Nachrichten aus der Wirtschaft am Freitag

der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied. Foto: epa/Jens Kalaene
der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied. Foto: epa/Jens Kalaene

Bauernverband warnt vor Ernteeinbußen durch Trockenheit

BERLIN: Der Deutsche Bauernverband warnt angesichts anhaltender Trockenheit vor Ernteausfällen und höheren Preisen. «Im Moment kämpfen wir an vielen Fronten. Die Düngemittelpreise sind vier Mal höher wie vor einem Jahr. Die Energiekosten sind doppelt so hoch. Die Futterkosten haben zugenommen», sagte der Präsident des Verbandes Joachim Rukwied der Deutschen Presse-Agentur. «Wenn es nicht demnächst durchgehend regnet, dann sind dort eben Ertragseinbußen von 30, 40 Prozent zu befürchten.»


Spanien ruft Deutschland zu Unterstützung für Pipeline-Projekt auf

MADRID: Spanien hat Deutschland zur Unterstützung für den Bau einer Erdgas-Pipeline von der iberischen Halbinsel über Frankreich nach Mitteleuropa aufgerufen. Die Regierung in Berlin solle sich in die Gespräche zwischen Spanien und Frankreich über die Erdgas-Verbindung über die Pyrenäen einschalten, um so «den Weg zu ebnen», sagte Spaniens Ministerin für Ökologischen Wandel, Teresa Ribera, am Freitag dem staatlichen TV-Sender RTVE. Zuvor hatte sich auch Bundeskanzler Olaf Scholz für den Bau der Pipeline stark gemacht, um angesichts des Krieges in der Ukraine und eines möglichen Endes russischer Gaslieferungen neue Energiequellen zu erschließen.

Dabei geht es um die Wiederbelebung eines 2017 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit abgebrochenen Projekts, der Erdgaspipeline Midcat von Barcelona über die Pyrenäen bis zur Anbindung an das französische Netz im südfranzösischen Barbairan. In Spanien ist die Röhre bis Hostalric 106 Kilometer südlich der Grenze fertig, in Frankreich fehlen etwa 120 Kilometer. Auf spanischer Seite könne die Röhre in acht bis neun Monaten fertig gestellt sein, sagte Ribera. Experten veranschlagen aber zwei bis drei Jahre für die Fertigstellung der ganzen Pipeline bis nach Barbairan. Frankreich, das stark auf Atomkraft setzt, steht dem Projekt Medienberichten zufolge verhaltener gegenüber.

Ribera betonte, es handele sich um ein Projekt von europäischer Bedeutung, das deshalb auch von der EU finanziert werden müsse. Das Erdgas, das durch die Röhre Richtung Norden fließen soll, könnten Spanien und Portugal aus verschiedenen Quellen beziehen, da beide Länder zusammen über insgesamt sieben Flüssiggasterminals verfügen. Zudem gibt es zwei Pipelines zum Gaslieferanten Algerien in Nordafrika. Später solle im Zuge der Energiewende auch sogenannter grüner Wasserstoff durchgeleitet werden, der mit Hilfe von Wind oder Sonne erzeugt wird, betonte Ribera.


Euro gibt nach - Verbessertes US-Konsumklima stützt US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Kurs des Euro ist am Freitag unter Druck geraten. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag mit 1,0251 US-Dollar gehandelt. Am Morgen hatte der Euro noch über 1,03 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0285 (Donnerstag: 1,0338) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9722 (0,9673) Euro.

Positiv aufgenommene Daten zur Stimmung der US-Verbraucher stützten den Dollar. Das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima stieg im August stärker als erwartet. Es war der zweite Anstieg in Folge. Im Juni war die Verbraucherstimmung noch auf ein Rekordtief gefallen. Zudem gingen die Inflationserwartungen von einem hohen Niveau aus etwas zurück.

