Nachrichten aus der Wirtschaft am Donnerstag

Finanzminister Christian Lindner. Foto: epa/Filip Singer
Finanzminister Christian Lindner. Foto: epa/Filip Singer

Lindner und Le Maire suchen gemeinsamen Kurs aus der Krise

PARIS: Vor dem Hintergrund deutsch-französischer Verstimmungen hat Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) mit seinem Pariser Amtskollegen Bruno Le Maire nach einem gemeinsamen Kurs in der Krise gesucht. Beide nannten bei dem Treffen in Paris am Donnerstag den Kampf gegen die Inflation als oberste Priorität, ebenso wie zielgerichtetere Hilfen für notleidende Haushalte und Firmen sowie eine Rückkehr zu ausgewogenen öffentlichen Finanzen. Hilfen für Unternehmen dürften nicht zu einer Wettbewerbsverzerrung zwischen Deutschland und Frankreich führen - bei diesem französischen Sorgenpunkt sagte Lindner, dass dies nicht die deutsche Absicht sei.

In einer Erklärung betonten beide Minister zwar die Notwendigkeit eines deutsch-französischen Schulterschlusses und die grundsätzliche Einigkeit bei den Zielen der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Ein gemeinsames Konzept zur Reform des Stabilitäts- und Wachstumspakts der EU legten sie aber ebenso wenig vor wie eine gemeinsame Antwort auf das amerikanische Inflationsbekämpfungsgesetz, wegen dem ein Abwandern europäischer Unternehmen in die USA befürchtet wird. Le Maire hatte sich in dem Zusammenhang für Schritte zur Bevorzugung europäischer Firmen ausgesprochen, Lindner schlug eine Verbesserung der privaten und öffentlichen Unternehmensfinanzierung vor.

Unterschiedliche Positionen in Kernfragen wie Energie, Verteidigung oder der Industriepolitik sowie mangelnde Kommunikation hatten die deutsch-französische Achse ins Holpern gebracht. Das wurde mit der kurzfristigen Verschiebung eines gemeinsamen Ministerrats Ende Oktober deutlich, der nun im Januar nachgeholt werden soll. Mit einer Serie von Ministertreffen sind beide Länder nun bemüht, ihr Tandem wieder in die Spur zu bringen. Bei seinem Besuch in Paris wurde Lindner auch von Staatspräsident Emmanuel Macron empfangen.


Tschechisches Parlament verabschiedet Übergewinnsteuer

PRAG: Tschechiens Parlament hat eine Übergewinnsteuer für Energieunternehmen, Bergbau- und Mineralölkonzerne sowie Banken beschlossen. Nach dem Abgeordnetenhaus stimmte am Donnerstag auch die zweite Parlamentskammer, der Senat, für das Gesetzesvorhaben. Nun fehlt nur noch die Unterschrift des Präsidenten.

Die Sondersteuer soll vom 1. Januar 2023 an für drei Jahre erhoben werden. Die betroffenen Firmen sollen eine Zusatzabgabe in Höhe von 60 Prozent auf Gewinne zahlen, die mehr als 20 Prozent über dem Durchschnitt der letzten vier Jahre liegen.

Das Finanzministerium rechnet im nächsten Jahr mit zusätzlichen Einnahmen von umgerechnet mehr als drei Milliarden Euro. Die Gelder sollen unter anderem zur Finanzierung der bereits beschlossenen Strom- und Gaspreisdeckel für Privathaushalte verwendet werden. Die Wirtschaftskammer des EU-Mitgliedstaats hatte die Pläne kritisiert. Die Übergewinnsteuer schrecke ausländische Investoren ab und mache das Steuersystem insgesamt weniger berechenbar, hieß es.


Litauens Präsident: EU muss Sanktionen gegen Russland anpassen

VILNIUS: Litauens Staatspräsident Gitanas Nauseda hat die EU-Kommission dazu aufgefordert, ihren Sanktionskurs anzupassen und mehr Druck auf Russland auszuüben. Die Sanktionspolitik wirke sich manchmal stärker auf die Volkswirtschaften der EU-Staaten aus, während die Folgen für Russland ziemlich kontrovers seien, sagte er nach einem Treffen mit seinem rumänischen Amtskollegen Klaus Iohannis am Donnerstag in Vilnius.

