Nachrichten aus der Wirtschaft am Mittwoch

eine Frau betritt eine Postbankfiliale in Frankfurt am Main. Foto: epa/Armando Babani
eine Frau betritt eine Postbankfiliale in Frankfurt am Main. Foto: epa/Armando Babani

Postbank-Probleme belasten Deutsche-Bank-Hauptversammlung

FRANKFURT/MAIN: Pannen bei der Postbank haben dem Image der Deutschen Bank tiefe Kratzer verpasst. Aktionäre dürften wenig erfreut sein, dass nun auch noch eine Milliardenrückstellung für einen alten Streit hinzukam.

Die Probleme bei der Postbank dürften bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank an diesem Donnerstag (10.00 Uhr) ein zentrales Thema sein. Sowohl Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts als auch Konzernchef Christian Sewing bekräftigten in ihren vorab veröffentlichten Reden, die Bank sei in diesem Fall ihrem Qualitätsanspruch nicht gerecht geworden und habe Kunden enttäuscht. Klar sei, dass die Bank «noch mehr Arbeit» vor sich habe, um ihren «Kundenservice weiter zu verbessern», führte Sewing aus. Das Aktionärstreffen findet erneut nicht als Präsenzveranstaltung statt.

Die Übertragung des Kundengeschäfts der Postbank auf die Computersysteme der Deutschen Bank im vergangenen Jahr hatte nicht reibungslos funktioniert. Zeitweise konnten Kunden nicht auf Konten zugreifen, Baufinanzierungen verzögerten sich, Menschen mit Pfändungsschutzkonten kamen vorübergehend nicht an dringend notwendiges Geld. Weil sich die Probleme häuften, schickte die Finanzaufsicht Bafin einen Sonderbeauftragten. Als weitere Last für die Deutsche Bank kam jüngst eine Milliardenrückstellung für eine mögliche Niederlage vor Gericht im Streit mit ehemaligen Postbank-Aktionären hinzu.


IEA korrigiert Nachfragewachstum bei Öl nach unten

PARIS: Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognose für das Wachstum der Ölnachfrage im laufenden Jahr angesichts von Rückgängen in Europa und den OECD-Ländern nach unten korrigiert. Die weltweite Ölnachfrage wird 2024 voraussichtlich um 1,1 Millionen Barrel pro Tag steigen, was 140.000 Barrel pro Tag weniger sind als in der letzten Monatsprognose, teilte die IEA am Mittwoch in Paris mit. Die schwache Industriekonjunktur und ein weiterer milder Winter hätten den Ölverbrauch insbesondere in Europa gedämpft, wo auch der sinkende Anteil von Dieselfahrzeugen den Verbrauch bereits verringere.

Die weltweite Ölnachfrage wird nach der neuen IEA-Prognose 2024 auf einen Rekordwert von 102,7 Millionen Barrel pro Tag steigen. Für 2025 bleiben die Aussichten weitgehend unverändert, ausgegangen wird von im Vergleich zu diesem Jahr leicht erhöhten Wachstumstempo mit einem Plus von 1,2 Millionen Barrel pro Tag.


BDI zu US-Zöllen gegen China: EU darf nicht zum «Puffer» werden

BERLIN/KIEL: Nach der US-Zollerhöhung auf Elektroautos und andere Produkte aus China hat der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) auf mögliche Auswirkungen für den hiesigen Markt hingewiesen. «Deutschland und die EU sollten jetzt sorgfältig darauf achten, dass der EU-Binnenmarkt nicht zum Puffer für chinesische Überkapazitäten wird, die auf dem US-Markt ausgebremst werden. Diese Erfahrungen wurden in den vergangenen Jahren auf dem internationalen Stahlmarkt leider gemacht», teilte Wolfgang Niedermark von der BDI-Hauptgeschäftsführung am Mittwoch mit.

China müsse als staatlich gelenkte Wirtschaft betrachtet werden, so Niedermark. Er betonte, dass die EU über Schutzinstrumente gegen Waren aus Drittländern verfüge, die zu verzerrten Preisen angeboten werden. «Wenn nach diesen Regeln Tatbestände von Dumping oder Subvention nachgewiesen werden, sollten diese Instrumente konsequent zur Anwendung gebracht werden», forderte der BDI-Vertreter.

