Nachrichten aus der Wirtschaft am Mittwoch

Foto: Pixabay/Kalhh
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US-Notenbank senkt Wachstumsprognose für dieses Jahr

WASHINGTON: Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr abgesenkt. Im Juni war die Zentralbank noch von einem Plus von 7 Prozent ausgegangen, nun erwartet sie ein Wachstum von 5,9 Prozent, wie die am Mittwoch veröffentlichten Prognosen zeigen. Die rasante Erholung der US-Wirtschaft von der Corona-Krise hatte sich zuletzt wegen der raschen Ausbreitung der Delta-Variante etwas verlangsamt. Für 2022 rechnet die Notenbank nun mit einem Wachstum von 3,8 Prozent nach der Juni-Prognose von 3,3 Prozent.

Die Wachstumsprognosen der Zentralbank spiegelten zuletzt meist die Entwicklung der Pandemie wider. Im vergangenen Dezember, bevor die Impfungen zum Einsatz gekommen waren, hatte die Notenbank für 2021 mit einem Plus von 4,2 Prozent gerechnet. Im März waren es bereits 6,5 Prozent, im Juni dann - auch dank niedriger Infektionszahlen und steigender Impfquote - schon 7 Prozent. Seit Juni sind die Infektions- und auch Todeszahlen aber wegen der Delta-Variante wieder gestiegen.


US-Notenbank belässt Leitzins unverändert nahe Null

WASHINGTON: Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hält an ihrer sehr lockeren Geldpolitik fest.

Der Leitzins bleibt weiter in der niedrigen Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent, wie die Zentralbank am Mittwoch mitteilte. Auch die Käufe von Wertpapieren in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar (102 Mrd Euro) pro Monat durch die Fed werden demnach fortgesetzt. Die Zentralbank signalisierte zugleich, dass die Käufe demnächst zurückgefahren werden könnten.


Regierung zieht positive Zwischenbilanz bei Wasserstoff-Strategie

BERLIN: Die Bundesregierung zieht gut ein Jahr nach dem Start ihrer «Nationalen Wasserstoffstrategie» eine positive Zwischenbilanz. Die Strategie sei mit Nachdruck vorangetrieben und wichtige Grundlagen für Investitionen aus der Wirtschaft und für Forschungsinitiativen seien geschaffen worden, heißt es in einem ersten Zwischenbericht, der an diesem Mittwoch im Bundeskabinett verabschiedet wurde.


Facebooks Aufsichtsgremium prüft Vorwurf von Promi-Sonderbehandlung

MENLO PARK: Das unabhängige Aufsichtsgremium von Facebook hat sich wegen eines Medienberichts eingeschaltet, wonach das Online-Netzwerk bei seinen Inhalte-Regeln Ausnahmen für prominente Nutzer macht. Das sogenannte Oversight Board will nun unter anderem klären, ob es von Facebook angemessen zu dem Thema informiert wurde. Facebook müsse bei Entscheidungen, ob Inhalte auf der Plattform bleiben oder gelöscht werden, transparenter werden, betonte das Gremium in einem Blogeintrag am Dienstag.


Immobilienkonzern Evergrande verschafft sich Luft bei Zinszahlungen

PEKING: Der vom Kollaps bedrohte chinesische Immobilienkonzern Evergrande hat sich nach eigenen Angaben etwas Luft verschafft. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, konnte es eine Vereinbarung mit inländischen Gläubigern zur Zahlung von Zinsen für eine Anleihe treffen, die am Donnerstag fällig sind.


Umfrage: Qualität und Preis sind für junge Konsumenten am wichtigsten

DÜSSELDORF: Junge Erwachsene in Deutschland legen beim Einkauf zwar Wert auf die Nachhaltigkeit der Produkte, wichtiger sind ihnen allerdings Qualität und Preis. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Befragung der Unternehmensberatung PwC. Die Verantwortung für die Verbreitung eines nachhaltigen Lebensstils sehen die befragten 18- bis 25-Jährigen in erster Linie bei der Politik. Nur 13 Prozent sind der Meinung, dass sie selbst als Konsumentinnen und Konsumenten verantwortlich sind. Jeder Vierte sehe in erster Linie die Regierung in der Verantwortung, für 19 Prozent sei dies die Aufgabe der Hersteller.


