Namibias Parlament debattiert Aussöhnungsabkommen

Deutschland erkennt den Völkermord an Namibia während der Kolonialzeit offiziell an. Foto: epa/Clemens Bilan
Deutschland erkennt den Völkermord an Namibia während der Kolonialzeit offiziell an. Foto: epa/Clemens Bilan

WINDHUK: In Namibia wurde am Mittwoch die parlamentarische Debatte über das unterschriftsreife Abkommen zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit erneut aufgenommen. Man hoffe, in den kommenden Tagen darüber abstimmen zu können, sagte Parlamentssprecher David Nahongandja der Deutschen Presse-Agentur. Die Abstimmung hatte sich verzögert, nachdem im Juni aufgrund steigender Corona-Zahlen die Parlamentssitzungen ausgesetzt werden mussten.

Nach Angaben Nahongandjas unterbrachen am Dienstag Mitglieder der Opposition wiederholt die Vorstellung des Abkommens durch die Regierung im Parlament. Vor dem Parlamentsgebäude protestierten etwa 300 Menschen gegen das geplante Abkommen. In einer Petition, die sie dem Parlament überreichten, sprachen sie von einem «Ausverkauf».

Mehr als 100 Jahre nach den Verbrechen der deutschen Kolonialmacht im heutigen Namibia erkennt die Bundesregierung in dem Abkommen die Gräueltaten an den Volksgruppen der Herero und Nama als Völkermord an. Deutschland will die Nachkommen offiziell um Vergebung bitten und in den nächsten 30 Jahren mit 1,1 Milliarden Euro unterstützen.

Vorausgegangen waren jahrelange Verhandlungen. Das Deutsche Reich war von 1884 bis 1915 Kolonialmacht im damaligen Deutsch-Südwestafrika und schlug Aufstände brutal nieder. Während des Herero-und-Nama-Kriegs von 1904 bis 1908 kam es zu einem Massenmord, der als erster Genozid im 20. Jahrhundert gilt.

Historiker schätzen, dass 65.000 von 80.000 Herero und mindestens 10.000 von 20.000 Nama getötet wurden. Seit 2015 verwendet das Auswärtige Amt dafür den Begriff Völkermord in seinem allgemeinen Sprachgebrauch. Nun werden die Gräueltaten auch offiziell als Völkermord bezeichnet. Die Bundesregierung hatte immer wieder betont, dass es aus ihrer Sicht keinen Rechtsanspruch auf Entschädigung gebe.

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Johannes Heinrich Paul Schulte 23.09.21 23:37
@ Roman Knoepfel
Herr Kerp hatte den Sachverhalt mit keinem Wort in Abrede gestellt.

Was aber schon richtig ist, deutsche Politiker sind mit dem Verteilen von Steuergeldern an Nichtdeutsche gerne dabei. Geld anderer Leute verteilen und politisches Wohlwollen dafür zu kassieren ist Karriere fördernd, egal ob das Geld im eigenen Land nicht dringend gebraucht würde.

Roman Knöpfel 23.09.21 18:35
@ Ingo Kerp
Namibia ist ja nicht irgendein afrikanischer Staat. Namibia war eine deutsche Kolonie. Zudem hat die deutsche Besatzungsmacht tausende von Eingeborenen umgebracht. Vielleicht sollten Sie sich zuerst mit historischen Fakten befassen, bevor Sie einen solchen Kommentar schreiben.
Ingo Kerp 23.09.21 15:19
Es erstaunt schon das, wenn es um Geld geht, man sich gerne immer wieder an DE richtet. Auch andere europ. Staaten haben Raubbau an der Bevoelkerung Afrikas und anderer Kontinente vorgenommen. Da die deutsche Regierung sich allerdings bereits selbst Asche aufs Haupt gestreut hat, fällt es leichter an diese Regierung Forderungen zu stellen.