Nach einer Simulationsrechnung des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW) haben die verhängten US-Zölle für sich genommen kaum Auswirkungen auf den Handel zwischen der EU und China. «Insbesondere die von den USA aus China importierten Elektroautos sind zahlenmäßig so gering, nur 12.000 Stück pro Jahr, dass eine Umleitung in andere Zielmärkte praktisch nicht zu spüren ist», berichtete das IfW. Ausweichmärkte dürften demnach vor allem Kanada und Mexiko sein. Bedenklich sei aber, dass die Zölle eine für Deutschland und die EU sehr unvorteilhafte Spirale an Reaktionen und Gegenreaktionen hervorrufen könnten, sagte IfW-Handelsforscher Julian Hinz.


Eurokurs gestiegen - EZB-Referenzkurs: 1,0832

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Mittwoch gestiegen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0832 (Dienstag: 1,0796) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9231 (0,9262) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85840 (0,85983) britische Pfund, 168,43 (168,89) japanische Yen und 0,9800 (0,9801) Schweizer Franken fest.


Scholz warnt: Offene Märkte dürfen «nicht unter die Räder geraten»

BERLIN: Vor dem Hintergrund der Debatte über Strafzölle für chinesische Produkte hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor einer Abschottung der Märkte gewarnt. «Protektionismus macht am Ende alles nur teurer», sagte er am Mittwoch beim IHK-Tag in Berlin. «Was wir brauchen, ist ein fairer und ein freier Welthandel. Das will ich gerade in diesen Tagen sagen.» Der Kanzler betonte, dass dies gerade für die deutsche Wirtschaft wichtig sei, die in den vergangenen gut zwei Jahren seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ungekannte Herausforderungen erlebt habe. «Und in dieser Lage müssen wir schauen, dass die offenen Märkte nicht unter die Räder geraten.»


Metall-Betriebsräte verlangen Investitionen und Umbau der Industrie

FRANKFURT/MAIN: Betriebsräte der IG Metall haben massive Investitionen und einen verlässlichen Kurs beim Umbau der Industriegesellschaft gefordert. Bei einem Treffen in Frankfurt verabschiedeten die Arbeitnehmervertreter von mehr als 40 großen Unternehmen ein Elf-Punkte-Programm, in dem unter anderem die Reform der Schuldenbremse verlangt wird. Sie stehe den notwendigen Investitionen, Förderungen und Entlastungen im Weg. Die 2009 im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse verbietet Bund und Ländern weitgehend, ihre Haushalte mithilfe neuer Schulden zu finanzieren.


Lindner weist Kanzler-Vorstoß für höheren Mindestlohn zurück

BERLIN: Bundesfinanzminister Christian Lindner hat den Vorstoß von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) für eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 15 Euro zurückgewiesen. Der FDP-Vorsitzende sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch), es sei legitim, dass sich auch der Bundeskanzler als Wahlkämpfer betätige. «Der Koalitionsvertrag für diese Legislaturperiode regelt aber klar, dass die Lohnfindung keine Sache der Parteien ist.» Auf Dauer würde es für Arbeitsplätze gefährlich, wenn sich die Politik hier einmische.

Die SPD mache fortwährend Vorschläge, die nicht zum Koalitionsvertrag für diese Legislaturperiode passten, sagte Lindner.


Deutsche Bahn will durchsichtige Lärmschutzwände einsetzen

BERLIN: Die Deutsche Bahn will in Städten sowie auf landschaftlich attraktiven Strecken künftig auch durchsichtige Lärmschutzwände einsetzen. Für Fahrgäste soll mit den durchsichtigen Wand-Elementen aus Kunststoff der Blick auf die Landschaft erhalten bleiben, Anwohner wiederum müssten nicht mehr mit grauen Wänden vor der eigenen Haustür leben, teilte die Bahn am Mittwoch mit. Ein entsprechendes Modell hat der Konzern auf der Technikmesse Greentech Festival in Berlin vorgestellt. Ein erster Einsatz sei bereits in diesem Jahr beim Bau der S-Bahnlinie S4 in Hamburg geplant, hieß es.


