Nachrichten aus der Wirtschaft am Montag

Bundesminister für Wirtschaft und Klimapolitik Robert Habeck. Foto: epa/Filip Singer
Bundesminister für Wirtschaft und Klimapolitik Robert Habeck. Foto: epa/Filip Singer

Habeck warnt vor Dauerschäden für die deutsche Wirtschaft

BERLIN: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat wegen der Energiepreiskrise vor Dauerschäden für die deutsche Wirtschaft gewarnt. Er sprach sich für umfangreiche finanzielle Hilfen der Bundesregierung aus. Habeck sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Teils ist es erst ein Schwelbrand, teils brennt schon die Hütte. In jedem Fall ist die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft in Gefahr, es drohen Dauerschäden. Wir müssen jetzt alle Finanzkraft aufbringen, um die gute Substanz unserer Wirtschaft über die Krise zu bringen, Arbeitsplätze zu sichern und die Investitions- und Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft zu schützen.»

Dafür setze er sich als Wirtschaftsminister mit ganzer Kraft ein, so Habeck. «Wir arbeiten im Bundeswirtschaftsministerium mit Hochdruck daran, die Hilfsprogramme aufzusetzen und besprechen die wichtige Finanzierungsfrage in der Regierung. Wir dürfen hier keine Zeit verlieren.»

Am Mittwoch kommt Kanzler Olaf Scholz (SPD) mit den Regierungschefs der Länder zusammen. Habeck hatte bereits angekündigt, wegen der stark gestiegenen Energiepreise staatliche Hilfsprogramme für Unternehmen erweitern zu wollen. Offen ist aber die Frage der Finanzierung. Habeck hatte dazu ein milliardenschweres Sondervermögen ins Spiel gebracht. Für die Bundeswehr hatte die Politik einen 100 Milliarden Euro schweren Sondertopf beschlossen. Dies bedeutet neue Schulden.

Umstritten in der Koalition ist, ob im kommenden Jahr wieder die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse eingehalten wird, darauf pocht Finanzminister Christian Lindner (FDP). Die Schuldenbremse war in den vergangenen Jahren wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt worden. Sie erlaubt dem Bund nur in geringem Maße, neue Kredite aufzunehmen. Falls die umstrittene Gasumlage gekippt wird, ist offen, woher das Geld kommen soll, um angeschlagene Gasimporteure zu stützen.


Kolumbien und Venezuela öffnen Grenze wieder

BOGOTÁ/CARACAS: Nach Jahren der Funkstille haben Kolumbien und Venezuela ihre Grenze wieder geöffnet. «Das ist ein historischer Tag für das Land, für die Region und für Amerika allgemein», sagte der kolumbianische Präsident Gustavo Petro am Montag. Der erste Lastwagen seit sieben Jahren fuhr von Kolumbien aus über die Simón-Bolívar-Brücke ins Nachbarland.

Erst vor kurzem hatten Kolumbien und Venezuela ihre diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. Seit der Wahl Petros zum ersten linken Präsidenten der jüngeren Geschichte Kolumbiens am 19. Juni kam es zu einer schrittweisen Wiederannäherung zwischen den beiden eng verbundenen südamerikanischen Nachbarländern.

Jahrelang hatte Funkstille geherrscht, die Grenze ist immer mal wieder vorübergehend geschlossen worden. Venezuelas autoritärer Präsident Maduro hatte sie 2015 nach Berichten über Gefechte zwischen kolumbianischen Kriminellen und venezolanischen Soldaten schließen lassen. Auch 2019 machte er die Grenze dicht, als der Oppositionsführer Juan Guaidó Hilfslieferungen ins Land schaffen wollte. Nach einer kurzzeitigen Öffnung wurde sie dann wieder geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.

Der Handel zwischen Kolumbien und Venezuela ging in den vergangenen Jahren stark zurück, der Schmuggel im Grenzgebiet blüht. Teile der Region werden von kriminellen Organisationen kontrolliert. Venezuela leidet seit Jahren unter einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. Mehr als sechs Millionen Venezolaner haben das Land verlassen. Knapp zwei Millionen leben mittlerweile in Kolumbien.