Hapag-Lloyd-Chef hält hohe Frachtraten für «eigentlich zu extrem»

HAMBURG: Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen hofft trotz zuletzt märchenhafter Gewinne für die Container-Reedereien auf eine baldige Normalisierung des Geschäfts. «Jetzt ist es eigentlich zu extrem», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Zwar seien die Frachtraten während der Schifffahrtskrise der vergangenen Jahre viel zu niedrig gewesen. So seien etwa für einen Container von Asien nach Südamerika zeitweise nur 50 bis 200 Dollar bezahlt worden. Dass jetzt aber gleich Tausende Dollar für den Transport eines Containers aufgerufen würden, sei zu viel. «So starke Schwankungen sind schlecht fürs Geschäft. Die braucht eigentlich niemand.»


Allianz: Elektroautos teurer in der Reparatur

ISMANING: Elektroautos sind laut einer Untersuchung der Allianz nach Unfällen erheblich teurer zu reparieren als herkömmliche Autos. Demnach liegt in der Vollkasko-Versicherung der durchschnittliche Schadenaufwand bei reinen Elektroautos um zehn Prozent höher, bei Plugin-Hybriden sogar um 50 Prozent. Insbesondere der Wechsel der teuren Akkus schlägt sehr zu Buche. Der Versicherungskonzern veröffentlichte die Zahlen am Mittwoch bei seinem alljährlichen Autotag in Ismaning vor den Toren Münchens.


Gericht kürzt Untreue-Prozess gegen VW-Manager erheblich ab

BRAUNSCHWEIG: Der Untreue-Prozess gegen drei frühere und einen amtierenden Personalmanager von Volkswagen wird erheblich abgekürzt. Nach den Aussagen von Zeugen am Mittwoch zog der zuständige Richter am Landgericht Braunschweig die Plädoyers und eine Entscheidung vor. Im Verfahren um mutmaßlich überhöhte Bezahlung führender Betriebsräte bei Volkswagen wird damit schon in der kommenden Woche mit einem Urteil gerechnet, ursprünglich war das Verfahren bis Ende Oktober geplant. (AZ: 16 KLs 85/19)


Beratung für Patienten: Die Apotheken hoffen auf mehr Geschäft

DÜSSELDORF: Deutschlands Apotheker blicken mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Einerseits suchen sie händeringend Personal oder Nachfolger für ihre Betriebsstätten, andererseits sorgt ein neues Gesetz für zaghaften Optimismus in der Branche. Die Negativstimmung sei zurückgegangen und es herrsche «eine positivere Grundhaltung», sagte die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda), Gabriele Regina Overwiening, am Mittwoch in Düsseldorf zum Auftakt des Deutschen Apothekertags, einem Branchentreff mit rund 300 Delegierten aus den verschiedenen Landesteilen.


EU-Handelshilfe für arme Länder soll grüner werden

BRÜSSEL: Die EU-Kommission will Zoll-Vorteile für Importe aus ärmeren Ländern künftig stärker an Klima-Aspekten ausrichten. Hintergrund ist die notwendige Überarbeitung des sogenannten Schemas allgemeiner Zollpräferenzen (APS), das Entwicklungsländern zugutekommen soll. Dabei werden Einfuhrzölle auf bestimmte Waren, die aus Ländern mit sehr geringer Wirtschaftsleistung auf den EU-Markt kommen, aufgehoben oder reduziert. Das soll dabei helfen, Armut zu lindern.

