Nachrichten aus der Wirtschaft am Freitag

Fotomontage: DER FARANG
Fotomontage: DER FARANG

Volkswagen-Konzern schafft es bei Verkäufen im Juli fast ins Plus

WOLFSBURG: Der Volkswagen-Konzern hat im Juli trotz der Corona-Krise weltweit fast wieder ein Verkaufsplus geschafft. Im vergangenen Monat lagen die Auslieferungen der Konzernmarken mit insgesamt 885.700 Fahrzeugen nur noch 0,2 Prozent unter dem Vorjahresmonat, wie der Konzern am Freitag in Wolfsburg mitteilte. Vor allem im größten Einzelmarkt China zogen die Verkäufe mit 4,8 Prozent an und gaben damit Schub. In Westeuropa lagen die Verkäufe an Endkunden noch 1,9 Prozent unter dem Vorjahr, in Nord- und Südamerika hingegen noch deutlicher.

Volkswagen-Konzernvertriebsmanager Christian Dahlheim hatte Ende Juli einen Auslieferungsrückgang im prozentual einstelligen Bereich in Aussicht gestellt, nachdem es im Juni noch fast ein Fünftel weniger war. Ein VW-Sprecher wertete die Zahlen nun als erfreulichen Trend. Auf das bisherige Jahr gesehen zeigen sich die tiefen Einschnitte der Covid-19-Pandemie aber immer noch deutlich, hier liegt der Konzern mit 4,78 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen 23,6 Prozent im Minus.

Im Juli konnten Audi, Skoda und Porsche teils deutlich zulegen, während die Verkäufe bei der Kernmarke VW Pkw um 1,1 Prozent zurückgingen. Auch von der spanischen Tochter Seat und den Nutzfahrzeugen wurden weniger Autos verkauft.


Commerzbank will 200 derzeit geschlossene Filialen nicht mehr öffnen

FRANKFURT/MAIN: Die Commerzbank beschleunigt noch vor dem Wechsel an der Vorstandsspitze die Verkleinerung ihres Filialnetzes. Das Geldhaus werde 200 Geschäftsstellen, die wegen der Corona-Pandemie ohnehin geschlossen sind, nicht wieder öffnen, sagte ein Sprecher am Freitag. Dabei handle es sich um genau die Filialen, die die Bank bis Ende des Jahres 2023 schließen wollte. Die betroffenen Mitarbeiter sollten an andere Standorte in der Nähe wechseln. Die Belegschaft sei über die Pläne informiert worden. Die Bank verkleinert ihre Präsenz in Deutschland damit von 1000 auf 800 Geschäftsstellen - allerdings gut drei Jahre früher als geplant.


Corona-Zahlen auf Mallorca steigen - Reisewarnung möglich

PALMA DE MALLORCA: Auf Mallorca, der bisher beliebtesten Ferieninsel der Deutschen, werden immer mehr Corona-Fälle registriert. Während der vergangenen sieben Tage kletterte die Zahl der Neuinfektionen nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums vom Freitag auf mehr als 50 je 100.000 Einwohner. In einem solchen Fall hat das Robert-Koch-Institut bisher Regionen zu Corona-Risikogebieten erklärt. Es könnte eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Mallorca und die drei anderen Baleareninsel Ibiza, Menorca und Formentera folgen.


Banknotenhersteller G+D: Das Digitalgeld kommt

MÜNCHEN: Das internationale Geldwesen steht vor einer großen Veränderung: Privaten Kryptowährungen à la Bitcoin könnte in absehbarer Zukunft von Zentralbanken ausgegebenes digitales Geld folgen. Einem ersten chinesischen Versuch zu den Olympischen Winterspielen würden voraussichtlich andere Länder folgen, das erwartet zumindest Ralf Wintergerst, der Chef des Münchner Banknotenherstellers Giesecke+Devrient. «Die People's Bank of China hat angekündigt, zu den Olympischen Winterspielen 2022 eine sogenannte «digital currency electronic payment» einzuführen», sagte Wintergerst. «Das ist neu.» Er betrachte die chinesische Ankündigung als ersten Live-Versuch. «China und Schweden sind die zwei Länder, die am weitesten fortgeschritten sind, wobei China mit dem angekündigten Launch zu den Winterspielen ein Zeichen gesetzt hat. Wir stehen als Europa gerade erst am Anfang der Entwicklung.»


