Nachrichten zum Thema Seefahrt am Dienstag

zwei Frauen stehen schweigend vor der Gedenkstätte für das Estonia-Fährenunglück in Stockholm. Foto: epa/Tobias_rostlund
zwei Frauen stehen schweigend vor der Gedenkstätte für das Estonia-Fährenunglück in Stockholm. Foto: epa/Tobias_rostlund

Untersuchung des «Estonia»-Wracks soll im März fortgesetzt werden

TALLINN: Die offiziellen Untersuchungen staatlicher Behörden am Schiffswrack der 1994 gesunkenen Ostsee-Fähre «Estonia» sollen im Frühjahr 2022 weitergehen. «Die Hauptuntersuchung beginnt im März, wird auf jeden Fall im April und spätestens im Mai fortgesetzt», sagte der Leiter der estnischen Havariekommission, Rene Arikas, am Dienstag bei der Vorstellung eines Zwischenberichts in Tallinn.

Demnach sollen sogenannte hydroakustische Messungen weitergeführt werden, um mehr über Meeresströmungen zu erfahren. Dies sei wichtig, um zu verstehen, wie sich die Meeresumgebung auf Schäden am Schiffswrack auswirkt, sagte Arikas einem Rundfunkbericht zufolge.

Nach Angaben von Arikas wurden bislang erst etwa 25 Prozent der geplanten Untersuchungen durchgeführt. «Es gibt noch viel zu tun», sagte er. So sollen etwa im Frühjahr auch das Autodeck und die Bruchstelle des Schiffs näher untersucht werden. In Estland sollen zudem in Kürze Interviews mit den Überlebenden der Katastrophe geführt werden, in Schweden sei dies größtenteils bereits geschehen.

Der Untergang der «Estonia» gilt als die schwerste Schiffskatastrophe in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Fähre war in der Nacht zum 28. September 1994 mit 989 Menschen an Bord auf ihrem Weg von Tallinn nach Stockholm vor der finnischen Südküste gesunken. 852 Menschen starben, nur 137 überlebten.

Dem offiziellen Untersuchungsbericht von 1997 zufolge war das abgerissene Bugvisier die Ursache für den Untergang. Es gibt bis heute aber Zweifel daran. Überlebende und Hinterbliebene fordern seit langem eine Wiederaufnahme der Untersuchungen.

In Auftrag der Hinterbliebenen-Organisation der Opfer hatte ein privat finanziertes Expertenteam aus Estland im September eine Expedition und Tauchgänge zu dem Wrack an der Unglücksstelle in der Ostsee unternommen - parallel zur offiziellen Untersuchung. Diese war von den staatlichen Behörden eingeleitet worden, nachdem im Vorjahr Dokumentarfilmer mit einem Tauchroboter unter anderem Löcher im Schiffsrumpf entdeckt hatten.

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