Flughäfen erwarten zwei Millionen mehr Passagiere zur Fußball-EM

BERLIN/FRANKFURT: Zur Fußball-Europameisterschaft erwarten die deutschen Flughäfen rund zwei Millionen zusätzliche Passagiere. Mehr als 500 Zusatzflüge seien an den Flughäfen eingeplant, berichtete der Branchenverband ADV am Mittwoch in Berlin. Das Turnier startet am 14. Juni und wird an zehn Spielorten in Deutschland ausgetragen. 21 von 24 teilnehmenden Teams werden dem Verband zufolge mit dem Flugzeug anreisen. Den Auftakt mache das Team von Albanien, das am 8. Juni in Dortmund erwartet wird.


Erleichterungen für Balkonkraftwerke treten in Kraft

BERLIN: Wer eine Solaranlage auf dem eigenen Balkon anbringen will, hat es ab diesem Mittwoch leichter. Denn das kürzlich von Bundestag und Bundesrat verabschiedete Solarpaket ist in Kraft getreten. Balkonkraftwerke müssen nun grundsätzlich nicht mehr beim Netzbetreiber angemeldet werden. Ausreichend ist künftig eine Registrierung im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur.


Esprit meldet Insolvenz für Europageschäft an

RATINGEN: Der Modekonzern Esprit ist in finanzielle Schieflage geraten. Das Unternehmen hat für seine Obergesellschaft, die Esprit Europe GmbH, sowie sechs weitere deutsche Töchter Anträge auf Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Düsseldorf gestellt. Das gab Esprit am Mittwoch in einer Mitteilung bekannt. Der Geschäftsbetrieb soll bis auf Weiteres fortgeführt werden. Die rund 1500 betroffenen Mitarbeiter in Deutschland wurden informiert, wie es weiter hieß.


Wirtschaft in Eurozone wächst zu Jahresbeginn wieder

LUXEMBURG: Die Wirtschaft der Eurozone ist zum Jahresbeginn wieder gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch in Luxemburg nach einer zweiten Schätzung bekannt gab. Damit wurde, wie von Volkswirten erwartet, die erste Schätzung bestätigt.


«Wirtschaftsweise» senken Konjunkturprognose

BERLIN: Die «Wirtschaftsweisen» haben ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr gesenkt. Wie das Beratergremium der Bundesregierung am Mittwoch in Berlin mitteilte, wird nur noch mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 0,2 Prozent gerechnet - im vergangenen Herbst hatten die «Wirtschaftsweisen» noch ein Wachstum von 0,7 Prozent prognostiziert.


Iran will Arbeitswoche umstellen - Beginn am Sonntag

TEHERAN: Im Iran soll die Arbeitswoche künftig am Sonntag beginnen. Wie der staatliche Rundfunk am Mittwoch berichtete, billigte das Parlament einen entsprechenden Gesetzentwurf. Gleichzeitig soll die reguläre wöchentliche Arbeitszeit von 44 auf 40 Stunden reduziert werden. Das Gesetz wird im nächsten Schritt dem Wächterrat, einem erzkonservativen Kontrollgremium, vorgelegt und auf Verfassungstreue geprüft.

Laut der Nachrichtenagentur Tasnim soll der neue Wochenbeginn Ende Juni in Kraft treten. Damit will sich das Land vor allem im Wirtschaftskontakt mit der Welt besser aufstellen.

Im Iran beginnt die Arbeitswoche bisher am Samstag, während der Freitag ? ähnlich wie in vielen anderen islamischen Ländern ? als Ruhetag gilt. Einige Firmen gewähren ihren Angestellten auch am Donnerstag frei. Wirtschaftsvertreter haben häufig kritisiert, dass diese Regelung den internationalen Geschäftsverkehr erschwert. Während in vielen Teilen der Welt bereits das Wochenende beginnt, läuft im Iran gerade erst die neue Woche an.

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