Nachrichten aus der Wirtschaft am Freitag

Präsident Macron empfängt den argentinischen Präsidenten Alberto Fernandez in Paris. Foto: epa/Mohammed Badra
Präsident Macron empfängt den argentinischen Präsidenten Alberto Fernandez in Paris. Foto: epa/Mohammed Badra

Macron und Fernández fordern gemeinsames Vorgehen in Ukraine-Krieg

PARIS/BUENOS AIRES: Der französische Präsident Emmanuel Macron und Argentiniens Staatschef Alberto Fernández haben die Notwendigkeit einer gemeinsamen Antwort auf die Folgen der russischen Invasion in der Ukraine betont. «Er hat mein Anliegen und das der Region aufgegriffen: Die Welt braucht heute mehr Proteine, Lebensmittel, keine Raketen», schrieb Fernández nach dem Treffen mit Macron am Freitag in Paris auf Twitter. Man könne von der Europäischen Union und der Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (Celac) aus zusammenarbeiten, «um den Frieden wiederherzustellen», so der argentinische Präsident.

Paris war Fernández' letzte Station einer mehrtägigen Europareise, bei der er zuvor am Mittwoch in Berlin auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) getroffen hatte.

In Berlin hatten Scholz und Fernández vor den weltweiten Folgen des Ukraine-Kriegs gewarnt. Der Bundeskanzler sprach etwa steigende Preise für Lebensmittel und Energie, den möglichen Ausfall von Lebensmittellieferungen und die Gefahr von Hunger an. Zudem brachte Fernández Argentinien als alternativen Energielieferanten ins Spiel. Sein Land verfüge über das zweitgrößte Vorkommen an nicht-konventionellem Gas, das in Form von Flüssiggas weltweit vertrieben werden könne.

In Paris verwies Fernández auf die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Die Wirtschaft müsse nun wieder produzieren, das Letzte, was man nun gebrauchen könne, sei eine Rezession. Viele französische Unternehmen würden in Argentinien investieren, «und wir haben die Möglichkeit, diesen Austausch zu verstärken, insbesondere in den Bereichen Energie, Lebensmittel und Umwelt».


Kiews Bürgermeister Klitschko vor Ort beim WEF in Davos

GENF: Der Krieg in der Ukraine wird eines der beherrschenden Themen beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos. Unter anderem hat der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, seine Präsenz in dem Schweizer Alpenort zugesagt, wie das WEF am Freitag mitteilte. Präsident Wolodymyr Selenskyj werde sich virtuell zuschalten und am 23. Mai die Auftaktrede halten.

Vor Ort erwartet werden unter anderem auch der stellvertretende Ministerpräsident Mychajlo Fedorow, fünf Parlamentsabgeordnete sowie Wladimir Klitschko, der Bruder des Bürgermeisters von Kiew und Vorsitzende der Klitschko-Stiftung. «Die Welt steht an einem historischen Wendepunkt, und das verlangt von uns, dass wir uns dringend und schnell mit den derzeitigen geoökonomischen und geopolitischen Herausforderungen befassen», teilte das WEF mit.

Die Jahrestagung der 1971 gegründeten Stiftung findet traditionell im Januar in Davos statt. Sie war wegen der coronabedingten Reisebeschränkungen auf Mai verschoben worden. Das Treffen, zu dem in der Regel rund 3000 Unternehmer, Staatsbeamte, Politikerinnen und Politiker sowie Vertreter der Zivilgesellschaft kommen, findet vom 22. bis 26. Mai statt. Das Forum setzt sich nach eigenen Angaben dafür ein, dass unternehmerisches Handeln in den Dienst der Gesellschaft gestellt wird und alle Erdenbürger davon gleichermaßen profitieren.


Eurokurs gefallen - EZB-Referenzkurs: 1,0385

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Freitag gefallen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0385 (Donnerstag: 1,0408) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9629 (0,9608) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85115 (0,85293) britische Pfund, 133,91 (133,85) japanische Yen und 1,0385 (1,0377) Schweizer Franken fest.


