Nachrichten aus der Wirtschaft am Freitag

Die Geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds Kristalina Georgieva. Foto: epa/Noushad Thekkayil
Die Geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds Kristalina Georgieva. Foto: epa/Noushad Thekkayil

IWF-Chefin: US-Wirtschaft kann Rezession wohl geradeso vermeiden

WASHINGTON: Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Kristalina Georgiewa, geht davon aus, dass die US-Wirtschaft geradeso einer Rezession entkommen kann. «Wir sind uns bewusst, dass der Weg zur Vermeidung einer Rezession in den USA immer schmaler wird», sagte sie am Freitag in Washington. Man müsse die Ungewissheit der aktuellen Situation im Blick behalten - gerade mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Corona-Lockdowns in China. Man sei sich des Risikos bewusst, so Georgiewa. Aber die Wirtschaft könne knapp einer Rezession entgehen.

Für die weltgrößte Volkswirtschaft erwartet der IWF aber nach der Anhebung des Leitzins vergangene Woche in diesem und im kommenden Jahr ein langsameres Wachstum. Eine Rezession werde aber knapp vermieden, hieß es. «Die Senkung der Inflation und die Gewährleistung von Preisstabilität werden die Realeinkommen schützen und dazu beitragen, das Wachstum mittelfristig zu stützen.» Es bestehe jedoch ein erhebliches Risiko, dass sich der Gegenwind als hartnäckiger erweise als erwartet.

Die Fed hatte den Leitzins für die weltgrößte Volkswirtschaft vergangene Woche stark um 0,75 Prozentpunkte auf 1,5 bis 1,75 Prozent erhöht. Gleichzeitig stellte die Zentralbank schon für Ende Juli eine erneute Anhebung um 0,5 oder 0,75 Prozentpunkte in Aussicht. Die US-Inflationsrate liegt seit vielen Monaten deutlich über dem Ziel der Fed von mittelfristig zwei Prozent. Im Mai etwa stiegen die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,6 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt weiter bei sehr niedrigen 3,6 Prozent.


Chinesische Aprikosenkerne wegen Zyanids zurückgerufen

MÜNCHEN: Ein niederländischer Großhändler ruft Aprikosenkerne des chinesischen Herstellers «Golden Lily» wegen überhöhten Zyanid-Gehalts zurück. Dies betrifft das Produkt «Apricot Seeds (Pak Hang)» in 30x100g Packungen, wie der Großhändler Liroy am Freitag mitteilte.

Aprikosenkerne enthielten von Natur aus Amygdalin, das nach dem Verzehr Zyanid freisetzen könne. «Der menschliche Körper kann kleine Mengen Zyanid ausscheiden, aber größere Mengen - etwa wenn die Kerne als Snacks gegessen werden - können zu einer Zyanidvergiftung führen, die zum Tod führen kann», hieß es in dem auf «Lebensmittelwarnung.de» veröffentlichten Rückruf.

Liroy vertreibt nach Angaben auf der Unternehmenswebseite europaweit importierte chinesische Lebensmittel.


Scholz glaubt nicht an russische Begründung für Gas-Drosselung

BRÜSSEL: Bundeskanzler Olaf Scholz hält die russische Begründung für die Drosselung der Gaslieferungen nach Deutschland für vorgeschoben. «Niemand von uns glaubt, dass die technischen Gründe, die für die Reduktion von Gaslieferungen gegenwärtig von russischen Lieferanten angeführt werden, zutreffen», sagte Scholz am Freitag nach einem EU-Gipfel in Brüssel. Russlands staatlicher Energieriese Gazprom hatte Mitte des Monats die Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 weiter runtergefahren. Der Gaslieferant begründete den Schritt mit Verzögerungen bei Reparaturarbeiten.

Am 11. Juli beginnt eine zehntägige Routinewartung der Pipeline. Energieversorger und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sind besorgt, dass Gazprom Nord Stream 1 danach nicht wieder anstellen könnte. Habeck hatte auf die Frage, ob er befürchte, dass Russland danach gar kein Gas mehr liefern werde, beim Sender RTL gesagt: «Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich befürchte es nicht.»

