Nachrichten aus der Wirtschaft am Donnerstag

Eine Ansicht des Volkswagen-Logos während der Eröffnung des Brüsseler Autosalons in Brüssel. Foto: epa/Stephanie Lecocq
Eine Ansicht des Volkswagen-Logos während der Eröffnung des Brüsseler Autosalons in Brüssel. Foto: epa/Stephanie Lecocq

Produktionsausfälle durch Halbleiter-Krise nehmen im VW-Konzern zu

BERLIN/WOLFSBURG: Die Versorgungskrise bei Elektronik-Chips und weiteren wichtigen Halbleiter-Bauteilen kostet den Volkswagen-Konzern immer mehr an geplanter Produktion. Zwar schätzt die Gruppe die Folgen der Engpässe insgesamt als beherrschbar ein. Einkaufsvorstand Murat Aksel, der die Beschaffung mit einer eigenen «Taskforce» koordiniert, berichtete auf der Online-Hauptversammlung am Donnerstag auf Nachfrage von Aktionären jedoch von zunächst weiter gestiegenen Ausfällen. So habe man im ersten Halbjahr eine hohe sechsstellige Anzahl von Fahrzeugen nicht produzieren können.

Für das erste Quartal allein hatte Konzernchef Herbert Diess im Frühjahr noch eine Zahl von gut 100.000 gestrichenen Autos genannt, bei denen der komplette Deckungsbeitrag verloren gegangen sei. In vielen Werken führte der Chip-Mangel schon mehrmals zu ausgefallenen Schichten und Kurzarbeit - bei VW ebenso wie bei anderen Herstellern.

Diess deutete in seiner Rede bei dem digitalen Aktionärstreffen an, in den kommenden Monaten könnte es zu einer weiteren Produktiondrosselung kommen: «Die Auswirkungen der Halbleiter-Engpässe werden sich eher im zweiten Halbjahr bemerkbar machen.» Aksel schätzt außerdem, dass die teils starke Verteuerung von Rohstoffen «einen Effekt im unteren dreistelligen Millionenbereich» haben dürfte.

Vor allem in China gab es zuletzt zunehmende Probleme mit den knappen Hableiter-Teilen, was die Geschäfte der Wolfsburger im wichtigsten Automarkt der Welt auch ausbremste. Im Angesicht der Corona-Flaute Mitte 2020 hatten viele Autohersteller große Halbleiter-Bestellungen storniert. Dies rächt sich nun in Zeiten einer stabileren Nachfrage.


Euro nach EZB-Entscheidungen kaum verändert

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Donnerstag nur vorübergehend auf die geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) reagiert. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1784 US-Dollar. Sie notierte damit etwas niedriger als am Morgen. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,1775 (Mittwoch: 1,1772) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8493 (0,8495) Euro.

Die Geldschleusen der Notenbank bleiben weit geöffnet. In der ersten Zinssitzung nach der Verabschiedung einer neuen geldpolitischen Strategie bekräftigten die Währungshüter am Donnerstag ihren expansiven Kurs mit Zinsen auf Rekordtief und milliardenschweren Anleihekäufen. Sie änderten jedoch ihren Zinsausblick (Forward Guidance). Dieser deutet darauf hin, dass die Zinsen noch länger niedrig bleiben, da die Voraussetzungen für eine Zinserhöhung verschärft wurden.

«Mit ihrer geänderten Forward Guidance zu den Leitzinsen signalisiert die EZB, dass sie noch sehr lange an ihrer sehr expansiven Geldpolitik festhalten dürfte», kommentierte Michael Schubert, Volkswirt bei der Commerzbank. Er erwartet im Gegensatz zu anderen Ökonomen sogar, dass die EZB ihre Anleihekäufe künftig noch ausweiten wird.

Der Euro reagierte kurzzeitig mit Kursgewinnen. Er gab diese jedoch rasch wieder ab. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85563 (0,86363) britische Pfund, 129,83 (129,63) japanische Yen und 1,0829 (1,0848) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1805 Dollar gehandelt. Das waren ein Dollar mehr als am Vortag.


