Nachrichten aus der Wirtschaft am Montag

Schaden im Kernkraftwerk Zaporizhzhia in Enerhodar. Foto: epa/Russisches Ministerium FÜr Emergenzien Han
Schaden im Kernkraftwerk Zaporizhzhia in Enerhodar. Foto: epa/Russisches Ministerium FÜr Emergenzien Han

USA: Keine erhöhte Strahlungswerte an ukrainischem Atomkraftwerk

WASHINGTON: Durch die Kampfhandlungen um das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja ist es nach Erkenntnissen der USA bislang nicht zu einer Freisetzung von Radioaktivität gekommen. «Wir beobachten die Aktivitäten weiterhin genau: Das Kraftwerk, das Energieministerium und die Nationale Behörde für nukleare Sicherheit berichten, dass die Strahlungssensoren weiterhin Daten liefern - und glücklicherweise haben wir keine Anzeichen für erhöhte oder abnormale Strahlungswerte festgestellt», sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre, am Montag.

Die USA forderten Russland auf, alle militärischen Operationen in oder in der Nähe von ukrainischen Atomanlagen einzustellen und die volle Kontrolle an die Ukraine zurückzugeben. Zudem unterstützten die USA weiterhin die Bemühungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), ihr Mandat zur technischen Sicherheitsüberwachung zu erfüllen und die Ukraine bei Maßnahmen zur nuklearen Sicherheit zu unterstützen, sagte Jean-Pierre.


Türkei schickt erneut Bohrschiff ins Mittelmeer

ISTANBUL: Die Türkei will am Dienstag erneut ein Gas-Bohrschiff ins Mittelmeer schicken. Das Schiff werde planmäßig von Präsident Recep Tayyip Erdogan losgeschickt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Türkische Erdgaserkundungen beobachtet vor allem der Nachbar Griechenland ganz genau.

2020 gerieten die beiden Länder an den Rande einer militärischen Auseinandersetzung. Hinter dem Konflikt stehen territoriale Uneinigkeiten: Griechenland bezichtigte die Türkei damals, vor griechischen Inseln illegal Vorkommen zu erkunden. Die Regierung in Ankara vertrat den Standpunkt, dass die Gewässer zum türkischen Festlandsockel gehörten. Die bilateralen Beziehungen befinden sich derzeit erneut an einem Tiefpunkt.

Ob das Schiff tatsächlich in umstrittene Gewässer fährt, ist unklar. Energieminister Fatih Dönmez twitterte am Wochenende, das Schiff zähle die Tage, bis es ins tiefe Mittelmeer aufbrechen könne. Erdogan sagte zudem am Montag, man werde keine Handlungen in den Hoheitsgebieten der Türkei zulassen, die sich gegen das Land richtete. Die Abdülhamid Han ist laut Anadolu eines von vier türkischen Bohrschiffen.


Eurokurs gefallen - EZB-Referenzkurs: 1,0199

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Montag gefallen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0199 (Freitag: 1,0233) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9805 (0,9772) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84165 (0,84268) britische Pfund, 137,62 (136,22) japanische Yen und 0,9763 (0,9776) Schweizer Franken fest.


Dax legt deutlich zu

FRANKFURT/MAIN: Der Dax hat am Montag einen Erholungskurs eingeschlagen und seine Verluste vom Freitag mehr als wettgemacht. Der Leitindex Dax stieg am frühen Nachmittag um 1,04 Prozent auf 13.715,40 Punkte. Er kletterte damit auf sein bisheriges Tageshoch und knüpfte an die insgesamt freundlich verlaufene erste Augustwoche an. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen stieg zuletzt um 0,75 Prozent auf 27.981,17 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann sogar 1,20 Prozent.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,68 Prozent am Freitag auf nun 0,76 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,36 Prozent auf 136,62 Punkte. Der Bund-Future kletterte um 0,42 Prozent auf 156,59 Punkte nach oben. Der Euro pendelte um die Marke von 1,02 US-Dollar. Am frühen Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0196 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuletzt am Freitag auf 1,0233 Dollar festgesetzt.


BDI-Chef verlangt schnellere Genehmigungsverfahren für Windräder

BERLIN: Schnellere Genehmigungsverfahren etwa für Windräder sind aus Sicht des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) zentral für den klimafreundlichen Umbau des Landes. «Der BDI geht von dem Bedarf einer Verdopplung der Genehmigungsverfahren für Windenergie- und Industrieanlagen in den kommenden acht Jahren aus», sagte Präsident Siegfried Russwurm der Deutschen Presse-Agentur. «Behörden in Bund und Ländern müssen bis 2030 je rund 20.000 Genehmigungen sowohl für Industrieanlagen als auch für Windräder erteilen.»