Dax erstmals seit längerer Zeit vor Wochengewinn

FRANKFURT/MAIN: Im Dax zeichnet sich am Freitag der erste positive Wochenabschluss seit längerer Zeit ab. Gestützt auf eine global wieder anziehende Risikobereitschaft der Anleger legte der Leitindex am Nachmittag 1,52 Prozent auf 13.949,15 Punkte zu. Der MDax gewann 2,11 Prozent auf 28.774,29 Punkte und der EuroStoxx 50 stieg um 1,7 Prozent. Auch an den New Yorker Börsen zeichneten sich deutliche Kursgewinne ab. Der Euro stabilisierte sich unweit seines Fünfjahrestiefs unter der Marke von 1,04 US-Dollar. Zuletzt wurden 1,0383 Dollar gezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,0408 Dollar festgesetzt.


Verkehrsminister Wissing kritisiert Pläne zu Biosprit-Beschränkung

BERLIN: Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sieht den Vorstoß von Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) zur Beschränkung von pflanzenbasiertem Biosprit kritisch. Ihre Initiative führe zu einem höheren Ausstoß von Treibhausgasen im Verkehr, sagte Wissing am Freitag. Das sei mit den Klimazielen der Bundesregierung nicht vereinbar und innerhalb der Bundesregierung auch nicht abgestimmt, betonte der Minister. Lemke hatte zuvor angekündigt, den Einsatz von Biokraftstoffen aus angebauten Pflanzen per Gesetzesänderung begrenzen zu wollen. Sie werde dafür «zeitnah einen Vorschlag für eine Gesetzesänderung machen und diesen mit den anderen Ministerien abstimmen». Der Biosprit wird etwa aus dem Öl von Raps, Soja, Ölpalme und anderen Ölpflanzen gewonnen und anderen Kraftstoffen beigemischt.


BGH entscheidet bald zu nachträglicher Wärmedämmung bei Altbauten

KARLSRUHE: Steht ein Altbau direkt an der Grundstücksgrenze, ragt eine Extra-Dämmschicht außen zwangsläufig nach nebenan - wann muss der Nachbar das für den Klimaschutz hinnehmen? Diese Frage beschäftigt seit Freitag den Karlsruher Bundesgerichtshof (BGH) in einem Fall aus Berlin. Die meisten Bundesländer haben spezielle Regelungen geschaffen, um Sanierungen möglichst einfach zu machen. In der Hauptstadt wird betroffenen Nachbarn allerdings besonders viel zugemutet. Das könnte verfassungswidrig sein. In anderen Ländern ist unter anderem vorgeschrieben, wie viel Platz die Dämmung maximal einnehmen darf - in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel 25 Zentimeter. In Berlin fehlen solche Vorgaben.


Keine Regierungspläne für Ende der Maskenpflicht in Verkehrsmitteln

BERLIN: Die Bundesregierung plant vorerst keine Abschaffung der Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Pflicht in Bussen und Bahnen, wo man Abstände nicht einhalten könne und auf engem Raum zusammensitze, sei bislang aus gutem Grund so erlassen worden, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Freitag in Berlin. Er könne nicht davon berichten, dass es jetzt Planungen gebe, die Maskenpflicht aufzuheben. Hebestreit verwies zugleich mit Blick auf den Sommer auf eine laufende Diskussion, «indem wir uns immer wieder neu an das Pandemiegeschehen anpassen müssen». Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte sich dafür ausgesprochen, die Maskenpflicht in Bussen, Bahnen und Flugzeugen zu beenden. Das Bundesgesundheitsministerium lehnte den Vorstoß ab.


