dmitrijew zu dreieinhalb Jahren verurteilt. Er sollte nach jahrelangen Ermittlungen und Untersuchungshaft im November freigelassen werden. Die Staatsanwaltschaft legte jedoch Berufung ein und forderte eine höhere Strafe von 15 Jahren. Die russische Justiz steht immer wieder in der Kritik, sich vom Machtapparat im politischen Kampf gegen Andersdenkende in Russland instrumentalisieren zu lassen.


Italiens Premier macht Botschafter Mattiolo zu G7-Chefunterhändler

ROM: Italiens neuer Regierungschef Mario Draghi hat den bisherigen Botschafter in Berlin, Luigi Mattiolo, zum diplomatischen Berater und Chefunterhändler für die G7-Gipfel und G20-Runden ernannt. Das teilte die Regierung in Rom am Dienstag mit. Die Berufung als sogenannter Sherpa für die großen internationalen Konsultationen gelte unverzüglich. Italien leitet in diesem Jahr die G20-Treffen der 20 zentralen Wirtschaftsmächte. Ein Online-Treffen der G7-Länder unter Führung Großbritanniens ist für Freitag geplant. Zur G7 gehören die USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan.

Mattiolo, Jahrgang 1957, war seit Ende 2018 Botschafter Italiens in Berlin. Er hatte seine diplomatische Karriere 1981 in Rom begonnen und arbeitete unter anderem in Moskau und New York. Als Botschafter war er zuletzt auch in Israel und der Türkei tätig, bevor er nach Deutschland wechselte. Wie die Vertretung in Berlin mitteilte, war Mattiolo bereits von dort abgereist. Seine Aufgaben würden übergangsweise von der Gesandten Alessandra Molina übernommen.


Müllmenge in der EU leicht gestiegen - Deutsche über dem Durchschnitt

BRÜSSEL: Eine halbe Tonne Hausmüll pro Kopf: Jeder Einwohner der Europäischen Union hat 2019 laut offizieller Statistik 502 Kilogramm Abfall produziert, sieben Kilogramm mehr als ein Jahr zuvor. Deutschland lag mit 609 Kilogramm pro Person deutlich über dem Durchschnitt. Spitzenreiter waren Dänemark mit 844 und Luxemburg mit 791 Kilogramm. Die Zahlen nannte das EU-Statistikamt Eurostat am Dienstag in Luxemburg.

Die geringsten Mengen in der EU hatten demnach Rumänien mit 280 Kilogramm Hausmüll pro Einwohner, Polen (336 Kilogramm), Estland (369) und Ungarn (387). Die Gesamtmenge gab Eurostat mit 225 Millionen Tonnen an. Seit dem Höchstwert von durchschnittlich 518 Kilo pro Kopf im Jahr 2008 hat sich der Durchschnitt demnach nur geringfügig verringert.

Stark verändert hat sich hingegen in den vergangenen Jahren die Entsorgung. So stieg die Menge des recycelten Abfalls von 87 Kilo pro Kopf im Jahr 1995 auf 239 Kilo im Jahr 2019, wie Eurostat weiter mitteilte. Die Menge verbrannten Mülls wuchs in derselben Zeit von 70 auf 134 Kilo pro Person. Auf Müllhalden werde hingegen nur noch halb so viel Abfall entsorgt wie 1995: rund 120 Kilogramm pro Kopf 2019.


US-Autor ermordet: Islamisten zum Tode verurteilt

DHAKA: Ein Gericht in Bangladesch hat fünf Islamisten zum Tode verurteilt, weil sie einen säkularen US-Schriftsteller ermordet haben sollen. Ein weiterer Mann wurde zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er mit mehreren Social-Media-Posts zu dem Mord angestachelt haben soll, wie ein Anklagevertreter nach der Urteilsverkündung am Dienstag sagte. Das Opfer war der in Bangladesch geborene US-Schriftsteller Avijit Roy.

Der Anklagevertreter sagte, Roy sei vor knapp sechs Jahren mit seiner Frau von den USA nach Bangladesch gereist, um dort bei einer Buchmesse eines seiner neuen Bücher vorzustellen. Nachdem das Paar die Messe verlassen habe, sei er von Angreifern zu Tode gehackt worden. Seine Frau sei dabei verletzt worden. Roy betrieb unter anderem einen bekannten Blog, in dem er über Wissenschaft, die Gesellschaft und Philosophie in dem mehrheitlich muslimischen Land schrieb. Er schrieb auch Bücher, etwa über Homosexualität und Atheisten.