Dax setzt Erholung fort - EZB bleibt expansiv

FRANKFURT/MAIN: Der Dax ist auch am Donnerstag auf Erholungskurs geblieben. Der deutsche Leitindex behaupte sich im Handelsverlauf recht stabil in der Gewinnzone und stieg zuletzt um 0,69 Prozent auf 15.528,17 Punkte. Dabei half, dass die Geldschleusen der Europäischen Zentralbank (EZB) wie zuvor von Anlegern erhofft weit geöffnet bleiben. Der Euro schwankte nach den geldpolitischen Entscheidungen der EZB recht deutlich und notierte zuletzt bei 1,1795 US-Dollar. Am deutschen Anleihemarkt stagnierte die Umlaufrendite bei minus 0,46 Prozent.


Piloten: Deutsche Flughäfen sicher und gut auf Neustart vorbereitet

FRANKFURT/MAIN: Wenig Flugverkehr, dafür aber neue Probleme: Die Flughäfen in Deutschland haben nach Einschätzung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit das Corona-Jahr 2020 gut gemeistert. Sie seien für das starke Wiederanfahren des Flugverkehrs gerüstet, teilte die VC als Ergebnis ihres alljährlichen «Flughafen-Checks» am Donnerstag mit. «Die Sicherheit an deutschen Flughäfen ist insgesamt gut», erklärte VC-Sprecherin Leila Belaasri in Frankfurt.


Bosch plant weiteren Stellenabbau in mehreren Werken

STUTTGART: Der Technologiekonzern Bosch plant am badischen Standort Bühl/Bühlertal den Abbau von rund 700 Vollzeitstellen. Die Wettbewerbsfähigkeit in einem hart umkämpften Marktumfeld müsse verbessert werden, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Stuttgart mit. In dem Werk sind 3800 Personen beschäftigt und es werden unter anderem Kleinmotoren hergestellt, die etwa bei Fensterhebern oder Sitzverstellern zum Einsatz kommen. Seit Mitte vergangenen Jahres beraten laut Mitteilung Management und Betriebsrat darüber, wie der Standort langfristig wieder «solide Ergebnisse» erwirtschaften kann.


Einzelhandel appelliert an Kunden: Impfen lassen

BERLIN: Angesichts rasch steigender Inzidenzzahlen in Deutschland appelliert der Einzelhandel an die Bevölkerung, sich gegen Corona impfen zu lassen. «Nur mit einer wirkungsvollen und schnellen Impfkampagne können wir die Pandemie nachhaltig zurückdrängen und uns dauerhaft mehr Normalität auch beim Einkaufen zurückerobern», sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, am Donnerstag in Berlin. Unterstützt wurde der Aufruf des HDE von Vertretern namhafter deutscher Handelskonzerne.


Modehandel erwartet Preissteigerungen vor allem bei Billigangeboten

DÜSSELDORF: Der Modehandel in Deutschland rechnet in den nächsten Monaten aufgrund der weltweiten Logistikprobleme und der explodierenden Frachtraten mit Preissteigerungen bei Textilien. Dies werde vor allem im Niedrigpreissegment spürbar werden, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Textil (BTE), Siegfried Jacobs, am Donnerstag anlässlich der Messe Gallery Fashion & Shoes in Düsseldorf. Denn in diesem Bereich spielten die Transportkosten eine besonders große Rolle.


Unmengen von Sperrmüll nach der Flut

BERLIN: Nach der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands müssen die kommunalen Abfallentsorger Unmengen von Sperrmüll beseitigen. «Wir haben von einem Mitgliedsunternehmen aus dem Katastrophengebiet gehört, dass in drei Tagen die übliche Jahresmenge an Sperrmüll zusammengekommen sei», sagte der für die Abfallwirtschaft zuständige Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Patrick Hasenkamp. Ein anderer Entsorger habe sogar von einer Sperrmüllmenge innerhalb weniger Tage berichtet, die mit dem Aufkommen der vergangenen drei Jahre vergleichbar sei.


Weltweiter Bierausstoß sinkt weit weniger stark als befürchtet

NÜRNBERG: Corona hat dem weltweiten Bierausstoß im vergangenen Jahr sehr viel weniger anhaben können als zunächst befürchtet. Insgesamt sank das Volumen um 4,9 Prozent auf 182 Milliarden Liter, wie aus dem am Donnerstag vorgestellten BarthHaas-Bericht hervorgeht. Ursprünglich war das Unternehmen von einem Minus um 8 bis 14 Prozent ausgegangen. Der weltgrößte Hopfenhändler aus Nürnberg legt den umfassenden Marktbericht seit 145 Jahren vor. Deutschland lag mit einem Minus von 5 Prozent im weltweiten Trend und bleibt auf Rang 5 der bierproduzierenden Nationen hinter China, den USA, Brasilien und Mexiko.


