Nachrichten aus der Wirtschaft am Donnerstag

Foto: epa/Mauritz Antin
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Creditreform: Zahlungsmoral bei vielen Firmen schlechter geworden

NEUSS/FRANKFURT: Die Zahlungsmoral von Unternehmen in Deutschland hat sich einer Creditreform-Auswertung zufolge in Summe wieder verschlechtert. Lieferanten und Kreditgeber verzeichneten im ersten Halbjahr 2021 eine Zunahme zu spät gezahlter Rechnungen, teilte die Wirtschaftsauskunftei am Donnerstag mit. Durchschnittlich betrug der Zahlungsverzug den Angaben zufolge 10,23 Tage. Im zweiten Halbjahr 2020 waren es noch 9,79 Tage. «In fast allen Wirtschaftszweigen hat sich das Zahlungsverhalten zuletzt verschlechtert», stellte Creditreform fest.


Dax steigt dank Unternehmenszahlen und Konjunkturdaten

FRANKFURT/MAIN: Der Dax ist am Donnerstagnachmittag mit neuem Schwung noch etwas vorgerückt. Der deutsche Leitindex gewann zuletzt 0,42 Prozent auf 15.636,34 Punkte. Insgesamt hielten überwiegend positiv aufgenommene Quartalszahlen von Unternehmen den deutschen Aktienmarkt ebenso in der Spur wie eine im Juli auf Rekordstand gestiegene Wirtschaftsstimmung in der Eurozone. Der Euro baute seine Kursgewinne vom Vorabend aus und kostete zuletzt 1,1883 US-Dollar. Am Rentenmarkt blieb die Umlaufrendite bei minus 0,50 Prozent.


Ifo-Schätzung: Nur noch ein Viertel arbeitet im Homeoffice

MÜNCHEN: Nach eineinhalb Jahren Corona-Pandemie ist eine stetig wachsende Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer wieder in der Firma tätig. Im Juli arbeitete nach einer neuen Schätzung des Münchner Ifo-Instituts nur noch ein Viertel der Beschäftigten (25,5 Prozent) zumindest zeitweise zuhause, eine Fortsetzung des rückläufigen Trends der vergangenen Monate. Im Juni waren es noch 28,4 Prozent gewesen.


Studie: Erstmals seit 10 Jahren droht reales Minus bei Tariflöhnen

DÜSSELDORF: Erstmals seit einem Jahrzehnt wird der Anstieg der Tariflöhne 2021 voraussichtlich nicht ausreichen, um die allgemeine Preissteigerung auszugleichen. Ursache dafür sind vor allem die Auswirkungen der Corona-Krise, wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Donnerstag in einer Zwischenbilanz der Tarifrunde berichtete. Nach den im ersten Halbjahr und in den Vorjahren für 2021 abgeschlossenen Tarifverträgen werden die Tariflöhne in diesem Jahr laut WSI um 1,6 Prozent steigen.


VW-Konzern mit Rekordgewinn im Halbjahr

WOLFSBURG: Beflügelt von stark zunehmenden Autoverkäufen hat der Volkswagen-Konzern in der ersten Jahreshälfte einen so hohen Gewinn im laufenden Geschäft einfahren können wie noch nie. Wie die Wolfsburger am Donnerstag berichteten, erreichte das Betriebsergebnis einen Rekordwert von knapp 11,4 Milliarden Euro. Dabei seien die Rahmenbedingungen «weiterhin herausfordernd» - gemeint ist damit vor allem die anhaltende Versorgungskrise bei wichtigen Chip-Bauteilen.


Deutsche Bahn rechnet für das laufende Jahr mit weiteren Verlusten

BERLIN: Die Deutsche Bahn wird die Folgen der Corona-Krise auch in diesem Jahr noch deutlich spüren. Der bundeseigene Konzern rechnet für das Gesamtjahr mit einem operativen Verlust (Ebit) von rund zwei Milliarden Euro. Das wäre zwar ein deutlich besseres Ergebnis als im vergangenen Jahr, als die Bahn vor Steuern und Zinsen noch mehr als 4,7 Milliarden Euro und unterm Strich sogar 5,7 Milliarden Euro Verlust machte. Die Lockdown-Monate zu Jahresbeginn seien aber voraussichtlich nicht mehr voll aufzuholen, teilte der Konzern am Donnerstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen mit.


