Nachrichten aus der Wirtschaft am Donnerstag

Foto: Freepik
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Top-Vertreter der US-Zentralbank dürfen keine Aktien mehr kaufen

WASHINGTON: Nach umstrittenen Investments von führenden Notenbankern hat die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) strenge Regeln für Finanzmarkttransaktionen von Top-Mitarbeitern beschlossen. Die Entscheider der Zentralbank und ranghohe Mitarbeiter dürften künftig nicht mehr in einzelne Aktien, Anleihen oder Derivate investieren, teilte die Fed am Donnerstag mit. Damit seien sie nun auf den Kauf diversifizierter Investments wie Fonds begrenzt, hieß es. Das Ziel ist es, mögliche Interessenskonflikte der Zentralbanker - oder auch nur den Anschein solcher Konflikte - zu vermeiden.

«Diese strengen neuen Regeln setzen neue Maßstäbe, um der Öffentlichkeit, der wir dienen, zu versichern, dass alle unsere ranghohen Vertreter sich ausschließlich auf den öffentlichen Auftrag der Federal Reserve konzentrieren», sagte Notenbankchef Jerome Powell. Als weitere Vorsichtsmaßnahme müssten die Betroffenen geplante Transaktionen künftig in aller Regel 45 Tage vorher anmelden und diese genehmigen lassen. Die Investments müssten jeweils für mindestens ein Jahr gehalten werden. In Zeiten von erhöhten Spannungen auf den Finanzmärkten seien Transaktionen zudem verboten.

Die Präsidenten der regionalen Filialen der Fed seien künftig verpflichtet, Finanzgeschäfte innerhalb von 30 Tagen offenzulegen - wie es für führende Vertreter der Fed bereits gilt. Zuletzt waren zwei regionale Präsidenten in die Kritik geraten, weil sie im vergangenen Frühjahr aktiv auf eigene Rechnung handelten, als die Fed die Finanzmärkte mit einer deutlichen Lockerung der Geldpolitik unterstützte. Beide sind inzwischen aus dem Amt geschieden.


Putin verspricht schnelle Gaslieferung über Nord Stream 2

SOTSCHI: Russlands Staatschef Wladimir Putin hat im Falle einer Betriebsgenehmigung für die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 eine schnelle Lieferung mit Gas zugesichert. Sie könne schon am nächsten Tag beginnen, sagte der Präsident am Donnerstag bei einem Diskussionsforum in der Stadt Sotschi am Schwarzen Meer. Die Befüllung des zweiten Stranges mit Gas werde Mitte bis Ende Dezember abgeschlossen. Die erste Röhre ist bereits mit Gas befüllt worden.

Die Bundesnetzagentur hat bis Anfang Januar Zeit, über eine Betriebserlaubnis für die Röhren zu entscheiden, die jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland liefern sollen. Das sei kein Projekt des russischen Energieriesens Gazprom, fünf europäische Firmen seien daran beteiligt, sagte Putin.

Er hatte angesichts der Gaskrise in Europa zuletzt mehrfach dafür geworben, dass Nord Stream 2 schnell an den Start geht. Die Gaspreise haben in Europa Rekordwerte erreicht. Kritiker von Gazprom vermuten, dass der Konzern nicht auf die erhöhte europäische Nachfrage reagiere, um eine rasche Inbetriebnahme der Pipeline 2 zu erzwingen. Die russische Seite hatte solche Anschuldigungen zurückgewiesen.

Russland könne den europäischen Markt mit mehr Gas beliefern, sagte Putin. «Ja, das ist möglich.» Er gab der EU einmal mehr die Schuld für die hohen Preise. Gas, das Gazprom gemäß langfristiger Verträge liefere, sei viermal günstiger als auf dem Spotmarkt.


EU-Parlament will 90 Millionen Euro aus Frontex-Budget zurückhalten

STRAßBURG: Im zweiten Anlauf hat das Europaparlament den Haushalt der EU-Grenzschutzagentur Frontex für das Jahr 2019 entlastet. Zugleich empfahlen die Abgeordneten am Donnerstag in Straßburg, zunächst 90 Millionen Euro (12 Prozent) aus dem Frontex-Budget für 2022 zurückzuhalten.

Frontex wurde zuletzt wiederholt beschuldigt, an der illegalen Zurückweisung von Migranten an den EU-Außengrenzen beteiligt gewesen zu sein. Im Frühjahr sah das Parlament zudem Mängel bei den Punkten Kostenerstattung, interne Kontrolle und der Vermeidung von Interessenkonflikten. Deshalb verschob es die Entlastung des Haushalts damals auf den Herbst.