Niederlande drosseln Gas-Förderung

DEN HAAG: Trotz der Energiekrise werden die Niederlande wie geplant die eigene Gasproduktion weiter drosseln. Die elf Förderstellen in der nordöstlichen Provinz Groningen werden ab Oktober nur noch 2,8 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich produzieren, kündigte der für die Gasförderung zuständige Staatssekretär Hans Vijlbrief am Montag in Den Haag an. Das ist die Mindestmenge, um die Systeme am Laufen zu halten. Im vergangenen Gasjahr (von Oktober bis Oktober) waren 4,5 Milliarden Kubikmeter gefördert worden.

Wegen großer Schäden durch Erdbeben in der Region nahe der deutschen Grenze hatte die Regierung zuvor beschlossen, die Gas-Produktion zu stoppen. Doch wegen der Energiekrise und des Lieferstopps aus Russland war dies für ein Jahr ausgesetzt worden. Allerdings soll die Produktion nur in Notfällen bei großen Versorgungsengpässen wieder angekurbelt werden. Die Gefahr für Bürger sei zu groß, sagte der Staatssekretär im Radio.

Zahlreiche kleinere Erdbeben hatten in den vergangenen Jahren Gebäude in der Region stark beschädigt oder zerstört. Noch immer müssen nach Angaben der Regierung 13.000 Gebäude extra verstärkt werden, um einen Einsturz zu verhindern.


Orban kündigt Volksbefragung zu Russland-Sanktionen an

BUDAPEST: Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat eine Volksbefragung zu den Russland-Sanktionen der Europäischen Union (EU) angekündigt. «Die Sanktionen wurden nicht auf demokratische Weise beschlossen, sondern Brüsseler Bürokraten und europäische Eliten entschieden darüber», erklärte er am Montag im Budapester Parlament. «Obwohl Europas Bürger den Preis dafür bezahlen, hat man sie nicht gefragt», fügte er hinzu.

Orban wettert seit Monaten gegen die Sanktionen, die die EU gegen Russland verhängte, nachdem es die Ukraine überfallen hatte. Allerdings: Im Rat der EU-Staaten, der diese Beschlüsse einstimmig fassen muss, stimmte Ungarn stets für die jeweiligen Sanktionspakete. Bei dem im Dezember wirksam werdenden Ölembargo gegen Russland hatte sich der Ungar eine Ausnahmeregelung ausbedungen.

Im Rahmen einer «nationalen Konsultation» werde nun die ungarische Regierung «die erste in Europa sein, die die Menschen zu den Russland-Sanktionen befragt», sagte Orban am Montag. Der Rechtspopulist lässt immer wieder «nationale Konsultationen» durchführen, um seine Politik bestätigen zu lassen, etwa im Zusammenhang mit Einschränkungen des Asylrechts.

Dabei erhalten die Bürger Fragebögen zugesandt, die Suggestivfragen enthalten und die Standpunkte der Regierung als richtig erscheinen lassen. Die Ergebnisse dieser Befragungen haben keine juristisch verbindlichen Folgen.


EZB-Präsidentin Lagarde stellt weitere Zinserhöhungen in Aussicht

FRANKFURT/MAIN: Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christin Lagarde, hat erneut weitere Leitzinserhöhungen in Aussicht gestellt. «Derzeit gehen wir davon aus, dass die Zinssätze in den nächsten Sitzungen weiter angehoben werden, um die Nachfrage zu dämpfen und dem Risiko einer anhaltenden Verschiebung der Inflationserwartungen nach oben vorzubeugen», sagte Lagarde am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments. «Die Inflation ist nach wie vor viel zu hoch und wird wahrscheinlich für längere Zeit über unserem Zielwert liegen.»

Im August war die Jahresinflationsrate auf einen Rekordstand von 9,1 Prozent gestiegen. Die EZB strebt eine Rate von zwei Prozent an. Haupttreiber seien weiterhin die Energie- und Lebensmittelpreise, sagte Lagarde. Aber auch die Abwertung des Euro am Devisenmarkt treibe die Inflation nach oben.