Das derzeitige Schema läuft Ende 2023 aus und muss daher überarbeitet werden. Auch wenn es gut funktioniere, könne an manchen Stellen nachjustiert werden, teilte die EU-Kommission am Mittwoch mit. So solle künftig stärker auf Umwelt- und Klimaaspekte geachtet werden. Zudem hoffe man, dass soziale Aspekte gestärkt werden. Erreicht werden soll dies etwa dadurch, dass künftig mehr internationale Übereinkommen in diesen Bereichen eingehalten werden sollen. Schwere Verstöße gegen Übereinkommen zum Klima- und Umweltschutz können den Angaben zufolge dazu führen, von den Vorteilen des APS ausgeschlossen zu werden.

Wie viele Länder künftig konkret vom APS profitierten steht noch nicht fest. Derzeit sind es laut Kommission knapp 70. Die Einschätzung, inwiefern sich Länder etwa an internationale Übereinkommen halten, stütze sich in erster Linie auf Empfehlungen und Berichte der Vereinten Nationen. Die überarbeiteten Maßnahmen sollen dem Entwurf zufolge bis 2034 in Kraft sein. Der Vorschlag muss noch vom EU-Parlament und den EU-Ländern angenommen werden.


EU-Kommission legt Vorschlag für einheitliche Handy-Ladebuchse vor

BRÜSSEL: Die EU-Kommission will dem Kabelsalat in europäischen Haushalten ein Ende bereiten. Dazu will die Brüsseler Behörde am Donnerstag (13.00 Uhr) einen Gesetzesvorschlag für einheitliche Ladebuchsen in Elektrogeräten wie Smartphones und Tablets vorlegen.

Verbraucherinnen und Verbraucher sollen zum Laden ihrer Geräte künftig nur noch ein einziges Kabel brauchen. So soll auch die Menge an Elektroschrott in der EU reduziert werden. Neuer Standard dürfte nach dem Willen der EU-Kommission der USB-C-Anschluss werden, den schon heute viele Firmen wie Samsung und Motorola verbauen. Vor allem Apple mit seinem hauseigenen Lightning-Anschluss wehrt sich gegen die Vereinheitlichung.

Nach dem Vorschlag der EU-Kommission müssen Europaparlament und EU-Staaten noch darüber verhandeln und eine gemeinsame Linie finden. Bis eine einheitliche Ladebuchse für die Unternehmen tatsächlich verpflichtend ist, dürfte es noch einige Jahre dauern.


Minister zweifelt an Bidens Verständnis von Problemen in Nordirland

LONDON: Ein britischer Minister hat Zweifel an US-Präsident Joe Bidens Verständnis der Probleme bei Brexit-Regeln für die britische Provinz Nordirland erhoben. «(Biden) liest momentan wahrscheinlich nur die Überschriften, liest, was die EU sagt, liest, was Irland sagt», sagte Landwirtschaftsminister George Eustice am Mittwoch dem Sender Sky News. Biden müsse jedoch bedenken, dass es den Frieden in der ehemaligen Bürgerkriegsregion gefährden würde, wenn keine nachhaltige Lösung für den Handel zwischen Nordirland und Großbritannien gefunden werde.

Hintergrund ist das im Brexit-Abkommen festgehaltene Nordirland-Protokoll, das Sonderregeln für die Provinz nach dem EU-Austritt vorsieht. Es soll eine harte EU-Außengrenze zwischen dem britischen Landesteil und dem EU-Staat Irland verhindern, da eine solche den Konflikt in der Region mutmaßlich neu entflammen würde. Nordirland folgt daher weiterhin den Regeln des EU-Binnenmarktes, weshalb aber Kontrollen an der Seegrenze zum Rest des Vereinigten Königreichs notwendig sind. Dies führt zu Handelsproblemen.

Über die konkrete Umsetzung dieser Regeln gibt es seit Monaten Streit zwischen London und Brüssel. Das Protokoll sei «sehr kompliziert», sagte Minister Eustice. «Ich bin nicht sicher, ob er das alles voll und ganz anerkennt.»