Scholz wollte dagegen nicht spekulieren: «Aber Spekulationen, was wann passiert, machen keinen Sinn», sagte Scholz nun auf die Frage, ob er befürchte, dass die Pipeline Nord Stream 1 nach Wartungsarbeiten nicht wieder angestellt werden könnte.


Von der Leyen ruft zum Energiesparen auf: Heizung zwei Grad runter

BRÜSSEL: Angesichts drohender Gas-Engpässe hat EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen europäische Verbraucher erneut zum Energiesparen aufgefordert. Wenn man die Heiztemperatur in der gesamten EU nur um zwei Grad senke und die von Klimaanlagen um zwei Grad erhöhe, könne man die gesamten Lieferungen der Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 einsparen, sagte die deutsche Politikerin am Freitag nach einem EU-Gipfel in Brüssel. «Darin liegt also eine Menge Potenzial.» Zugleich bekräftigte von der Leyen, dass auch die Bezugsquellen von Energieträgern diversifiziert und in Erneuerbare investiert werden müsse.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine Ende Februar gilt die Versorgung Europas mit Gas aus Russland als gefährdet. Mittlerweile habe Russland die Lieferungen an zwölf EU-Staaten gedrosselt oder komplett gestoppt, sagte von der Leyen. Auch die Lieferungen nach Deutschland wurden drastisch gekürzt. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) rief deshalb die Alarmstufe im Notfallplan Gas aus. Auch er warb dafür, Energie zu sparen.

«Das Beste ist immer: auf das Beste hoffen, auf das Schlimmste vorbereitet sein. Und genau das tun wir jetzt», sagte von der Leyen. Man habe bereits zu Beginn des Jahres damit begonnen. Von der Leyen forderte, nicht nur nationale Maßnahmen zu ergreifen, die allein den heimischen Markt im Blick haben, sondern abgestimmt in der EU zu handeln. Deshalb sei es wichtig, einen detaillierten Überblick über die Situation in der EU zu haben.

Ihre Behörde habe alle nationalen Notfallpläne überprüft, um sicherzustellen, dass alle auf weitere Liefereinschränkungen vorbereitet sind. Zugleich arbeite man mit der Industrie und den 27 EU-Staaten an einem europäischen Plan, der im Notfall die Gas-Nachfrage reduzieren soll.


Putin nennt Debatte um ukrainisches Getreide «aufgeblasen»

MOSKAU: Die Diskussion um die Blockade ukrainischer Getreidelieferungen ist nach den Worten von Russlands Präsident Wladimir Putin übertrieben. «Es wird künstlich eine Hysterie aufgeblasen wegen der Einstellung der Transporte, sagen wir mal, über die Schwarzmeerhäfen», sagte Putin nach Angaben der Agentur Interfax am Freitag bei einem Video-Gipfel der sogenannten Brics-Staaten. Weder behindere Russland Getreidelieferungen noch seien diese für die Versorgung der globalen Märkte entscheidend. Das Brics-Bündnis besteht aus den Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Benannt ist es nach deren Anfangsbuchstaben.

Putin warf der Ukraine einmal mehr vor, die Getreidelieferungen über das Schwarze Meer selbst zu hintertreiben. Russland sei bereit, den Schiffen freies Geleit zu gewährleisten. Zuvor müssten die Ukrainer jedoch die Minen in den eigenen Häfen räumen. Die Ukraine ist einer der größten Getreideexporteure weltweit. Wegen des russischen Angriffskriegs gegen das Nachbarland sind die Lebensmittelpreise weltweit in die Höhe gegangen. Kiew und der Westen werfen Russland die gezielte Blockade ukrainischer Getreidelieferungen vor.

Außenministerin Annalena Baerbock hielt Moskau am Freitag vor, «Hunger als Kriegswaffe» zu nutzen. Der russische Ex-Präsident Dmitri Medwedew konterte dies mit einem Verweis auf Nazi-Verbrechen: «Es ist erstaunlich so etwas von Beamten zu hören, deren Land 900 Tage lang Leningrad in einer Blockade hielt, wo 700.000 Menschen an Hunger gestorben sind.»