Erdgas-Einspeicherung geht voran - 72 Prozent Füllstand

BRÜSSEL: Die deutschen Gasspeicher sind am vergangenen Freitag trotz der deutlich reduzierten Liefermengen aus Russland so stark befüllt worden wie seit knapp zwei Monaten nicht mehr. Wie am Montag aus Daten der europäischen Gasspeicherbetreiber im Internet hervorging, lag der Füllstand am Samstagmorgen zu Beginn des sogenannten Gastages im Durchschnitt bei 71,99 Prozent und damit 0,66 Prozentpunkte über dem Vortageswert.


9-Euro-Ticket: Streit um Anschlussfinanzierung geht weiter

BERLIN/MÜNCHEN: Die Nachfrage nach dem 9-Euro-Ticket bleibt hoch: Seit dem Verkaufsstart Ende Mai bis einschließlich Montag sind dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zufolge bundesweit 38 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft worden. «Hinzu kommen die jeweils etwa zehn Millionen Abonnentinnen und Abonnenten, die monatlich das vergünstigte Ticket automatisch erhalten», teilte der Verband am Montag mit. Ferienbedingt habe der VDV lediglich einen leichten Rückgang bei den Verkäufen festgestellt.


Milliardendeal: Pfizer kauft Global Blood Therapeutics

NEW YORK: Der Pharmakonzern Pfizer will mit dem milliardenschweren Zukauf von Global Blood Therapeutics (GBT) seinen Geschäftsbereich mit seltener Hämatologie stärken. Pfizer werde alle ausstehenden Aktien des biopharmazeutischen Unternehmens für 68,50 US-Dollar pro Papier in bar erwerben, teilte Pfizer am Montag in New York mit. Damit werde GBT mit etwa 5,4 Milliarden US-Dollar (5,3 Mrd Euro) bewertet, einschließlich Schulden und abzüglich der erworbenen Barmittel. Die Verwaltungsräte beider Unternehmen hätten die Transaktion einstimmig genehmigt.

Die geplante Übernahme werde das Wachstum von Pfizer vorantreiben, hieß es weiter. So sei GBT führend in der Behandlung der Sichelzellanämie. Bei Sichelzellanämie handelt es sich um eine Erbkrankheit, bei der sich die roten Blutkörperchen verformen. Die Entstehung der Sichelform beruht auf einem Gendefekt. GBT hat zur Behandlung der Sichelzellkrankheit Tabletten entwickelt, die unter anderem in den USA und in der EU zugelassen sind.

Zudem ist das Unternehmen dabei, weitere Medikamente zur Behandlung der Krankheit zu entwickeln. Insgesamt habe die Pipeline von GBT ein Potenzial für einen weltweiten Spitzenumsatz von mehr als drei Milliarden US-Dollar, hieß es.


Lettland will kräftig in Windenergie investieren

RIGA: Lettland will etwa eine Milliarde Euro in den Bau von Windparks investieren, um die lokale Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu erhöhen und die Energiesicherheit zu stärken. Ministerpräsident Krisjanis Karins sprach am Montag in Riga von einer der größten Investitionen in der Geschichte des baltischen EU- und Nato-Landes. «Das ist eine mittelfristige Lösung, die es uns ermöglichen wird, bei der Energieversorgung völlig unabhängig zu werden und weniger fossile Ressourcen verbrauchen zu müssen», sagte Karins der lettischen Nachrichtenagentur Leta zufolge.

Nach Umsetzung des Projekts könnte der an Russland grenzende kleine Ostseestaat von einem Stromimporteur zu einem -exporteur werden, sagte Karins. Demnach produziere Lettland gegenwärtig 40 Prozent seines benötigten Stroms selbst, 60 Prozent werden mittels Importen gedeckt. Wenn Russland bisher die Hauptimportquelle gewesen sei, müsse die Quelle jetzt vergessen werden, sagte der Regierungschef.

