Nachrichten aus der Wirtschaft am Donnerstag

Welthauptsitz von General Motors im Renaissance Center in Detroit. Archivfoto: epa/JEFF KOWALSKY
Welthauptsitz von General Motors im Renaissance Center in Detroit. Archivfoto: epa/JEFF KOWALSKY

General Motors weitet E-Auto-Offensive kräftig aus

DETROIT: Der größte US-Autobauer General Motors (GM) will sein Angebot an Elektrofahrzeugen kräftig ausbauen und dafür deutlich mehr Geld als bislang geplant in die Hand nehmen. Bis Ende 2025 solle die Modellpalette in den USA zu 40 Prozent aus batteriebetriebenen Autos bestehen, kündigte Konzernchefin Mary Barra am Donnerstag an.

Weltweit will GM bis dahin 30 vollelektrische Modelle anbieten. Dafür sollen die Investitionen in batteriebetriebene und selbstfahrende Fahrzeuge noch einmal um gut ein Drittel auf 27 Milliarden Dollar (knapp 23 Milliarden Euro) erhöht werden. «Der Klimawandel ist real, und wir wollen Teil der Lösung sein», erklärte Barra.

Bislang tut sich GM beim Thema Elektromobilität allerdings eher schwer und sieht besonders angesichts des großen Erfolgs von Tesla ziemlich alt aus. Zuletzt kamen auch noch Probleme mit dem aktuellen E-Modell Chevrolet Bolt EV hinzu, bei dem wegen des Risikos gefährlicher Batteriebrände ein großer Rückruf nötig wurde.


EU-Ratspräsident setzt in Streit um Finanzpaket auf «Magie der EU»

BRÜSSEL: EU-Ratspräsident Charles Michel glaubt an eine friedliche Beilegung des von Ungarn und Polen angezettelten Konflikts um den geplanten Rechtsstaatsmechanismus. «Die Magie der Europäischen Union liegt darin, dass es ihr gelingt, Lösungen zu finden, selbst wenn man davon ausgeht, dass dies nicht möglich ist», sagte der Belgier am Donnerstagabend nach Beratungen mit den Staats- und Regierungschefs. Niemand unterschätze, wie schwierig die derzeitige Lage sei. Es gebe aber den Willen, in den kommenden Tagen sehr intensiv zu arbeiten, um Fortschritte zu erzielen und die Schwierigkeiten zu lösen.

Er selbst wolle in unterschiedlichen Formaten Konsultationen zur Vorbereitung des Dezember-Gipfels organisieren, erklärte Michel. Verantwortlich für die eigentlichen Verhandlungen sei die deutsche EU-Ratspräsidentschaft, die dabei von der EU-Kommission unterstützt werde. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen äußerte sich ähnlich: Europa habe in sehr, sehr vielen kritischen Situationen am Ende doch eine Lösung gefunden, sagte sie.

Hintergrund des Streits ist, dass Ungarn und Polen aus Protest gegen ein neues Verfahren zur Ahndung von Rechtsstaatsverstößen das europäische Haushaltspaket für die nächsten Jahre blockieren. Dieses umfasst auch die Corona-Konjunkturhilfen im Umfang von 750 Milliarden Euro und ist deswegen für Länder wie Italien und Spanien extrem wichtig.


EU-Videogipfel bringt keine Lösung im Haushaltsstreit

BRÜSSEL: Im EU-Haushaltsstreit mit Ungarn und Polen hat ein Videogipfel am Donnerstagabend noch keine Lösung gebracht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erstattete den übrigen Staats- und Regierungschefs Bericht, weil Deutschland derzeit den Vorsitz der 27 Länder hat. Ungarn und Polen bekräftigten ihre Blockade-Haltung, wie es aus EU-Kreisen hieß. Kurz darauf ging man zur eigentlichen Tagesordnung über: die Koordinierung in der Corona-Krise.

Ungarn und Polen hatten am Montag ihr Veto gegen den zentralen Haushaltsbeschluss eingelegt. Sie stoßen sich an einer neuen Klausel zur Kürzung von Geldern bei bestimmten Rechtsstaatsverstößen in den Empfängerländern. Mit ihrem Nein ist das gesamte 1,8 Billionen Euro schwere Haushaltspaket für die nächsten sieben Jahre vorerst blockiert. Das schließt 750 Milliarden Euro an Corona-Hilfen ein, auf die viele EU-Staaten dringend hoffen.