Chinas Wirtschaftsdaten enttäuschen - Nachlassende Dynamik

PEKING: In China haben enttäuschende Daten zur Industrieproduktion und zur Umsatzentwicklung im Einzelhandel Hinweise auf eine nachlassende Konjunkturdynamik geliefert. Im Juli sei die Industrieproduktion zwar gestiegen, wie das nationale Statistikamt am Freitag mitteilte. Der Zuwachs habe aber im Jahresvergleich 4,8 Prozent betragen, während Analysten mit einem stärkeren Anstieg um 5,2 Prozent gerechnet hatten. Noch deutlicher fiel der Dämpfer im Einzelhandel aus. Hier meldete die Statistikbehörde für Juli einen Umsatzrückgang von 1,1 Prozent im Jahresvergleich. Analysten hatten hingegen mit einem leichten Zuwachs um 0,1 Prozent gerechnet und damit erstmals in diesem Jahr eine Rückkehr des Einzelhandels in die Wachstumszone erwartet.


«Fortnite»-Entwickler Epic wagt Kraftprobe mit Apple und Google

CARY/CUPERTINO: Die Macher des populären Online-Spiels «Fortnite» legen sich in einer bisher einmaligen Kraftprobe mit Apple und Google an. Mit mehreren hundert Millionen Fans im Rücken wollen sie die App-Store-Regeln der Smartphone-Plattformen aufbrechen. Die «Fortnite»-Entwicklerfirma Epic Games führte auf Apples iPhone und iPad sowie auf Geräten mit dem Google-System Android die Möglichkeit ein, Inhalte in Umgehung der In-App-Käufe günstiger zu erwerben. Damit forderte Epic die Plattformen heraus. Die Reaktion kam prompt: «Fortnite» verschwand erst aus dem App-Store für Apples Mobil-Geräte und wenige Stunden später auch aus Googles Play Store. Epic reichte umgehend eine Klage gegen Apple und Google ein. Bei dem Streit geht es im Kern um die 30 Prozent vom Preis, die Apple und Google bei In-App-Käufen einbehalten.


Kaufprämie für E-Autos: Bisher drei Viertel der Anträge genehmigt

BERLIN: Etwa drei Viertel der Anträge auf die Kaufprämie für Autos mit Elektro-Antrieb sind bislang genehmigt worden. 174.023 der 234.805 bis Ende Juli gestellten Anträge seien positiv beschieden worden, teilte die Bundesregierung auf Anfrage der FDP-Fraktion mit. Bei den bisher nicht bewilligten Fällen handele es sich häufig um Anträge, die aktuell noch bearbeitet würden, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Freitag: «Nicht bewilligte Anträge sind nicht automatisch abgelehnte Anträge.» Tatsächlich abgelehnt wurden bislang - Stand Freitag - rund 22.800 Anträge - die meisten davon in der Zeit vor Februar und damit vor Einführung eines einfacheren Antragsverfahrens. Die Bewilligungsquote liegt laut der Regierungsantwort bundesweit bei rund 73 Prozent.


Finnische Wirtschaft schlägt sich in Krise vergleichsweise wacker

HELSINKI: Die finnische Wirtschaft hat das besonders von der Corona-Krise betroffene zweite Quartal 2020 verhältnismäßig gut gemeistert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des nördlichsten EU-Landes sank nach einer vorläufigen Schätzung des finnischen Statistikamtes in den Monaten April bis Juni verglichen mit dem ersten Quartal des Jahres saisonbereinigt um rund 3,2 Prozent. Wie die Statistiker am Freitag mitteilten, war das BIP damit um 4,9 Prozent niedriger als im zweiten Quartal 2019.

