Nachrichten aus der Wirtschaft am Donnerstag

Ansicht eines Logos von BionTech am Eingang eines Industrieparks. Foto: epa/Ronald Wittek
Ansicht eines Logos von BionTech am Eingang eines Industrieparks. Foto: epa/Ronald Wittek

Biontech expandiert nach Australien

MAINZ/MELBOURNE: Nach dem Erfolg mit seinem Corona-Impfstoff baut das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech seine internationale Präsenz mit der Errichtung eines Forschungszentrums und einer Produktionsstätte in Australien weiter aus. Einer der Schwerpunkte soll die Suche nach Krebstherapien sein. Biontech vereinbarte am Freitag mit dem australischen Bundesstaat Victoria eine strategische Zusammenarbeit, um an der Erforschung und Entwicklung potenzieller mRNA-basierter Impfstoffe und Therapien zusammenzuarbeiten, wie das Unternehmen mitteilte. Die mRNA-Technologie wurde bereits beim Corona-Impfstoff von Biontech erfolgreich eingesetzt.

Das gemeinsam betriebene Forschungszentrum soll in Melbourne entstehen. Es soll die Wissenschaftler vor allem bei der Umsetzung ihrer Forschungsprojekte in die klinische Entwicklung unterstützen. Außerdem will Biontech die eigenen klinischen Forschungskapazitäten in Australien ausbauen und weitere Studienzentren einschließen, um die Entwicklung von Therapiemöglichkeiten gegen Krebs zu beschleunigen. Die Pipeline von Biontech umfasst nach Unternehmensangaben aktuell insgesamt 18 Produktkandidaten in 23 laufenden klinischen Studien.

Zudem will das Unternehmen den Aufbau einer mRNA-Produktionsanlage im klinischen Maßstab für ein breites Spektrum klinischer Programme unterstützen. Die Container für die Produktion, sogenannte «BioNTainer», sollen ebenfalls am Standort Melbourne entstehen. Die australische Stadt wird damit die dritte eigene mRNA-Produktionsstätte des Unternehmens außerhalb Deutschlands. Das Unternehmen hat bereits die Errichtung derartiger Produktionsstätten in Afrika, beispielsweise in Ruanda, und in Singapur angekündigt.


Michel: Nächster Europagipfel soll in Moldau stattfinden

BRÜSSEL: Die neue Europäische Politische Gemeinschaft will ihr nächstes Treffen in der von Russland bedrängten Republik Moldau organisieren. Es folgen Spanien und das Vereinigte Königreich als Gastgeber. Diese Reihenfolge habe EU-Ratschef Charles Michel am Donnerstag den Teilnehmern des neuen Forums in der tschechischen Hauptstadt Prag vorgeschlagen, teilte ein Sprecher des Belgiers mit. Der Vorschlag sei von allen im Raum willkommen geheißen worden. Die moldauische Staatspräsidentin Maia Sandu sagte nach dem Treffen, man freue sich, die anderen Staats- und Regierungschefs im Frühjahr 2023 in der Hauptstadt Chisinau zu empfangen.

Ziel des neuen Zusammenschlusses ist es, einen engeren Austausch der 27 EU-Länder mit Partnern außerhalb der EU zu ermöglichen. An dem ersten Treffen in Prag nahmen 43 Staats- und Regierungschefs teil. Auf der Tagesordnung standen neben Russlands Krieg gegen die Ukraine vor alle die Energiekrise und die Wirtschaftslage.

Die Republik Moldau ist eines der ärmsten Länder Europas und hat seit Juni den Status eines EU-Beitrittskandidaten. Der Krieg in der Ukraine hat in dem kleinen Land eine Flüchtlingskrise und wirtschaftliche Probleme ausgelöst. Der russische Energiekonzern Gazprom hatte Moldau zuletzt wegen ausstehender Zahlungen mit einem Abschalten der Gaslieferungen gedroht.


Michel: Nächster Europagipfel soll in Moldau stattfinden

BRÜSSEL: Die neue Europäische Politische Gemeinschaft will ihr nächstes Treffen in der von Russland bedrängten Republik Moldau organisieren. Es folgen Spanien und das Vereinigte Königreich als Gastgeber. Diese Reihenfolge habe EU-Ratschef Charles Michel am Donnerstag den Teilnehmern des neuen Forums in der tschechischen Hauptstadt Prag vorgeschlagen, teilte ein Sprecher des Belgiers mit. Der Vorschlag sei von allen im Raum willkommen geheißen worden. Zum Zeitpunkt des nächsten Treffens gab es zunächst keine Angaben.

Ziel des neuen Zusammenschlusses ist es, einen engeren Austausch der 27 EU-Länder mit Partnern außerhalb der EU zu ermöglichen. An dem ersten Treffen in Prag nahmen 43 Staats- und Regierungschefs teil. Auf der Tagesordnung standen neben Russlands Krieg gegen die Ukraine vor alle die Energiekrise und die Wirtschaftslage.

Die Republik Moldau ist eines der ärmsten Länder Europas und hat seit Juni den Status eines EU-Beitrittskandidaten. Der Krieg in der Ukraine hat in dem kleinen Land eine Flüchtlingskrise und wirtschaftliche Probleme ausgelöst. Der russische Energiekonzern Gazprom hatte Moldau zuletzt wegen ausstehender Zahlungen mit einem Abschalten der Gaslieferungen gedroht.


Russlands Ex-Präsident Medwedew nennt EU-Sanktionen zwecklos

MOSKAU: Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew hat die neuen EU-Sanktionen gegen sein Land als zweckloses und teures Unterfangen bezeichnet. «Unsere dummen Opponenten können eine einfache Sache nicht verstehen: Russland lebt schon lange unter den Beschränkungen und hat gut gelernt, sich an die schnell verändernden Umstände anzupassen», schrieb Medwedew am Donnerstag auf seinem Telegram-Kanal. Zugleich schädigten die Sanktionen aber den Westen selbst und die Weltwirtschaft.