Zahl der Arbeitslosen sinkt im Juli auf 2,59 Millionen

NÜRNBERG: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juli entgegen saisonüblicher Muster weiter gesunken. Der Statistik der Bundesagentur für Arbeit zufolge waren im Juli bundesweit 2,59 Millionen Menschen ohne Job, 24.000 weniger als im Juni und 320.000 weniger als im Juli 2020. Die Arbeitslosenquote sank auf 5,6 Prozent. Es ist nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit der erste Rückgang der Arbeitslosigkeit in einem Juli seit 2006. Erfasst wurden für die Statistik Daten, die bis zum 13. Juli eingegangen waren.


Drastischer Preissprung: Inflation in Deutschland bei 3,8 Prozent

WIESBADEN: Schlechte Nachrichten für Verbraucher: Die Inflationsrate in Deutschland ist im Juli auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren gesprungen. Die Verbraucherpreise lagen um 3,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag anhand einer vorläufigen Berechnung mitteilte. Das Leben in Deutschland verteuerte sich somit kräftig - und die Teuerung dürfte in den nächsten Monaten weiter anziehen. Ökonomen halten das jedoch für ein vorübergehendes Phänomen.


Kreditkarten-Riese Mastercard mit Gewinnsprung

PURCHASE: Der Kreditkartenkonzern Mastercard hat den Gewinn dank anhaltend hoher Konsumausgaben und einer Erholung des internationalen Reiseverkehrs von der Corona-Krise kräftig erhöht. Im zweiten Quartal verdiente der Visa-Rivale laut eigener Mitteilung vom Donnerstag unterm Strich 2,3 Milliarden Dollar (1,9 Mrd Euro). Damit fiel das Nettoergebnis 46 Prozent höher aus als vor einem Jahr. Die Erlöse kletterten um 36 Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar.

Da enorme Konjunkturhilfen die Verbraucherausgaben stützten und sich der Konsum stark ins Internet verschob, wo häufiger mit Karte gezahlt wird, kamen Mastercard, Visa und American Express relativ unbeschadet durch die Krise. Im jüngsten Quartal nahmen auch Auslandszahlungen etwa für Hotels oder Flüge wieder zu, die durch den eingeschränkten Reiseverkehr in der Pandemie wegfielen. Mastercards Geschäftsbericht übertraf die Markterwartungen, die Aktie legte vorbörslich zu.


US-Wirtschaft wächst im zweiten Quartal erneut solide

WASHINGTON: Die US-Wirtschaft erholt sich weiter von dem schweren Einbruch durch die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr. Im zweiten Quartal des laufenden Jahres nahm die Wirtschaftsleistung auf das Jahr hochgerechnet um 6,5 Prozent zu, wie am Donnerstag aus Daten der US-Regierung hervorging. In den USA werden Wachstumszahlen für die Quartale stets auf das Jahr hochgerechnet. Sie geben damit an, wie sich die Wirtschaft entwickeln würde, wenn das Wachstumstempo ein Jahr lang anhielte. In Europa wird auf diese Methode verzichtet, weshalb die Zahlen nicht unmittelbar miteinander vergleichbar sind.