Eine Videokonferenz sei einfach nicht das richtige Format, um den komplizierten Streit beizulegen, sagte ein EU-Beamter. Ratschef Charles Michel habe alle Länder vorab kontaktiert, um die Diskussion «unter Kontrolle» zu halten. Man unterschätze aber nicht den Ernst der Lage. Das bereits im Juli grundsätzlich vereinbarte Haushaltspaket müsse so schnell wie möglich umgesetzt werden. Dafür brauche man jedoch eine Einigung.


Bundesbankpräsident Weidmann skeptisch gegenüber «grüner Geldpolitik»

FRANKFURT/MAIN: Der Kampf gegen den Klimawandel obliegt laut Bundesbankpräsident Jens Weidmann den Regierungen und nicht der Europäischen Zentralbank (EZB). «Es ist nicht Aufgabe des Eurosystems, bestimmte Industriezweige zu bestrafen oder zu fördern», schreibt Weidmann in einem Gastbeitrag der «Financial Times», der am Donnerstag vorab veröffentlicht wurde. Er wandte sich damit gegen Vorschläge, die Anleihekaufprogramme der EZB stärker an «grünen» Themen auszurichten. Weidmann bestimmt im Rat der EZB über die Geldpolitik mit.

Damit die Anleihekaufprogramme ihre Wirkung entfalten könnten, müssten sie breit angelegt sein, schreibt Weidmann. Es gelte der Grundsatz der Marktneutralität. «Allerdings steht es uns nicht zu, Marktstörungen, politische Maßnahmen oder Versäumnisse zu korrigieren.»

Es sei nicht die Aufgabe der Notenbank, die fehlende Entschlossenheit der Politik beim Thema Klimawandel auszugleichen, so Weidmann. Die Notenbank besitze keinen «Zauberstab» zu Rettung der Erde. Sie müsse sich auf ihre vorrangiges Ziel der Preisstabilität konzentrieren. Dies sei der beste Beitrag, den die Geldpolitik für den Wohlstand leisten könne.

EZB-Präsidentin Christin Lagarde will hingegen die Geldpolitik laut jüngsten Aussagen auf den Kampf gegen den Klimawandel ausrichten. Sie wolle die Geschäfte der Zentralbank - inklusive des Anleihekaufprogramms - dahingehend prüfen, ob sie den Klimawandel bekämpften. Die EZB wäre dann die einzige große Notenbank, die mit einem Anleihekaufprogramm nachhaltige Ziele erreichen will.


Dax im Minus - Infektionszahlen sorgen für Ernüchterung

FRANKFURT/MAIN: Angesichts hoher Corona-Infektionszahlen sind die Kurse am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag gefallen. Der Dax verlor am frühen Nachmittag 0,64 Prozent auf 13.117 Punkte. Der MDax der 60 mittelgroßen Werte fiel um 0,40 Prozent auf 28.684 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,68 Prozent auf 3458 Punkte. Der Euro weitete die Verluste am Donnerstag noch etwas aus und notierte zuletzt mit 1,1834 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,1868 Dollar festgesetzt.


Deutschlands Fastfood-Ketten setzen verstärkt auf Autoschalter

RATINGEN: Vor dem Hintergrund der Coronakrise setzen die Fastfood-Ketten bei ihren Wachstumsplänen für Deutschland auf Filialen mit Autoschalter. So will Kentucky Fried Chicken (KFC) in kleineren Städten bis 2025 pro Jahr 25 neue Restaurants aufmachen, die fast alle einen Drive-in haben sollen, wie die Firma am Donnerstag in Ratingen bekanntgab. Bisher hat die Deutschlandtochter des US-Konzerns hierzulande 174 Lokale, 110 von ihnen mit Autofenster. Bei Burger King sollen neue Restaurants ebenfalls einen Drive-in haben. Grund: Immer mehr Kunden wollen eine Essensübergabe, ohne ins Lokal zu gehen. «Die Menschen wollen in Corona-Zeiten Bewährtes essen, zugleich aber Distanz wahren», sagt der Deutschlandchef von Burger King, Cornelius Everke.


