Nachrichten aus der Wirtschaft am Donnerstag

Blick in den Handelssaal mit elektronischen Anzeigen des DAX-Charts. Foto: epa/Maximilian Von Lachner
Blick in den Handelssaal mit elektronischen Anzeigen des DAX-Charts. Foto: epa/Maximilian Von Lachner

Dax stabil - US-Geldpolitik stützt Aktienmarkt

FRANKFURT/MAIN: Die Aussicht auf eine noch lange andauernde ultralockere US-Geldpolitik hat den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag gestützt. Der Leitindex Dax verbuchte am Nachmittag ein kleines Plus von 0,10 Prozent auf 15.191,65 Punkte. Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es um 0,32 Prozent auf 32.589,54 Punkte nach oben. Das Protokoll der jüngsten Zinssitzung der US-Notenbank hatte das Festhalten an der sehr lockeren Geldpolitik bestätigt.


Eurokurs legt nach schwachen US-Arbeitsmarktdaten zu

FRANKFURT/MAIN: Der Kurs des Euro hat am Donnerstag nach schwachen US-Arbeitsmarktdaten zugelegt. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag mit 1,1902 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1873 (Mittwoch: 1,1884) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8423 (0,8414) Euro.

Schwächer als erwartet ausgefallene Zahlen vom US-Arbeitsmarkt lasteten etwas auf dem Dollar. In den Vereinigten Staaten ist die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend gestiegen. Analysten hatten hingegen im Schnitt mit einem Rückgang gerechnet. Der unerwartete Anstieg der Anträge zeigt, dass der Arbeitsmarkt noch einen langen Weg vor sich hat. In der größten Volkswirtschaft der Welt sind während der Pandemie Millionen von Arbeitsplätzen weggefallen. Die rasch fortschreitenden Impfungen und die Lockerungen von Corona-Beschränkungen dürften sich jedoch in den nächste Wochen tendenziell positiv auswirken.

Der Euro wurde zudem etwas durch starke Konjunkturdaten aus Deutschland gestützt. Steigende Aufträge für die deutsche Industrie nähren die Hoffnung auf einen kräftigen Konjunkturaufschwung trotz der Corona-Pandemie. Die Aufträge legten den zweiten Monat in Folge zu. Die exportorientierten Maschinenbauer verzeichneten im Vorjahresvergleich sogar den stärksten Zuwachs seit 2018.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86290 (0,86065) britische Pfund, 129,71 (130,56) japanische Yen und 1,1021 (1,1044) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1755 Dollar gehandelt. Das waren etwa 18 Dollar mehr als am Vortag.


BMW meldet Rekordabsatz

MÜNCHEN: BMW hat im ersten Quartal wieder mehr Autos verkauft als vor der Corona-Krise. Wie der Autohersteller am Donnerstag in München mitteilte, setzte er von Januar bis Ende März weltweit 636.600 Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce ab - das waren 5 Prozent mehr als im ersten Quartal 2019 und 33,5 Prozent mehr als im ersten Quartal 2020. Entscheidend dafür war die enorme Nachfrage in Asien. Vertriebschef Pieter Nota sagte: «Dieser Rekordabsatz unterstreicht unsere ambitionierten Wachstumsziele für dieses Jahr.»


Studie: Baufinanzierungen boomen - aber höhere Zinsen für Kredite

FRANKFURT/MAIN: Die starke Nachfrage nach Immobilien hat den Boom bei Baufinanzierungen im Corona-Krisenjahr 2020 weiter angefacht. Das Neugeschäft der Banken und Sparkassen in Deutschland mit Baukrediten wuchs auf den Rekord von 273 Milliarden Euro nach 263 Milliarden Euro 2019, zeigt eine neue Studie der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC. Demnach betrug der Bestand der an private Haushalte ausgegebenen Baufinanzierungen von Banken und Sparkassen knapp 1,4 Billionen Euro. Im Jahr zuvor hatte der Kreditbestand bei 1,3 Billionen Euro gelegen.


Rechnungshof: Bundesregierung behindert Wettbewerb auf der Schiene

BERLIN: Der Bundesrechnungshof hat den Kurs der Bundesregierung in der Bahnpolitik massiv kritisiert. Es werde versäumt, Wettbewerbshemmnisse in den Eisenbahnmärkten auszuräumen und den Schienenverkehr insgesamt zu stärken, heißt es in einem Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestags. Konkret nimmt der Rechnungshof einen Gesetzentwurf des Verkehrsministeriums zur Weiterentwicklung des Eisenbahnregulierungsrechts unter die Lupe.


