Nachrichten aus der Wirtschaft am Mittwoch

Tschechiens Premierminister Petr Fiala. Foto: epa/Martin Divisek
Tschechiens Premierminister Petr Fiala. Foto: epa/Martin Divisek

Tschechiens Regierungschef Fiala wirft Russland Wirtschaftskrieg vor

PRAG: Tschechiens Ministerpräsident Petr Fiala hat Russland vorgeworfen, neben dem Krieg gegen die Ukraine auch einen Wirtschaftskrieg gegen den Westen zu führen. Ziel sei, die demokratischen Staaten zu schwächen und zu destabilisieren, sagte der liberalkonservative Politiker am Mittwochabend in einer Fernsehansprache. Es bestehe die reale Gefahr, dass Russland in den nächsten Wochen oder Monaten den Gashahn zudrehen könnte.

Fiala kündigte einen Fünf-Jahres-Plan an, um die Abhängigkeit seines Landes von russischem Erdgas und Erdöl entscheidend zu verringern. Zudem kündigte er staatliche Entlastungsmaßnahmen gegen die Teuerung bei den Energiekosten von umgerechnet 2,6 Milliarden Euro an. Unter anderem soll die Umlage für erneuerbare Energien direkt aus der Staatskasse beglichen werden.

Zur neuen Strategie gehöre auch, dass der Staat in «naher Zukunft» das Netzwerk der tschechischen Schlüsselkraftwerke komplett unter seine Kontrolle bringe. Derzeit hält der Staat knapp 70 Prozent der Anteile am Energiekonzern und AKW-Betreiber CEZ. Der Rest gehört Minderheitsaktionären.


EU-Parlament zieht Untätigkeitsklage gegen Kommission zurück

LUXEMBURG: Das Europäische Parlament verzichtet nun doch auf eine Klage gegen die EU-Kommission wegen einer nicht angewendeten Regel zur Kürzung von EU-Mitteln. Das Parlament habe die 2021 eingereichte Untätigkeitsklage vor dem Europäischen Gerichtshof zurückgezogen, teilte ein Sprecher am Mittwoch mit.

Der sogenannte Rechtsstaatsmechanismus sieht vor, dass EU-Ländern Mittel aus dem gemeinsamen Haushalt gekürzt werden können, wenn wegen Rechtsstaatsverstößen ein Missbrauch des Geldes droht.

Hintergrund der Parlamentsklage war der Vorwurf, dass die EU-Kommission die neuen Regeln nicht anwende. Nachdem der EuGH den Mechanismus für rechtens erklärt hatte, löste sie das Verfahren im April dann jedoch gegen Ungarn aus. Ungarn und Polen hatten dagegen geklagt, und die EU-Kommission wollte die Entscheidung darüber abwarten.


Putin: Russland baut Wirtschaftsbeziehungen mit China und Indien aus

MOSKAU: Angesichts weitreichender westlicher Sanktionen will Russland seine Wirtschaftsbeziehungen mit großen Schwellenländern ausbauen. «Das Volumen der Lieferungen von russischem Öl nach China und Indien nimmt merklich zu», sagte Kremlchef Wladimir Putin am Mittwoch in seinem Video-Grußwort zum Brics-Wirtschaftsforum. Bei dem Gipfel sollen ab Donnerstag neben Russland, China und Indien auch Brasilien und Südafrika vertreten sein.

Putins Aussagen zufolge laufen zudem Verhandlungen über die Eröffnung indischer Geschäftsketten sowie über einen höheren Anteil chinesischer Autos und Technologie auf dem russischen Markt. Russland hatte das Nachbarland Ukraine Ende Februar überfallen.

Einmal mehr kritisierte Putin auch die weitreichenden westlichen Sanktionen, die als Reaktion auf Russlands Angriffskrieg verhängt worden waren. «All das widerspricht dem gesunden Menschenverstand und elementarer wirtschaftlicher Logik, schadet den Interessen der Wirtschaft auf globaler Ebene und wirkt sich negativ auf das Wohlergehen der Bevölkerungen eigentlich aller Länder aus», sagte er.

