Nachrichten aus der Wirtschaft am Donnerstag

Spaziergänger auf der Schadowstraße in der Düsseldorfer Innenstadt. Foto: epa/Sascha Steinbach
Spaziergänger auf der Schadowstraße in der Düsseldorfer Innenstadt. Foto: epa/Sascha Steinbach

Dämpfer für die deutsche Konjunktur - Statistikamt gibt Daten bekannt

WIESBADEN: Lieferengpässe und die vierte Corona-Welle haben die Konjunkturerholung in Deutschland zum Ende des vergangenen Jahres abgewürgt. Erste amtliche Daten zur Wirtschaftsentwicklung in den letzten drei Monaten 2021 gibt das Statische Bundesamt an diesem Freitag (10.00 Uhr) bekannt. Die Wiesbadener Behörde ging in einer ersten Schätzung davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Europas größter Volkswirtschaft im vierten Quartal 2021 zum Vorquartal um 0,5 Prozent bis 1,0 Prozent geschrumpft ist.

Die kommenden Monate dürften angesichts der um sich greifenden Omikron-Variante des Coronavirus ebenfalls nicht einfach werden. Ökonomen gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung auch im ersten Quartal 2022 geschrumpft sein dürfte und die Konjunktur erst im Frühjahr wieder richtig anspringen wird. Jüngsten Prognosen zufolge dürfte die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr trotz etwas trüberer Aussichten immer noch zwischen etwa 3 Prozent und gut 4 Prozent zulegen. Das wäre dann wieder eine Größenordnung wie in den Jahren nach der tiefen Rezession 2009 infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise.

Für das Gesamtjahr 2021 hatte das Bundesamt anhand vorläufiger Daten ein Wachstum von 2,7 Prozent errechnet. Im Krisenjahr 2020 war die Wirtschaftsleistung Deutschlands um 4,6 Prozent eingebrochen.


Bundestag beschließt Nachtragshaushalt mit Milliarden-Umschichtung

BERLIN: Die Bundesregierung bekommt Milliarden-Spielraum für Investitionen in Klimaschutz und Digitalisierung. Der Bundestag beschloss am Donnerstag den umstrittenen, von Finanzminister Christian Lindner (FDP) vorlegten Nachtragshaushalt für 2021.

Damit werden nicht genutzte Kredite in Höhe von 60 Milliarden Euro in einem Sonderfonds so auf die hohe Kante gelegt, dass sie nicht verfallen, sondern in den kommenden Jahren genutzt werden können. Das Geld soll zweckgebunden in Klimaschutz und Transformation fließen. Ursprünglich waren die Kredite zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gewährt worden - die Union ist daher auch der Meinung, dass der Nachtragshaushalt verfassungswidrig ist und hat eine Klage angestoßen.


Eurokurs gefallen - EZB-Referenzkurs: 1,1160

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Donnerstag gefallen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1160 (Mittwoch: 1,1277) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8960 (0,8868) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,83368 (0,83458) britische Pfund, 128,74 (128,86) japanische Yen und 1,0391 (1,0386) Schweizer Franken fest.


Dax dreht ins Plus - Zinsängste bleiben

FRANKFURT/MAIN: Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag seine Anfangsverluste komplett wettgemacht. Der Dax drehte am Nachmittag ins Plus und notierte zuletzt 0,02 Prozent höher bei 15.462,14 Punkten. Im frühen Geschäft war der Leitindex um bis zu 1,7 Prozent abgesackt. Der MDax gewann zuletzt 0,05 Prozent auf 33.149,03 Zähler. Der Euro fiel deutlich auf zuletzt 1,1141 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,1277 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,21 am Vortag auf minus 0,18 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,21 Prozent auf 143,54 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,09 Prozent auf 169,86 Zähler.


Tesla erzielt 2021 Rekordgewinn von 5,5 Milliarden Dollar

AUSTIN: Trotz der globalen Chipkrise und Problemen in den Lieferketten hat der US-Elektroautobauer Tesla 2021 so viel verdient wie noch nie zuvor in einem Geschäftsjahr. Unterm Strich verbuchte der Konzern nach eigenen Angaben vom Mittwoch einen Gewinn von 5,5 Milliarden Dollar (4,9 Mrd Euro) und damit 665 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Erlöse kletterten um 71 Prozent auf 53,8 Milliarden Dollar, wie Tesla nach US-Börsenschluss in Austin mitteilte.