Zwei der sechs Verurteilten der Organisation Ansar al-Islam seien noch auf der Flucht, sagte der Anklageanwalt. Von Seiten der Verteidigung hieß es, dass die Mandanten vor einem höheren Gericht gegen das Urteil in Berufung gehen wollten.

In dem Land in Südasien gab es zwischen 2013 und 2016 mehrere Angriffe von Islamisten auf Schriftsteller, Blogger, Akademiker und Priester sowie auf Anhänger von Minderheitsreligionen. Die Angriffe hatten jeweils der Islamische Staat (IS) oder Al-Kaida für sich beansprucht. Ermittler gehen jedoch davon aus, dass es sich dabei um einheimische Islamisten handelte. Als Antwort auf die Angriffe hatten Sicherheitskräfte in Bangladesch mehr als hundert verdächtigte Islamisten bei Razzien getötet.


Weltstrafgericht: Erster Prozess zu Gewalt in Zentralafrika

DEN HAAG: Vor dem Hintergrund erneuter schwerer Kämpfe in Zentralafrika hat vor dem Weltstrafgericht der erste Prozess gegen ehemalige Befehlshaber der Milizen wegen schwerer Kriegsverbrechen in dem Land begonnen. Der frühere Politiker Alfred Yekatom (64) mit Beinamen «Rambo» und der einstige Fußball-Funktionär Patrice-Edouard Ngaïssona (53) beteuerten am Dienstag in Den Haag vor den Richtern ihre Unschuld. Die Anklage des Internationalen Strafgerichtshofes beschuldigt sie der Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter Mord, Folter, Deportationen, Vergewaltigung und der Einsatz von Kindersoldaten in dem Land von 2013 bis 2014.

Ngaïssona, bis Ende 2019 Chef des Zentralafrikanischen Fußballverbandes, und Yekatom hatten nach Darstellung der Anklage zum engen Kreis rund um Ex-Präsident Francois Bozizé gehört, der einen Staatsstreich plante. Dazu seien die vorwiegend christlichen Anti-Balaka-Milizen aufgebaut, bewaffnet und finanziert worden. Die Angeklagten hätten gezielt Angriffe auf die muslimische Bevölkerung geplant, befohlen und mit ausgeführt. «Diese Angriffe waren wesentliche Teile einer Strategie um Bozizé wieder zur Macht zu verhelfen», sagte Ankläger Kweku Vanderpuye.

Die beiden Angeklagten waren Ende 2018 festgenommen worden. Erst vor wenigen Wochen war auch erstmals ein Ex-Kommandant der Seleka-Rebellen dem Weltstrafgericht überstellt worden.

Das extrem arme Land mit rund 4,7 Millionen Einwohnern ist seit Jahren Schauplatz von Konflikten. Staatschef Bozizé war 2013 von den vorwiegend muslimischen Seleka gestürzt worden. Es folgten Jahre der Kämpfe mit den christlichen Anti-Balaka-Milizen. Kürzlich war die Gewalt rund um die Präsidentenwahl im Dezember wiederaufgeflammt. Zehntausende Menschen flohen bislang nach UN-Angaben vor der Gewalt in Nachbarländer.


Macron hält am gefährlichen Anti-Terror-Einsatz im Afrika fest

PARIS/N'DJAMENA: Ungeachtet vieler Toter in den eigenen Reihen hält Frankreich zunächst am Militäreinsatz gegen den islamistischen Terror im Sahelgebiet fest. «In den kommenden Monaten werden wir unsere Präsenz nicht verändern», sagte Präsident Emmanuel Macron am Dienstag in Paris nach einem Videotreffen mit Kollegen aus den G5-Sahelstaaten und weiteren Staats- und Regierungschefs. Noch vor wenigen Wochen hatte der 43-Jährige angekündigt, er wolle den Einsatz anpassen. Seit Beginn vor gut sieben Jahren starben 57 französische Soldaten.

In dem riesigen Sahelgebiet, das sich südlich der Sahara vom Atlantischen Ozean bis zum Roten Meer erstreckt, sind zahlreiche Terrorgruppen aktiv. Die frühere Kolonialmacht Frankreich hat in der Region rund 5100 Soldaten seines Anti-Terror-Einsatzes «Barkhane» im Einsatz. Zu den G5-Staaten der Region gehören Mali, Tschad, Niger, Mauretanien und Burkina Faso.