Als «Beweis» für Russlands Unempfänglichkeit gegen Sanktionen führte er den Rückgang der offiziellen Inflation von 17,8 auf 13,7 Prozent an. Auch das Bruttoinlandsprodukt werde zum Jahresende weniger stark fallen als zunächst befürchtet, schrieb er. Tatsächlich haben Wirtschaftsexperten die Prognosen für das laufende Jahr verbessert. Allerdings sagen die meisten von ihnen Russland eine lang anhaltende Rezession voraus.

Der Westen habe erkennen müssen, dass er sich mit seinen Sanktionen selbst geschadet habe. Die starken Teuerungen trieben die Menschen dort auf die Straße. «Ein typischer Schuss in den eigenen Hintern», kommentierte der 57-Jährige. Zugleich habe die Sanktionspolitik negative Folgen für die gesamte Weltwirtschaft und treffe viele Unschuldige.

Er wolle aber nicht mehr an die Vernunft des Westens appellieren. Den Feind müsse man «dazu zwingen, um Gnade zu flehen in einer verlorenen Wirtschaftsschlacht. Und sie mit der völligen und bedingungslosen Kapitulation (des Westens) beenden», schrieb Medwedew. Der einst als liberaler Hoffnungsträger an die Macht gekommene Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin versucht sich seit Kriegsbeginn als Hardliner gegen den Westen zu profilieren.


Energiepreise: EU-Notfallpaket samt Gewinnabschöpfung beschlossen

BRÜSSEL: Das EU-Notfallpaket gegen hohe Energiekosten ist nun auch formell beschlossen worden. «Heute hat die EU einen wichtigen Schritt gemacht, um die hohen Energiepreise für Bürger und Unternehmen einzudämmen - aber sicher nicht den letzten», sagte der tschechische Industrieminister Jozef Síkela am Donnerstag.

Das Paket, auf das die EU-Energieminister sich vergangene Woche geeinigt hatten, sieht unter anderem verbindliche Ziele fürs Stromsparen vor. Außerdem müssen viele Stromproduzenten sowie Öl- und Gaskonzerne künftig einen Teil ihrer Krisengewinne an den Staat zahlen. Mit diesem Geld sollen Verbraucher und Unternehmen entlastet werden. Die vorübergehenden Maßnahmen sollen von Dezember an gelten.


Ukraine: Ex-Notenbankchef der Unterschlagung verdächtigt

KIEW: Zwei Tage nach seinem Rücktritt ist gegen den Ex-Chef der ukrainischen Notenbank, Kyrylo Schewtschenko, ein Verfahren wegen Unterschlagung von Geldern eingeleitet worden. In seiner Zeit als Leiter der staatlichen Ukrhasbank, sollen zwischen 2014 und 2019 umgerechnet rund 5,2 Millionen Euro gestohlen worden sein, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag bei Facebook mit. Vier andere leitende Mitarbeiter der Bank werden ebenfalls verdächtigt. Schewtschenko drohen damit bis zu zwölf Jahre Gefängnis.

Der 49-Jährige hatte die Ukrhasbank von 2014 bis zu seiner Ernennung zum Notenbankchef im Juli 2020 geleitet. Bei der Notenbank hatte Schewtschenko am Dienstag seinen Rücktritt aus «gesundheitlichen Gründen» eingereicht. Am Donnerstag bestätigte das Parlament die Entlassung. In ukrainischen Medien war über einen Konflikt zwischen Präsidentenbüro und Schewtschenko über die Finanzierung des kriegsbedingten Staatsdefizits spekuliert worden.


Biden zu Beschluss der Ölallianz OPEC+: Wir prüfen Alternativen

WASHINGTON: US-Präsident Joe Biden hat enttäuscht auf die Entscheidung der Öl-Allianz Opec+ reagiert, die Ölproduktion zurückzufahren. Auf die Frage, was seine Reaktion sei, sagte Biden am Donnerstag in Washington schlicht: «Enttäuschung.» Der Demokrat sagte weiter: «Wir schauen uns an, welche Alternativen wir haben.» Es gebe einige Möglichkeiten, betonte er, ohne konkreter zu werden, und schob nach: «Wir haben noch nichts entschieden.»

Auf die Frage, ob er seinen umstrittenen Trip ins ölreiche Saudi-Arabien im Juli angesichts der Opec-Entscheidung bereue, sagte Biden: «Bei der Reise ging es nicht in erster Linie um Öl.» Es sei um den Nahen Osten und Israel und Themen der Region gegangen. «Aber es ist eine Enttäuschung und zeigt, dass es Probleme gibt.»

Die Öl-Allianz, in der Saudi-Arabien ein wichtiges Mitglied ist, hatte am Mittwoch angekündigt, von November an zwei Millionen Barrel (je 159 Liter) täglich weniger Öl zu fördern. Es ist die umfassendste Verringerung der Ölproduktion seit langem. Die USA hatten dagegen seit Monaten von der Opec+ ein Aufdrehen des Ölhahns gefordert - auch im Interesse der Weltwirtschaft.

Im Juli war Biden nach Saudi-Arabien gereist und hatte dafür viel Kritik einstecken müssen. Ihm wurde vorgeworfen, zu Gunsten des Themas Öl und des Ziels, die Benzinpreise zu verringern, über schwere Menschenrechtsverletzungen Saudi-Arabiens hinwegzusehen. Vor allem geht es dabei um die Tötung des regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi. Nach Einschätzung der US-Geheimdienste hatte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, den Biden auf der Reise traf, die Operation zur Gefangennahme oder Tötung Khashoggis im saudischen Konsulat in Istanbul im Oktober 2018 genehmigt.