Intel-Chef: Chip-Knappheit bis ins Jahr 2023 hinein

SANTA CLARA: Die globale Chip-Knappheit wird nach Einschätzung des Branchenriesen Intel noch mindestens ein Jahr andauern. Die Engpässe dürften sich bis ins Jahr 2023 hinziehen, mit schrittweiser Besserung der Lage, sagte Intel-Chef Pat Gelsinger zur Vorlage aktueller Quartalszahlen. Intel konnte im vergangenen Vierteljahr dank Zuwächsen im Geschäft mit Chips für Rechenzentren seinen Umsatz steigern. Doch unter anderem die Ausgaben für den Ausbau der Produktion lasten auf der Profitabilität, was einigen Analysten und Anlegern Sorgen bereitet.


Strom aktuell 12,5 Prozent teurer als 2021 - Gas plus 73 Prozent

BERLIN: Wer im Januar einen neuen Stromtarif wählt, zahlt nach Branchenangaben im Schnitt 12,5 Prozent mehr als im Jahresmittel 2021. Der Durchschnitt der aktuell verfügbaren Stromtarife für Haushaltskunden mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch liege bei 36,19 Cent pro Kilowattstunde, berichtete der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) am Donnerstag in Berlin. Zum Vergleich: 2021 lag das Mittel bei 32,16 Cent, 2020 bei 31,81 Cent.


China weist Vorwürfe der EU im Streit um Litauen zurück

PEKING: China hat Vorwürfe der Europäischen Union zurückgewiesen, wonach Peking das baltische Land mit diskriminierenden Handelspraktiken abstrafen wolle. Die Vorwürfe seien «unbegründet und widersprechen den Tatsachen», sagte Zhao Lijian, ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums am Donnerstag. Zuvor hatte die EU am Donnerstag ein Verfahren gegen China bei der Welthandelsorganisation (WTO) eingeleitet. Es gehe um Chinas «diskriminierende Handelspraktiken gegen Litauen, die sich auch auf andere Exporte aus dem EU-Binnenmarkt auswirken», teilte die für die EU-Handelspolitik zuständige Behörde am Donnerstag in Brüssel mit.


Bundesregierung gerät nach KfW-Förderstopp zunehmend unter Druck

BERLIN: Die Bundesregierung gerät nach dem umstrittenen KfW-Förderstopp für energieeffiziente Gebäude unter Druck. Nun soll es dazu eine Bauministerkonferenz der Länder mit dem Bund geben, wie die baden-württembergische Ressortchefin Nicole Razavi am Donnerstag sagte. Die Unionsfraktion im Bundestag forderte die Bundesregierung auf, den Förderstopp umgehend rückgängig zu machen. Offen ist weiter die Frage, wie genau es mit eingegangenen, aber noch nicht beschiedenen Anträgen auf eine Förderung weitergeht. Mehrere Länder hatten eine Sonderkonferenz mit der Bundesregierung gefordert.


Autohändler beklagen viele Auftragsstornierungen durch Hersteller

BONN: Deutsche Autohändler beklagen eine Welle von Auftragsstornierungen durch Fahrzeughersteller. Normalerweise seien diese selten und erfolgten vor allem im Zusammenhang mit Modellwechseln, doch aktuell seien sie sehr viel häufiger, sagte der Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Thomas Peckruhn, am Donnerstag. «Es ist zunehmend ein Abenteuer, ob der Kunde das gleiche Auto bekommt, das er mal bestellt hat.» In einer Umfrage des ZDK hätten 80 Prozent der 884 teilnehmenden Händler von Stornierungen berichtet.