US-Präsident Biden, der selbst irische Wurzeln hat, hatte auch bei seinem Treffen mit dem britischen Premierminister Boris Johnson am Dienstagabend die Bedeutung des als Karfreitagsabkommen bekannten Friedensvertrags für die Region betont. Dieser müsse unter allen Umständen geschützt werden. Andernfalls komme ein Handelsvertrag zwischen Großbritannien und den USA nicht infrage. Ein solcher Deal ist eine der zentralen Hoffnungen der konservativen Regierung nach dem Brexit. Eine Einigung rückt jedoch zunehmend in weite Ferne.


EU-Länder diskutieren über gestiegene Energiepreise

KRANJ: Die gestiegenen Energiepreise und Auswirkungen für Verbraucher beschäftigen die EU-Länder. Man habe Ideen, wie man das Problem angehen könne, werde sich aber zunächst beraten, sagte EU-Energiekommissarin Kadri Simson am Mittwoch vor einem Treffen der zuständigen Ministerien der EU-Länder in Slowenien. Österreichs Energieministerin Leonore Gewessler sagte, die Antwort auf hohe Gaspreise sei, schneller auf erneuerbare Energien umzusteigen. Dies schaffe auch Unabhängigkeit etwa von russischen Gasimporten. Simson betonte nach dem Treffen, die Kommission werde in den kommenden Wochen Vorschläge vorlegen, mit welchen Maßnahmen die EU-Länder auf die steigenden Energiepreise reagieren könnten.

Die Großhandelspreise für Erdgas sind seit Monaten auf einem Höhenflug. Vielerorts bekommen die Verbraucher das bereits zu spüren. Nach Angaben der Vergleichsportale Verivox und Check24 haben zahlreiche regionale Gasanbieter Preiserhöhungen für den Herbst angekündigt. Erdgas ist der Haupttreiber der Energiepreise, die im August fast ein Viertel höher waren als ein Jahr zuvor. Nach Angaben des europäischen Gewerkschaftsbunds ETUC ist zu befürchten, dass mehr als 2,7 Millionen Menschen in Europa es sich zu Beginn der Heizsaison nicht leisten könnten, ihre Wohnung vernünftig zu wärmen, obwohl sie Arbeit hätten.

Spaniens Regierung hatte vor dem Treffen die EU-Kommission aufgefordert, Leitlinien zu entwickeln, an denen sich nationale Regierungen orientieren könnten, um auf den Preisanstieg zu reagieren. Die Situation gefährde eine faire Umstellung auf klimafreundliche Energie, heißt es in einem Brief an die EU-Kommission, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Das Bundeswirtschaftsministerium teilte mit: «Konkrete Vorschläge oder Vorhaben anderer Mitgliedsstaaten kommentieren wir nicht.» Man beobachte die Lage am Gasmarkt fortlaufend.


CO2-Krise: Britische Regierung stützt Hersteller mit Millionen

LONDON: Wegen der steigenden Energiepreise greift die britische Regierung einem wichtigen Düngemittelhersteller mit Steuergeld unter die Arme. Es handle sich um «viele Millionen, vielleicht Dutzende Millionen» Pfund als finanzielle Unterstützung für das US-Unternehmen CF Fertilisers, sagte Umweltminister George Eustice am Mittwoch dem Sender Sky News.

Derzeit belastet ein akuter Mangel an Kohlenstoffdioxid (CO2) die Herstellung etwa von Fleischprodukten. Das Gas wird benötigt, um Tiere im Schlachthaus zu betäuben und Verpackungen vakuumsicher zu versiegeln. CO2 fällt bei der Düngemittelproduktion an. Hersteller wurden aber zuletzt von den gestiegenen Erdgaspreisen getroffen. CF Fertilisers legte vorübergehend zwei Fabriken in Großbritannien still - eine hat die Produktion nun wieder aufgenommen. Das Unternehmen produziert etwa 60 Prozent des in Großbritannien benötigten Gases. CO2 wird auch im Medizinsektor benutzt.