Scholz spricht mit Truss über Energie-Kooperation

PRAG: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die neue britische Premierministerin Liz Truss haben am Donnerstag bei ihrem ersten Treffen in Prag unter anderem über eine engere Vernetzung der Energieversorgung ihrer beiden Länder gesprochen. Außerdem sei es um Investitionen in Offshore-Windanlagen, wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Abfederung der hohen Energiekosten gegangen, hieß es anschließend von deutscher Seite. Es sei «ein sehr freundliches und nettes Treffen» gewesen.

Scholz und Truss sprachen am Rande des Gründungstreffens der neuen Europäischen Politischen Gemeinschaft miteinander. Darin wollen sich die 27 EU-Staaten mit 17 weiteren europäischen Ländern - darunter Großbritannien - vernetzen. Großbritannien war Anfang 2020 aus der Europäischen Union ausgetreten.

Die konservative Politikerin Truss hatte Anfang September ihren Parteikollegen Boris Johnson an der britischen Regierungsspitze abgelöst. Johnson war unter schwerem Druck seiner Fraktion zurückgetreten.


EU-Gipfel sucht Mittel gegen hohe Energiepreise

PRAG: Bundeskanzler Olaf Scholz und seine EU-Kollegen suchen am Freitag (10.00 Uhr) bei einem Gipfel in Prag nach einem Ausweg aus der Energiekrise. Dabei werden die Staats- und Regierungschefs insbesondere die Möglichkeit eines allgemeinen Preisdeckels für Gas diskutieren, um die Kosten für Verbraucher und Unternehmen zu reduzieren. Das Thema dürfte für lange Diskussionen sorgen. Mehr als die Hälfte der EU-Staaten dringt auf einen solchen europaweiten Maximalpreis für Gas, Deutschland und einige andere Staaten befürchten jedoch Probleme für die Versorgungssicherheit. Konkrete Beschlüsse dazu dürfte es in den kommenden Wochen geben.

Zumindest am Rande dürfte auch das neue Energie-Entlastungspaket der Bundesregierung über bis zu 200 Milliarden Euro für angespannte Stimmung sorgen. Mehrere EU-Staaten hatten zuletzt heftige Kritik daran geäußert. So wird etwa befürchtet, dass Deutschland sich und seiner Industrie damit einen Vorteil gegenüber anderen Staaten verschaffen könnte. Kritisiert wird auch, dass Deutschland sich erlauben könne, mehr Geld für das derzeit knappe Gas auszugeben, und so andere zu überbieten.

Ebenfalls auf der Tagesordnung dürfte die andauernde Unterstützung für die von Russland angegriffene Ukraine stehen.


Euro-Rettungsschirm ESM bekommt vorübergehenden neuen Chef

LUXEMBURG: Die Euro-Länder haben sich nicht auf einen neuen Chef für den Euro-Rettungsschirm ESM einigen können. Der stellvertretende ESM-Vorsitzende Christophe Frankel wird daher vorübergehend das Amt des langjährigen Chefs Klaus Regling übernehmen, wie der ESM am Donnerstag mitteilte. «Wir haben das Auswahlverfahren für einen neuen Vorsitzenden mit vier hervorragenden Kandidaten begonnen, aber keiner von ihnen konnte die sehr hohe Schwelle von 80 Prozent der Stimmen erreichen», sagte Paschal Donohoe, Präsident der Eurogruppe.

Euro-Länder können aus dem European Stability Mechanism oder Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) im Krisenfall Kredite erhalten, um ihre Zahlungsfähigkeit zu sichern. Der Fonds startete um 2012 und versorgte etwa Griechenland in der Euro-Krise im Gegenzug für Reformen.

Frankel wird der Mitteilung zufolge bis Ende des Jahres im Amt bleiben oder, falls vorher ein neuer Kandidat ausgewählt wird, bis zu diesem Zeitpunkt. Er ist seit der Gründung des ESM stellvertretender Vorsitzender. Regling war der erste Vorsitzende des Rettungsfonds, der während der Euro-Krise eingeführt wurde, um die gemeinsame Währung zu stützen.

«Meine zehn Jahre an der Spitze des ESM waren eine herausfordernde Zeit für die Wirtschafts- und Währungsunion», sagte Regling und bedankte sich bei seinen Mitarbeitern. Dank der auf nationaler Ebene umgesetzten Reformen und mehrerer neuer Institutionen, die in den letzten 12 Jahren geschaffen wurden - darunter der ESM - sei der Euroraum heute widerstandsfähiger und besser vorbereitet auf die Bewältigung von Notfällen.


Eurokurs gefallen - EZB-Referenzkurs: 0,9860

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Donnerstag gefallen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 0,9860 (Mittwoch: 0,9915) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0141 (1,0085) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,87583 (0,87340) britische Pfund, 142,68 (143,18) japanische Yen und 0,9709 (0,9756) Schweizer Franken fest.


Methanaustritt bei Nord Stream laut französischen Forschern geringer

PARIS: Französische Forscher haben die Menge ausgetretenen Methans an den Lecks der Ostsee-Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 geringer geschätzt als bisherige Annahmen. Das Amt für Atomenergie und alternative Energien CEA geht davon aus, dass etwa 70.000 Tonnen Methan ausgetreten sind. Das Umweltbundesamt hatte die Emissionsmenge zuvor auf 300.000 Tonnen geschätzt. Die Schätzungen basierten allerdings auf unterschiedlichen Grundlagen, sagte CEA-Forscher Antoine Berchet der Deutschen Presse-Agentur in Paris am Donnerstag. «In unserem Modell ist es allein der Blick aus der Atmosphäre. In der anderen Schätzung ist es umgekehrt. Das ist eine Schätzung des Pipelinevolumens gekoppelt mit der Annahme, dass alles austreten wird.»