Nun würdigte das Parlament die Frontex-Bemühungen, die Defizite zu beseitigen. Dennoch solle ein Teil des Budgets für 2022 erst freigegeben werden, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt seien. So müssten 20 fehlende Grundrechtebeobachter eingestellt und ein Mechanismus zur Meldung von Zwischenfällen an den EU-Außengrenzen eingerichtet werden. Das Parlament verhandelt in den kommenden Wochen mit den EU-Staaten über den Haushalt für das kommende Jahr. Die EU-Staaten plädieren dafür, das Frontex-Budget um 45 Millionen Euro zu kürzen.

Das Europaparlament überprüft die Ausgaben des jährlichen EU-Haushalts durch die verschiedenen Institutionen. Dabei erteilt es die für den Rechnungsabschluss notwendige Entlastung. Bei Unstimmigkeiten kann das Parlament die Entlastung aufschieben oder verweigern.


Chrzanowski rückt an die Spitze der Schwarz-Gruppe

NECKARSULM: Gerd Chrzanowski wird Anfang Dezember neuer Chef der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland). Er übernehme den Posten bei Europas größtem Lebensmittelhändler dann planmäßig nach erfolgter Einarbeitung durch den 81-jährigen Eigentümer Dieter Schwarz, wie die Schwarz-Gruppe am Donnerstag in Neckarsulm mitteilte. Im Sommer hatte Schwarz den Chefsessel kurzfristig selbst übernommen, weil der bisher an der Spitze stehende Manager Klaus Gehrig überraschend sein Amt niederlegte.

Der 50 Jahre alte Chrzanowski stand schon als Nachfolger von Gehrig fest. Die Personalie war im vergangenen Jahr verkündet worden. Doch bisher war kein Zeitpunkt für den Amtswechsel genannt worden. Der künftige Chef der Schwarz-Gruppe übergibt dann zum 1. Dezember den Vorsitz von Lidl an seinen Nachfolger Kenneth McGrath. Chrzanowski ist seit über 20 Jahren bei der Schwarz-Gruppe tätig.

Gehrig hatte sich nach Unternehmensangaben vom Sommer spontan zu dem Schritt entschlossen, da er sich bezüglich einer für ihn sehr wichtigen Personalie nicht mit Inhaber Dieter Schwarz habe einigen können. Als rechte Hand des Inhabers soll er entscheidenden Anteil daran gehabt haben, dass das Unternehmen mit seinen Töchtern Lidl und Kaufland innerhalb von gut 40 Jahren von einem kleinen Einzelhändler mit gut 30 Geschäften zu einem Weltkonzern mit mehr als 12.500 Filialen in 33 Ländern und einem Umsatz von mehr als 113 Milliarden Euro heranwuchs. Er machte Lidl nicht nur zum größten Konkurrenten von Discount-Erfinder Aldi, sondern auch zum größten Lebensmittelhändler Europas.


Euro gibt etwas nach - Türkische Lira nach Zinssenkung auf Talfahrt

FRANKFURT/MAIN: Der Kurs des Euro hat am Donnerstag leicht nachgegeben. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1645 US-Dollar. Sie notierte damit etwas niedriger als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1637 (Mittwoch: 1,1623) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8593 (0,8603) Euro.

Die eher trübe Stimmung an den Aktienmärkten belastete auch den Euro ein wenig. Steigende Preise für Energie und Industriemetalle schüren die Angst vor einer wirtschaftlichen Abkühlung. Zudem hat sich das Verbrauchervertrauen in der Eurozone im Oktober eingetrübt. Insgesamt bewegte sich der Handel beim Euro aber in ruhigen Bahnen.

Auf Rekordtiefs ist die türkische Lira gefallen. Trotz einer sehr hohen Inflationsrate hat die türkische Notenbank ihren Leitzins drastisch gesenkt. Sie gibt damit offenbar dem Druck von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nach. Der Leitzins wurde um 2,0 Prozentpunkte auf 16,0 Prozent reduziert. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einer Senkung auf 17,0 Prozent gerechnet. Die türkische Lira geriet erheblich unter Druck und fiel zum Dollar und zum Euro jeweils auf Rekordtiefs. Die türkische Lira hat zum Dollar in diesem Jahr um über 20 Prozent nachgegeben. Der Euro kostete erstmals mehr als 11 Lira.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84290 (0,84503) britische Pfund, 132,85 (132,78) japanische Yen und 1,0690 (1,0739) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1780 Dollar gehandelt. Das waren rund zwei Dollar weniger als am Vortag.


