Nachrichten aus der Wirtschaft am Mittwoch

Weinlese in der Region Kiew inmitten der russischen Invasion in der Ukraine. Foto: epa/Roman Pilipey
Weinlese in der Region Kiew inmitten der russischen Invasion in der Ukraine. Foto: epa/Roman Pilipey

UN erwarten steigende Getreideausfuhren aus Ukraine

NEW YORK/ISTANBUL/KIEW: Nach dem Getreide-Deal zwischen Moskau und Kiew erwarten die Vereinten Nationen steigende Ausfuhren aus der Ukraine über das Schwarze Meer. Eine Reihe von Schiffen würden momentan auf die Genehmigung zur Fahrt in Richtung der ukrainischen Häfen warten «und wir erwarten einen großen Aufwärtstrend bei den Anträgen für den Transit», sagte der UN-Koordinator für die Ausfuhren, Frederick Kenney, am Mittwoch in New York. Am Mittwoch habe es mit insgesamt fünf vertragsmäßig inspizierten Schiffen einen neuen Höchststand gegeben.

Im Juli hatten die Kriegsparteien Ukraine und Russland Abkommen mit der Türkei und den UN für den Export von Agrarprodukten und Dünger aus drei ukrainischen Schwarzmeerhäfen abgeschlossen. Ein Dutzend Schiffe haben seitdem die Häfen Tschornomorsk, Odessa und Piwdennyj mit über 370.000 Tonnen Fracht verlassen. Russland hatte nach seinem Angriff auf die Ukraine Ende Februar die ukrainischen Häfen blockiert. Die Ukraine wiederum hatte die Hafenzufahrten aus Furcht vor einer russischen Invasion vermint.

Kenney sagte am Mittwoch weiter, dass es bislang keine Vorfälle gegeben habe, die die Sicherheit von Schiffen gefährdetem. Auch habe es bei den Durchsuchungen der Schiffe keine Auffälligkeiten gegeben. Die Inspektionen in der Türkei sollen sicherstellen, dass keine Waffen in die Ukraine gebracht oder andere Güter außer Getreide ausgeführt werden. Die Zusammenarbeit zwischen den Vertretern Russlands und der Ukraine ist Kenney zufolge konstruktiv: «Ich war sehr beeindruckt von dem Grad an Zusammenarbeit und Koordination, der gezeigt wurde.» Es gebe einen großen Respekt unter den Expertinnen und Experten im gemeinsamen Kontrollzentrum in Istanbul, «egal woher sie kommen».


Ukrainischer Atomkonzern droht mit Zerstörung von Stromleitung

ENERHODAR: Die Ukraine hat für den Fall eines Anschlusses des Atomkraftwerks (AKW) Saporischschja an die von Russland annektierte Halbinsel Krim mit einem Kappen der Stromleitungen gedroht. «Ich denke, unsere Streitkräfte werden dazu bereit sein, wenn es nötig ist», sagte der Chef des staatlichen Atomkraftwerksbetreibers Enerhoatom, Petro Kotin, am Mittwoch der Agentur RBK-Ukrajina. Dazu könne es kommen, bevor das Kraftwerk vom ukrainischen Netz getrennt wird.

Kotin zufolge will Russland seit langem das AKW mit der Krim verbinden. «Dafür muss das Kraftwerk komplett vom ukrainischen Energiesystem abgeschaltet und an die Leitung angeschlossen werden, welche die Krim mit dem Wasserkraftwerk Kachowka verbindet», erklärte der 61-Jährige. Kotin sagte auch, dass die ukrainischen Truppen die Stromleitungen beschießen würden, wenn Russland das Atomkraftwerk an sein Netz anschließe.

Bei einem Ausfall des Kraftwerks wäre die Stromversorgung des gesamten russisch besetzten Südens gefährdet. Russland hat die Ukraine Ende Februar angegriffen und dann das größte europäische Atomkraftwerk Saporischschja Anfang März besetzt.

Die grünen Bundestagsabgeordneten Jürgen Trittin und Robin Wagener forderten einen Abzug der russischen Truppen aus dem AKW und uneingeschränkten Zugang für die Internationale Atomenergiebehörde IAEA. «Russland bricht alle internationalen Vorgaben für den gesicherten Betrieb von Atomkraftwerken und nutzt bewusst das Risiko eines nuklearen Super-GAUs als Druckmittel», erklärten sie. Dies zeige: «Atomkraftwerke bieten im Kriegsfall keine Sicherheit, sondern vervielfachen die Risiken für die Bevölkerung.»


