Nachrichten aus der Wirtschaft am Freitag

Nikolas Maduro Guerra spricht während eines Interviews in Caracas. Foto: epa/Miguel Gutierrez
Nikolas Maduro Guerra spricht während eines Interviews in Caracas. Foto: epa/Miguel Gutierrez

Präsident Maduro will Investoren nach Venezuela locken

CARACAS: Trotz der internationalen Isolation und der Sanktionen der USA und der EU gegen Venezuela will Präsident Nicolás Maduro neue Investoren in das südamerikanische Land locken. «Venezuela wird ein Land der Möglichkeiten für Investments», sagte der Staatschef in einem am Freitag ausgestrahlten Interview des Fernsehsenders Bloomberg TV. Er sehe großes Potenzial im Tourismus, dem Ölbranche, der Schwerindustrie und im Bergbau.

Das einst reiche Venezuela steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise. Für dieses Jahr rechnet der Internationale Währungsfonds mit einer Inflationsrate von 5500 Prozent und einem Rückgang der Wirtschaftskraft um zehn Prozent. Die Ölförderung im Land mit den größten Reserven der Welt ist auf den niedrigsten Stand seit mindestens 80 Jahren gesunken. Angesichts der humanitären Krise haben Millionen Venezolaner ihre Heimat verlassen.

Auch in den Beziehungen zu den USA hofft Maduro mit Präsident Joe Biden auf einen Neuanfang. «Das Weiße Haus sollte aufhören, Venezuela zu dämonisieren», sagte der Staatschef in dem rund eineinhalbstündigen Interview. «Wir wollen wieder zum Dialog und zum gegenseitigen Respekt zurückkehren und eine Beziehung der Kooperation mit den Vereinigten Staaten aufbauen.»


Dax fällt am großen Verfallstag

FRANKFURT/MAIN: Der Dax ist am sogenannten großen Verfallstag unter Druck geraten. Der deutsche Leitindex sackte nach einem verhaltenen Start bis zum frühen Nachmittag um 1,33 Prozent auf 15.517,80 Punkte ab. Zur Mittagszeit waren an den Terminbörsen Kontrakte auf Indizes ausgelaufen. Gegen Handelsschluss dann verfallen Optionen und Futures auf einzelne Aktien.


Gerichte streiten über Wirecard-Klagewelle gegen EY

STUTTGART/MÜNCHEN: Ein Jahr nach der Pleite des Skandalkonzerns Wirecard streiten die Landgerichte München und Stuttgart um die Zuständigkeit für eine Welle mehrerer hundert Schadenersatzklagen. Das Landgericht Stuttgart hat an die 140 im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal stehende Klagen gegen den Wirtschaftsprüfer EY an das Landgericht München I verwiesen. In München sind damit etwa 400 Wirecard-Zivilklagen anhängig. Doch wollen die Münchner nicht allein auf diesem Berg von Verfahren sitzen bleiben.


Verdi fordert 4,5 Prozent mehr Geld für Bankangestellte

BERLIN/FRANKFURT: Verdi geht mit der Forderung nach jeweils 4,5 Prozent mehr Geld in die getrennten Tarifverhandlungen für die öffentlichen und privaten Banken in Deutschland. Außerdem will die Gewerkschaft erreichen, dass Beschäftigte bis zu 60 Prozent ihrer Arbeitszeit mobil arbeiten dürfen, zum Beispiel vom heimischen Schreibtisch aus. Die Gewerkschaft strebt einen neuen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von zwölf Monaten an.


Bundesnetzagentur will Renditen der Netzbetreiber kürzen

BONN: Die Bundesnetzagentur will den Betreibern der Strom- und Gasnetze in Deutschland die Renditen auf ihr eingesetztes Kapital kürzen. Der Eigenkapitalzins für neue Investitionen soll in der nächsten Regulierungsperiode von derzeit 6,9 auf knapp 4,6 Prozent sinken, wie aus einem Schreiben von Netzagentur-Chef Jochen Homann an den Beirat der Behörde hervorgeht.