IG Metall gibt sich trotz Mitgliederschwund kampfbereit

FRANKFURT/MAIN: Trotz eines erneuten Mitgliederschwunds hat sich die IG Metall kampfbereit gezeigt. Die Mitglieder erwarteten steigende Reallöhne sowie mehr Sicherheit beim digitalen und klimaneutralen Umbau der Industrie, sagte Gewerkschaftschef Jörg Hofmann am Donnerstag. Man werde mit entsprechenden Forderungen in die Tarifverhandlungen für Textil, Stahl sowie Metall und Elektro gehen und zudem auf Zukunftstarifverträge drängen, in denen Strategie und Beschäftigung der einzelnen Unternehmen vereinbart werde.


Mit Pseudonym auf Facebook - Zumindest für Altfälle rechtens

KARLSRUHE: Nutzer und Nutzerinnen sozialer Netzwerke wie Facebook durften sich dort vor Jahren Pseudonyme für ihre Accounts zulegen. Die sogenannte Klarnamenpflicht zur Verwendung des richtigen Namens sei für Altfälle unwirksam, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag in Karlsruhe. Hintergrund für die zeitliche Unterscheidung ist eine Gesetzesänderung. Ein Kläger und eine Klägerin bekamen mit dem Urteil in letzter Instanz Recht, nachdem zuvor am Oberlandesgericht München noch Facebook gesiegt hatte.


Deutsche Bank macht Milliardengewinn: Bestes Jahresergebnis seit 2011

FRANKFURT/MAIN: Die Deutsche Bank knüpft mit einem Milliardengewinn 2021 an ihre besten Zeiten an. Sowohl vor als auch nach Steuern fuhr der Frankfurter Dax-Konzern das beste Ergebnis seit zehn Jahren ein. «Wir haben die Deutsche Bank nachhaltig zurück in die Gewinnzone und auf Wachstumskurs gebracht. Und wir haben uns fest vorgenommen, dass uns von diesem Kurs nichts mehr abbringt», betonte Konzernchef Christian Sewing am Donnerstag. Die Aktionäre sollen am Unternehmenserfolg teilhaben und nach zwei Nullrunden wieder eine Dividende erhalten.


Mastercard verdient deutlich mehr - Geschäftsausblick aber verhalten

PURCHASE: Der US-Finanzkonzern Mastercard hat Gewinn und Erlöse dank höherer Ausgaben mit Kreditkarten weiter gesteigert. Im vierten Quartal verdiente das Unternehmen laut Mitteilung vom Donnerstag unterm Strich 2,4 Milliarden Dollar (2,2 Mrd Euro) und damit knapp ein Drittel mehr als vor einem Jahr. Der Umsatz nahm um 27 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar zu. Wie den Rivalen Visa und American Express kommt Mastercard zugute, dass sich der Tourismus vom Stillstand zu Beginn der Pandemie erholt hat. So stiegen die Auslandszahlungen im jüngsten Quartal um mehr als 50 Prozent.

Allerdings warnte Mastercard Investoren in einer Präsentation vor neuen Schwierigkeiten. So seien die grenzüberschreitenden Kreditkartenzahlungen in den vergangenen Wochen, in denen es wegen der Omikron-Virusvariante erneut Lockdowns und Reisebeschränkungen gab, schon wieder leicht gesunken. Beim Ausblick für das laufende Vierteljahr gab sich das Unternehmen deshalb entsprechend vorsichtig. Konkurrent Visa will seine Zahlen nach US-Börsenschluss vorlegen.


EU investiert über eine Milliarde in Energieinfrastruktur-Projekte

NIKOSIA/BRÜSSEL: Die EU-Länder haben sich auf Investitionen über eine Milliarde Euro in neue Projekte für die Energieinfrastruktur geeinigt. Das gab die EU-Kommission am Donnerstag bekannt. Unter anderem wird die EU den Bau einer geplanten Stromverbindung zwischen Israel, Zypern und Griechenland mit 657 Millionen Euro unterstützen. Außerdem soll unter anderem die Integration des Stromnetzes der baltischen Staaten sowie eine Leitung zwischen Schweden und Finnland gefördert werden. Auch für die Vergrößerung eines Gasspeichers in Bulgarien soll es Geld geben. In den kommenden Wochen will die EU-Kommission die Finanzierung formell absegnen.

