Nachrichten aus der Wirtschaft am Mittwoch

Collage: DER FARANG
Collage: DER FARANG

Birkenstock-Aktie erstmals über Ausgabepreis

NEW YORK: Sieben Wochen nach dem verpatzten US-Börsendebüt hat es die Aktie des deutschen Sandalen-Herstellers Birkenstock erstmals über den Ausgabepreis von 46 Dollar (knapp 42 Euro) geschafft. Das Papier erreichte im Handelsverlauf am Mittwoch einen Höchststand bei 46,60 Dollar, bevor der Kurs zum Schluss wieder auf 45,75 Dollar abrutschte.

Birkenstock war beim Börsengang Anfang Oktober unter anderem von Sorgen der Investoren um die Kauflust der Verbraucher erwischt worden. Allein am ersten Handelstag rutschte der Kurs um fast 13 Prozent unter den Ausgabepreis und blieb zunächst schwach. Doch gute Marktzahlen zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts rund um den Black Friday zerstreuten die Bedenken der Anleger und auch die Birkenstock-Aktie legte in den vergangenen Tagen kräftig zu.

Birkenstock hatte den Ausgabepreis mit 46 Dollar schon eher zurückhaltend im Mittelfeld der zuvor festgelegten Spanne von 44 bis 49 Dollar festgesetzt. Aktuell kommt die traditionsreiche Firma mit Hauptsitz in Linz am Rhein in Rheinland-Pfalz auf einen Börsenwert von rund 8,6 Milliarden Dollar.


Grenzblockade: Polen will Genehmigungen für ukrainische Spediteure

WARSCHAU: Als Reaktion auf die anhaltenden Blockaden polnischer Transportunternehmen an den Grenzübergängen zur Ukraine hat Polen von der EU die Wiedereinführung eines Genehmigungssystems für ukrainische Spediteure gefordert. Der Infrastrukturminister werde sich für eine entsprechende Regelung in Brüssel einsetzen, sagte der amtierende Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, dessen Regierung im Parlament keine Mehrheit hat, am Mittwoch in Warschau.

Seit Anfang November blockieren polnische Transportunternehmen mehrere Grenzübergänge zum Nachbarland Ukraine. Sie protestieren gegen die billige Konkurrenz aus dem von Russland angegriffenen Land, die sie für den Einbruch ihres Geschäfts verantwortlich machen. Vor dem Krieg exportierte die Ukraine einen Großteil seiner Waren auf dem Seeweg. Nach Beginn des Kriegs wurde vieles auf die Straße verlagert. Die EU hob die vorher notwendigen Transportgenehmigungen für den ukrainischen Güterverkehr auf.

Vor den polnischen Grenzübergängen zur Ukraine haben sich kilometerlange Warteschlangen gebildet. Vor dem Übergang in Dorohusk stehen nach Polizeiangaben 400 Lkw in einer elf Kilometer langen Schlange; die Abfertigungszeit beträgt zwei Tage. Vor dem Übergang Hrebenne waren es 620 Lkw in einer 44 Kilometer langen Schlange.

Zusätzlich wird der Grenzübergang Medyka von polnischen Landwirten blockiert, die sich den Protesten der Transportunternehmer angeschlossen haben. Autos, Busse sowie Lastwagen mit Lieferungen von humanitärer Hilfe von Waffen für die Ukraine würden weiter durchgelassen, berichtete die Nachrichtenagentur PAP. Die Bauern fordern unter anderem staatliche Subventionen für den Kauf von Mais und die Beibehaltung von Liquiditätskrediten. Sie sehen sich durch den Import günstigen ukrainischen Getreides geschädigt.


Öl-Verbund Opec+ verhandelt über Fördermengen

WIEN: Das internationale Ölkartell Opec+ berät am Donnerstag über eine mögliche weitere Drosselung der Fördermengen. Die Verschiebung der Sitzung um einige Tage und Berichte über Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe hatten Ölpreise in den vergangenen Tagen unter Druck gesetzt. Marktteilnehmer äußerten Zweifel daran, dass der von Saudi-Arabien und Russland dominierte Produzentenverband in der Lage ist, ein Überangebot zu verhindern. Zuletzt stiegen die Ölpreise jedoch wieder leicht an - auf 81,89 Dollar für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent und auf 76,73 Dollar für die US-Sorte WTI.