Nach Angaben von Wirtschaftsministerin Ilze Indriksone sollen die geplanten Windparks eine Kapazität von 800 Megawatt haben. Damit könnten 2,4 Terawattstunden Strom pro Jahr produziert werden - dies entspreche umgerechnet rund 30 Prozent des gesamten Stromverbrauchs Lettlands im vergangenen Jahr. Zuständig für die Errichtung und den Betrieb der Windparks mit insgesamt 100 bis 120 Windrädern ist eine neugegründete Gemeinschaftsfirma des lettischen Stromversorgers und der staatlichen Forstverwaltung.

Lettland hatte vor dem Hintergrund des russischen Angriffs auf die Ukraine im Mai den Import von Strom aus Russland eingestellt. Noch ist es aber - wie auch Estland und Litauen - weiter Teil eines gemeinsamen, synchron geschalteten Stromnetzes mit Russland und Belarus - des aus Sowjetzeiten stammenden sogenannten BRELL-Ringsystems. Damit hängen die Baltenstaaten quasi mit am Netz der beiden Nachbarländer im Osten.


EU-Notfallplan für Gas ist in Kraft

BRÜSSEL: Der europäische Gas-Notfallplan zur Vorbereitung auf einen möglichen Stopp russischer Erdgaslieferungen ist an diesem Dienstag in Kraft getreten. Der Plan sieht vor, dass alle EU-Länder ihren Gasverbrauch von Anfang August bis März nächsten Jahres freiwillig um 15 Prozent senken, verglichen mit dem Durchschnittsverbrauch der vergangenen fünf Jahre in diesem Zeitraum. Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine hat Russland seine Lieferungen an die EU bereits drastisch reduziert.

Insgesamt müssen nach Zahlen der EU-Kommission 45 Milliarden Kubikmeter Gas gespart werden. Deutschland müsste etwa 10 Milliarden Kubikmeter Gas weniger verbrauchen, um das 15-Prozent-Ziel zu erreichen.

Falls nicht genug gespart wird und es weitreichende Versorgungsengpässe gibt, kann im nächsten Schritt ein EU-weiter Alarm mit verbindlichen Einsparzielen ausgelöst werden. Die Hürde dafür ist allerdings hoch: Nötig wäre die Zustimmung von mindestens 15 EU-Ländern, die zusammen mindestens 65 Prozent der Gesamtbevölkerung der Union ausmachen. Zugleich haben mehrere Länder - etwa Spanien und Italien - für diesen Fall Ausnahmen von den verbindlichen Sparzielen ausgehandelt und wollen weniger als 15 Prozent sparen. Der Notfallplan gilt zunächst für ein Jahr.


Deutscher Energiemanager vermutet eine Person hinter Säureangriff

WUPPERTAL: Der bei einem Säureanschlag 2018 schwer verätzte deutsche Spitzenmanager Bernhard Günther vermutet als Auftraggeber auf sich eine bestimmte Person aus seinem beruflichen Umfeld. Es gebe nur eine Person, die sowohl 2012 als auch 2018 davon profitiert hätte, wenn er berufsunfähig geworden wäre.

Das sagte Günther am Montag als Zeuge im Prozess um den Säureangriff am Wuppertaler Landgericht. «Es ist kein Zufall, wenn jemand zwei Mal am Sonntagmorgen in Haan beim Joggen überfallen wird», sagte der 55-Jährige. Er sei bereits sechs Jahre vor dem Säureattentat 2018 von zwei Männern überfallen worden. Damals habe er Fleischwunden und einen Beinbruch erlitten, sagte Günther. Er habe je eine Liste für beide Anschläge angefertigt. «Die Schnittmenge ist genau eine Person», betonte Günther. Beide Überfälle hätten sich zudem in beruflichen Umbruchzeiten ereignet.

Angeklagt ist ein 42-jähriger Belgier, dessen DNA am Tatort gefunden wurde. Der Mann bestreitet allerdings vehement, etwas mit der Tat zu tun zu haben. Er behauptete, Handschuhe mit seiner DNA seien ihm gestohlen und dann am Tatort als falsche Fährte platziert worden. Dem Angeklagten drohen im Fall einer Verurteilung zwischen 3 und 15 Jahre Haft wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung.

Günther war am 4. März 2018 in der Nähe seines Hauses in Haan bei Wuppertal angegriffen und schwer verätzt worden. Die Täter hatten ihn mit hochkonzentrierter Schwefelsäure übergossen. 2012 sei der erste Anschlag erfolgt, kurz bevor er sein Amt als neuer RWE-Vorstand angetreten habe. Der zweite Anschlag sei nach der Gewinnwarnung von Innogy und dem Rauswurf des damaligen Vorstandsvorsitzenden erfolgt. Eine Woche später sei die geplante Übernahme von Innogy durch Eon bekanntgegeben worden.