Kriselnder Bürovermieter Wework schafft es doch noch an die Börse

NEW YORK: Der Büroraumvermittler Wework hat rund zwei Jahre nach seinem spektakulär gescheiterten Börsengang doch noch einen Weg an den öffentlichen Aktienmarkt gefunden. Das angeschlagene US-Unternehmen ging am Donnerstag über eine Fusion mit der Zweckgesellschaft BowX Acquisition Corp durch die Hintertür an die Nyse. Die Aktie stieg im frühen Handel um mehr als fünf Prozent.

Wework hatte eigentlich 2019 mit großem Rummel sein Börsendebüt geben wollen, doch die Pläne des vom japanischen Tech-Investor Softbank hochgerüsteten und damals mit enormen 47 Milliarden Dollar bewerteten Start-ups endeten in einem großen Debakel. Zweifel am verlustreichen Geschäftsmodell, vor allem aber die Eskapaden und Machtfülle des umstrittenen Mitgründers Adam Neumann, schreckten Anleger ab.

Das Mammut-Projekt musste letztlich abgeblasen werden, Neumann seinen Hut nehmen und Softbank Milliarden abschreiben. Seitdem ist es um Wework relativ ruhig geworden. Die Pandemie hat das ohnehin nur bedingt lukrative Geschäftsmodell, Unternehmen Büroraum in langfristig angemieteten Immobilien zu vermitteln, weiter erschwert und 2020 für tiefrote Zahlen gesorgt. Bei der nun vollzogenen Fusion mit BowX wurde Wework nur noch mit 9,0 Milliarden Dollar bewertet.


Dax findet den Weg ins Plus

FRANKFURT/MAIN: Der Dax hat am Donnerstag seine frühen Verluste im Handelsverlauf wettgemacht und leicht zugelegt. Am Nachmittag legte der deutsche Leitindex um 0,06 Prozent auf 15.532,61 Punkte zu. Der MDax der mittelgroßen Börsenunternehmen stieg um 0,48 Prozent auf 34.706,78 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor zugleich 0,23 Prozent. Der Euro stieg und wurde am Nachmittag mit 1,1645 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuletzt am Mittwoch auf 1,1623 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite auf minus 0,22 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,18 Prozent auf 143,98 Punkte. Der Bund-Future sank zuletzt um 0,02 Prozent auf 168,58 Punkte.


FDP stemmt sich gegen Kurswechsel bei Suche nach Bundesbank-Spitze

BERLIN: Die FDP pocht bei der anstehenden Neubesetzung der Bundesbank-Spitze darauf, den bisherigen Kurs der Währungshüter beizubehalten. Jens Weidmann sei ein starker Zentralbankchef gewesen, der «die zunehmende Politisierung von Notenbanken» ebenso kritisch gesehen habe wie die ultralockere Geldpolitik, sagte Finanzpolitiker Florian Toncar. Weidmann hatte am Mittwoch überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Die FDP will mit SPD und Grünen die nächste Koalition bilden und macht sich Hoffnungen auf den Posten des Finanzministers, den bislang SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz innehat.


Modehandel klagt über Lieferengpässe

KÖLN: Fast alle Textil-, Schuh- und Lederwarengeschäfte in Deutschland kämpfen derzeit mit Lieferengpässen. «Bei einem Viertel der Textil-, Schuh- und Lederwarenhändler fehlen aktuell sogar 20 bis 40 Prozent der Herbst- und Winterware», fasste der Sprecher des Handelsverbandes Textil (BTE), Axel Augustin, am Donnerstag das Ergebnis einer Branchenumfrage zusammen. Besonders hart treffe es den Niedrigpreisbereich, für den vor allem in Fernost produziert werde.


Flixmobility übernimmt US-Fernbusunternehmen Greyhound

BERLIN/MÜNCHEN: Die Reiseplattform Flixmobility kauft das US-Fernbusunternehmen Greyhound Lines, den größten Anbieter von Fernbusreisen in Nordamerika. Für rund 172 Millionen Dollar (148 Mio Euro) übernimmt das Münchner Unternehmen, das in Deutschland vor allem für seine Marken Flixbus und Flixtrain bekannt ist, 2400 Ziele in den USA, wie beide Seiten am Donnerstag mitteilten. In Deutschland ist Flixmobility mit Abstand Marktführer auf dem Fernbusmarkt. Greyhound gehörte bislang zum britischen Transportkonzern Firstgroup.