Merkel: Luftverkehr schnell auf erneuerbare Energiequellen umstellen

BERLIN: Für mehr Klimaschutz beim Reisen muss der Luftverkehr aus Sicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel so schnell wie möglich auf erneuerbare Energiequellen umsteigen. Erforderlich sei eine «disruptive Erneuerung», sagte Merkel bei der Nationalen Luftfahrtkonferenz. «Und das nicht irgendwann, sondern so schnell wie möglich, weil ja die Produktzyklen in der Luftfahrtindustrie sehr lang sind.»


Bundesländer fordern Fortsetzung von Corona-Hilfen für Firmen

DÜSSELDORF: Bei den Corona-Hilfen für Firmen, die besonders hart von der Pandemie getroffen sind, deutet sich eine Verlängerung an. Die Wirtschaftsminister der Bundesländer forderten, die bisher bis Ende September geplanten Finanzmittel bis zum Jahresende fortzusetzen. Die bisherige «Überbrückungshilfe III» zahlt der Bund. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier machte klar, dass er einer Verlängerung nicht abgeneigt ist. Man werde sich die Situation anschauen und die Hilfe gegebenenfalls nach der Sommerpause verlängern.


Altmaier: EU beschließt verlängerte Hilfen für Stahlindustrie

BRÜSSEL/BERLIN: EU-Schutzmaßnahmen gegen Stahlimporte sollen laut Bundeswirtschaftsministerium drei Jahre länger bestehen bleiben. Die EU-Kommission betonte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Freitag, dass der Prozess zwar noch nicht komplett abgeschlossen sei, die EU-Länder aber eine Verlängerung der Maßnahmen unterstützten. Die Kommission rechnet mit einer offiziellen Entscheidung bis Ende des Monats.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums können die zum Schutz der heimischen Industrie eingeführten Regelungen bis zum 30. Juni 2024 verlängert werden. Die Maßnahmen waren eingeführt worden, nachdem die USA 2018 Handelsbeschränkungen für Stahlerzeugnisse eingeführt hatte und man einen weiteren Anstieg von Importen nach Europa befürchtete. In der Mitteilung des Wirtschaftsministeriums heißt es, die Verlängerung bis 2024 sei «angesichts der nach wie vor bestehenden Überkapazitäten auf dem Weltmarkt» unumgänglich.

«Es ist sehr gut gelaufen und es ist gerade für die Stahlkocher bei Thyssenkrupp und Saarstahl eine wichtige und gute Nachricht», sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl begrüßte die Entwicklung. Gerade mit Blick auf die bevorstehende Transformation zu einer umweltverträglicheren Stahlproduktion seien die Maßnahmen erforderlich.


EZB verlängert Ausnahmeregelung für Verschuldungsquote von Banken

FRANKFURT/MAIN: Die Europäische Zentralbank (EZB) wird den Geschäftsbanken in der Corona-Krise weiter unter die Arme greifen. Eine bereits im vergangenen Jahr eingeführte Ausnahmeregelung bei der Verschuldungsquote wird um weitere neun Monate verlängert werden, wie die EZB am Freitag mitteilte. Die Entlastung, die eigentlich Ende Juni auslaufen sollte, hat damit eine Laufzeit bis zum März 2022.

Mit der Verlängerung können Banken auch in den kommenden Monaten bei der Berechnung der Verschuldungsquote bestimmte Vermögenswerte wie Einlagen bei der Zentralbank auszunehmen. Das ermöglicht ihnen eine höhere Quote.

Mit Hilfe der Maßnahme können Banken ihre Finanzreserven stärker für neue Geschäfte einzusetzen. Die EZB beaufsichtigt seit November 2014 die größten Banken und Bankengruppen im Euroraum.


Britische Lebensmittelexporte in die EU nach Brexit stark gesunken

LONDON: Die britischen Lebensmittelexporte in die EU sind nach dem Brexit deutlich gesunken. In den ersten drei Monaten des Jahres sanken die Exportumsätze um fast die Hälfte (47 Prozent) auf rund 1,7 Milliarden Pfund (knapp zwei Mrd Euro), wie die britische Food and Drink Federation am Freitag mitteilte.

