Nachrichten aus der Wirtschaft am Freitag

FAO Generaldirektor, der Chinese Qu Dongyu während des Fao Pre-Food Systems Summit in Rom. Foto: epa/Giuseppe Lami
FAO Generaldirektor, der Chinese Qu Dongyu während des Fao Pre-Food Systems Summit in Rom. Foto: epa/Giuseppe Lami

UN fordert von G20 mehr Agrar-Hilfen für Afghanistan und Haiti

FLORENZ: Die 20 wichtigsten Industrienationen der Welt sollen Afghanistan und Haiti nach dem Willen der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) mehr und schnellere Hilfen für den Wiederaufbau des dortigen Agrarsektors zukommen lassen. Das forderte FAO-Generaldirektor Qu Dongyu am Freitag in einer Rede als Gast des G20-Treffens der Vertreter der Landwirtschaftsministerien in Florenz.

Afghanistan war jüngst nach rund zwei Jahrzehnten Engagement westlicher Staaten wieder an die Taliban gefallen. Zugleich leidet das Land am Hindukusch an einer schlimmen Dürre und den Folgen der Corona-Pandemie. Die FAO hofft auf Spenden von 36 Millionen US-Dollar (rund 30,7 Mio Euro), um den Landwirten in Afghanistan zu helfen. Haiti war im August von einem verheerenden Erdbeben getroffen worden, Tausende Menschen auf der Karibikinsel verloren ihren Häuser.

FAO-Chef Qu hob bei dem Treffen in der Toskana, bei dem für die deutsche Regierung Staatssekretärin Beate Kasch dabei war, die generell wichtige Rolle der Landwirtschaft in den Krisenregionen der Welt hervor. Die Art, mit welcher ein Land seinen Agrar- und Lebensmittelsektor organisiere, «ist wichtig, um Ungleichheiten zu verkleinern, vor allem in ländlichen Gegenden», sagte Qu.

Italiens Landwirtschaftsminister Stefano Patuanelli hofft auf neue Technologien, durch die mehr Essen für mehr Menschen beschafft werden kann, ohne natürliche Ressourcen auszubeuten. «Es liegt an uns», sagte er. «Wir müssen daran glauben, wir müssen jetzt etwas tun. Worte sind nicht genug, Treffen sind nicht genug. Wir brauchen konkrete Maßnahmen der Regierungen.»


Unsicherheit über Konjunktur und Inflation bremst den Dax

FRANKFURT/MAIN: Nach einer durchwachsenen Börsenwoche hat sich der Dax auch am Freitag schwer getan. Am Nachmittag trat der Dax mit plus 0,01 Prozent bei 15.652,58 Punkten nahezu auf der Stelle. Auf Wochensicht steuert das Börsenbarometer damit aktuell auf ein recht dünnes Kursplus zu. Der MDax der 60 mittelgroßen Börsenwerte konnte sich am Freitag etwas besser behaupten als der Dax, hier stand zuletzt ein Plus von 0,30 Prozent auf 35.664,55 Zähler auf der Kurstafel. Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 rückte um 0,19 Prozent auf 4177,83 Punkte vor. Der Euro stieg und wurde am Freitag zuletzt mit 1,1776 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,1763 Dollar festgesetzt.


Luftverschmutzung: Schornsteine müssen künftig höher gebaut werden

BERLIN: Schornsteine müssen künftig höher gebaut werden, um die Luft in der direkten Wohnumgebung weniger zu belasten. Das geht aus einem Beschluss der Bundesregierung hervor, den der Bundesrat an diesem Freitag abgesegnet hat. Ziel der geänderten Verordnung ist es, im Umfeld von Anlagen wie Pelletheizungen, Kachelöfen und Kaminen die Belastung der Außenluft mit gesundheitsgefährdenden Luftschadstoffen zu reduzieren. Zu diesem Zweck soll die Öffnung neu errichteter Schornsteine künftig am Dachfirst, dem höchsten Punkt des Hauses, angebracht werden. Diesen Punkt muss der Schornstein außerdem um mindestens 40 Zentimeter überragen. Schadstoffe sollen so direkt in die freie Luftströmung gelangen, damit sie sich in dicht besiedelten Gebieten nicht zwischen Häusern sammeln.