Nauseda verwies als Beispiel auf die Finanzergebnisse von Gazprom, die alles andere als schlecht seien. Der russische Energieriese habe zwar viel weniger Gas verkauft, aber von dem starken Anstieg der Gaspreise profitieren können, sagte der Staatschef des baltischen EU- und Nato-Landes. Die EU-Kommission sollte daher die Auswirkungen der Sanktionspolitik bewerten und ihren Kurs in die erforderliche Richtung korrigieren.

Litauen habe seit jeher die am stärksten durchgreifenden Sanktionen befürwortet, sagte Nauseda und forderte die EU dazu auf, so bald wie möglich ein neuntes Sanktionspaket zu verabschieden. «Es sollte der entscheidende Schritt nach vorne sein», betonte der litauische Staatspräsident. Enthalten sollte es etwa weitere Beschränkungen für die Militärindustrie, russische Banken und die Atombehörde Rosatom.


Deutsche Wirtschaft im Sommer gewachsen - Bundesamt nennt Details

WIESBADEN: Die deutsche Wirtschaft ist trotz starken Gegenwinds im Sommer gewachsen. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent zu. Getragen wurde das Wachstum demnach vor allem von den privaten Konsumausgaben. Details zur Konjunkturentwicklung im Zeitraum Juli bis September gibt die Wiesbadener Behörde an diesem Freitag (08.00 Uhr) bekannt.

Ökonomen, die im Schnitt mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung gerechnet hatten, sehen in dem Wachstum im Sommer allerdings nur die Ruhe vor dem Sturm. Sorge bereitet vor allem die hartnäckig hohe Inflation, die im Oktober auf 10,4 Prozent stieg.

Hohe Teuerungsraten belasten Unternehmen und schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Die Menschen können sich für einen Euro weniger leisten. Das kann den Privatkonsum als wichtige Konjunkturstütze dämpfen. Zugleich dürfte die Abschwächung der globalen Konjunktur Volkswirten zufolge den Export belasten.

Ökonomen rechnen daher damit, dass der deutschen Wirtschaft harte Monate bevorstehen. Viele gehen von einer Rezession im Winterhalbjahr aus, also einem Rückgang der Wirtschaftsleistung. Ein Konjunkturabsturz wie im Corona-Krisenjahr 2020 wird jedoch nicht erwartet. Damals war des Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr um mehr als vier Prozent geschrumpft.


Brexit: Britische Wirtschaft fürchtet Abschaffung von EU-Regeln

LONDON: Die britische Wirtschaft befürchtet Turbulenzen durch eine überstürzte Abschaffung von EU-Regeln, die das Vereinigte Königreich nach dem Brexit zunächst beibehalten hat. Mehrere Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften warnten am Donnerstag in einem gemeinsamen Brief, ein geplantes Gesetz, mit dem etliche übernommene Regeln und Standards aus EU-Zeiten ersatzlos auslaufen würden, berge das Risiko von «ernsthafter Verunsicherung und Störungen für Unternehmen, Beschäftigte und jene, die die Umwelt zu schützen versuchen». Zu den beteiligten Verbänden zählte die Führungskräftevereinigung Institute of Directors wie auch der Gewerkschaftsdachverband Trades Union Congress.

Seit dem Brexit ist Großbritannien in einzelnen Bereichen - etwa in der Landwirtschaft oder bei der Migration - von EU-Gesetzen abgewichen, hat aber bislang der BBC zufolge auch noch Tausende Regelungen beibehalten.

Die britische Kurzzeit-Premierministerin Liz Truss - Vorgängerin von Amtsinhaber Rishi Sunak - hatte mit ihrer Regierung versprochen, alle noch aus EU-Zeiten geltenden Regeln spätestens Ende 2023 auslaufen zu lassen und das Gesetz namens «Retained EU Law Bill» ins Parlament eingebracht. Auch Sunak hatte einst im parteiinternen Wahlkampf angekündigt, EU-Bürokratie abschaffen zu wollen.