Schaut man noch ein Jahr weiter zurück, liegt der Rückgang der Exporte nach Europa sogar bei 55 Prozent. «Der Verlust von zwei Milliarden Pfund an Exporten in die EU ist ein Desaster für unsere Branche», sagte der internationalen Handelschef des Verbandes, Dominic Goudie. «Es ist ein klares Anzeichen für das Ausmaß der Verluste, mit denen britische Hersteller langfristig wegen neuer Handelshürden in der EU konfrontiert sind.»

Am härtesten traf es die Hersteller von Milchprodukten, deren Exporte um 90 Prozent zurückgingen. Bei den Käse-Exporten in die EU lag der Rückgang bei zwei Dritteln.

Zum Jahreswechsel hat Großbritannien den EU-Binnenmarkt und die Zollunion endgültig verlassen. Zuvor galt noch eine Brexit-Übergangsphase, in der weitgehend die gleichen Regeln galten wie zuvor. Zwar einigten sich London und Brüssel wenige Tage vor Ablauf der Frist noch auf einen gemeinsamen Handelspakt, der Zölle weitgehend vermeidet. Allerdings ist der Handel durch Kontrollen und Formalitäten trotzdem deutlich aufwändiger geworden.


Corona-Hilfen: Luxemburg hat grünes Licht für Aufbauplan

LUXEMBURG: Auch Luxemburg hat grünes Licht der EU-Kommission für seine Pläne zur Verwendung der europäischen Corona-Hilfen bekommen. Der Aufbauplan umfasse 93 Millionen Euro und lege großes Gewicht auf den grünen Wandel der Wirtschaft, teilte Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Freitag mit. Sie ist auf Europatour, um die ersten Bescheide für Hilfen aus dem 750 Milliarden Euro schweren Aufbauprogramm zu verteilen. Vor Luxemburg hatten seit Mittwoch bereits Portugal, Spanien, Griechenland und Dänemark ihre Bewilligung bekommen.

Die Hilfen aus dem Aufbaufonds RRF sollen dazu beitragen, die europäische Wirtschaft nach dem tiefen Einbruch während der Pandemie wieder flott zu bekommen und zugleich zu modernisieren. Die 27 EU-Staaten mussten dafür detaillierte Pläne vorlegen und mindestens 37 Prozent der Mittel für klimafreundliche und 20 Prozent für digitale Projekte einplanen.


Österreich fordert Abbau der Schulden in Europa nach der Pandemie

LUXEMBURG: Österreich stemmt sich gegen eine dauerhafte Aufweichung der europäischen Schulden- und Defizitregeln und sucht dafür Verbündete unter den EU-Staaten. «Wir wollen, dass die aktuellen Ausnahmen, so wie die Krise, temporär sind», sagte Finanzminister Gernot Blümel am Freitag am Rande der Beratungen mit seinen EU-Kollegen in Luxemburg. «Europa muss langfristig wieder zurück zu Stabilität und zu einer soliden Budgetpolitik.»

Der sogenannte Stabiliäts- und Wachstumspakt sieht vor, dass das jährliche Haushaltsdefizit nicht über drei Prozent und die Staatsverschuldung insgesamt nicht über 60 Prozent liegen darf, jeweils gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Diese Regeln wurden jedoch zu Beginn der Pandemie 2020 ausgesetzt, um den Staaten freie Hand bei der Unterstützung ihrer Wirtschaft zu geben. Diese «Allgemeine Ausweichklausel» gilt auch dieses und nächstes Jahr noch.

Nun wird diskutiert, ob und wie die Regeln wieder in Kraft gesetzt oder verändert werden. Denn vor allem die Schuldengrenze von 60 Prozent scheint für viele Staaten außer Reichweite. Im Schnitt der 27 EU-Staaten erreicht die Verschuldung in diesem Jahr laut Projektion der EU-Kommission bei 94 Prozent, in den 19 Staaten der Eurozone sogar 102 Prozent. Sieben EU-Staaten bleiben diesen Berechnungen zufolge vorerst über 100 Prozent, darunter die großen Volkswirtschaften Frankreich und Italien.

Blümel betonte: «Die aktuelle Überschuldung darf nicht der Normalzustand sein und wäre auch ein falsches Signal an die Finanzmärkte.» Er arbeite an einer «Allianz der Verantwortung». Ziel sei, die Verschuldung mittel- und langfristig zu senken, um für etwaige weitere Krisen vorzusorgen. Das Thema stand auf der Tagesordnung der Sitzung der Wirtschafts- und Finanzminister in Luxemburg. Entscheidungen stehen aber noch nicht an.