BGH klärt weitere Fragen zur Verjährung im VW-Dieselskandal

KARLSRUHE: Schon der Start einer Musterfeststellungsklage gegen einen Autokonzern im Dieselskandal verhindert, dass Ansprüche möglicher Betroffener verjähren. Das stellte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Donnerstag klar. So sei es im VW-Abgasskandal für den einzelnen Diesel-Käufer ausreichend gewesen, sich 2019 zum Klageregister anzumelden. Entscheidend war demnach nur, dass die Verbraucherzentralen ihre Musterklage vor Ablauf der Verjährungsfrist Ende 2018 auf den Weg gebracht hatten. Der BGH entschied außerdem, dass man sich auch zeitweise einer Musterklage anschließen kann, um mehr Zeit für die Vorbereitung einer eigenen Klage zu gewinnen. Das sei kein Rechtsmissbrauch. (Az. VI ZR 1118/20)

Die Manipulation der Abgastechnik in Millionen Diesel-Fahrzeugen von Volkswagen war im September 2015 ans Licht gekommen. Schadenersatz-Ansprüche verjähren nach drei Jahren. Klagen hätten also spätestens Ende 2018 erhoben werden müssen - wenn 2015 bereits klar war, dass der eigene Diesel betroffen ist. Trotz der breiten Medienberichterstattung damals dürften Gerichte dies nicht einfach voraussetzen, urteilte der BGH weiter. Der Fall, um den es konkret ging, muss deshalb erneut am Oberlandesgericht Naumburg verhandelt werden. Die Richter dort hatten nicht festgestellt, dass der Kläger 2015 von dem Skandal wusste.


Frust über ausstehende Zahlungen: Baggerfahrer zerlegt Neubau

BLUMBERG: Mit einem Bagger hat ein Bauunternehmer in Deutschland mutwillig einen Neubaukomplex mit etwa 30 Wohneinheiten schwer beschädigt. Dabei entstand ein Schaden von etwa einer halben Million Euro, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte.

Als Grund für die Zerstörung im Schwarzwaldort Blumberg (Baden-Württemberg) habe der 47 Jahre alte Mann angeblich zu Unrecht zurückgehaltene Zahlungen der Auftraggeber angegeben. Wohl aus «Frust», wie ein Polizeisprecher sagte, hatte der Mann am Mittwochabend mit dem Kettenfahrzeug mehrere Balkone heruntergerissen und Teile der Gebäudefassade zerstört.

Auch habe er Garagen beschädigt, auf denen Gasflaschen standen. Die Polizei habe das Gelände weiträumig absperrt, da von den beschädigten Behältern womöglich Explosionsgefahr ausgegangen sei: «Es befanden sich zwar keine Personen im Gebäude, jedoch hatte die Aktion rund 50 Schaulustige auf den Plan gerufen.»

Nach der Zerstörungsorgie habe sich der Bauunternehmer in sein Auto gesetzt und sei davongefahren. Kurz darauf habe er sich bei der Polizei gemeldet. Auf ihn kommt nun eine Anzeige wegen Sachbeschädigung zu, wie der Polizeisprecher sagte.


Diess: Europcar soll vom Vermieter zur «Mobilitätsplattform» werden

WOLFSBURG/PARIS: Volkswagen will den geplanten Rückkauf von Europcar nutzen, um die französische Firma vom reinen Autovermieter zum Service-Netzwerk für die eigenen Angebote umzubauen. «Ein Autovermietungsunternehmen ist nicht unser Ziel», sagte Konzernchef Herbert Diess am Donnerstag bei der Vorlage der Geschäftszahlen zum ersten Halbjahr. «Wir wollen es zu einer neuen Mobilitätsplattform entwickeln.» Eine Übernahme von Europcar, das früher schon einmal zu VW gehört hatte, mit Hilfe eines Konsortiums rückt nach einem ersten, gescheiterten Angebot näher. Die Franzosen hatten am Mittwochabend angekündigt, die nachgebesserte Offerte annehmen zu wollen.

Diess sagte, Europcar sei für VW «der beste Ausgangspunkt für eine künftige Mobilitätsplattform»: «Sie bringen viele grundlegende Fähigkeiten und Kenntnisse mit.» Es gehe ihm jedoch nicht so sehr darum, das klassische Vermietgeschäft zu erweitern - sondern um die Schaffung eines integrierten Dienstleistungsangebots rund ums Auto.