Metro wächst stark - Rubel und Verkauf belgischer Märkte belasten

DÜSSELDORF: Der Großhandelskonzern Metro profitiert von der gestiegenen Inflation und besseren Geschäften mit Hotels und Restaurants. Im dritten Quartal (per Ende Juni) stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 26,6 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwochabend in Düsseldorf mitteilte. Dabei erzielte das Belieferungsgeschäft erneut ein robustes Wachstum. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) nahm insgesamt von 310 auf 441 Millionen Euro zu.

Der Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland kommen den Metro-Konzern weiterhin teuer zu stehen. Der gestiegene Kurs des russischen Rubel belastete das Finanzergebnis erheblich. Dazu wirkte sich der Verkauf des belgischen Geschäfts negativ aus. Unter dem Strich verbuchte Metro daher einen Verlust von 290 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 63 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Die Belastungen durch Russland und den Belgien-Verkauf bezifferte Metro auf mehr als 400 Millionen Euro. Die Anfang Juli zum zweiten Mal erhöhte Prognose bestätigte der Konzern.


Euro steigt auf den höchsten Stand seit Anfang Juli

FRANKFURT/MAIN: Der Kurs des Euro ist am Mittwoch nach der Veröffentlichung von US-Verbraucherpreisdaten auf den höchsten Stand seit Anfang Juli gestiegen. Am Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0345 US-Dollar gehandelt. Am Morgen hatte sie nur knapp über 1,02 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0252 (Dienstag: 1,0234) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9754 (0,9771) Euro.

Die überraschend deutlich gesunkene US-Inflationsrate hat den Dollar zu allen wichtigen Währungen belastet. Die Inflation schwächte sich laut Arbeitsministerium im Juli auf 8,5 Prozent ab. Im Juni hatte die Teuerung in der größten Volkswirtschaft der Welt noch bei 9,1 Prozent gelegen und damit auf dem höchsten Stand seit über 40 Jahren. Volkswirte hatten mit einem Rückgang der Inflation gerechnet, waren aber im Schnitt von einer etwas höheren Rate von 8,7 Prozent ausgegangen.

«Wahrscheinlich hat die Inflation den Höhepunkt überschritten», kommentierten Volkswirte der Commerzbank. Allerdings spiele der Einbruch des Benzinpreises eine entscheidende Rolle. «Der weitere Rückgang der Inflationsrate dürfte daher nur langsam vonstattengehen», so die Experten. Die US-Notenbank Fed dürfte daher den Leitzins auf der nächsten Sitzung erneut um 0,75 Prozentpunkte anheben. Die Fed wolle zunächst einige Monate in Folge mit merklich fallenden Inflationsraten sehen, schreibt die Commerzbank. Die Fed strebt eine Inflationsrate von lediglich zwei Prozent an.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84608 (0,84520) britische Pfund, 138,16 (138,26) japanische Yen und 0,9713 (0,9763) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1799 Dollar gehandelt. Das waren rund fünf Dollar mehr als am Vortag.


Eurokurs gestiegen - EZB-Referenzkurs: 1,0252

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Mittwoch gestiegen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0252 (Dienstag: 1,0234) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9754 (0,9771) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84608 (0,84520) britische Pfund, 138,16 (138,26) japanische Yen und 0,9713 (0,9763) Schweizer Franken fest.


Dax legt nach hoffnungsvollen US-Inflationsdaten deutlich zu

FRANKFURT/MAIN: Aufatmen unter Anlegern: Die Inflation in den USA schwächte sich im Juli überraschend deutlich ab. Der Dax zog am Nachmittag um 1,02 Prozent auf 13.673,38 Punkte an. Der MDax stieg um 1,11 Prozent auf 27.573,80 Zähler, der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 1,05 Prozent auf 3754,24 Punkte. Der Kurs des Euro zog kräftig an. Am Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung mit 1,0342 US-Dollar gehandelt. Die EZB hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,0234 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,80 Prozent am Vortag auf 0,78 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,36 Prozent auf 136,86 Punkte. Der Bund-Future drehte nach den US-Daten ins Plus und sprang um 0,54 Prozent auf 157,17 Punkte hoch.


