Nachrichten aus der Wirtschaft am Montag

Die Finanzministerin der Tschechischen Republik, Alena Schillerova. Foto: epa/Attila Kovacs
Die Finanzministerin der Tschechischen Republik, Alena Schillerova. Foto: epa/Attila Kovacs

Tschechien hebt Umsatzsteuer auf Strom und Gas befristet auf

PRAG: Wegen stark gestiegener Energiepreise hat die tschechische Regierung Steuerentlastungen beschlossen. Die Umsatzsteuer auf Strom und Gas soll im November und Dezember nicht erhoben werden, wie das Finanzministerium in Prag am Montag mitteilte. Man reagiere damit auf eine «ganz ungewöhnliche Situation», teilte die zuständige Ministerin Alena Schillerova nach einer Kabinettssitzung mit.

Dafür muss demnach noch die Zustimmung der EU-Kommission eingeholt werden. Die Einnahmeausfälle für den Fiskus werden auf monatlich umgerechnet rund 78,5 Millionen Euro geschätzt. Die Regierung unter dem populistischen Ministerpräsidenten Andrej Babis will zudem eine Gesetzesnovelle auf den Weg bringen, die Strom- und Gaslieferungen vom nächsten Jahr an dauerhaft von der Umsatzsteuer befreien würde.

Bei der Parlamentswahl von Anfang Oktober hatte die liberal-konservative Opposition eine klare Mehrheit im tschechischen Abgeordnetenhaus erzielt. Ihr Spitzenvertreter Petr Fiala sprach sich gegen Steuersenkungen für Energie und stattdessen für gezielte Beihilfen für einkommensschwache Haushalte aus. Das Abgeordnetenhaus kommt indes erst am 8. November zu seiner ersten Sitzung in der neuen Zusammensetzung zusammen.


Konjunkturdaten aus China beenden Dax-Erholung

FRANKFURT/MAIN: Enttäuschende Konjunkturdaten aus China haben den Dax am Montag belastet. Am frühen Nachmittag verlor der deutsche Leitindex 0,80 Prozent auf 15.463,00 Punkte. Noch in der Vorwoche hatte er sich dank einer bisher erfreulich laufenden Berichtssaison in vier Handelstagen von etwas über 15.000 Punkten wieder bis auf fast 15.600 Zähler erholt. Etwas besser hielt sich der MDax der mittelgroßen deutschen Börsenunternehmen, der zuletzt um 0,31 Prozent auf 34.253,15 Punkte nachgab. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 1,02 Prozent auf 4140,13 Zähler nach unten. Der Euro notierte zuletzt wenig verändert bei 1,1608 US-Dollar. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,26 Prozent am Freitag auf minus 0,23 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,19 Prozent auf 143,79 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,19 Prozent auf 168,98 Punkte.


Facebook schafft für virtuelle Welt «Metaverse» 10.000 Jobs in Europa

MENLO PARK: Facebook will in den kommenden fünf Jahren in der Europäischen Union 10.000 neue hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen, um die virtuelle Welt «Metaverse» aufzubauen. Das kündigte Facebook-Topmanager Nick Clegg am Montag in einem Blogeintrag an. «Diese Investition ist ein Vertrauensbeweis in die Stärke der europäischen Tech-Industrie und das Potenzial europäischer Tech-Talente», schrieb der britische Ex-Vizepremier. Unter «Metaverse» versteht Facebook eine Welt, in der physikalische Realität mit erweiterter (augmented reality, AR) und virtueller Realität (VR) in einer Cyberwelt verschmelzen.


Gastgewerbe weiter deutlich unter Vorkrisenniveau

WIESBADEN: Das Gastgewerbe in Deutschland ist trotz besserer Geschäfte im Ferienmonat August weiterhin deutlich vom Vorkrisenniveau entfernt. Gastronomen und Hoteliers verbuchten sowohl preisbereinigt (plus 5,9 Prozent) als auch nominal (plus 6,4 Prozent) einen Umsatzzuwachs gegenüber Juli, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahresmonat August 2020 stiegen die Erlöse preisbereinigt (real) um 5,9 Prozent. Damit lag der Umsatz real aber noch 16,2 Prozent unter dem Niveau von Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland.