Die Sorge der Verbände ist nun, dass Umwelt- und Tierschutzstandards, Arbeitnehmerrechte, Schutz vor Diskriminierung und viele andere etablierte Prinzipien unter die Räder geraten könnten. Dies könne die Wirtschaft destabilisieren und sogar für mehr Bürokratie sorgen. Man rufe die Regierung daher dazu auf, das Gesetz zu stoppen.


Litauen: Hilfe für Energiesystem der Ukraine so wichtig wie Waffen

VILNIUS: Litauen will der Ukraine nach den schweren russischen Raketenangriffen beim Wiederaufbau der Energieinfrastruktur helfen. Dies sei «genauso wichtig» wie die Lieferung von Waffen, sagte Regierungschefin Ingrida Simonyte laut der Agentur BNS am Donnerstag in Vilnius.

Russland führt seit neun Monaten einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Nach militärischen Rückschlägen setzt Moskau verstärkt auf die Zerstörung der ukrainischen Energieinfrastruktur. «Sie versuchen, den Menschen das Leben schwer zu machen. Natürlich ist dies eine bewusste Taktik Russlands», sagte Simonyte.

Nach Angaben des Energieministeriums hat Litauen bereits Sachmittel im Wert von drei Millionen Euro für die Wiederherstellung der zerstörten Energieinfrastruktur bereitgestellt. Weitere Hilfe im Wert von zwei Millionen Euro soll in Kürze folgen.

Litauens Präsident Gitanas Nauseda verglich die russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur mit der von Sowjetdiktator Josef Stalin 1932 und 1933 gezielt herbeigeführte Hungersnot in der Ukraine - dem sogenannten Holodomor. Der Beschuss von ziviler Infrastruktur ziele auf die ukrainische Bevölkerung, um sie zu demoralisieren und einzuschüchtern, sagte er nach seinem Treffen mit seinem rumänischen Amtskollegen Klaus Iohannis in Vilnius.


Zinssignale aus USA treiben Dax weiter nach oben

FRANKFURT/MAIN: Der deutsche Aktienmarkt hat seinen Aufwärtstrend am Donnerstag fortgesetzt. Der Leitindex Dax verbuchte bis zum Nachmittag einen Gewinn von 0,68 Prozent auf 14.526,31 Punkte. Positiv aufgenommen wurden Hinweise der US-Notenbank Fed in ihrem Protokoll der November-Sitzung auf ein möglicherweise langsameres Tempo bei den Zinserhöhungen. Zudem hellte sich das Ifo-Geschäftsklima, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, stärker auf als von Experten erwartet.


Kritik aus den Ländern an Plänen für staatliches Tierhaltungs-Logo

BERLIN: Unter den Bundesländern formiert sich erhebliche Kritik am geplanten staatlichen Tierhaltungs-Logo für Fleisch im Supermarkt. Vor der ersten Beratung im Bundesrat an diesem Freitag führen die zuständigen Ausschüsse der Länderkammer zahlreiche Forderungen und Einwände zum Entwurf von Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) auf. «Vorgezogene, unvollständige Regelungen von Teilschritten schaffen Unsicherheiten und gefährden den Umbau der Nutztierhaltung in Deutschland in Gänze», heißt es in der Empfehlung des federführenden Agrarausschusses.


EU-Nutzfahrzeugmarkt weiter schwach

BRÜSSEL: In der EU läuft der Verkauf kleiner Nutzfahrzeuge weiter schleppend. Während es bei großen Lastern und Bussen im Oktober aufwärts ging, sorgte der Abschwung bei Kleintransportern auch in der Gesamtsicht für den 16. Monat mit Zulassungsrückgängen in Folge, wie der europäische Herstellerverband Acea am Donnerstag mitteilte. Die Neuzulassungen von Nutzfahrzeugen gingen gegenüber dem Vorjahresmonat insgesamt um 8,5 Prozent auf 132.360 Fahrzeuge zurück.


Vogelgrippe und Produktionskosten: Großbritannien gehen Eier aus

LONDON: Wegen der Vogelgrippe sowie steigender Produktionskosten gehen in Großbritannien die Eier aus. Supermärkte rationieren daher den Verkauf: Der Einzelhandelsriese Tesco erlaubt nur noch drei Packungen je Kunde, zuvor hatten bereits Asda und Lidl ähnliche Beschränkungen erlassen. Die Pub-Kette JD Wetherspoons teilte mit, dass in einigen Filialen Eierspeisen gestrichen oder mit anderen Lebensmitteln ersetzt wurden. «Wir haben Probleme, den notwendigen Nachschub zu erhalten, um die Nachfrage in allen Pubs zu erfüllen», sagte ein Unternehmenssprecher.