Eustice verteidigte den von Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng geschlossenen Deal. Falls die Regierung nicht handle, drohe einigen Hühner- und Schweinefleischproduzenten bereits Anfang kommender Woche das Aus, betonte der Politiker. Etliche Tiere müssten dann gekeult werden.

Eustice sagte, die Nahrungsmittelindustrie müsse sich auf einen enormen Anstieg des CO2-Preises vorbereiten. Statt 200 Pfund könne eine Tonne künftig 1000 Pfund (1160 Euro) kosten, sagte der Minister. Zugleich betonte er, die Verbraucherpreise dürften nicht ähnlich stark steigen, da CO2 nur einen kleinen Teil der Produktionskosten ausmache. «Weihnachten ist gesichert», sagte Eustice, räumte allerdings «Herausforderungen» ein. Branchenvertreter warnten hingegen, die Lieferketten seien weiterhin anfällig für Störungen. Vor Weihnachten seien weitere Störungen nicht ausgeschlossen.


Japans Notenbankchef betrachtet Evergrande als Problem Chinas

TOKIO: Die japanische Zentralbank bewertet die Finanzprobleme des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande nicht als Systemrisiko für die Weltwirtschaft. Nach aktuellem Stand handele es sich vielmehr um Probleme eines einzelnen Unternehmens, sagte Notenbankchef Haruhiko Kuroda am Mittwoch nach der Zinsentscheidung der Zentralbank in Tokio. Selbst wenn weitere Unternehmen ähnliche Schwierigkeiten bekommen sollten, betreffe die Problematik den Immobiliensektor Chinas.

Chinas Immobilienmarkt sei stark gewachsen, und die Schulden von Evergrande erschienen recht hoch, erklärte Kuroda. Er sprach von «nervösen» Reaktionen auf den Finanzmärkten. Seit Tagen sind die Märkte in Sorge, dass sich die Zahlungsprobleme Evergrandes auf die riesige Immobilienbranche des Landes übertragen und so die Stabilität der Volksrepublik und möglicherweise der Weltwirtschaft gefährden könnten. Die Zentralbank habe die Angelegenheit im Blick, erklärte Kuroda.


Großbritannien sucht Alternativen zu US-Handelspakt

WASHINGTON: Nach einem Treffen des britischen Premierministers Boris Johnson mit US-Präsident Joe Biden im Weißen Haus scheint ein bilaterales Freihandelsabkommen in weite Ferne gerückt zu sein. Britische Medien berichteten am Mittwoch, dass London nun einen Beitritt zum nordamerikanischen Handelsabkommen USMCA zwischen den USA, Kanada und Mexiko anstrebe. «Es gibt mehrere Möglichkeiten dafür», zitierte die Zeitung «Times» eine Regierungsquelle. Wie es weitergeht, liege an der US-Regierung. Zudem will sich Großbritannien dem Handelsabkommen CPTPP der Pazifikanrainerstaaten anschließen.

In Handelsfragen sei der Besuch in Washington für Johnson ein Rückschlag gewesen, kommentierte der britische Sender Sky News. Zwar sagte Biden, dass beide Länder weiter über ein Handelsabkommen verhandelten. Er stellte jedoch klar, dass das Thema für ihn keinen Vorrang hat. Vor allem der Konflikt zwischen der EU und Großbritannien über Brexit-Regeln für die britische Provinz Nordirland bereitet Biden Sorgen, wie er erneut deutlich machte.

Die Freiheit, auf eigene Faust Handelsabkommen vor allem mit den USA zu schließen, war eines der wichtigsten Argumente für den EU-Austritt Großbritanniens. Doch bislang sind Abkommen mit den größten Märkten wie den USA, Indien und China nicht in Sicht.

Die neue US-Regierung hat sich wiederholt besorgt gezeigt über die Auswirkungen des Brexits auf den Frieden in Nordirland. Biden hat irische Wurzeln und gilt, anders als sein Vorgänger Donald Trump, als Skeptiker des britischen EU-Austritts. Der Status von Nordirland nach dem Brexit hatte zuletzt wieder zu Spannungen geführt. Wegen der im EU-Austrittsabkommen festgelegten Regelung, dass die Provinz de facto in Zollunion und Binnenmarkt der EU bleibt, kommt es zwischen Nordirland und dem Rest der Vereinigten Königreichs nun zu Warenkontrollen. Das bereitet Schwierigkeiten im Handel.