Musk: Deal zum Twitter-Kauf ausgesetzt - Aber Interesse weiter da

AUSTIN: Tech-Milliardär Elon Musk hat seinen Deal zum Kauf von Twitter für vorläufig ausgesetzt erklärt. Er wolle erst Berechnungen dazu abwarten, dass Accounts, hinter denen keine echten Nutzer stecken, tatsächlich weniger als fünf Prozent ausmachen, schrieb Musk am Freitag bei Twitter. Rund zwei Stunden später versicherte er dann, dass er aber weiterhin an der Übernahme interessiert sei. Die Twitter-Aktie notierte nach Musks Tweets tief im Minus. Nach der Ankündigung, der Deal liege auf Eis, stürzte sie um fast ein Viertel ab und notierte bei etwa 34,50 Dollar. Später erholte sich der Kurs auf 38 Dollar und nach Musks zweitem Tweet auf gut 40 Dollar. Auch das ist noch weit entfernt von den 54,20 Dollar je Aktie, die Musk den Aktionären in Aussicht gestellt hatte.


Diesel erstmals seit Anfang März wieder billiger als E10

MÜNCHEN: Zum ersten Mal seit den extremen Anstiegen der Spritpreise im März ist Diesel wieder billiger als Superbenzin der Sorte E10. Vom Preisniveau vor Beginn des Ukraine-Kriegs sind beide Kraftstoffe allerdings noch weit entfernt, wie aus Zahlen des ADAC vom Freitag hervorgeht. Demnach kostete Diesel im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Donnerstags 2,029 Euro pro Liter. Bei E10 waren es 2,030 Euro. Noch vor einer Woche hatte Diesel pro Liter 7,3 Cent mehr als E10 gekostet. Normalerweise ist Diesel deutlich günstiger, da auf Benzin höhere Steuern erhoben werden. Inklusive Mehrwertsteuer liegt die Differenz bei knapp 22 Cent. Am Markt wird dieser Wert auch unter normalen Umständen aber kaum erreicht: Im Durchschnitt der vergangenen Jahre war Diesel um die 14 Cent billiger als E10.


Verband: Kosten für Handwerksleistungen steigen

BERLIN: Kunden müssen sich auf weiter steigende Kosten für Handwerkerleistungen einstellen. Lieferengpässe und der Beginn des Ukraine-Kriegs hätten die Herstellungs- und Arbeitskosten in vielen Betrieben noch einmal stärker steigen lassen als in den vorangegangenen Quartalen, schreibt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in seinem aktuellen Konjunkturbericht. Dafür befragten die Handwerkskammern Betriebe in ganz Deutschland. Fast zwei Drittel (64 Prozent) der Betriebe hätten im vergangenen Vierteljahr die Absatzpreise erhöhen müssen, so der ZDH. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 33 Prozent. Nur drei Prozent hätten Preise gesenkt.


Einfuhrpreise für Getreide um mehr als 50 Prozent gestiegen

WIESBADEN: Der Import von Getreide nach Deutschland hat sich infolge des Ukraine-Krieges massiv verteuert. Die Einfuhrpreise stiegen im März gegenüber dem Vorjahresmonat um 53,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Einen stärken Zuwachs habe es zuletzt im Mai 2011 mit damals 74,0 Prozent gegeben. Die Preissteigerungen betreffen den Angaben zufolge alle Getreidearten. Demnach verteuerten sich Weizenimporte gegenüber März 2021 um 65,3 Prozent, Gerste, Roggen, Hafer ebenfalls um 65,3 Prozent und Mais um 37,4 Prozent. Schon vor dem Krieg in der Ukraine zogen die Preise den Angaben zufolge unter anderem wegen der starken weltweiten Nachfrage und steigender Transport- und Energiekosten an. Der Ukraine-Krieg verschärfte den Anstieg.


Proteste im Iran wegen steigender Nahrungsmittelpreise

TEHERAN: Im Iran haben drastisch steigende Preise für Grundnahrungsmittel wie Eier, Brot, Reis, Nudeln und Fleisch Protestdemonstrationen ausgelöst. Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA bestätigte am Freitag entsprechende Berichte in sozialen Medien.