Dass die Forscher in Frankreich mit ihrer Auswertung der Daten eines Modells für den Transport von Stoffen in der Atmosphäre auf eine geringere Emissionsmenge kamen, könnte Berchet zufolge daran liegen, dass nur an einem Abschnitt der Pipeline Methan ausgetreten ist und nicht auf voller Länge der Röhren. Die Schätzung sei zuverlässig. Besonders die ersten 48 Stunden könne das Modell gut auswerten. Das Ergebnis der Forscher soll nun mit anderen Schätzungen und anderen Modellen verglichen werden.

Vergangene Woche waren insgesamt vier Unterwasser-Lecks an den Nord-Stream-Pipelines festgestellt worden, tagelang traten enorme Mengen an Gas aus. Die EU und die Nato gehen von Sabotage aus.

Die Klimafolgen des Methanaustritts hält Berchet für eher gering. «Sehr lokal hat der Austritt von Methan eine Erwärmungswirkung, wenn auch sehr gering. Weltweit ist der Einfluss relativ marginal.» Das Umweltbundesamt hingegen hatte vor einem erheblichen Klimaschaden durch die Lecks gewarnt.


Dax bricht Erholungsrally wieder ab

FRANKFURT/MAIN: Der Dax hat am Donnerstag seine Gewinne aus dem frühen Handel abgegeben. Zuletzt verlor der deutsche Leitindex 0,15 Prozent auf 12.497,80 Punkte. Der MDax legte noch um 0,26 Prozent auf 23.042,36 Punkte zu, der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 0,2 Prozent. Der Euro gab etwas nach. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 0,9863 US-Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 0,9915 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 1,85 Prozent am Vortag auf 1,93 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,50 Prozent auf 128,50 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,29 Prozent auf 139,56 Zähler.


Mehr Flugreise-Beschwerden bei Schlichtungsstelle im September

BERLIN: Nach verspäteten oder gestrichenen Flügen zur Sommerreisezeit ist der Ärger vieler Passagiere groß. Die Zahl der Beschwerden über Fluggesellschaften bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) stieg nach Zahlen vom Donnerstag auch im September. Im Bereich Flug gingen demnach 3808 Schlichtungsanträge ein. Das waren 224 Prozent mehr als im September 2021, der noch von der Pandemie geprägt war. Gegenüber dem Vorkrisen-September 2019 wurde ein Anstieg um 13 Prozent verzeichnet.


Baupreise steigen etwas langsamer

WIESBADEN: Bauen in Deutschland bleibt teuer. Allerdings verlangsamte sich der Preisanstieg im August etwas. Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude legten gegenüber dem Vorjahresmonat um 16,5 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag im Wiesbaden mitteilte. Im vorherigen Berichtsmonat Mai betrug der Zuwachs innerhalb eines Jahres noch 17,6 Prozent.


Ifo: Unternehmen mit neuen Lieferstrategien

MÜNCHEN: Wegen der Lieferkettenprobleme haben die meisten Unternehmen in Deutschland nach Angaben des Ifo-Instituts ihre Einkaufsstrategie geändert. Bei einer Umfrage unter 4000 Firmen hätten 68 Prozent der Industriebetriebe angegeben, Lagerbestände erhöht zu haben, teilten die Münchner Ökonomen am Donnerstag mit. 65 Prozent verbreiterten demnach ihre Zulieferbasis, 13 Prozent holten ausgelagerte Produktionsprozesse zurück ins Unternehmen.


EuGH stärkt Rechte von Passagieren bei verspäteten Anschlussflügen

LUXEMBURG: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) stärkt Passagieren bei großer Verspätung ihres Flugs den Rücken. Fluggäste können auch dann eine Entschädigung fordern, wenn eine Reise aus mehreren Flügen besteht und diese von unterschiedlichen Airlines durchgeführt wurde, wie die Richter am Donnerstag mitteilten. Dafür müsse zwischen den Unternehmen keine besondere rechtliche Beziehung bestehen, solange ein Reisebüro die Flüge kombiniere, dafür einen Gesamtpreis in Rechnung stelle und ein einheitliches Ticket ausgebe.


Autoabsatz im September deutlich gestiegen

BERLIN: Nach monatelangen Lieferschwierigkeiten verbessert sich die Situation für die Autoindustrie allmählich, was sich auch beim Absatz bemerkbar macht. 224.816 Neuzulassungen verzeichnete die Industrie im September, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Donnerstag mitteilte. Das waren rund 14 Prozent mehr als im September des Vorjahres. Der monatelange Rückgang bei den Auslieferungszahlen ist somit vorerst gestoppt. Auch Elektroantriebe legten erneut zu. Laut KBA kamen rund 44.400 Batterie-Autos neu auf die Straßen und damit knapp 32 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Inzwischen verfügt fast jeder fünfte Neuwagen über einen reinen Elektromotor.


Finanzämter sollen Aufschub bei Steuerzahlungen geben

BERLIN: Firmen und Privatleute, die besonders von der Energiekrise betroffen sind, können bei ihren Finanzämtern Aufschub bei der Steuerzahlung und eine Anpassung von Vorauszahlungen beantragen. Das Bundesfinanzministerium forderte die Finanzämter in einem am Donnerstag verschickten Schreiben auf, bis Ende März keine strengen Anforderungen an solche Anträge zu stellen und schnell zu entscheiden. Besonders relevant wird das für Unternehmen sein, doch auch Privatleute können Stundungen beantragen.