Musk verkauft zahlreiche Tesla-Aktien in Streit um Twitter-Deal

AUSTIN: Tesla-Chef Elon Musk hat entgegen früherer Zusagen erneut im großen Stil Aktien des US-Elektroautobauers verkauft - und verweist auf den Streit um die Twitter-Übernahme. Musk stieß Papiere im Wert von 6,9 Milliarden US-Dollar (rund 6,8 Mrd Euro) ab, wie aus Mitteilungen an die US-Börsenaufsicht SEC von Dienstag hervorgeht. «Im (hoffentlich unwahrscheinlichen) Fall, dass Twitter den Abschluss des Deals erzwingt und einige Eigenkapitalpartner abspringen, ist es wichtig, einen Notverkauf von Tesla-Aktien zu vermeiden», so Musk.


Deutschland-Tourismus nahezu auf Vor-Krisenniveau

WIESBADEN: Der Deutschland-Tourismus hat im Juni nahezu das Niveau vor der Corona-Krise erreicht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Zahl der Übernachtungen von Reisenden mit 48,9 Millionen nur noch um 3,4 Prozent unter dem Niveau des Juni 2019. Die Lücke zum Vorkrisenniveau sei seit Jahresbeginn 2022 beständig kleiner geworden, teilte die Wiesbadener Behörde am Mittwoch mit.


Grundsatzurteil für Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten

ERFURT: Arbeitgeber müssen Beschäftigte grundsätzlich weiter bezahlen, wenn sie härtere Quarantäneregeln als behördlich vorgeschrieben für Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten erlassen. Das entschied das Bundesarbeitsgericht am Mittwoch (5 AZR 154/22) in Erfurt. Den Präzedenzfall lieferte ein Lebensmittelhersteller aus Berlin. Der Kläger, ein Urlaubsrückkehrer aus der Türkei, hatte ein Betretungsverbot für seinen Betrieb trotz negativen Corona-Tests. Er wehrte sich erfolgreich gegen die betriebliche Regelung, die während der verordneten vierzehntägigen Quarantäne keine Bezahlung vorsah.


Inflationsrate in USA schwächt sich ab - Stärker als erwartet

WASHINGTON: In den USA hat die Dynamik des Preisanstiegs im Juli stärker als erwartet nachgelassen. Die Inflation schwächte sich auf 8,5 Prozent ab, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Im Juni hatte die Teuerung in der größten Volkswirtschaft der Welt noch bei 9,1 Prozent gelegen und damit auf dem höchsten Stand seit über 40 Jahren. Volkswirte hatten mit einem Rückgang der Inflation gerechnet, waren aber im Schnitt von einer etwas höheren Rate von 8,7 Prozent ausgegangen.


Feuerwehr rückt nach Explosion von Öl-Tanks in Kuba auf Brandherd vor

MATANZAS: Fünf Tage nach der Explosion in einem Treibstofflager im Norden von Kuba bekommt die Feuerwehr die Lage allmählich unter Kontrolle. Bislang hätten sich die Einsatzkräfte darauf konzentriert, die Ausbreitung des Feuers zu verhindern, sagte der stellvertretende Feuerwehrchef Alexander Ávalos Jorge der kommunistischen Parteizeitung «Granma» am Mittwoch. Nun gingen die Löschtrupps in die Offensive und rückten auf den Brandherd vor.

Am Freitag hatte ein Blitz während eines Gewitters den Treibstofftank in Matanzas zur Explosion gebracht. Das Feuer griff auf andere Teile der Anlage über. Insgesamt wurden vier der acht Tanks beschädigt. Spezialisten aus Mexiko und Venezuela reisten an, um bei den Löscharbeiten zu helfen.

Die Tanks enthielten kubanisches Rohöl und importiertes Schweröl, das vor allem zur Stromerzeugung verwendet wird. Der Brand verschlingt wichtige Energiereserven des sozialistischen Staats, der ohnehin unter einer schweren Wirtschaftskrise und großen Problemen bei der Energieversorgung leidet.


G7 an Moskau: AKW Saporischschja ukrainischer Kontrolle unterstellen

BERLIN: Die Außenminister der sieben führenden demokratischen Wirtschaftsmächte (G7) haben Moskau aufgefordert, das kürzlich beschossene ukrainische Kernkraftwerk Saporischschja unverzüglich wieder der vollständigen Kontrolle der Ukraine zu unterstellen. «Das ukrainische Personal, das für den Betrieb des Kernkraftwerks Saporischschja verantwortlich ist, muss in der Lage sein, seinen Aufgaben ohne Drohungen oder Druck nachzukommen», teilte das Auswärtige Amt am Mittwoch in Berlin in einer Erklärung der G7-Außenminister mit. «Es ist Russlands fortdauernde Herrschaft über das Kernkraftwerk, die die Region gefährdet», kritisierte die Runde.