Der wirtschaftliche Ausblick verdunkle sich, sagte Lagarde. Die Aktivität dürfte sich in den kommenden Quartalen «substanziell» abschwächen. Die hohe Inflation belaste die Konsumausgaben und die Produktion. Diese Entwicklung werde durch die Erdgasknappheit verstärkt. Sie verwies zudem auf die sich abschwächende Weltwirtschaft und die hohe Unsicherheit.

Die EZB hatte im Sommer nach längerem Zögern die Wende hin zu höheren Zinsen eingeleitet. Im Juli erhöhte sie diese um 0,5 Prozentpunkte und im September um 0,75 Prozentpunkte. Die nächste reguläre geldpolitische Sitzung des EZB-Rates ist für den 27. Oktober angesetzt.


Eurokurs gefallen - EZB-Referenzkurs: 0,9646

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Montag gefallen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 0,9646 (Freitag: 0,9754) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0367 (1,0252) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,89404 (0,88201) britische Pfund, 139,07 (139,43) japanische Yen und 0,9555 (0,9565) Schweizer Franken fest.


Dax im Plus - Stabilisierungsversuch nach schwacher Vorwoche

FRANKFURT/MAIN: Nach der verlustträchtigen Vorwoche hat der deutsche Aktienmarkt am Montag einen Stabilisierungsversuch unternommen. Der Dax notierte am Nachmittag 0,20 Prozent höher bei 12.309,31 Punkten. Für den MDax ging es um 0,77 Prozent auf 22.714,42 Punkte nach oben. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um rund 0,3 Prozent. Der Euro fiel auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren und kostete zuletzt 0,9651 US-Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs am Freitag auf 0,9754 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 1,91 Prozent am Freitag auf 1,99 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,58 Prozent auf 128,38 Punkte. Der Bund-Future sank um 0,75 Prozent auf 138,40 Zähler.


Verbände: Noch keine einzige Bahnstrecke dieses Jahr reaktiviert

BERLIN: Bei der der Reaktivierung einst stillgelegter Bahnstrecken kommen Bund und Länder aus Sicht von Verkehrsverbänden kaum voran. Seit der Bundestagswahl im vergangenen Jahr sei bislang «kein einziger Kilometer Schienenstrecke in Deutschland» reaktiviert worden, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer des Interessenverbands Allianz pro Schiene am Montag. Einer der Gründe: Länder und Kommunen haben laut Flege in diesem Jahr zunächst auf eine neue rechtliche Grundlage für die Kosten-Nutzen-Rechnung für die Wiederertüchtigung alter Schienenwege gewartet, die im Juli in Kraft getreten sei.


Teurer Sprit und große Nachfrage - Ryanair will Flugpreise anheben

FRANKFURT/MAIN: Der Billigflieger Ryanair will angesichts von teurem Sprit die Preise anheben. «Der durchschnittliche Preis für ein Ryanair-Ticket dürfte in fünf Jahren von 40 auf 50 Euro steigen», sagte Deutschland-Chef Andreas Gruber. Die Airline sichere sich mit Finanz-Termingeschäften gegen steigende Ölpreise ab und kaufe günstig Kerosin auf Vorrat, doch könne man steigende Spritpreise nicht komplett abfedern. In der aktuellen Krise sieht sich die Airline gegenüber Konkurrenten im Vorteil. «In der Rezession werden mehr Menschen auf den Ticketpreis achten», sagte Gruber.


Flughäfen: Nachfrage erholt sich kräftig

BERLIN: Die deutschen Flughäfen haben bis Ende August einen Teil des Einbruchs während der Corona-Krise wettgemacht. Von Januar bis August reisten mehr als 104,8 Millionen Passagiere über deutsche Flughäfen an und ab, wie der Branchenverband ADV mitteilte. Das waren 177,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zum Vergleichszeitraum des Vorkrisenjahrs 2019 fehlten allerdings noch 37,5 Prozent.


