Mich interessiert die Zerrissenheit

Neue «Tatort»-Ermittlerin

Archivbild: epa/Urs Flueeler
Archivbild: epa/Urs Flueeler

BERLIN (dpa) - Manche erinnert sie an Amy Winehouse: Schauspielerin Carol Schuler wird «Tatort»-Kommissarin in Zürich. Ein Gespräch über die neue Rolle, ihre Arbeit an der Berliner Schaubühne - und die Frage, was in der Schweiz besser läuft.

Im nächsten Jahr wird sie TV-Ermittlerin: Carol Schuler freut sich auf ihre Rolle als Schweizer «Tatort»-Kommissarin. Das Schöne am «Tatort» sei ja, dass man über längere Zeit eine Figur entwickeln könne. «Wenn man normalerweise einen Film dreht, hat man einen Monat Drehzeit und dann wendet man sich neuen Dingen zu», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Schuler hatte bereits eine Nebenrolle in der US-Serie «Homeland», hat mehrere Filme gedreht und gehört seit 2017 zum Ensemble der Berliner Schaubühne. Derzeit probt sie dort das Theaterstück «Prometheus», das am Donnerstag Premiere feiert. Ab Herbst 2020 soll die Schweizer Schauspielerin dann auch im «Tatort» zu sehen sein.

Ihre Figur Tessa Ott sei eine «sehr unkonventionelle Ermittlerin»: Sie habe Psychologie studiert und nie den Plan gehabt, bei der Polizei zu landen. Ihre Figur komme aus einem reichen Züricher Haushalt, habe dann aber Zeit in der linken, autonomen Szene verbracht. Deswegen falle ihr der Wechsel zur Polizei nicht leicht. «Mich interessiert diese Zerrissenheit», sagte Schuler.

Die 32-jährige Schweizerin lebt seit mehreren Jahren in Berlin. Was läuft anders, wenn man Berlin und die Schweiz vergleicht? Beim Öffentlichen Nahverkehr merke man schon Unterschiede. In der Schweiz seien Züge pünktlich. «Und wenn doch mal eine Minute Verspätung angezeigt wird, dann ist es wirklich eine Minute», sagte Schuler. «Das ist in Berlin schon manchmal schwierig.»

Ansonsten habe sie aber nicht das Gefühl, dass in Berlin nichts funktioniere. «Im Gegenteil: Man hat die Freiheit, vieles möglich zu machen. Und so entstehen vielleicht auch Sachen, die in der Schweiz nicht entstehen würden. Weil Berlin etwas freier und offener ist.»

Oft werde sie auf ihre Ähnlichkeit mit der Sängerin Amy Winehouse angesprochen, sagte Schuler. Sie habe auch mal ein Video gemacht, in dem sie «Valerie» singe. Das habe sie ungefragt als Castingvideo für einen Film über Winehouse weggeschickt. Schuler macht selbst Musik und ist bald in einem Film über Udo Lindenberg zu sehen. Im Schweizer «Tatort» ermittelt sie künftig im Duo mit Anna Pieri Zuercher.

Die Filme würden auf Schweizerdeutsch gedreht und für das deutsche Publikum nachsynchronisiert. Dass das ein Problem sei, habe sie auch in den Kritiken wieder gelesen, sagte Schuler. Das stelle einen Abstand her, sei aber leider nötig. «Das Schweizerdeutsch wäre für viele Deutsche nicht verständlich und bei Untertiteln würden manche vielleicht abschalten.» Wenn Schuler Hochdeutsch spricht, hört man ihre Herkunft übrigens nicht raus: «Ich habe mir den Akzent in der Schauspielschule hart abtrainiert.»

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