Schnelle Kontrolle: Flughafen München startet neue Sicherheitstechnik

MÜNCHEN: Am Flughafen München können Passagiere künftig auf bequemere und schnellere Kontrollen des Handgepäcks hoffen. Für rund 45 Millionen Euro sollen neue Kontrollspuren und Gepäck-Scanner angeschafft werden, wie das Luftamt Süd der Regierung Oberbayern am Donnerstag mitteilte. Vor allem der Einsatz von 60 neuartigen CT-Scannern soll den Gästen das Leben erleichtern, weil Flüssigkeiten und elektronische Geräte künftig nicht mehr extra ausgepackt werden müssen. Auch die bislang gültige Obergrenze von 100 Milliliter pro Flüssigkeitsbehälter fällt dann, wie die Behörde mitteilte.


Bundesbank: Finanzsystem verwundbar gegenüber steigenden Risiken

FRANKFURT/MAIN: Die Bundesbank mahnt Geldinstitute angesichts wachsender Risiken für die Finanzstabilität zu mehr Vorsorge. «Die Banken sollten Verluste aus eigener Kraft auffangen können», sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch am Donnerstag bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts 2022 in Frankfurt. Sonst könne es zu einer Kreditklemme kommen, die eine realwirtschaftliche Krise verschärfe. Insgesamt sieht die Bundesbank ein deutlich verschlechtertes Umfeld: Für 2023 sagen Volkswirte eine Rezession voraus.


Bundesregierung sieht noch viel Arbeit bei EU-Gaspreisdeckel

BRÜSSEL: Die Bundesregierung sieht noch viel Arbeit, bevor sich die EU auf einen europäischen Gaspreisdeckel einigen kann. «Man kann zusammenfassend sagen, dass alle irgendwie unglücklich sind mit dem Vorschlag der Kommission», sagte Staatssekretär Sven Giegold am Rande eines Treffens der EU-Energieminister am Donnerstag in Brüssel.

Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, unter bestimmten Umständen den Preis für Gas zu deckeln, das am Handelsplatz TTF verkauft wird. Das würde Großkunden betreffen, die dort handeln.


Streit um EU-Gaspreisdeckel blockiert weitere Notfallmaßnahmen

BRÜSSEL: Wegen des ungelösten Streits um einen europäischen Gaspreisdeckel haben Staaten wie Spanien und Italien eine EU-Einigung auf andere Notfallmaßnahmen in der Energiekrise blockiert. Die Minister hätten sich prinzipiell geeinigt auf Notfallgesetze für gemeinsame Gaseinkäufe und schnellere Genehmigungen etwa von Solaranlagen, teilte Staatssekretär Sven Giegold nach einem Treffen der für Energie zuständigen EU-Minister am Donnerstag in Brüssel mit. Der formale Beschluss solle aber erst bei einem weiteren Energie-Sonderrat am 13. Dezember getroffen werden. Grund ist Giegold zufolge, dass viele Staaten gleichzeitig den Gaspreisdeckel beschließen wollen.

Seit Monaten streiten die EU-Staaten um Maßnahmen, um den angesichts des Ukraine-Kriegs stark schwankenden Gaspreis zu kontrollieren. Die EU-Kommission hat unter dem Druck einer Vielzahl von Staaten vorgeschlagen, unter bestimmten Umständen den Preis für Gas zu deckeln, das am Handelsplatz TTF verkauft wird. Das würde Großkunden betreffen, die dort handeln - nicht die Endverbraucher, wie etwa bei der Gaspreisbremse der Bundesregierung.

Staaten wie Italien, Frankreich, Belgien, Malta, Spanien und Polen halten den Vorschlag allerdings nicht für ausreichend. Mehrere pochen nun darauf, die Notfallmaßnahmen gemeinsam mit dem Gaspreisdeckel als Paket zu verabschieden.


