Nachrichten aus der Wirtschaft am Donnerstag

Fotomontage: DER FARANG
Fotomontage: DER FARANG

Energiekrise: Weitere Versorger in Großbritannien insolvent

LONDON: Infolge der stark gestiegenen Gaspreise sind in Großbritannien zwei weitere Energieversorger insolvent gegangen. Wie die Aufsichtsbehörde Ofgem am Donnerstag mitteilte, sind von dem Aus der Anbieter Entice Energy und Orbit Energy etwa 70.000 Haushalte betroffen. Sie werde nun einen Anbieter auswählen, der die Kunden der beiden Unternehmen übernehme, so die Behörde weiter.

In Großbritannien müssen immer mehr Energieversorger wegen der hohen Gaspreise Insolvenz anmelden. Das Land ist von dem Anstieg des Preises am Weltmarkt besonders stark betroffen, weil es kaum Gas auf Vorrat hält. Gleichzeitig verhindert eine gesetzliche Preisdeckelung, dass die höheren Kosten an die Kunden weitergegeben werden. Erst am Montag war mit Bulb der bislang größte Anbieter in die Knie gegangen. Das Unternehmen versorgte bislang rund 1,7 Millionen Kunden mit Energie.


EU-Rechnungshof: Verzug ist charakteristisch für EU-Verkehrsprojekte

LUXEMBURG: Die EU-Staaten bauen nach Ansicht des Europäischen Rechnungshofs die grenzüberschreitende Verkehrsinfrastruktur im Vergleich zu anderen Ländern nur schleppend aus. Zwar gehe die EU in mancher Hinsicht richtig vor, der Rechnungshof stellte aber dennoch fest, «dass andere Länder wesentlich besser abschneiden, wenn es darum geht, Verzögerungen bei den Projekten zu vermeiden». So steht in der am Donnerstag veröffentlichten Analyse auch Deutschland in der Kritik, weil der Bau der grenzüberschreitenden nördlichen Zugangsstrecke zum Brenner-Basistunnel nicht zur Priorität erklärt worden sei. Bei der Projektkoordinierung könne die EU von den Vereinigten Staaten, der Schweiz und Australien lernen, so die Prüfer.

Zudem wird bemängelt, dass im Gegensatz zu anderen Ländern oft keine angemessene Kosten-Nutzen-Analyse stattfinde. Dass die Kosten für ein Projekt, den ursprünglich anvisierten Preis im Schnitt um mehr als zwei Milliarden Euro - und damit um knapp 50 Prozent im Vergleich zur Prognose - überschritten, komme auch in den Vergleichsländern vor. Verzögerungen hingegen seien «vielleicht sogar das charakteristische Merkmal von EU-Projekten». So sei 2020 festgestellt worden, dass es bei den analysierten Projekten durchschnittlich zu einer Verzögerung von rund elf Jahren gekommen sei. Grund seien unter anderem teils widersprüchliche Prioritäten der EU-Länder, die ihre nationalen Interessen stark berücksichtigten.

Für die Analyse wurde der EU-Rahmen für große Infrastrukturprojekte mit den Regeln in Australien, Kanada, Frankreich, Norwegen, Schweiz und den USA verglichen. Insgesamt wurden sechs Projekte genauer unter die Lupe genommen. Neben dem Brenner-Basistunnel wurde auch der Fehmarnbelt-Tunnel untersucht, der Schleswig-Holstein mit Dänemark verbinden soll.


Dax weiter stabilisiert - Koalitionsvertrag hilft

FRANKFURT/MAIN: Nach zuletzt fünf schwachen Tagen hat sich der Dax am Donnerstag weiter erholt. Der Index hielt sich nach anfänglichen Gewinnen mit zuletzt 15.877 Punkten stabil um seinen Vortagesschluss herum. Der MDax raffte sich am Donnerstag etwas stärker auf, indem er um 0,52 Prozent auf 35.008,42 Zähler stieg. Der Euro hielt sich mit zuletzt gezahlten 1,1224 US-Dollar über der Marke von 1,12 US-Dollar, die am Vortag erstmals seit Juli 2020 unterschritten wurde. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,1206 Dollar festgesetzt. Am Anleihemarkt verharrte die Umlaufrendite bei minus 0,36 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,01 Prozent auf 144,92 Punkte. Der Bund-Future gewann zuletzt 0,05 Prozent auf 170,84 Zähler.


