Nahostkrise: Aktuelles Geschehen am Mittwoch

Nahostkrise: Aktuelles Geschehen am Mittwoch

Aktivisten: Tote nach mutmaßlich israelischen Angriffen

DAMASKUS/TEL AVIV: Bei zwei mutmaßlich israelischen Angriffen im Nordwesten Syriens sind Menschenrechtsaktivisten zufolge ein Kind sowie drei Mitglieder der Hisbollah-Miliz getötet worden. In der Hafenstadt Banijas hätten der Einschlag einer israelischen Rakete sowie eine syrische Abwehrrakete zu zwei Explosionen geführt, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien am Mittwochabend mit. Infolgedessen seien ein Mädchen getötet und zwölf Zivilisten verletzt worden. Syriens staatliche Nachrichtenagentur Sana sprach von einem getöteten Kind und zehn Verletzten.

Auch im Umland der Stadt Homs habe es einen israelischen Angriff gegeben, teilte die Beobachtungsstelle weiter mit. Dieser habe einen Militärstandort zum Ziel gehabt. Bei den dabei getöteten Mitgliedern der libanesischen Hisbollah-Miliz soll es sich den Angaben nach um Syrer handeln.

Israels Militär teilte auf Anfrage mit, die Berichte zu den Angriffen zu prüfen.

Israels Luftwaffe bombardiert immer wieder Ziele im benachbarten Syrien. Erst in der vergangenen Woche sollen dabei sechs Mitglieder der proiranischen Hisbollah getötet worden sein. Israel will mit den Angriffen verhindern, dass sein Erzfeind Iran und mit ihm verbündete Milizen ihren militärischen Einfluss in dem Land ausweiten. Der Iran ist einer der wichtigsten Verbündeten Syriens. Seit Beginn des Gaza-Kriegs Anfang Oktober haben die israelischen Angriffe, die von Israel meist nicht offiziell bestätigt werden, zugenommen.


Armee: Gazas Grenzbereich zu Ägypten unter israelischer Kontrolle

GAZA/TEL AVIV: Israels Militär hat im Gazastreifen eigenen Angaben zufolge die Kontrolle über den gesamten Abschnitt an der Grenze zu Ägypten übernommen. Die Hamas habe den als Philadelphi-Korridor bekannten Bereich für den Schmuggel von Waffen genutzt, sagte Armeesprecher Daniel Hagari am Mittwochabend. In dem etwa 14 Kilometer langen Abschnitt gebe es rund 20 Tunnel, die nach Ägypten führten. Israels Militär habe entlang des Philadelphi-Korridors zudem Dutzende Raketenwerfer der Hamas entdeckt. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Im Großteil des als Korridors seien israelische Truppen stationiert, berichteten mehrere Medien unter Berufung auf die Armee. Einige der Tunnel wurden demnach zerstört. Israel habe auch sein Nachbarland Ägypten darüber informiert. Insgesamt sollen sich israelischen Medien zufolge 82 Tunnelschächte in der Gegend befinden.

Der staatsnahe ägyptische Fernsehsender Al-Kahira News berichtete unter Berufung auf eine hochrangige Quelle, die Berichte über die Tunnel an der ägyptischen Grenze seien nicht wahr. Ägypten ließ in der Vergangenheit allerdings bereits selbst Tunnel aus dem palästinensischen Küstengebiet fluten, da durch die unterirdischen Gänge auch Waffen aus dem Gazastreifen zu Extremisten in den Nord-Sinai gelangt sein sollen. Im Januar sagte ein ägyptischer Beamter, das Land habe innerhalb der vergangenen zehn Jahre 1500 Tunnel zerstört.

Anfang Mai waren israelische Truppen in Teile der Stadt Rafah im südlichen Gazastreifen vorgerückt. Sie übernahmen dort auf palästinensischer Seite den einzigen Grenzübergang nach Ägypten.


Israels Armee: Anderthalb Kilometer langes Hamas-Tunnelnetz zerstört

GAZA/TEL AVIV: Israels Armee hat nach eigener Darstellung ein anderthalb Kilometer langes Tunnelsystem der Hamas nahe der Stadt Rafah zerstört.

