Nachrichten zum Thema Seefahrt am Dienstag

Ein Frachtschiff fährt an einer Gefahrentonne vorbei, die auf dem Trockenen liegt. Die Pegelstände des Rheins haben nach wochenlanger Trockenheit teils historische Tiefststände erreicht. Foto: Federico Gambarini/dpa
Ein Frachtschiff fährt an einer Gefahrentonne vorbei, die auf dem Trockenen liegt. Die Pegelstände des Rheins haben nach wochenlanger Trockenheit teils historische Tiefststände erreicht. Foto: Federico Gambarini/dpa

«Wir schauen von Tag zu Tag» - Niedrigwasser hält Container in Häfen

LUDWIGSHAFEN: Die Trockenheit hält den Rheinpegel auf niedrigem Niveau. Das spüren auch Logistikdienstleister: Sie setzen unter anderem auf die Bahn.

Das Niedrigwasser des Rheins hält Container länger in den Häfen in Rheinland-Pfalz. «Es fahren noch vereinzelt Schiffe mit niedrigem Tiefgang», sagte Marco Speksnijder, Manager bei Contargo Rhein-Neckar im Hafen Ludwigshafen/Mannheim. Die Schiffe könnten aber deutlich weniger Ladung aufnehmen als sonst - derzeit trügen Schiffe je etwa 20 bis 30 Container statt 150 bis 200.

«Die Terminals der Häfen sind bereits zu etwa 85 Prozent gefüllt, das liegt aber auch an den Folgen des Ukraine-Kriegs und der Schließung des Hafens Shanghai», sagte Speksnijder. «Stand jetzt sind wir noch bis Mitte nächster Woche handlungsfähig, dann wären wir bei 100 Prozent Belegung angelangt. Wir hoffen, dass bald ein bisschen Wasser kommt, damit wir etwas abfahren können.»

Speksnijder zufolge fährt der Logistikdienstleister Contargo wegen des Niedrigwassers zweimal wöchentlich Container auf der Schiene von Mannheim nach Duisburg. «Mit diesem Bypass umgehen wir das Nadelöhr Kaub.» Es handele sich vor allem um Container, die rechtzeitig an einem Seehafen sein müssten, um auf ein Schiff umgeladen zu werden.

«Wir haben mittlerweile die Schifffahrt weitgehend eingestellt - mit der Betonung auf weitgehend», sagte Cok Vinke, Manager bei Contargo Waterway Logistics. Einige Schiffe seien trotz des niedrigen Wasserstands noch in der Lage, über den wichtigen Abschnitt Kaub zwischen Mainz und Koblenz zu fahren. «Diese Schiffe können natürlich nicht mehr viele Tonnen an Ladung mitnehmen. Aber solange es geht, wird die Schifffahrt noch Ladung befördern.»


Rhein-Schifffahrt: Pegel bei Kaub bei 32 Zentimetern

KAUB: Der für die Schifffahrt auf dem Rhein wichtige Pegelstand bei Kaub zwischen Mainz und Koblenz bleibt auf niedrigem Niveau. Er lag der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) zufolge am Dienstagmittag bei 32 Zentimetern und damit einen Zentimeter höher als zum gleichen Zeitpunkt des Vortags. Am Morgen waren 33 Zentimeter gemessen worden. Laut WSV-Prognose pendelt der Pegelstand bis zum Samstag zwischen 31 und 34 Zentimetern.

Dieser Stand zeigt aber nicht die tatsächliche Wassertiefe an. Die Fahrrinnentiefe bei Kaub betrug am Dienstag nach WSV-Angaben noch 1,44 Meter. Niedriger ist die Fahrrinnentiefe an keinem anderen Abschnitt des Mittel- und Niederrheins. Sie ist entscheidend, wie viel Fracht Binnenschiffer zuladen können.

Vor allem Fracht- und Personenschiffe kämpfen seit Wochen mit Niedrigwasser. Binnenschiffer müssen bei ihrer Ladung den Tiefgang des Schiffes beachten. Bei niedrigen Wasserständen können sie weniger Fracht befördern - irgendwann wird der Transport unwirtschaftlich.

Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) forderte die Bundesregierung mit Nachdruck auf, die Engstellen im deutschen Wasserstraßennetz zu beseitigen. «Die Binnenschifffahrt unternimmt auch unter erschwerten Schifffahrtsverhältnissen alles, um die Versorgung der Wirtschaft und Industrie mit Gütern und Rohstoffen sicherzustellen», teilte der Verband mit. Gefahren werde «bis an die Grenze des physikalisch Möglichen» - und solange es sicher sei. Beim aktuellen Pegelstand Kaub könne ein Schiff, das sonst rund 4000 Tonnen Ladung transportiere, noch maximal 1000 Tonnen aufnehmen.


Rekord-Tiefstand des Rheins bei Emmerich mit Pegel Null

EMMERICH: Wegen der Trockenheit hat der Pegelstand des Rheins in Emmerich kurz vor der niederländischen Grenze einen historischen Tiefststand von null Zentimetern erreicht. Der Wert 0,0 sei am Dienstagmorgen ermittelt worden, sagte ein Mitarbeiter der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung in Emmerich der dpa. Das sei ein Rückgang von vier Zentimetern zur Messung von Montagmorgen. Bereits am Montagmittag waren nur noch zwei Zentimeter gemessen worden.

Der bisherige Tiefstand war den Angaben zufolge am 30. Oktober 2018 mit sieben Zentimetern im Tagesmittel. Als Tagestiefstwert seien damals vier Zentimetern gemessen worden. Auch wenn der eigentliche Pegelmesser durch Niedrigwasser trocken falle, könnten selbst Minuswerte mit einem zweiten Datensammler in Emmerich erfasst werden.

Die Pegelstände sind nicht zu verwechseln mit dem tiefsten Punkt im Fluss. Die Fahrrinnen für die Berufsschifffahrt sind deutlich tiefer als der Wasserstand laut Pegel. Dieser zeigt lediglich die Differenz zwischen der Wasseroberfläche und dem sogenannten Pegelnullpunkt, der nicht am tiefsten Punkt der Flusssohle liegt. Am Montag hatte die Fahrrinne bei Emmerich noch eine Tiefe von knapp zwei Metern.


Chinesisches Überwachungsschiff in Sri Lanka eingetroffen

COLOMBO: Ein militärisches Überwachungsschiff aus China ist nach tagelanger Verzögerung in einem Hafen im Krisenstaat Sri Lanka eingetroffen. Das meldeten örtliche Behörden am Dienstag. Die zu Chinas Volksbefreiungsarmee gehörende «Yuan Wang 5» dient laut Medien der Verfolgung von Satelliten- und Interkontinentalraketen und wird auch als Spionageschiff beschrieben. Der Besuch sorgte in der Region deshalb für diplomatischen Wirbel. Das benachbarte Indien äußerte Bedenken, dass das Schiff militärische Einrichtungen auf dem nahe gelegenen indischen Festland ausspionieren könnte.

Das Außenministerium in Colombo versicherte jedoch, das Schiff halte sich nur zum Verladen von Vorräten im südlichen Hafen von Hambantota auf und werde dort bis zum 22. August bleiben. Sri Lanka hat den von Peking finanzierten Hafen 2017 an China verpachtet, weil der Inselstaat seine Schulden nicht zurückzahlen konnte. Ursprünglich sollte das Schiff am vergangenen Donnerstag anlegen. Sri Lanka hatte Peking jedoch laut Medien gebeten, die Ankunft der «Yuan Wang 5» angesichts der indischen Sicherheitsbedenken zu verschieben.

Indien hat dem in einer schweren Wirtschaftskrise steckenden Nachbarstaat Sri Lanka umfangreiche Hilfe bereitgestellt, darunter Lebensmittel, Treibstoff, Medikamente und Gas zum Kochen. Zugleich aber ist Sri Lanka darauf angewiesen, dass China als einer der größten Kreditgeber des Landes einer Umstrukturierung der Kredite zustimmt. Dies gilt als eine Bedingung für ein von Sri Lanka erhofftes Rettungsprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF).

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