Nettoeinwanderung nach Großbritannien geht um zehn Prozent zurück

Aktivisten protestieren vor einem Meldezentrum des Innenministeriums in Croydon, Südlondon, gegen das Ruanda-Abschiebungsprogramm der britischen Regierung. Foto: epa/Tolga Akmen
Aktivisten protestieren vor einem Meldezentrum des Innenministeriums in Croydon, Südlondon, gegen das Ruanda-Abschiebungsprogramm der britischen Regierung. Foto: epa/Tolga Akmen

LONDON: Die Nettoeinwanderung nach Großbritannien ist laut Schätzungen der nationalen Statistikbehörde ONS im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Demnach wanderten 2023 etwa 685.000 mehr Menschen in das Vereinigte Königreich ein als aus. Die Zahl für 2022 - der bisherige Rekord - lag aktuellen Schätzungen zufolge bei 764.000.

Der Rückgang entspricht etwa zehn Prozent. Es sei noch zu früh, zu bewerten, ob es sich um einen Trend handle, teilte das ONS mit. Die Schätzungen legten jedoch nahe, dass die Zahl der Einwanderer sinke und die der Auswanderer steige.

Das Thema Einwanderung dürfte eine große Rolle im Wahlkampf für die für den 4. Juli angesetzte Parlamentswahl spielen. Die konservative Partei von Premierminister Rishi Sunak verspricht angesichts wachsender Wohnungsnot und einem stark unter Druck stehenden Gesundheitssystem, die Einwanderung zu reduzieren.

Die Zahl der Nettoeinwanderung nach Großbritannien unterliegt jedoch starken Schwankungen. Noch die konservative Premierministerin Theresa May (2016 bis 2019) hatte das Ziel ausgerufen, die Zahl auf unter 100.000 drücken zu wollen. Das scheint angesichts aktueller Zahlen illusorisch. Während der Pandemie sank die Nettoeinwanderung zwischenzeitlich jedoch aufgrund von Reisebeschränkungen auf 93.000 im Jahr 2020, stieg dann jedoch wieder stark an.

Seit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union steigt der Anteil der Einwanderer aus Nicht-EU-Staaten. Den ONS-Angaben zufolge kamen vierzig Prozent der Arbeitsmigranten im vergangenen Jahr entweder aus Indien oder Nigeria. Eine verstärkte Abwanderung verzeichnete die Behörde bei Menschen, die zunächst mit Studentenvisum nach Großbritannien eingereist waren. Dieser Trend dürfte sich noch verstärken, nachdem die Regierung zu Beginn dieses Jahres die Voraussetzungen für den Familiennachzug von Studierenden verschärft hat.

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