Nach Tarifkompromiss - GDL-Chef Weselsky hofft auf Mitgliederzuwachs

BERLIN: Nach dem Ende des monatelangen Tarifkonflikts bei der Deutschen Bahn hofft der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, auf neue Mitglieder für die GDL. Die Eisenbahner wüssten jetzt, «dass wir für sie mehr Einkommen als vorher errungen und ihre Betriebsrente verteidigt haben. Das werden sie hoffentlich honorieren mit Beitritt in die GDL», sagte Weselsky der «Rheinischen Post» (Freitag). Mit Blick auf die drei Streikwellen sagte der Gewerkschaftschef: «Wir haben bewiesen, dass wir es können.» Er akzeptiere «kein Bashing» gegen eine Gewerkschaft, die für ihre Mitglieder Tarifverträge aushandeln wolle. Am Donnerstag hatten Bahn und GDL bekanntgegeben, einen Kompromiss im Tarifkonflikt gefunden zu haben. Vereinbart wurden Tariferhöhungen von insgesamt 3,3 Prozent sowie Einmalzahlungen.


Milliarden-Wohnungsgeschäft in Berlin unter Dach und Fach

BERLIN: Nach monatelangen Verhandlungen ist ein milliardenschweres Geschäft zur Kommunalisierung von Wohnungen in Berlin unter Dach und Fach. Drei landeseigene Gesellschaften kaufen den Konzernen Vonovia und Deutsche Wohnen 14.750 Wohnungen sowie 450 Gewerbeeinheiten ab und zahlen dafür 2,46 Milliarden Euro. Das gaben alle Beteiligten am Freitag bekannt. Das Geschäft gilt als größtes dieser Art seit langem in der Hauptstadt. Der Berliner Senat verfolgt das Ziel, durch Neubau und Ankäufe den kommunalen Wohnungsbestand zu erweitern. Er hofft so, mehr Einfluss auf den angespannten Wohnungsmarkt zu haben und den Anstieg der Mieten bremsen zu können. Beide Konzerne, die zusammengehen wollen, stoßen bei dem Deal rund zehn Prozent ihrer Bestände in Berlin ab.


Jeder Zweite investiert an der Börse - Unwissen über Dax-Erweiterung

FRANKFURT/MAIN: Aktien und Fonds sind für immer mehr Sparer in Deutschland kein rotes Tuch mehr. Fast die Hälfte der Befragten (rund 47 Prozent) gab in einer Umfrage des Vergleichsportals Verivox an, dass sie derzeit Geld an der Börse angelegt haben. In einer früheren Erhebung im Oktober vergangenen Jahres sagten dies 35 Prozent, zu Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 waren es noch 30 Prozent. Auch andere Umfragen bestätigen den Aufwärtstrend. Allerdings haben der Verivox-Erhebung zufolge die wenigsten Anleger eine realistische Vorstellung davon, was langfristig etwa bei einem Investment in den Deutschen Aktienindex herausspringen kann. Nicht einmal jeder Dritte (rund 30 Prozent) schätze die Rendite-Chancen realistisch ein


BGH vor Grundsatzurteil zur Sanierung von Schrottimmobilien

KARLSRUHE: Selbst eine völlig heruntergekommene Immobilie muss aller Voraussicht nach von der Eigentümergemeinschaft saniert werden, wenn sonst die weitere Nutzung unmöglich wäre. Auf dieses Urteil steuert der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Streit aus Augsburg zu. Laut Gesetz entfällt zwar die Sanierungspflicht, wenn ein Gebäude «zu mehr als der Hälfte seines Wertes zerstört» ist. Damit dürften aber nur echte Zerstörungen durch Feuer oder Überflutung gemeint sein, wie die Vorsitzende Richterin Christina Stresemann in der Karlsruher Verhandlung am Freitag sagte - und kein Verfall. Die endgültige Entscheidung soll am 15. Oktober verkündet werden. (Az. V ZR 225/20) In dem Augsburger Streit geht es um ein baufälliges Parkhaus, aber dieser Fall ist eher speziell. «Alles, was wir hier an Grundsätzen aufstellen, wird auch für Wohnungen gelten», sagte Stresemann.