Bereits in der Vergangenheit hat der Kremlchef immer wieder betont, dass die Russland die Wirkung westlicher Strafmaßnahmen abfedern könne, indem es sich auf andere Handelspartner konzentriere und so langfristig sogar gestärkt aus der Situation hervorgehen könne. Experten sehen auf viele Wirtschaftszweige in Russland allerdings schwere Zeiten zukommen, etwa auf die Luftfahrt- und die Automobilbranche.


Eurokurs gefallen - EZB-Referenzkurs: 1,0521

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Mittwoch gefallen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0521 (Dienstag: 1,0550) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9505 (0,9479) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85885 (0,86010) britische Pfund, 143,11 (143,75) japanische Yen und 1,0153 (1,0214) Schweizer Franken fest.


Erholungsgewinne im Dax wieder weg

FRANKFURT/MAIN: Die jüngste Erholung am deutschen Aktienmarkt ist schon wieder Geschichte. Der Dax büßte am Mittwochnachmittag 2,16 Prozent auf 13.005,37 Punkte ein und reagierte auf einen schwach erwarteten Börsenstart an der Wall Street. Der MDax gab um 2,22 Prozent auf 26.900,86 Zähler nach und auch an Europas Börsen im Allgemeinen wurden spürbare Verluste verbucht. Der Euro kostete am frühen Nachmittag 1,0519 US-Dollar, nachdem er am Vormittag unter die Marke von 1,05 Dollar gefallen war. Die EZB hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,0550 Dollar festgelegt. Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 1,64 Prozent am Vortag auf 1,60 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,33 Prozent auf 131,51 Punkte. Der Bund-Future legte um deutliche 1,07 Prozent auf 144,91 Punkte zu.


Studie: Zahl der Ladendiebstähle sank auch 2021 weiter

KÖLN: Im zweiten Corona-Jahr 2021 ist die Zahl der Ladendiebstähle im deutschen Einzelhandel weiter gesunken. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Handelsforschungsinstituts EHI summierten sich die Verluste des Handels durch Diebstahl im vergangenen Jahr auf 3,23 Milliarden Euro. Das waren rund vier Prozent weniger als im Vorjahr. Im ersten Corona-Jahr 2020 waren die Ladendiebstähle nicht zuletzt aufgrund der pandemiebedingten Ladenschließungen sogar um rund zehn Prozent zurückgegangen.


Verdi fordert fast 10 Prozent mehr Geld für Lufthansa-Bodenpersonal

FRANKFURT/BERLIN: Verdi fordert für das Bodenpersonal der Lufthansa deutlich mehr Lohn. Die Gewerkschaft will für die Mitarbeiter bei der Lufthansa AG Boden, Lufthansa Technik, Lufthansa Systems, Lufthansa Technik Logistik Dienstleistungen, Lufthansa Cargo und der Lufthansa Service Gesellschaft 9,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 350 Euro, bei 12 Monaten Laufzeit durchsetzen. Das habe die Konzerntarifkommission beschlossen, teilte die Gewerkschaft am Mittwoch in Berlin mit. Die Tarifverträge für die rund 20.000 Beschäftigten laufen laut einer Verdi-Sprecherin am 30. Juni aus.


Check24: Mietwagen diesen Sommer deutlich teurer

MÜNCHEN: Ein Mietwagen ist in vielen Urlaubsländern zu einem teuren Vergnügen geworden. Das Vergleichsportal Check24 hat für Buchungen zwischen Juli und Ende September einen Preisanstieg von durchschnittlich 40 Prozent gegenüber dem Sommer vergangenen Jahres ermittelt. In Spanien seien Mietwagenpreise seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 um 231 Prozent gestiegen, von 22 Euro auf nun 73 Euro pro Tag.