EZB zementiert Politik des billigen Geldes

FRANKFURT/MAIN: Die Geldschleusen der Europäischen Zentralbank (EZB) bleiben weit geöffnet. In der ersten Zinssitzung nach der Verabschiedung einer neuen geldpolitischen Strategie bekräftigten Europas Währungshüter ihren expansiven Kurs mit Zinsen auf Rekordtief und milliardenschweren Anleihenkäufen. Ein Ende des Zinstiefs im Euroraum ist nach der Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag weiterhin nicht in Sicht. Die Notenbank mit Sitz in Frankfurt hält den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent. Auf diesem Niveau liegt der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld inzwischen seit März 2016.


Kreml: Russland bereit zu Verhandlungen über Gastransit durch Ukraine

MOSKAU: Russland hat nach der Einigung zur Ostseepipeline Nord Stream 2 die Bereitschaft zu Verhandlungen über einen Gastransit durch die Ukraine über das Jahr 2024 hinaus bekräftigt. Präsident Wladimir Putin habe immer wieder gesagt, dass Russland je nach wirtschaftlicher Notwendigkeit bereit sei, über eine Verlängerung des Vertrags zu sprechen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag der Agentur Interfax zufolge. Der aktuelle Vertrag läuft 2024 aus.

Auch Gazprom-Chef Alexej Miller stellte klar: «Die Frage neuer Mengen (...) für den Transit durch die Ukraine sollte zu Marktbedingungen und zu Marktpreisen entschieden werden.» Gazprom sei sogar bereit, mehr Gas durch das Nachbarland zu pumpen. Nord Stream 2 bedeute für den Endkunden allerdings auch geringere Gaspreise, weil der Transportweg durch die Ostsee ein kürzerer sei.

Deutschland hat sich gemäß einer mit den USA abgestimmten Erklärung dazu verpflichtet, bei Russland auf eine Fortsetzung des Vertrags mit der Ukraine um weitere zehn Jahre hinzuwirken. Die völlig verarmte Ukraine ist auf die Gebühren in Milliardenhöhe für die Durchleitung des russischen Gases nach Europa angewiesen.

Peskow sagte zu der deutsch-amerikanischen Erklärung, dass Russland die nun mögliche Fertigstellung der Pipeline Nord Stream 2 begrüße. Zugleich wies er Vorwürfe zurück, die Energiegroßmacht könne ihre Gasressourcen als politische Waffe nutzen. Russland habe «niemals seine Energieressourcen als Instrument politischen Drucks» benutzt. «Russland war und bleibt immer ein verantwortlicher Garant der Energiesicherheit auf dem europäischen Kontinent», sagte er.


Umstieg auf E-Fahrzeuge: Brüssel genehmigt Unterstützung für Firmen

BRÜSSEL: Unternehmen dürfen künftig mit Millionen dabei unterstützt werden, klimafreundlichere Fahrzeuge zu kaufen. Die EU-Kommission genehmigte eine entsprechende deutsche 507-Millionen-Maßnahme, wie am Donnerstag mitgeteilt wurde. Die Regelung stehe allen Unternehmen offen und biete direkte Zuschüsse für Nutzfahrzeuge.

So können etwa bis zu 80 Prozent des Preisunterschiedes zwischen einem kohlenstoffärmeren Fahrzeug - etwa ein Elektroauto, ein Plug-in-Hybrid oder Wasserstofffahrzeug - und einem herkömmlichen Diesel-Fahrzeug ausgeglichen werden. Je nachdem wie schwer das Fahrzeug ist, wird nicht nur eine Neuanschaffung, sondern auch eine Umrüstung der Flotte unterstützt. Wie klimafreundlich Hybrid-Fahrzeuge sind, ist jedoch umstritten. Es kommt unter anderem darauf an, wie oft diese tatsächlich geladen werden.

Darüber hinaus sind in der Regelung Zuschüsse für Investitionen in Ladeeinrichtungen und Umweltstudien vorgesehen. Die Beihilfen sollen ausgeschrieben werden. «Mit der neuen Förderung setzen wir einen Riesenanreiz für Transportunternehmen, auf klimafreundliche Nutzfahrzeuge umzusteigen», teilte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit.