Mit zunehmenden Engagement von Partnern aus der Region und aus Europa könne sich der französische Einsatz dann ändern, sagte Macron. Wie viel Soldaten er dann für die gefährliche Mission brauchen wird, ließ er offen. Er setze sich auch dafür ein, dass die gemeinsame Truppe der G5-Sahel-Staaten ausreichend finanziert werde, nötig seien 40 Millionen Euro im Jahr. Es werde auch über ein Mandat der UN für diese Truppe gesprochen.

Macron lobte EU-Länder wie Schweden, Estland, Tschechien oder Portugal, die sich bei der sogenannten Task Force Takuba in der Region beteiligen. «Die europäische Truppe Takuba ist mittlerweile an Ort und Stelle, die Zahl der Partner steigt», bilanzierte Macron via Twitter. «Die Sahel-Koalition ist heute stärker.» Deutschland ist bei diesem Einsatz nicht dabei. Paris pocht schon länger auf eine gerechte Lastenteilung bei dem Anti-Terror-Kampf, der alle Europäer angehe.


Akropolis in Weiß: Schneefreuden und -leiden in Athen

ATHEN: So viel Schnee hat es lange nicht gegeben - ganz Athen liegt unter einer dicken weißen Decke, mit entsprechenden Folgen für Groß und Klein. Die einen kämpfen gegen das Chaos, das der ungewohnte Wintereinbruch mit sich bringt, die anderen toben in der Kälte.

Parlament und Syntagma-Platz, Akropolis und Altstadt - die beliebten Touristenziele der griechischen Hauptstadt Athen sind am Dienstag kaum wiederzuerkennen. Bis zu 30 Zentimeter hoch liegt der Schnee stellenweise. Unvermindert fallen dicke Flocken vom Himmel, nur die Mutigsten sind mit dem Auto unterwegs, dafür verharren Spaziergänger immer wieder in ungläubigem Staunen. Fernsehsender überschlagen sich bei der Schnee-Berichterstattung, manche unterlegen die Berichte über die weiße Pracht gar mit Weihnachtsmusik. Allerdings können sich längst nicht alle Athener über die ungewohnte Wetterlage freuen.

Während der städtische Räumdienst verzweifelt versucht, die Hauptverkehrsstraßen frei zu halten, sind die Nebenstraßen meist unbefahrbar - zumal die wenigsten Athener über Winterreifen oder Schneeketten verfügen. Busse des öffentlichen Nahverkehrs blieben sicherheitshalber ebenfalls in den Depots. Entsprechend sind viele, die trotz Corona und Lockdown zur Arbeit hätten gehen können, zu Hause geblieben. Warm ist es dort allerdings nicht unbedingt: Vor allem im Norden der Stadt ist in etlichen Bezirken der Strom ausgefallen, weil umstürzende Bäume Strommasten oder -kabel mit sich gerissen haben.

Selbst Premier Kyriakos Mitsotakis zeigte sich beeindruckt: Solch ein Schneefall sei noch nie dagewesen, sagte er nach einer Sondersitzung des Zivilschutzes im griechischen Fernsehen. Derweil suchen Meteorologen historische Vergleiche, manche mutmaßen, es könnte der stärkste Schneefall seit dem Jahr 1934 sein. Den Kindern ist es gleich: Sie toben nach Möglichkeit draußen, bauen Schneemänner und rutschen verschneite Straßen hinunter. Noch bis Mittwochabend soll das Winterwetter andauern.


Arznei und Impfstoff gegen Ebola auf dem Weg nach Guinea und Kongo

GENF: Die Behörden im westafrikanischen Guinea und im zentralafrikanischen Kongo kämpfen mit Hochdruck gegen neue Ebola-Ausbrüche. Guinea habe bislang sieben Fälle gemeldet, im Osten Kongos seien es inzwischen vier Fälle, berichtete eine Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag in Genf. Die beiden Ausbrüche seien unabhängig voneinander. Die Regionen sind rund 4000 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt.

Die Gesundheitsbehörden in beiden Regionen seien erfahren im Umgang mit der hochansteckenden Krankheit, sagte die WHO-Sprecherin. Deshalb bestehe die Hoffnung, dass eine größere Ausbreitung verhindert werden kann. In Guinea seien drei Menschen an der Infektion gestorben, im Kongo zwei. Eine Ebola-Infektion führt meist zu hohem Fieber und inneren Blutungen und ist lebensgefährlich.