Die zyprische Energieministerin Natasa Pilides bedankte sich per Twitter bei EU-Kommissarin Kadri Simon für die Unterstützung. Die Summe deckt rund ein Drittel der geschätzten Kosten für den Bau der rund 1200 Kilometer langen Verbindung zwischen Israel, Zypern und Griechenland ab. Das Projekt namens Euroasia Interconnector sei damit einen wichtigen Schritt weitergekommen, hieß es am Donnerstag von der zyprischen Regierung, wie der staatliche Rundfunk RIK berichtete.

Vertreter Israels, Zyperns und Griechenlands hatten im März vergangenen Jahres eine Absichtserklärung zum Bau der Stromverbindung von Israel nach Zypern (310 Kilometer) und von dort bis zur griechischen Insel Kreta (898 Kilometer) unterzeichnet. Die Beteiligung der EU an diesem für die Energiesicherheit Israels wichtigen Projekt wurde bereits damals angekündigt, aber noch nicht endgültig genehmigt, wie aus dem Energieministerium in Nikosia verlautete. Experten gehen davon aus, dass es eine Mischung aus staatlichen und privaten Investitionen geben wird, um die restlichen rund 1,3 Milliarden Euro für den Bau aufbringen zu können. Das Stromkabel soll eine der längsten Unterwasser-Stromverbindungen der Welt sein.


US-Wirtschaft 2021 um starke 5,7 Prozent gewachsen

WASHINGTON: Die US-Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um starke 5,7 Prozent gewachsen. Das teilte das Handelsministerium am Donnerstag in Washington auf Basis einer ersten Schätzung mit. Das Wachstum sei besonders durch die Steigerung von Verbraucherausgaben, Anlageinvestitionen, Exporten und Investitionen in Lagerbestände angetrieben worden, hieß es. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft stieg damit auf rund 22,99 Billionen US-Dollar. Im Jahr 2020 war die US-Wirtschaft wegen der Corona-Krise eingebrochen, das BIP war damals um 3,5 Prozent geschrumpft.


Europäische Investitionsbank bewilligte 2021 Rekord-Finanzierungen

BRÜSSEL: Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat 2021 im Zuge der Corona-Pandemie so viel Geld wie noch nie für Unternehmen und Projekte bereitgestellt. Insgesamt habe die EIB-Gruppe 95 Milliarden Euro an Finanzierungen bewilligt, sagte EIB-Präsident Werner Hoyer bei der jährlichen Pressekonferenz der Bank am Donnerstag. Das sei mehr als jede andere multilaterale Entwicklungsbank und ein Rekord. Als Hauptgrund für die Steigerung von rund 23 Prozent nannte Hoyer den Beitrag der EIB zum Kampf gegen die Pandemie. 2020 hatte die EIB demnach 77 Milliarden Euro investiert.

Der Großteil der Mittel - rund 87 Milliarden - wurde nach Angaben der EIB in der EU und etwa 8 Milliarden im Rest der Welt bereitgestellt. Die Bank wolle künftig mehr internationale Gelder mit einem eigenen Finanzierungsarm anbieten, sagte Hoyer. Fast die Hälfte der Gelder - 45 Milliarden - ging 2021 den Angaben zufolge an kleine und mittlere Unternehmen, die besonders unter der Pandemie leiden. Die Bank steckte etwa Mittel in Forschung und Herstellung von Impfstoffen und die internationale Impfallianz Covax, die Impfstoffe an Entwicklungsländer verteilt.

Rund 43 Prozent der Finanzierungen seien für Klimaschutz und nachhaltige Projekte bewilligt worden, hieß es. Diesen Bereich will die Bank laut Hoyer ausbauen und Projekte an den Zielen des Pariser Klimaabkommens orientieren. Gleichzeitig zeigte sich Hoyer skeptisch gegenüber EU-Plänen, Gas und Atomkraft innerhalb der sogenannten Taxonomie übergangsweise als nachhaltig einzustufen. Die EIB habe ihre eigene Kreditvergabepolitik und habe noch nie Atomkraftwerke finanziert. Vorgesehene Anforderungen für klimafreundliche Gaskraftwerke nannte Hoyer «schwindelerregend.» Die Mission der EIB sei es, die Klimawende durch langfristige Investitionen zu finanzieren - etwa in alternative Energien und Energieeffizienz.