Bundesregierung kündigt schnelle Lösung zu Gaspreisen an

BERLIN: Nach der Absage der Ampelkoalitionäre an die Gasumlage strebt die Bundesregierung eine umfassende Lösung an. Es werde nun sehr schnell und in einem sehr geordneten Verfahren die Struktur einer Gesamtlösung sichtbar werden, sagte ein Sprecher am Montag. Europäisches Erdgas hat sich am Montag deutlich verbilligt. Am Vormittag sank der Preis des Terminkontrakts TTF für niederländisches Erdgas um gut 5 Prozent bis auf 172 Euro je Megawattstunde. Den Staaten in Europa haben zuletzt ihre Reserven zügig aufgefüllt.


Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten Rezession in Deutschland

BERLIN: Die vier führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaft schrumpft. In ihrer gemeinsamen Konjunkturprognose erwarten sie für 2023 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,4 Prozent, wie das «Handelsblatt» aus Regierungskreisen erfuhr. Für 2022 prognostizieren sie nur noch ein kleines Wachstum von 1,4 Prozent. Der Deutschen Presse-Agentur wurden die Zahlen am Montag in Institutskreisen bestätigt. Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose wird am Donnerstag vorgelegt.

In ihrer Prognose im Frühjahr hatten die Institute noch mit einem Wachstum von 2,7 Prozent in diesem und von 3,1 Prozent im kommenden Jahr gerechnet. Die deutsche Wirtschaft wird aber zunehmend von der Energiepreiskrise belastet.


Mögliches Leck an Nord Stream 2: Umwelthilfe sieht geringe Gefahr

LUBMIN: Ein Leck an der Gaspipeline Nord Stream 2 hätte nach Einschätzung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wenig Auswirkungen auf die Meeresumwelt in der Ostsee. Erdgas sei Methan, welches sich teilweise im Wasser löse und nicht giftig sei, sagte ein DUH-Sprecher am Montag. Je tiefer das Gas im Meer frei werde, desto höher sei der Anteil, der sich im Wasser löse.

Die möglichen Auswirkungen auf Flora und Fauna sieht die Umwelthilfe als beschränkt an. Selbst im Falle einer Explosion unter Wasser gäbe es nur lokale Effekte. Der Sprecher betonte aber, dass austretendes Methan für das Klima sehr schädlich sei.

DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner befürchtet derweil eine größere Havarie und sieht die Schuld auch bei den Behörden: «Jetzt rächt sich, dass die zuständigen deutschen Behörden, das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie und das Bergamt Stralsund, während des Genehmigungsverfahrens weder auf eine umfassende Klimaverträglichkeitsprüfung der Pipeline noch auf eine unabhängige Überwachung ihrer Sicherheit gedrungen haben.»

In der Nacht zum Montag hatte der Pipelinebetreiber nach eigenen Angaben einen Druckabfall festgestellt. Die zuständigen Behörden in Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland und Russland seien sofort informiert worden, hieß es von einem Sprecher der Nord Stream 2 AG. Die Untersuchung des Vorfalls dauert an.


Britisches Pfund fällt auf Rekordtief - Zweifel an Staatsfinanzen

FRANKFURT/MAIN: Ein stärkerer Dollar und Zweifel an den Haushaltsplänen von Premierministerin Liz Truss haben das britische Pfund am Montag auf ein Rekordtief gedrückt. Der Kurs fiel im Handel mit der US-Währung auf 1,0350 Dollar. Eine geplante Steuersenkung der neuen britischen Regierung beunruhigt die Finanzmärkte. «Liz Truss riskiert alles auf eigene Faust für das Wachstum in Großbritannien», schrieb die Tageszeitung «Times». Das Blatt verwies darauf, dass es sich um die größten Steuerkürzungen seit 1972 handele.

Nach Einschätzung von Experten der Dekabank dürfte die Steuerreform den britischen Schuldenberg in den kommenden fünf Jahren um etwa 400 Milliarden Pfund erhöhen. Der finanzpolitische Kurs bereitet vielen Anlegern große Sorgen.