Das Online-Treffen auf Ministerebene findet am Eröffnungstag der Weltklimakonferenz (COP28) statt. Das UN-Umweltprogramm (UNEP) hatte vor der Konferenz in Dubai darauf hingewiesen, die weltweit geplanten Fördermengen an Öl, Gas und Kohle lägen weiterhin deutlich über dem Niveau, das mit der Eindämmung des Klimawandels vereinbar wäre.


Slowakei weitet Importverbot für ukrainisches Getreide aus

BRATISLAVA: Die Regierung der Slowakei hat ein Importverbot für bestimmte Agrarprodukte aus der Ukraine verlängert und ausgeweitet. Das ursprüngliche Importverbot war bis zum Jahresende befristet und auf Weizen, Mais, Raps und Sonnenblumensamen beschränkt gewesen. Die am Mittwoch beschlossene neue Regelung gilt zeitlich unbefristet und für zehn weitere Produkte, darunter Hopfen, Honig, Rohr- und Rübenzucker. Ähnliche Beschränkungen hatten davor auch Polen und Ungarn verhängt.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 kann das Land seine Schwarzmeerhäfen kaum noch zur Ausfuhr in alle Welt nutzen. So kommen ukrainische Agrarprodukte überwiegend über die Landesgrenzen Richtung Europa. Die Europäische Union erlaubte es Bulgarien, Polen, Rumänien, der Slowakei und Ungarn, den Verkauf auf dem heimischen Markt zu verbieten, um die Preise nicht kaputt zu machen. Die EU-Bestimmungen liefen im September aus. Polen, Ungarn und die Slowakei führten daraufhin eigenmächtig Importverbote ein.

Die slowakischen Bauern hätten durch die Einfuhr von ukrainischem Billiggetreide Verluste von rund 110 Millionen Euro erlitten, sagte der slowakische Landwirtschaftsminister Richard Takac der Nachrichtenagentur TASR. Kompensationszahlungen der Europäischen Union deckten mit rund fünf Millionen Euro nur einen Bruchteil davon ab. Die Maßnahme sei daher unausweichlich, solange die EU nicht wieder zu einer gemeinsamen Importbeschränkung zurückkehre.

Den Transit ukrainischer Agrarprodukte wolle man weiterhin ermöglichen, aber strenger kontrollieren. Derzeit blieben rund 80 Prozent der eigentlich nur zum Transit vorgesehenen Agrarprodukte im Land und schadeten damit heimischen Produzenten, sagte Takac.


Eurokurs fällt wieder unter 1,10 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Mittwoch nachgegeben und ist wieder unter die runde Marke von 1,10 US-Dollar gefallen. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,0965 Dollar. In der Nacht zuvor war sie bis auf 1,1017 Dollar gestiegen und hatte damit den höchsten Stand seit August erreicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0985 (Dienstag: 1,0949) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9103 (0,9133) Euro.

Belastet wurde der Euro von Inflationsdaten aus Deutschland und Spanien. In beiden Ländern schwächt sich der Preisauftrieb weiter ab. In Deutschland fiel die Inflationsrate im November von 3,8 auf 3,2 Prozent. Die Entwicklung spricht für Entlastung auf Seiten der EZB: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Euro-Währungshüter ihre Geldpolitik weiter straffen müssen, nimmt mit den Daten erneut ab. Unter den rückläufigen Zinserwartungen leidet allerdings der Euro.

Am Vortag erging es dem US-Dollar ähnlich. Christopher Waller, der dem Führungsgremium der US-Notenbank angehört, hatte sich nicht nur mit der aktuellen Ausrichtung der Fed zufrieden gezeigt. Auch brachte er die Möglichkeit von Zinssenkungen ins Spiel, falls die Inflation in den kommenden Monaten weiter zurückgeht. Waller gilt normalerweise als Befürworter einer straffen Geldpolitik, was seine Bemerkungen in der Wirkung verstärkt.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86525 (0,86820) britische Pfund, 162,12 (162,74) japanische Yen und 0,9628 (0,9645) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 2041 Dollar in etwa auf Vortagsniveau gehandelt.


Ampel-Koalition hält am Mercosur-Abkommen fest

BERLIN: Ungeachtet der Bedenken des Grünen-Parteitags steht die Ampel-Koalition zum geplanten Handelsabkommen der EU mit der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur. Im Bundestag versicherte Wirtschafts-Staatssekretärin Franziska Brantner (Grüne) am Mittwoch, dass die Regierungsfraktionen «alles geben werden für ein nachhaltiges Mercosur-Abkommen». Derzeit gebe es «konstruktive Verhandlungen», deren Ergebnisse man anschließend bewerten werde, erklärte Brantner. «Es wäre jetzt auch seltsam, wenn wir vorab schon «hopp oder top» sagen würden, während die Verhandlungen noch laufen.»