«Mr. Cum-Ex» Hanno Berger legt ein Teilgeständnis ab

BONN: In dem milliardenschweren «Cum-Ex»-Steuerskandal hat der bekannteste Verfechter der dubiosen Aktiendeals zu Lasten der Staatskasse, Hanno Berger, ein Teilgeständnis abgelegt. Der der besonders schweren Steuerhinterziehung in drei Fällen angeklagte 71-jährige Anwalt räumte am Montag vor dem Landgericht ein, ab 2009 mit bedingtem Vorsatz gehandelt zu haben.

In jenem Jahr hatte das Finanzministerium in einem Berger bekannten Schreiben erhebliche Bedenken gegen die von dem Anwalt propagierte Methode der Steuergestaltung deutlich gemacht. Bergers Verteidiger Richard Beyer betonte am Rande des Verfahrens, vor 2009 sehe er kein vorsätzliches Handeln seines Mandanten.

In dem Bonner Strafprozess werden Berger drei Fälle besonders schwerer Steuerhinterziehung im Zeitraum 2007 bis 2013 vorgeworfen. Der Angeklagte soll die Privatbank M.M. Warburg zur Aufnahme von «Cum-Ex»-Geschäften bewogen und maßgeblich geholfen haben, die nötigen Strukturen einzurichten. Zudem soll er gutgläubige Investoren eingeworben haben. Dem Fiskus soll damit ein Schaden von 278 Millionen Euro entstanden sein, davon soll auch Berger profitiert haben (Aktenzeichen 62 KLs 2/20).

Bei «Cum-Ex»-Geschäften nutzten Investoren eine Lücke im Gesetz, um den deutschen Staat über Jahre hinweg um Geld zu prellen. Rund um den Dividendenstichtag schoben mehrere Beteiligte Aktien mit («cum») und ohne («ex») Ausschüttungsanspruch hin und her. In der Folge erstatteten Finanzämter Kapitalertragsteuern, die gar nicht gezahlt worden waren. Dem Staat entstand so ein Milliardenschaden. 2012 wurde das Steuerschlupfloch geschlossen. Mehrere Staatsanwaltschaften und Gerichte bundesweit ermitteln seit Jahren, um einen der größten Steuerskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte aufzuklären.


Biontech im ersten Halbjahr noch einmal mit kräftigen Zuwächsen

MAINZ: Das Pharmaunternehmen Biontech hat seinen Umsatz im ersten Halbjahr im Vergleich zur ersten Hälfte 2021 um 30,1 Prozent auf 9,57 Milliarden Euro gesteigert. Der Nettogewinn legte um 37,2 Prozent auf 5,37 Milliarden Euro zu, wie das Unternehmen am Montag in Mainz mitteilte.


Ifo-Studie: Entkopplung von Autokraten kostet Wohlstand

MÜNCHEN: Eine wirtschaftliche Abkopplung von China und anderen autoritären Staaten würde für Deutschland nach Einschätzung des Ifo-Instituts große Wohlstandsverluste bedeuten. Einerseits würden Absatzmärkte wegbrechen, andererseits würden sich Vorprodukte und Rohstoffe für die deutsche Industrie verteuern, schreiben die Münchner Ökonomen in einem am Montag in München unter Federführung von Ifo-Präsident Clemens Fuest veröffentlichten Papier. Auftraggeber war die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw). Zuvor hatte die «Süddeutsche Zeitung» berichtet.

Allein eine wechselseitige Abkopplung der EU von China würde die deutsche Industrie demnach sehr hart treffen und deren Wettbewerbsfähigkeit sinken lassen, insbesondere Autohersteller und Maschinenbau. Höhere Einfuhrzölle und andere Handelshemmnisse auf beiden Seiten würden laut Ifo-Berechnung das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 0,81 Prozent sinken lassen, also einen beträchtlichen Anteil des gesamten Wirtschaftswachstums kosten. Zudem betonen die Ifo-Forscher, dass das nur die Untergrenzen der zu erwartenden Verluste seien. Profitieren würden demnach nur vergleichsweise kleine Bereiche wie die Textilindustrie.