Ukraine beginnt sich von massiven Blackouts zu erholen

KIEW: Das gesamtukrainische Stromnetz ist nach den massiven Blackouts vom Vortag offiziellen Angaben zufolge wieder intakt. Der Vizechef des Präsidentenbüros, Kyrylo Tymoschenko, sagte am Donnerstag, das ukrainische Stromnetz sei wieder intakt. Wie viele Haushalte nach den Blackouts vom Vortag wieder mit Strom versorgt wurden, führte er aber nicht näher aus.

Betroffen von den Angriffen waren nicht nur das Netz, sondern vor allem die wichtigen Umspannwerke. Alleine in der Hauptstadt Kiew waren am Abend weiter 70 Prozent der Haushalte von Notabschaltungen betroffen.

Am Mittwoch war nach massiven russischen Raketenangriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur landesweit die Stromversorgung ausgefallen. Russland führt seit neun Monaten einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland.


Moskau: Minus im Haushalt und beim Wirtschaftswachstum erwartet

MOSKAU: Das russische Parlament hat am Donnerstag den Haushalt für das kommende Jahr verabschiedet - und dabei ein Defizit sowie einen Rückgang der Wirtschaftsleistung prognostiziert. «Das Budget war das schwerste der vergangenen Jahre: Sanktionen und die Entwicklung der Weltwirtschaft machen es praktisch unmöglich, es vorherzusagen», sagte Duma-Chef Wjatscheslaw Wolodin laut einer auf der offiziellen Homepage der Duma veröffentlichten Mitteilung.

In absoluten Zahlen beläuft sich das geplante Minus beim Staatshaushalt 2023 auf etwas weniger als umgerechnet 50 Milliarden Euro. Das sind etwa zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das BIP selbst wird demnach auch im kommenden Jahr rückläufig sein. Die Parlamentarier haben das Minus mit 0,8 Prozent veranschlagt.

Neben dem Etat 2023 hat die Duma auch vorläufige Haushaltsentwürfe für die beiden kommenden Jahre verabschiedet. Auch 2024 und 2025 will Russland demnach seine Schulden weiter vergrößern. Zugleich rechnen die Abgeordneten allerdings mit einer wieder ansteigenden Wirtschaftsleistung in den Jahren.


Ex-Wirecard-Chef vor Prozessbeginn in anderes Gefängnis verlegt

MÜNCHEN: Der wegen Milliardenbetrugs angeklagte frühere Wirecard-Chef Markus Braun ist vor Beginn seines Strafprozesses in einem anderen Gefängnis untergebracht worden.

Der seit fast zweieinhalb Jahren in Untersuchungshaft sitzende Braun wurde aus Augsburg in die Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim verlegt. Dort wird in einem angrenzenden Gerichtssaal am 8. Dezember der Prozess gegen den österreichischen Manager und zwei Mitangeklagte beginnen, wie ein Sprecher des Oberlandesgerichts München am Donnerstag sagte. Zuvor berichtete die «Augsburger Allgemeine».

Braun soll für den größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte maßgeblich mitverantwortlich sein. Laut Anklage wurden Banken und andere Kreditgeber des Unternehmens um 3,1 Milliarden Euro geschädigt. Braun weist die Vorwürfe zurück.


Ifo-Geschäftsklima hellt sich auf

MÜNCHEN: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im November unerwartet deutlich verbessert. Das Ifo-Geschäftsklima stieg zum Vormonat um 1,8 Punkte auf 86,3 Zähler, wie das Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte. Außerdem wurde der Wert für den Vormonat nach oben revidiert. Demnach war das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer bereits im Oktober erstmals seit Mai gestiegen. Ökonomen hatten mit einer besseren Unternehmensstimmung gerechnet, waren aber für November von 85 Punkten ausgegangen.


Großbritannien muss ab Januar deutlich mehr für Energie zahlen

LONDON: Die britische Regierung muss mit Jahresbeginn deutlich mehr Geld für die Energierechnungen der Bürger zahlen. Die Aufsichtsbehörde Ofgem hob am Donnerstag die Höchstpreise für Strom und Gas erneut an. Da die Regierung bis April die Preise gedeckelt hat, ändert sich für Verbraucher und Verbraucherinnen nichts. Ein normaler Haushalt zahlt bei durchschnittlichem Verbrauch maximal 2500 Pfund (2900 Euro) im Jahr. Ohne Regierungsunterstützung wären es von Januar an 4279 Pfund. Die Energieberatungsfirma Auxilione schätzt die Kosten für den Staat im Zeitraum von Januar bis März auf 15,1 Milliarden Pfund.