EU-Kommission will Einigung zu Nord Stream 2 auf EU-Ebene diskutieren

BRÜSSEL: Die deutsch-amerikanische Einigung zum Streit um die Gaspipeline Nord Stream 2 soll nach dem Willen der EU-Kommission auf europäischer Ebene diskutiert werden. «Die Energiepolitik der EU ist nicht nur eine nationale Angelegenheit - sie erfordert eine Abstimmung mit der EU und zwischen den Mitgliedstaaten», sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde am Donnerstag in Brüssel. Die Kommission beabsichtige, mit den Mitgliedstaaten die Details der Umsetzung dieses Abkommens zu erörtern. Damit solle sichergestellt werden, dass alle Maßnahmen im Geiste der Solidarität gut koordiniert würden.

Der Sprecher betonte, dass die EU-Kommission bereitstehe, die Bemühungen um eine Verlängerung des 2024 auslaufenden Gastransitabkommens der Ukraine mit Russland zu unterstützen. Mit Blick auf Kritik an dem Abkommen verwies er darauf, dass Deutschland sich laut der Erklärung «sowohl an den Wortlaut als auch den Geist» des sogenannten Dritten Binnenmarktpakets der EU halten will, um Entflechtung und Zugang von Drittparteien sicherzustellen. Dazu gehört auch die Bewertung von Risiken aufgrund der Zertifizierung des Projektträgers für die Sicherheit der Energieversorgung der EU. Die Kommission begrüße das, sagte der Sprecher.

Im jahrelangen Streit um die deutsch-russische Ostseepipeline hatten Berlin und Washington am Mittwoch einen Durchbruch verkündet. Beide Länder veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der der Ukraine Unterstützung zugesagt wird. Die beinahe fertiggestellte Ostseepipeline soll russisches Gas nach Deutschland bringen - unter Umgehung der Ukraine, die auf die Einnahmen aus dem Gas-Transit angewiesen ist. Die USA hatten Nord Stream 2 jahrelang kritisiert und sind weiterhin gegen das Projekt, wollen nun aber auf weitere Sanktionen verzichten.


Daimler will Pkw-Geschäft ganz auf Elektromobilität ausrichten

STUTTGART: Der Autobauer Daimler hat seine Ziele auf dem Weg ins Zeitalter der Elektromobilität nachgeschärft und will sich im Pkw-Bereich bald komplett von der Verbrennertechnologie verabschieden. Man wolle unter dem Leitbegriff «Electric only» künftig das ganzes Geschäft der Pkw-Stammmarke Mercedes-Benz auf elektrisches Fahren ausrichten, teilte der Konzern am Donnerstag in Stuttgart mit. Schon im Jahr 2025 wollen die Schwaben rund 50 Prozent ihrer Neuverkäufe mit vollelektrischen oder Plug-in-Autos erzielen - das sind doppelt so viel wie bisher geplant. Man bereite sich zudem vor, bis zum Ende des Jahrzehnts «vollelektrisch zu werden».


Merkel: Einigung mit US-Regierung zu Nord Stream 2 guter Schritt

BERLIN: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Einigung mit der US-Regierung zur Gaspipeline Nord Stream 2 als guten Schritt bezeichnet. Sie überwinde aber nicht alle Differenzen, sagte Merkel am Donnerstag in Berlin. Es sei der Versuch, zwischen den USA und Deutschland bestimmte Konditionen festzulegen, die auch umgesetzt werden müssten. Es sei ganz wichtig, dass die Ukraine ein Gas-Transitland bleibe, und dass Energie nicht dazu benutzt werden könne, dass die Ukraine in eine schwierige Situation komme.


Nord Stream 2: Naftogaz-Chef zweifelt an deutschen Garantien

KIEW: In der Ukraine reißt die Kritik an der Einigung zwischen Deutschland und den USA zur umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream 2 nicht ab. Deutschland könne gar nicht garantieren, dass Russland nach der Inbetriebnahme der Gasleitung die Ukraine weiter als Transitland nutze, sagte der Chef des staatlichen Gaskonzerns Naftogaz, Juri Witrenko. «Wenn es keinen physischen Gastransit über die Ukraine gibt, dann steigt das Risiko einer großflächigen militärischen Aggression vonseiten Russlands», warnte Witrenko in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview des Internetportals von Voice of America.