In Guinea hätten die Behörden 115 Kontakte der Infizierten identifiziert und überwachten deren Gesundheit, im Kongo seien es etwa 400 Kontakte, sagte die WHO-Sprecherin. Sowohl Impfstoffe als auch Medikamente, die sich bei früheren Ausbrüchen als effektiv erwiesen haben, seien auf dem Weg in die Regionen.

Beim letzten Ausbruch in Westafrika infizierten sich zwischen 2014 und 2016 in Guinea, Liberia und Sierra Leone 28.000 Menschen, mehr als 11.000 starben. Im Osten Kongos war ein größerer Ausbruch mit etwa 2300 Toten im Juni 2020 nach fast zwei Jahren für beendet erklärt worden.


Mehr als 30 mutmaßliche Mafiosi festgenommen

ROM: Die Polizei in Italien hat mehr als 30 mutmaßliche Mafiosi im Zusammenhang mit dem internationalen Drogenhandel festgenommen. Die Ermittler seien in der Hauptstadt Rom, in Reggio Calabria an der italienischen Stiefelspitze, Grosseto in der Toskana und der Region Venetien im Nordosten gegen die insgesamt 33 Tatverdächtigen vorgegangen, teilten die Carabinieri am Dienstag mit. Sie sollen demnach der kalabrischen 'Ndrangheta-Mafia angehören.

Die Ermittler werfen ihnen unter anderem vor, in den internationalen Drogenhandel verwickelt zu sein. Sie sollen Menschen nach der sogenannten Mafia-Methode erpresst und illegal Waffen besessen haben. Die Fahnder rekonstruierten in ihren Ermittlungen nach eigenen Angaben die Verbindungen einer zur 'Ndrangheta gehörenden Organisation bis nach Südamerika. An deren Spitze stand demnach eine Schlüsselfigur aus dem engeren Kreis der Mafia.

Die 'Ndrangheta gilt als die brutalste und mächtigste Mafia-Organisationen in Italien und macht ihr Geld etwa im Handel mit Kokain. Gegen die Organisation läuft derzeit ein Mega-Prozess im kalabrischen Lamezia Terme. Rund 300 mutmaßliche Anhänger der Mafia müssen sich verantworten.


Irischer Außenminister wirbt für Flexibilität im Nordirland-Streit

DUBLIN: Im Streit über Sonderregeln für die britische Provinz Nordirland hat Irlands Außenminister Simon Coveney für Flexibilität und Pragmatismus geworben. Großbritannien und die EU könnten Lösungen finden werden für Probleme, die «echten Frust» in Nordirland verursacht hätten, sagte Coveney der «Financial Times» (Dienstag). Allerdings könnten einige Forderungen Großbritanniens auch mit einem flexiblen Ansatz nicht erfüllt werden. Coveney warnte vor einer Polarisierung der Politik.

Die Rolle der Provinz ist eigentlich im «Nordirland-Protokoll» des Brexit-Abkommens geklärt. Demnach gelten dort - anders als im übrigen Vereinigten Königreich - weiter Regeln des Binnenmarkts und der Zollunion. Ziel ist, eine feste Grenze zum EU-Staat Irland zu vermeiden, aus Angst vor neuen Spannungen in der früheren Bürgerkriegsregion. Stattdessen sollen britische Waren bei der Einfuhr nach Nordirland kontrolliert werden. Damit ist eine Warengrenze zum übrigen Königreich entstanden - das hat zu Handelsproblemen geführt. Radikale Anhänger der Union mit Großbritannien hatten zuletzt mit Angriffen auf Zollbeamte gedroht.

«Wir sollten Flexibilität nicht als Schwäche oder Zugeständnis betrachten», sagte Coveney. «Vielmehr würde sichergestellt, dass wir eine Akzeptanz und vollständige Umsetzung des Protokolls erreichen.» Im Rahmen des Protokolls müsse auf die Sorgen von Unternehmen und vor allem Unionisten eingegangen werden, sagte der Minister. Möglich seien etwa «maßvolle Verlängerungen» von Zoll-Übergangsregeln, die bald auslaufen. Dauerhafte Ausnahmen seien aber nicht möglich. Es gebe auch keinen Spielraum, das Nordirland-Protokoll zu streichen. Der britische Premierminister Boris Johnson hat das Protokoll, dem er selbst zugestimmt hatte, zuletzt in Frage gestellt.