Paket- und Speditionsbranche pocht auf Ausnahmen bei 3G-Regelung

BERLIN: Deutschlands Paket- und Speditionsbranche sieht Klärungsbedarf bei der am Mittwoch in Kraft getretenen bundesweiten 3G-Regel am Arbeitsplatz. Der Logistiksektor stoße an seine Grenzen, wenn etwa auch fremdes Personal auf dem eigenen Betriebsgelände kontrolliert und möglicherweise nachgetestet werden müsse, heißt es in einem Brief der Branche an den geschäftsführenden Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).


EU-Staaten positionieren sich bei wichtigem Digital-Paket

BRÜSSEL: Die Digital-Gesetzgebung in Europa hat einen großen Schritt nach vorne gemacht. Der Rat der EU-Staaten legte am Donnerstag seine Verhandlungsposition bei zwei wichtigen Digital-Gesetzen fest. Das Gesetz über digitale Märkte (DMA, Digital Markets Act) soll die Macht von Internet-Riesen wie Facebook, Amazon und Google begrenzen. Das Gesetz über digitale Dienste (DSA, Digital Services Act) befasst sich mit gesellschaftlichen Aspekten wie Hassrede oder gefälschten Produkten.


EU-Kommission plant zentrale Datenbank für Finanzinformationen

BRÜSSEL: Der Kapitalmarkt der EU soll durch eine zentrale Datenbank mit Informationen über die Finanzen und Nachhaltigkeit von Unternehmen stärker zusammenwachsen. Die EU-Kommission schlug am Donnerstag ein Gesetzespaket zur Vereinheitlichung der europäischen Finanz- und Kapitalmärkte vor. Durch die EU-weite Informationsplattform «European Single Access Point» (ESAP) sollen Anleger leichter in der EU investieren können. In der Plattform sollen zentral Informationen über börsennotierte Unternehmen, aber auch kleinere Firmen gelistet werden.


EuGH: Getarnte Werbung im Mail-Postfach kann unzulässig sein

LUXEMBURG: Als E-Mails getarnte, unerbetene Werbenachrichten im Postfach können nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs gegen EU-Recht verstoßen. Durch die Verwechslungsgefahr mit richtigen Mails könnten Menschen gegen ihren Willen auf Werbeseiten weitergeleitet werden, teilte der EuGH am Donnerstag in Luxemburg mit. Zulässig sei sogenannte Inbox-Werbung, die fast wie eine reguläre E-Mail im Posteingang aussieht, nur wenn die Nutzerin oder der Nutzer vorab ausdrücklich zugestimmt habe, solche Nachrichten zu erhalten (Rechtssache C-102/20).


Bundesbank blickt mit Sorge auf Preissteigerungen am Immobilienmarkt

FRANKFURT/MAIN: Die Bundesbank sieht die auf breiter Front gestiegenen Preise für Häuser und Wohnungen in Deutschland mit Sorge. «Unseren Berechnungen zufolge liegen die Preise von Wohnimmobilien um 10 bis 30 Prozent über dem Wert, der durch Fundamentaldaten gerechtfertigt ist. Das ist zunehmend auch außerhalb der Ballungsräume der Fall», sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch laut Redetext bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts der Deutschen Bundesbank am Donnerstag in Frankfurt.


Foodwatch kritisiert Ampel-Pläne für Umbau der Landwirtschaft

BERLIN: Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat die Pläne von SPD, Grünen und FDP zum Umbau der Landwirtschaft als unzureichend kritisiert. Der Koalitionsvertrag sei nicht geeignet, ein zukunftsfähiges, klima- und tierfreundliches europäisches Agrarsystem zu schaffen, erklärte Foodwatch am Donnerstag in Berlin. Die neue Bundesregierung solle keine weitere Zeit mit «nationalem Klein-Klein» und freiwilligen Maßnahmen der Agrarbranche vergeuden. Sie müsse für konkrete gesetzliche Verbesserungen auf EU-Ebene sorgen.