Nord Stream 2 sei für die Ukraine und die gesamte Region ein Sicherheitsrisiko, meinte der Manager. Er kritisierte, dass Absprachen westlicher Länder hinter dem Rücken der Ukraine getroffen würden. «Nord Stream 2 ist ebenfalls eine geopolitische Waffe des Kremls, daher ist es nicht ganz klar, wie andere Länder - besonders die Führer der westlichen Welt - sich auf ein Kreml-Projekt einigen können», beklagte der 44-Jährige.

Am Mittwoch wurde die Einigung zwischen Deutschland und den USA zur umstrittenen deutsch-russischen Gaspipeline bekannt. Deutschland soll sich demnach dafür einsetzen, dass der bis 2024 geltende Gastransitvertrag Russlands und der Ukraine noch um bis zu zehn Jahre verlängert wird. Im Gegenzug verzichten die USA auf Sanktionen gegen Nord Stream 2. Russland drohen dem Dokument zufolge Sanktionen, sollte das Land weiter aggressiv gegen die Ukraine vorgehen.

Der Ukraine droht der Verlust ihrer traditionellen Rolle als Haupttransitland für russisches Erdgas nach Europa. Noch bis Ende 2024 verdient die finanziell klamme Ex-Sowjetrepublik jährlich umgerechnet über eine Milliarde Euro am Transit.


Britischer Staat will sich von weiteren Natwest-Anteilen trennen

LONDON: Die britische Regierung will ihren Anteil an der in der Finanzkrise mit vielen Milliarden geretteten Großbank NatWest (früher Royal Bank of Scotland) weiter reduzieren.

Ab dem 12. August sollen Anteile platziert werden, teilte die Regierung am Donnerstag in London mit. Aktuell hält der britische Staat noch knapp 55 Prozent der derzeit mit rund 23 Milliarden Pfund (27 Mrd Euro) bewerteten Bank. Die Royal Bank of Scotland war in der Finanzkrise weltweit eine der größten Problemfälle und die Regierung musste 45 Milliarden Pfund in die Bank pumpen, um diese vor der Insolvenz zu retten. Zwischenzeitlich hielt der britische Staat 84 Prozent der Anteile. 2015 begann die Regierung mit dem schrittweisen Ausstieg.


Höhere Kosten belasten Konsumgüterkonzern Unilever

ROTTERDAM/LONDON: Steigende Kosten für Rohstoffe, Verpackung und Logistik belasten den Konsumgüterkonzern Unilever zunehmend. Dies, zusammen mit wieder steigenden Investitionen, drücke auf das Ergebnis, teilte das Unternehmen am Donnerstag in London mit. Im ersten Halbjahr stiegen die Erlöse leicht um 0,3 Prozent auf 25,8 Milliarden Euro, wie es hieß. Dabei belastete unter anderem der starke Euro. Organisch, sprich bereinigt um Währungseffekte sowie Zu- und Verkäufe, stieg der Umsatz um 5,4 Prozent. Im zweiten Quartal betrug das Wachstum aus eigener Kraft 5 Prozent, was etwas besser war, als Analysten im Schnitt erwartet hatten.

Das Umfeld bleibe dabei im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie volatil, auch wenn es einige Verbesserungstendenzen gebe, hieß es. In China setze sich die Erholung fort, jedoch liege das Marktwachstum weiter unter dem vor der Pandemie. In Nordamerika und Europa liefen die Geschäfte im zweiten Quartal zum Teil schwächer, da die Nachfrage für Lebensmittel, die zu Hause konsumiert werden können sowie für Hygieneprodukte im Vergleich zum Vorjahr zurückging. In Südostasien belastete ein neuer Lockdown.


Leere Regale und volle Mülltonnen: «Pingdemic» macht Probleme

LONDON: Die hohe Zahl an Menschen in coronabedingter Quarantäne stellt Großbritannien vor neue Herausforderungen. Mehrere Supermärkte haben Probleme, ihre Regale zu befüllen, wie britische Medien am Donnerstag berichteten. In den sozialen Netzwerken kursieren Fotos von ersten leeren Regalen. In manchen Orten fällt der BBC zufolge außerdem die Leerung der Mülltonnen aus. Auch die Polizei warnt vor längeren Wartezeiten, da viele Kräfte ausfallen.