Die Studie bekräftigt zudem vorangegangene Ifo-Untersuchungen, dass eine Rückverlagerung von Industrieproduktion nach Deutschland oder in benachbarte Länder enorme Wohlstandsverluste bedeuten würden. Im Falle einer umfassenden Rückverlagerung nach Deutschland würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt demnach um fast 10 Prozent sinken. «Die Deglobalisierung könnte nicht nur zu erhöhter Arbeitslosigkeit und geringerem Wachstum führen, sondern letztlich auch die politische Stabilität des Landes gefährden», warnen die Autorinnen und Autoren in dem Papier. Das Ifo-Institut empfiehlt eine Reduzierung einseitiger Abhängigkeiten und eine Diversifizierung der Lieferketten.

«Fakt ist aber, dass wir an unserem grundsätzlichen Geschäftsmodell der Internationalisierung festhalten müssen», resümierte für die Auftraggeber vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.


Nord-Stream-Turbine noch in Deutschland - Diskussion um Verschiffung

MÜNCHEN: Die von Siemens-Energy gewartete Turbine für die Gasleitung Nord Stream 1 ist weiter in Deutschland. Es gebe noch ausstehende Diskussionen, ob sie verschifft werden kann, sagte Energy-Chef Christian Bruch am Montag bei der Vorlage der Quartalszahlen seines Unternehmens. Dabei betonte er auch, dass die Instandhaltung für die Turbinen an der Verdichterstation von Nord Stream 1 grundsätzlich weitergehen könne - sofern dies gewünscht sei. Vom aktuell laufenden Rückzug aus den Geschäften in Russland sei dies getrennt. Grundsätzlich gehe der Servicezyklus bis 2024. Man sei aber davon abhängig, dass der Kunde sich melde und sage, dass man etwas machen solle.

Zum Streit über die Turbine und zu möglichen finanziellen Folgen sagte Bruch, dass er daraus keine vertraglichen Risiken sehe. Man könne klar zeigen, «dass wir alles getan haben, damit wir liefern können».

Seit Juni hat Russland die Gaslieferungen über Nord Stream 1 zurückgefahren. Der Energiekonzern Gazprom begründete dies mit der fehlenden Turbine. Sie sei wichtig, um den nötigen Druck zum Durchpumpen des Gases aufzubauen. Gazprom warf seinem Vertragspartner Siemens Energy wiederholt vor, nicht die nötigen Dokumente und Informationen zur Reparatur der Maschine übermittelt zu haben. Siemens Energy wies die Vorwürfe zurück.


Kuba: Treibstofflager-Brand noch nicht unter Kontrolle

MATANZAS: Auf Kuba kämpfen Feuerwehrkräfte weiter gegen den Brand eines Treibstofflagers im Norden der Karibikinsel. Ein zweiter Brennstofftank sei explodiert, zudem sei die Abdeckung eines weiteren Tanks des Lagers im Hafen von Matanzas eingestürzt, berichteten kubanische Medien am Sonntagabend (Ortszeit). Bei dem zweiten Tank sei Öl ausgelaufen, teilte die kubanische Regierung auf Twitter mit, man arbeite «intensiv und effektiv» daran, das Problem unter Kontrolle zu bekommen.

Am Freitagabend hatte ein Blitz während eines Gewitters den Treibstofftank in Matanzas zur Explosion gebracht. Das Feuer griff auf andere Teile der Anlage über. Nach Angaben der kubanischen Regierung mussten zwischenzeitlich mehr als 120 Menschen medizinisch versorgt werden. Ein Mensch sei gestorben. Spezialisten aus Mexiko und Venezuela reisten an, um bei den Löscharbeiten zu helfen. Laut der Provinzregierung von Matanzas sollte im Laufe des Montags eine starke Pumpe installiert werden, mit der ein chemischer Schaum zum Löschen auf die Tanks gesprüht werden könne.

Die Tanks enthielten kubanisches Rohöl und importiertes Schweröl, das vor allem zur Stromerzeugung verwendet wird. Der Brand verschlingt wichtige Energiereserven des sozialistischen Staats, der ohnehin unter einer schweren Wirtschaftskrise und großen Problemen bei der Energieversorgung leidet. Zuletzt kam es zu ständigen Stromausfällen, was vor einem Jahr zu Anti-Regierungsprotesten führte.