«Dank der Energiepreisgarantie halten wir die Rechnungen in diesem Winter im Jahresdurchschnitt bei 2500 Pfund. Ohne sie würden Millionen von Familien viel, viel mehr bezahlen», twitterte Finanzminister Jeremy Hunt. Die Energieberatung Cornwall Insight betonte, der Preisanstieg auf 67 Pence je Kilowattstunde (kWh) Strom und 17 Pence je kWh Gas sei für die Regierung besorgniserregend. Verbraucher zahlen derzeit 34 Pence für Strom und 10,3 Pence für Gas.

Von April an müssen aber auch Verbraucher höchstwahrscheinlich mehr ausgeben. Dann erhöht die Regierung ihre Energiepreisgarantie auf 3000 Pfund im Jahr. Die tatsächlichen Preise werden Schätzungen zufolge aber auch dann deutlich darüber liegen.


Habeck weist Kritik an deutscher Haltung beim Gaspreisdeckel zurück

DÜSSELDORF: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat Kritik an der deutschen Haltung zu einem europäischen Gaspreisdeckel zurückgewiesen. «Wir blockieren nicht», sagte der Grünen-Politiker dem «Handelsblatt» (Donnerstag). Die EU-Staaten hätten sich auf einen flexiblen und cleveren Deckel für Zeiten exzessiver Preise verständigt. «Aber ich bin skeptisch, wenn es um eine feste Preisobergrenze im Markt geht, weil diese entweder zu hoch oder zu niedrig wäre.»

Auch die Strategie Spaniens und Portugals, Gaspreise für die Stromerzeugung zu begrenzen, lehnt Habeck für Deutschland ab. Dies könne sinnvoll sein, weil die geografische Lage der Länder anders sei. Allerdings sei der Gasverbrauch in Spanien danach um bis zu 70 Prozent gestiegen. «Für Deutschland würde dies verheerende Auswirkungen auf die Gasversorgung bedeuten. Wir müssen unseren Gasverbrauch reduzieren, um im Winter über die Runden zu kommen», sagte Habeck. Stattdessen sollten EU-Staaten gemeinsam Gas einkaufen, um sich auf dem Markt nicht zu überbieten.

Habeck und die anderen EU-Energieminister treffen sich am Donnerstag in Brüssel, um über Maßnahmen gegen die gestiegenen Energiepreise zu beraten.


Kiew zu 70 Prozent ohne Strom - Wasserversorgung teils hergestellt

KIEW: Am Morgen nach den schweren russischen Raketenangriffen konnte die Strom- und Wasserversorgung in Kiew erst teilweise wieder hergestellt werden. «70 Prozent der Hauptstadt sind bisher ohne Elektrizität», teilte Bürgermeister Vitali Klitschko am Donnerstag auf seinem Telegram-Kanal mit. Immerhin sei es gelungen, die Stadtteile am linken Flussufer des Dnipro wieder mit Wasser zu versorgen. Die kommunalen Dienste arbeiteten mit Hochdruck an der Behebung der Schäden, doch die Stromversorgung Kiews hänge auch von der Stabilität des gesamten Energiesystems in der Ukraine ab.

Das russische Militär hatte am Mittwoch nach Angaben Kiews etwa 70 Raketen und Drohnen auf die Ukraine abgeschossen. Ziele waren wie bei den vorangegangenen Angriffen vornehmlich Objekte des Energiesektors. Nach Abschaltung der ukrainischen Kernkraftwerke infolge der Attacke kam es landesweit zu Stromausfällen.

Bis zum Donnerstagmittag wurde die Stromversorgung erst in einigen Regionen wieder hergestellt. So meldete der Bürgermeister von Lwiw, Andrij Sadowij, dass es wieder Strom gebe. In anderen Regionen wie in Odessa oder Tschernihiw blieb die Lage kompliziert. Auch die benachbarte ehemalige Sowjetrepublik Moldau war teilweise weiter ohne Strom. Das Energienetz der beiden Länder ist eng gekoppelt.

