Nachrichten aus der Wirtschaft am Freitag

Griechenland's Premierminister Kyriakos Mitsotakis trifft zu einem EU-Gipfel in Brüssel ein. Foto: epa/Olivier Hoslet
Griechenland's Premierminister Kyriakos Mitsotakis trifft zu einem EU-Gipfel in Brüssel ein. Foto: epa/Olivier Hoslet

Mitsotakis: Angela Merkel hat zu viel von den Griechen verlangt

ATHEN: Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hat eine gemischte Bilanz der Amtszeit von Kanzlerin Angela Merkel gezogen. Merkel sei sich dessen bewusst, dass sie während der schweren griechischen Finanzkrise zu viel von den Griechen verlangt habe, sagte Mitsotakis dem staatlichen griechischen Fernsehen am Freitag. Sie sei aber auch diejenige gewesen, die Griechenland im kritischen Moment - gegen die Vorschläge ihrer damaligen Minister - in der Eurozone gehalten habe.

«Die Sparpolitik (in den Jahren der griechischen Finanzkrise) ging weit über das hinaus, was die griechische Gesellschaft ertragen konnte», sagte Mitsotakis.

Merkel wird am 28. und 29. Oktober zu einem Besuch in Griechenland erwartet. «Wir werden dann die Gelegenheit haben, darüber zu reden», fügte Mitsotakis hinzu. Er würdigte zugleich die Fähigkeit Merkels, Kompromisse zu finden. «Ich respektiere sie sehr», sagte Mitsotakis.

Griechenlands schwere Finanzkrise begann 2010 und dauerte etwa acht Jahre lang. Die Griechen mussten während dieser Zeit schmerzhafte Einschnitte hinnehmen. Seit 2018 ist das Land wieder auf Kurs. Die Arbeitslosigkeit beträgt zurzeit etwa 13,9 Prozent. Auf dem Höhepunkt der Krise waren mehr als 27 Prozent der Griechen ohne Job.


Dax pendelt um 15.600-Punkte-Marke

FRANKFURT/MAIN: Der Dax hat am Freitag frischen Schwung erhalten und deutlich zugelegt. Mit plus 0,82 Prozent auf 15.599,42 Punkte eroberte das deutsche Leitbarometer die einfache 50-Tage-Linie für den mittelfristigen Trend zurück. Auf Wochensicht zeichnet sich damit ein kleiner Gewinn ab. Der MDax stieg am Freitag um 0,68 Prozent auf 34.952,28 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rückte um 1,00 Prozent vor. Der Euro wurde am frühen Nachmittag mit 1,1631 US-Dollar gehandelt. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,22 Prozent auf minus 0,19 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,36 Prozent auf 143,46 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,12 Prozent auf 168,14 Punkte.


Streit über Solarmodule als Anlageobjekte muss in die nächste Runde

KARLSRUHE: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einem Streit um Besitzrechte an einer Photovoltaikanlage in Bayern den Weg zu einer Entscheidung gewiesen, selbst aber kein abschließendes Urteil gefällt. Die Richterinnen und Richter in Karlsruhe verwiesen die vier beispielhaft verhandelten Fälle am Freitag zurück an die Oberlandesgerichte in München, Bamberg und Karlsruhe. Hintergrund ist, dass 65 Kapitalanlegerinnen und -anleger über eine inzwischen insolvente Dachgesellschaft insgesamt 5000 einzelne Solarmodule gekauft haben. Nun ist unklar, ob ihnen die Module weiter gehören oder der Insolvenzverwalter Zugriff hat. (Az. V ZR 225/19 u.a.)


