Nachrichten aus der Wirtschaft am Freitag

Der Türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Foto: epa/Str
Der Türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Foto: epa/Str

Erdogan kündigt weitere Zinssenkungen an

ISTANBUL: Trotz des jüngsten Absturzes der türkischen Lira hat Präsident Recep Tayyip Erdogan weitere Zinssenkungen angekündigt. «Der Leitzins wird sinken. Wir werden nicht zulassen, dass hohe Zinsen unser Volk und unsere Bauern zermürben», sagte Erdogan am Freitag.

Nach ähnlichen Aussagen zu Beginn der Woche war die Landeswährung zum US-Dollar und zum Euro erneut auf Rekordtiefstände gesunken. Die Lira hat allein in diesem Jahr 40 Prozent ihres Wertes eingebucht. In mehreren Städten gingen Menschen bereits gegen die Politik der Regierung auf die Straße.

Die türkische Zentralbank hatte die Leitzinsen auf zuletzt 15 Prozent gesenkt - entgegen der gängigen Praxis, einer hohen Inflation mit einer Anhebung des Leitzinses zu begegnen. Erdogan ist hingegen der Ansicht, dass hohe Zinsen eine hohe Inflation verursachen. Kritiker monieren zudem, Staatspräsident Erdogan nehme Einfluss auf die Notenbank. Er hat die Führung in jüngerer Vergangenheit bereits mehrmals ausgetauscht.


Sorgen um neue Virusmutation drücken Dax tief ins Minus

FRANKFURT/MAIN: Eine neue und möglicherweise gefährlichere Coronavirus-Mutation im südlichen Afrika treibt die Anleger vor dem Wochenende in die Flucht. Der Dax verlor am Freitagnachmittag rund drei Prozent auf 15.434,96 Punkte, bei zeitweise weniger als 15.300 Punkten war er zuvor auf den tiefsten Stand seit Mitte Oktober gerutscht. Der MDax der mittelgroßen Werte verlor zuletzt 2,53 Prozent auf 34.126,72 Punkte. Angesichts der neuen Virus-Variante profitierte der Euro von der Suche der Anleger nach sicheren Währungen. Die Gemeinschaftswährung stieg deutlich und kostete zuletzt 1,1291 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag noch auf 1,1223 Dollar festgesetzt. Am Anleihemarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,36 Prozent am Vortag auf 0,42 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,35 Prozent auf 145,44 Punkte. Der Bund-Future kletterte um 0,53 Prozent auf 171,94 Punkte.


Umfrage: Deutsche Manager befürchten Bummelei im Homeoffice

BERLIN: Führungskräfte aus Unternehmen in Deutschland stehen der Arbeit ihrer Beschäftigten im Homeoffice im internationalen Vergleich skeptisch gegenüber. Das geht aus einer repräsentativen Yougov-Umfrage im Auftrag von Linkedin unter 2000 Führungskräften aus elf Ländern hervor. Demnach befürchten gut ein Drittel der Managerinnen und Manager (37 Prozent) in Deutschland negative Folgen für ihr Unternehmen, wenn sie Mitarbeitern flexibles Arbeiten ermöglichen. Im internationalen Vergleich machten sich in diesem Punkt nur die Befragten in Irland noch mehr Sorgen (40 Prozent). In Italien sind es nur 20 Prozent, der Durchschnitt insgesamt liegt bei 30 Prozent.


Airbus und IG Metall verhandeln über Konzernumbau

HAMBURG/AUGSBURG: Airbus und die IG Metall verhandeln seit Freitagvormittag wieder über den geplanten Umbau der Flugzeugfertigung. Die Gewerkschaft erwartet bei der fünften Verhandlungsrunde in Hamburg Klarheit, ob eine Einigung in Sichtweite kommt oder «Druck der Belegschaft notwendig» sei, wie ihr Verhandlungsführer Daniel Friedrich sagte.


Ifo: Unternehmen planen Preiserhöhungen auf breiter Front

MÜNCHEN/WIESBADEN: Die deutschen Verbraucher müssen im kommenden Jahr weiterhin mit starken Preiserhöhungen rechnen. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte, sind die Preise für Importgüter im Oktober so stark gestiegen wie seit 41 Jahren nicht mehr. Laut Ifo-Institut wollen jetzt «so viel Firmen in Deutschland ihre Preise erhöhen wie nie zuvor». Das Institut hob deshalb seine Inflationsprognose für 2022 an.


Tesla verzichtet für Batteriefertigung auf staatliche Förderung

BERLIN/GRÜNHEIDE: Der US-Elektroautobauer Tesla verzichtet für die geplante Batteriefertigung in Grünheide bei Berlin auf eine mögliche staatliche Förderung in Milliardenhöhe. Das teilten das Bundeswirtschaftsministerium sowie Tesla am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Tesla habe das Bundeswirtschaftsministerium und das Wirtschaftsministerium Brandenburg darüber informiert, dass es eine Teilnahme an dem zweiten europäischen Großvorhaben zur Batteriezellfertigung (EuBatIn) nicht weiter verfolgen möchte, hieß es von dem Autobauer. Deshalb habe das Unternehmen den Antrag auf staatliche Förderung für ein IPCEI (transnationales Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse) für die Batteriefabrik in Grünheide zurückgezogen.