Demnach setzten «Krawallmacher» bei Protesten am Donnerstagabend im Südwesten des Landes eine Moschee in Brand. Außerdem versuchten sie, einen Supermarkt zu plündern. Sicherheitskräfte seien mit Steinen beworfen worden. Die Proteste seien wieder unter Kontrolle.

In sozialen Medien waren Bilder und Videos von Straßendemonstrationen in der südwestlichen Provinz Chuzestan zu sehen, deren Echtheit nicht verifiziert werden konnte. In Videos forderten einige Demonstranten auch den Rücktritt von Präsident Ebrahim Raisi. Dieser steht seit Wochen in der Kritik, weil er auch zehn Monate nach seinem Amtsantritt sein Wahlsprechen von einem schnellen Ende der Wirtschaftskrise nicht einhalten konnte.

Den Iran plagt schon länger eine schwere Wirtschafts- und Finanzkrise. 2018 stieg die damalige US-Regierung unter Ex-Präsident Donald Trump aus dem Wiener Atomabkommen aus und verhängte Sanktionen gegen den Iran. Diese betreffen vor allem den Ölexport und damit die wichtigste Einnahmequelle des Landes. Wegen der Sanktionen hat die Führung in Teheran auch keinen Zugang zu seinen Bankkonten im Ausland. Die nationale Währung Rial hat seitdem über 50 Prozent an Wert verloren.


Nach Einigung mit EU: Spanien deckelt Gaspreis zur Stromerzeugung

MADRID: Die spanische Regierung hat eine Deckelung des Preises von Gas beschlossen, das zur Stromerzeugung benutzt wird. Diese Maßnahme werde auf dem Stromgroßmarkt zu einem Rückgang des Durchschnittspreises von Elektrizität um knapp 40 Prozent führen, sagte die Ministerin für Ökologischen Übergang, Teresa Ribera, am Freitag in Madrid. Im Zuge der durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Energiekrise hatte die Europäische Union Spanien und auch Portugal einen Eingriff in den Strommarkt für zwölf Monate erlaubt.

Die Senkung werde allen Verbrauchern in Spanien, den privaten Haushalten, den Unternehmen und der Industrie zugutekommen, sagte Ribera. «Aber diejenigen, die den regulierten Tarif nutzen, werden es sofort merken.» Der Grund: In Spanien ist der regulierte Tarif an die Strombörsen gebunden. Die circa 40 Prozent Haushalte mit einem solchen Tarif bekommen jede Preisänderung sofort zu spüren.

Auf einer Kabinettssitzung beschloss die linksgerichtete Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez eine Deckelung des Gaspreises auf 40 Euro pro Megawattstunde, die sechs Monate lang gelten soll, wie Ribera erklärte. Danach solle der Höchstpreis stufenweise angehoben werden. Im Schnitt werde für die gesamten zwölf Monate ein Preis von 48 Euro pro Megawattstunde anvisiert.

Der Strompreis werde dadurch auf dem Großmarkt auf ca. 130 Euro pro Megawattstunde fallen. Damit werde der im ersten Quartal in Spanien verzeichnete Durchschnittspreis von 210 Euro um fast 40 Prozent reduziert werden. Eine solche Maßnahme, die nach Veröffentlichung im Amtsblatt am Samstag oder spätestens am Montag in Kraft treten werde, habe es in Spanien wohl nie gegeben, betonte die Ministerin.


Inflation in Polen im April bei 12,4 Prozent

WARSCHAU: In Polen hat sich der Preisauftrieb im April weiter beschleunigt. Die Verbraucherpreise stiegen im Vergleich zum Vormonat um 2 Prozent und zum Vorjahreszeitraum um 12,4 Prozent, wie die zentrale Statistikbehörde am Freitag in Warschau mitteilte. Dies sei die höchste Teuerungsrate in Polen seit 24 Jahren, hieß es von Analysten der Bank Pekao. Als wichtigste Preistreiber nannten sie Lebensmittel sowie Energie- und Treibstoffkosten. Nach Ansicht der Experten hat Polen den Gipfel der Inflation noch vor sich: Zur Jahresmitte könne die Teuerungsrate zwischen 14 und 15 Prozent liegen.