Aldi baut Ladennetz in Frankreich deutlich aus

ESSEN: Der Discounter Aldi Nord bleibt in Frankreich auf Expansionskurs. «Im kommenden Jahr planen wir, mehr als 100 neue Verkaufsstellen zu eröffnen, um unsere Präsenz als Grundversorger zu stärken», sagte der Frankreich-Chef des Discounters Philip Demeulemeester am Donnerstag. Ziel von Aldi Nord sei es, Marktführer auf dem französischen Discountmarkt zu werden.

In diesem Jahr hatte der Discounter mit der Übernahme von rund 500 Filialen und drei Zentrallagern des Wettbewerbers Leader Price seine Präsenz im Nachbarland bereits deutlich ausgebaut. Aldi betreibt in Frankreich mittlerweile mehr als 1300 Filialen und beschäftigt dort mehr als 15.000 Mitarbeiter. «Unser Anspruch ist, dass alle Kundinnen und Kunden innerhalb einer Viertelstunde Wegzeit überall im Land eine Aldi-Filiale erreichen können», sagte Demeulemeester.

Trotz aller Bemühungen liegt allerdings der Erzrivale Lidl in Frankreich noch immer deutlich vor Aldi.


Deutsche Wirtschaft im dritten Quartal um 1,7 Prozent gewachsen

WIESBADEN: Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal etwas schwächer gewachsen als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im Zeitraum Juli bis Ende September um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie das Statische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. In einer ersten Schätzung war die Wiesbadener Behörde von einem Plus von 1,8 Prozent ausgegangen. Gegenüber dem vierten Quartal 2019, also dem Niveau vor der Corona-Krise, fiel die Wirtschaftsleistung 1,1 Prozent geringer aus.


Ölpreise stabil - Debatte über Opec-Reaktion auf Notfreigabe

SINGAPUR: Die Ölpreise haben sich am Donnerstag im frühen Handel zunächst kaum von der Stelle bewegt. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 82,40 US-Dollar. Das waren 15 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg geringfügig auf 78,41 Dollar.

Nach der Freigabe strategischer Ölreserven durch große Verbrauchsländer wie die USA dreht sich am Ölmarkt alles um die Reaktion der Förderländer. Fraglich ist, ob der Ölverbund Opec+ seinen im Sommer eingeschlagenen Kurs beibehält und seine Produktion weiterhin um 400.000 Barrel je Monat anhebt. Laut Commerzbank-Experte Carsten Fritsch könnten die Produktionserhöhungen für zweieinhalb Monate ausgesetzt werden, ohne dass es zu einer Verknappung am Ölmarkt komme.

Ein solcher Schritt würde die ohnehin angespannte Atmosphäre wohl weiter aufheizen. Am Mittwoch hatte die Internationale Energieagentur IEA Saudi-Arabien und Russland vorgehalten, mit ihrem Kurs moderater Fördererhöhungen eine künstliche Knappheit am Ölmarkt zu erzeugen. Die beiden Länder führen die 23 Länder der Opec+ faktisch an. Die Reservefreigabe der Verbrauchsländer wird auch als Reaktion auf die Weigerung der Opec+ angesehen, ihre Förderung stärker auszuweiten. Hintergrund der Debatte sind die hohen Ölpreise, die als Bedrohung für die wirtschaftlichen Erholung angesehen werden.


Euro hält sich über 1,12 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat sich am Donnerstag über der Marke von 1,12 US-Dollar gehalten. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1215 US-Dollar und damit geringfügig mehr als am späten Vorabend. Am Vortag war der Kurs erstmals seit Mitte 2020 unter 1,12 Dollar gerutscht. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag auf 1,1206 Dollar festgesetzt.

Nach zahlreichen Wirtschaftszahlen zur Wochenmitte dürfte der Donnerstag ruhiger ausfallen. Grund ist der nationale US-Feiertag Thanksgiving, der die Aktivität in den USA deutlich bremst. In der Eurozone dürften Marktteilnehmer das Protokoll zur jüngsten EZB-Zinssitzung nach geldpolitischen Hinweisen durchstöbern. Die kommende Zinssitzung der EZB im Dezember gilt als wichtig, weil die Notenbank über die Zukunft ihres Corona-Krisenprogramms Pepp entscheiden will.

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