Flutkatastrophe könnte für Versicherer noch teurer werden

BADEN-BADEN: Die Flutkatastrophe in Deutschland könnte die Versicherungsbranche noch deutlich teurer zu stehen kommen als gedacht. Nach den ersten Sondierungen beim Branchentreffen in Baden-Baden könne man «davon ausgehen, dass der Schaden eher an 10 Milliarden als an 9 Milliarden Euro herankommt», sagte der Deutschlandchef des weltweit drittgrößten Rückversicherers Hannover Rück, Michael Pickel, am Montag in Baden-Baden. Das Unternehmen und seine größere Konkurrentin Munich Re erwarten, dass die Preise für Rückversicherungsschutz zum Jahreswechsel steigen. Der deutsche Versichererverband GDV hatte seine Prognose für die Schäden durch Tief «Bernd» zuletzt auf rund 7 Milliarden Euro angehoben. Die Munich Re sprach am Montag von mindestens 7 Milliarden Euro.


ADAC: Dieselpreis auf Rekordhoch in Deutschland

MÜNCHEN: Diesel ist an Tankstellen in Deutschland so teuer wie noch nie. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags lag der Preis bei 1,555 Euro pro Liter, wie der ADAC am Montag mitteilte. Damit übertraf er den bisherigen Rekord von 1,554 Euro pro Liter vom 26. August 2012 minimal. Auch Benzin nähert sich dem Höchststand. Super der Sorte E10 lag am Sonntag bei 1,667 Euro pro Liter. Damit fehlen nur noch 4,2 Cent zum Rekord von 1,709 Euro am 13. September 2012. Die Spritpreise steigen seit Monaten. Treiber ist vor allem der nach dem Corona-Einbruch des vergangenen Jahres gestiegene Ölpreis, der am Montag mehrjährige Höchststände erreichte.


Gazprom: Deutlich mehr Gas ins Ausland geliefert

ST. PETERSBURG: Der russische Energieriese Gazprom hat in den ersten neuneinhalb Monaten dieses Jahres nach eigener Aussage mehr Gas ins Ausland geliefert. Allein nach Deutschland sei die Menge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28,2 Prozent gestiegen, teilte das Unternehmen am Montag in St. Petersburg mit. Insgesamt 152,2 Milliarden Kubikmeter Gas wurden demnach in Länder außerhalb der früheren Sowjetrepubliken exportiert. Das seien 17,6 Milliarden Kubikmeter (13,1 Prozent) mehr als im Vorjahreszeitraum.

Gazprom veröffentlichte seine Zahlen inmitten der Diskussion über hohe Gaspreise. Russland hatte zuletzt mehrfach Vorwürfe des Westens zurückgewiesen, es missbrauche seine Marktmacht, um die Preise in die Höhe zu treiben. Der Grünen-Co-Chef Robert Habeck sagte am Sonntag in der ARD: «Wir sind abhängig von Russland, Russland drosselt die Gaszufuhr. Die Speicher sind nicht voll und die Nachfrage ist hoch.»

Russland begründet die hohe Nachfrage nach Gas unter anderen mit dem vergangenen Winter, der kälter war als sonst, und der besser laufenden Konjunktur nach Einbrüchen wegen der Corona-Pandemie.

Gazprom zufolge wurde von Januar bis Mitte September 16,6 Prozent mehr Gas für den russischen Markt bereitgestellt. Insgesamt seien in dem Zeitraum 399,4 Milliarden Kubikmeter Gas gefördert worden.


Europäische Kommission startet neue Debatte zu EU-Schuldenregeln

BRÜSSEL: Die Europäische Kommission will die Haushaltsregeln für EU-Länder nach der Aufnahme von Rekordschulden in der Corona-Pandemie vereinfachen. Am Dienstag startet die Brüsseler Behörde mit einem Papier die offizielle Reformdebatte zu dem Thema. In einem Entwurf des Papiers, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag, plädiert die Kommission für «einfachere fiskalische Regeln» und eine «bessere Umsetzung». Mehrere EU-Staaten hatten zuvor eine umfangreichere Reform der Haushaltsvorgaben gefordert.