Trotz Corona-Bremse: Löhne und Renten über Jahre gestiegen

WIESBADEN: Arbeitnehmer und Rentner konnten sich im vergangenen Jahrzehnt auf beständig steigende Bruttolöhne und Renten verlassen. Erst die Folgen der Corona-Pandemie haben die Entwicklung im vergangenen Jahr gebremst, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Auswertung des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Im Jahr 2020 mussten die Beschäftigten erstmals seit der Wiedervereinigung einen Rückgang ihrer Brutto-Löhne um 0,1 Prozent hinnehmen. Langfristig sieht es aber deutlich besser aus. So konnten die Arbeitnehmer in der Zeit von 2010 bis 2020 auf durchschnittliche Lohnsteigerungen von 2,5 Prozent im Jahr setzen.


Tesla kritisiert Genehmigungsverfahren rund um deutsches Werk

BERLIN: Tesla greift zu scharfer Kritik an den Genehmigungsverfahren für sein Elektroauto-Werk bei Berlin. Der US-Konzern argumentiert in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme, die Fabrik helfe durch Verbreitung von E-Mobilität im Kampf gegen die Erderwärmung. «Der deutsche Genehmigungsrahmen für Industrie- und Infrastrukturprojekte sowie für die Raumplanung steht in direktem Gegensatz zu der für die Bekämpfung des Klimawandels notwendigen Dringlichkeit der Planung und Realisierung solcher Projekte», kritisierte Tesla.


Girokonto-Kosten im Vergleich - Stiftung Warentest übernimmt vorerst

BERLIN: Verbraucher auf der Suche nach mehr Durchblick bei Girokonto-Kosten können sich vorerst bei Stiftung Warentest informieren. Seit Donnerstag stellt Stiftung Warentest nach eigenen Angaben ihren Girokontenvergleich kostenlos auf test.de im Internet zur Verfügung. Damit werde allen Verbrauchern voraussichtlich bis zum zweiten Quartal 2022 Zugang zu einer objektiven und kostenlosen Vergleichswebsite geboten. Anschließend wird die Finanzaufsicht Bafin eine staatliche Webseite in Betrieb nehmen.


BGH: Corona-Hilfe darf nicht wegen alter Schulden gepfändet werden

KARLSRUHE: Selbstständige und Kleinstunternehmer müssen mit dem Geld aus der Corona-Soforthilfe keine alten Schulden begleichen. Die Mittel seien zweckgebunden und daher nicht pfändbar, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Sie dienten der Abmilderung einer finanziellen Notlage. Gläubiger haben also keinen Zugriff. Das geht aus einer Entscheidung der obersten Zivilrichter aus dem März hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. (Az. VII ZB 24/20) Im konkreten Fall ging es um 9000 Euro aus dem Bundesprogramm und der «NRW-Soforthilfe 2020», die Ende März 2020 bewilligt wurden und auf ein Pfändungsschutzkonto flossen.


Mehr Aufträge für Industrie - Hoffnung auf Konjunkturaufschwung

WIESBADEN/FRANKFURT: Steigende Bestellungen in der deutschen Industrie nähren die Hoffnung auf einen kräftigen Konjunkturaufschwung trotz der Corona-Pandemie. Im Februar gingen 1,2 Prozent mehr Aufträge bei den Industrieunternehmen ein als im Januar 2021, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Damit ist der Ordereingang seit Beginn des Jahres den zweiten Monat in Folge gestiegen. Die exportorientierten Maschinenbauer verzeichneten im Vorjahresvergleich sogar den stärksten Zuwachs seit 2018.


Altmaier sieht Pflicht zu Testangeboten in Unternehmen skeptisch

BERLIN: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sieht mögliche gesetzliche Vorgaben für Unternehmen skeptisch, Corona-Tests für Beschäftigte anzubieten. Das machte der CDU-Politiker am Donnerstag bei Beratungen mit Wirtschaftsverbänden deutlich, wie die Deutsche Presse-Agentur von Teilnehmern erfuhr. Wenn man etwas reguliere, müsse es auch kontrolliert werden, habe Altmaier gesagt. Es würde aber Wochen dauern, solche Kontrollen einzurichten - in dieser Zeit werde die Impfkampagne Fahrt aufnehmen.