Draghi scheitert mit Vorschlag für EU-Sondergipfel zu Gas

BRÜSSEL: Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi ist mit seinem Wunsch für einen EU-Sondergipfel im Juli über die Gas- und Energiekrise bei den anderen Staats- und Regierungschefs abgeblitzt. Nach Beratungen in Brüssel wurde entschieden, dass die EU-Kommission in den nächsten Wochen die Lage sondieren und Vorschläge für ein weiteres Vorgehen erarbeiten soll. Beim nächsten regulären Gipfel im Oktober solle dann auf Spitzenebene über das Thema geredet werden.

Sollte sich die Lage zuvor aber fundamental ändern, etwa durch einen befürchteten Stopp der Gaslieferungen aus Russland, könnte jederzeit ein spontaner Sondergipfel stattfinden, sagte Draghi am Freitag in Brüssel.

Der Regierungschef aus Rom will zudem seit Wochen, dass die EU eine gemeinsame Obergrenze für den immens gestiegenen Gaspreis festlegt. Auch dafür hat er bislang keine Mehrheit gegeben. Bei dem Thema überwiege bei vielen Staaten die Angst, dass Russland als Reaktion komplett den Gashahn zudrehe, sagte Draghi.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte nach dem Gipfel, ihre Behörde sei bereits im Mai damit beauftragt worden, Möglichkeiten zur Eindämmung der gestiegenen Energiepreise zu prüfen. Daran arbeite man. Zugleich prüfe man Alternativen für den Aufbau des Energiemarktes. Das könne auch beinhalten, dass das derzeit teure Gas nicht mehr wie bislang maßgeblich für den gesamten Strompreis ist. Man wolle beim nächsten regulären Gipfel im Oktober darauf zurückkommen.


Energiesparen: Habeck duscht seit Kriegsausbruch kürzer

BRÜSSEL: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) duscht seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs nach eigener Aussage kürzer. «Ich halte mich an das, was mein Ministerium empfiehlt. Meine Duschzeit habe ich noch mal deutlich verkürzt», sagte Habeck dem «Spiegel» auf die Frage, wie er Energie im Alltag spare. «Ich hab noch nie in meinem Leben fünf Minuten lang geduscht. Ich dusche schnell», sagte der Vizekanzler weiter.

Habeck hatte zuletzt wegen der reduzierten Gaslieferungen durch Russland mehrfach zum Energiesparen aufgerufen und auch eine entsprechende Kampagne ins Leben gerufen.

Die Abhängigkeit von russischen Gas war am Freitag auch Thema bei einem EU-Gipfel in Brüssel. Auf die Frage, ob eine Reduzierung der persönlichen Duschzeit eine sinnvolle Empfehlung für alle Deutschen sei, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz nach dem Gipfel: «Ich glaube, der Minister wollte nur von sich selber sprechen in dieser Frage und nicht anderen sagen, was sie machen sollen.»


Eurokurs gestiegen - EZB-Referenzkurs: 1,0524

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Freitag gestiegen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0524 (Donnerstag: 1,0493) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9502 (0,9530) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85773 (0,85818) britische Pfund, 142,19 (142,11) japanische Yen und 1,0072 (1,0130) Schweizer Franken fest.


Ukraine bietet Export von Atomstrom nach Deutschland an

KIEW: Die gegen die russische Invasion kämpfende Ukraine hat den Export von Atomstrom nach Deutschland zur Gewährleistung der Energiesicherheit angeboten. «Im Bereich der Dekarbonisierung bewegt sich die Ukraine in einer anderen Logik als Deutschland», schreibt der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko in einem Gastbeitrag für die «Wirtschaftswoche» am Freitag. Daher würden über 50 Prozent der ukrainischen Elektronenergie in Atomkraftwerken erzeugt. «Damit kann die Ukraine, die seit dem 16. März ihr Energienetz mit dem Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber synchronisiert hat, zum Outsourcer von Strom für Deutschland werden», erklärt Haluschtschenko.

Zuvor hatte sich die Ukraine im Februar zu Kriegsbeginn zusammen mit dem benachbarten Moldau vom ehemaligen sowjetischen Stromverbund mit Belarus (Weißrussland) und Russland getrennt. Ein Vorteil der Ukraine ist Haluschtschenko zufolge auch der Zeitunterschied von einer Stunde zu Berlin, wodurch sich die Stromverbrauchsspitzen unterschieden.