Private Banken sehen weitere Konjunkturerholung - Risiken nehmen zu

BERLIN/FRANKFURT: Wachsende Risiken für die Konjunktur trüben die Zuversicht der privaten Banken in Deutschland. Zwar werde die deutsche Wirtschaft mit einem Plus von 3,3 Prozent in diesem Jahr das Vorkrisenniveau erreichen, prognostizierte der Bundesverband deutscher Banken (BdB) am Mittwoch. «Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung zuletzt zugenommen haben», sagte der Deutschland-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Stefan Schneider, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, das vorab über die halbjährliche BdB-Konjunkturprognose berichtet hatte.

Größte Unsicherheitsfaktoren sind nach Einschätzung der Volkswirte die gestiegenen Corona-Infektionszahlen sowie Liefer- und Produktionsengpässe, die insbesondere der Industrie zusetzen. Stärkste Stützen des Wachstums bleiben demnach der Welthandel und vor allem der private Konsum.

«Wir rechnen für 2022 mit einem Plus von sieben Prozent beim privaten Verbrauch. Das wäre mit Abstand der stärkste Anstieg seit der Wiedervereinigung», erklärte BdB-Hauptgeschäftsführer Christian Ossig. «Das Zwangssparen durch Corona scheint vorbei zu sein, die Nachholeffekte werden bis ins nächste Jahr hinein tragen.»

Im Vergleich zu ihrer Vorhersage aus diesem Frühjahr senkten die Chefvolkswirte der privaten Banken ihre Wachstumserwartung für das laufende Jahr um 0,5 Prozentpunkte. Für 2022 gehen sie nun von 4,6 Prozent Wirtschaftswachstum aus - das sind 0,5 Punkte mehr als bisher erwartet.


Ölpreise legen zu

SINGAPUR: Die Ölpreise sind am Mittwoch im frühen Handel gestiegen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 75,24 US-Dollar. Das waren 88 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI stieg in ähnlichem Ausmaß auf 71,37 Dollar.

Auf dem Rohölmarkt herrschen sowohl Nachfrage- als auch Angebotssorgen vor. Auf der Nachfrageseite dominiert das Thema Evergrande. Die Finanzprobleme des großen Immobilienkonzerns aus China haben Sorgen über die Stabilität der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ausgelöst. China ist auch einer der größten Nachfrager nach Erdöl.

Auf der Angebotsseite bestehen Bedenken wegen der niedrigen Förderung im Golf von Mexiko. Grund sind Nachwirkungen des Hurrikans «Ida». Ausdruck der Problematik sind auch seit Wochen rückläufige Lagerbestände der USA. Am Mittwoch veröffentlicht die US-Regierung ihre wöchentlichen Vorratsdaten. Der Interessenverband API hatte am Dienstagabend einen abermaligen Rückgang gemeldet.


Euro vor US-Zinsentscheid über 1,17 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Mittwochmorgen weiter über der Marke von 1,17 Dollar notiert. Im frühen Handel kostete die Gemeinschaftswährung 1,1725 Dollar und damit etwa so viel wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,1738 Dollar festgesetzt.

Zur Wochenmitte steht die Geldpolitik der US-Notenbank im Mittelpunkt. Nach ihrer zweitägigen Zinssitzung will die Fed am Abend Entscheidungen bekanntgeben. Mit Spannung wird erwartet, ob die Zentralbank ein konkretes Signal für die erwartete geldpolitische Wende geben wird. Es geht um die Wertpapierkäufe von monatlich 120 Milliarden Dollar. Fachleute rechnen mit einer schrittweisen Rückführung, beginnend um die Jahreswende herum.

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