Der Eingang habe sich rund 100 Meter vom Grenzübergang zu Ägypten befunden und zu einer verzweigten unterirdischen Route geführt, teilte Armeesprecher Daniel Hagari am Mittwochabend mit. Mitglieder der Hamas hätten das Tunnelsystem im südlichen Gazastreifen genutzt, um Soldaten anzugreifen und Waffen zu transportieren. In den unterirdischen Gängen unterschiedlicher Tiefe hätten die Einsatzkräfte Raketen, Sprengsätze und weitere Waffen gefunden. Es gab dort demnach auch Räume und Badezimmer.


Nach Streit um Gaza-Krieg: Brasilien zieht Botschafter aus Israel ab

BRASÍLIA: Nach einem Eklat im Februar war der Diplomat bereits zu Konsultationen heim gerufen worden. Jetzt ist klar: Er kommt nicht mehr zurück. Das Verhältnis zwischen den Ländern ist angespannt.

Nach einer diplomatischen Auseinandersetzung über den Gaza-Krieg hat die brasilianische Regierung ihren Botschafter in Israel offiziell abgezogen. Federico Meyer werde Brasilien künftig bei der Genfer Abrüstungskonferenz vertreten, hieß es am Mittwoch im Amtsblatt des südamerikanischen Landes. Damit wird die brasilianische Botschaft in Israel nur noch von einem Geschäftsträger geführt.

Meyer war bereits im Februar zu Konsultationen nach Brasilien beordert worden, nachdem die Auseinandersetzungen über die Bewertung des Gaza-Kriegs eskaliert waren. Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hatte den israelischen Militäreinsatz in Gaza mit dem Holocaust verglichen. Daraufhin erklärte ihn Israels Außenminister Israel Katz zur unerwünschten Person und zitierte Botschafter Meyer in die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Dies wurde von der brasilianischen Regierung als öffentliche Demütigung verstanden.


Irans Revolutionsgarden bestätigen Waffenlieferung an Huthi-Rebellen

TEHERAN: Irans Revolutionsgarden (IRGC) haben erstmals eine Waffenlieferung an die Huthi-Rebellen im Jemen bestätigt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim vom Mittwoch handelt es sich um eine ballistische Seerakete, den Seezielflugkörper «Ghadr». Dieser habe nach IRGC-Angaben eine Reichweite von 2000 Kilometern. Die Übergabe der Rakete werde Irans Erzfeinde USA und Israel vor neue Herausforderungen in der Region stellen, so die IRGC.

Der Iran unterstützt die Huthi-Rebellen im Jemen seit Jahren als Teil des regionalen Widerstands gegen Israel. Teheran hat jedoch bislang behauptet, dass diese Unterstützung rein politisch sei und die Huthis ihre militärischen Aktionen ohne ausländische Hilfe und ausführten.

Seit Ausbruch des Gaza-Krieges zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Oktober greifen die Huthis immer wieder Schiffe mit angeblichen Verbindungen zu Israel im Roten Meer an. Auch greifen sie immer wieder Israel direkt mit Drohnen und Raketen an.


KI-Bild «All eyes on Rafah» geht viral - fast 40 Millionen mal geteilt

GAZA/TEL AVIV: Ein mit Künstlicher Intelligenz geschaffenes Bild unter der Überschrift «All eyes on Rafah» ist binnen kurzer Zeit in sozialen Medien viral gegangen. Allein auf Instagram wurde das Bild, das offenbar Zeltlager von Geflüchteten in der Stadt im Süden des Gazastreifens zeigen soll, fast 40 Millionen mal geteilt. Als Ursprung der Kampagne gilt ein Account in Malaysia.

Der Slogan stammt offenbar aus Äußerungen des Vertreters der Weltgesundheitsorganisation für die palästinensischen Gebiete, Rik Peeperkorn, der im Februar vor den Folgen einer israelischen Offensive in der mit Geflüchteten überfüllten Stadt gewarnt hatte.