In der Ukraine werden Atomkraftwerke sowjetischer Bauart mit einer Gesamtkapazität von mehr als 14 Gigawatt betrieben. Sechs Blöcke im größten Atomkraftwerk Europas in Enerhodar bei Saporischschja befinden sich allerdings seit März unter russischer Kontrolle. Mit dem russischen Einmarsch vor vier Monaten ist aufgrund der Kämpfe, der Fluchtbewegung und des Wirtschaftseinbruchs auch der Stromverbrauch massiv zurückgegangen. Aktuell exportiert Kiew bereits Strom nach Polen und nach Moldau.


Dax klettert wieder über 13.000 Punkte

FRANKFURT/MAIN: Am Freitagnachmittag hat der Dax angetrieben von erwarteten Kursgewinnen an der Wall Street 0,86 Prozent auf 13.023,79 Punkte gewonnen. Auf Wochensicht steht aktuell ein Verlust von 0,8 Prozent zu Buche. Der MDax der mittelgroßen Werte legte am Nachmittag um 1,05 Prozent auf 26.778,78 Zähler zu. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 1,6 Prozent. Der Eurokurs stieg. Die Gemeinschaftswährung wurde am frühen Nachmittag mit 1,0525 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,0493 Dollar festgelegt. Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite bei 1,36 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg leicht um 0,04 Prozent auf 133,11 Punkte. Der Bund-Future gab um 0,29 Prozent auf 147,19 Punkte nach.


Luftverkehr hofft auf schnelle Genehmigung für Personal aus Türkei

BERLIN: Die Luftverkehrsbranche hofft auf rasche Ausnahmegenehmigungen deutscher Behörden für den Einsatz von etwa 2000 Arbeitskräften aus der Türkei an deutschen Flughäfen. «Wir hoffen, dass es sehr zügig geht», sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) am Freitag auf Anfrage. Anschließend könnten die notwendigen Zuverlässigkeitsprüfungen innerhalb von etwa sechs Wochen erfolgen und die Beschäftigten bei Bodenverkehrsdiensten so noch während der Sommerreisezeit eingesetzt werden.


Viel zu trocken: Bauern erwarten geringere Ernteerträge

DAHME: Den Bauern steht in diesen Sommer eine unterdurchschnittliche Ernte bevor - mit regionalen Unterschieden. «In Summe ist es in vielen Teilen Deutschlands zu trocken. Das heißt letztendlich auch, dass wir im zweiten Jahr in Folge eine kleinere Ernte einfahren werden», sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, am Freitag zum Erntestart im brandenburgischen Dahme/Mark. Seinen Angaben zufolge erwartet der Deutsche Bauernverband (DBV) eine Getreideernte in Höhe von rund 41,2 Millionen Tonnen. Damit liegen die Prognosen mit 3 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Da waren es 42,3 Millionen Tonnen. Die Ernteerträge der Jahre 2015 bis 2020 lagen mit durchschnittlich 44,2 Millionen Tonnen noch höher.


Containerabfertigung bei Eurogate läuft nach Hafen-Warnstreik wieder

BREMERHAVEN: Nach dem Warnstreik der Hafenarbeiter ist an den Containerterminals des Betreibers Eurogate der Betrieb am Freitag wieder angelaufen. «Es läuft wieder normal», sagte ein Firmensprecher in Bremen. Seit Beginn der Frühschicht würden wieder Schiffe abgefertigt. Eurogate betreibt an der deutschen Nordseeküste große Containerabfertigungen in Bremerhaven, Wilhelmshaven und Hamburg. Der 24-stündige Streik der Hafenarbeiter seit Donnerstagmorgen habe den Betrieb an der Kaikante völlig stillgelegt, sagte der Sprecher. «Die Containerbrücken standen an allen Terminals still.» Nur landseitig sei etwas gearbeitet worden, also beim Transportieren von Containern im Terminal oder der Abfertigung von Lkws und Güterzügen.