Arbeitgeberpräsident Dulger: E-Mobilität ist nur Übergangstechnologie

BERLIN/HEIDELBERG: In der Debatte um klimaschonende Antriebsformen für Autos hat Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger die Elektromobilität als Übergangstechnologie bezeichnet. «Ganz ehrlich, ich habe Zweifel daran, dass die Technik von immer wieder aufzuladenden Fahrzeugen die Technik der Zukunft ist. Ich halte das für einen Übergang», sagte Dulger der «Rhein-Neckar-Zeitung» (Freitag).

Er setze langfristig eher auf Wasserstoff. «Wasserstoff ist die Technik der Zukunft - wir können ihn ganz einfach und relativ günstig herstellen. Über die Sonnenergie wäre wieder der Nahe und Mittlere Osten im Spiel und damit wären auch die wirtschaftlichen Zusammenhänge gewahrt, dadurch dass diese Region Energielieferant bleibt.»

Als weitere Antriebsoption kämen synthetische Kraftstoffe hinzu. Dulger betonte, für Deutschland als Industrienationen sei es wichtig, technologieoffen zu bleiben und nicht alles auf die Karte Elektromobilität zu setzen.

Dulger ist seit November 2020 Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Zugleich führt er den Heidelberger Dosier- und Spezialpumpenhersteller Prominent.


Exportplus im April nährt Zuversicht der deutschen Elektroindustrie

FRANKFURT/MAIN: Die deutsche Elektroindustrie erholt sich zusehends vom Tiefschlag im Corona-Jahr 2020. Im April lagen die Exporte mit 17,4 Milliarden Euro um 29,2 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats, wie der Branchenverband ZVEI am Freitag in Frankfurt mitteilte. Allerdings war der April 2020 auch besonders von den weltweiten Einschränkungen in der Pandemie betroffen.

Doch auch die ersten vier Monate zusammen stimmen die Branche zuversichtlich: Die Ausfuhren summierten sich von Januar bis einschließlich April auf 71,9 Milliarden Euro und übertrafen damit den Wert des Vorjahreszeitraums um 8,7 Prozent. «Der Zuwachs zwischen Januar und April fiel damit ganz ähnlich aus wie bei Produktion und Umsatz», erklärte ZVEI-Chefvolkswirt Andreas Gontermann.

Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) hatte in vergangenen Woche die Produktionsprognose für das Gesamtjahr 2021 von plus fünf Prozent auf plus acht Prozent heraufgesetzt. Der Verband äußerte sich zuversichtlich, die Produktionseinbußen des vergangenen Jahres von minus sechs Prozent bereits im laufenden Jahr wieder einholen zu können.


Ölpreise geben weiter nach

SINGAPUR: Die Ölpreise haben am Freitag im frühen Handel ihre deutlichen Abschläge vom Vortag ausgeweitet. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 72,51 US-Dollar. Das waren 57 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 51 Cent auf 70,53 Dollar.

Noch zur Wochenmitte hatten die Erdölpreise mehrjährige Höchststände erreicht. Seither lastet jedoch der stärkere Dollar auf den Preisen. Unterstützung erhält die amerikanische Währung durch Hinweise aus den Reihen der US-Notenbank auf eine perspektivisch weniger lockere Geldpolitik. Da Rohöl international in Dollar gehandelt wird, verteuert ein steigender Dollarkurs den Rohstoff für viele Interessenten und lastet auf deren Nachfrage.

Zusätzliche Belastung kam durch den Themenkomplex iranisches Atomprogramm. Äußerungen des iranischen Vizeaußenministers Abbas Araghchi wurden am Markt als Hinweis auf eine nahende Einigung in der Streitfrage gedeutet. An diesem Freitag finden in Iran Präsidentschaftswahlen statt, die auch am Ölmarkt genau beobachtet werden. Vom Ausgang dürfte mit abhängen, ob der Iran auf weniger Sanktionen und damit mehr Ölexporte hoffen darf.

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