Die G7 bezogen ihre Forderung auch auf sämtliche anderen kerntechnischen Anlagen innerhalb der international anerkannten Grenzen der Ukraine, um deren sicheren und gesicherten Betrieb zu gewährleisten. Deutschland führt in der G7-Runde derzeit den Vorsitz, zu ihr gehören auch Frankreich, Großbritannien, Italien, die USA, Kanada und Japan.

Das in der ukrainischen Stadt Enerhodar gelegene AKW Saporischschja war am vergangenen Wochenende mehrfach beschossen und teils beschädigt worden. Die kritische Infrastruktur soll aber weiter intakt sein. Russland und die Ukraine geben sich gegenseitig die Schuld. Unabhängig zu überprüfen sind die Vorwürfe bislang nicht. Auf Initiative Russlands soll sich der UN-Sicherheitsrat an diesem Donnerstag in New York mit dem Beschuss beschäftigen. Der Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Rafael Grossi, soll den Sicherheitsrat über den Zustand des AKW unterrichten.

Die G7-Außenminister warnten, das Vorgehen Russlands erhöhe das Risiko eines nuklearen Unfalls oder Zwischenfalls erheblich und gefährde die Bevölkerung der Ukraine, die Nachbarstaaten sowie die Weltgemeinschaft. Die Runde betonte, «wie wichtig es ist, eine Entsendung von Expertinnen und Experten der IAEO in das Kernkraftwerk Saporischschja zu ermöglichen, um Bedenken in Bezug auf nukleare Sicherheit und Sicherung sowie diesbezügliche Maßnahmen zu klären». Die IAEO-Mitarbeiter müssten mit dem ukrainischen Personal, das für den Betrieb der Anlagen verantwortlich sei, direkt und ungehindert in Kontakt treten können.


Slowakei meldet Kompromiss bei Transit von russischem Öl über Ukraine

BRATISLAVA: Der unterbrochene Transit von russischem Öl über die Pipeline Druschba (Freundschaft) nach Ungarn, Tschechien und in die Slowakei könnte bald wieder aufgenommen werden. Ein Sprecher der slowakischen Raffinerie Slovnaft teilte am Mittwoch mit, sowohl die Ukraine als auch Russland hätten einem Kompromissvorschlag zugestimmt. Demnach würden die ungarische Raffineriefirma MOL und ihre Slowakei-Tochter Slovnaft vorerst die Transitgebühren an die Ukraine bezahlen. Slovnaft habe eine erste Zahlung überwiesen.


Beschossenes Atomkraftwerk in Ukraine läuft weiter - Streit um Pläne

ENERHODAR: Das von russischen Truppen besetzte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja ist trotz des Beschusses vor wenigen Tagen weiter in Betrieb. «Das AKW Saporischschja funktioniert mit dem Risiko von Verstößen gegen die Vorgaben der Strahlungs- und der Brandsicherheit», teilte der Kraftwerksbetreiber Enerhoatom am Mittwoch im Nachrichtendienst Telegram mit. Zuvor hatte der Chef der Behörde die russischen Truppen beschuldigt, mit dem Beschuss das Kraftwerk vom ukrainischen Netz abkoppeln zu wollen. Aktuell sind nach der Notabschaltung eines Blocks zwei Reaktoren des Kraftwerks in Betrieb.

Das Kraftwerk im Ort Enerhodar im südukrainischen Gebiet Saporischschja ist mit sechs Blöcken und einer Nettoleistung von 5700 Megawatt das größte Atomkraftwerk Europas. Die russische Armee eroberte es Anfang März kurz nach dem Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine. Kiew und Moskau werfen sich gegenseitig den Beschuss des Geländes am vergangenen Wochenende vor.