«Ein sehr schwieriger Winter»: EU-Gipfel berät über drohende Gaskrise

BRÜSSEL: Angesichts drohender Engpässe bei der Gasversorgung steigt in der Europäischen Union die Nervosität. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte am Freitag bei einem EU-Gipfel in Brüssel zwar, es seien «alle Aktivitäten» unternommen worden, um Energie aus anderen Ländern als Russland zu importieren. Diese Anstrengung müsse jedoch weiter beschleunigt werden. Das sei eine große Herausforderung. «Aber da werden wir uns unterhaken.» Irlands Regierungschef warnte, man stehe «vor einem sehr schwierigen Winter». Zugleich beunruhigen die hohe Inflation samt stark gestiegener Energiepreise die Staats- und Regierungschefs.


Tui-Chef Joussen tritt zurück - Finanzvorstand übernimmt

HANNOVER: Nach einem Jahrzehnt beim weltgrößten Reiseanbieter Tui tritt Konzernchef Fritz Joussen überraschend zurück. Der Manager werde zum 30. September sein Amt niederlegen, teilte das Unternehmen aus Hannover am Freitag mit. Nachfolger soll der bisherige Finanzchef Sebastian Ebel werden. Joussens Vertrag wäre eigentlich bis September 2025 gelaufen. Unter der Führung des Managers wurde Tui tiefgreifend umgebaut. In seine Amtszeit fiel auch die Corona-Krise, in der das Unternehmen ums Überleben kämpfte und mit Staatsmilliarden gestützt wurde. Was der gebürtige Duisburger nach seiner Zeit als Tui-Chef macht, war zunächst unklar.


G7-Außenminister: Russland verschärft weltweite Ernährungskrise

BERLIN: Die Außenminister der G7-Staaten haben Russland die Verantwortung für die sich verschärfende weltweite Ernährungskrise gegeben und Moskau zum Einlenken aufgefordert.

«Alle G7-Sanktionen sehen Ausnahmen vor, damit russische Lebensmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse auf die Weltmärkte gelangen können», hieß es anschließend in einer Erklärung des Auswärtigen Amtes in Berlin. Man weise Russlands Desinformationen mit Blick auf die verhängten Sanktionen zurück.

Der Krieg Russlands in der Ukraine verschärfe die Situation durch die Blockade des Schwarzen Meeres, die Bombardierung von Getreidesilos und Häfen sowie die Beschädigung der landwirtschaftlichen Infrastruktur der Ukraine, hieß es. Man fordere Russland auf, «seine Angriffe und Drohungen einzustellen und die ukrainischen Schwarzmeerhäfen für Lebensmittelexporte freizugeben».

Die Außenministerinnen und Außenminister der G7-Staaten hatten am Freitag in Berlin vor dem Gipfel in Elmau im süddeutschen Land Bayern beraten. Drei von ihnen nahmen nur virtuell an dem Treffen teil.


Baerbock und Blinken kündigen mehr Hilfe für Ernährungssicherheit an

BERLIN: Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock und ihr US-Kollege Antony Blinken wollen gemeinsam mehr gegen die in Folge des Ukraine-Kriegs drohende Hungerkrise unternehmen.

«Unsere Botschaft als G7 ist klar. Wir lassen nicht zu, dass der russische Angriffskrieg die Welt in Hunger stürzt. Wir handeln gemeinsam», sagte Baerbock am Freitag in Berlin bei einem Treffen mit Blinken, der kurz vor dem G7-Gipfel in Elmau in Süddeutschland an einer internationalen Konferenz der Bundesregierung zur Ernährungssicherheit teilnahm. Der Gipfel findet vom 26. bis 28. Juni statt.

Die stärksten Industriestaaten der Welt handelten in einer besonderen Verantwortung, auch wenn sie diese Hungerkrise, die sich durch den russischen Angriffskrieg verschärfe, nicht ausgelöst haben, sagte Baerbock. «Wir schauen gemeinsam als G7-Partner mit unseren internationalen Freunden hin, wenn Russland mit seinem zynischen Korn-Krieg zielgerichtet Lebensmittelpreise explodieren lässt, um ganze Länder zu destabilisieren.»

Blinken dankte Deutschland für Führung in dieser Frage. «Der einzige Grund für dies nun ist Russlands Aggression gegen die Ukraine und Russlands Blockade von Weizen und anderen Nahrungsmitteln, die aus der Ukraine exportiert werden sollen», sagte er. «Wir sind geschlossen in der Verteidigung gemeinsamer Werte. Wir sind geschlossen in der Verteidigung von Menschenrechten und Demokratie und des internationalen Rechts», sagte er.