Der Dollar, der in stürmischen Zeiten als sicherer Anlagehafen gefragt ist, legte auch im Vergleich zum Euro zu. In der Nacht fiel der Euro bis auf 0,9554 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit 2002.

Die Gemeinschaftswährung leidet nach Einschätzung von Marktbeobachtern auch unter den Folgen des Rechtsrucks in Italien. In dem Land mit der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone haben rechtsnationale Kräfte die Wahl gewonnen, was Sorgen um den Zusammenhalt der Eurozone und der EU schürt. Nach Einschätzung des Devisenexperten Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank fiel die Reaktion des Eurokurses auf die Wahl allerdings moderat aus, da das Ergebnis weitgehend erwartet worden war.


Druckabfall bei Nord Stream 2 - Gasleck südöstlich von Bornholm

LUBMIN/BORNHOLM: Der Druckabfall in der für Gaslieferungen nicht genutzten Ostseepipeline Nord Stream 2 ist nach Angaben der Betreiber Folge eines Gasaustritts südöstlich der dänischen Insel Bornholm. In Zusammenarbeit mit Behörden sei die ausschließliche Wirtschaftszone Dänemarks als Ort eines möglichen Austritts identifiziert worden, teilte die Nord Stream 2 AG am Montagnachmittag mit. Die zuständigen Behörden haben demnach als Vorsichtsmaßnahme eine Sicherheitszone eingerichtet. Die Untersuchungen dauerten an.

Die dänische Schifffahrtsbehörde gab am Montagnachmittag einen entsprechenden Hinweis heraus. Es sei ein Gasleck beobachtet worden. Das Leck sei gefährlich für die Schifffahrt und das Fahren innerhalb eines Bereichs von fünf Seemeilen von der besagten Position verboten. Die dänische Energiebehörde meldete, aus einer der beiden Leitungen von Nord Stream 2 trete Erdgas aus. Es werde nicht davon ausgegangen, dass der Zwischenfall Auswirkungen auf die dänische Gasversorgungssicherheit habe. Auch die Schifffahrtsbehörde im benachbarten Schweden warnte Handelsschiffe in der Ostsee vor dem Leck, wie sie auf dpa-Anfrage mitteilte.

In der Nacht zu Montag war ein starker Druckabfall in einer der beiden Leitungen der fertiggestellten, aber nicht für den Gasimport genutzten Pipeline Nord Stream 2 festgestellt worden. Die Leitung verläuft von Russland durch die Ostsee nach Deutschland. Die zuständigen Marinebehörden in Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland und Russland seien sofort informiert worden, hatte die Nord Stream 2 AG mitgeteilt.


OECD: Deutschlands Wirtschaftsleistung schrumpft 2023

PARIS: Deutschland wird nach Einschätzung der Industriestaaten-Organisation OECD im kommenden Jahr in die Rezession rutschen. Die Wirtschaftsleistung werde voraussichtlich um 0,7 Prozent schrumpfen, teilte die OECD am Montag mit. Deutschland wäre demzufolge eines der am stärksten betroffenen Länder. Für 2022 prognostizierte die Organisation ein Wachstum von 1,2 Prozent. Auch die Inflation dürfte so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr bleiben: Für 2022 erwartet die OECD in Deutschland eine Teuerungsrate von 8,4 Prozent und für 2023 von 7,5 Prozent.

Weltweit prognostizieren die Experten für dieses Jahr ein Wachstum von 3 Prozent, das sich 2023 auf 2,2 Prozent abschwächen dürfte. Russlands Krieg gegen die Ukraine habe die weltweite Wirtschaft hart getroffen und die Preise für Energie und Lebensmittel genau dann erhöht, als die Lebenshaltungskosten ohnehin stark gestiegen seien.

Es gebe einige Unsicherheiten rund um die Prognosen, hieß es. Würde beispielsweise Gas noch knapper als bisher, könnte das Wachstum weiter schrumpfen. Die Staaten müssten nun mit finanziellen Hilfen die Auswirkungen auf Haushalte und Unternehmen abfedern. Solche Maßnahmen sollten aber nur vorübergehend sein und müssten sich auf die Bedürftigsten konzentrieren.