Tesla mit nächstem Rekordquartal

PALO ALTO: Tesla hat trotz der weltweiten Chipkrise und Lieferprobleme den dritten Rekordgewinn in Folge eingefahren. Mit 1,6 Milliarden Dollar (1,4 Mrd Euro) verdiente der US-Elektroautobauer im dritten Quartal fast fünfmal mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz wuchs um 57 Prozent auf den Rekordwert von 13,8 Milliarden Dollar. Der Konzern von Starunternehmer Elon Musk baut gerade in Grünheide bei Berlin seine erste europäische Fabrik und hofft, dort noch in diesem Jahr erste Autos zu fertigen. Tesla sieht sich im Plan dafür.


Arbeitslosen-Hilfsanträge in USA gehen weiter zurück

WASHINGTON: Am US-Arbeitsmarkt hat sich die Lage erneut verbessert. In der vergangenen Woche sind die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe im Wochenvergleich um 6.000 auf 290.000 gesunken, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Es ist der mittlerweile dritte Rückgang in Folge. In der Woche zuvor war die Zahl der Hilfsanträge erstmals in der Corona-Krise unter die Marke von 300.000 gefallen.

Der jüngste Rückgang der Hilfsanträge fiel überraschend deutlich aus. Analysten hatten im Schnitt mit 297.000 Anträgen gerechnet. Die wöchentlichen Erstanträge gelten als Frühindikator für den Arbeitsmarkt.

Seit Beginn des Jahres ist die Zahl der Anträge dank der Aufhebung von Corona-Beschränkungen im Trend merklich gefallen. In den Sommermonaten war die Erholung auf dem Arbeitsmarkt allerdings zeitweise ins Stocken geraten. In der Zeit vor der Corona-Krise, die ab dem Frühjahr 2020 in den USA einsetzte, wurden pro Woche nur gut 200.000 Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt. Damals befand sich der amerikanische Jobmarkt allerdings in einem ungewöhnlich guten Zustand nahe der Vollbeschäftigung.


Kraftstoffversorgung an britischen Tankstellen wieder normal

LONDON: Die Versorgung mit Kraftstoffen an britischen Tankstellen ist nach Angaben der Regierung wieder auf einem normalen Niveau. Das berichtete die BBC am Donnerstag unter Berufung auf Statistiken des britischen Wirtschaftsministeriums. Demnach sind die Vorräte an Tankstellen im Vereinigten Königreich im Durchschnitt wieder auf 45 Prozent gestiegen - so hoch wie zuletzt im Mai.

Noch vor wenigen Wochen waren Autofahrer in Großbritannien mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert. Viele Tankstellen saßen auf dem Trockenen. Der Tiefstand wurde am 25. September erreicht, als die durchschnittlichen Kraftstoffvorräte auf 15 Prozent sanken.

Hintergrund für die Probleme war ein akuter Mangel an Lastwagenfahrern in Großbritannien. Schätzungen zufolge fehlen im Vereinigten Königreich etwa 100.000 Lkw-Fahrer. Wegen der nach dem Brexit verschärften Einwanderungsregeln kann dies nicht mehr kurzfristig mit Arbeitnehmern aus der EU ausgeglichen werden. Zudem kam es nach ersten Berichten über Engpässe zu einem starken Anstieg der Nachfrage bei Kraftstoffen.

Die britische Regierung hatte die Armee auf den Plan gerufen, um die Kraftstoffkrise in den Griff zu bekommen. Außerdem sollten insgesamt 5000 befristete Visa für Lastwagenfahrer ausgegeben werden. Das Interesse daran hielt sich jedoch sehr in Grenzen.


Hypo-Alpe-Adria-Affäre: Fast alle Forderungen der Gläubiger erfüllt

WIEN/KLAGENFURT: Fast alle Forderungen der Gläubiger der einstigen österreichischen Pleitebank Hypo Alpe Adria sind bedient worden. Die Hauptversammlung der Heta als Bad Bank habe nun die vorzeitige Endverteilung von knapp 150 Millionen Euro an die Gläubiger beschlossen, teilte die Finanzmarktaufsicht (FMA) am Donnerstag in Wien mit. Damit summiere sich die Verwertung des Vermögens der Bank auf 10,85 Milliarden Euro. Dies entspreche einer Quote von 86,3 Prozent der Forderungen. Zum Start der Arbeit der Bad Bank 2015 war im schlimmsten Fall eine Quote von nur rund 35 Prozent erwartet worden.