Verdi ruft zu 24-stündigem Warnstreik in den Seehäfen auf

HAMBURG/BREMEN: Im Tarifkonflikt um die Entlohnung der Hafenarbeiter hat die Gewerkschaft Verdi für Donnerstag zu einem 24-stündigen Warnstreik in Deutschlands Seehäfen aufgerufen. Betroffen seien die Standorte Hamburg, Emden, Bremerhaven, Bremen, Brake, und Wilhelmshaven, teilte die Gewerkschaft am Mittwoch nach der vierten Verhandlungsrunde mit. Bereits vor der dritten Runde hatten Hafenarbeiter erstmals seit Jahrzehnten für mehrere Stunden die Abfertigung von Schiffen weitgehend lahmgelegt.


Ford-Werk in Saarlouis zieht im Ringen um Investitionen den Kürzeren

SAARLOUIS: Bei einem Investitionspaket in die Elektromobilität hat sich der US-Autobauer Ford gegen sein Werk in Saarlouis entschieden. Stattdessen soll eine Elektroauto-Plattform in dem Werk im spanischen Valencia entstehen, wie der Konzern am Mittwoch bekanntgab. Am saarländischen Standort mit 4600 Beschäftigten läuft die Fertigung des Verbrennermotor-Modells Focus im Jahr 2025 aus. Landespolitiker und Arbeitnehmervertreter hatten gehofft, dass die Jobs danach dank Elektroinvestitionen großteils gesichert sind.


Schienennetz soll mit «Generalsanierung» zuverlässiger werden

BERLIN: Das Schienennetz in Deutschland soll angesichts großer Probleme mit Verspätungen und Baustellen mit einer «Generalsanierung» grundlegend zuverlässiger gemacht werden. «So wie es ist, kann es nicht bleiben», sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) am Mittwoch in Berlin. Das Netz sei jahrelang vernachlässigt und an die absolute Grenze gebracht worden - viele Weichen und Stellwerke seien überaltert und stark störanfällig. Mit der bundeseigenen Deutschen Bahn als Netzbetreiberin sollen ab 2024 besonders hoch belastete Korridore modernisiert und Bauarbeiten viel stärker gebündelt werden.


Globale Mindeststeuer: Lindner fordert Bewegung von Ungarn

BERLIN: Bundesfinanzminister Christian Lindner hat Ungarn im Streit um eine EU-Einigung auf eine globale Mindeststeuer von 15 Prozent zu Bewegung aufgefordert. Der FDP-Politiker sagte am Mittwoch bei einem Gewerkschaftstag der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, es gebe steuer- und finanzpolitisch nichts mehr, was gegen die Globale Mindestbesteuerung spreche. Es seien «völlig sachfremde Argumente», die vorgebracht würden. Für diese habe er kein Verständnis.

Die großen internationalen Konzerne müssten sich endlich auch an der Finanzierung der Staaten beteiligen, in denen sie Gewinne machten, sagte Lindner. Damit werde ein Steuerwettbewerb nach unten verhindert. Dies sei ein «zivilisatorischer Fortschritt», dem sich auch Ungarn nicht in den Weg stellen sollte.

Ungarn blockiert eine EU-Einigung auf eine globale Mindeststeuer. Ein Sprecher der ungarischen Regierung hatte Ungarns Haltung damit begründet, dass die Steuer schlecht für die europäische Wettbewerbsfähigkeit sei.

Die Mindeststeuer soll verhindern, dass große Konzerne ihre Gewinne in Regionen mit niedrigeren Steuern verlagern. Multinationale Unternehmen sollen dort mehr Steuern zahlen, wo sie tätig sind. Mehr als 130 Länder haben im vergangenen Jahr das große Steuerabkommen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) unterzeichnet. Seitdem versucht die EU, es in ein Gesetz zu gießen.


EU will in Handelsabkommen Sanktionsklausel für Klimaschutz einbauen

BRÜSSEL: Künftige Handelsabkommen der Europäischen Union werden von Partnerländern stärker als bislang die Einhaltung von Klimaschutzstandards und internationalen Arbeitsnormen verlangen. Wie der zuständige EU-Handelskommissar Valdis Dombrovskis am Mittwoch ankündigte, sollen neue Verträge bei Verstößen gegen Kernprinzipien Sanktionen ermöglichen. Konkret könnten demnach Zollvorteile wieder gestrichen werden.