Pilotenstreik führt zu zahlreichen Flugausfällen bei Eurowings

DÜSSELDORF: Mit einem ganztägigen Streik haben Piloten der Fluggesellschaft Eurowings am Donnerstag für zahlreiche Flugausfälle bei der Lufthansa-Tochter gesorgt. Nach Angaben von Eurowings fiel gut die Hälfte aller Flüge aus. Die Airline ging davon aus, auch am Streiktag insgesamt über 30.000 Fluggäste ans Ziel zu bringen, wie ein Eurowings-Sprecher am Donnerstag sagte. Damit komme mehr als die Hälfte der gebuchten Passagiere ans Ziel. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte die Piloten zum Streik aufgerufen, nachdem die Verhandlungen über einen Manteltarifvertrag gescheitert waren.


Macron bleibt bei Pyrenäen-Pipeline skeptisch

PRAG: Der französische Präsident Emmanuel Macron bleibt trotz des wachsenden Drucks aus Spanien und Deutschland bei seiner skeptischen Haltung zu einer neuen Pipeline über die Pyrenäen. «Ich denke, dass unsere Priorität eher darin besteht, Netzwerke für Strom in Europa zu haben», sagte Macron am Rande eines Treffens mit über 40 anderen europäischen Staats- und Regierungschefs am Donnerstag in Prag. Er sei grundsätzlich offen für Projekte zum Netzausbau. «Aber was braucht Europa in den kommenden Jahren? Die Produktion von mehr Strom auf eigenem Boden und eine Strategie für erneuerbare Energie und Atomkraft.»

Macron monierte, dass der Bau der Midcat genannten Pipeline fünf bis acht Jahre dauern würde. Frankreich wolle außerdem nicht zu einem großen Gasimporteur werden. «Unsere Strategie wird eher Richtung Wasserstoff gehen», sagte Macron. Man müsse sich aber überlegen, ob man eher Wasserstoff oder Strom durch Europa transportieren wolle. Wasserstoff kann klimafreundlich aus Elektrizität hergestellt und - ähnlich wie Gas - über Pipelines transportiert werden. Dafür wollen Deutschland und Spanien Midcat nutzen.

Die Leitung würde von Barcelona über die Pyrenäen bis zur Anbindung an das französische Netz im südfranzösischen Barbaira führen. In Spanien ist die Röhre bis Hostalric 106 Kilometer südlich der Grenze fertig, in Frankreich fehlen etwa 120 Kilometer. Das Projekt war 2017 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit abgebrochen worden. Bei den deutsch-spanischen Regierungskonsultationen hatten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der spanische Regierungschef Pedro Sanchez am Mittwoch einen neuen Vorstoß für den Bau der Pipeline bis 2025 gemacht.

Scholz bekräftigte am Donnerstag in Prag, dass die europäische Energie-Infrastruktur verbessert werden müsse. «Es gehört schon dazu, dass wir ein europäisches Netz bauen», sagte er. Das gelte für Strom, Gas und Wasserstoff.


Lukaschenko verbietet Preiserhöhungen per Dekret

MINSK: Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko hat Preiserhöhungen in seinem Land per Dekret untersagt. «Jegliche Anhebung von Preisen ist ab dem 6. Oktober verboten. Ver-bo-ten», sagte Lukaschenko am Donnerstag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Belta. Die Anordnung gelte mit sofortiger Wirkung, damit niemand noch eine verbleibende Frist ausnutzen könne, um die Preise doch noch zu erhöhen, sagte der 68-Jährige, der als «letzter Diktator Europas» gilt.

Lukaschenko wies den Generalstaatsanwalt und den Vorsitzenden des staatlichen Kontrollausschusses an, die Umsetzung der Anordnung zu überwachen und hart gegen Zuwiderhandelnde vorzugehen. «Sofortige Verhaftung und Strafverfolgung», sagte er. Vollkommen ausschließen wollte Lukaschenko jedoch nicht, dass in einigen Bereichen auch künftig Preiserhöhungen nötig seien. Dafür sei aber eine Genehmigung des Ministeriums für Kartellrecht und Handel oder der örtlichen Verwaltung nötig.

Nach Angaben des nationalen Statistikamtes betrug die Inflation in Belarus im August 17,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Vor allem die Lebensmittelpreise zogen kräftig an. Nach Prognosen belarussischer Wirtschaftsexperten könnte die Teuerungsrate zum Ende des Jahres auf bis zu 19 Prozent steigen.


Möglicher Kurzschluss: Belgischer Atomreaktor Doel 2 schaltet sich ab

ANTWERPEN: Der belgische Atomreaktor Doel 2 nahe Antwerpen ist wegen eines möglichen Kurzschlusses unerwartet vom Netz gegangen. Der Reaktor habe sich am Donnerstagmorgen automatisch abgeschaltet, berichtete die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf den Betreiber Engie. Grund sei wahrscheinlich ein Kurzschluss im Kontrollsystem eines Steuerstabs. «Es handelt sich um ein rein operatives Problem. Es gibt keinerlei Gefahr für die Sicherheit», sagte ein Engie-Sprecher. Auswirkungen auf den Strommarkt gab es Belga zufolge bislang nicht.

Am Montag musste bereits der Atomreaktor Tihange 3, etwa 60 Kilometer von Aachen in Nordrhein-Westfalen, ungeplant vom Netz genommen werden. Grund war dem Betreiber zufolge ein Druckabfall in einem der Dampfgeneratoren. Frühestens am 15. Oktober soll der Reaktor wieder eingeschaltet werden.