Um die Folgen der Inflation für die Verbraucher abzumildern, hat die polnische Regierung seit Februar die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel ausgesetzt und den Steuersatz für Benzin und Dieselkraftstoff von 23 auf 8 Prozent gesenkt. Die Regelung soll sechs Monate lang gelten.


Industrieproduktion in der Eurozone gesunken

LUXEMBURG: Die Industrieproduktion in der Eurozone ist im März unter Druck geraten. Die Produktion sei um 1,8 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken, teilte das Statistikamt Eurostat am Freitag in Luxemburg mit. Volkswirte hatten mit 2,0 Prozent einen noch etwas stärkeren Rückgang erwartet. Der Anstieg im Februar fiel mit revidiert 0,5 Prozent etwas schwächer aus als zunächst ermittelt.

Gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Produktion um 0,8 Prozent. Hier hatten Experten einen Rückgang um 1,0 Prozent erwartet. Bei den Untergruppen stieg im Monatsvergleich nur die Produktion von Gebrauchsgütern. Besonders deutlich sank die Herstellung von Investitions- und Verbrauchsgütern. Auch die Produktion von Energie ging zurück.

Die Industrie leidet unter Lieferkettenengpässen sowie hohen Energie- und Rohstoffpreisen. Der Krieg in der Ukraine und die harte Corona-Politik in China sind die Hauptgründe für die Belastungen.

In den Euroländern fiel die Entwicklung sehr unterschiedlich aus. Die höchsten monatlichen Rückgänge wurden in der Slowakei (minus 5,3 Prozent), Deutschland (minus 5,0) und Luxemburg (minus 3,9) registriert. Die höchsten Anstiege wurden in Litauen (plus 11,3 Prozent), Estland (plus 5,1) und Griechenland (je plus 5,0) beobachtet.


Britisches Kabinettsmitglied: EU will London für Brexit bestrafen

LONDON: Im Streit um Brexit-Regeln für Nordirland hat ein britisches Regierungsmitglied der EU vorgeworfen, sie wolle Großbritannien für den EU-Austritt bestrafen. «Ich denke, sie will dem Vereinigten Königreich ein schlechtes Gewissen machen, weil es die EU verlassen hat», sagte der Staatssekretär für Brexit-Chancen, Jacob Rees-Mogg, am Freitag der BBC. «Das untermauert ihre ganze Politik, und sie kümmert sich nicht wirklich um die Folgen.» Rees-Mogg sagte, Großbritannien dürfe keine Rücksicht nehmen. «Wir müssen unseren eigenen Weg gehen. Wir sind ein unabhängiges Land, und was die EU will und denkt, ist zweitrangig.»

London droht der EU ultimativ mit der einseitigen Aufhebung des sogenannten Nordirland-Protokolls. Die Vereinbarung aus dem Brexit-Vertrag soll Warenkontrollen zwischen der britischen Provinz und dem EU-Staat Irland verhindern und damit neue Konflikte in der früheren Bürgerkriegsregion verhindern. Allerdings ist dadurch eine Zollgrenze zwischen Nordirland und dem Rest des Vereinigten Königreichs entstanden, die der britischen Regierung ein Dorn im Auge ist. London fordert eine Neuverhandlung des Abkommens, das Premierminister Boris Johnson selbst unterzeichnet hatte.