Grüne Woche 2022 wegen Corona abgesagt

BERLIN: Die Grüne Woche 2022 fällt aus. Acht Wochen vor der geplanten Eröffnung sagten die Veranstalter die Agrar- und Ernährungsmesse am Freitag ab. Angesichts der Wucht der vierten Corona-Welle werde es im Januar und Februar keine Großveranstaltungen geben, teilte die Messe Berlin am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mit. Davon betroffen ist auch die Fruchthandelsmesse Fruit Logistica; die internationale Fachbesucher-Messe wird von Februar auf Anfang April verschoben.


Uber-Fahrer protestieren gegen drohenden Fahrtenstopp in Brüssel

BRÜSSEL: Hunderte Fahrer des Fahrdienstes Uber haben angesichts eines drohenden Fahrtenstopps in Brüssel protestiert. Am Freitagmorgen kam es zu erheblichen Verzögerungen, als Fahrer mehrere Tunnel in Belgiens Hauptstadt blockierten, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. Die Polizei rief auf Twitter die Fahrer dazu auf, ihre Autos zu bewegen, ansonsten würden sie abgeschleppt.

Die Aktion der Uber-Fahrer folgt auf ein Urteil des Brüsseler Berufungsgerichts aus dieser Woche, wonach ein Verbot für Privatpersonen, Taxifahrten anzubieten, auch für bestimmte Berufskraftfahrer gelten soll. Etwa 2000 Uber-Fahrer mit einer Brüsseler Lizenz müssten damit vom Freitagabend an ihre Fahrten einstellen, teilte Belga unter Berufung auf das Fahrdienst-Unternehmen mit.

Seit dem Urteil hatte es Medienberichten zufolge mehrere Protestaktionen mit Hunderten beteiligten Uber-Fahrern in Brüssel gegeben. Das Verhältnis des Fahrdienstes zu den lokalen Behörden und Taxiunternehmen gilt als angespannt. Am Donnerstag hatten die Behörden angekündigt, die Taxivorschriften zu aktualisieren, so dass Uber in Brüssel möglicherweise wieder in Betrieb genommen werden könnte. Auch solle es eine Übergangslösung für die betroffenen Fahrer geben.

Im Netz drückte sich der Protest gegen den Fahrtenstopp derweil durch eine Petition für eine dringende Reform der Brüsseler Taxi- und Verkehrsregeln aus. Bis zum Freitagmittag wurde sie etwa 17.000 Mal unterschrieben. Das Verbot werde demnach nicht nur dramatische Folgen für die Uber-Fahrer selbst, sondern auch für die Mobilität in Brüssel mit sich bringen.


Biontech untersucht Corona-Variante - Ergebnisse binnen zwei Wochen

MAINZ: Der deutsche Impfstoffhersteller Biontech schaut sich die im südlichen Afrika festgestellte neue Variante des Coronavirus in Tests an und rechnet spätestens in zwei Wochen mit Erkenntnissen.

«Wir können die Besorgnis von Experten nachvollziehen und haben unverzüglich Untersuchungen zur Variante B.1.1.529 eingeleitet», teilte das Unternehmen in Mainz am Freitag auf Anfrage mit. Die Variante unterscheide sich deutlich von bisher beobachteten Varianten, da sie zusätzliche Mutationen am Spike-Protein habe. Die Daten aus nun laufenden Labortests würden Aufschluss geben, ob eine Anpassung des Impfstoffs erforderlich werde, wenn sich diese Variante international verbreite.

Biontech teilte weiter mit, gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer habe man schon vor Monaten Vorbereitungen getroffen, um im Fall einer sogenannten Escape-Variante des Virus den Impfstoff innerhalb von sechs Wochen anzupassen und erste Chargen innerhalb von 100 Tagen auszuliefern. Dafür seien klinische Studien mit «variantenspezifischen Impfstoffen» gestartet worden, um Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit zu erheben. Diese könnten im Fall einer Anpassung bei den Behörden als Musterdaten vorgelegt werden.

Als Escape-Variante bezeichnet man eine Virusvariante, die sich der Wirkung der derzeit verfügbaren Impfstoffe entzieht.


Roche-Aktionäre segnen Rückkauf von Novartis-Anteil ab

BASEL: Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat für den geplanten Rückkauf eigener Aktien vom heimischen Konkurrenzen Novartis freie Bahn.

Die Aktionäre stimmten dem Vorhaben am Freitag bei einer außerordentlichen Hauptversammlung zu, wie Roche mitteilte. Entsprechend wird Roche von Novartis 53,3 Millionen Inhaberaktien zurückkaufen. Wie die beiden Konzerne Anfang November mitgeteilt hatten, lässt sich das Roche rund 19 Milliarden Franken (18,2 Mrd Euro) kosten.