Gewerkschaftsstudie: Corona verschärft Einkommensunterschiede

DÜSSELDORF: Die Corona-Krise verstärkt nach Einschätzung einer Gewerkschaftsstudie die Unterschiede bei den Einkommen in Deutschland. Menschen mit niedrigen Einkommen seien in der Pandemie fast doppelt so häufig von Einbußen betroffen wie solche mit hohen Einkommen, berichtete das Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung am Donnerstag in Düsseldorf. Die Wissenschaftler stützen sich unter anderem auf eine Erwerbspersonenbefragung der Böckler-Stiftung mit mehr als 5000 Teilnehmern. In Haushalten mit niedrigen Monatseinkommen unter 900 Euro erlitt fast die Hälfte (49,3 Prozent) coronabedingte Einkommensverluste, während bei Gutverdienern mit mehr als 4500 Euro Haushaltseinkommen nur ein gutes Viertel (26,1 Prozent) von Einbußen berichtete, die dann auch noch geringer ausfielen.


Trotz Milliarden für EEG-Umlage bleibt der Strompreis hoch

ESSEN: Die Milliardensummen, mit denen der Bund einen kräftigen Anstieg der Ökostrom-Umlage stoppt, haben nur eine begrenzte Wirkung auf den Strompreis in Deutschland. Eine spürbare Entlastung der Verbraucher ist nicht in Sicht. Zum Jahreswechsel haben zwar einige Versorger Preissenkungen angekündigt, andere wollen ihre Tarife aber erhöhen. Das haben erste Auswertungen der Internet-Vergleichsportale Verivox und Check24 ergeben. Nach Angaben von Verivox haben bislang 45 Grundversorger Preissenkungen von durchschnittlich 1,8 Prozent angekündigt. Für eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden bedeute das eine Entlastung von 24 Euro. Gleichzeitig hätten 42 Grundversorger Preissteigerungen von durchschnittlich 2,4 Prozent mitgeteilt, was Mehrkosten von 31 Euro entspreche.


Ex-Wirecard-Aufsichtsrätin: Unternehmen wurde hemdsärmelig geführt

BERLIN: Eine ehemalige Aufsichtsrätin des Skandalunternehmens Wirecard hat sich schockiert über den mutmaßlichen Betrugsskandal gezeigt. Sie habe sich vor den Enthüllungen nicht vorstellen können, «dass die Vorstände der Wirecard AG in betrügerische Verhaltensweisen involviert sein könnten», sagte Tina Kleingarn am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags. Die 46-Jährige war bis September 2017 rund eineinhalb Jahre lang Mitglied im Wirecard-Aufsichtsrat.

Sie berichtete, bei ihrem Start habe sie ein Unternehmen erlebt, das «hemdsärmelig geführt wurde», eher wie ein Start-up als ein börsennotiertes Unternehmen. Sie sei von ihrem Aufsichtsratsposten zurückgetreten, weil andere Vorstellungen zu adäquater Corporate Governance gehabt habe. Corporate Governance bezeichnet Regeln und Verfahren, nach denen ein Unternehmen geführt wird.

In ihrem Kündigungsschreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, schrieb Kleingarn damals, der Vorstandschef sei nicht bereit gewesen, die Unternehmensführung der höheren Komplexität und einem modernen Corporate-Governance-Verständnis anzupassen. Es mangele an geordneten und angemessenen Kontroll- und Steuerungsstrukturen.

Der Bundestags-Ausschuss will aufdecken, ob das deutsche Fintech-Unternehmen als aufstrebender Börsenstar von den Aufsichtsbehörden trotz Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten mit Samthandschuhen angefasst wurde.


Zahl neuer US-Anträge auf Arbeitslosenhilfe wächst in Corona-Krise

WASHINGTON: Die Lage am US-Arbeitsmarkt hat sich inmitten der eskalierenden Corona-Pandemie wieder verschlechtert. In der Woche bis zum 14. November gab es 742.000 Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. In der Woche davor waren es nach einer nachträglichen Korrektur 711.000 gewesen. Analysten hatten im Schnitt einen Rückgang auf 700.000 Anträge erwartet.