Rees-Mogg warf der EU vor, sie handele in böser Absicht. Der Vertrag sehe eine Überarbeitung vor, behauptete er. Diese sei aber bisher nicht erfolgt. Dem Sender Sky News sagte der konservative Politiker: «Die Überarbeitung ist nicht geschehnen, weil die EU nicht bereit war, auf Treu und Glauben zu verhandeln.» Die Vorsitzende des Binnenmarktausschusses des EU-Parlaments, Anna Cavazzini, bezeichnete es als «absurd und unverantwortlich», dass London jetzt einen Streit als Ablenkungsmanöver mit der EU beginne. «Es zeigt: Premierminister Boris Johnson steht innenpolitisch mit dem Rücken zur Wand.»

Brüssel beharrt darauf, dass es sich beim Nordirland-Protokoll um einen völkerrechtlich bindenden, internationalen Vertrag handelt. Die EU hat Änderungen vorgeschlagen, die Großbritannien aber als unzureichend und kontraproduktiv abgelehnt hat. Cavazzini betont auch, dass die EU Ruhe bewahren sollte. «Noch bewegen wir uns im Bereich vager Ankündigungen und Drohungen, die über die Presse gespielt werden», sagte die Grünen-Politikerin. Auf dieser Grundlage mache man keine Politik.


Johnson will 91.000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen

LONDON: Der britische Premierminister Boris Johnson will in den kommenden Jahren 91.000 Jobs im öffentlichen Dienst streichen und damit Milliarden für den Kampf gegen steigende Lebenshaltungskosten freimachen. Damit würde etwa jede fünfte der aktuell etwa 475.000 Vollzeitstellen im sogenannten Civil Service wegfallen.

«Wir müssen die Regierungskosten senken, um die Lebenshaltungskosten zu senken», sagte Johnson der Zeitung «Daily Mail». Er deutete Steuersenkungen an. «Jedes Pfund, das die Regierung nicht von den Steuerzahlern nimmt, ist Geld, das sie für ihre eigenen Prioritäten, für ihr eigenes Leben ausgeben können.» Der Schritt soll 3,5 Milliarden Pfund (4,1 Mrd Euro) jährlich einsparen.

Gewerkschaften reagierten empört, Kabinettsmitglied Jacob Rees-Mogg verteidigte den Schritt hingegen am Freitag. Um die Folgen des Brexits und der Corona-Pandemie zu bekämpfen, seien zusätzliche Stellen geschaffen worden, die nun nicht mehr benötigt würden. In einigen Ministerien habe sich die Zahl der Regierungsbeamten in den vergangenen Jahren verdoppelt, sagte Rees-Mogg dem Sender Sky News. Der harte Schnitt bedeute lediglich die Rückkehr zum Niveau von 2016, als die Briten mehrheitlich für den Ausstieg aus der EU votierten. Künftig solle Personal wieder effektiver eingesetzt werden.

Kritiker werfen Johnsons Regierung vor, angesichts der grassierenden Inflation viel zu wenig für die Entlastung von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu unternehmen. Experten warnen, dass Millionen Menschen wegen explodierender Kosten für Energie und Lebensmittel in Verschuldung und Armut rutschen könnten.


Nach Krypto-Einbruch: Bitcoin steigt auf 30.000 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Die Lage am Kryptomarkt hat sich am Freitag nach erheblichen Turbulenzen an den Vortagen stabilisiert. Der Bitcoin als älteste und marktgrößte Digitalwährung kostete auf dem Handelsplatz Bitfinex rund 30.300 US-Dollar (rund 28.800 Euro). Am Vortag war der Kurs bis auf 26.600 Dollar gefallen und hatte damit das tiefste Niveau seit Ende 2020 erreicht. Auch der Handel mit anderen Digitalwerten wie der zweitgrößten Internetdevise Ether beruhigte sich vor dem Wochenende.

An den Tagen zuvor hatte sich die Stimmung am Kryptomarkt erheblich verschlechtert. Marktbeobachter nannten zum einen die Aussicht auf steigende Leitzinsen als Grund, was an den Finanzmärkten derzeit generell auf die Stimmung drückt. Hinzu kamen massive Probleme mit der Kryptowährung TerraUSD, einem sogenannten Stable Coin, der sich eigentlich durch hohe Wertstabilität auszeichnen soll.