Auch die eigenen Flottendienste und Carsharing sollten daher mit Europcar zusammengebracht werden, meinte der VW-Konzernchef: «Wir sollten in der Lage sein, unsere Aktivität zu integrieren und sehr bald zu konsolidieren.» Bis zum Jahresende erhoffe man sich einen Abschluss des Deals. Diesem müssten Kartellbehörden noch zustimmen. Das weit verzweigte Netz der Europcar-Standorte dürfte nach Einschätzung von Branchenbeobachtern für VW auch im Rahmen des Ausbaus der Ladeinfrastruktur für Elektroautos interessant sein.


Sportwagenbauer Porsche steigert Umsatz und Betriebsgewinn deutlich

STUTTGART: Der Sportwagenbauer Porsche hat im ersten Halbjahr auch dank eines Rekords an verkauften Autos seinen Umsatz und seine Profitabilität deutlich nach oben treiben können. Im Vorjahresvergleich stiegen die Erlöse der Porsche AG - zu der neben der Auto- auch eine Finanzdienstleistungssparte gehört - um rund ein Drittel auf 16,5 Milliarden Euro, wie aus den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen der Konzernmutter VW hervorgeht. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern legte sogar um satte 127 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu. Angaben zum Nettogewinn gab es keine.

Maßgeblich getrieben wurde das Geschäft von einem Absatzrekord, den Porsche bereits vor zwei Wochen vermeldet hatte. So brachte das Stuttgarter Unternehmen zwischen Januar und Ende Juni insgesamt 153.656 Fahrzeuge an seine Kunden - so viele wie noch nie in diesem Zeitraum. Im Vorjahreszeitraum hatte die Corona-Pandemie, die Mitte März ihren Lauf nahm, Porsche und andere Autobauer noch ausgebremst. Auch deshalb fallen die prozentualen Zugewinne nun so hoch aus.

Die operative Umsatzrendite lag bei 16,9 Prozent - und damit über der ausgegebenen Zielmarke von 15 Prozent. Der Wert gibt an, wie viel vom Umsatz am Ende noch als Gewinn aus dem operativen Geschäft übrig bleibt, und ist somit der Maßstab dafür, wie profitabel eine Firma arbeitet. Trotz der guten Zwischenbilanz will das Unternehmen das Renditeziel erstmal nicht nach oben schrauben. «Bei allem Erfolg tun wir gut daran, mit beiden Füßen auf dem Boden zu bleiben», teilte Finanzvorstand Lutz Meschke mit. Er begründete das sowohl mit den Unsicherheiten durch die anhaltende Corona-Pandemie als auch mit der Halbleiter-Krise, die zurzeit branchenweit zu teils erheblichen Verzögerungen bei der Produktion und Auslieferung von Autos führt.


BGH-Urteil: Farbton des Lindt-«Goldhasen» genießt Markenschutz

KARLSRUHE: Der goldene Farbton des bekannten Schokoladen-Osterhasen von Lindt genießt Markenschutz. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Donnerstag entschieden. Der Schweizer Hersteller habe nachgewiesen, dass weit mehr als die erforderlichen 50 Prozent der potenziellen Käufer das Gold mit Lindt verbänden. Damit habe sich die Farbe als sogenannte Benutzungsmarke durchgesetzt. Dass Lindt das Gold nicht als Hausfarbe für alle seine Produkte verwendet, spielt nach diesem Urteil keine Rolle


Corona-Impfung verleiht Astrazeneca Schwung

CAMBRIDGE: Der Pharmakonzern Astrazeneca profitiert von einer weiter steigenden Nachfrage nach seinem Corona-Impfstoff. Aber auch wichtige Krebsarzneien verkaufen sich gut. In den Monaten April bis Juni zog der Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 31 Prozent auf 8,2 Milliarden Dollar (6,9 Mrd Euro) an, wie Astrazeneca am Donnerstag mitteilte. Allein mit der Impfung setzte der Konzern knapp 900 Millionen Dollar um - mehr als dreimal so viel wie im ersten Quartal. Ohne das Vakzin betrug das Umsatzplus 17 Prozent.