Von der Pleite der Hypo Alpe Adria waren unter anderem die Commerzbank und die Bayerische Landesbank betroffen. «So schmerzhaft und kostspielig das Scheitern der Hypo Alpe Adria Gruppe auch war, das neue europäische Abwicklungsregime hat sich beim ersten Realitätstest zum Erhalt und zur bestmöglichen Realisierung der Vermögenswerte bewährt», erklärten die FMA-Vorstände Helmut Ettl und Eduard Müller laut Mitteilung.

Die Hypo Alpe Adria war die ehemalige Kärntner Landesbank und hatte so hohe Schulden, dass sogar die Pleite Kärntens im Raum stand, bevor die Wiener Bundesregierung einsprang.


Ukrainische Staatsfirmen wollen bei Nord-Stream-2-Zulassung mitreden

KIEW: Im Streit über die fertiggestellte Erdgaspipeline Nord Stream 2 haben zwei ukrainische Staatsunternehmen eigenen Angaben zufolge eine Beteiligung am Zulassungsverfahren bei der Bundesnetzagentur beantragt. «Nord Stream 2 ist nicht auf eine Diversifizierung der Routen für den Gastransport ausgerichtet und gefährdet die Sicherheit der Gaslieferungen nach Europa», erklärte der Generaldirektor des Betreiberunternehmens für das ukrainische Gastransportsystem, Serhij Makohon, laut Mitteilung vom Donnerstag.

Die Zertifizierung der Ostseepipeline zwischen Russland und Deutschland berühre die kommerziellen Interessen der Ukrainer, hieß es. Bereits der staatliche Gaskonzern Naftohas Ukrajiny hatte eine Teilnahme am Zertifizierungsverfahren beantragt.

Die Bundesnetzagentur hat bis Anfang Januar Zeit, über eine Betriebserlaubnis für die umstrittenen Röhren zu entscheiden, die jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland liefern soll. Mit der Inbetriebnahme droht das ukrainische Gastransportsystem für den Transit in die EU überflüssig zu werden. Der chronisch klammen Ukraine würden dadurch Transitgebühren in Millionenhöhe entgehen. 2020 wurden über die Ukraine noch knapp 56 Milliarden Kubikmeter Erdgas transportiert.

Die Gaspreise haben in Europa Rekordwerte erreicht. Kritiker des russischen Energieriesen Gazprom vermuten, dass dieser nicht auf die erhöhte europäische Nachfrage reagiere, um eine rasche Inbetriebnahme von Nord Stream 2 zu erzwingen. Die russische Seite hat solche Anschuldigungen mehrfach zurückgewiesen.


Evergrande sackt an der Hongkonger Börse weiter ab

PEKING: Nach dem geplatzten Teilverkauf seiner Dienstleistungssparte sind die Aktien des hoch verschuldeten chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande am Donnerstag weiter abgesackt. An der Hongkonger Börse verloren die Papiere bis zum Handelsschluss fast 12 Prozent an Wert. Seit Beginn des Jahres beläuft sich das Minus bereits auf mehr als 80 Prozent. Ein Mehrheitsverkauf des Hausverwaltungsgeschäfts hätte kurzfristig Milliarden in die Kasse spülen und dem Immobilienriesen Luft verschaffen können. Am Mittwoch hatte Evergrande jedoch mitgeteilt, dass der Verkauf an den Immobilienkonzern Hopson gestoppt wurde.


Barclays muss weniger Geld für Kreditausfälle zurücklegen

LONDON: Die britische Bank Barclays hat im abgelaufenen Quartal von der wirtschaftlichen Erholung profitiert. So musste die das Institut im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich weniger für Kreditausfälle zurücklegen. Zudem zogen die Erträge um fünf Prozent auf 5,5 Milliarden Pfund an. Der Gewinn vor Steuern legte um 71 Prozent auf knapp 2 Milliarden Pfund (2,3 Mrd Euro) zu, wie die Bank am Donnerstag mitteilte. Wichtigster Grund war der Rückgang bei der Risikovorsorge.

Unter dem Strich stand ein Gewinn von knapp 1,5 Milliarden Pfund nach 611 Millionen ein Jahr zuvor. Die Bank bestätigte zudem ihr Ziel, 2021 eine Eigenkapitalrendite von mehr als 10 Prozent zu erzielen.