Nachdem der Kurs von TerraUSD aus bisher ungeklärten Gründen einbrach, geriet auch der komplette Kryptomarkt unter starken Druck. Selbst der nach Marktwert größte Stable Coin Tether konnte seine Anbindung an den US-Dollar kurzzeitig nicht halten. Tether ist nach Bitcoin und Ether die drittgrößte Digitalwährung überhaupt, mit einem Marktwert von etwa 80 Milliarden Dollar.


Ölpreise legen weiter zu

SINGAPUR: Die Ölpreise haben am Freitag ihren Anstieg der Vortage ausgebaut. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 109,31 US-Dollar. Das waren 1,86 Dollar mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,56 Dollar auf 107,69 Dollar.

Der Ölmarkt befindet sich seit einiger Zeit in einem Spannungsverhältnis zwischen gegenläufigen Kräften. Für steigende Erdölpreise sprechen bereits seit einigen Wochen die Angebotsbedingungen: Als Folge von Sanktionen wegen des Kriegs in der Ukraine findet russisches Rohöl in westlichen Ländern kaum noch Abnehmer. Belastet werden die Rohölpreise dagegen durch die trüben konjunkturellen Aussichten. Ein großes Thema ist derzeit die strikte Corona-Politik Chinas, die eine herbe Belastung für die Konjunktur der global zweitgrößten Volkswirtschaft darstellt.


Euro weiter bei knapp 1,04 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Freitag weiter knapp unter der Marke von 1,04 US-Dollar notiert. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,0395 Dollar und damit in etwa so viel wie am späten Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,0408 Dollar festgesetzt.

Am Donnerstag war der Euro bis auf 1,0354 Dollar gefallen. Das ist der tiefste Stand seit gut fünf Jahren. Angesichts der zuletzt deutlichen Kursverluste gerät die Parität zum Dollar, also ein Austauschverhältnis eins zu eins, immer stärker in den Blick. Am Donnerstag hatte der Schweizer Franken ein solches Verhältnis zur US-Währung das erste Mal seit 2019 erreicht.


Volkswagen-Konzernverkäufe brechen im April weiter ein

WOLFSBURG: Der Autokonzern Volkswagen hat im vergangenen Monat bei den Auslieferungen einen weiteren schweren Einbruch erlebt. Weltweit lieferten die Wolfsburger nur 516.500 Fahrzeuge aus und damit 37,8 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Dabei wog vor allem das Minus in China schwer, wo die Verkäufe um die Hälfte abrutschten. Den Konzern belastet derzeit weiter der Mangel an Elektronikchips, in China kommt die rigide Corona-Politik der Volksrepublik mit lokalen Lockdowns zusätzlich zum Tragen. Aber auch in anderen wichtigen Märkten sackten die Auslieferungen empfindlich ab, in Westeuropa um knapp 29 Prozent, in Nordamerika um rund ein Viertel. Nach den ersten vier Monaten hat der Volkswagen-Konzern mit 2,41 Millionen Autos, Lkw und Bussen 26 Prozent weniger Fahrzeuge an die Kunden übergeben als ein Jahr zuvor.

Bei den Marken des Konzerns litten im April insbesondere die Massenhersteller, aber auch bei Audi zeigte sich die Flaute deutlich. Die Kernmarke VW Pkw lieferte rund 40 Prozent weniger Fahrzeuge aus, bei Audi war es ein Rückgang auf gleichem Niveau. Bei der Sportwagentochter und Renditeperle Porsche betrug das Minus 16 Prozent. Die Traton-Holding für schwere Nutzfahrzeuge verkaufte rund ein Fünftel weniger Fahrzeuge als im Vorjahresmonat.