EU-Länder können «grüne» Technologien künftig einfacher unterstützen

BRÜSSEL: EU-Länder können von nun an umweltfreundliche Technologien leichter mit staatlichen Gelder fördern. Die EU-Kommission hat am Donnerstag neue Beihilferegeln für die Bereiche Umwelt, Klima und Energie förmlich angenommen, wie die Brüsseler Behörde mitteilte. Die Regeln sind ab sofort in Kraft. Demnach können Staaten etwa Projekte für Elektromobilität künftig einfacher finanziell unterstützen. Umweltschädliche Sektoren, die zum Beispiel fossile Brennstoffe nutzen, sollen weniger staatliches Geld bekommen.

Bereits im Dezember hatte die EU-Kommission die Pläne gebilligt. Die für Wettbewerb zuständige Kommissarin Margrethe Vestager sagte damals, die neuen Regeln würden Investitionen der EU-Staaten unter anderem in erneuerbare Energien erleichtern, um die EU-Klimaziele schneller und effizienter zu erreichen. So wurden die Kategorien von förderfähigen Technologien ausgeweitet, die möglichen Finanzierungsbeträge erhöht und ihre Genehmigung vereinfacht. Besonders die Bereiche Verkehr und Gebäude sollen unterstützt werden, um den Energieverbrauch zu senken, etwa durch Maßnahmen wie Ladesäulen für Elektroautos oder bessere Wärmedämmung.


Nestlé will Kakaobauern Geld für Schulbesuch ihrer Kinder zahlen

VEVEY: Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé will das Risiko von Kinderarbeit in der Kakao-Produktion reduzieren. Unter anderem sollen Kakaobauern einen finanziellen Anreiz für die Anmeldung ihrer Kinder in der Schule erhalten, wie das Unternehmen mit Sitz in Vevey am Genfersee am Donnerstag mitteilte. Gleichzeitig sollen die Bauern zu nachhaltigem Anbau animiert werden. Dazu gibt es weitere Anreize für landwirtschaftliche Praktiken, die etwa die Umwelt schonen, den Ertrag steigern und für die Erschließung neuer Einkommensquellen, etwa Hühnerhaltung oder Imkerei.

In diesem Jahr will Nestlé 10.000 Familien in der Elfenbeinküste berücksichtigen, ab 2024 auch Kakaobauern in Ghana. Diese beiden Länder sind die größten Kakao-Produzenten der Welt. Armut ist weit verbreitet, und der Klimawandel, der die Kakaobäume beeinflusst, stellt die Bauern vor immer neue Herausforderungen. Nach Schätzungen des Aktionsbündnisses «Make Chocolate Fair» arbeiten in den beiden Ländern 1,5 Millionen Minderjährige «unter ausbeuterischen Bedingungen» auf Kakaoplantagen in Westafrika. Das Bündnis «Aktiv gegen Kinderarbeit» schätzt, dass es weltweit mehr als 200.000 Kinder gibt, die wie Sklaven auf Kakaoplantagen arbeiten müssen.

Aus dem neuen Nestlé-Programm sollen Familien in den ersten beiden Jahren jeweils bis zu 500 Franken (482 Euro) bekommen, anschließend 250 Franken pro Jahr. Das Geld geht sowohl an die Bauern als auch deren Frauen, die sich traditionell um die Kinderbetreuung kümmerten, wie das Unternehmen mitteilte. Nestlé will irgendwann nur noch zertifizierte Kakao-Produkte verwenden, also solche, die nachhaltig und fair produziert werden. Wann es so weit ist, teilte das Unternehmen nicht mit. Es will seine jährlichen Investitionen zur Förderung der Nachhaltigkeit verdreifachen und bis 2030 insgesamt 1,3 Milliarden Franken (1,25 Mrd Euro) dafür ausgeben.


Bankenaufseher starten Klimastresstest für Banken im Euroraum

FRANKFURT/MAIN: Die EZB-Bankenaufseher wollen wissen, wie gut Europas Finanzhäuser gegen finanzielle und wirtschaftliche Schocks aus Klimarisiken gewappnet sind. Dazu leitete die Europäische Zentralbank am Donnerstag einen Klimastresstest ein. Ab März sollen die Finanzinstitute ihre Formulare für den Test zur Bewertung übermitteln. Die Ergebnisse sollen im Juli veröffentlicht werden.

