Chef des MV-Werften-Eigners Genting HK tritt zurück

Tan Sri Lim Kok Thay (r.) besichtigt die Schiffbauhalle von MV-Werften in Wismar. Arcivfoto: epa/JENS BUETTNER
Tan Sri Lim Kok Thay (r.) besichtigt die Schiffbauhalle von MV-Werften in Wismar. Arcivfoto: epa/JENS BUETTNER

HONGKONG: Der malaysische Milliardär Lim Kok Thay ist als Chef seines insolventen Kreuzfahrtkonzerns und MV-Werften-Eigners Genting Hongkong zurückgetreten. Der Schritt erfolgte parallel zur Einsetzung von Insolvenzverwaltern, die eine Restrukturierung des angeschlagenen Unternehmens ausarbeiten sollen. Wie das Unternehmen am Montag an der Hongkonger Börse berichtete, trat Lim Kok Thay mit Wirkung von Freitag als Vorsitzender und Geschäftsführer zurück.

Es gebe «keine Meinungsverschiedenheiten» mit dem Vorstand, wurde hervorgehoben. Zusätzlich sei Colin Au als Vizegeschäftsführer und Präsident der Gruppe zurückgetreten. Das Unternehmen suche nach passenden Kandidaten, um die Stellen neu zu besetzen, hieß es in der Börsenmitteilung weiter. Der Handel mit den Aktien des Unternehmens blieb am Montag weiter ausgesetzt. Ein Gericht in Bermuda hatte am Freitag die Insolvenzverwalter eingesetzt.

Der vorläufige Insolvenzverwalter der MV-Werften, Christoph Morgen, bezeichnete die Entwicklungen bei Genting als kein gutes Zeichen. Er betonte allerdings: «Ohne tiefergehende Informationen kann ich den Vorgang nicht beurteilen.» Er sei dabei, mit den Vertretern von Genting in Kontakt zu treten, um zu verstehen, wie das weitere Verfahren vor allem in Bezug auf die Zukunft des zu Genting Hongkong gehörende Kreuzfahrtunternehmens Dream Cruises aussehen soll.

Zwei Jahre nach Ausbruch der Pandemie, die das Kreuzfahrtgeschäft schwer getroffen hat, ist die Abwicklung von Genting Hongkong ein Rückschlag für die MV Werften. Sie hatten am 10. Januar schon Insolvenz beantragen müssen. Für Dream Cruises wird in Wismar das Schiff «Global One» gebaut, das zu 75 Prozent fertig ist. Mit Platz für 10.000 Passagiere soll es das weltweit größte Kreuzfahrtschiff werden.

Insolvenzverwalter Morgen sagte, bezüglich der «Global One» «sind wir von mehreren ernsthaften Interessenten kontaktiert worden und haben bereits Vertraulichkeitsvereinbarungen geschlossen». Die Interessenten machten sich nun ein detailliertes Bild vom Schiffsbauwerk.

Der 70-jährige Lim Kok Thay gründete das Unternehmen, das heute Genting Hongkong ist, schon 1993 und begann unter dem Namen Star Cruises. Heute betreibt der asiatische Tourismuskonzern auch Schiffe unter den Marken Dream Cruises und Crystal Cruises sowie die Resorts World Manila (RWM). Hauptmärkte waren Hongkong und China.

76 Prozent der Anteile an dem Kreuzfahrtarm gehören dem Milliardär selbst. Er betreibt daneben mit anderen Unternehmen seines Konglomerats Genting Group auch Casinos und Resorts in Malaysia, Großbritannien, Singapur und den USA.

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Ingo Kerp 25.01.22 12:30
Jetzt versucht der arme Milliardär von seinem Eigentum noch zu retten, was zu retten ist. Die Kreuzfahrtbranche weltweit leidet unter der Pandemie aber, keine Gesellschaft hat sich so schnell und rücksichtslos von den dafür arbeitenden Menschen zurückgezogen.