Die Daten vermitteln einen zeitnahen Eindruck von der Beschäftigungslage in den USA. Außerdem liefern die wöchentlichen Daten einen Hinweis auf den Arbeitsmarktbericht der US-Regierung, der einmal im Monat veröffentlicht wird.

Die Corona-Infektionszahlen in den USA steigen gerade rapide an. Mehrere Bundesstaaten verfügten deswegen bereits zusätzliche Einschränkungen unter anderem für das Gastgewerbe.


IWF warnt vor Abflauen der Konjunkturerholung

WASHINGTON: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat sich angesichts der zweiten Corona-Infektionswelle skeptisch zur Entwicklung der Weltwirtschaft gezeigt. Mit härteren Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie könnte die laufende Erholung der Wirtschaftsleistung nach dem Corona-Einbruch im Frühjahr an Schwung verlieren, warnten IWF-Experten in einem am Donnerstag in Washington veröffentlichten Bericht. «Die Unsicherheiten und Risiken sind außergewöhnlich hoch», hieß es. Es seien zwar Fortschritte bei der Entwicklung von Corona-Impfstoffen festzustellen, hieß es in dem Papier, das vor einem Online-Treffen der führenden Industriestaaten (G20) an diesem Wochenende vorgelegt wurde. Im Verlauf der Krise habe sich aber die Kursentwicklung an den Finanzmärkten nach Einschätzung der IWF-Experten von der realen Wirtschaft abgekoppelt.


Timmermans verteidigt Pläne für harte Abgasnorm Euro 7

BRÜSSEL: EU-Kommissionsvize Frans Timmermans hat Pläne zur Einführung einer scharfen neuen Abgasnorm Euro 7 für Autos verteidigt. Man könne nicht untätig bleiben, wenn die langfristigen Ziele erreicht werden sollten, sagte Timmermans am Donnerstag in Brüssel. Ein Vorschlag für die neue Euro-7-Norm soll erst 2021 vorgelegt werden, doch gibt es bereits heftige Kritik der Autoindustrie an Vorstudien. Die darin angelegten neuen Grenzwerte etwa für Stickoxid seien so streng, dass dies auf ein faktisches Aus von Verbrennungsmotoren ab 2025 hinauslaufe, warnt der Verband der Automobilindustrie. Timmermans betonte, die Pläne der Kommission würden technikneutral gehalten. Wenn die Autoindustrie die neuen Grenzwerte mit Verbrennern einhalten könne, könne auch diese Technik weiter genutzt werden.


US-Kaufhaus-Ikone Macy's schreibt weiter rote Zahlen

NEW YORK: Die kriselnde US-Kaufhauskette Macy's leidet weiter stark unter der Corona-Pandemie. In den drei Monaten bis Ende Oktober machte der Shopping-Riese nach eigenen Angaben vom Donnerstag einen Verlust von 91 Millionen Dollar (77 Mio Euro). Die Erlöse sanken im Jahresvergleich um fast ein Viertel auf 4,0 Milliarden Dollar, der flächenbereinigte Absatz ging um über 20 Prozent zurück. Die Aktie fiel vorbörslich zunächst um rund vier Prozent. Ein Lichtblick war indes mit einem Verkaufsplus von 27 Prozent das Online-Geschäft.

Verglichen mit dem Vorquartal, als der Umsatz um rund 45 Prozent einbrach und ein Milliardenverlust anfiel, erholt sich Macy's immerhin langsam vom Corona-Schock. Die 1858 gegründete US-Warenhauskette mit der legendären Flaggschiff-Filiale an der New Yorker Einkaufsmeile Herald Square steckt allerdings ohnehin schon länger in der Krise und macht seit Jahren durch Sparprogramme und drastische Personaleinschnitte Schlagzeilen. Der Aktienkurs ist im bisherigen Jahresverlauf schon um fast die Hälfte gesunken.


Ex-Wirecard-Chef: Kein unlauteres Verhalten von Aufsicht und Politik

BERLIN: Der frühere Chef des Skandalunternehmens Wirecard, Markus Braun, sieht kein unlauteres Verhalten von Behörden und Politik im Zusammenhang mit dem Bilanzskandal. Er habe «zu keiner Zeit Feststellungen getroffen oder Hinweise erhalten, dass sich Behörden, Aufsichtsstellen oder Politiker nicht korrekt, pflichtwidrig oder in irgendeiner Form unlauter verhalten hätten», sagte Braun am Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags. Das gelte auch für den Aufsichtsrat als Kontrollorgan und für die Wirtschaftsprüfer.