Die Aufseher betonten, dass es bei dem Test keine Durchfaller geben werde. Er werde auch keine direkten Auswirkungen für die Kapitalausstattung der Institute haben. Es sollten Schwachstellen und Herausforderungen der Banken im Zusammenhang mit der Steuerung von Klimarisiken identifiziert werden. Der Test werde sowohl den Banken als auch der Bankenaufsicht viele Erkenntnisse liefern. Die EZB überwacht seit November 2014 die größten Banken im Euroraum.


EU-Kommissarin hofft auf Fortschritte bei Bankenunion in diesem Jahr

FRANKFURT/MAIN: EU-Finanzkommissarin Maired McGuinness hofft auf entscheidende Schritte bei der Vollendung der europäischen Bankenunion in diesem Jahr. «Als EU-Kommission sind wir fest davon überzeugt, dass die Bankenunion vollendet werden muss», sagte McGuinness am Donnerstag in Frankfurt. Möglicherweise sei dieses Jahr das Jahr, in dem es Durchbrüche geben könnte.

Umstritten ist seit Jahren vor allem eine gemeinsame europäische Einlagensicherung Edis (European deposit insurance scheme). Insbesondere Deutschland bremst bislang. Bereits auf den Weg gebracht haben die Europäer als Antwort auf die Finanzmarktkrise 2008 eine gemeinsame Aufsicht und gemeinsame Regeln, falls Banken abgewickelt werden müssen.

Zugleich verteidigte McGuinness den umstrittenen Vorschlag der EU-Kommission, wonach Gas- und Atomkraftwerke unter bestimmten Voraussetzungen als Übergangstechnik als «grüne» Investitionen eingestuft werden. Die sogenannte Taxonomie definiert, welche Bereiche der Wirtschaft als klimafreundlich gelten. Es gehe darum, die Klimaziele auch praktisch zu erreichen, sagte die EU-Kommissarin.

Derzeit analysiert die Kommission die Stellungnahmen aus den Mitgliedstaaten, des EU-Parlaments und von Beratergremien zu dem Entwurf. Der endgültige Vorschlag soll kommenden Mittwoch (2. Februar) vorgelegt werden. Es gebe Spielraum für Änderungen, sagte McGuinness. Grundlegendes werde sich aber nicht ändern.


Türkische Notenbank erwartet deutlich höhere Inflation

ANKARA: Die türkische Zentralbank erwartet angesichts der schwachen Landeswährung Lira eine höhere Inflation. Für Ende 2022 sei mit einer Rate von 23,2 Prozent zu rechnen, sagte Zentralbankchef Sahap Kavcioglu anlässlich der Vorstellung des Inflationsberichts am Donnerstag. Bisher hatten die Währungshüter eine Rate von 11,8 Prozent prognostiziert.

Allein die Lebensmittelpreise dürften Ende des laufenden Jahres um 24,2 Prozent steigen, erwartet die Notenbank. Auch hier wurde die Prognose angehoben. Hintergrund ist vor allem die Abwertung der Lira im vergangenen Jahr, die Ende 2021 gestoppt wurde. Die Regierung will mit einer Art Einlagengarantie für Kursverluste der Lira gerade stehen.

Fachleute kritisieren, dass dieses Vorgehen nicht die Ursache behebe. Belastet wird die Landeswährung vor allem durch die Inflation von zuletzt rund 36 Prozent. Die Zentralbank reagiert bisher nicht mit einer strafferen Geldpolitik. Vielmehr hat sie ihren Leitzins im vergangenen Jahr immer weiter gesenkt. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist erklärter Gegner hoher Zinsen, die er nicht nur als Wachstumsbremse, sondern auch - und entgegen ökonomischer Grundsätze - als Inflationsherd erachtet.