Insgesamt gibt es in Belgien zwei Kernkraftwerke, Tihange und Doel an der niederländischen Grenze, mit noch insgesamt sechs aktiven Reaktoren. Ursprünglich war geplant, alle belgischen Kernkraftwerke bis 2025 vom Netz zu nehmen. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs und der gestiegenen Energiepreise will die Regierung nun aber die Reaktoren Tihange 3 und Doel 4 bis mindestens Ende 2035 weiterlaufen lassen, um die Energiesicherheit zu gewährleisten. Für die Umsetzung laufen Verhandlungen mit Engie. Im vergangenen Jahr kam rund die Hälfte der belgischen Stromproduktion aus Atomkraft.

In Deutschland gibt es seit langem Kritik an den belgischen Kraftwerken aus den 1970er und 80er Jahren. So wurden an den Reaktoren mehrfach Mängel wie marode Betonteile festgestellt. Die Stadt Aachen und die Bundesregierung haben deswegen in der Vergangenheit wiederholt gefordert, die Akw stillzulegen.


Kreml: Preisdeckel auf russisches Öl schadet allen

MOSKAU: Der Kreml hat den Preisdeckel auf russisches Öl als Teil des EU-Sanktionspakets gegen Russland als «absurd» bezeichnet. Dies wirke sich sehr destruktiv auf die Energiemärkte aus und schade damit praktisch allen Staaten, sagte Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag in Moskau der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge. «Natürlich verstehen viele Länder die Absurdität der abrupten Schritte, die jetzt in der Europäischen Union erwogen werden, ermutigt von den Vereinigten Staaten bei der Einführung von Preisobergrenzen.»

Die Sprecherin des Außenministeriums in Moskau, Maria Sacharowa, sagte: «Unsere Antwort wird sein, die Ölexporte auf die Länder umzuleiten, die bereit sind, normal mit uns zusammenzuarbeiten.» Dazu gehört etwa Indien als Großabnehmer.

Zuvor hatte die EU neue Sanktionen gegen Moskau als Reaktion auf die Scheinreferenden in den mittlerweile durch Russland annektierten Gebieten auf ukrainischem Gebiet erlassen. Teil des achten Sanktionspakets im Zuge des Ukraine-Konflikts ist unter anderem die rechtliche Grundlage für einen von den G7-Staaten unterstützten Preisdeckel auf Ölimporte aus Russland. So soll der Seetransport von Erdölprodukten und Rohöl aus Russland weltweit nur noch möglich sein, wenn das Öl unter einem bestimmten Preis gekauft wurde.

Kremlsprecher Peskow begrüßte zugleich die Entscheidung der Öl-Allianz Opec+, die Ölproduktion zurückzufahren. Dies ziele darauf ab, den Ölmarkt zu stabilisieren. «Jeder ist an stabilen Märkten interessiert.» Der Verbund aus 23 Staaten hatte am Mittwoch entschieden, von November an zwei Millionen Barrel (je 159 Liter) täglich weniger Öl fördern. Wegen der hohen Ölpreise erzielt die Energiegroßmacht weiter immense Milliardeneinnahmen, die auch der Finanzierung des Krieges dienen.


Streit um Seegrenze: Israel weist Forderung des Libanons zurück

TEL AVIV: Die Verhandlungen im Streit um eine gemeinsame Seegrenze zwischen Israel und dem Libanon haben erneut einen Rückschlag erlitten. Nach Angaben eines hochrangigen israelischen Regierungsvertreters wird Israels Regierungschef Jair Lapid Anmerkungen des Libanons zu einem Kompromissvorschlag der USA nicht akzeptieren. «Lapid wird keine Kompromisse in Sicherheitsfragen machen, auch wenn das bedeuten sollte, dass es in der nächsten Zeit kein Abkommen gibt», teilte der Beamte am Donnerstag mit. Am Nachmittag wollte das Sicherheitskabinett zusammenkommen, um über den Kompromiss zu beraten. Es wird befürchtet, dass ein Scheitern der Verhandlungen zu weiteren Spannungen in der Region führen könnten.

Zuvor hatte US-Vermittler Amos Hochstein nach rund zwei Jahren Verhandlungen den Vorschlag an beide Parteien überliefert. Offiziell befinden sich Israel und der Libanon im Kriegszustand. Details zu denen vom Libanon vor wenigen Tagen an die USA übermittelten Änderungen wurden bisher nicht offiziell bekannt gegeben. Aus der Opposition in Israel wurde jedoch bereits Kritik laut, dass die Änderungen ein Einknicken gegenüber Drohungen der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah bedeuten würde. Israel befindet sich derzeit im Wahlkampf. Am 1. November sind Parlamentswahlen.

Hintergrund des jahrzehntelangen Streits ist ein umstrittenes 860 Quadratkilometer großes Gebiet vor der Küste, das beide Seiten als ihre ausschließliche Wirtschaftszone beanspruchen. Der Konflikt um den Grenzverlauf hatte sich nach der Entdeckung von großen Mengen Erdgas-Ressourcen weiter verschärft. Der Kompromiss könnte vorsehen, dass der Libanon das Gasfeld Kana und Israel das Gasfeld Karisch nutzt. Israel hat an der Karisch-Plattform Anfang Juli mehrere Drohnen der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah abgeschossen.

Der hochrangige Regierungsvertreter teilte mit, Israel werde «so bald wie möglich» mit der Gasförderung aus dem Karisch-Gasfeld beginnen. «Wenn die Hisbollah oder jemand anderes versuchen sollte, das Karisch-Feld zu beschädigen oder uns zu bedrohen, werden die Verhandlungen über die Seegrenze sofort gestoppt».