HAMBURG: Ein großer Windpark mit 900 Megawatt Leistung in der Deutschen Bucht darf gebaut werden.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg teilte am Donnerstag mit, es habe den Planfeststellungsbeschluss für das Projekt Borkum Riffgrund 3 des dänischen Unternehmens Örsted erlassen. Der Windpark liegt etwa 53 Kilometer von der Insel Borkum und 55 Kilometer von der Insel Juist entfernt in der Nordsee. Auf 75 Quadratkilometer Fläche sollen 83 Windräder gebaut werden. Sie werden 242 Meter über dem Meeresspiegel aufragen. Die Rotoren haben eine Spannweite von 200 Metern. Nach Angaben von Örsted soll der Park 2024/25 in Betrieb gehen. Das Unternehmen will dann mit sechs Windparks 2,5 Millionen Haushalte in Deutschland mit Strom versorgen.


Novartis unterzeichnet neuen Deal mit Biontech für Corona-Impfstoff

BASEL: Der Pharmakonzern Novartis und das Biotechunternehmen Biontech haben eine neue Produktionsvereinbarung geschlossen. Wie Novartis am Donnerstag mitteilte, werde man die Abfüllung und Fertigstellung des mRNA-basierten Corona-Impfstoffs von Pfizer-Biontech ausweiten.

Zu diesem Zweck werde Novartis die sterilen Produktionsanlagen am Standort Ljubljana in Slowenien für die Abfüllung von mindestens 24 Millionen Dosen im Jahr 2022 nutzen. Die neue Vereinbarung folge auf frühere Liefervereinbarungen für die Abfüllung und Fertigstellung von mehr als 50 Millionen Dosen im Jahr 2021 am Novartis-Standort Stein in der Schweiz, hieß es in der Mitteilung weiter.

Im Rahmen der neuen Vereinbarung plant Novartis den Angaben zufolge, den mRNA-Wirkstoff von Biontech zu beziehen und unter sterilen Bedingungen in Fläschchen abzufüllen, die dann an Biontech zurückgeschickt werden. Vorbehaltlich einer endgültigen Vereinbarung plane man, den Herstellungsprozess von Stein an den Standort Ljubljana zu verlagern, um mit der Abfüllung zu beginnen und diese dann in der ersten Hälfte des Jahres 2022 zu beenden.


Medien: Schaden im «Cum-Ex»-Steuerskandal dreimal so hoch wie gedacht

HAMBURG: Der Schaden durch «Cum-Ex»-Steuergeschäfte und ähnliche illegale Betrugssysteme ist Medien-Recherchen zufolge weit höher als bislang angenommen. Die Summe belaufe sich auf weltweit rund 150 Milliarden Euro, berichteten das ARD-Magazin «Panorama» (NDR) und das Recherchezentrum Correctiv am Donnerstag. Ursprünglich war von rund 55 Milliarden Euro ausgegangen worden. Allein deutschen Finanzämtern seien nach Berechnungen des Steuerprofessors Christoph Spengel von der Uni Mannheim fast 36 Milliarden Euro entgangen.


Eurokurs wenig verändert über 1,16 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Kurs des Euro hat sich am Donnerstag nur wenig verändert. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung zu 1,1652 US-Dollar gehandelt und damit etwa zum gleichen Kurs wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Mittwochnachmittag etwas tiefer auf 1,1623 Dollar festgesetzt.

Der am Vorabend veröffentlichte Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed konnte dem Handel am Devisenmarkt keine neuen Impulse geben. Wie aus Meldungen der regionalen Notenbankdistrikte der Fed hervorgeht, hat sich das Wirtschaftswachstum in den USA zuletzt etwas abgeschwächt. Gleichzeitig wird auch von einem hohen Preisdruck berichtet. Am Markt wird mittlerweile fest damit gerechnet, dass die Notenbank noch in diesem Jahr den ersten, kleinen Schritt heraus aus der ultralockeren Geldpolitik beschließen wird und die Geldflut zur Stützung der Wirtschaft ein Stück weit eindämmt.

Im weiteren Tagesverlauf bleibt der Fokus auf die USA gerichtet. Am Nachmittag werden die wöchentlichen Daten zum US-Arbeitsmarkt und ein Indikator für die Stimmung in Industriebetrieben veröffentlicht, die für neue Impulse am Devisenmarkt sorgen könnten.

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