Gericht: Deutsche Ermittlungen nach Kundus-Angriff ausreichend

STRAßBURG: Die Ermittlungen der deutschen Justiz zu einem Luftangriff im afghanischen Kundus mit vielen Toten im Jahr 2009 sind nach Ansicht des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ausreichend gewesen. In dem Urteil vom Dienstag gibt die Große Kammer des Gerichts der Bundesrepublik damit Recht. Die Entscheidung ist endgültig, Beschwerde kann nicht eingelegt werden. Ein afghanischer Vater hatte in dem Fall geklagt und Deutschland Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Bei dem Angriff vor mehr als zehn Jahren waren seine beiden Söhne getötet worden.

Bei dem Angriff auf zwei von den Taliban gekaperte Tanklaster durch US-amerikanische Kampfflugzeuge in der Nacht zum 4. September 2009 waren etwa 100 Menschen ums Leben gekommen, darunter zahlreiche Zivilisten. Den Bombenabwurf befohlen hatte der damalige Bundeswehr-Oberst Georg Klein. Er befürchtete, dass die Aufständischen die Fahrzeuge als rollende Bomben benutzen könnten. An der Stelle hatten sich aber auch Bewohner aus der Umgebung versammelt, die sich mit Treibstoff eindecken wollten.

Der Luftangriff gilt als der blutigste deutsche Einsatz seit dem Zweiten Weltkrieg. In seiner Folge ermittelte der Generalbundesanwalt gegen Oberst Klein. Die Ermittlungen wurden eingestellt, da sich nicht ausreichend Anhaltspunkte für einen Verdacht ergeben hatten. Der Kläger vor dem Europäischen Menschenrechtsgericht hatte daraufhin versucht, eine Klage gegen Klein zu erzwingen. Auch mit einer Verfassungsbeschwerde war er in Deutschland erfolglos gewesen.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mit Sitz im französischen Straßburg gehört zum Europarat. Gemeinsam setzen sie sich für die Wahrung der Menschenrechte in den 47 Mitgliedstaaten ein. Sie sind keine Organe der Europäischen Union.


Militär: Nordkoreaner flüchtet über bewachte Grenze nach Südkorea

SEOUL: Einem Nordkoreaner ist nach Militärangaben offenbar die Flucht über die stark bewachte innerkoreanische Grenze nach Südkorea gelungen. Der Mann sei am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) an der Ostküste in der Nähe eines militärischen Kontrollpunkts südlich der Grenze von Überwachungskameras gefilmt worden, teilte der Generalstab der südkoreanischen Streitkräfte mit. Nach dreistündiger Suche sei der Mann schließlich aufgegriffen worden. Es werde davon ausgegangen, dass es sich um einen Nordkoreaner handle.

Nach Berichten der nationale Nachrichtenagentur Yonhap äußerte der zwischen 20 und 30 Jahre alte Mann seine Absicht, in Südkorea bleiben zu wollen. Unklar war demnach, ob es sich um einen Zivilisten oder eventuell einen fahnenflüchtigen Soldaten handelt.

Auch untersuchte das Militär, ob der Mann die Landesgrenze oder mit einem Boot die Seegrenze überquert hat. Beide Länder trennt auf dem Land eine vier Kilometer breite Pufferzone, die teilweise noch vermint ist. Zudem wird die Grenzzone auf beiden Seiten von Stacheldrahtzäunen gesichert.

Vor der Coronavirus-Pandemie flohen aus dem weitgehend abgeschotteten Nordkorea so gut wie jedes Jahr zahlreiche Menschen vor Hunger und Unterdrückung. Dass Menschen dabei über die innerkoreanische Grenze direkt nach Südkorea gelangen, kommt eher selten vor. In den meisten Fällen fliehen Nordkoreaner über die Grenze nach China. Viele von ihnen gelangen über dritte Länder nach Südkorea.


Ex-Schwimmstar nach Drogenfund festgenommen

SYDNEY: Ein australischer Ex-Schwimmstar und Olympia-Zweiter ist Berichten zufolge in Zusammenhang mit einem großen Drogenfund festgenommen worden. Die Polizei stellte eigenen Angaben zufolge bei einer Razzia in Sydney Methamphetamin im Wert von zwei Millionen australischen Dollar (1,3 Millionen Euro) sicher, das in Kerzen versteckt war.