Im Fokus steht am Anleihemarkt der zuletzt geringere Inflationsdruck in den Vereinigten Staaten. Nachdem am Mittwoch bekannt geworden war, dass sich die Teuerung im Juli unerwartet stark abgeschwächt hat, zeichneten am Freitag Daten zu den Einfuhrpreisen ein ähnliches Bild: Der Preisauftrieb von in die USA importierten Gütern ließ im Juli deutlicher als erwartet nach. Die Daten belasteten den Dollar jedoch nicht. Schließlich haben Vertreter der US-Notenbank zuletzt ihre Entschlossenheit demonstriert, weiter mit Zinserhöhungen gegen die hohe Teuerung vorgehen zu wollen.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84715 (0,84575) britische Pfund, 137,47 (136,57) japanische Yen und 0,9689 (0,9712) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1791 Dollar gehandelt. Das waren rund zwei Dollar mehr als am Vortag.


Eurokurs gefallen - EZB-Referenzkurs: 1,0285

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Freitag gefallen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0285 (Donnerstag: 1,0338) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9722 (0,9673) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84715 (0,84575) britische Pfund, 137,47 (136,57) japanische Yen und 0,9689 (0,9712) Schweizer Franken fest.


Dax vor starkem Wochenschluss

FRANKFURT/MAIN: Der Dax hat am Freitag die Hürde von 13.800 Punkte mehrfach getestet. Am Nachmittag stieg der Dax um 0,63 Prozent auf 13.780,25 Punkte, während sich der MDax als Index der mittelgroßen Werte mit plus 0,04 Prozent auf 27.906,38 Punkte stabil zeigte. Der Kurs des Euro wurde am Nachmittag mit 1,0287 US-Dollar gehandelt. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,81 Prozent am Vortag auf 0,87 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,30 Prozent auf 136,31 Punkte. Der Bund-Future stieg am Nachmittag um 0,26 Prozent auf 155,83 Punkte.


Studie: In Deutschland fehlen mehr als eine halbe Million Fachkräfte

KÖLN: In Deutschland fehlen nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) mehr als eine halbe Million Fachkräfte. Besonders groß sei die Personalnot in der Sozialarbeit, der Erziehung, der Pflege, dem Handwerk und der Informationstechnik, berichtete das IW am Freitag in Köln. Zuvor hatten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe darüber berichtet. Der Studie zufolge fehlten im 12-Monats-Durchschnitt von Juli 2021 bis Juli 2022 über alle Berufe hinweg in der Bundesrepublik fast 540.000 qualifizierte Arbeitskräfte. Die größte Fachkräftelücke gebe es in der Sozialarbeit, wo es für knapp 20.600 offene Stellen keine passend qualifizierten Arbeitslosen gab. Das sei ein neuer Rekord.


VW-Konzernverkäufe im Juli dank Stärke in China auf Vorjahresniveau

WOLFSBURG: Der VW-Konzern hat nach einem bisher schwachen Jahr im Juli fast so viele Autos verkaufen können wie vor einem Jahr. Mit 725.400 Stück lieferte Volkswagen weltweit nur rund 200 Fahrzeuge weniger aus als ein Jahr zuvor, wie der Konzern am Freitag mitteilte. Zu verdanken war das einem kräftigen Plus von 21,7 Prozent in China, dem wichtigsten Markt der Wolfsburger. In der Volksrepublik gewinnt der Automarkt nach den Corona-Lockdowns im Frühjahr und dem Mangel an Halbleitern derzeit deutlich an Fahrt. In Westeuropa blieben die Verkäufe noch 11,3 Prozent unter dem Vorjahreswert.