Beschäftigte legen Arbeit nieder - Warnstreik bei Airbus und Aerotec

HAMBURG: Wegen der geplanten Umstrukturierung bei Airbus Operations und Premium Aerotec sind am Freitag in ganz Deutschland mehrere Tausend Beschäftigte in einen knapp eintägigen Warnstreik getreten. Bis zum Nachmittag hätten bereits mehr als 10.000 Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt und sich an Kundgebungen beteiligt, teilte die IG Metall mit. Im Laufe des Tages und in der Nacht sollten weitere Arbeitsniederlegungen folgen. Betroffen waren demnach die Standorte des Flugzeugbauers in Hamburg, Stade, Bremen und Buxtehude. Bei der Airbus-Tochter Premium Aerotec streikten den Angaben zufolge Beschäftigte in Augsburg, Bremen, Varel und Nordenham. «Gemeinsam mit den Beschäftigten an allen Standorten von Airbus und Premium Aerotec haben wir deutlich gemacht: Wir lassen uns nicht spalten», sagte der IG-Metall-Bezirksleiter Daniel Friedrich.


In Ladesäulen für E-Autos werden Kartenlesegeräte Pflicht

BERLIN: Fahrer von Elektroautos müssen künftig die Möglichkeit haben, an Ladesäulen mit Debit- oder Kreditkarte zu zahlen. Der Bundesrat stimmte am Freitag einer entsprechenden Verordnung der Bundesregierung zu. Demnach müssen ab Juli 2023 verpflichtend Kartenlesegeräte in neue Ladesäulen eingebaut werden. Ältere Modelle müssen nicht umgerüstet werden. Die Auto- und die Energiebranche hatten diese Pflicht zuvor als veraltet kritisiert und wollten verstärkt auf Bezahlung per App und andere digitale Modelle setzen. Banken, Städte und Gemeinden dagegen kritisierten, das derzeitige «Bezahlchaos» bremse die E-Mobilität aus. Derzeit gibt es an den mehr als 46.000 öffentlichen Ladesäulen in Deutschland kein einheitliches Bezahlsystem, sondern hunderte Betreiber, Vertragsmodelle und Tarife.


EU-Abgeordnete verdächtigen Gazprom der Marktmanipulation

BRÜSSEL: Mehrere Dutzend EU-Abgeordnete wittern angesichts hoher Energiepreise eine mögliche Marktmanipulation des russischen Gaskonzerns Gazprom. Die Abgeordneten kritisieren unter anderem, Gazprom habe sich geweigert, Gaslieferungen durch bereits existierende Pipelines zu buchen und seine Produktion gedrosselt. Dies lasse vermuten, «dass der Rekordanstieg der Erdgaspreise in Europa in den letzten Wochen ein direktes Ergebnis der bewussten Marktmanipulation und der Maßnahmen von Gazprom sein könnte», heißt es in dem auf Donnerstag datierten Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Darin wird die Kommission aufgefordert, eine Untersuchung einzuleiten. Die Brüsseler Behörde bestätigte den Eingang des Briefs am Freitag. Die Abgeordneten sehen auch einen Zusammenhang zu der umstrittenen Pipeline Nord Stream 2, über die russisches Gas nach Deutschland geleitet werden soll.