Schätzungen zufolge sollen sich derzeit rund 1,7 Millionen Briten selbst isolieren, da sie entweder an Covid-19 erkrankt sind oder als enge Kontakte von Infizierten «gepingt» - also von der englischen Corona-App oder vom Gesundheitsdienst - benachrichtigt wurden. Die «Pingdemic», wie das Phänomen von britischen Medien bezeichnet wird, hat eine Debatte darüber ausgelöst, ob vollständig Geimpfte der Pflichtquarantäne entgehen können und sich stattdessen täglich testen dürfen. Ab Mitte August soll diese Regelung gelten. Bislang gelten Ausnahmen jedoch nur für Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Pilotprojektes oder etwa für Beschäftigte des Gesundheitsdienstes. Viele Branchen, darunter das British Retail Consortium sowie die Fleischindustrie, fordern weitere Ausnahmen für ihre Beschäftigten.

Die hochansteckende Delta-Variante lässt die Corona-Zahlen trotz hoher Impfquote im Vereinigten Königreich weiter ansteigen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei 472 (Stand: 16. Juli).


Litauen kritisiert deutsch-amerikanische Einigung zu Nord Stream 2

VILNIUS: Litauens Außenminister Gabrielius Landsbergis hat die deutsch-amerikanische Einigung im Konflikt um die Gaspipeline Nord Stream 2 kritisiert. «Ich denke, dies ist ein Fehler und dieser Fehler wird uns teuer zu stehen kommen», sagte Landsbergis der Agentur BNS zufolge am Donnerstag in Vilnius. Die neue Gasleitung von Russland nach Deutschland durch die Ostsee sei ein «riesiger Sieg» für Kremlchef Wladimir Putin. Dagegen werde das Vertrauen der Ukraine in strategische Partner aufgrund des Verhaltens des Westens beim Bau von Nord Stream 2 sinken, sagte der Chefdiplomat des baltischen EU- und Nato-Landes.

Behoben werden könne der Fehler, wenn die Ostsee-Pipeline als Hebel eingesetzt werde. So könnten etwa der Abzug russischer Truppen aus der Ukraine oder eine klare Aussicht auf eine Nato-Mitgliedschaft zur Vorbedingung für die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 gemacht werden, sagte Landsbergis. Die beinahe fertiggestellte Leitung soll russisches Gas nach Deutschland bringen - unter Umgehung der Ukraine, die auf die Einnahmen aus dem Gas-Transit angewiesen ist.

Im jahrelangen Streit um die deutsch-russische Ostseepipeline hatten Berlin und Washington am Mittwoch einen Durchbruch verkündet. Beide Länder veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der der Ukraine Unterstützung zugesagt wird. Die USA hatten Nord Stream 2 jahrelang scharf kritisiert und sind weiterhin gegen das Projekt, wollen nun aber auf weitere Sanktionen verzichten.


Ölpreise bewegen sich wenig

SINGAPUR: Die Ölpreise haben sich am Donnerstag im frühen Handel nur wenig von der Stelle bewegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 72,14 US-Dollar. Das waren neun Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel ebenfalls leicht um fünf Cent auf 70,25 Dollar.

Die Ölpreise sind in den vergangenen Tagen schwankungsanfällig gewesen. Für tendenzielle Belastung sorgen Ängste vor neuen Corona-Beschränkungen angesichts der raschen Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante. Allerdings lassen sich die Anleger davon nur zeitweise schrecken. Bessert sich die Stimmung an den Finanzmärkten, kommt das auch der riskanten Anlageklasse Rohöl zugute.

Derzeit rangieren die Erdölpreise einige Dollar unter ihren Anfang Juli erreichten mehrjährigen Höchstständen. Im Trend steigen die Preise jedoch seit Herbst vergangenen Jahres. Ausschlaggebend sind die zahlreichen Impfkampagnen in der Welt und die damit verbundene Hoffnung auf konjunkturelle Besserung. Hiervon profitiert auch die Nachfrage nach Rohöl, Benzin und Diesel.


Pharmakonzern Roche profitiert von Corona-Tests

BASEL: Der Pharmakonzern Roche hat im ersten Halbjahr von einer robusten Nachfrage nach neuen Medikamenten und Covid-19-Tests profitiert. Dagegen belastete der stärkere Schweizer Franken die Ergebnisse, wie das Unternehmen am Donnerstag in Basel mitteilte. Der Umsatz stieg dabei um 5 Prozent auf 30,7 Milliarden Franken (rund 28,3 Mrd Euro). Währungsbereinigt stand ein Plus von 8 Prozent zu Buche. Während die Verkäufe in der Diagnostiksparte dank der Corona-Tests stark zulegten, wuchsen auch die Umsätze im Pharmageschäft seit dem zweiten Quartal wieder, wie es hieß. Die Nachfrage nach den Corona-Tests dürfte dabei im zweiten Quartal ihren Höhepunkt erreicht haben.