Papst Franziskus fordert «Impf-Solidarität»

ROM: Papst Franziskus hat anlässlich des Frühjahrstreffens der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) mehr «Impf-Solidarität» in der Corona-Pandemie gefordert. Die Kosten der Immunisierung müssten gerecht geteilt werden und dürften nicht dem Markt überlassen werden, verlangte das katholische Kirchenoberhaupt in einem Brief. Der Vatikan veröffentlichte das Schreiben am Donnerstag.

Die Schuldenlast der ärmsten Nationen, die durch die Pandemie verschärft wurde, solle deutlich reduziert werden. Dies sei eine zutiefst menschliche Geste und könne den besseren Zugang zu Impfstoffen, Gesundheit, Bildung und Arbeitsplätzen ermöglichen. Alle Menschen müssten Zugang zu Impfstoffen haben, unterstrich der Papst. Die Frühjahrstagung der beiden wichtigen Finanzorganisationen findet wegen der Pandemie zum zweiten Mal vor allem online statt. Das Treffen läuft noch bis zum 11. April.

Der 84-jährige Franziskus hatte auch zu Ostern und bei früheren Gelegenheiten gemahnt, im Kampf gegen das Coronavirus die ärmeren Länder nicht zu vergessen.


Dutzende Festnahmen bei Schlag gegen «Öl-Mafia» in Italien

ROM: Anti-Mafia-Ermittler in Italien sind bei einem großen Schlag gegen die Organisierte Kriminalität im Wirtschaftssektor der Mineralöl-Produkte gegen rund 70 Verdächtige vorgegangen. Die mutmaßlichen Mitglieder und Helfer verschiedener Mafia-Gruppen, darunter der Camorra und der 'Ndrangheta, seien ins Gefängnis oder in Hausarrest gekommen, wie die Behörden am Donnerstag mitteilten.

Bei den Ermittlungen gegen die «Öl-Mafia», die schon länger liefen, seien zudem Gelder, Firmen und Immobilien im Wert von rund einer Milliarde Euro beschlagnahmt worden, hieß es weiter. Den Verdächtigen werden unter anderem Geldwäsche, Steuerbetrug mit Erdölprodukten und andere Delikte mit Mafiamethoden vorgeworfen.

An der Aktion waren die Staatsanwaltschaften in Rom und Neapel sowie in Catanzaro und Reggio Calabria in Kalabrien beteiligt. «Es gibt eine Reihe von Mafia-Unternehmen, die zu einem strukturellen Bestandteil dieses Marktes geworden sind», sagte Giovanni Melillo, Staatsanwalt in Neapel, nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa zu den Untersuchungsergebnissen. Die Kriminellen hätten mit falschen Rechnungen und Geldtransaktionen, die nie stattfanden, den Staat betrogen. Zugleich hätten sie versucht, immer stärker in den legalen Bereich des Mineralöl-Geschäfts einzusteigen, um illegale Gewinne dort zu waschen.


Greenpeace: EU-Kommission gibt zu viel für Tierproduktwerbung aus

BRÜSSEL: Die EU-Kommission investiert aus Sicht von Umweltschützern zu viel Geld in Werbung für Fleisch- und Milchprodukte. Mehr als 250 Millionen und damit rund ein Drittel des Werbebudgets für landwirtschaftliche Produkte seien zwischen 2016 und 2020 in solche Öffentlichkeitsarbeit geflossen, kritisierte Greenpeace am Donnerstag. Dies sei «inakzeptabel». Vergleichbare Kampagnen für Obst, Gemüse oder mehr pflanzliche Ernährung hätten im gleichen Zeitraum knapp 20 Prozent dieser Ausgaben ausgemacht. Zur Förderung von Bio-Produkten sei nur drei Prozent des Budgets ausgegeben worden.