Gegen den Willen des Bundesvorstands hatten der Grünen-Parteitag am Wochenende Nachverhandlungen beim Mercosur-Abkommen verlangt, um dem «intensiven Abbau von Rohstoffen im globalen Süden für den Konsum des globalen Nordens» ein Ende zu setzen. Die Gespräche der EU mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay laufen bereits seit Jahren. Eine Grundsatzeinigung aus dem Jahr 2019 wird jedoch wegen anhaltender Bedenken - etwa beim Regenwaldschutz - nicht umgesetzt.

Der Handelsbeauftragte der SPD-Fraktion, Markus Töns, sieht den Parteitagsbeschluss des Koalitionspartners gelassen: «Das hat keine Folgen für die Koalition», versicherte er in einer Aktuellen Stunde. Unionsfraktionsvize Jens Spahn (CDU) warnte hingegen, sollte der Widerstand der Grünen zum «Todesstoß» für das Abkommen werden, dann wäre das «ein historisches Versagen».


Eurokurs gestiegen - EZB-Referenzkurs: 1,0985

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Mittwoch gestiegen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0985 (Dienstag: 1,0949) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9103 (0,9133) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86525 (0,86820) britische Pfund, 162,12 (162,74) japanische Yen und 0,9628 (0,9645) Schweizer Franken fest.


Zins- und Inflationshoffnungen treiben Dax über 16.100 Punkte

FRANKFURT/MAIN: Hoffnungen auf Zinssenkungen in den USA und der Eurozone haben den Dax am Mittwoch über 16.100 Punkte getrieben. Der Leitindex stand am Nachmittag mit 1,05 Prozent im Plus auf 16.160,49 Punkte. Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es am Mittwochnachmittag um 1,11 Prozent auf 26.295,23 Zähler nach oben. Der Euro gab nach und wurde am Nachmittag mit 1,0984 US-Dollar gehandelt. In der Nacht war er noch bis auf 1,1017 Dollar gestiegen und hatte den höchsten Stand seit August markiert. Die EZB setzte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,0949 Dollar fest. Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 2,56 Prozent am Vortag auf 2,47 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,37 Prozent auf 124,81 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,54 Prozent auf 132,65 Punkte.


Buffett-Weggefährte Charlie Munger mit 99 Jahren gestorben

OMAHA: Charlie Munger, der engste Vertraute und Weggefährte von Investoren-Legende Warren Buffett, ist im Alter von 99 Jahren gestorben. Buffett betonte in einer Mitteilung am Dienstag, ohne Mungers Inspiration hätte deren Investment-Holding Berkshire Hathaway nie den Status erreicht. Munger sei am Dienstagmorgen gestorben. Er war bei Berkshire Hathaway Vize-Verwaltungschef und einer der größten Aktionäre. Das machte ihn ebenfalls zu einem Milliardär.


DIHK: Fachkräftesituation bleibt sehr kritisch

BERLIN: Der Fachkräftemangel erfasst nach einer Firmenumfrage längst die Breite der deutschen Wirtschaft. Jeder zweite Betrieb kann offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen, wie der am Mittwoch vorgestellte DIHK-Fachkräftereport ergab. Demnach blieben 1,8 Millionen Stellen unbesetzt. Rechnerisch gingen dadurch mehr 90 Milliarden Euro an Wertschöpfung in diesem Jahr verloren.


Ex-Bahn-Chef Heinz Dürr im Alter von 90 Jahren gestorben

BIETIGHEIM-BISSINGEN: Der Unternehmer und frühere Bahn-Chef Heinz Dürr ist tot. Er starb am Montagabend im Alter von 90 Jahren in Berlin, wie der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr AG am Mittwoch in Bietigheim-Bissingen mitteilte. Der Unternehmer wurde 1991 Chef der Bundesbahn. Mit der Bahnreform trieb er die Zusammenlegung von Bundesbahn und Reichsbahn sowie den Umbau der Behördenbahn zum privatwirtschaftlichen Unternehmen voran. Im Jahr 1997 wechselte der damals 64-Jährige dann in den Aufsichtsrat, den er bis 1999 leitete.