Der Kreml hatte zuletzt zurückgewiesen, dass Russland irgendetwas mit dem derzeitigen Preisanstieg zu tun habe. Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte zudem erklärt, eine Entspannung auf dem Gasmarkt nach der Inbetriebnahme von Nord Stream 2 zu erwarten. Gazprom-Chef Alexej Miller sagte am Freitag der Staatsagentur Tass zufolge, europäische Gasspeicher seien wegen des vergangenen kalten Winters und Frühlings leerer als sonst: Damals sei mehr Gas verbraucht worden als gewöhnlich und es habe erst später mit der Wieder-Befüllung begonnen werden können. Das wirke sich auch auf die Preise aus.

Das EU-Schreiben wurde auch von dem CDU-Abgeordneten Michael Gahler und dem Grünen-Europaparlamentarier Reinhard Bütikofer unterschrieben. Gahler teilte mit, ein Zusammenhang zwischen Tätigkeiten Gazproms und der schnellen Inbetriebnahme von Nord Stream 2 erscheint «nicht weit hergeholt». Die Kommission solle den Vorwürfen nachgehen. Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte, man habe die Lage auf dem Energiemarkt genau im Blick. Nord Stream 2 müsse transparent und diskriminierungsfrei betrieben werden.


OECD-Chef fordert mehr Gelder für Klimaschutz in ärmeren Ländern

PARIS: Für den internationalen Klimaschutz hat der Generalsekretär der Industriestaaten-Organisation OECD reiche Länder aufgefordert, mehr Geld für ärmere Nationen locker zu machen. «Es ist dringender denn je, dass entwickelte Länder ihre Bemühungen, Gelder für Klimamaßnahmen in Entwicklungsländern bereitzustellen, verstärken», sagte Mathias Cormann am Freitag in Paris. Arme und gefährdete Länder müssten dabei unterstützt werden, sich für die Folgen des Klimawandels zu wappnen. Einer aktuellen Analyse der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge, beliefen sich entsprechende Ausgaben der Industriestaaten 2019 auf etwa 79,6 Milliarden US-Dollar (67,6 Milliarden Euro).

Wohlhabende Länder hatten sich im Rahmen der UN-Klimarahmenkonvention zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaschutz in ärmeren Ländern auszugeben. Zwar gebe es noch keine Zahlen zu 2020, es sei aber klar, dass das Ziel nicht erreicht werde, sagte Cormann. Kanada und Deutschland bemühten sich nun aber darum, die fehlenden Gelder zusammen zu bekommen. Den leichten Anstieg der Ausgaben von 2018 auf 2019 um 2 Prozent nannte er enttäuschend.


Geschöntes Länder-Ranking bringt IWF-Chefin Georgieva unter Druck

WASHINGTON: Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgieva, muss sich wegen angeblicher Einflussnahme zugunsten Chinas bei einem wichtigen Länderbericht rechtfertigen. Konkret geht es um Unregelmäßigkeiten im «Doing Business»-Ranking der Weltbank, wo Georgieva vor ihrer Zeit beim IWF als Generaldirektorin tätig war. Eine am Donnerstag (Ortszeit) in Washington veröffentlichte Untersuchung der Weltbank ergab, dass die frühere Führung um Georgieva für die Rangliste zuständige Forscher unter Druck gesetzt habe, um Vorteile für China zu erreichen.

Georgieva wies die Vorwürfe in einer kurzen Stellungnahme zurück und erklärte, mit den Ergebnissen und Schlussfolgerungen der Untersuchung nicht einverstanden zu sein. Die Weltbank hatte die im Zentrum des Konflikts stehende «Doing Business»-Liste für 2018 nachträglich korrigiert und China dabei um sieben Plätze auf Rang 85 herabgestuft. Die Weltbank teilte nun mit, das Geschäftsklima-Ranking abzuschaffen. Unstimmigkeiten gab es beim Bericht für 2020 auch bei den Daten von Saudi-Arabien, Aserbaidschan und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das hatte die Weltbank selbst bereits im Dezember eingeräumt.