Elektroindustrie verbucht zweistelliges Auftragsplus im Halbjahr

FRANKFURT/MAIN: Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie geht mit einem Auftragsplus im Rücken ins zweite Halbjahr. Im Zeitraum Januar bis Juni übertrafen die Bestellungen wertmäßig den Vorjahreszeitraum um 12,7 Prozent, wie der Branchenverband ZVEI am Montag in Frankfurt mitteilte. Im Juni wurde allerdings nur ein leichter Anstieg um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verbucht. «Dabei fielen die Auftragseingänge aus dem Inland (minus 13,9 Prozent) fast genauso stark wie sie aus dem Ausland (plus 14,0 Prozent) zunahmen», erläuterte ZVEI-Konjunkturexperte Peter Giehl.

Die um Preissteigerungen bereinigte Produktion übertraf im ersten Halbjahr das Niveau des Vorjahreszeitraums um 1,8 Prozent, trotz eines Rückgangs von 2,0 Prozent im Juni. Der Umsatz der Branche stieg in den ersten sechs Monaten um 9,0 Prozent auf 105,9 Milliarden Euro.

Wie andere Branchen auch leidet die Elektroindustrie unter Materialknappheit und Lieferengpässen. Den Angaben zufolge sehen sich 89 Prozent der Firmen von Versorgungsengpässen betroffen. Entsprechend seien die Produktionspläne zuletzt gesenkt worden, teilte der ZVEI mit. Unter dem Strich blieben sie aber positiv. Zugleich klagt fast die Hälfte der Firmen (48 Prozent) über Fachkräftemangel.


Ölpreise leicht gestiegen - knapp über Sechs-Monats-Tief

SINGAPUR: Die Ölpreise haben am Montag leicht zugelegt und sich etwas von den sechsmonatigen Tiefstständen vom Freitag erholt. Im frühen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 95,26 US-Dollar. Das waren 34 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur September-Lieferung stieg um 28 Cent auf 89,29 Dollar.

Damit hielten sich die Notierungen am Ölmarkt zu Beginn der Woche nur knapp über den tiefsten Ständen seit Februar, die am Freitag erreicht wurden. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern stützten jüngste Importdaten aus China die Ölpreise. Daten vom Wochenende zeigten, dass sich die chinesischen Einfuhren an Rohöl im Juli wieder erholt haben. Zuvor hatte Chinas Führung die Einschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie gelockert, was die Wirtschaft des Landes stärker in Schwung brachte.

Im weiteren Verlauf dürfte sich der Fokus am Ölmarkt verstärkt auf neue Prognosen zur Nachfrage nach Rohöl richten. Am Donnerstag werden Berichte der Internationalen Energieagentur (IEA) und des Ölkartells Opec erwartet.


Eurokurs wenig verändert

FRANKFURT/MAIN: Der Kurs des Euro hat sich am Montag nur wenig bewegt. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0184 US-Dollar gehandelt und damit etwa auf dem gleichen Niveau wie am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Freitagnachmittag deutlich höher auf 1,0233 Dollar festgesetzt.

Der Euro hat damit die deutlichen Kursverluste nach der Veröffentlichung eines robusten Arbeitsmarktberichts in den USA am Freitag nicht wettmachen können. Die US-Wirtschaft hatte im Juli überraschend viele Arbeitsplätze geschaffen, was die Spekulation auf eine weitere deutliche Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed verstärkte und dem US-Dollar Auftrieb verlieh.

Darüber hinaus hat ein Mitglied der US-Notenbank Hinweise auf eine weitere starke Zinserhöhung geliefert. Die Fed sei auf dem Weg hin zu einer Eindämmung der Inflation noch lange nicht fertig, sagte die Präsidentin der regionalen Notenbank von San Francisco, Mary Daly, am Wochenende in einem Interview.

Im weiteren Montagshandel wird mit einem eher impulsarmen Handel am Devisenmarkt gerechnet. Es stehen kaum wichtige Konjunkturdaten auf dem Programm, an denen sich die Anleger orientieren können.


Windkraft und Russland: Halbe Milliarde Verlust bei Siemens Energy

MÜNCHEN: Die spanische Windkrafttochter Siemens Gamesa und Kosten für den Rückzug aus Russland ziehen den Energietechnikkonzern Siemens Energy tiefer in die roten Zahlen. Im dritten Geschäftsquartal - von April bis Juni - häuften sich Verluste von 533 Millionen Euro an, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Im laufenden Jahr beträgt das Minus nun schon gut eine Milliarde. Zudem senkte das Unternehmen auch seine Erwartungen für das Ergebnis im Gesamtjahr. Der Umsatz blieb im abgelaufenen Quartal dagegen stabil bei 7,3 Milliarden Euro.

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