Nachrichten zum Thema Seefahrt am Mittwoch

Fotomontage: DER FARANG
Fotomontage: DER FARANG

Deutschland und andere Staaten wollen grüne Schiffskorridore schaffen

GLASGOW: Auf dem Weg zum Null-Emissions-Ziel wollen Deutschland und knapp 20 weitere Staaten ihren Schiffsverkehr in den nächsten Jahren auf ersten Routen klimaneutral gestalten. In der nach dem Glasgower Fluss Clyde benannten Clydebank-Erklärung bekennen sich die Länder dazu, bis zur Mitte des Jahrzehnts mindestens sechs Null-Emissions-Schiffsrouten zwischen verschiedenen Häfen zu etablieren, wie der britische Gastgeber der Weltklimakonferenz am Mittwoch mitteilte. Bis 2030 sollen «viele weitere» hinzukommen. Zu den Unterzeichnern gehören neben Deutschland und Gastgeber Großbritannien etwa auch die USA, Frankreich, Italien, die Niederlande und die skandinavischen Staaten.

Für die sogenannten grünen Schiffskorridore sollen Partnerschaften zwischen den jeweiligen Häfen sowie Reedereien und anderen Beteiligten geschlossen werden, um die gesamte Handelskette zu dekarbonisieren.

Die Weltschifffahrtsorganisation IMO, eine Sonderorganisation der UN, peilt bislang an, den Ausstoß des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid bis 2050 zu halbieren. Der Weltreederverband ICS strebt indes an, zum selben Zeitpunkt netto gar kein zusätzliches CO2 mehr in die Atmosphäre zu lassen. Die Schifffahrt, die weltweit um die 90 Prozent aller Waren transportiert, ist nach IMO-Angaben für mehr als 2 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich.


Neun Prozesstage zum Motorboot-Unfall vom Gardasee anberaumt

BRESCIA: In dem Prozess gegen zwei Münchner nach dem Motorboot-Unfall vom Gardasee mit zwei Toten sind vorerst neun Verhandlungstage bis März anberaumt. Das verkündete der Richter bei der ersten Anhörung am Mittwoch in Brescia. Er deutete aber zugleich an, dass möglicherweise nicht alle Termine nötig sein werden. Er vertagte die Sitzung auf den 16. Dezember. Dann sollen Zeugen gehört werden.

Ein deutscher Unternehmer und ein Freund waren laut Anklage am 19. Juni kurz vor Mitternacht mit einem Motorboot über den Gardasee gerast, hatten ein kleines Holzboot gerammt und dabei die 25 Jahre alte Greta Nedrotti und den 37-jährigen Umberto Garzarella getötet.

Der Deutsche, der das Boot gelenkt haben soll, steht in Italien unter Hausarrest und war beim ersten Verhandlungstag im Gerichtssaal dabei. Er bat nach der Verhandlung bei den Hinterbliebenen um Entschuldigung. Ihm droht eine Haftstrafe von fünf Jahren wegen fahrlässiger Tötung. Sein ebenfalls angeklagter Freund, dem Berichten zufolge das Luxus-Boot gehörte, war nicht persönlich in Brescia.

In der ersten Sitzung wurden vor allem technische Details wie die Terminierung der Verhandlungstage geklärt. Außerdem zogen sich die Familien der Hinterbliebenen als Nebenkläger zurück. Sie hatten sich zuletzt mit einer Versicherung der Deutschen auf die Zahlung einer Entschädigungssumme geeinigt. Dagegen wollen der Ort Salò am Gardasee, wo sich der tödliche Unfall ereignet hatte, und der Gemeindeverband Garda als Nebenkläger in den Prozess einsteigen. Die Details dazu sollen bei der nächsten Verhandlung geklärt werden.


Prozessstart nach Gardasee-Unfall: Deutscher bittet um Entschuldigung

BRESCIA: Zum Prozessauftakt um den tödlichen Motorboot-Unfall vom Gardasee ist es zur emotionalen Begegnung eines der angeklagten Deutschen mit den Hinterbliebenen gekommen. Der Münchner ging am Mittwoch nach einer kurzen Eröffnungssitzung im Gerichtssaal von Brescia zu den Eltern von Greta Nedrotti und bat um Entschuldigung. «Es tut mir von Herzen leid», sagte er leise auf Italienisch.

Bei den vielen Angehörigen und Freunden der zwei getöteten Italiener überwog im Gerichtssaal die Empörung darüber, dass es fast fünf Monate dauerte, bis sich der Deutsche persönlich bei ihnen meldete. Sein ebenfalls angeklagter Freund erschien nicht zum Prozess.

Dem Unternehmer wird vorgeworfen, in der Nacht des 19. Juni zusammen mit dem Freund in einem Luxus-Motorboot über den Gardasee gerast zu sein und ein kleines Holzboot überfahren zu haben. Darin saßen Nedrotti (25) und ihr Freund Umberto Garzarella (37) - sie wurden getötet. Die Deutschen fuhren demnach weiter und gaben später an, den Unfall nicht bemerkt zu haben.

«Wir haben nichts mehr», sagte die Mutter von Greta zum mutmaßlichen Lenker des Motorbootes. Greta war ihre einzige Tochter. Der Vater von Umberto warf dem Touristen, der in Italien in Hausarrest sitzt, in seiner Antwort vor allem Gleichgültigkeit vor, weil er mit seinem Kumpel kurz nach dem Unfall und ersten Polizeibefragungen zurück nach Deutschland gefahren war. «Man kann Fehler machen. Aber dann einfach abzuhauen...», schimpfte Enzo Garzarella. «Hier geht es um Demut.»

Die Frau des Münchners, der in dem Moment daneben die Tränen kamen, sagte leise, dass die Anwälte ihnen abgeraten hätten, Kontakt zu den Familien der Opfer aufzunehmen. «Wir wollten am ersten Tag kommen, aber wir durften es nicht», sagte der Angeklagte.

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