Gehaltserhöhungen über der Inflation - Reallöhne gestiegen

WIESBADEN: Beschäftigte in Deutschland haben im dritten Quartal von kräftigen Gehaltserhöhungen bei schwächerer Inflation profitiert. Die Reallöhne stiegen das zweite Mal in Folge, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Das Plus bei den Nominallöhnen von 6,3 Prozent übertraf den Anstieg der Verbraucherpreise von 5,7 Prozent. Daraus habe sich ein Reallohnplus von 0,6 Prozent zum Vorjahresquartal ergeben.


Inflation schwächt sich weiter ab - Niedrigster Stand seit Juni 2021

WIESBADEN: Die Inflation in Deutschland hat sich im November weiter abgeschwächt. Die Verbraucherpreise lagen um 3,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats - nach 3,8 Prozent im Oktober, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Es war der niedrigste Stand seit Juni 2021 mit damals 2,4 Prozent. Im September lag die Jahresinflationsrate noch bei 4,5 Prozent und im August bei 6,1 Prozent. Zu Jahresbeginn stand sogar eine Acht vor dem Komma.


Signa Holding von Immobilien-Milliardär Benko meldet Insolvenz an

WIEN: Die Signa Holding GmbH des österreichischen Immobilien- und Handelsunternehmers René Benko hat ein Insolvenzverfahren angekündigt. Die Holding werde am Mittwoch beim Handelsgericht Wien die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung beantragen, teilte die Signa-Gruppe mit. Zur Unternehmensgruppe gehören zahlreiche Geschäftsimmobilien in Deutschland und Österreich sowie der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof.


«Messi der Finanzen»: Argentinischer Wirtschaftsminister nominiert

BUENOS AIRES: Der künftige argentinische Präsident Javier Milei hat den erfahrenen Finanzexperten Luis Caputo als Wirtschaftsminister nominiert. Der frühere Finanzminister und Notenbankchef werde das wichtige Ministerium nach seinem Amtsantritt am 10. Dezember führen, sagte Milei am Mittwoch nach seiner Rückkehr von einer Reise in die USA in einem Radiointerview.

Caputo ist im internationalen Finanzwesen und der argentinischen Politik bestens vernetzt. Ex-Präsident Mauricio Macri bezeichnete ihn einmal als «Messi der Finanzen» - ein Vergleich mit dem argentinischen Fußball-Superstar Lionel Messi. Als Finanzminister und Notenbankchef brachte Caputo das Land nach der Staatspleite 2014 zurück auf den internationalen Finanzmarkt und führte die Schuldenverhandlungen mit mehreren US-Hedgefonds.

Beobachter bewerten die Nominierung von Caputo für das Wirtschaftsressort als Zeichen, dass Milei nach seinem Amtsantritt keine allzu radikalen Schritte einleiten wird. Der künftige Präsident hatte im Wahlkampf angekündigt, den US-Dollar als gesetzliches Zahlungsmittel einführen, die Zentralbank sowie viele Ministerien abzuschaffen und die Sozialausgaben radikal zu kürzen.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise. Die Inflationsrate liegt bei über 140 Prozent, rund 40 Prozent der Menschen in dem einst reichen Land leben unterhalb der Armutsgrenze. Argentinien leidet unter einem aufgeblähten Staatsapparat, geringer Produktivität der Industrie und einer großen Schattenwirtschaft, die dem Staat viele Steuereinnahmen entzieht. Die Landeswährung Peso verliert gegenüber dem US-Dollar immer weiter an Wert, der Schuldenberg wächst ständig.


US-Wirtschaft wächst im Sommer stärker als gedacht

WASHINGTON: Die US-Wirtschaft ist im Sommer etwas stärker gewachsen als bisher bekannt. Im dritten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal auf das Jahr hochgerechnet um 5,2 Prozent, wie das Handelsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Eine erste Schätzung wurde um 0,3 Prozentpunkte angehoben. Analysten hatten im Schnitt eine Wachstumsrate von 5,0 Prozent erwartet.

US-Wachstumszahlen werden annualisiert, also auf das Jahr hochgerechnet. Sie geben an, wie stark die Wirtschaft wachsen würde, wenn das aktuelle Tempo ein Jahr lang anhielte. In Europa wird auf diese Vorgehensweise verzichtet, weshalb die Wachstumszahlen nicht direkt miteinander vergleichbar sind. Um auf eine mit Europa vergleichbare Wachstumsrate zu kommen, müsste man die US-Rate durch vier teilen.