Unter dem Strich sank der Konzerngewinn in den ersten sechs Monaten um 3 Prozent auf 8,2 Milliarden Franken. Währungsbereinigt verzeichnete Roche jedoch ein Plus von 2 Prozent. Der Ausblick für 2021 wurde bestätigt.


Nord Stream 2: politisch umstrittenes Energie-Projekt

SCHWERIN/LUBMIN: Russland ist der wichtigste Erdgaslieferant Deutschlands. Seit 2011 gelangt ein beträchtlicher Teil des Brennstoffs durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream in die Bundesrepublik: 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Um den damals erwarteten wachsenden Bedarf zu decken, wurde 2015 der Bau einer weiteren, weitgehend parallel verlaufenden Gasleitung mit gleicher Kapazität vereinbart. Das Projekt ist umstritten. Politiker in den USA und Osteuropa befürchten eine zu große Abhängigkeit von Russlands Gas. Umweltschützer sehen zusätzliche Gaslieferungen als Bremse der Energiewende hin zu erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne.

Nord Stream 2 verläuft von Wyborg in Russland durch die Ostsee bis Lubmin bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist wie Nord Stream 1 etwa 1230 Kilometer lang und als Doppelstrang ausgelegt. Die Baukosten werden auf 7 bis 9 Milliarden Euro geschätzt.

Kurz vor der Fertigstellung wurden im Dezember 2019 die Bauarbeiten abrupt gestoppt, weil die beiden Schweizer Verlegeschiffe wegen Sanktionsdrohungen der USA abgezogen wurden. Nach längeren Vorbereitungen übernahmen russische Schiffe die Arbeiten, die in Kürze abgeschlossen sein sollen. Nach Angaben von Nord-Stream-2-Vorstandschef Matthias Warnig ist es Ziel, die Pipeline noch in diesem Jahr in Betrieb zu nehmen.

Die Projektgesellschaft Nord Stream 2 AG mit Sitz im schweizerischen Zug ist eine Tochtergesellschaft des russischen Gasmonopolisten Gazprom. Zu den Pipeline-Investoren gehören die deutschen Konzerne Wintershall Dea und Uniper, die niederländisch-britische Shell, das österreichische Energieunternehmen OMV und Engie aus Frankreich.


Transatlantik-Koordinator: «Guter Tag» für Beziehungen zu den USA

WASHINGTON/BERLIN: Der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Peter Beyer, hat die Einigung zwischen den USA und Deutschland im Streit um die Pipeline Nord Stream 2 begrüßt. «Es ist ein guter Tag für die transatlantischen Beziehungen, für die deutsch amerikanische Freundschaft», sagte Beyer am Mittwochabend (Ortszeit) in Washington. Der CDU-Politiker betonte, die Vereinbarung bedeute nicht, dass die USA und Deutschland ihre unterschiedlichen Haltungen zur deutsch-russischen Pipeline abgelegt hätten. Mit der Erklärung seien die wichtigen Themen im Zusammenhang mit dem Projekt angegangen worden - besonders die Unterstützung für die Ukraine. Es sei daher auch «ein guter Tag mit guten Botschaften für die Ukraine.»

Die beinahe fertiggestellte Ostsee-Pipeline soll russisches Gas nach Deutschland bringen - unter Umgehung der Ukraine, die auf die Einnahmen aus dem Gastransit angewiesen ist. Die USA kritisierten Nord Stream 2 seit Jahren, wollen nun aber auf weitere Sanktionen verzichten. In der gemeinsamen Erklärung wird Russland davor gewarnt, Energie als politische «Waffe» einzusetzen - dies ist die größte Befürchtung in den USA. Deutschland verpflichtet sich dazu, alle verfügbaren Einflussmöglichkeiten zu nutzen, um eine Verlängerung des Gastransitabkommens der Ukraine mit Russland um bis zu zehn Jahre nach dem Ablauf 2024 zu ermöglichen.

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