Verbindung der Stromnetze Israels und Europas rückt näher

NIKOSIA/BRÜSSEL: Die EU wird den Bau der geplanten Stromverbindung zwischen Israel und Zypern mit 657 Millionen Euro unterstützen. Das teilte die zyprische Energieministerin Natasa Pilides per Twitter mit und bedankte sich bei der zuständigen EU-Kommissarin Kadri Simon für die Unterstützung. Die Summe deckt rund ein Drittel der geschätzten Kosten für den Bau der rund 1200 Kilometer langen Verbindung ab. Das Projekt namens Euroasia Interconnector sei damit einen wichtigen Schritt weitergekommen, hieß es am Donnerstag von der zyprischen Regierung, wie der staatliche Rundfunk RIK berichtete.

Vertreter Israels, Zyperns und Griechenlands hatten im März vergangenen Jahres in der zyprischen Hauptstadt Nikosia eine Absichtserklärung zum Bau der Stromverbindung von Israel nach Zypern (310 Kilometer) und von dort bis zur griechischen Insel Kreta (898 Kilometer) unterzeichnet. Die Beteiligung der EU an diesem für die Energiesicherheit Israels wichtigen Projekt wurde bereits damals angekündigt, aber noch nicht endgültig genehmigt, wie aus dem Energieministerium in Nikosia verlautete. Experten gehen davon aus, dass es eine Mischung aus staatlichen und privaten Investitionen geben wird, um die restlichen rund 1,3 Milliarden Euro für den Bau aufbringen zu können. Das Stromkabel soll eine der längsten Unterwasser-Stromverbindungen der Welt sein.


Ölpreise fallen nach mehrjährigen Höchstständen zurück

SINGAPUR: Die Ölpreise haben sich am Donnerstag wieder etwas von ihren am Vortag markierten mehrjährigen Höchstständen entfernt. Für Belastung sorgte vor allem die Aussicht auf eine straffere US-Geldpolitik. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 89,28 US-Dollar. Das waren 68 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 74 Cent auf 86,61 Dollar.

Am Mittwoch hatte Brent-Rohöl erstmals seit Oktober 2014 mehr als 90 Dollar gekostet. Der Preis für US-Rohöl war auf fast 88 Dollar gestiegen, auch das war ein mehrjähriger Höchststand. Preisauftrieb kommt seit längerem von einem eher knappen Angebot bei einer zugleich soliden Nachfrage nach Erdöl und Ölprodukten wie Benzin.

Druck am Rohölmarkt kam nach der Zinssitzung der US-Notenbank Fed vom Mittwochabend auf. Zwar ließ die Zentralbank ihren Leitzins vorerst stabil an der Nulllinie. Sie gab aber klare Signale für eine baldige Anhebung ihres Leitzinses. Zudem wurden einige Bemerkungen von Notenbankchef Jerome Powell als Hinweis auf eine rasche Zinswende gedeutet. Höhere Leitzinsen dämpfen zwar die aktuell hohe Inflation, sie belasten aber auch das Wirtschaftswachstum, was sich in der Regel in einer niedrigeren Erdölnachfrage bemerkbar macht.


Euro fällt nach US-Zinsentscheid auf Zweimonatstief

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Donnerstag im frühen Handel weiter nachgegeben. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung im Tief 1,1214 Dollar und damit so wenig wie zuletzt vor etwa zwei Monaten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag noch auf 1,1277 Dollar festgesetzt.

Der US-Dollar befindet sich seit der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed vom Mittwochabend auf breiter Front im Aufwind. Zwar ließ die Zentralbank ihren Leitzins vorerst stabil an der Nulllinie. Sie gab aber klare Signale für eine baldige Anhebung ihres Leitzinses. Nach den Worten von Notenbankchef Jerome Powell könnte es schon auf der nächsten Sitzung im März soweit sein. Hintergrund ist die hohe Inflation von zuletzt sieben Prozent.

Besondere Aufmerksamkeit riefen Äußerungen Powells hervor, die an den Märkten als Hinweis auf eine rasche Zinsstraffung gedeutet wurden. So erklärte Powell, dass die Ausgangssituation heute anders sei als bei der letzten, eher vorsichtigen Zinswende der Fed ab dem Jahr 2015. Eine Frage, ob die Fed auf jeder der planmäßig noch sieben Zinssitzungen in diesem Jahr ihren Leitzins anheben könnte, ließ er offen. Allerdings sagte Powell auch, dass das Straffungstempo nicht vorbestimmt sei und von der konjunkturellen Entwicklung abhänge.