Belgien: Weitere Verlängerung für Atommeiler nicht ausgeschlossen

BRÜSSEL: In Belgien könnten nach Ansicht von Premierminister Alexander De Croo Atommeiler noch länger laufen als derzeit geplant. «Eine Laufzeitverlängerung um 20 Jahre ist durchaus möglich, wenn eine nächste Regierung unsere Arbeit fortsetzt», schrieb De Croo am Mittwoch auf der Plattform X (ehemals Twitter). Mehr Atomstrom sei gut für die Klimaneutralität und sorge für bezahlbare Energie. Eines der zwei belgischen Kernkraftwerke liegt unweit der Grenze zu Deutschland.

Ende Juni hatten die belgische Regierung und der Kraftwerksbetreiber Engie sich bereits darauf geeinigt, dass zwei Atomreaktoren bis 2035 am Netz bleiben - und damit zehn Jahre länger als zuvor geplant. Damit soll die Versorgungssicherheit in Belgien gestärkt werden. Derzeit werde die Vereinbarung finalisiert, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga am Mittwoch.

Diese Entscheidung sei bereits viel weiter gegangen, als zuvor erwartet, sagte De Croo der Zeitung «L'Echo». «Aber die nächste Regierung muss sicherlich eine Verlängerung um 20 Jahre danach in Betracht ziehen können», sagte er demnach weiter.

Belgien verfügt in den zwei Kernkraftwerken über insgesamt sieben Reaktoren - zwei wurden allerdings bereits vom Netz genommen. In Deutschland sorgen die belgischen Atommeiler aus den 1970er und 80er Jahren immer wieder für Diskussionen. So wurden bei Reaktoren im Nachbarland mehrfach Mängel festgestellt, etwa marode Betonteile. Unter anderem die Stadt Aachen und die Bundesregierung haben deswegen in der Vergangenheit wiederholt gefordert, die AKW stillzulegen. Belgien wählt im kommenden Juni eine neue Regierung.


Bankenaufseher erwartet raschere Weitergabe höherer Zinsen an Sparer

FRANKFURT/MAIN: Der scheidende Chefbankenaufseher der Europäischen Zentralbank, Andrea Enria, erwartet eine Beschleunigung bei der Weitergabe höherer Zinsen an Privatkunden europäischer Banken. «Generell sehen wir zurzeit, dass bei Firmenkunden die höheren Zinsen massiv weitergereicht werden», sagte Enria im Interview mit mehreren Medien, darunter dem «Handelsblatt». Bei Privatkunden schreite diese Entwicklung nicht so schnell voran wie in früheren Zinserhöhungszyklen. Die deutschen Banken bewegten sich hier im europäischen Durchschnitt. «Wir erwarten aber, dass sich dieser Prozess nun beschleunigen wird.»

Zugleich plädierte Enria, dessen Amtszeit nach fünf Jahren an der Spitze der EZB-Bankenaufsicht zum Jahreswechsel endet, für eine schärfe Kontrolle sogenannter Schattenbanken. «Man kann nicht alle Unternehmen aus dem Schattenbankensektor über einen Kamm scheren - die einen sind relativ sicher, die anderen sind sehr stark verschuldet». Aber es könnte aber unter anderem Klumpenrisiken und exzessive Verschuldung geben, «und meiner Ansicht nach würde dies eine gewisse Ausweitung des regulatorischen Rahmens erfordern.»

Als Schattenbanken werden Finanzfirmen bezeichnet, die ähnliche Geschäfte wie Banken betreiben, allerdings nicht so strikt reguliert werden. Enria wies auf die Expansion der Branche von 25 Billionen Euro im Jahr 2009 auf 51 Billionen Euro im Jahr 2023 hin. «Sie ist mittlerweile größer als der Bankensektor.»

Neue oberste Bankenaufseherin der EZB wird die Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank, Claudia Buch. Sie wird vom 1. Januar 2024 an fünf Jahre an der Spitze der Bankenaufsicht stehen.


Deutsche Unternehmen suchen weniger Arbeitskräfte

NÜRNBERG: Die schwächelnde Konjunktur senkt die Nachfrage nach Arbeitskräften in Deutschland. Im November ließ der Stellenindex BA-X der Bundesagentur für Arbeit im Vergleich zum Vormonat um einen Punkt nach auf 114 Punkte.

Das seien 15 Punkte weniger als vor einem Jahr, teilte die Behörde am Mittwoch in Nürnberg mit. Am Donnerstag wird sie ihre Arbeitsmarktstatistik für November veröffentlichen.