Sewing entschuldigt sich für scharfe Kritik in Studie seines Hauses

FRANKFURT/MAIN: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat sich Finanzkreisen zufolge persönlich bei den Spitzen von Bundesfinanzministerium und Bafin für scharfe Kritik eines Analysten seines Hauses entschuldigt. Ein entsprechender Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg wurde am Freitag in Finanzkreisen bestätigt. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte sich nicht äußern.

Deutschlands größtes Geldhaus hatte sich am Mittwoch öffentlich von einer mit Kritik an Politik und Aufsicht gespickten Studie von Deutsche Bank Research distanziert - insbesondere «von der in Inhalt und Form unangemessenen Kritik an Aufsichtsbehörden und politischen Entscheidungsträgern, die in der Studie zum Ausdruck kam».

Die Analyse mit dem Titel «Reformagenda für den Finanzplatz Deutschland. Viel Luft nach oben, dringender Handlungsbedarf» ist inzwischen nicht mehr im Webangebot der Deutschen Bank abrufbar. In der Ausarbeitung kritisiert der Autor unter anderem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin): «Die Erfahrungen der letzten Jahre waren für Deutschland schlichtweg peinlich, die hiesige Finanzaufsicht dürfte sowohl bei ihren internationalen Pendants als auch bei den Finanzinstituten einen gravierenden Imageverlust erlitten haben und teilweise kaum noch ernst genommen werden.»

Der Finanzplatz Deutschland verharre «seit vielen Jahren strukturell im Dornröschenschlaf», schreibt der Autor. Die «Liste der Defizite und Fehlschläge» sei sehr lang. Der Analyst stellt eine «faktische Verweigerung der Entscheidungsträger in der Politik, das Siechtum des Finanzplatzes überhaupt zur Kenntnis zu nehmen» fest und folgert: Weltweit habe kein einziges größeres Land «seine Bankenbranche derart vernachlässigt und ihrer Verzwergung tatenlos zugesehen wie Deutschland».


Wales führt Nachweispflicht über Test oder Impfung für Nachtclubs ein

CARDIFF: Nachtschwärmer im britischen Landesteil Wales müssen künftig vor Betreten von Nachtclubs und größeren Events einen Corona-Impf- oder Testnachweis vorlegen. Das teilte der walisische Regierungschef Mark Drakeford am Freitag mit. Angesichts hoher Fallzahlen in dem Landesteil mit rund 3,1 Millionen Einwohnern rief der Labour-Politiker die Menschen auch dazu auf, wenn möglich von zu Hause aus zu arbeiten.

Die Regel tritt vom 11. Oktober an in Kraft und gilt für alle Erwachsenen. «Das letzte was wir wollen, sind weitere Lockdowns, und dass Geschäfte ihre Türen wieder schließen müssen», sagte Drakeford der Mitteilung zufolge. Deswegen müssten nun kleine, aber bedeutungsvolle Maßnahmen ergriffen werden, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen.

Für Corona-Maßnahmen sind in Großbritannien die einzelnen Landesteile zuständig. Für England entscheidet die Zentralregierung in London. Premierminister Boris Johnson hatte sich in dieser Woche weitere Maßnahmen wie Impfpässe für Nachtclubs und Großveranstaltungen zunächst nur als «Plan B» vorbehalten.


Nancy Pelosi knüpft Handelsvertrag mit Großbritannien an Bedingung

LONDON: Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, hat die Aussicht auf einen Handelsvertrags ihres Landes mit Großbritannien an eine Lösung des Streits um Brexit-Regeln in Nordirland geknüpft. «Es muss eine Einigung geben», sagte Pelosi am Freitag bei einem Besuch im Londoner Chatham House. Die demokratische Politikerin betonte dabei die Bedeutung des 1998 geschlossenen Karfreitagsabkommens, das den Frieden in der ehemaligen Bürgerkriegsregion sichern soll.

«Wenn das Karfreitagsabkommen ausgehebelt werden sollte, ist es sehr unwahrscheinlich, dass es einen Handelsvertrag zwischen Großbritannien und den USA geben wird», sagte Pelosi.