Die Flexibilität der Regeln habe eine zeitgemäße Antwort auf die Corona-Krise erlaubt, schreibt die Kommission in ihrem Entwurf. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt wurde im vergangenen Jahr ausgesetzt, da die Länder enorme Schulden aufnehmen mussten, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufedern.


Brexit-Minister Frost: Weitere Änderungen an Nordirland-Regeln nötig

LONDON/BRÜSSEL: Im Ringen um Brexit-Regeln für die britische Provinz Nordirland sind sich die EU und Großbritannien trotz neuer Zugeständnisse nicht einig geworden. Brexit-Minister David Frost habe bei seinem Treffen mit EU-Kommissionsvize Maros Sefcovic erneut «die Notwendigkeit für signifikante Änderungen an den aktuellen Bedingungen» betont, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Erklärung der britischen Regierung. EU-Kommissar Sefcovic begrüßte in einer Stellungnahme, dass man sich darauf geeinigt habe, sich «intensiv und konstruktiv» auszutauschen.

Frost und Sefcovic hatten Ende der Woche erneut versucht, einen Kompromiss für die konkrete Umsetzung des sogenannten Nordirland-Protokolls zu finden. Weitere Treffen zwischen EU- und UK-Vertretern sollen diese Woche stattfinden.

Das Nordirland-Protokoll sieht vor, dass die britische Provinz auch nach dem Brexit Teil der EU-Zollunion und des Binnenmarkts bleibt, weshalb aus EU-Sicht der EuGH zuständig sein muss. Mit der Regelung wird eine harte Grenze zum EU-Mitglied Republik Irland vermieden, durch die es vermutlich zu neuen Spannungen im früheren Bürgerkriegsgebiet käme. Allerdings ist dadurch eine Zollgrenze zum Rest des Vereinigten Königreichs entstanden, es kommt zu schweren Einschränkungen im innerbritischen Handel.

Insbesondere die Rolle des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) als oberste Schlichtungsinstanz für Probleme rund um Nordirland bleibt zwischen London und Brüssel umstritten. Sefcovic hatte in der vergangenen Woche erhebliche Erleichterungen für den Warenverkehr zwischen Großbritannien und Nordirland in Aussicht gestellt. Die Prüfungen der Qualitätsstandards bei Lebensmitteln und anderen Waren sollen dadurch ebenso deutlich verringert werden wie Zollformalitäten. Auch Medikamente sollen ohne Einschränkungen in die britische Provinz gelangen können. Für landestypische Produkte wie Würstchen soll es Ausnahmen geben.


Problem für Clubs: In Großbritannien fehlen die Türsteher

LONDON: Der britischen Club-Branche fehlen derzeit die Türsteher. «Wenn der Mangel größer wird, kann das zu einer Bedrohung für die öffentliche Sicherheit werden», sagte der Chef der Night Time Industries Association, Michael Kill, wie der Sender Sky News am Montag berichtete. Während der Pandemie, als Clubs und Bars für viele Monate geschlossen blieben, hätten viele die Branche verlassen und sich Jobs mit angenehmeren Arbeitszeiten gesucht.

«Auch der Brexit hat nicht geholfen, auch wenn er nicht der einzige Faktor ist, der hier eine Rolle spielt», sagte Kill. Viele Arbeitskräfte aus der EU haben das Vereinigte Königreich während der Pandemie verlassen. Neue Brexit-Visaregeln führen nun dazu, dass die wenigsten zurückkehren. Das führt in etlichen Branchen zu Problemen, am drastischsten waren bislang die Auswirkungen fehlender Lastwagenfahrer, die zu leeren Supermarktregalen und ausgetrockneten Tankstellen führten.

Der Night Time Industries Association zufolge hatten bis zum vergangenen Monat rund einer von fünf Club- oder Gastronomiebetrieben in Großbritannien geschlossen oder die Öffnungszeiten eingeschränkt, weil es an Sicherheitspersonal fehlte.

Peter Marks, Chef von Rekom UK, der mehrere britische Clubketten betreibt, berichtete von steigenden Kosten, die der Branche durch höhere Löhne, Energiepreise und der wieder höheren Mehrwertsteuer entstanden seien. «Die Kosten sind um rund 15 Prozent gestiegen», sagte Marks dem Sender Sky News.