Gaspreis fällt auf niedrigsten Stand seit Ende Juli

FRANKFURT/MAIN: Europäisches Erdgas hat sich am Montag deutlich verbilligt. Am Vormittag sank der Preis des Terminkontrakts TTF für niederländisches Erdgas um gut 5 Prozent bis auf 172 Euro je Megawattstunde. Am Freitag hatte er bei rund 188 Dollar gelegen. Der TTF-Kontrakt gilt als Richtschnur für das europäische Preisniveau. Ende August war der Preis über 300 Euro gestiegen. Allerdings befinden sich die Preise trotz des aktuellen Rückgangs auf einem historisch hohen Niveau.

Den Staaten in Europa ist es zuletzt gelungen, ihre Reserven zügig aufzufüllen. Der Füllstand der Speicher in Deutschland lag zuletzt bei über 90 Prozent. Die großen Lieferungen von Flüssigerdgas sorgen für Entspannung. Damit sind Befürchtungen über Versorgungsengpässe im Winter etwas kleiner geworden. Sie waren aufgekommen, weil Russland praktisch kein Gas mehr nach Deutschland pumpt.

Bundeskanzler Olaf Scholz reiste zudem am Wochenende in die Golfregion, um die Zusammenarbeit bei der Energieversorgung auszubauen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten schloss der Energiekonzern RWE am Sonntag einen Vertrag über eine erste Lieferung von Flüssiggas ab. Zudem wurde eine Vereinbarung über mehrjährige Lieferungen ab 2023 unterzeichnet.


Ifo-Geschäftsklima verschlechtert sich deutlich

MÜNCHEN: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich angesichts des Ukrainekrieges und der Nachwirkungen der Pandemie deutlich verschlechtert. Das Ifo-Geschäftsklima fiel im September zum Vormonat um 4,3 Punkte auf 84,3 Zähler, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut am Montag mitteilte. Das ist der niedrigste Stand seit Mai 2020. Experten hatten mit einer Eintrübung gerechnet, allerdings nur auf 87 Punkte. Schon in den Monaten zuvor hatte sich die Stimmung zumeist eingetrübt. Das Ifo-Geschäftsklima ist Deutschlands wichtigster konjunktureller Frühindikator.


Seoul: China und Nordkorea nehmen offenbar Frachtverkehr wieder auf

SEOUL/PEKING: Nach monatelanger Unterbrechung transportiert China nach südkoreanischen Angaben offenbar wieder per Eisenbahn Güter ins benachbarte Nordkorea. Es gebe Hinweise dafür, dass der grenzüberschreitende Güterzugverkehr wieder aufgenommen worden sei, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul am Montag mit. Es sei jedoch noch unklar, ob es wieder einen regelmäßigen Gütertransport auf der Schiene zwischen beiden Ländern gebe.

Das Außenministerium in Peking bestätigte, dass mit Nordkorea vereinbart worden sei, den Schienengüterverkehr zwischen der chinesischen Grenzstadt Dandong und Sinuiju auf nordkoreanischer Seite wieder fortzusetzen. Beide Seiten würden die Koordination weiter verstärken, um einen sicheren Gütertransport zu gewähren und zu den freundschaftlichen bilateralen Beziehungen beizutragen, sagte ein Sprecher. Ob bereits Züge fuhren, sagte er nicht.

Am Montag sei beobachtet worden, wie aus der chinesischen Grenzstadt Dandong ein Güterzug mit mehr als zehn Waggons über den Fluss Yalu nach Sinuiju gefahren sei, meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Der Schienengüterverkehr habe sich wegen der «Stabilisierung der Covid-19-Situation» wieder normalisiert, zitierte Yonhap einen Informanten in China.