Rhein-Schifffahrt: Pegel bei Kaub nur noch knapp über 40 Zentimeter

MAINZ/ST.GOARSHAUSEN: Auf dem Rhein sind die für die Schifffahrt wichtigen Wasserstände an der Engstelle beim rheinland-pfälzischen Kaub weiter zurückgegangen. Die Fahrrinnentiefe lag nach Angaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes am Freitag gegen 9.00 Uhr bei nur noch 1,54 Metern. Am Vortag waren es noch 1,59 Meter gewesen. Niedriger als in Kaub im Rhein-Lahn-Kreis ist die Fahrrinnentiefe laut WSV an keinem anderen Abschnitt des Mittel- und Niederrheins. Sie ist letztlich entscheidend dafür, wie viel Fracht Binnenschiffer noch zuladen können.


Noch keine Lösung zur Mehrwertsteuerfrage bei der Gasumlage

BERLIN: Die Frage, ob auf die staatliche Gasumlage die Mehrwertsteuer fällig wird, ist weiter ungeklärt. Eine Sprecherin von Finanzminister Christian Lindner (FDP) sagte am Freitag in Berlin, man arbeite auf Hochtouren an einer Lösung der Frage und sei in einem engen Austausch auch mit der EU-Kommission. Das politische Ziel sei klar.


In öffentlichen Gebäuden wird es kälter - Habeck plant Verordnung

BERLIN: In öffentlichen Gebäuden soll wegen der Energiekrise mit Beginn der Heizperiode die Temperatur heruntergedreht werden. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck kündigte vor dem Hintergrund gedrosselter russischer Gaslieferungen eine Verordnung zum Energiesparen an. Unter anderem sollen öffentliche Gebäude nur noch auf höchstens 19 Grad geheizt werden dürfen, wie Habeck in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» deutlich machte: «Wir werden über das Energiesicherungsgesetz Verordnungen erlassen.» Krankenhäuser und soziale Einrichtungen sollten ausgenommen werden.


Inflation in Polen im Juli bei 15,6 Prozent

WARSCHAU: In Polen hat sich der Preisauftrieb im Juli weiter beschleunigt. Die Verbraucherpreise stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15,6 Prozent, wie die zentrale Statistikbehörde am Freitag in Warschau mitteilte. Im Juni hatte die Teuerungsrate im Jahresvergleich bei 15,5 Prozent gelegen. Gegenüber dem Vormonat erhöhten sich die Verbraucherpreise im Juli um 0,5 Prozent.

Besonders gestiegen sind die Preise für Lebensmittel und nicht alkoholische Getränke: Für sie mussten die Verbraucher rund 26,6 Prozent mehr ausgeben als im Juli 2021. Bis zum Ende des Jahres werde die Inflationsrate zweistellig bleiben, prognostizieren die Analysten vom Polnischen Wirtschaftsinstitut. Sie erwarten, dass die Preise im August noch etwas anziehen werden. Im viertel Quartal werde die Inflationsrate dann leicht zurückgehen.


Industrie in Eurozone steigert Produktion stärker als erwartet

LUXEMBURG: Die Industrieunternehmen der Eurozone haben ihre Produktion im Juni deutlich stärker als erwartet ausgeweitet. Gegenüber dem Vormonat habe die Gesamtherstellung um 0,7 Prozent zugelegt, teilte das Statistikamt Eurostat am Freitag in Luxemburg mit. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einem Zuwachs um 0,2 Prozent gerechnet.

Zudem wurden die Zahlen für Mai deutlich nach oben revidiert. Die Produktion war damals um 2,1 Prozent gestiegen, nachdem zunächst ein Anstieg von 0,8 Prozent ermittelt worden war.

Die Produktion von Investitionsgütern legte im Juni im Monatsvergleich um 2,6 Prozent zu. Die Erzeugung von Energie stieg um 0,6 Prozent. Die Fertigung von Verbrauchsgütern aber sank um 3,2 Prozent.

Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat stieg die Industrieproduktion im Juni um 2,4 Prozent. Hier war lediglich ein Anstieg von 1,0 Prozent prognostiziert worden.