Dombrovskis betonte, dass Strafmaßnahmen lediglich «letztes Mittel» wären und bei «eklatanten und anhaltenden Verstößen gegen international vereinbarte Normen» verhängt werden sollten. Voraussetzung soll zudem sein, dass ein unabhängiges Expertengremium die Vorwürfe bestätigt.

Die für die EU-Handelspolitik zuständige Europäische Kommission verhandelte zuletzt unter anderem mit Indonesien, Neuseeland und Australien über Freihandelsabkommen. Unterbrochene Gespräche mit Indien sollen am Montag wieder aufgenommen werden. Umweltschützer und Gewerkschaften hatten in der Vergangenheit wiederholt kritisiert, dass EU-Zollvorteile nicht ausreichend stark an die Einhaltung von grundlegenden Umweltschutzstandards und Arbeitnehmerrechten geknüpft seien.


Tschechische Nationalbank erhöht Leitzins auf sieben Prozent

PRAG: Angesichts der hohen Preissteigerung zieht die tschechische Nationalbank die Zügel noch stärker an: Der Leitzins steigt von Donnerstag an um 1,25 Prozentpunkte auf sieben Prozent, wie eine Sprecherin der Notenbank am Mittwoch bekanntgab. Das ist der höchste Wert seit dem Jahr 1999. Der Leitzins hat Einfluss auf die Höhe der Kredit- und Sparzinsen.

Die Erhöhung dürfte die letzte Entscheidung unter dem bisherigen Nationalbankchef Jiri Rusnok gewesen sein. Zum 1. Juli übernimmt Ales Michl das Ruder. Der 44-Jährige gilt als Kritiker rasanter Zinserhöhungen. Rund zwei Drittel der Inflation seien importiert, unter anderem über höhere Gas- und Benzinpreise, sagte er jüngst der Zeitschrift «Ekonom».

Die Verbraucherpreise stiegen in Tschechien im Mai im Jahresvergleich um 16 Prozent, wie aus den Daten der nationalen Statistikbehörde CSU hervorgeht. Das war der höchste Wert seit Dezember 1993, als die Teuerungsrate bei 18,2 Prozent lag. Der EU-Staat Tschechien hat mit der Krone eine eigene Währung.


Moskau kündigt «praktische» Antwort im Kaliningrad-Streit mit EU an

MOSKAU: Die russische Führung hat erneut die Transitbeschränkungen für die Moskau gehörende, aber zwischen den EU-Ländern Polen und Litauen liegende Ostsee-Exklave Kaliningrad kritisiert und mit «praktischen» Vergeltungsmaßnahmen gedroht. Eine Antwort werde «nicht im diplomatischen, sondern im praktischen Bereich liegen», wenn die EU ihre Restriktionen nicht aufhebe, drohte die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa am Mittwoch in einem Pressebriefing.

Aussagen des russischen Außenpolitikers Leonid Sluzki zufolge erwägt Russland unter anderem einen Ausschluss Litauens aus einem gemeinsamen, synchron geschalteten Stromnetz. Über das noch aus Sowjetzeiten stammende BRELL-Ringsystem sind die baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland weiter mit Russland und Belarus verbunden. Weil das für sie als Sicherheitsrisiko gilt, wollen sie aber ohnehin bis 2025 ins europäische Netz integriert sein, Litauen eigenen Angaben zufolge schon früher.

Auch der Kreml meldete sich am Mittwoch nochmals zu Wort. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, die Transitbeschränkungen widersprächen «den grundlegenden Dokumenten» der Partnerschaft zwischen der EU und Russland. Das Partnerschaftsabkommen von 1994 sehe einen freien Transit von Waren vor, sagte er. Eine Reaktion werde vorbereitet, sagte er. Details zu möglichen Gegenmaßnahmen und einem Zeitpunkt nannte er nicht.