Mehr werde er vor dem Ausschuss nicht sagen, erklärte Braun, der seit dem Sommer in Untersuchungshaft sitzt. Er wolle sich zunächst vor der Staatsanwaltschaft äußern. «Am Ende werden unabhängige Richter entscheiden, wer die rechtliche Verantwortung für den Zusammenbruch des Unternehmens der Wirecard AG trägt», sagte er. Auf jegliche Fragen von Abgeordneten verweigerte Braun daraufhin die Aussage.

Der 51-Jährige gilt als einer der Hauptverantwortlichen für Betrugsskandal, bei dem Wirecard über Jahre Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben soll. Der Ausschuss will aufdecken, ob das deutsche Fintech-Unternehmen als aufstrebender Börsenstar von den Aufsichtsbehörden trotz Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten mit Samthandschuhen angefasst wurde.


Fünfmal so viel Windstrom bis 2030: Neue EU-Strategie vorgestellt

BRÜSSEL: Der Windstrom von Anlagen vor Europas Küsten soll sich binnen zehn Jahren verfünffachen. Die EU-Kommission schlug am Donnerstag vor, die Kapazität von heute 12 Gigawatt auf 60 Gigawatt bis 2030 auszubauen, bis 2050 sogar auf 300 Gigawatt. Bis 2050 sollen 800 Milliarden Euro in Windkraft und andere erneuerbare Energien auf See investiert werden, um die EU-Klimaziele zu erreichen. Naturschutzziele würden trotzdem eingehalten, betonte die Kommission.

Windkraft auf See gilt als eine der aussichtsreichsten erneuerbaren Energien, weil der Wind dort stetig stark bläst. Doch ging der Ausbau in den vergangenen Jahrzehnten langsamer voran als ursprünglich gedacht, unter anderem wegen des schwierigen Baus und der Leitungsanbindung. Deutschland hatte nach Branchenangaben zuletzt eine Kapazität von knapp 7,4 Gigawatt.

Die neue Offshore-Strategie der Kommission nimmt alle Meeresflächen der EU in den Blick, also Nord- und Ostsee, den Atlantik, das Mittelmeer und das Schwarze Meer. Nach Berechnungen der EU-Kommission reichen 3 Prozent der EU-Meeresflächen zur Umsetzung der Strategie aus. «Mit unseren riesigen Meeresbecken und unserer industriellen Führungsrolle hat die Europäische Union alles, was nötig ist, um die Herausforderung anzugehen», sagte Kommissionsvize Frans Timmermans.

Die Strategie setzt auf große gemeinsame Projekte verschiedener Mitgliedsstaaten. Konkret sieht der Plan vor, durch einen klaren Rechtsrahmen Investitionsanreize zu setzen. Die EU-Regeln für den Strommarkt sollen entsprechend angepasst werden, ebenso die Beihilferegeln für Energie und Umweltschutz und die Richtlinie für Erneuerbare Energien. Gleichzeitig sollen alle verfügbaren EU-Fördertöpfe aktiviert werden, darunter sogenannte Kohäsionsmittel, der geplante Fonds für den gerechten Wandel sowie der geplante Corona-Hilfsfonds.


Nach Technikproblemen: Neuer Anlauf für Atomkraftwerk in Belarus

OSTROWEZ: Das neue umstrittene Atomkraftwerk in Belarus ist nach Technikproblemen erneut ans Netz gegangen. Der erste Kraftwerksblock sei nun in Betrieb, meldete die belarussische Staatsagentur Belta am Donnerstag unter Berufung auf das Energieministerium. Der Reaktor arbeite derzeit mit 40-prozentiger Auslastung. Die Systeme würden weiter überprüft.

In dem von Russland gebauten und finanzierten Akw war in der vergangenen Woche nur wenige Tage nach dem Betriebsstart die Stromproduktion wegen technischer Probleme eingestellt worden. In der Anlage, die sich an der Grenze zum EU-Land Litauen befindet, mussten laut Energieministerium unter anderem elektronische Messgeräte ausgetauscht werden.