Am Dienstag hatte der Chef von Enerhoatom, Petro Kotin, den Russen vorgeworfen, gezielt drei Hochspannungsleitungen zerstört zu haben. Damit solle der Anschluss des Atomkraftwerks an die 150 Kilometer entfernte Halbinsel Krim vorbereitet werden. «Um das AKW auf die Krim umzustellen, müssen sie den gesamten Süden der Ukraine, den besetzten Teil der Gebiete Cherson und Saporischschja abschalten», erläuterte Kotin im Fernsehen. Danach würden diese Gebiete schrittweise von der Krim aus wieder ans Stromnetz angeschlossen und seien dann mit dem russischen Stromnetz synchronisiert. Dann könne das AKW Saporischschja nicht mehr an das ukrainische Energienetz angeschlossen werden.

Hintergrund ist eine Mitteilung vom Juli, wonach die 2015 zerstörten Stromleitungen zur von Russland annektierten Krim repariert worden seien. Zudem hatte die Ukraine sich mit dem benachbarten Moldau kurz nach Kriegsbeginn Ende Februar vom ehemals sowjetischen Stromnetz abgekoppelt. Im März hatten sich beide Staaten dann an den europäischen Stromnetzverbund angeschlossen.


Bundesregierung beruft neue «Wirtschaftsweise»

BERLIN: Das Bundeskabinett hat neue «Wirtschaftsweise» benannt - damit ist das Beratergremium nach längerer Zeit wieder komplett. Neu im fünfköpfigen Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sind der Ökonom Martin Werding und die Finanzmarktexpertin Ulrike Malmendier, wie das Wirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte.


KfW holt nach Gewinnrückgang zu Jahresbeginn auf

FRANKFURT/MAIN: Nach einem deutlichen Gewinnrückgang zu Jahresbeginn hat die staatliche Förderbank KfW Boden gut gemacht. Im ersten Halbjahr verdiente der Konzern 949 Millionen Euro, wie die KfW am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. In den ersten sechs Monaten 2021 stand zwar noch ein Gewinn von 1,396 Milliarden Euro in der Bilanz. Zu Beginn des laufenden Jahres hatte das Institut wegen Belastungen durch den Ukraine-Krieg allerdings nur einen kleinen Gewinn von 60 Millionen Euro erzielt. «Das Konzernergebnis im zweiten Quartal ist sehr erfreulich», sagte KfW-Chef Stefan Wintels. Detaillierte Ergebniszahlen zum zweiten Quartal nennt die KfW nicht.

«Die erfreuliche Entwicklung des ersten Halbjahres stellt eine solide Basis für eine zufriedenstellende Ergebnisentwicklung in 2022 dar», sagte der seit Anfang Oktober 2021 amtierende Vorstandschef. Er wies zugleich auf Risiken für die Konjunktur infolge des Ukraine-Krieges, Unsicherheiten bei der Energieversorgung und globaler Lieferengpässen hin. Konkrete Belastungen für das Bewertungsergebnis seien aktuell aber nicht absehbar.

Die Nachfrage nach zinsgünstigen Krediten der KfW stieg im ersten Halbjahr deutlich. Das gesamte Fördervolumen erhöhte sich um 91 Prozent auf 95,1 Milliarden Euro, getrieben auch von der starken Nachfrage nach dem Programm Effiziente Gebäude (BEG).

Nach der Unterstützung der Wirtschaft in der Corona-Krise ist das Förderinstitut, das dem Bund (80 Prozent) und den Ländern (20 Prozent) gehört, wegen der wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges weiter stark gefragt. «Das Förderjahr 2022 ist bisher ein besonderes Jahr», sagte Wintels. Zur Jahreshälfte habe die KfW im Auftrag des Bundes Kredite von mehr als 30 Milliarden zur Sicherung der Energieversorgung in Deutschland zur Verfügung gestellt. Zudem stehe die KfW bereit, vom Krieg betroffene kleine und mittelständische Unternehmen zu unterstützen. Die Bundesregierung hatte für Firmen, die von Folgen des Ukraine-Kriegs belastet sind, ein Hilfspaket beschlossen.


Griechenland wird finanzpolitisch wieder Selbstbestimmung erlangen

ATHEN: Griechenland soll vom 20. August an erstmals seit der Schuldenkrise nicht mehr verstärkt von der EU-Kommission überwacht werden. Dies teilte am Mittwoch der griechische Finanzminister Christos Staikouras in Athen mit. Die Entlassung aus dem Kuratel sei neben den Finanzministern der Euroländer nun auch vom zuständigen Finanzkommissar Paolo Gentiloni genehmigt worden, teilte der griechische Finanzminister weiter mit.