Zahlreiche propalästinensische Nutzer teilten das KI-Bild, von proisraelischer Seite wurde es dagegen kritisiert. Auf X wurden unter dem #AllEyesOnRafah daher sowohl Bilder von Palästinensern geteilt, die bei dem israelischen Militäreinsatz in der Stadt getötet wurden, als auch Bilder von Opfern des Massakers der islamistischen Hamas in Israel am 7. Oktober.

Nach einem verheerenden Luftangriff Israels am Sonntagabend mit etlichen Todesopfern in einem Flüchtlingslager hatte sich die internationale Kritik am israelischen Vorgehen in Rafah noch deutlich verschärft.


Explosion von Sprengfalle in Rafah: Drei israelische Soldaten getötet

GAZA/TEL AVIV: Drei israelische Soldaten sind nach Medienberichten vom Mittwoch bei der Explosion einer Sprengfalle in einem Gebäude in Rafah im südlichen Gazastreifen getötet worden. Die israelische Armee teilte am Mittwoch nur mit, am Vortag seien drei Soldaten der Infanteriebrigade Nachal bei Kämpfen im südlichen Gazastreifen gefallen.

Israelische Soldaten gehen bei dem Einsatz in dem Küstenstreifen unter anderem von Haus zu Haus auf der Suche nach Waffen. Viele Gebäude sind nach Militärangaben mit tödlichen Sprengfallen präpariert.

Mit dem Vorfall am Dienstag sind seit Beginn des Gaza-Kriegs am 7. Oktober nach Angaben der Armee auf israelischer Seite 639 Soldaten und Soldatinnen gefallen und mehr als 3600 weitere verletzt worden. Auslöser des Kriegs war das beispiellose Massaker mit mehr als 1200 Toten, das Terroristen der Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober in Israel verübt hatten.

Im folgenden Krieg wurden nach Angaben der von der islamistischen Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bisher mehr als 36.100 Palästinenser getötet und mehr als 81.400 weitere verletzt. Die Behörde unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern. Die Zahlenangaben können derzeit nicht unabhängig überprüft werden.


Israel begeht «völkermordendes Massaker» in Gaza

RIAD: Saudi-Arabien hat Israels Vorgehen in Rafah im südlichen Gazastreifen als «völkermordendes Massaker» bezeichnet. In einer Erklärung auf X aus der Nacht zu Mittwoch verurteilte das saudische Außenministerium die jüngsten Angriffe der israelischen Armee, «die auf die Zelte wehrloser palästinensischer Flüchtlinge» zielten, scharf. Israel verstoße «eklatant» gegen jegliche internationale Resolutionen, Gesetze und Normen.

Saudi-Arabien forderte die internationale Gemeinschaft auf, das «Massaker gegen das palästinensische Volk» zu stoppen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Der einflussreiche Golfstaat hat Israels Vorgehen im Gazastreifen bereits mehrfach scharf verurteilt.

Israels Armee wies am Dienstagabend Berichte zurück, sie habe am Sonntag eine humanitäre Zone angegriffen. Attackiert worden sei vielmehr eine nahegelegene Anlage der Hamas. Es werde untersucht, ob dort etwa Waffen gelagert waren, die bei dem Luftangriff explodierten und so den tödlichen Großbrand in dem Zeltlager auslösten. Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde kamen mindestens 45 Menschen ums Leben, unter ihnen viele Frauen und Minderjährige. Der Luftangriff in Rafah löste international Kritik und Entsetzen aus.

Vor Ausbruch des Gaza-Kriegs hatten die USA Gespräche mit Saudi-Arabien über eine mögliche Normalisierung der Beziehungen mit Israel geführt. Nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober auf Israel wurden sie ausgesetzt. Der saudische Kronprinz und faktische Herrscher, Mohammed bin Salman, äußerte aber weiter ein «großes Interesse» seines Landes. Noch im September vergangenen Jahres hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gesagt, Israel stehe «an der Schwelle» zu einem historischen Frieden mit Saudi-Arabien.

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