Litauen hatte am Samstag den Transit von Waren, die auf der EU-Sanktionsliste stehen, über sein Territorium untersagt. Laut den Angaben des Kaliningrader Gouverneurs Anton Alichanow sind von den Beschränkungen 40 bis 50 Prozent des Transits zwischen Kernrussland und Kaliningrad betroffen. Unter anderem dürfen nun kein Zement, keine Baumaterialien oder Metalle mehr auf dem Landweg in die russische Ostseeregion gebracht werden. In Kaliningrad haben deswegen bereits Hamsterkäufe auf einzelne Warengruppen eingesetzt.


Spanien will Bürger finanziell stärker entlasten

MADRID: Die spanische Regierung will die Bürger des Landes mit Blick auf die Folgen des Ukraine-Kriegs finanziell weiter entlasten. Unter anderem sei eine weitere Senkung der Mehrwertsteuer auf Strom von zehn auf fünf Prozent vorgesehen, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez am Mittwoch im Parlament in Madrid. Diese und weitere Maßnahmen sollen bei einer für Samstag angesetzten außerordentlichen Kabinettssitzung beschlossen werden. Das Vorhaben der linken Minderheitsregierung muss aber auch vom Parlament gebilligt werden.

Sánchez richtete deshalb einen Appell an die Opposition: «Ich wünsche mir, dass Sie, anstatt sich zu beschweren, anstatt zu kritisieren, dieses königliche Dekret zum Wohle der Familien, der Unternehmen und der Industrie in unserem Land unterstützen.» In einer Reaktion auf die schon damals steigenden Energiepreise hatte Madrid vor einem Jahr die Strom-Mehrwertsteuer bereits von 21 auf zehn Prozent gesenkt.

Auf Vorschlag von Arbeitsministerin Yolanda Díaz erwägt die Regierung unter anderem auch eine Sonderzahlung von 300 Euro pro Kopf für alle hilfsbedürftigen Familien. Zudem sollen aktuelle Entlastungsmaßnahmen zur Abfederung der Folgen des Krieges und der stark steigenden Energiepreise um drei Monate bis zum 30. September verlängert werden.

Ende April hatten die Abgeordneten im «Congreso de los Diputados» den Antikrisen-Plan im Umfang von insgesamt 16 Milliarden Euro nur mit einer knappen Mehrheit von 176 zu 172 Stimmen angenommen. Das Programm stand damals bis zuletzt auf der Kippe. Sánchez hatte deshalb kurzfristig eine Reise nach Polen und Moldau abgesagt. Er konnte die Abgeordneten von kleineren Parteien damals erst kurz vor Toresschluss zur Ja-Stimme überreden. Es gab direkte Beihilfen und Steuererleichterungen in Höhe von sechs Milliarden Euro sowie weitere zehn Milliarden Euro an staatlich unterstützten Krediten.


Litauens Parlament befasst sich mit Kaliningrad-Transitbeschränkungen

VILNIUS: Die von Russland scharf kritisierten Transitbeschränkungen nach Kaliningrad werden am Mittwoch Thema des Parlaments in Litauen sein. Der Ausschuss für nationale Sicherheit und Verteidigung wollte dazu in Vilnius zusammenkommen und sich mit den Leitlinien der EU-Kommission zur Umsetzung von Sanktionen befassen. «Wir werden analysieren und die Frage beantworten, ob dies eine EU-Entscheidung ist, und wir sie nur umsetzen, oder ob es etwas anderes gibt, was ich nicht glaube», sagte der Ausschussvorsitzende Laurynas Kasciunas der Agentur BNS.

Litauen hat seit Samstag den Bahntransit von einigen Waren über sein Territorium in das Gebiet um das frühere Königsberg verboten, die auf westlichen Sanktionslisten stehen. Nach Kaliningrader Darstellung betrifft das 40 bis 50 Prozent aller Transitgüter, darunter Baumaterialien und Metalle. Russland hatte die Beschränkungen als «illegal» kritisiert und drohte Gegenmaßnahmen gegen das baltische EU- und Nato-Land an. Der Parlamentsausschuss will sich daher auch damit befassen, welche Bereiche Russland ins Visier nehmen könnte.