Wie die Nachrichtenagentur AAP, das australische Fernsehen und zahlreiche Zeitungen übereinstimmend berichten, handelt es sich bei dem Festgenommenen um Scott Miller. Der heute 45-Jährige gewann bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 eine Silber- und eine Bronze-Medaille.

Ein Sprecher der Polizei im Bundesstaat New South Wales betonte, in acht Kerzen sei jeweils ein halbes Kilo Methamphetamin entdeckt worden. «Sie sahen in jeder Hinsicht aus wie normale Kerzen, aber sie waren nicht mit Düften versetzt, sondern mit Tod und Elend.» Die synthetisch hergestellte Substanz macht schnell abhängig und gilt im Vergleich zu anderen Drogen als besonders zerstörerisch.

Zwei Männer im Alter von 45 und 47 Jahren seien in Zusammenhang mit dem Fund inhaftiert worden, sagte der Sprecher. Sie würden beschuldigt, große Mengen der Droge ausgeliefert zu habe, die auch als Ice oder Crystal Meth bekannt ist. Der Sender ABC berichtete, es sei auch ein Fahrzeug konfisziert worden, mit dem die Drogen transportiert worden seien. Miller werde von der Polizei eine führende Rolle in dem Drogenring zugeschrieben, hieß es in den Berichten.


Bus in Indien stürzt in Kanal - 45 Menschen tot

NEU DELHI: In Indien ist ein Bus in einen Kanal gestürzt. Mindestens 45 Menschen kamen dabei ums Leben. Der Kanal sei rund neun Meter tief, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Im Bus saßen etwa 50 bis 60 Passagiere, obwohl dort eigentlich nur Platz für rund 35 Reisende gewesen sei, berichteten örtliche Medien. Sieben Menschen hätten gerettet werden oder sich selbst retten können, sagte der Sprecher. Noch sei unklar, wie es zum Unfall in dem Bundesstaat Madhya Pradesh kam. Verkehrsunfälle sind in Indien häufig. Jedes Jahr sterben dabei dort Hunderttausende.


USA und Deutschland verurteilen Raketenangriff im Irak

WASHINGTON: Die USA und verbündete Staaten wie Deutschland haben den Raketenangriff auf die nordirakische Stadt Erbil mit einem Todesopfer und mehreren Verletzten «aufs Schärfste» verurteilt. In einer gemeinsamen Mitteilung erklärten unter anderen Bundesaußenminister Heiko Maas und sein US-Amtskollege Antony Blinken, dass ihre Regierungen die Ermittlungen der irakischen Regierung unterstützten, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Angriffe auf Militärangehörige und Einrichtungen der USA und der von ihr angeführten Koalition im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat würden nicht toleriert. Der in der Nacht auf Mittwoch veröffentlichten Erklärung schlossen sich auch die Außenminister Frankreichs, Italiens und Großbritanniens an.

Der Angriff mit mehreren Raketen auf die nordirakische Stadt Erbil hatte sich am Montagabend ereignet. Die Sicherheitslage dort war in den vergangenen Jahren stabiler als in anderen Teilen des Krisenlandes. Einem Sprecher des Anti-IS-Bündnisses zufolge handelte es sich bei dem getöteten zivilen Auftragnehmer nicht um einen US-Amerikaner. Acht weitere Zivilisten und ein US-Militärangehöriger wurden demnach verletzt.

Eine weitgehend unbekannte Gruppe mit dem Namen «Brigaden der Hüter des Bluts» reklamierte den Angriff in den sozialen Medien für sich. Sie soll den Iran-treuen schiitischen Milizen im Irak nahestehen. Eine Gruppe mit diesem Namen hatte schon früher die Verantwortung für Angriffe auf US-Truppen übernommen, zuletzt im Süden des Irak. Blinken sagte am Dienstag in einem Radiointerview, es sei noch zu früh, um zu sagen, wer für den «ungeheuerlichen» Angriff in Erbil verantwortlich sei.


BHP profitiert von steigenden Eisenerzpreisen - mehr Dividende

MELBOURNE: Chinas Hunger nach Stahl und steigende Eisenerzpreise haben den australischen Rohstoffkonzern BHP in seinem ersten Geschäftshalbjahr kräftig angetrieben. Das um Einmaleffekte bereinigte Ergebnis kletterte trotz der Corona-Pandemie in den sechs Monaten bis Ende Dezember um 16 Prozent auf 6,0 Milliarden US-Dollar (rund 5 Mrd Euro), wie das Unternehmen am Dienstag in Melbourne mitteilte.