Deutsche Einfuhrpreise steigen so stark wie seit 41 Jahren nicht

WIESBADEN: Der Preisauftrieb in Deutschland bleibt außergewöhnlich stark. Im Oktober stiegen die Preise von eingeführten Gütern zum Vorjahresmonat um 21,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das ist die höchste Rate seit Anfang 1980 während der zweiten Ölkrise. Experten hatten im Schnitt mit 19,6 Prozent gerechnet. Zum Vormonat stiegen die Preise um 3,8 Prozent.

Besonders deutlich zeigt sich der Preisauftrieb bei importierter Energie, die 141 Prozent teurer war als vor einem Jahr. Erdgas war fast dreimal so teuer. Der Preis für Erdöl verdoppelte sich etwa. Neben Energie waren auch viele Vorprodukte wie Erze, Metalle und Kunststoffe wesentlich teurer. Hintergrund sind Spannungen im weltweiten Warenhandel, die sich überwiegend auf die Pandemie zurückführen lassen.


Ölpreise brechen wegen neuer Virusvariante ein

NEW YORK/LONDON: Corona-Ängste haben die Ölpreise am Freitag stark belastet. Marktbeobachter nannten die Unsicherheit wegen einer neuen Variante des Coronavirus als Grund. Sowohl die Nordseesorte Brent als auch US-Erdöl gaben um jeweils mehr als fünf Prozent nach und fielen auf zweimonatige Tiefstände.

Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 77,51 US-Dollar. Das waren 4,71 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI fiel um 5,15 Dollar auf 73,24 Dollar.

Für erhebliche Verunsicherung an den Finanz- und Rohstoffmärkten sorgte die Ausbreitung einer neuen Variante des Coronavirus im südlichen Teil Afrikas. Experten befürchten, dass die Variante B.1.1.529 wegen ungewöhnlich vieler Mutationen ansteckender ist und den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte.

Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 waren die Erdölpreise abgestürzt. Ausschlaggebend waren die Gegenmaßnahmen wie die Schließung vieler Bereiche des Wirtschaftslebens. Neue Varianten des Coronavirus wecken Erinnerungen an diese Zeit und schüren Ängste vor wirtschaftlichem Schaden, der auch auf der Energienachfrage lasten würde.


Euro stabil - Yen und Franken wegen neuer Virus-Variante gefragt

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat sich am Freitag im frühen Handel nur wenig von der Stelle bewegt. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1220 Dollar und damit etwas mehr als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,1223 Dollar festgesetzt.

Gesucht wurden an den Devisenmärkten als sicher geltende Währungen wie der japanische Yen oder der Schweizer Franken. Grund ist die Ausbreitung einer neuen Variante des Coronavirus im südlichen Afrika. Experten befürchten, dass sie nicht nur hochansteckend, sondern auch den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte. Großbritannien und Israel schränkten vorsorglich den Flugverkehr in die Staaten der Region ein.

An Konjunkturdaten stehen im Tagesverlauf wenige Zahlen mit hoher Marktrelevanz auf dem Programm. Es äußern sich allerdings hochrangige Notenbanker, darunter EZB-Präsidentin Christine Lagarde.


EU-Währungskommissar will Berliner Debatte über EU-Schuldenregeln

BERLIN: Der italienische EU-Währungskommissar Paolo Gentiloni hat die künftige deutsche Bundesregierung aufgerufen, sich in die Debatte über eine Reform der europäische Schuldenregeln einzubringen. Wegen der Corona-Krise würden die Euro-Staaten im Schnitt ihre Verschuldung bis 2023 nur von 100 auf 97 bis 98 Prozent drücken können, sagte Gentiloni der «Augsburger Allgemeinen» (Freitag). Die vereinbarte Schuldenobergrenze beträgt 60 Prozent. Man müsse das Problem angehen, ohne Wachstum und Aufschwung zu zerstören.

«Wenn wir gemeinsame und durchsetzbare Vorschriften haben wollen, müssen wir eine Einigung über realistische Schuldenregeln und über die Unterstützung öffentlicher Investitionen erzielen», sagte der frühere italienische Ministerpräsident. Als möglichen Weg stellte er den Vorschlag des Europäischen Fiskalausschusses zur Debatte, unterschiedliche Schuldenziele für die Mitgliedstaaten zu setzen. Mit Blick auf den Klimawandel und andere Fragen der Wettbewerbsfähigkeit Europas müsse man öffentliche Investitionen fördern.

«Ich bin zuversichtlich, dass Deutschland in dieser Diskussion (...) einen positiven Beitrag leisten wird», sagte Gentiloni. «Ich erwarte das Bewusstsein, dass es notwendig ist, einen Konsens zu erreichen, damit die Haushaltsregeln realistisch sind.»

Realistische Regeln zu finden, erfordere Kompromisse. «Ich habe keinen Zweifel daran, dass (der designierte Finanzminister) Christian Lindner (FDP) einen sehr konstruktiven Beitrag zu dieser und anderen wichtigen Diskussionen leisten wird, die wir in den kommenden Monaten und Jahren in der Eurogruppe führen werden», sagte Gentiloni. Der designierte Kanzler Olaf Scholz (SPD) habe zudem in den letzten Jahren in der EU eine entscheidende Rolle beim Finden von Kompromissen gespielt.

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