Die kommunistische Führung in Nordkorea hatte die Landesgrenzen wegen der Corona-Pandemie schon früh dichtgemacht, was sich auch stark auf den Handel mit China auswirkte. Im Januar dieses Jahres hatte China zunächst die Wiederaufnahme des Frachtverkehrs mit seinem Nachbarland bestätigt. Ende April wurde er jedoch Berichten südkoreanischer Medien zufolge nach neuen Infektionsfällen in Dandong wieder ausgesetzt. Nordkorea hatte im Mai erstmals einen Corona-Ausbruch bestätigt. Drei Monate später erklärte die Führung des streng abgeschotteten Landes, dass das Virus im eigenen Land besiegt worden sei.


Unilever-Vorstandschef Jope will Ende 2023 gehen

LONDON: Der Konsumgüterkonzern Unilever muss einen neuen Vorstandsvorsitzenden finden. Der bisherige Konzernchef Alan Jope wolle seinen Posten zum Ende des kommenden Jahres räumen und das Unternehmen verlassen, teilte Unilever am Montag in London mit. Das Unternehmen wolle nun in den eigenen Reihen, aber auch extern Ausschau nach einem Nachfolger halten.

Insgesamt arbeitete Jope bei Unilever nach eigenen Angaben mehr als 35 Jahre lang. 2019 war er zum Vorstandsvorsitzenden des Konzerns aufgestiegen.


Ölpreise starten mit weiteren Abschlägen in die Woche

SINGAPUR: Die Ölpreise haben zu Wochenbeginn an ihre deutlichen Abschläge aus den vergangenen Wochen angeknüpft. Am Montagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 85,16 US-Dollar. Das waren 99 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 94 Cent auf 77,80 Dollar. Damit rangieren die Preise auf dem niedrigsten Niveau seit Januar.

Die Erdölpreise werden seit einiger Zeit durch eine Reihe von Entwicklungen belastet, allen voran durch den Krieg in der Ukraine. Starker Druck kommt auch von dem aufwertenden US-Dollar, da er Rohöl für Investoren aus anderen Währungsgebieten rechnerisch verteuert und auf deren Nachfrage lastet. Hinzu kommen die starken Zinsanhebungen vieler Zentralbanken, die sich gegen die sehr hohe Inflation stemmen. Die steigenden Zinsen trüben die Konjunkturaussichten und dämpfen die erwartete Nachfrage nach Öl, Benzin und Diesel.


Euro fällt zum Dollar auf 20-Jahrestief - Pfund sinkt auf Rekordtief

FRANKFURT/MAIN: Der US-Dollar ist an den Finanzmärkten weiter stark gefragt. Im Gegenzug geraten andere Währungen unter teils erheblichen Druck. In der Nacht zu Montag sackte der Euro kräftig ab und fiel erneut auf einen 20-jährigen Tiefstand. Das britische Pfund sank zum Dollar sogar auf den tiefsten jemals erreichten Stand.

Ein Euro kostete in der Nacht im Tief rund 0,95 Dollar und damit so wenig wie letztmalig im Jahr 2002. Das britische Pfund brach zeitweise um fast fünf Prozent bis auf 1,0350 Dollar ein. Das war ein Rekordtief. Bis zum Morgen konnten sich Euro und Pfund wieder etwas erholen.

Der Dollar profitiert schon seit längerem als sichere Alternative von den vielen krisenhaften Entwicklungen auf der Welt, insbesondere dem Ukraine-Krieg. Der Euro wird vor allem durch die Energiekrise in Europa belastet. Der Wahlausgang in Italien, wo politisch rechte Kräfte die Oberhand gewannen, könnte den Euro zusätzlich belastet haben.

Das britische Pfund hat in den vergangenen Tagen drastisch an Wert verloren. Fachleute nennen vor allem die starken Steuersenkungen und sonstigen Entlastungen der neuen Regierung unter Premierministerin Liz Truss als Unsicherheitsfaktor. Der finanzpolitische Kurs bereite dem Devisenmarkt mit Blick auf die steigende Staatsverschuldung große Sorgen, kommentierte Expertin You-Na Park-Heger von der Commerzbank.

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