BHP machte für den Ergebnisanstieg vor allem eine sehr gute Produktion in einer Eisenerz-Mine in West-Australien verantwortlich. Die Halbjahres-Dividende soll auf den Rekordwert von 1,01 Dollar je Aktie steigen, im Vorjahr hatte sie noch 0,65 Dollar betragen.

Die Eisenerzpreise waren zuletzt stark gestiegen, auch weil China seine Ausgaben stark hochgefahren hatte, um die eigene Konjunktur anzukurbeln. Das Eisenerz-Geschäft steht bei BHP für den Löwenanteil der Erträge. BHP-Chef Mike Henry blickt zudem optimistisch in die Zukunft. Angesichts einer guten chinesischen Nachfrage und der Erholung im Rest der Welt sei die Voraussetzung für weiter robuste Preise gegeben, hieß es in der Mitteilung.

Unter dem Strich musste BHP allerdings einen kräftigen Gewinneinbruch um ein Fünftel auf rund 3,9 Milliarden Dollar hinnehmen. Ausschlaggebend waren Abschreibungen von mehr als zwei Milliarden Dollar im Zusammenhang mit vor dem Verkauf stehenden Kohlegeschäften. Hinzu kamen Ausgaben im Zusammenhang mit der Pandemie sowie dem Dammbruch in Brasilien im Jahr 2015.


Homosexuelle britische Veteranen können Rückgabe von Orden beantragen

LONDON: Britische Veteranen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung aus der Armee entlassen wurden und denen deshalb ihre Orden aberkannt wurden, können die Rückgabe der Auszeichnungen beantragen. Das Verteidigungsministerium in London teilte am Dienstag mit, damit solle ein «historisches Unrecht» wieder gut gemacht werden.

Bis 2000 war es Homosexuellen nicht erlaubt, in den Streitkräften zu dienen. Zuvor seien Soldaten wegen ihrer sexuellen Orientierung entlassen worden, so das Ministerium. «Einige wurden wegen Gesetzen über homosexuelles Verhalten verurteilt, die inzwischen entkriminalisiert wurden, andere wurden ausschließlich aufgrund ihrer Sexualität und ohne Verurteilung entlassen.» Dabei seien einigen ihre Orden aberkannt worden, andere hätten aufgrund der Entlassung keine Möglichkeit gehabt, eine Auszeichnung zu erlangen.

«Das Verteidigungsministerium ist entschlossen, dieses historische Unrecht wettzumachen und führt eine Richtlinie ein, die es Einzelpersonen ermöglicht, die Rückgabe ihrer Medaillen zu beantragen», teilte die Behörde weiter mit. Zudem könnten Angehörige im Namen mittlerweile verstorbener Veteranen einen Antrag stellen.

Zuvor hatte ein 70 Jahre alter Ex-Soldat das Ministerium erfolgreich verklagt. Seine Medaille war eingezogen worden, nachdem er 1993 seine Bisexualität öffentlich gemacht hatte.


«El País»: Endlich eine Frau und endlich Afrika

MADRID: Die spanische Zeitung «El País» kommentiert am Dienstag die Ernennung der Nigerianerin Ngozi Okonjo-Iweala zur neuen Generaldirektorin der Welthandelsorganisation (WTO):

«Die Wahl von Okonjo-Iweala ist eine hervorragende Nachricht, sowohl wegen ihrer hohen Qualifikation als auch wegen des Mutes, das inakzeptable Fehlen weiblicher und afrikanischer Vertreter in der multilateralen Führung zu überwinden. Okonjo-Iweala verfügt über ein Vierteljahrhundert Erfahrung im internationalen Finanzwesen in den Reihen der Weltbank - wo sie für ein Portfolio im Wert von rund 81 Milliarden Dollar verantwortlich war - und eine lange Karriere als nigerianische Wirtschaftsministerin. Donald Trumps Ablehnung torpedierte jedoch zunächst ihre Ernennung. Der neue US-Präsident Joe Biden hat diese Blockade richtigerweise sofort beendet.