Studie sagt Afrikas Tourismusindustrie rasante Erholung voraus

JOHANNESBURG: Der Reise- und Tourismussektor in Afrika könnte nach einer neuen Studie innerhalb des nächsten Jahrzehnts rund 14 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Wie der Welttourismusrat WTTC in seiner am Freitag vorgestellten Studie weiter betont, könnten die jährlich rund 1,4 Millionen neuen Jobs einen wichtigen Treiber für das Wirtschaftswachstum der Länder auf Europas Nachbarkontinent darstellen. In diesem Jahr dürfte der Beitrag des Sektors zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 20,5 Prozent auf 144 Milliarden Dollar anwachsen und einen Anteil von 5,1 Prozent erreichen. Die Zahl der Beschäftigten in Afrikas Tourismusindustrie würde demnach 2022 um 3,1 Prozent auf 22 Millionen Jobs anwachsen.

Fürs nächste Jahr werden Umsätze erwartet, die noch 9 Prozent unter dem Level des Vor-Corona-Jahres 2019 liegen dürften. Nach den Schätzungen des Welttourismusrats hat die Erholung aber eingesetzt. «Afrika holt spürbar auf und dürfte in den kommenden Jahren eine deutliche Erholung erleben», erklärte WTTC-Präsidentin Julia Simpson.

In vielen Ländern Afrikas stellt die Tourismusindustrie eine wichtige Wirtschaftsstütze dar und sichert vielen Menschen ein Einkommen. Nach den schweren Corona-Restriktionen brach der internationale Tourismus aber monatelang weg, viele Lodge- oder Hotelbesitzer konnten Schulden oder Fixkosten nicht mehr decken. Vor dem Ausbruch der Pandemie mit den sie begleitenden Restriktionen sicherte der Sektor noch 25 Millionen Arbeitsplätze und trug 6,8 Prozent zum BIP bei. Doch dieser Anteil fiel im Folgejahr schon um 22,9 Prozent, die Zahl der Jobs in Afrikas Reise- und Tourismusindustrie sank auf 19,6 Millionen Arbeitsplätze.


Ukraine fordert bei G7-Treffen mehr Tempo bei Waffenlieferungen

WANGELS: Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hat die G7-Staaten zu mehr Tempo bei Waffenlieferungen aufgerufen. Wenn man kämpfe, sei es nicht hilfreich, wenn die dafür benötigten Waffen noch «auf dem Weg» seien, sagte er am Freitag nach Beratungen mit den Amtskollegen der Gruppe der führenden demokratischen Industrienationen in einem Luxushotel nahe dem Weißenhäuser Strand an der Ostsee. Man habe deswegen darüber gesprochen, wie man sicherstellen könne, dass die Ukraine all das bekomme, was sie benötige, um Russland militärisch zu schlagen.

Als wichtig für die Ukraine nannte Kuleba konkret die Lieferung von Mehrfachraketenwerfern und die Verstärkung der ukrainischen Luftstreitkräfte. Bei den Mehrfachraketenwerfern habe man gesagt bekommen, dass die Ukraine sie bekommen werde - aber so lange man sie nicht habe, sei das eine Lücke, erklärte er. Für die Lücke bei den Luftstreitkräften gebe es noch keine Lösung. «Wir werden das weiter ansprechen», sagte er.

Kuleba bat Deutschland und andere G7-Staaten zudem darum, Gesetze zu verabschieden, um Vermögenswerte des russischen Staates zu beschlagnahmen und der Ukraine für den Wiederaufbau des Landes zur Verfügung zu stellen. «Wir sprechen über hunderte Milliarden US-Dollar in Europa», sagte er. Russland müsse politisch, wirtschaftlich, aber auch finanziell für den Krieg bezahlen.

Die Außenminister der G7-Staaten wollen noch bis Samstag an der Ostsee über den Krieg in Osteuropa und Themen wie die Corona-Pandemie beraten. Deutschland hat derzeit den Vorsitz der Gruppe, der neben der Bundesrepublik die Nato-Staaten USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien und Italien sowie Japan angehören.

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