Ölpreise erreichen mehrjährige Höchststände

SINGAPUR: Die Ölpreise haben ihren Höhenflug zu Beginn der Handelswoche fortgesetzt. Am Morgen erreichten die Notierungen für Rohöl aus der Nordsee und aus den USA jeweils mehrjährige Höchststände. Seit acht Wochen legen die Ölpreise tendenziell zu, angetrieben durch die Sorge der Investoren vor einem zu geringen Angebot vor den Wintermonaten.

Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 85,80 US-Dollar. Das waren 94 Cent mehr als am Freitag. Zeitweise stieg der Preis bis auf 86,04 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit drei Jahren.

Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI stieg um 1,24 Dollar auf 83,52 Dollar. Zuvor kletterte die Notierung am frühen Morgen bis auf 83,73 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit 2014.

Während sich führende Industriestaaten vom Konjunktureinbruch in der Corona-Krise erholen, verstärkt sich auf dem Ölmarkt die Sorge vor einem Angebotsdefizit. Vor allem haben die Anleger einen Mangel an Erdgas im Blick, der zu Folge hat, dass sich die Nachfrage nach Erdöl zum Betrieb von Kraftwerken erhöht hat. Vor diesem Hintergrund schließen Experten einen weiteren Anstieg der Ölpreise nicht aus.


Philips senkt Prognose

AMSTERDAM: Probleme in der Lieferkette und die Folgen eines Produktrückrufs machen dem Medizintechnikkonzern Philips schwer zu schaffen. Im dritten Quartal gingen Umsatz und der operative Gewinn deutlich zurück, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Zudem senkte der Konzern seine Erwartungen für dieses Jahr. So rechnet der Konkurrent von Siemens Healthineers beim Umsatzplus ohne die Effekte von Übernahmen oder Wechselkursveränderungen nur noch mit einem Anstieg im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Im dritten Quartal sank der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 7,6 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Der operative Gewinn fiel um ein Viertel auf 512 Millionen Euro. Damit enttäuschte das Unternehmen die Erwartungen der Experten. Dies könnte die Aktie weiter unter Druck bringen.


Eurokurs gibt etwas nach

FRANKFURT/MAIN: Der Kurs des Euros ist am Montag leicht gesunken und wieder ein Stück weit unter die Marke von 1,16 US-Dollar gerutscht. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1579 Dollar gehandelt, nachdem der Kurs am Freitagabend noch bei 1,16 Dollar gestanden hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Freitagnachmittag auf 1,1602 Dollar festgesetzt.

Der Euro wurde zum Wochenauftakt von einer Dollar-Stärke belastet. Die US-Währung konnte am Morgen zu allen anderen wichtigen Währungen zulegen. Marktbeobachter verwiesen auf eine trübe Stimmung an den asiatischen Aktienmärkten. Diese sorgte für etwas Auftrieb beim Dollar, der unter Anlegern als sichere Anlage gilt.

Die trübe Stimmung an den asiatischen Märkten wird mit Daten zum Wirtschaftswachstum in China erklärt. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hat die Konjunktur im dritten Quartal deutlich an Fahrt verloren. In den Monaten Juli bis September legte die Wirtschaftsleistung um 4,9 Prozent im Jahresvergleich zu, nach 7,9 Prozent im Quartal zuvor. Analysten hatten ein etwas stärkeres Wachstum von 5,0 Prozent erwartet.


Chinas Wirtschaft wächst im dritten Quartal nur noch um 4,9 Prozent

PEKING: Der Aufschwung der chinesischen Wirtschaft verliert deutlich an Fahrt. Wie das Pekinger Statistikamt am Montag mitteilte, wuchs die zweitgrößte Volkswirtschaft im dritten Quartal nur noch um 4,9 Prozent im Vorjahresvergleich. Nach einem Rekordzuwachs von 18,3 Prozent im ersten und 7,9 Prozent im zweiten Quartal ist es der bisher schwächste Wert in diesem Jahr. Im Zeitraum von Januar bis September lag das Wachstum damit zusammengerechnet bei 9,8 Prozent. Chinas Wirtschaft hatte nach überwundener Corona-Pandemie zunächst eine kräftige Erholung hingelegt.

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