Steigende Ausgaben und die freiwillige Selbstverpflichtung des Konzerns, mit dem Corona-Impfstoff keinen Gewinn zu machen, drückten allerdings auf die Profitabilität. Unter dem Strich ging der Gewinn von 756 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum auf 550 Millionen Dollar zurück. Experten hatten weniger Umsatz auf dem Zettel, aber mit einem höheren Gewinn gerechnet. Die Aktie gab leicht nach.


EU-Richter müssen über Auszeichnung von Flaschenpfand entscheiden

KARLSRUHE: Ob Lebensmittelmärkte in Werbeprospekten den Preis für Flaschen oder Gläser inklusive Pfand angeben müssen, wird eine Frage für den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Der Bundesgerichtshof will von den Kollegen in Luxemburg wissen, ob nach EU-Recht ein ausgewiesener Verkaufspreis etwa für Getränkeflaschen oder Joghurt in Gläsern das Pfand enthalten muss. Sollte der EuGH die Frage bejahen, sei zu klären, ob Mitgliedstaaten der EU davon abweichende Regelungen beibehalten dürfen, sagte der Vorsitzende Richter des ersten Zivilsenats am BGH in Karlsruhe am Donnerstag. Hintergrund sind unterschiedliche Regeln nach deutschem und EU-Recht. (Az. I ZR 135/20)

Der Verband Sozialer Wettbewerb hatte die Frage grundsätzlich klären lassen wollen und deshalb eine Warenhauskette mit Sitz in Kiel verklagt. Diese hatte in einem Werbeprospekt bei Getränken und Joghurt im Glas die reinen Preise abgedruckt, mit dem Zusatz «zzgl. ... ? Pfand». Der Verband hält das für unzulässig. Der Preis müsse insgesamt angegeben werden. Wie die Kieler handhaben es allerdings die meisten Händler.

Nach der deutschen Preisangabenverordnung wäre das auch korrekt. Dort steht, dass «eine rückerstattbare Sicherheit» extra anzugeben ist, nicht im Gesamtbetrag. Diese Vorschrift ist wohl inzwischen durch europäisches Recht überholt, die deutsche Verordnung wurde aber nicht angepasst. Es sei ein vermeintlich leichter Fall, der doch kompliziert zu lösen sei, sagte der Vorsitzende Richter.


VW-Eigentümerholding Porsche SE rechnet mit mehr Gewinn

STUTTGART: Die VW-Dachgesellschaft Porsche Automobil Holding SE rechnet im laufenden Jahr dank der Entwicklung beim Volkswagen-Konzern mit einem höheren Gewinn als bisher.

Nun stehen 3,4 Milliarden bis 4,9 Milliarden Euro nach Steuern im Plan, wie das MDax-Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Bisher war das Management um Vorstandschef und VW-Chefaufseher Hans Dieter Pötsch von 2,6 Milliarden bis 4,1 Milliarden Euro ausgegangen. Das Unternehmen hatte in der vergangenen Woche aber bereits angedeutet, dass der Gewinn eher am oberen Ende der Bandbreite landen dürfte. Nachdem Volkswagen am Donnerstag das Renditeziel erneut hochgeschraubt hatte, zog nun die Porsche SE mit der höheren Prognose nach. Das Ergebnis der Stuttgarter wird maßgeblich vom Geschäftserfolg des Wolfsburger Konzerns bestimmt, an dem die Holding die Stimmrechtsmehrheit hält.


Ölpreise legen weiter zu

SINGAPUR: Die Ölpreise haben am Donnerstag ihre moderaten Aufschläge vom Vortag ausgebaut. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 74,25 Dollar. Das waren 38 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI stieg um 39 Cent auf 72,78 Dollar. Die Preise rangieren damit etwa vier Dollar unter ihren Anfang Juli erreichten Mehrjahreshochs.

Auftrieb erhielten die Preise zuletzt von einem durch die Bank schwächeren Dollar. Die US-Währung reagierte auf Hinweise der Notenbank Fed vom Vorabend, die zwar Signale für eine weniger lockere Geldpolitik gab, hierbei aber vage blieb. Da Rohöl in Dollar gehandelt wird, vergünstigt ein fallender Dollarkurs den Rohstoff für Interessenten außerhalb des Dollarraums und steigert häufig deren Nachfrage.