Greenpeace-Protest gegen russisches Erdgas vor Prager Gipfeltreffen

PRAG: Mit einer Protestaktion haben Umweltaktivisten vor zwei großen Gipfeltreffen in Prag zur Abkehr von fossilen Energieträgern aufgerufen. Die Organisation Greenpeace ließ am Donnerstag auf der Moldau eine große aufblasbare Röhre treiben, gleich einer Pipeline. Darauf stand «Putin's bloody gas» - was etwas zweideutig ist und auf Deutsch «Putins blutiges Gas» oder auch «Putins verdammtes Gas» heißen könnte.

Damit kritisiere man, dass Russlands Präsident Wladimir Putin von Gaseinnahmen profitiere, während er gegen die Ukraine Krieg führe, hieß es in einer Greenpeace-Mitteilung. Grundsätzlich müssten die «unfairen und unmoralischen» Gewinne der fossilen Energieunternehmen stärker besteuert werden.

In Prag findet an diesem Donnerstag das erste Treffen der sogenannten Europäischen Politischen Gemeinschaft statt, zu dem die Staats- und Regierungschefs von mehr als 40 Staaten eingeladen sind. Am Freitag folgt ein informeller Gipfel der EU-Staaten, der sich auch mit Energiefragen befassen soll.


Betreiber lässt Gas aus noch intakter Nord-Stream-2-Leitung ab

ZUG/LUBMIN: Der Betreiber der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 lässt einen Teil des Gases ab, das noch in der intakten Röhre enthalten ist. Es sei richtig, dass der Druck reduziert werde, bestätigte ein Sprecher der Nord Stream 2 AG am Donnerstag im Schweizer Kanton Zug. Dies sei im Wesentlichen eine Vorsichtsmaßnahme nach den Schäden an den drei übrigen Leitungen von Nord Stream 1 und 2. Bisher sei der für einen Betrieb notwendige Druck von 105 Bar beibehalten worden.

Die dänische Energiebehörde hatte am Mittwoch auf Twitter gemeldet, Nord Stream 2 habe sie informiert, dass der russische Staatskonzern Gazprom den Druck in der Röhre B - der unbeschädigten - im Augenblick senke. Dabei werde Gas entnommen, das stattdessen im Großraum St. Petersburg genutzt werde. Die Nord Stream 2 AG ist ein Tochterunternehmen von Gazprom.

Nach Angaben des Betreibers wurde bereits am Dienstag begonnen, Gas aus der Leitung abzulassen. Dieser Vorgang werde ungefähr acht Tage dauern. Die Nord Stream 2 AG machte keine Angaben dazu, wie hoch der Druck künftig sein soll. Die Sicherheit der Gasleitung werde durch den verminderten Druck demnach nicht gefährdet: «Das ist ja keine Cola-Dose», so der Nord-Stream-2-Sprecher.

Vergangene Woche waren insgesamt vier Unterwasser-Lecks an den Beiden Nord-Stream-Pipelines festgestellt worden, tagelang traten enorme Mengen an Gas aus. Die EU und die Nato gehen von Sabotage aus.


Israel berät über US-Vorschlag zu Seegrenze mit Libanon

TEL AVIV: Israels Sicherheitskabinett will am Donnerstag im Streit um die gemeinsame Seegrenze mit dem Libanon über einen Kompromissvorschlag der USA beraten. Zuvor hatte US-Vermittler Amos Hochstein nach rund zwei Jahren Verhandlungen den Vorschlag an beide Parteien überliefert. Der vollständige Entwurf soll von Israels Ministerpräsident Jair Lapid am späten Nachmittag dem engsten Ministerkreis vorlegt werden, wie mehrere israelische Medien berichteten. Offiziell befinden sich Israel und der Libanon im Kriegszustand.

Der Libanon übermittelte bereits vor wenigen Tagen Änderungen des Kompromissvorschlags an die USA. Unklar blieb, ob Israel diesen zustimmen wird. Details der möglichen Vereinbarung wurden nicht öffentlich gemacht. Aus der Opposition in Israel wurde jedoch bereits Kritik laut, dass die Änderungen ein Einknicken gegenüber Drohungen der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah bedeuten würde. Israel befindet sich derzeit im Wahlkampf. Am 1. November sind Parlamentswahlen.

Hintergrund des jahrzehntelangen Streits ist eine umstrittene 860 Quadratkilometer großes Gebiet vor der Küste, das beide Seiten als ihre ausschließliche Wirtschaftszone beanspruchen. Der Konflikt um den Grenzverlauf hatte sich nach der Entdeckung von großen Mengen Erdgas-Ressourcen weiter verschärft. Der Kompromiss könnte vorsehen, dass der Libanon das Gasfeld Kana und Israel das Gasfeld Karisch nutzt. Israel hat an der Karisch-Plattform Anfang Juli mehrere Drohnen der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah abgeschossen und wollte dort in den kommenden Wochen mit der Gasförderung beginnen.

Eine Einigung könnte auch zur Linderung der Energiekrise in Europa beitragen. Seit der russischen Invasion in der Ukraine sucht die EU nach anderen Gaslieferanten.


Scholz sieht in neuer politischer Gemeinschaft «große Innovation»

PRAG: Bundeskanzler Olaf Scholz hat das erste Treffen einer neuen politischen Gemeinschaft von mehr als 40 europäischen Staats- und Regierungschefs als «große Innovation» bezeichnet. Man könne «einen ganzen Tag lang in verschiedenen Formaten und einfach frei von einer Tagesordnung und von der Notwendigkeit, Beschlüsse zu fassen, über die gemeinsamen Anliegen» sprechen, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag am Rande der sogenannten Europäischen Politischen Gemeinschaft in Prag. «Das ist gut für den Frieden, für die Sicherheitsordnung. Das ist gut für die ökonomische Entwicklung und für die Prosperität.» Zudem könne die EU die Beziehungen zu ihren Nachbarn verbessern, von denen viele Mitglied der EU werden wollten.