Vor allem konventionell hergestellte Fleisch- und Milchprodukte stehen in der Kritik, besonders klimaschädlich zu sein. Die EU-Kommission hat bereits mehrere Leuchtturmprojekte für mehr Umweltschutz ins Leben gerufen. Neben dem Plan, dass Europa bis 2050 klimaneutral werden soll, gibt es das Ziel, dass bis 2030 ein Viertel der in der Agrar-Fläche in der EU für Bio-Landwirtschaft genutzt werden soll. Laut der Statistikbehörde Eurostat wurde 2019 8,5 Prozent der genutzten Agrarfläche für Bio-Landwirtschaft verwendet.


MAN-Belegschaft in Österreich lehnt Übernahmeplan ab

STEYR: Die Beschäftigten am österreichischen Standort des Lastwagenbauers MAN stellen sich gegen den Verkauf des Werks in Steyr. In einer Abstimmung lehnten fast 64 Prozent der Belegschaft das Übernahmeangebot des Automobilmanagers Siegfried Wolf ab, gab der Betriebsrat am Donnerstag bekannt. Der Münchner Konzern MAN Truck & Bus SE hatte zuvor klargestellt, dass als Alternative zum Verkauf nur die Schließung des Werks mit rund 2300 Mitarbeitern in Frage kommt.

Wolf, ehemaliger Vorstandschef des Autozulieferers Magna, will die Nutzfahrzeug-Marke Steyr wiederbeleben. Das Werk in Oberösterreich soll unter anderem kleine und mittlere Lastwagen bauen und Fahrerkabinen an den russischen Konzern GAZ liefern. Wolf plant, rund 1250 Mitarbeiter zu niedrigeren Löhnen zu übernehmen. Betriebsräte waren unter anderem besorgt, dass Wirtschaftssanktionen gegen Russland diese Pläne durchkreuzen könnten.

In Deutschland will MAN bis Ende nächsten Jahres 3500 Stellen abbauen. Der zur Volkswagen-Gruppe gehörende Konzern schwächelt seit Jahren. Die EU-Klimavorgaben bei Lastwagen bis 2030 mindestens 30 Prozent weniger Kohlendioxid auszustoßen, erhöhen den Druck. Dazu kommt zurzeit die Corona-Krise.


Altmaier berät mit Wirtschaftsverbänden über Corona-Krise

BERLIN: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat am Donnerstag Beratungen mit Wirtschaftsverbänden zur Corona-Krise aufgenommen. Mehr als 40 Verbände wollten ihm aktuelle Probleme schildern. Die Gespräche sollen sich bis in den Nachmittag hinziehen. Schwerpunkte der Videokonferenz dürften die Debatte über einen harten Lockdown, die Ausweitung von Tests in Firmen sowie der Stand von Hilfsprogrammen für Unternehmen sein.

Vor dem Wirtschaftsgipfel hatten sich Verbände mit dem Kurs der Politik in der Corona-Krise unzufrieden gezeigt. Sie forderten eine klare Perspektive und eine verlässliche Strategie.


Deutsche Industrie erhält erneut mehr Aufträge

WIESBADEN: In der deutschen Industrie lässt der Auftragseingang weiter einen kräftigen Aufschwung erwarten. Im Februar seien 1,2 Prozent mehr Bestellungen in den Industrieunternehmen eingegangen als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit.

Damit ist der Auftragseingang seit Beginn des Jahres bereits den zweiten Monat in Folge gestiegen. Allerdings wurde der Zuwachs bei den Bestellungen im Januar nach unten revidiert. Demnach stiegen die Aufträge zum Jahresauftakt nur um 0,8 Prozent im Monatsvergleich, nachdem zuvor ein Zuwachs um 1,4 Prozent gemeldet worden war.

Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland, stieg der Auftragseingang im Februar 2021 kalenderbereinigt um 5,6 Prozent.


Chinesischer Automarkt erholt sich weiter kräftig

PEKING: Der für die deutschen Autobauer wichtige chinesische Automarkt hat sich im März kräftig vom coronabedingten Vorjahreseinbruch erholt. Der Absatz der Hersteller von Autos und Nutzfahrzeugen an die Händler stieg im Jahresvergleich um 66,8 Prozent auf 2,38 Millionen, wie der Herstellerverband CAAM am Donnerstag auf Basis vorläufiger Berechnungen mitteilte.

Damit setzte der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt von Volkswagen, Daimler und BMW seine Erholung fort. Die chinesische Regierung hat die Verkäufe nach dem Corona-Einbruch mit Förderungen wieder angekurbelt.

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