Der Kommandeur der russischen Truppen in der Ukraine, General Sergej Surowikin, erlangte bereits bei seinem Einsatz in Syrien ein paar Jahre zuvor Bekanntheit dafür, dass er zivile Ziele angreifen ließ, um seine Gegner zu schwächen. Nach seiner Ernennung in der Ukraine sind Angriffe auf die kritische Infrastruktur des Landes zu einem wichtigen Bestandteil der russischen Kriegsführung geworden.


Eurokurs legt weiter zu

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Donnerstag zugelegt und damit an die Kursgewinne der vergangenen Handelstage anknüpft. Allerdings konnte die Gemeinschaftswährung im Nachmittagshandel im Vergleich zu den Kursgewinnen vom Vortag nur noch leicht zulegen. Zuletzt wurde der Euro bei 1,0412 Dollar gehandelt und damit etwas höher als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0413 (Mittwoch: 1,0325) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9603 (0,9685) Euro.

Ausschlaggebend ist eine Dollar-Schwäche. Zuletzt hatten schwache amerikanische Konjunkturdaten und Äußerungen aus den Reihen der US-Notenbank Fed darauf hingedeutet, dass die Währungshüter die Zinsen im Kampf gegen die hohe Inflation künftig weniger stark erhöhen werden als in den vergangenen Monaten. Die Aussicht auf weniger Tempo bei den Zinserhöhungen belastet den Dollar und beflügelt im Gegenzug andere Währungen wie den Euro.

Besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus Deutschland konnten dem Euro keinen neuen Auftrieb verleihen. Das Ifo-Geschäftsklima war im November stärker als erwartet gestiegen. «Die Rezession verliert ihren Schrecken», kommentierte Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Dekabank die Umfrageergebnisse. Die Unsicherheit über die Energieversorgung und damit die Sorgen um die Produktionsbedingungen in den kommenden Monaten nehme ab. «Die Rezession mag mild bleiben, die langfristigen Herausforderungen für die deutschen Unternehmen sind es nicht», sagte Kater.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85933 (0,86369) britische Pfund, 143,90 (145,75) japanische Yen und 0,9818 (0,9795) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1756 Dollar gehandelt. Das waren etwa 7 Dollar mehr als am Vortag.


Südkoreas Notenbank erhöht Leitzins auf 3,25 Prozent

SEOUL: Die Notenbank Südkoreas hat wegen des Preisauftriebs zum sechsten Mal nacheinander die Zinsen angehoben. Der geldpolitische Ausschuss beschloss am Donnerstag, den Leitzins um 0,25 Punkte zu erhöhen. Der Zinssatz, der für die Kosten der Kredite zwischen den Banken entscheidend ist, kletterte dadurch auf 3,25 Prozent. Es sei weiter wichtig, die Preisstabilität sicherzustellen, «da die Inflation hoch bleibt», hieß es in einer Mitteilung der Bank of Korea. Das Institut stellte weitere Zinserhöhungen in Aussicht.

Zum einen geht es der Zentralbank darum, mittels Zinserhöhung den Aufwärtstrend bei den Preisen einzudämmen, zum anderen soll die Zinsdifferenz zu den USA nicht weiter anwachsen. Die US-Notenbank Fed hatte im laufenden Jahr die Leitzinsen bereits von fast null auf aktuell 3,75 bis 4,0 Prozent angehoben. Zugleich will die Bank of Korea bei den Zinserhöhungen möglichst in kleinen Schritten vorgehen, um das Wachstum nicht abzuwürgen.

Die Verbraucherpreisinflation sei im Oktober mit 5,7 Prozent angesichts der steigenden Strom- und Gasgebühren und des rascheren Preisanstiegs bei verarbeiteten Nahrungsmittelprodukten hoch geblieben, hieß es. Es werde erwartet, dass sich die Inflation weiter «bedeutend über dem angepeilten Niveau» bewegen werde, obwohl das Wachstum der einheimischen Wirtschaft sich abgeschwächt habe. Die Zentralbank senkte ihre Wachstumsprognose für 2023 von 2,1 Prozent auf nur noch 1,7 Prozent.

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