Damit gehe eine für Griechenland sehr schwierige Zeit zu Ende. Griechenland habe den Großteil der verlangten Reformen erfolgreich umgesetzt, fügte der Athener Finanzminister hinzu.

Griechenland durchlief ab 2010 eine schwere Finanzkrise und musste in der Folge auf Druck seiner Gläubiger harte Sparmaßnahmen umsetzen. Die Griechen verloren dabei rund 25 Prozent ihres Einkommens. Seit 2018 steht Athen finanziell zunehmend auf eigenen Beinen.


Deutscher Finanzminister verspricht Steuersenkungen

BERLIN: Der deutsche Finanzminister Christian Lindner will mit Steuersenkungen als Ausgleich der Inflation breite Teile der Gesellschaft entlasten. Das sagte der FDP-Politiker am Mittwoch in Berlin. Es würden 48 Millionen Menschen profitieren.

Durchschnittlich läge die Entlastung bei 192 Euro. Lindner sprach von einer Steuersenkung von mehr als zehn Milliarden Euro.

Der Finanzminister will vor allem die sogenannte kalte Progression ausgleichen. So bezeichnet in Deutschland man eine Art schleichende Steuererhöhung, wenn Gehaltserhöhungen durch die Inflation aufgefressen werden, aber dennoch zu einer höheren Besteuerung führen. Die Kaufkraft würde real gar nicht steigen.

Lindner sprach von einer «Steuererhöhung durch Unterlassung», die er abwenden wolle. Zusätzlich zu einer Anpassung der Eckwerte im Einkommensteuertarif sollen nach den Plänen des Finanzministers auch das Kindergeld und der Kinderfreibetrag erhöht werden.


Inflation in Deutschland weiter über 7 Prozent

WIESBADEN: Die Inflation in Deutschland hält sich trotz eines weiteren leichten Rückgangs hartnäckig über der Marke von 7 Prozent. 9-Euro-Ticket und Tankrabatt dämpften den Preisauftrieb im Juli den zweiten Monat in Folge. Zudem müssen Stromkunden seit Monatsbeginn die Förderung des Ökostroms nicht mehr über die Stromrechnung zahlen (EEG-Umlage). Die Jahresteuerungsrate lag im Juli bei 7,5 Prozent. Das Statistische Bundesamt bestätigte am Mittwoch damit eine erste Schätzung. Im Juni waren die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat noch um 7,6 Prozent gestiegen, im Mai um 7,9 Prozent.


Eurokurs hält sich kaum verändert über 1,02 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Kurs des Euro hat sich am Mittwoch vor der Veröffentlichung wichtiger US-Konjunkturdaten über 1,02 US-Dollar gehalten. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0214 Dollar gehandelt und damit nahezu zum gleichen Kurs wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Dienstagnachmittag auf 1,0234 Dollar festgesetzt.

Bis zum Nachmittag wird am Devisenmarkt nicht mit stärkeren Kursbewegungen gerechnet. Die Anleger warten auf die Veröffentlichung neuer Daten zur Entwicklung der Verbraucherpreise in den USA. Es wird damit gerechnet, dass sich die Inflation im Juli etwas abgeschwächt hat. Im Juni war die Inflationsrate in der größten Volkswirtschaft der Welt noch bis auf 9,1 Prozent gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit mehr als 40 Jahren.

Von der Preisentwicklung in den USA versprechen sich die Anleger am Devisenmarkt wichtige Hinweise auf die weitere Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Diese hatte zuletzt mit starken Zinserhöhungen gegen die hohe Inflation angekämpft. Ein Rückgang der Inflation dürfte am Markt als Signal gedeutet werden, dass die Fed beim Tempo der Zinserhöhungen etwas nachlassen könnte.


Spanien spart Energie: «Dringende Maßnahmen» in Kraft getreten

MADRID: Der von der Opposition scharf kritisierte Energie-Sparplan ist in Spanien um Mitternacht in Kraft getreten. Seit Mittwoch dürfen alle öffentlichen Einrichtungen sowie Kaufhäuser, Kinos, Büros, Geschäfte, Hotels, Bahnhöfe und Flughäfen des Landes ihre Räumlichkeiten auf nicht weniger als 27 Grad abkühlen. Läden mit Mitarbeitern, die körperlich besonders gefordert werden, wie etwa Bars und Restaurants, können die Klimaanlagen allerdings auf bis zu 25 Grad einstellen. Im kommenden Winter wird man die Innenräume unterdessen auf höchstens 19 Grad beheizen dürfen.