Der Stellenindex beruht auf den Stellengesuchen, die bei der Arbeitsagentur gemeldet sind. Als Referenzwert dient der Durchschnitt des Jahres 2015, der mit 100 festgelegt wurde. Seit dem Allzeithoch im Mai 2022 sinkt der Wert kontinuierlich.

In fast allen Wirtschaftszweigen suchen die Unternehmen nach Angaben der Bundesagentur weniger Arbeitskräfte als noch vor einem Jahr. Besonders deutlich zeige sich das im Gastgewerbe, in der Zeitarbeit und in den Branchen Information und Kommunikation sowie Verkehr und Logistik. Zuwächse gebe es lediglich bei den qualifizierten Unternehmensdienstleistungen sowie in der Energie-, Wasserversorgung und Entsorgung.


OECD erwartet 2024 abgeschwächtes Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent

PARIS: Die Industrieländerorganisation OECD rechnet 2024 mit einem etwas schwächeren Wachstum der Weltwirtschaft. Nach einem Plus von 2,9 Prozent in diesem Jahr sei 2024 ein Zuwachs von 2,7 Prozent zu erwarten, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Mittwoch mit. In Deutschland wird die Wirtschaft nach einem leichten Minus in diesem Jahr laut der Prognose 2024 um 0,6 Prozent und 2025 um 1,2 Prozent wachsen.


Erste Daten signalisieren weiter fallende Inflation für Deutschland

FRANKFURT/MAIN: Ein zum Teil deutlicher Rückgang der Inflationsraten in mehreren Bundesländern deutet auf eine weitere Abschwächung der Teuerung in Deutschland hin. In Hessen und Bayern fielen die Inflationsraten im November unter die Marke von 3 Prozent gefallen, wie aus Daten hervorgeht, die am Mittwochvormittag veröffentlicht wurden. Auch in Baden-Württemberg schwächte sich die Inflation deutlich ab, während sie in Nordrhein-Westfalen leicht auf 3 Prozent zurückging.

In Bayern meldete das Statistische Landesamt einen Rückgang der Inflationsrate auf 2,8 Prozent, nachdem sie im Oktober bei 3,7 Prozent gelegen hatte. In Hessen fiel die Teuerungsrate von 3,6 auf 2,9 Prozent. Auch in Baden-Württemberg schwächte sich die Inflation deutlich ab: Die Jahresrate sank von 4,4 Prozent auf 3,4 Prozent.

Damit liegen die Inflationsraten in den vier Bundesländern deutlich unter der gesamtdeutschen Teuerungsrate, die im Oktober bei 3,8 Prozent lag. Am Nachmittag (14.00 Uhr) wird die erste Schätzung der Inflationsrate für Deutschland im November erwartet, die auf Basis der Daten aus den Bundesländern erfolgt.

Allerdings zeigte die Veröffentlichung von Preisdaten aus Sachsen und Brandenburg für November Inflationsraten, die über der zuletzt ermittelten gesamtdeutschen Rate liegen: Demnach betrug die Inflation in Sachsen 3,9 Prozent und in Brandenburg 4,1 Prozent.


Ölpreise legen leicht zu

SINGAPUR: Die Ölpreise sind am Mittwoch etwas gestiegen. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar kostete am Morgen 81,89 Dollar. Das waren 21 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stieg um 32 Cent auf 76,73 Dollar.

Marktteilnehmer erklärten die höheren Preise mit der jüngsten Dollarschwäche. Er hat im Handel mit anderen wichtigen Währungen an Wert verloren. Das macht das in Dollar gehandelte Rohöl auf dem Weltmarkt günstiger, was für eine stärkere Nachfrage und damit zu höheren Ölpreisen führt.


Eurokurs auf höchstem Stand seit August

FRANKFURT/MAIN: Der Euro ist am Mittwoch über die Marke von 1,10 Dollar gestiegen. Im Lauf der Nacht stieg die Gemeinschaftswährung zeitweise bis auf 1,1017 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit August. Am Morgen wurde der Euro wieder etwas tiefer bei 1,1004 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,0949 Dollar festgesetzt.

Wie in den vergangenen Tagen profitierte der Euro von einer Dollar-Schwäche. Am Morgen stand die US-Währung erneut zu fast allen anderen wichtigen Währungen unter Verkaufsdruck. Zuletzt gab es vermehrt Spekulationen, dass die US-Notenbank Fed im kommenden Jahr die Zinsen senken könnte. Das belastet den Dollar.

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