Es ist notwendig, eine Konzentration auf den Westen zu überwinden, die nicht mehr zur geopolitischen Lage des 21. Jahrhunderts passt. Der Rest der Welt fordert zu Recht Veränderungen, und der Westen muss verstehen, dass dies nicht nur moralisch korrekt ist, sondern dass es in seinem eigenen Interesse liegt, dies zu akzeptieren. Ein angemessener Pluralismus in der Führung der globalen Institutionen ist die Voraussetzung, um deren Effektivität aufrechtzuerhalten.»


Starke Schneefälle verursachen Verkehrschaos

ATHEN: Die Kältefront «Medea» hat mit starken Schneefällen chaotische Zustände in weiten Teilen Griechenlands verursacht. Sogar auf der Akropolis in Athen lag nach stundenlangen Schneeschauern am Dienstagmorgen eine etwa zehn Zentimeter dicke Schneedecke, wie das Staatsfernsehen ERT berichtete. Starke Schneefälle wurden auch von vielen Inseln gemeldet.

Sämtliche Busverbindungen und die Stadtbahn von Athen wurden eingestellt. Die wichtigste Verkehrsader des Landes, die Autobahn Athen-Thessaloniki, musste wegen vereister Fahrbahnen gesperrt werden, wie die Verkehrspolizei mitteilte. «Bitte gehen Sie nicht aus dem Haus», rief der Zivilschutz die Bürger auf. Vielerorts fiel der Strom aus.

Weil die meisten Straßen auch im Zentrum Athens unpassierbar waren, sagte das Gesundheitsministerium alle Corona-Impfungen für den Vormittag ab. Das Winterwetter soll bis Mittwochabend andauern.


Tiktok im Visier von EU-Verbraucherschützern: Kinder nicht geschützt

BRÜSSEL: Die beliebte Kurzvideo-App Tiktok gerät ins Visier europäischer Verbraucherschützer. Der europäische Verbraucherverband Beuc reichte am Dienstag eine Beschwerde über das Videoportal bei der EU-Kommission und dem Netzwerk nationaler Verbraucherschutzbehörden ein. «Tiktok lässt seine Benutzer im Stich, indem ihre Rechte massenhaft verletzt werden», sagte Generaldirektorin Monique Goyens. «Kinder lieben Tiktok, aber das Unternehmen versagt darin, sie zu schützen.» Konkret bemängeln die Verbraucherschützer etwa, dass Kinder und Jugendliche nicht ausreichend vor versteckter Werbung und potenziell schädlichen Inhalten geschützt würden. Auch sei das Vorgehen bei der Verarbeitung persönlicher Daten irreführend, mehrere Klauseln der Nutzungsbedingungen seien unfair.


Erdbeben im Pazifik bei Vanuatu

PORT VILA: Ein Erdbeben der Stärke 6,2 hat am Dienstagvormittag (Ortszeit) den Inselstaat Vanuatu im Pazifik erschüttert.

Das Zentrum des Bebens lag etwa 90 Kilometer westlich der Hauptstadt Port Vila in einer Tiefe von zehn Kilometern unter der Meeresoberfläche, wie die amerikanische Erdbebenwarte USGS mitteilte. Über eventuelle Schäden lagen zunächst keine Angaben vor. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht herausgegeben.


Ski-WM in Oberstdorf: Trainer will «Lagerkoller vermeiden»

OBERSTDORF: Bundestrainer Hermann Weinbuch wird bei der Ski-WM in Oberstdorf in der kommenden Woche den Kontakt zu den anderen deutschen Teilnehmern vermissen. «Untereinander können wir uns in der deutschen Mannschaft diesmal kaum sehen», sagte der Coach der Nordischen Kombinierer der «Augsburger Allgemeinen Zeitung» (Mittwoch). «Wir werden mit den Langläufern oder Springern nicht in Kontakt sein, wie es sonst bei einer WM war. Das war immer ein schöner Nebeneffekt, das ist leider nicht möglich.» Angesichts der Corona-Pandemie gelte: «Jede Mannschaft ist in ihrer eigenen Blase.»

Wichtig werde es sein, einen Lagerkoller zu vermeiden, sagte Weinbuch: «Wir können in eine Halle gehen, um Fußball zu spielen. Im Hotel haben wir Krafträume, ein Spielzimmer, in dem man Darts, Tischtennis oder Billard spielen kann.» Die Titelkämpfe im Allgäu beginnen am 23. Februar und dauern bis zum 7. März.

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