Die «dringenden Maßnahmen» des königlichen Dekrets der linken Regierung sollen bis zum 1. November 2023 in Kraft bleiben. Mit diesen und mit weiteren Beschlüssen, die erst nach der Sommerpause gefasst werden sollen, will Spanien die im Rahmen des EU-Notfallplans eingegangenen Verpflichtungen erfüllen. Madrid hatte sich, wie auch andere Regierungen, dem Vorhaben zunächst widersetzt, es nach Zugeständnissen aber am Ende gebilligt. Demnach soll Spanien seinen Gaskonsum um sieben bis acht Prozent senken, während die meisten anderen EU-Länder 15 Prozent einsparen sollen.

Neben anderen Maßnahmen müssen Läden und Betriebe mit automatischen Systemen ihre Türen geschlossen halten, um je nach Jahreszeit das Entweichen von Wärme oder kühler Luft zu vermeiden. Die Beleuchtung nicht genutzter Büros, von Schaufenstern und Denkmälern muss nach 22 Uhr ausgeschaltet werden. Mehrere Regionalregierungen klagten, dies werde zu weniger Konsum und mehr Unsicherheit führen.

Noch ist das letzte Wort aber nicht gesprochen: Die konservative Regierungschefin der Region Madrid, Isabel Díaz Ayuso, will beim Verfassungsgericht gegen den Sparplan klagen.


Embargo in Kraft: EU darf ab sofort keine russische Kohle mehr kaufen

BRÜSSEL: Die EU-Staaten dürfen ab sofort keine Kohle mehr aus Russland importieren. Um Mitternacht von Mittwoch auf Donnerstag endete die Übergangsperiode für das Kohleembargo gegen Russland, das die EU-Staaten als Teil des fünften Sanktionspakets im April beschlossen hatten. Damit sich die Industrie auf das Einfuhrverbot einstellen konnte, hatten sich die Länder damals auf eine Übergangsfrist von 120 Tagen geeinigt.

Ziel des Importstopps ist es, die russische Wirtschaft vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine weiter zu schwächen. Nach Angaben der EU-Kommission im April könnte das Kohleembargo ein Minus von rund acht Milliarden Euro pro Jahr für Russland bedeuten. Der Verein der Kohlenimporteure (VdKi) rechnet trotz des Importverbots nicht mit Lieferengpässen in Europa, da Kohle auf dem Weltmarkt verfügbar sei. Hauptlieferländer seien jetzt die USA, Südafrika, Australien, Indonesien und Kolumbien.

Mit dem Kohleembargo sanktionierte die EU erstmals Energielieferungen aus Russland. In einem späteren Sanktionspaket einigten sich die EU-Länder zudem darauf, russische Öllieferungen weitgehend zu verbieten, um den Druck auf Moskau weiter zu erhöhen. Dies soll jedoch erst ab Ende des Jahres gelten, mit Ausnahmen für einige besonders abhängige Länder wie Ungarn, die weiterhin Pipeline-Lieferungen aus Russland erhalten dürfen. Am Dienstag gab der russische Pipeline-Monopolist Transneft allerdings bekannt, dass Öllieferungen über die Druschba-Leitung nach Ungarn eingestellt worden seien.


Sierra Leone verhängt nach Protesten Ausgangssperre

FREETOWN: Nach gewaltsamen Protesten gegen die Regierung gilt im westafrikanischen Land Sierra Leone seit Mittwoch eine landesweite Ausgangssperre. Vizepräsident Mohamed Juldeh Jalloh begründete dies in einer Fernsehansprache damit, dass auch «unschuldige Zivilisten und Polizeibeamte» getötet worden seien. Zudem seien öffentliche Gebäude und Polizeistationen niedergebrannt worden. Eine Opferzahl nannte er nicht. Der Vizepräsident warf den Demonstranten vor, die Regierung von Präsident Julius Maada Bio mit Gewalt stürzen zu wollen.

Nach Angaben des Welternährungsprogramms lebt in dem Acht-Millionen-Einwohner-Land mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag (umgerechnet etwa 1,22 Euro). Steigende Preise für Lebensmittel und Benzin - vor allem aufgrund der Corona-Pandemie - haben den Unmut in den vergangenen Wochen verschärft.