Das neue Kernkraftwerk in Ostrowez ist das erste Akw in Belarus und soll künftig mit zwei Reaktoren eine Kapazität von 2400 Megawatt haben. Der zweite Reaktor soll 2022 in Betrieb gehen. Litauen bezeichnete die Anlage als «nukleare und ökologische Bedrohung» für ganz Europa.


Umfrage: Ökonomen hoffen auf Biden - schlechtes Zeugnis für Trump

MÜNCHEN: Joe Biden wird der deutschen Wirtschaft nach Ansicht von Ökonomen gut tun. In einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Münchner Ifo-Instituts und der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» gingen 76 Prozent von einer sehr oder eher positiven Wirkung des künftigen US-Präsidenten auf die hiesige Wirtschaft aus. Auch sein Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung in den USA und der EU wird von einer deutlichen Mehrheit der 141 befragten Wirtschaftswissenschaftler an deutschen Universitäten positiv eingeschätzt.

Der Einfluss der laufenden Amtszeit von Donald Trump auf die deutsche Wirtschaft wird dagegen von 60 Prozent der befragten Wissenschaftler als sehr oder eher negativ eingeschätzt. Einen positiven Effekt sehen 12 Prozent.


Allianz-Umfrage: Finanzkompetenz vieler Erwachsener sehr lückenhaft

FRANKFURT/MAIN: Wie berechnet sich ein Zinseszins? Was ist eigentlich Inflation? Und was bedeutet es, Geld diversifiziert anzulegen? Viele Bürger haben bei der Beantwortung solcher Fragen Schwierigkeiten, wie eine aktuelle Umfrage der Allianz zeigt. Insgesamt sei «das Niveau der Finanzkompetenz erschreckend niedrig», stellt der Versicherungskonzern anhand einer repräsentativen Erhebung unter Erwachsenen in sieben Ländern fest, darunter Deutschland, fünf andere europäische Staaten und die USA.

Den am Donnerstag veröffentlichten Ergebnissen zufolge konnten weniger als ein Drittel (28,5 Prozent) der insgesamt gut 6900 Teilnehmer vier Fragen zu rechnerischen Fähigkeiten, Zinsen, Buchhaltung und Inflation allesamt richtig beantworten. In Deutschland habe dieser Wert nur geringfügig höher gelegen (31,8 Prozent). Diejenigen, die sich schlechter in Sachen Finanzen auskannten, bevorzugten für die Anlage von 1000 Euro niedrig verzinste Sparkonten oder setzten auf Kryptowährungen statt auf Aktien oder Versicherungsprodukte.

«In Zeiten von negativen Realzinsen ist häufig die vermeintlich sicherste Anlage diejenige, die die Verluste beschert. Versierte Sparer können vermeiden, in diese Falle zu tappen», kommentierte Allianz-Ökonom Arne Holzhausen die Umfrage. Seine Kollegin Patricia Pelayo Romero betonte in der Mitteilung: «Die desaströsen Werte für Finanz- und Risikokompetenz sollten ein Weckruf für Politik und Industrie sein.» Ohne Finanzkompetenz drohten viele Haushalte, falsche finanzielle Entscheidungen zu treffen. Finanzkompetenz gehöre in die schulischen Lehrpläne, zudem müsse die Finanzindustrie ihre Anstrengungen verstärken, leicht verständliche Produkte auf den Markt zu bringen.


Ölpreise geben nach

SINGAPUR: Die Ölpreise haben am Donnerstag im frühen Handel leicht nachgegeben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 44,17 US-Dollar. Das waren 17 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 29 Cent auf 41,72 Dollar.

Der Verbund Opec+ hat in der Corona-Krise strikte Fördergrenzen festgelegt, um die Ölpreise zu stabilisieren. Nach derzeitigem Stand würden die Begrenzungen Anfang 2021 gelockert. Es gibt jedoch Hinweis darauf, dass diese Lockerung wegen der angespannten Corona-Lage verschoben werden soll.

Profitiert hatten die Ölpreise in den vergangenen Tagen von der Aussicht auf Impfstoffe gegen das Corona-Virus. Es wird auf eine mittelfristige konjunkturelle Stabilisierung gesetzt, die der Rohölnachfrage zugutekommen würde. Fachleute verweisen allerdings auf die lange Zeit, die eine flächendeckende Impfung in Anspruch nehmen würde.


