Ukraine beginnt Militärmanöver mit Nato-Truppen

US-Armee-General James C. McConville, Stabschef der US-Armee, nimmt an einer Pressekonferenz teil. Foto: epa/Bogdan Cristel
US-Armee-General James C. McConville, Stabschef der US-Armee, nimmt an einer Pressekonferenz teil. Foto: epa/Bogdan Cristel

JAWORIW: Mitten im Machtkampf im Nachbarland Belarus (Weißrussland) hält die Ukraine gemeinsam mit Nato-Soldaten ein Militärmanöver ab. Die Übungen begannen am Donnerstag etwa 180 Kilometer von Belarus an der Westgrenze des Landes. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte zum Auftakt: «Schnellstmöglich müssen wir die Anpassung der Streitkräfte der Ukraine an die entsprechenden Strukturen der Allianz erreichen.»

Auch in Litauen, das ebenfalls an Belarus grenzt, übt die Nato. Die belarussische Armee selbst hält an der Grenze zu Polen gemeinsam mit Russland ein eigenes Manöver ab. Seit der Präsidentenwahl in Belarus am 9. August kommt es dort täglich zu Protesten.

Bei der Übung in der Ukraine werden bis zum 25. September bei «Rapid Trident» (deutsch: «Schneller Dreizack») mehr als 4000 überwiegend ukrainische Soldaten mit schwerer Technik und Flugzeugen trainieren. Wegen der Corona-Pandemie sind aber weniger ausländische Streitkräfte dabei als ursprünglich geplant.

Parallel dazu nimmt eine ukrainische Kompanie motorisierter Infanteristen mit mehreren Schützenpanzern an einem US-Manöver in Hohenfels (Bayern) teil. Die ukrainische Armee führt seit Mitte der 1990er Jahre gemeinsame Übungen mit US- und Nato-Truppen durch. Westliche Ausbilder trainieren zudem seit 2015 Ukrainer für den Kampf gegen die von Russland unterstützten Separatisten in der Ostukraine.


Nato startet neues Atlantik-Kommando

BRÜSSEL: Die Nato wird an diesem Donnerstag ein neues Streitkräftekommando in den USA für einsatzfähig erklären. Die Einheit in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia soll einen besseren Schutz der Transport- und Kommunikationswege zwischen Nordamerika und Europa gewährleisten. Der Nordatlantik sei wegen militärischer Nachschubrouten, ziviler Handelswege und Kommunikationskanälen «von vitaler Bedeutung für die Sicherheit Europas», heißt es dazu aus der Verteidigungsallianz.

Mit der Stärkung ihrer Kommando- und Streitkräftestruktur reagiert die Nato vor allem auf die als aggressiv wahrgenommene Politik Russlands. Insbesondere östliche Bündnispartner fühlen sich bedroht, seit der große Nachbar 2014 mit der Unterstützung pro-russischer Separatisten in der Ukraine begann und sich die Schwarzmeerhalbinsel Krim einverleibte.

Zu den bei der Nato kursierenden Szenarien gehört, dass russische U-Boote Unterseekabel zwischen den USA und Europa kappen könnten. Durch diese Kabel fließt auch ein Teil der Internetkommunikation. Attacken dieser Art könnten Teil einer hybriden Kriegsführung sein - also einer Mischung offener und verdeckter Kriegshandlungen.

Das Kommando in Norfolk (JFCNF) ergänzt ein ebenfalls neu geschaffenes Kommando in Ulm (JSEC) in Baden-Württemberg. Letzteres hatte bereits vor einem Jahr die erste Stufe der Einsatzfähigkeit erreicht und ist für Truppen- und Materialtransporte in Europa zuständig. Die volle Einsatzfähigkeit sollen beide Kommandos bis September 2021 erreichen.

Dem JSEC in Um sollen am Ende rund 270 Offiziere und Soldaten angehören, im Krisenfall bis zu 600. Die geplante Personalstärke für das JFCNF in den USA wird mit rund 150 Frauen und Männern angegeben.

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Walter Andriuet 18.09.20 18:07
Nato Manöver
Man muss sich einmal vorstellen was los wäre in Washington, wenn die Russen auf Kuba Manöver durchführen würden. Es ist erstaunlich wie ruhig sich Putin verhält, während die Nato im russischen Vorgarten Kriegspiele durchführt.
Hermann Auer 18.09.20 15:16
@Beat Sigrist
Bin voll Ihrer Meinung. Gleich auch Deutschland und was sonst noch von der EU in der Nato mitzündelt, raus aus diesem Angriffsbündnis. Würde einiges auf dieser Welt ruhig stellen.
Beat Sigrist 17.09.20 19:37
Vielleicht sollte man bei der Nato
noch einige Länder aus der Nato entfernen, welche keine demokratische Regierung haben oder auf anderen Wegen Unruhe stiften gegen bestehende Nato Partner. Nicht zu vergessen die Türkei, welche in Syrien gegen sämtlichen Menschenrechte verstossen gegen die Zivilbevölkerung. Massenmord, Vergewaltigungen usw. Diese Straftaten wurden durch Amnestie International und internationalen Nachrichtensender auch aus den USA bereits bestätigt und belegt durch Videos und Zeugenberichte.