Minister: Gefahr für Gas-Krise im Winter in Italien «fast vorbei»

ROM: Italien ist überzeugt, dank seiner jüngsten Maßnahmen auf der Suche nach Alternativen zu russischem Gas eine Energiekrise im kommenden Winter vermeiden zu können. «Die Gefahr ist fast vorbei», sagte Roberto Cingolani, der Minister für den ökologischen Wandel, der Zeitung «La Stampa» (Freitag). Der parteilose Universitätsprofessor rechnete vor, dass die Gasspeicher des Landes zu 55 Prozent gefüllt seien. Bis Ende des Jahres wird erwartet, dass sie zu 90 Prozent gefüllt sind - dies und das Gas neuer Lieferanten etwa aus Afrika soll Italien dann sicher über den Winter bringen.

«Vom nächsten Jahr an können wir dann durchschnaufen, denn dann bekommen wir 18 Milliarden Kubikmeter Gas von den neuen Lieferanten, schon dieses Jahr kommen wir damit auf fünf bis sechs», sagte Cingolani. Vor Kriegsausbruch in der Ukraine hatte Italien gut 38 Prozent seines Gases oder umgerechnet gut 29 Milliarden Kubikmeter aus Russland jährlich erhalten. Zuletzt schloss Rom dann neue Deals mit Gasförderern etwa aus Algerien, Katar oder Aserbaidschan ab. «Im vorigen Jahr kamen fast 40 Prozent unseres Gases aus Russland, aktuell sind es 25 Prozent», sagte Ministerpräsident Mario Draghi.

Minister Cingolani räumte zwar ein, dass Russland «uns noch wehtun kann, wenn der Gashahn sofort zugedreht wird». Allerdings sehe er Italien für so einen Fall wesentlich besser aufgestellt als etwa Deutschland oder Österreich. Rom will Anfang 2024 alle seine Importe aus Russland mit Gas aus anderen Ländern ersetzt haben. Bis dahin sollen aktive Kohlekraftwerke einspringen, aber keine neuen in Betrieb gehen.

Für die Zukunft hofft Cingolani auf den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien. Zudem plädiert der Minister für Atomkraftwerke der neuesten Generation, «denn es ist schwierig, mit Windkraft und Photovoltaik allein alles zu schaffen». Für diesen Vorschlag hatte er in seiner Amtszeit immer wieder Kritik vor allem von Umweltschützern kassiert. Italien war Ende der 80er Jahre aus der Kernenergie ausgestiegen.


Energie-Krise: Irlands Premier warnt vor sehr schwierigem Winter

BRÜSSEL: Der irische Regierungschef Micheal Martin blickt angesichts einer befürchteten Gas-Knappheit mit Sorge in die Zukunft. Die Entscheidung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Gaslieferungen an Deutschland und andere EU-Staaten einzuschränken, verschärfe die Lage. «Wir stehen also vor einem sehr schwierigen Winter in Bezug auf die Energie-Krise», sagte der Ire am Freitag am Rande eines EU-Gipfels. «Jeder ist besorgt, dass die Inflation angeheizt wird und dass die Inflation noch weiter ansteigt.»

Die Lage stelle Europa teils vor größere Herausforderungen als während der Corona-Pandemie, sagte er mit Blick auf gemeinsames Handeln gegen die derzeit hohe Teuerungsrate. «Das ist viel komplexer als etwa die Beschaffung eines Impfstoffs, auch wenn das für Europa ein großer Durchbruch war.» Die Frage sei, wie der Druck auf Haushalte gelindert und gleichzeitig die Inflation nicht anheizt werde.


Scholz: Sind auf Gas-Engpass vorbereitet - Aufruf zum Energiesparen

BERLIN: Bundeskanzler Olaf Scholz sieht Deutschland und die EU auf einen möglichen Stopp der Gaslieferungen aus Russland gut vorbereitet. Die Regierung und die Netzagentur rufen aber Verbraucher und Firmen zum Energiesparen auf. Es seien alles unternommen worden, um Energie aus anderen Ländern zu importieren, sagte Scholz am Freitag am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. «Das ist eine Anstrengung, die jetzt noch mal weiter beschleunigt werden muss.» Das sei zwar eine große Herausforderung. «Aber da werden wir uns unterhaken.» Der Gas-Engpass in Europa und steigende Energiepreise werden auch Thema auf dem G7-Gipfel sein, bei dem Scholz ab Sonntag im bayerischen Elmau Gastgeber sein wird.