Derzeit streiten sich Großbritannien und die EU um die Umsetzung des sogenannten Nordirland-Protokolls, das Sonderregeln für die britische Provinz nach dem Brexit vorsieht. Nordirland folgt demnach weiter den Regeln des EU-Binnenmarkts, damit die Grenze zwischen Nordirland und Irland weiterhin offen bleibt. Dadurch sind jedoch Kontrollen in der Irischen See fällig, was in Teilen der Gesellschaft in Nordirland für Frustration sorgt.

Auch US-Präsident Joe Biden, der selbst unter anderem irische Wurzeln hat, hat bereits mehrfach die Notwendigkeit einer Einigung in der Nordirland-Frage betont. Großbritannien setzt nach dem Brexit große Hoffnungen auf einen Handelsvertrag mit den USA.


Inflation in Eurozone steigt auf höchsten Stand seit fast zehn Jahren

LUXEMBURG: Die Inflation im Euroraum hat im August deutlich zugelegt und den höchsten Stand seit fast zehn Jahren erreicht. Die Verbraucherpreise seien gegenüber dem Vorjahr um 3,0 Prozent gestiegen, teilte das Statistikamt Eurostat am Freitag in Luxemburg laut einer zweiten Schätzung mit. Damit wurde eine erste Schätzung bestätigt. Es ist die höchste Inflationsrate seit November 2011. Im Juli hatte die Rate noch bei 2,2 Prozent gelegen.

Besonders stark verteuerte sich im August erneut Energie, die 15,4 Prozent teurer war als ein Jahr zuvor. Preise für Industriegüter stiegen um 2,6 Prozent. Lebens- und Genussmittel kosteten 2,0 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dienstleistungen waren 1,1 Prozent teurer.

Die Kernteuerungsrate ohne Energie und Lebensmittel stieg ebenfalls deutlich. Sie erhöhte sich von 0,7 Prozent auf 1,6 Prozent. Die Kerninflation gilt vielen Ökonomen als zuverlässigere Messgröße für die Teuerung, da sie in der Regel weniger stark schwankt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an. Diese Rate wird gegenwärtig klar überschritten. Allerdings will die EZB nicht gegensteuern, weil sie den Inflationsanstieg als temporär erachtet. Sie verweist auf zahlreiche Sondereffekte, die überwiegend auf die Corona-Krise zurückgehen.


Spanier übernehmen Plasma-Spezialisten Biotest

BARCELONA/DREIEICH: Der spanische Medizinkonzern Grifols hat die Mehrheit am hessischen Arzneimittelhersteller Biotest übernommen. Der Blutplasma-Spezialist aus Dreieich bei Frankfurt gehörte zuvor dem Finanzinvestor Tiancheng aus Hongkong, der seine deutsche Pharmaceutical Holding für 1,1 Milliarden Euro an die Spanier abgegeben hat. Das gab Grifols am Freitag in Barcelona bekannt. Biotest beschäftigt weltweit mehr als 1900 Menschen und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 484 Millionen Euro.

Grifols ist damit vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen neuer Eigentümer von knapp 90 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien und 1 Prozent der Vorzugsaktien von Biotest, die im Prime Standard der Deutschen Börse gehandelt werden. Den übrigen Aktionären machte Grifols ein Kaufangebot von 43 Euro pro Stammaktie und 37 Euro pro Vorzugsaktie.

Mit dem Erwerb werde Grifols sein globales Angebot an Plasma-Therapien erweitern. Die Transaktion biete die einmalige Chance, das europäische Innovationszentrum zu fördern und mit einem hervorragenden deutschen Unternehmen zusammenzuarbeiten, das für seine Expertise in der klinischen Entwicklung bekannt sei, erklärte Grifols-Manager Víctor Grífols Deu in einer Mitteilung. Umsätze und Gewinnmargen sollen ab 2023 deutlich steigen.