Die Wirtschaftsleistung in der Eurozone, zu der Finnland als einziges nordisches Land gehört, war nach Angaben der Statistikbehörde Eurostat im Quartalsvergleich um 12,1 Prozent eingebrochen. Für die gesamte EU betrug der Rückgang demnach 11,7 Prozent. Skandinavien schlug sich dabei vergleichsweise wacker: In Dänemark sank das BIP um 7,4 Prozent, beim finnischen Nachbarn Schweden um 8,6 Prozent. In Deutschland hatte der Rückgang einer ersten Schätzung zufolge 10,1 Prozent betragen.


Anleger werden vor dem Wochenende vorsichtiger

FRANKFURT/MAIN: Der Dax ist am Freitag etwas schwächer gestartet. Der deutsche Leitindex verlor in den ersten Handelsminuten 0,51 Prozent auf 12.927,84 Punkte. Der Kampf um die Marke von 13.000 Punkten geht damit weiter. Am Dienstag hatte der Dax nach fast drei Wochen wieder diese Marke übersprungen. Um nachhaltig darüber zu bleiben, fehlen derzeit aber die Impulse. Das Dax-Wochenplus beträgt aktuell 2,3 Prozent.

Für den MDax ging es im frühen Handel um 0,95 Prozent auf 27.444,48 Punkte nach unten. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone sank ebenfalls um fast ein Prozent.


Ölpreise steigen leicht

SINGAPUR: Die Ölpreise haben am Freitag etwas zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 45,13 US-Dollar. Das waren 17 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 15 Cent auf 42,39 Dollar.

Damit steuert der Ölmarkt auf die zweite Handelswoche in Folge mit steigenden Preisen zu. Seit Montag ist die Notierung für Nordsee-Öl um mehr als ein Prozent gestiegen. Als Preistreiber gilt unter anderem ein unerwartet starker Rückgang der Ölreserven in den USA.

Marktbeobachter verwiesen auf eine Erholung der Nachfrage nach Rohöl in den USA. Dies habe die jüngste Nachfrageprognose der Internationalen Energieagentur (IEA) überlagert. Die IEA hatte am Donnerstag ihre Prognose für die weltweite Nachfrage nach Rohöl in diesem Jahr wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise gesenkt.


Eurokurs kaum verändert

FRANKFURT/MAIN: Der Kurs des Euro hat sich am Freitag nur wenig bewegt. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1816 Dollar gehandelt und damit nahezu zum gleichen Kurs wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Donnerstagnachmittag auf 1,1833 Dollar festgesetzt.

Marktbeobachter sprachen von einem impulsarmen Handel. Im Tagesverlauf stehen allerdings wichtige Konjunkturdaten auf dem Programm, die für mehr Kursbewegung sorgten dürften. In der Eurozone werden Daten zur Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal erwartet, die das Ausmaß des Rückschlags durch die Corona-Krise deutlich machen. Außerdem könnten am Nachmittag Daten zur Umsatzentwicklung im amerikanischen Einzelhandel, zur US-Industrieproduktion und zur Konsumlaune der Amerikaner für Impulse am Devisenmarkt sorgen.


Chinas Industrieproduktion weiter auf Erholungskurs

PEKING: Für die chinesische Industrieproduktion ist es auch im Juli weiter aufwärts gegangen. Die Zuwächse sind aber nicht ganz so hoch ausgefallen wie von Experten erwartet. Die Industrieproduktion legte nach Angaben des Statistikamts im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,8 Prozent zu. Volkswirte hatten allerdings mit einem Plus von 5,2 Prozent gerechnet. Im Juni war die Industrieproduktion ebenfalls um 4,8 Prozent gestiegen.

Chinas Wirtschaft springt wieder an, weil das Land die Corona-Pandemie weitgehend unter Kontrolle gebracht hat. Deutlich machen sich auch die Stützungsmaßnahmen bemerkbar, die die Regierung wegen des Corona-Ausbruchs auf den Weg gebracht hatte. Belastend wirken sich aber die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China aus.

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