Der litauische EU-Kommissar Virginijus Sinkevicius hat unterdessen sein Heimatland dafür kritisiert, sich nur unzureichend auf die russischen Beschwerden und Drohungen vorbereitet zu haben. Moskau Rhetorik hätte vorhergesehen werden können, da der Transit nach Kaliningrad ein heikles Thema für Russland sei. «Ich glaube, wir hätten auf einen solchen Angriff aus Russland und auf die Verbreitung von Desinformationen und Lügen vorbereitet sein sollen», sagte Sinkevicius der Agentur BNS zufolge in Brüssel.


Brand in Raffinerie in Südrussland nach Absturz von Drohne

ROSTOW AM DON: Nach dem Absturz einer Drohne hat es in einer Raffinerie im Süden Russlands nahe der Grenze zur Ukraine gebrannt. «Die Feuerwehrleute haben den am Morgen aufgeflammten Brand in der Ölverarbeitungsanlage Nowoschachtinsk im Gebiet Rostow vollständig gelöscht», teilte der örtliche Zivilschutz am Mittwochmorgen laut der Agentur Interfax mit. Das Feuer erfasste nur eine kleine Fläche von etwa 50 Quadratmetern und wurde nach Behördenangaben schnell unter Kontrolle gebracht.

In sozialen Netzwerken kursierten Videos, auf denen eine Drohne zu sehen ist, die Richtung Raffinerie fliegt, dann dort abstürzt, bevor es eine größere Explosion und Flammen gibt. Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wurden in den vergangenen Wochen auch immer wieder russische Grenzregionen zum Ziel von Angriffen - nach Angaben aus Moskau von ukrainischer Seite aus. Kiew kommentiert diese Vorwürfe nicht.

Laut den Kommentatoren des Videos kam die Drohne aus Richtung Ukraine. Allerdings liegen zwischen dem Gebiet Rostow am Don und dem von Kiewer Truppen kontrollierten Gebiet der Ukraine noch die Separatistengebiete Donezk und Luhansk.


Biden zu Spritpreisen: Kongress soll Steuer zeitweise aussetzen

WASHINGTON: Angesichts der stark gestiegenen Spritpreise in den USA will Präsident Joe Biden den Kongress auffordern, die landesweite Steuer auf Benzin und Diesel für drei Monate auszusetzen. US-Präsident Joe Biden verstehe, dass die hohen Spritpreise für amerikanische Familien eine «bedeutende Herausforderung» seien, erklärte das Weiße Haus. Deswegen werde er den Kongress am Mittwoch auffordern, die Steuer von Juli bis September auszusetzen. Auch die Bundesstaaten sollten ihre Steuern aussetzen, hieß es weiter.

Die Steuer des Bundes beläuft sich bei Benzin auf 18,4 US-Cents und 24,4 Cents bei Diesel pro Gallone (knapp 3,8 Liter). Der Benzinpreis liegt im landesweiten Durchschnitt derzeit bei rund 5 US-Dollar pro Gallone. Anfang des Jahres, also vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, lag der Preis noch bei gut 3 Dollar pro Gallone. Die US-Bundesstaaten verlangen an der Zapfsäule pro Gallone im Durchschnitt rund 30 Cents Steuern.

Das Weiße Haus erklärte, falls sich die Bundesstaaten bei der Aussetzung der Benzinsteuer anschlössen und auch Mineralölkonzerne und Raffinerien ihren Beitrag leisteten, könnte der Preis pro Gallone um bis zu 1 Dollar gesenkt werden. Die Aussetzung der landesweiten Steuer würde demnach zu Mindereinnahmen von rund 10 Milliarden Dollar führen. Gegner des Vorschlags kritisieren, dass die Aussetzung der Steuer nur einen begrenzten Effekt habe und zudem oft nur teilweise bei den Verbrauchern ankomme.