Güterbahnen: Verlagerungspolitik auf die Schiene unzureichend

BERLIN: Die Güterkonkurrenten der Deutschen Bahn gehen nicht davon aus, dass in den kommenden Jahren deutlich mehr Güter als bisher auf der Schiene statt auf der Straße transportiert werden. In seinem aktuellen Wettbewerber-Report, den das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) am Freitag in Auszügen veröffentlichte, prognostiziert der Verband, dass sich der Güter-Anteil der Schiene von aktuell etwas mehr als 18,2 Prozent bis 2024 nicht verändern wird. Zwar hätten politische Maßnahmen wie die Ausweitung der Lkw-Maut sowie die Einführung einer CO2-Abgabe für fossile Kraftstoffe die Schiene gestärkt. Die Preiseffekte seien aber «bisher zu gering für relevante Verlagerungsimpulse zu gering», heißt es in der Broschüre.


Continental senkt Prognose wegen Chipmangels

HANNOVER: Beim Autozulieferer und Reifenhersteller Continental haben sich mit dem Teilemangel in der Autoindustrie die Aussichten nach dem dritten Quartal noch einmal eingetrübt. Weil sich die weltweite Autoproduktion in den vergangenen Monaten deutlich schwächer entwickelt hat als zuvor angenommen, rechnet Conti-Chef Nikolai Setzer in diesem Jahr nur noch mit 32,5 bis 33,5 Milliarden Euro Umsatz, wie der Dax-Konzern am Freitag in Hannover mitteilte. Bisher stand jeweils eine Milliarde Euro mehr im Plan.


Renault schätzt Produktionsausfall auf halbe Million Autos

BOULOGNE-BILLANCOURT: Der französische Autobauer Renault schätzt den Produktionsausfall wegen des Chipmangels in diesem Jahr noch deutlich stärker ein als bisher. Schätzungsweise 500.000 Fahrzeuge würden dieses Jahr nicht wie geplant vom Band rollen, teilte der Konzern am Freitag in Boulogne-Billancourt bei Paris mit. Im Juli war das Unternehmen noch von rund 200.000 fehlenden Autos ausgegangen. Allein im dritten Quartal habe der Produktionsverlust des Autobauers rund 170.000 Wagen betragen, hieß es vom Unternehmen. An Aufträgen fehlt es dem Konzern derweil nicht: Das Orderbuch sei Ende September so gefüllt gewesen wie seit 15 Jahren nicht.


Evergrande wendet Zahlungsausfall in letzter Minute ab

PEKING: Der hochverschuldete chinesische Immobilienkonzern Evergrande hat sich Medienberichten zufolge mit der Zahlung fälliger Zinsen für eine Anleihe etwas Luft verschafft. Wie die Finanzagentur Bloomberg und die chinesische Staatszeitung «Securities Times» übereinstimmend berichteten, wird Evergrande die 83,5 Millionen US-Dollar (rund 71,7 Millionen Euro) vor dem Verstreichen einer Frist am Samstag zahlen. Eigentlich war das Geld am 23. September fällig, jedoch galt eine Nachfrist von 30 Tagen. Evergrande gilt mit einem Schuldenberg von rund 300 Milliarden Dollar als das weltweit am höchsten verschuldete Immobilienunternehmen. Es muss dringend Geld auftreiben, um Banken, Zulieferer und Anleihengläubiger fristgerecht bezahlen zu können.


Post rechnet mit starkem Weihnachtsgeschäft - aber keinem Rekord

BONN: Im diesjährigen Weihnachtsgeschäft rechnet die Deutsche Post DHL nicht mit großen Sprüngen bei den Paketmengen. Nachdem es im vierten Quartal 2020 ein außergewöhnlich starkes Plus von fast einem Viertel (plus 23,3 Prozent) auf 498 Millionen Sendungen gegeben habe, werde man das hohe Vorjahresniveau halten und möglicherweise leicht übertreffen, sagte der für Post und Paket Deutschland zuständige Vorstand Tobias Meyer der Deutschen Presse-Agentur. «Wir erwarten wieder ein sehr starkes Weihnachtgeschäft, das aber nicht in der außergewöhnlichen Situation stattfindet wie 2020», sagte Meyer in Bonn. 2020 wurden stationäre Läden Mitte Dezember wegen Corona geschlossen, die Online-Bestellungen schnellten in die Höhe.