London streicht EU-Vorschriften: Rückkehr von Pfund und Unze nahe

LONDON: Alte Maßeinheit, neue Maßeinheit: Als Folge des Brexits hat Großbritannien zahlreiche EU-Vorschriften gestrichen und damit die Rückkehr zu Warenauszeichnungen mit Pfund und Unze geebnet. Die Regierung von Premierminister Boris Johnson kündigte an, das imperiale System für Gewichte und Maße wiedereinzuführen, wie die Zeitung «The Times» am Freitag berichtete. Damit dürfen Geschäfte künftig ihre Waren nur noch in Pfund und Unze auszeichnen - unter EU-Regeln war das nur erlaubt, wenn zugleich das Gewicht in Kilogramm angegeben war. Brexit-Befürwortern war das Verbot ein Dorn im Auge, sie feiern jetzt die Rückkehr zu englischen Traditionen.

Ebenfalls erlaubt ist nun wieder, auf Pint-Gläsern die königliche Krone zu drucken. Als «Crown Stamp» zeigte das Symbol jahrhundertelang das korrekte Eichmaß der Gefäße an. 2007 eingeführte EU-Regeln, an die sich das damalige EU-Mitglied Großbritannien halten musste, ersetzte die Krone durch das einheitliche CE-Zeichen.

Die Rückkehr zu den alten Bezeichnungen und Symbolen gilt als demonstrativer Schritt, um sich von der EU weiter abzugrenzen. Starre EU-Regeln, die keine Rücksicht auf britische Traditionen nahmen, waren in der emotionalen Debatte über den EU-Austritt ein wichtiges Argument der Brexit-Befürworter.

Johnson hatte angekündigt, mit dem Brexit erhalte Großbritannien seine Souveränität zurück. Kritiker der Maßnahme betonen, dass die Rückkehr zum alten System für große Verwirrung sorgen dürfte, da fast alle unter 40-Jährigen nicht mehr gewohnt sind, in Pfund und Unze zu rechnen. Distanzen dagegen wurden auch zu EU-Zeiten stets in Meilen statt in Kilometern angegeben.


Ölpreise geben leicht nach - Niveau bleibt aber weiterhin hoch

SINGAPUR: Die Ölpreise haben am Freitag im frühen Handel leicht nachgegeben. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 75,53 US-Dollar. Das waren 14 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel in ähnlichem Ausmaß auf 72,47 Dollar. Trotz der leichten Verluste rangieren die Ölpreise in der Nähe ihrer höchsten Stände seit Anfang August.

Belastet wurden die Ölnotierungen zuletzt durch den steigenden Dollar, der Erdöl für viele Investoren verteuert und so deren Nachfrage dämpft. Rohöl wird international in Dollar gehandelt, weshalb Wechselkurseffekte häufig von großer Bedeutung sind.

Preisliche Unterstützung kommt dagegen von der Angebotsseite: Weil im Golf von Mexiko wegen der Nachwirkungen des Hurrikans Ida immer noch zahlreiche Förderplattformen brach liegen, hinkt die US-Produktion der Nachfrage hinterher. Selbst das steigende Angebot des Ölverbunds Opec+ kann den Mangel nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) derzeit nicht ausgleichen.


Euro weiter klar unter 1,18 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Freitag weiter unter der Marke von 1,18 US-Dollar notiert. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1775 Dollar und damit in etwa so viel wie am späten Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,1763 Dollar festgesetzt.

Zum Wochenausklang stehen nur wenige Konjunkturdaten mit größerer Bedeutung auf dem Programm. Zwar werden aus der Eurozone Inflationsdaten erwartet, allerdings handelt es sich lediglich um eine zweite Schätzung. Für Interesse dürfte am Nachmittag die Verbraucherumfrage der Uni Michigan sorgen, die Auskunft über die Stimmung der US-Konsumenten gibt. Ranghohe Notenbanker äußern sich vor dem Wochenende nur wenige.

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