Biden steht wegen der anhaltend hohen Inflationsrate und insbesondere den für US-Verhältnisse historisch hohen Spritpreisen stark unter Druck. Seine Demokraten wollen bei den Kongresswahlen im November ihre knappe Mehrheit in beiden Parlamentskammern verteidigen.


Schweden rechnet mit «härteren Zeiten» - Wirtschaftsprognose gesenkt

STOCKHOLM: Angesichts von Ukraine-Krieg und stark gestiegenen Preisen rechnet die schwedische Regierung mit einer wirtschaftlich schwierigen Phase für das skandinavische Land. «Wir können künftig härtere Zeiten erwarten», sagte Finanzminister Mikael Damberg am Mittwochmorgen auf einer Pressekonferenz in Stockholm. Es gebe weiter große Unsicherheiten hinsichtlich der ökonomischen Entwicklung. Der Situation müsse mit einer auf lange Sicht planenden und verantwortungsbewussten Finanzpolitik begegnet werden. Dabei sei es besonders wichtig, die ärmsten Haushalte zu unterstützen.

Russlands Einmarsch in die Ukraine habe die Preise für Energie und Lebensmittel in Schweden und der ganzen Welt nach oben getrieben, sagte Damberg. Die hohe Inflation und steigende Zinsen dürften das Wachstum in den kommenden Jahren dämpfen. Man rechne nun mit einem Wirtschaftswachstum in Schweden von 1,9 Prozent 2022 und 1,1 Prozent 2023, ehe es 2024 wieder auf 2,1 Prozent steige. In einer Wirtschaftsprognose im April hatten diese Werte bei 3,1 Prozent für das Jahr 2022 sowie jeweils 1,6 Prozent für 2023 und 2024 gelegen.

In Deutschland hatte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) die Bürger zuletzt ebenfalls auf eine lange Phase mit Entbehrungen eingestimmt. «Meine Sorge ist, dass wir in einigen Wochen und Monaten eine sehr besorgniserregende Situation haben könnten», sagte Lindner am Dienstagabend im ZDF-«heute journal».


Ölpreise fallen auf einmonatige Tiefstände

SINGAPUR: Die Ölpreise sind am Mittwoch im frühen Handel auf die tiefsten Stände seit rund einem Monat gefallen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 110,75 Dollar. Das waren 3,90 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI fiel um 4,08 Dollar auf 105,44 Dollar.

Am Markt wurde die Rezessionsangst als Grund genannt. Ein Auslöser ist der Kampf vieler Zentralbanken gegen die Inflation. Im Fokus steht die US-Notenbank Fed, die ihre Geldpolitik zuletzt mit einer ungewöhnlich deutlichen Zinsanhebung um 0,75 Punkte gestrafft hat. Zur Wochenmitte absolviert Fed-Chef Jerome Powell seinen regelmäßigen Auftritt vor dem US-Senat.

Im Moment liegen die Ölpreise gut 40 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Hauptgründe sind der Krieg Russlands gegen die Ukraine und Sanktionen überwiegend westlicher Länder. Russland ist einer der weltgrößten Öllieferanten.


Euro fällt unter 1,05 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Mittwoch im frühen Handel nachgegeben. Belastung kam vom Dollar, der im Vergleich zu vielen anderen Währungen an Wert gewann. Am Morgen kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,0495 Dollar und damit etwas weniger als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,0550 Dollar festgelegt.

Zur Wochenmitte rückt die Geldpolitik in den Mittelpunkt. US-Notenbankchef Jerome Powell seine regelmäßige Anhörung vor dem Senat abhalten. Die Federal Reserve hat ihren Kampf gegen die Inflation zuletzt mit einer ungewöhnlich großen Zinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte intensiviert. Es wird erwartet, dass sie ihrem Kurs einer deutlich strafferen Geldpolitik noch längere Zeit treu bleiben wird.

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