Unterstützung erhielt der Ölmarkt auch durch Lagerdaten aus den USA. Die Bestände an Rohöl fielen in der vergangenen Woche auf den tiefsten Stand seit Anfang 2020. Dies kann Folge einer anziehenden Nachfrage oder eines geringeren Angebots sein. Die Ölpreise reagieren auf rückläufige Vorräte häufig mit Preisaufschlägen.


Höhere Stahlnachfrage treibt Gewinn von Arcelormittal

LUXEMBURG: Europas größter Stahlkonzern Arcelormittal befindet sich weiter auf Erholungskurs. Eine starke Nachfrage sowie höhere Preise ließen Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal deutlich steigen, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. So nahm der Umsatz von knapp 11 Milliarden auf 19,3 Milliarden US-Dollar (16,3 Mrd Euro) zu. Unter dem Strich verdiente der Konkurrent von Thyssenkrupp rund 4 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen im Zuge der Pandemie noch Verluste eingefahren. Auch gegenüber dem Vorquartal konnte Arcelormittal erheblich zulegen. Konzernchef Aditya Mittal bezeichnete das Quartal als «das beste seit 2008».

Der Konzern zeigte sich weiter zuversichtlich und erwartet eine weitere Erholung der Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte. Zudem erhöhte Arcelormittal die Prognose für die weltweite Stahlnachfrage deutlich. Für die Investoren kündigte der Konzern ein 2,2 Milliarden Dollar schweres Aktienrückkaufprogramm an.


Nestlé mit starkem ersten Halbjahr - Ziele leicht angepasst

VEVEY: Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé ist dank anhaltend guter Geschäfte im Einzelhandel im ersten Halbjahr stark gewachsen. Zudem wirkten sich Preiserhöhungen und zuletzt auch der Wegfall von Corona-Beschränkungen positiv aus. Organisch - also gerechnet ohne Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe - legten die Erlöse um 8,1 Prozent zu, wie der Konzern am Donnerstag in Vevey mitteilte. Nominal betrug das Plus 1,5 Prozent auf knapp 42 Milliarden Schweizer Franken (38,7 Mrd Euro). Unter dem Strich konnte Nestlé damit seinen Gewinn auf 5,9 Milliarden Franken steigern.

Das Management um Konzernchef Mark Schneider passte seine Ziele für das Jahr etwas an. So rechnet Nestlé nun mit einem organischen Wachstum um 5 bis 6 Prozent. Zuvor hatte der Konzern noch ein organisches Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich anvisiert, was ein Plus von 4 bis 6 Prozent bedeutet.


Euro baut zum Dollar Gewinne aus

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Donnerstag seine Kursgewinne vom Vorabend ausgebaut. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung bis zu 1,1859 Dollar und damit so viel wie seit gut zwei Wochen nicht mehr. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag auf 1,1807 Dollar festgesetzt.

Auftrieb erhält der Euro seit Mittwochabend von einem durchweg schwächeren Dollar. Belastet wird die US-Währung durch die Entscheidungen der Notenbank Federal Reserve. Zwar gab die Fed nach ihrer Zinssitzung Hinweise auf eine absehbar weniger großzügige Geldpolitik. Zentralbankchef Jerome Powell blieb aber vage und erklärte, dass insbesondere die Lage auf dem Arbeitsmarkt noch nicht ausreiche, um konkreter werden zu können.

Am Donnerstag stehen zahlreiche Konjunkturdaten an, auf die Anleger achten dürften. In Deutschland werden Zahlen vom Arbeitsmarkt und zur Preisentwicklung erwartet. In den USA richtet sich die Aufmerksamkeit auf erste Wachstumszahlen zum zweiten Quartal. Die Wirtschaft dürfte ihre kräftige Erholung vom Corona-Einbruch mit erhöhtem Tempo fortgesetzt haben.

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