Hilfsorganisation fordert mehr Schuldenerlass für ärmste Länder

BERLIN: Vor dem Treffen der Finanzminister der Gruppe der großen Industriestaaten (G20) hat die Entwicklungsorganisation One mehr Schuldenerlass für arme Länder gefordert als bisher geplant. Die vergangene Woche beschlossene Rahmenvereinbarung der G20 für Schuldenerleichterungen gehe nicht weit genug, kritisierte One-Direktor Stephan Exo-Kreischer am Donnerstag in Berlin. «Es lässt keine Ambitionen erkennen, eine wirkliche Lösung für die gegenwärtige Liquiditätskrise zu finden.»

«Die Corona-Krise trifft die ärmsten Länder mit voller Wucht», sagte Exo-Kreischer. Während reiche Länder Schulden aufnehmen könnten, um sich gegen die Pandemie zu stemmen, müssten sich ärmere Länder entscheiden, «ob sie Kredite zurückzahlen oder Menschenleben retten». «Kein Land sollte vor diese Wahl gestellt werden.» Wenn alle Gläubiger weiter Schuldenrückzahlungen einforderten, als wäre nichts gewesen, werde ein Land nach dem anderen in die Staatspleite abrutschen, sagte der One-Direktor.

Die Entwicklungsorganisation forderte deutliche Nachbesserungen bei der Rahmenvereinbarung. Die Weltbank sowie private Gläubiger sollten verpflichtet werden, an sämtlichen schuldenlindernden Maßnahmen teilzunehmen, forderte One. Zumindest müssten dafür Anreize geschaffen werden. Die G20 sollte bei allen Ländern, die von einem Schuldennotstand bedroht seien, solange auf eine Rückzahlung verzichten, bis die Pandemie vorbei sei.

Vor dem virtuellen Gipfel der großen Industrieländer am Wochenende unter der Präsidentschaft Saudi-Arabiens kommen am Freitag die G20-Finanzminister zu Beratungen per Video zusammen.


Euro etwas schwächer über 1,18 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Donnerstag im frühen Handel etwas nachgegeben, sich aber klar über der Marke von 1,18 US-Dollar gehalten. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1850 US-Dollar und damit etwas weniger als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,1868 Dollar festgesetzt.

Zuletzt hielten sich die Kursbewegungen am Devisenmarkt in Grenzen. Starke Impulse blieben aus. Am Donnerstag dürften Anleger vor allem US-Konjunkturdaten in den Blick nehmen. Unter anderem stehen die wöchentlichen Daten vom Arbeitsmarkt an, die einen zeitnahen Eindruck von der Beschäftigungslage vermitteln. Außerdem äußern sich einige Notenbankvertreter.


Chinas Präsident wendet sich gegen «Entkoppelung» und Protektionismus

PEKING: Vor dem Hintergrund der Spannungen mit den USA hat sich Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping gegen Protektionismus und eine «Entkoppelung» von Volkswirtschaften ausgesprochen. In einer Rede per Video auf einem Forum von Wirtschaftsführern einen Tag vor Beginn des Asien-Pazifik-Gipfels (Apec) in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur sagte Xi Jinping, China sei weit in die Weltwirtschaft integriert und «wird seine Türen zur Welt noch weiter öffnen».

Er rief zu größerer Kooperation im Kampf gegen das Coronavirus und zur Ankurbelung der Weltwirtschaft auf. In einem indirekten Hinweis auf US-Präsident Donald Trump und seine «Amerika-Zuerst»-Politik sagte Xi Jinping: «Wachsender Unilateralismus, Protektionismus und zunehmende Schikane sowie Gegenreaktionen auf die wirtschaftliche Globalisierung haben die Risiken und Ungewissheiten in der Weltwirtschaft verstärkt.»

Die Pandemie zeige, dass die Interessen aller Länder eng verflochten seien. Globalisierung sei eine unumkehrbare Entwicklung. «Kein Land kann sich selbst entwickeln, indem es seine Türen geschlossen hält», sagte Xi Jinping. «Wir werden nicht den Kurs ändern oder gegen den historischen Trend angehen, indem wir uns «entkoppeln« oder einen kleinen Kreis schaffen, um andere auszuschließen.»

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