Ifo-Geschäftsklima trübt sich wegen Energiesorgen ein

MÜNCHEN: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni aus Sorge über die Energieversorgung spürbar eingetrübt. Das Ifo-Geschäftsklima fiel im Monatsvergleich um 0,7 Punkte auf 92,3 Zähler, wie das Ifo-Institut am Freitag in München mitteilte. Analysten hatten zwar mit einer Eintrübung gerechnet, allerdings nur mit einer leichten auf 92,8 Punkte.


Belgien: Gas-Probleme in Deutschland hätten Einfluss auf ganze EU

BRÜSSEL: Belgiens Ministerpräsident Alexander de Croo hat vor EU-weiten Auswirkungen gewarnt, sollte Deutschland Schwierigkeiten mit der Gasversorgung bekommen. «Wenn Deutschland in Probleme gerät, dann hat das auch einen enormen Einfluss auf alle anderen europäischen Länder, auch auf unser Land», sagte er am Freitag am Rande eines EU-Gipfels in Brüssel. Mit Blick darauf, dass Russland sich eigentlich auch im Wirtschaftskrieg mit Europa befinde, müsse man zusammenstehen.

«Es gibt kein besseres Argument für die Tatsache, dass wir das gemeinsam machen müssen, als die Folgen zu betrachten, die Deutschland potenziell erleidet», so der Regierungschef. Man werde vielleicht einen schwierigen Winter erleben. Mit Blick auf mögliche Schwierigkeiten bei der Gasversorgung sprach er sich für Preisobergrenzen und gemeinsame Einkäufe des Rohstoffs aus.

Während sich die EU-Staaten bereits im März bei einem Gipfel darauf verständigt hatten, Gas gemeinsam einkaufen zu wollen, sieht es bei Preisobergrenzen anders aus. Bislang gibt es nur für Spanien und Portugal entsprechende Ausnahmen. Vor allem Länder wie Deutschland und die Niederlande sehen Preisdeckel kritisch.


Ölpreise legen leicht zu

SINGAPUR: Die Ölpreise sind am Freitag im frühen Handel leicht gestiegen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 110,30 US-Dollar. Das waren 25 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 49 Cent auf 104,76 Dollar.

Seit Mitte Juni stehen die Erdölpreise tendenziell unter Druck. Auslöser sind aufkommende Rezessionsängste. Befürchtet wird, dass die deutlichen Zinsanhebungen vieler Notenbanken im Kampf gegen die hohe Inflation die ohnehin fragile Konjunktur ins Straucheln bringt. Belastet wird die Wirtschaft seit längerem durch erhebliche Verspannungen im Welthandel, ausgelöst durch die Corona-Krise und verstärkt durch den Ukraine-Krieg.

Ungeachtet dessen befinden sich die Rohölpreise immer noch auf hohem Niveau. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat das weltweite Angebot deutlich reduziert, da russisches Öl im Westen von vielen Ländern boykottiert wird und zahlreiche andere Staaten aus Angst vor Sanktionen auf russisches Öl eher verzichten. Die Energienachfrage hat nach Beruhigung der Corona-Pandemie deutlich angezogen.


Euro hält sich über 1,05 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Freitag im frühen Handel weiter über der Marke von 1,05 US-Dollar notiert. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,0540 Dollar und damit etwas mehr als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag etwas tiefer auf 1,0493 Dollar festgelegt.

Vor dem Wochenende steht das Ifo-Geschäftsklima auf dem Programm. Deutschlands wichtigster konjunktureller Frühindikator war im März wegen des Ukraine-Kriegs eingebrochen, hat sich seither aber moderat erholt. Für Juni rechnen Analysten mit einer leichten Eintrübung. Anleger dürften auch einige Wortmeldungen ranghoher Notenbanker in den Blick nehmen.

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