Mit Blick auf den russischen Krieg gegen die Ukraine betonte Scholz: «Es ist schon sehr sichtbar, dass alle, die hier zusammenkommen, wissen: Dieser russische Angriff auf die Ukraine ist eine brutale Verletzung der Sicherheits- und Friedensordnung, die wir in den letzten Jahrzehnten in Europa hatten.» Es sei wichtig, «dass wir diesen Angriff zurückweisen, dass wir nicht akzeptieren, dass ein Teil des Nachbarlandes annektiert wird».

Zum ersten Treffen in dem neuen Format kamen am Donnerstag die Staats- und Regierungschefs von mehr als 40 europäischen Ländern. Eingeladen waren neben den 27 EU-Ländern unter anderem auch die Ukraine, die Türkei, Großbritannien und die Schweiz. Mit der neuen Gemeinschaft solle keine neue Institution geschaffen werden und auch keine neue Bürokratie, sagte Scholz. Viel mehr gehe es darum, dass die Staats- und Regierungschefs miteinander sprächen.

Der französische Präsident Emmanuel Macron, der die Idee zur politischen Gemeinschaft hatte, rief die 44 Staaten dazu auf, Europas Herausforderungen zusammen anzugehen. «Wir teilen ein gemeinsames Umfeld, oft eine gemeinsame Geschichte, und wir sind dazu berufen, unsere Zukunft gemeinsam zu schreiben», sagte der Staatschef. Ziel sei es, dass man zu einer gemeinsamen Einschätzung der Lage in Europa komme und eine gemeinsame Strategie entwickeln könne. Macron sagte, er hoffe, dass die Gemeinschaft sich alle sechs Monate treffen werde und daraus gemeinsame Projekte entstehen könnten.


Deutsche Industrie erhält weniger Aufträge

WIESBADEN: Die deutsche Industrie hat im August weniger Aufträge erhalten als im Vormonat.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts vom Donnerstag lag der Auftragseingang 2,4 Prozent niedriger. Experten hatten mit einem moderateren Rückgang um 0,7 Prozent gerechnet. Die Entwicklung im Juli fiel allerdings wesentlich besser aus als bislang bekannt. Anstatt eines Rückgangs um 1,1 Prozent ergibt sich nach neuen Zahlen ein Zuwachs um 1,9 Prozent.


Euro steigt auf 0,99 Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Donnerstag zugelegt. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 0,9917 Dollar und damit etwas mehr als am Abend zuvor. Der Euro erhielt leichten Rückenwind von der US-Währung, die gegenüber vielen anderen etwas schwächer tendierte. Die Europäische Zentralbank hatte den Euro-Referenzkurs am Mittwochnachmittag auf 0,9915 Dollar festgesetzt.

Am Donnerstag dürften Anleger unter anderem auf Auftragsdaten aus der deutschen Industrie achten. Die Zahlen geben einen Hinweis auf die Wirtschaftsdynamik, indem sie die in- und ausländische Nachfrage nach deutschen Gütern abbilden. In den USA stehen die wöchentlichen Daten vom Arbeitsmarkt auf dem Programm, bevor am Freitag der an den Börsen stark beachtete monatliche Arbeitsmarkt der Regierung veröffentlicht wird.


Frankreich führt Strom-Wetterbericht für Krisenwinter ein

PARIS: Frankreich führt für den anstehenden Krisenwinter mit befürchteten Engpässen in der Energieversorgung einen sogenannten Strom-Wetterbericht ein. Im Fernsehen soll nach dem gewöhnlichen Wetterbericht und zwischen anderen Sendungen eine Information über die Belastung des Stromnetzes mit grünen, gelben und roten Symbolen folgen. Dies ist Bestandteil des nationalen Energiesparplans, den die Regierung an diesem Donnerstag vorstellt, berichtete die Zeitung «Le Parisien». Die Hoffnung ist, vier von fünf Menschen in Frankreich auf dem Wege zu erreichen. Mit einer Anpassung des Stromkonsums soll die Bevölkerung Versorgungsunterbrechungen vermeiden helfen.

Informationen zur voraussichtlichen Belastung der Stromnetze stellt der nationale Netzversorger RTE auch unter dem Motto «écoWatt» ins Internet. Bei einem grünen Symbol ist der Stromkonsum im Lot, bei Gelb ist das System belastet und bei Rot drohen Versorgungsunterbrechungen, wenn der Verbrauch nicht heruntergefahren wird. Dann sind die Menschen aufgefordert, ihren Verbrauch zwischen 08.00 und 12.00 Uhr sowie zwischen 18.00 und 20.00 Uhr zu senken, etwa indem sie ihre Waschmaschine oder den Backofen zu einem anderen Zeitpunkt einschalten.

Das Ausschalten des Fernsehers ist allerdings nicht erforderlich. Frankreich solle in diesen Momenten nicht zum Stillstand kommen, sondern den Verbrauch etwas herunterfahren, hieß es.

Die befürchteten Versorgungsengpässe im Atomstromland Frankreich hängen damit zusammen, dass der in die Jahre gekommene Kraftwerkspark des nationalen Energiekonzerns EDF schwächelt. Die Hälfte der 56 AKW sind im Moment für Wartungen vom Netz. Ob die Ermahnung der Regierung, bis zum Winter möglichst alle Kraftwerke wieder am Laufen zu haben, umgesetzt werden kann, ist offen. Frankreich setzt auf Stromlieferungen aus Deutschland und will dem Nachbarn mit Gas aushelfen. Außerdem ging in Lothringen nahe Saarbrücken in diesen Tagen das vorletzte Kohlekraftwerk Frankreichs befristet wieder in Betrieb.

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