Erster Weizenfrachter seit Kriegsbeginn verlässt ukrainischen Hafen

ODESSA/PIWDENNYJ: Aus dem ukrainischen Hafen Tschornomorsk hat der erste Weizenfrachter seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs abgelegt. Bislang waren seit der Wiederaufnahme der Getreideausfuhr nur Mais und Sonnenblumenprodukte verschifft worden. Die Sormovskiy 121 werde etwas mehr als 3000 Tonnen Weizen in die Türkei transportieren, teilte am Freitag das türkische Verteidigungsministerium per Twitter mit. Parallel dazu legt die Star Laura aus dem Hafen Piwdennyj ab. Sie werde über 60.000 Tonnen Mais in den Iran bringen, hieß es. In der Ukraine bestätigte das Infrastrukturministerium den Ablegevorgang und kündigte das Einlaufen von zwei weiteren Schiffen zum Beladen an.

Insgesamt haben im Rahmen eines international vermittelten Getreideexportabkommens seit dem 1. August inzwischen 14 Schiffe mit über 430.000 Tonnen Fracht ukrainische Häfen im Schwarzen Meer verlassen. Russland hatte die Ukraine Ende Februar angegriffen und die Häfen des Landes blockiert. Die Ukraine ihrerseits hatte die Hafenzufahrten aus Angst vor der russischen Invasion vermint. Ende Juli schlossen die Kriegsparteien Abkommen mit der Türkei und den Vereinten Nationen, die einen Transportweg für Schiffe mit Agrargütern aus dem Kriegsgebiet garantieren sollen.


Deutlich weniger Exporte nach Russland im Halbjahr

WIESBADEN: Die deutschen Exporte nach Russland sind im ersten Halbjahr infolge der Sanktionen wegen des Ukraine-Krieges deutlich gesunken. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verringerten sich die Warenausfuhren gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 34,5 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro. Die Einfuhren aus Russland stiegen - auch aufgrund höherer Energiepreise - wertmäßig um 51,3 Prozent auf 22,6 Milliarden Euro. Mengenmäßig sanken die Importe jedoch um 24,0 Prozent, wie die Wiesbadener Behörde am Freitag mitteilte.

Deutschland ist abhängig von Energieimporten aus dem Ausland. Die Preise für Öl und Gas sind seit Beginn des Ukraine-Krieges deutlich gestiegen. Russland liefert vor allem Rohstoffe und Energie.

Insgesamt lieferte Deutschland nach den jüngsten Daten in den ersten sechs Monaten Waren im Wert von 763,9 Milliarden Euro ins Ausland. Das waren 13,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Einfuhren stiegen um 26,5 Prozent auf 729,6 Milliarden Euro.


Euro wenig verändert vor Daten aus Großbritannien und den USA

FRANKFURT/MAIN: Der Kurs des Euro hat sich am Freitag zunächst kaum bewegt. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0321 US-Dollar gehandelt und damit etwa auf dem Niveau vom Donnerstagabend. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuletzt auf 1,0338 (Mittwoch: 1,0252) Dollar festgesetzt. Bereits am Mittwoch hatte ein überraschend starker Rückgang der Inflation in den Vereinigten Staaten den Dollar belastet und im Gegenzug den Euro über 1,03 Dollar getrieben. Zuletzt pendelte die Gemeinschaftswährung um diese runde Marke.

«Die Reduzierung der Inflationsrate ist nach Aussage vieler Vertreter der US-Notenbank Fed nötig, um eine langfristig bessere Wachstumsentwicklung zu gewährleisten», schrieben die Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen. Die von der Fed avisierten Zinserhöhungen wirkten aber in der Tendenz dämpfend auf die Stimmung der Konsumenten und die Nachfrage, die in realer Rechnung bereits Belastungen ausgesetzt sei. In diesem Zusammenhang verwiesen die Experten auf das am Nachmittag anstehende, von der Universität Michigan erhobene US-Konsumklima für August. Bereits am Morgen könnten Wachstumsdaten aus Großbritannien für Aufmerksamkeit sorgen.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.