Umfrage: Amerika steht bei deutschen Firmen weiter hoch im Kurs

NEW YORK: Die USA verlieren für deutsche Firmen auch in Zeiten von Pandemie, Lieferkettenproblemen und Handelskonflikten nicht an Attraktivität. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer und der Beratungsfirma KPMG planen 87 Prozent zusätzliche Investitionen dort. 67 Prozent wollen 2022 ihre Mitarbeiterzahl in den USA erhöhen. Das Geschäftsklima bewerten die Unternehmen weiter positiv: Im laufenden Jahr rechnen 93 Prozent mit wachsenden Umsätzen und 88 Prozent mit steigenden Gewinnen. Für die Umfrage wurden im November insgesamt 102 US-Töchter deutscher Konzerne zu Amerika als Investitionsstandort befragt.

Nachdem das wirtschaftliche Verhältnis zwischen den USA und Europa in den vergangenen Jahren von Handelsstreitigkeiten geprägt war, hat sich die Lage der Umfrage zufolge entspannt. So ging der Anteil der Unternehmen, die Zugang zu offenen Märkten und faire Handelsabkommen als wichtigsten Faktor für Geschäftserfolg in den USA betrachten, im Vergleich zum Vorjahr von 64 auf 45 Prozent zurück. Dennoch fordern fast drei von fünf befragten Firmen von der Politik den Abbau von Handelshemmnissen und Zöllen. Außerdem wünschen sich die Unternehmen Erleichterungen bei Visa für Beschäftigte in den USA. Für 75 Prozent zählt Arbeitskräftemangel zu den größten Herausforderungen.


Evergrande will Plan für Restrukturierung vorlegen

HONGKONG: Der hoch verschuldete chinesische Immobilienkonzern Evergrande hat angekündigt, innerhalb des nächsten halben Jahres einen Plan zur Restrukturierung vorzulegen. Das erklärte der Konzern in einer Mitteilung, die er am Mittwoch nach einer Telefonkonferenz mit Gläubigern an der Hongkonger Börse veröffentlichte. Evergrande hat Schulden in Höhe von mehr als 300 Milliarden US-Dollar (266 Milliarden Euro) angehäuft. Die Aktienkurse des Immobilienentwicklers sind im letzten Jahr um nahezu 90 Prozent eingebrochen.

Zuletzt stufte neben Fitch auch Standard & Poor's (S&P) als zweite internationale Rating-Agentur die Kreditwürdigkeit von Evergrande herunter - auf Kreditausfall in einigen Bereichen und damit eine Stufe vor dem kompletten Zahlungsausfall. Gleichzeitig sind auch weitere chinesische Immobilienunternehmen in Schieflage geraten, während der lange boomende Markt einen Dämpfer erlitt.


Ermittlungen gegen vier Manager nach Ölpest in Peru

LIMA: Nach einer Ölpest an der Küste von Peru hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen vier Manager des spanischen Energiekonzerns Repsol eingeleitet. Es werde gegen den Produktionsleiter der Raffinerie La Pampilla, die Umweltbeauftragte und zwei weitere leitende Angestellte ermittelt, sagte der Staatsanwalt beim Umweltministerium, Julio César Guzmán, am Mittwoch im Radiosender RPP. Den Verdächtigen werde Umweltverschmutzung vorgeworfen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen Freiheitsstrafen von vier bis sieben Jahren.

Beim Entladen eines Tankers waren vor eineinhalb Wochen etwa 6000 Barrel (je 159 Liter) Öl ausgelaufen. Hohe Wellen nach der Eruption des Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai auf Tonga hätten den Unfall verursacht, teilte Repsol mit. 21 Strände wurden kontaminiert und zahlreiche Tiere von ausgelaufenem Öl verschmutzt. Rund 2500 Arbeiter waren an den Aufräumarbeiten beteiligt. Nach Angaben von Repsol wurden bislang über 10.000 Kubikmeter verschmutzter Sand abgetragen - das entspricht mehr als 2000 Containern.

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