Türkische Lira auf Rekordtief - Zinssenkung wirkt nach

FRANKFURT/MAIN: Einen Tag nach der unerwartet starken Zinssenkung in der Türkei hat sich die Talfahrt der Landeswährung mit hohem Tempo fortgesetzt. Im Handel mit dem US-Dollar und mit dem Euro wurden am Freitag jeweils Rekordtiefstände erreicht. Für einen Dollar mussten zeitweise 9,66 Lira und für einen Euro 11,25 Lira gezahlt werden und damit so viel wie noch nie. Die Notenbank gab mit ihrer Zinssenkung offenbar dem Druck von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nach.

Seitdem am Donnerstag bekannt wurde, dass die türkische Notenbank den Leitzins trotz einer hohen Inflation um 2,0 Prozentpunkte auf 16,0 Prozent gesenkt hat, verlor die Lira im Handel mit dem Euro etwa 3,5 Prozent an Wert. Seit Beginn des Jahres beläuft sich der Wertverlust im Handel mit der europäischen Gemeinschaftswährung mittlerweile auf etwa 25 Prozent.

«Der Fall der türkischen Lira ist ein Paradebeispiel für verloren gegangenes Vertrauen der Finanzmärkte», kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank die jüngsten geldpolitischen Beschlüsse in Ankara. Anstatt den Abwertungen und der hohen Inflationsrate von knapp 20 Prozent mit Zinserhöhungen zu begegnen, hätten die Notenbanker die geldpolitischen Zügel gelockert. «Vertrauensbildende Maßnahmen sehen anders aus», sagte Gitzel.

Am Freitag hat die Notenbank von Russland völlig anders auf den starken Preisdruck im Land reagiert. Auch in Russland ist die Inflationsrate zuletzt gestiegen, wenngleich sie mit 7,4 Prozent bei weitem nicht so hoch ist wie die Teuerung in der Türkei. Die russischen Währungshüter haben am Freitagmittag mit einer unerwartet starken Erhöhung des Leitzinses reagiert und damit dem Kurs des Rubel im Handel mit dem Euro und dem Dollar Auftrieb verliehen.


Kreditkarten-Riese American Express steigert Gewinn kräftig

NEW YORK: Der US-Finanzkonzern American Express hat den Gewinn dank höherer Ausgaben seiner Kreditkartenkunden kräftig gesteigert. Im dritten Quartal verdiente das Unternehmen unterm Strich 1,8 Milliarden Dollar (1,6 Mrd Euro) und damit rund 70 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das teilte American Express am Freitag in New York mit. Die Erlöse wuchsen um ein Viertel auf 10,9 Milliarden Dollar. Das Vorjahresergebnis war allerdings stark von der Pandemie belastet.

Inzwischen hat sich die US-Wirtschaft weitgehend von der Krise erholt. Im vergangenen Quartal profitierte American Express nach eigenen Angaben besonders von höheren Ausgaben für Konsumgüter und Dienstleistungen. Zudem spielt dem Konzern das Comeback des Gastgewerbes und Reiseverkehrs in die Karten, da etwa bei Hotel- und Flugbuchungen besonders häufig Kreditkarten gezückt werden. Die Aktie reagierte vorbörslich mit Kursgewinnen auf den Geschäftsbericht.


NEW YORK/LONDON: Die Ölpreise haben am Freitag zugelegt.

Nach Kursverlusten im frühen Handel drehte sich die Stimmung, und die Notierungen schafften im Vormittagshandel den Sprung in die Gewinnzone. Die jüngste Gegenbewegung war damit von kurzer Dauer. Im Mittagshandel bewegten sich die Ölpreise wieder in Richtung mehrjähriger Höchststände, die im Verlauf der Woche erreicht worden waren. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 85,09 US-Dollar. Das waren 48 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI stieg um 33 Cent auf 82,83 Dollar.


