Neuer EU-Chefdiplomat wirbt für «Sprache der Macht»

Foto: epa/Patrick Seeger
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BRÜSSEL (dpa) - Selbst spielen oder lieber das Spielfeld geben? Nach Ansicht des neuen EU-Außenbeauftragten Josep Borrell müssen die EU-Staaten entscheiden, welche Rolle Europa künftig in der Weltpolitik einnehmen soll. Kann der Spanier seine eigene Position durchsetzen?

Der neue EU-Außenbeauftragte Josep Borrell wirbt bei den EU-Staaten für eine offensivere und machtbewusstere europäische Politik. «Wir müssen häufiger die Sprache der Macht sprechen - nicht um zu erobern, aber um einen Beitrag zu einer friedlicheren, wohlhabenderen und gerechteren Welt zu leisten», schrieb der Spanier kurz vor dem EU-Außenministertreffen an diesem Montag an die Teilnehmer.

Derzeit erlebe die Welt die Wiedergeburt des geostrategischen Wettbewerbs, in dem sich vor allem China, Russland und die USA in einem großen Machtspiel gegenüberstünden. Die Europäische Union habe nun die Wahl, ob sie Spieler oder lieber Spielfeld sein wolle, heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Zu seiner eigenen Position schreibt Borrell, die EU behaupte zu Recht, eine vorbildliche «Soft Power» zu sein. Gleichzeitig seien zuletzt aber selbst Alliierte in Versuchung gekommen, ihre eigene «Soft Power» in «Hard Power» umzuwandeln. «Der Handel, Technologien, Geld und Daten werden als Waffe genutzt», erklärt der frühere spanische Außenminister. Dieses Spiel dürfe nicht mitgespielt, aber auch nicht ignoriert werden. «Deswegen müssen wir nicht nur in der Lage sein zu reagieren, sondern auch zu agieren und sich entgegenzustellen, wenn es notwendig ist», fordert Borrell.

Als eine wichtige Voraussetzung dafür nennt der Spanier Zusammenarbeit und Zusammenhalt. «Leider könnten andere versuchen, uns zu schwächen und zu spalten», warnt er. Um erfolgreich sein zu können, müsse man sich um innere Geschlossenheit bemühen und draußen für den Erfolg kämpfen. Allein werde sich kein EU-Staat durchsetzen können.

Die Außenminister der EU-Staaten treffen sich an diesem Montag (10.00 Uhr) zum ersten Mal unter Vorsitz von Borrell, der Anfang Dezember die Nachfolge von Federica Mogherini angetreten hat. Themen bei dem Ministerrat in Brüssel sind die Vorbereitungen für eine neue umfassende Afrika-Strategie sowie Pläne für einen effizienteren Mechanismus zur Sanktionierung von Menschenrechtsverletzungen. Zudem dürften die jüngsten Entwicklungen in Hongkong und Libyen, die Spannungen mit der Türkei sowie die Bemühungen zur Rettung des Atomabkommens mit dem Iran thematisiert werden. Als Vertreter Deutschlands wird Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) zu dem Treffen erwartet.

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Walter Pfau 10.12.19 15:55
Sprache der Macht @ Ingo Kerp
...ist auch ein Witz, mit den Kleinmächten Polen, Ungarn und Tschechien hierbei Erfolge zu erzielen.Bin gespannt, wie deren nationalistische Einstellung weiterhin durch die Subventionsflut der EG gefördert wird.
Ingo Kerp 10.12.19 13:30
Die EU ist seit Jahren so zerstriten und nationalistisch eingestellt, das sie keinen Gegenpol zu den autoritären USA, China und Russland darstellt. Bei dieser Situation hoert sich das Motto: "Sprache der Macht" wie ein Witz an. So wird es wohl von den 3 aufgeführten Großmächten auch gesehen.