Siemens droht erster Quartalsverlust seit 2010

MÜNCHEN: Eigentlich laufen die Geschäfte bei Siemens solide, doch wegen einer Milliarden-Abschreibung auf die Minderheitsbeteiligung an der ehemaligen Energietechniksparte Siemens Energy droht der erste Quartalsverlust seit der Finanzkrise. Nachdem die Münchner selbst die Corona-Krise in «schwarzen Zahlen» gemeistert haben, könnte nun die Abschreibung auf die Anteile an Siemens Energy unter dem Strich für ein Minus sorgen.

An diesem Donnerstagmorgen (07.00 Uhr) legt der Traditionskonzern Zahlen für das dritte Geschäftsquartal von April bis Juni vor. Das letzte Quartal, das Siemens in «roten Zahlen» beendete, war einem Sprecher zufolge das vierte des Geschäftsjahres 2010 - damals als Folge der Finanzkrise.

Ende Juni hatte Siemens die Sonderabschreibung auf seine Energy-Aktien bekanntgegeben. Sie wird das Ergebnis des dritten Quartals nach Steuern demnach mit rund 2,8 Milliarden Euro belasten. Anlass waren die niedrigen Börsenkurse «signifikant unter dem Buchwert». Siemens hält noch rund 35 Prozent an Energy, das vor knapp zwei Jahren an die Börse gebracht wurde.

Jenseits der nicht zahlungswirksamen Abschreibung werden solide Geschäfte von Siemens erwartet. Beim operativen Ergebnis gingen die Analysten zuletzt sogar von einem ordentlichen Zuwachs aus. Ob die Energy-Abschreibung Siemens auch die Prognose für das Gesamtjahr kostet, könnte die Unternehmensspitze am Donnerstag beantworten.


Lenovo-Umsatz in schwachem PC-Markt stabil

HONGKONG: Der PC-Marktführer Lenovo ist im vergangenen Quartal vom weltweiten Abschwung des Geschäfts gebremst worden, konnte aber dank höherer Preise die Erlöse stabil halten. Der Umsatz stagnierte im Ende Juni abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal bei 16,96 Milliarden Dollar, wie Lenovo am Mittwoch mitteilte. Marktforscher hatten bei dem chinesischen Konzern einen Absatzrückgang von zwölf Prozent nach Stückzahlen errechnet. Unterm Strich steigerte Lenovo den Quartalsgewinn im Jahresvergleich um elf Prozent auf 516 Millionen Dollar (knapp 498 Mio Euro).

In Deutschland fiel das Verbrauchergeschäft nach dem Boom zu Beginn der Corona-Pandemie wieder auf das Niveau von 2019 zurück, wie Lenovo-Manager Mirco Krebs der Deutschen Presse-Agentur sagte. Notebooks machten inzwischen drei Viertel des Marktes aus. Das Geschäft mit Unternehmen sei stabil geblieben. Die Logistikwege seien weiterhin ein zentraler Engpass, genauso wie die Verfügbarkeit einiger Chipsätze. Günstigere Modelle seien deshalb nach wie vor zum Teil schwer zu bekommen.


Weiterhin hohe Nachfrage nach Mietwagen spielt Sixt in die Karten

PULLACH: Der Autovermieter Sixt hat im zweiten Quartal von einer anhaltend starken Nachfrage nach seinen Mietwagen in Europa und den USA profitiert. Der Erlös zwischen April und Juni legte im Vergleich zum Vorjahr um fast die Hälfte auf knapp 744 Millionen Euro zu, wie das im MDax notierte Unternehmen am Mittwoch in Pullach bei München mitteilte. Dabei konnte Sixt höhere Mietpreise verlangen, weil Menschen nach zwei Jahren der Corona-Pandemie wieder deutlich mehr Lust auf Reisen haben und entsprechend Mietwagen buchen. Außerdem ist das Fahrzeugangebot am Markt nach wie vor knapp, weil die Autobauer weiter mit Produktionseinschränkungen zu kämpfen haben.

Vor Steuern blieben dem Unternehmen mit etwa 130 Millionen Euro fast zwei Drittel mehr Gewinn als noch im Vorjahresquartal. Das Nachsteuerergebnis stieg um knapp die Hälfte auf nun rund 94 Millionen Euro. Das Management bestätigte die Jahresziele.

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