Nudeln werden meist importiert - Gemischte Hartweizenernte

WIESBADEN: Wenn es um Nudeln geht, bleibt Deutschland ein Importland. 254.000 Tonnen der beliebten Teigwaren im Wert von 283,7 Millionen Euro wurden in den ersten acht Monaten dieses Jahres eingeführt, wie das Statistische Bundesamt am Freitag zum Weltnudeltag am 25. Oktober berichtete. Das bedeutete einen Rückgang um 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, der unter anderem von Hamsterkäufen im ersten Corona-Lockdown geprägt war. Auch die mit 40.400 Tonnen wesentlich kleineren Nudel-Exporte sind in den acht Monaten um 7,3 Prozent gesunken.

Der Großteil der eingeführten Nudeln stammt natürlich aus dem Pasta-Paradies Italien, mit einem Anteil von 86,2 Prozent an den Importen im Jahr 2020. Weitere Herkunftsländer waren Österreich (5,0 Prozent) und die Niederlande (2,5 Prozent). Die inländische Produktion legte im Krisenjahr 2020 deutlich um 18,3 Prozent auf 319.000 Tonnen zu, blieb damit aber noch immer unter dem Import, der 405.000 Tonnen (plus 5,9 Prozent) betrug. Besonders deutlich legten vegane Nudelsorten ohne Ei zu.

Die preislichen Aussichten für Nudelprodukte sind nach Einschätzung des Statistikamtes gemischt. Denn während hierzulande eine um 13,1 Prozent gestiegene Erntemenge des notwendigen Hartweizens erwartet wird, haben ungünstige Wetterbedingungen in den Hauptanbauländern zu Missernten geführt. In Kanada sei die Menge nach Schätzungen der dortigen Statistiker nahezu halbiert, so dass mit teureren Rohstoffen zu rechnen ist. Deutschland deckt seinen Bedarf an Hartweizen weitgehend (83 Prozent) mit Importen.


Ölpreise geben weiter nach - aber weiter auf hohem Niveau

SINGAPUR: Die Ölpreise sind am Freitag gesunken und haben damit die Verluste vom Vortag fortgesetzt. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 83,96 US-Dollar. Das waren 65 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 48 Cent auf 82,02 Dollar. Insgesamt bleiben die Preise aber auf einem hohen Niveau.

Die Aussicht, dass sich in China ein Zahlungsausfall des hochverschuldeten Immobilienkonzerns Evergrande möglicherweise vermeiden lässt, sorgte an den Aktienmärkten zwar für etwas mehr Risikofreude, konnte den Ölpreise aber vorerst keinen Auftrieb verleihen.

Am Ölmarkt bleiben die Angebotssorgen weiter das bestimmende Thema. Im Verlauf der Woche hatten die Ölpreise noch mehrjährige Höchststände erreicht, bevor am Vortag eine leichte Gegenbewegung bei den Notierungen einsetzte.


Bericht: Evergrande zahlt fällige Zinsen vor Ablauf von Frist

PEKING: Der hochverschuldete chinesische Immobilienkonzern Evergrande hat sich einem Medienbericht zufolge mit der Zahlung fälliger Zinsen für eine Anleihe etwas Luft verschafft. Wie die Finanzagentur Bloomberg am Freitag berichtete, wird Evergrande die 83,5 Millionen Dollar vor dem Verstreichen einer Frist am Samstag zahlen. Eigentlich war das Geld am 23. September fällig, jedoch galt eine Nachfrist von 30 Tagen. Hätte Evergrande das Geld nicht rechtzeitig aufbringen können, wäre ein formeller Zahlungsausfall die Folge gewesen.

Evergrande gilt als das weltweit am höchsten verschuldete Immobilienunternehmen. Es muss dringend Geld auftreiben, um Banken, Zulieferer und Anleihengläubiger fristgerecht bezahlen zu können. Der Konzern ist so groß, dass einige Experten eine «Ansteckungsgefahr» für Chinas Wirtschaft und darüber hinaus befürchten. In den kommenden Wochen und Monaten werden weitere Zinszahlungen für Anleihen fällig.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.