Nachrichten aus der Wirtschaft am Donnerstag

Ein Manometer zeigt den Druck im Erdgasnetz auf dem Gelände des Untergrund-Gasspeichers der VNG AG an. Foto: Jan Woitas/dpa
Ein Manometer zeigt den Druck im Erdgasnetz auf dem Gelände des Untergrund-Gasspeichers der VNG AG an. Foto: Jan Woitas/dpa

Gazprom meldet Umsatzplus trotz Exportrückgang

MOSKAU: Der russische Energiekonzern Gazprom hat den Etat für das kommende Jahr wegen der Zusatzeinnahmen durch die hohen Energiepreise angehoben. «Im neuen Etatplan spiegelt sich der Anstieg der Einnahmen durch den Gasverkauf um 34 Prozent im Vergleich zum ursprünglich erstellten Etat wider», sagte der Vizechef von Gazprom, Famil Sadygow, am Donnerstag dem Telegram-Kanal des Konzerns zufolge. Die geringeren physischen Umsätze beim Gasexport seien völlig durch den steigenden Exportpreis für Gas aufgefangen worden.

Der Einnahmenanstieg im ersten Halbjahr erlaube es unter anderem, die Steuererhöhung und wichtige Investitionsprojekte wie die Pipeline «Kraft Sibiriens» und Lagerstätten auf der nordsibirischen Halbinsel Jamal zu verwirklichen, sagte Sadygow. Seinen Angaben nach werden zudem 1,2 Billionen Rubel (umgerechnet etwa 20 Milliarden Euro) für Dividendenzahlungen ausgegeben.

Gazprom hat in diesem Jahr die Gaslieferungen nach Europa deutlich gesenkt. Unter anderem wurde Anfang September die schon voher gedrosselte Pipeline Nord Stream 1 vollständig stillgelegt - angeblich wegen technischer Probleme. Im Westen gilt diese Begründung als vorgeschoben. Politiker in Berlin erklärten, Russland wolle mit dem Lieferstopp den Druck auf Europa im Ukraine-Krieg erhöhen und eine Lockerung der Sanktionen erzwingen.


Mindestens drei Tote bei Explosion in Raffinerie in Argentinien

PLAZA HUINCUL: Bei einer Explosion in einer Öl-Raffinerie in Argentinien sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Das sagte der Bürgermeister der Stadt Plaza Huincul in der Provinz Neuquén am Donnerstag im Radiosender LU5. In den Morgenstunden war ein Öltank in der Raffinerie des Unternehmens New American Oil aus zunächst ungeklärter Ursache explodiert. Die Feuerwehr brachte das Feuer nach mehreren Stunden unter Kontrolle.

Die Gewerkschaft der Ölarbeiter in den Provinzen Río Negro, Neuquén und La Pampa trat nach dem Unglück in einen Streik. «Wir sind es leid, diese Situationen immer wieder anzuprangern. Wie viele Männer und Frauen müssen noch ihr Leben lassen, damit die Unternehmen begreifen, dass es nicht möglich ist, auf diese Weise weiterzuarbeiten?», schrieb die Gewerkschaft auf Twitter. «Es ist an der Zeit, der Gier ein Ende zu setzen, die den Profit über das Leben der Arbeitnehmer stellt.»


Habeck zu Arbeitsbelastung im Ministerium: «Die können nicht mehr»

BERLIN: Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) hat eindrucksvoll die hohe Arbeitsbelastung in seinem Ministerium geschildert. Er sagte am Donnerstag bei einem Kongress des Bundesverbands der Deutschen Industrie in Berlin: «Die Leute, irgendwann müssen die auch schlafen und essen.» Er fuhr fort: «Es ist jetzt kein Scheiß, den ich erzähle: Die Leute werden krank. Die haben Burnout, die kriegen Tinnitus. Die können nicht mehr.» Es seien immer die gleichen Leute, die die Gesetze machten, weil das Haus so aufgebaut sei. Es könne nicht das Tourismusreferat das Strommarktdesign machen.

In seinem Ministerium seien in den vergangenen neun Monaten 20 Gesetze und 28 Verordnungen gemacht worden, berichtete Habeck. «Ich müsste mal nachzählen, wie viele Gesetze das Wirtschaftsministerium in der letzten Legislatur gemacht hat.» Er würde tippen, es seien weniger.

Habeck kritisierte zudem einen «Auswuchs» im EU-Beihilferecht. Man habe sich selber «eingegraben» in lauter Fallstricke.

Das Wirtschaftsministerium ist vor allem mit den Folgen der Energiekrise beschäftigt, ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Vor allem wegen der Gasumlage gibt es Kritik an Habeck.


Verbraucherstimmung in Eurozone fällt auf Rekordtief

BRÜSSEL: Die Stimmung der Verbraucher in der Eurozone hat sich im September wieder eingetrübt.

Der Indikator fiel im Vergleich zum Vormonat um 3,8 Punkte auf minus 28,8 Zähler, wie die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel mitteilte. Das ist der tiefste jemals verzeichnete Stand. Analysten hatten im Durchschnitt mit minus 25,5 Punkten gerechnet. Auch in der Europäischen Union (EU) fiel die Verbraucherstimmung auf ein Rekordtief.


Macron will Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen

SAINT-NAZAIRE: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron strebt einen deutlich schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien an. «Ich möchte, dass erneuerbare Projekte doppelt so schnell realisiert werden», sagte Macron am Donnerstag bei der Inbetriebnahme von Frankreichs erstem Offshore-Windpark bei Saint-Nazaire. Gesetze sollten dazu angepasst und Verfahren beschleunigt werden. «Unsere Nachbarn sind viel schneller gewesen als wir», sagte Macron zum Rückstand seines Landes bei der Windenergienutzung.

Bis zum Jahr 2050 wolle Frankreich rund 50 Offshore-Windparks auf See mit 40 Gigawatt Leistung schaffen. Der erste Windpark vor der Küste des westfranzösischen Saint-Nazaire soll mit 80 Windrädern und einer Leistung von 162 Megawatt den Strombedarf von etwa 300.000 Menschen abdecken. Ausgebaut werden soll nach dem Willen von Macron auch die Windkraft an Land, die sich bislang auf wenige Regionen Frankreichs konzentriert.

Macron bekräftigte zugleich seine Pläne zum Ausbau der Atomkraft in Frankreich mit sechs bis acht geplanten neuen Kraftwerken. «Ausschließlich Erneuerbare oder ausschließlich Atomkraft, das funktioniert nicht.» Diese Doppelstrategie hatte Macron erstmals im Februar während einer Grundsatzrede zur Energiepolitik in Belfort formuliert.


Eurokurs gefallen - EZB-Referenzkurs: 0,9884

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Donnerstag gefallen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 0,9884 (Mittwoch: 0,9906) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0117 (1,0095) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,87256 (0,87335) britische Pfund, 139,18 (142,66) japanische Yen und 0,9684 (0,9549) Schweizer Franken fest.


Dax verliert nach Zinsentscheidungen rund halbes Prozent

FRANKFURT/MAIN: Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag auf die Zinserhöhungen der Notenbanken und den düsteren Ausblick der US-Währungshüter mit Verlusten reagiert. Der Leitindex Dax dämmte die Verluste bis zum Nachmittag auf 0,57 Prozent ein und stand damit bei 12.694,76 Punkten. Der Euro erholte sich etwas und wurde am Nachmittag bei 0,9870 US-Dollar gehandelt. In der Nacht zum Donnerstag war er bis auf 0,9809 Dollar gesunken, den tiefsten Stand seit etwa 20 Jahren.


Studie: USA wird voraussichtlich wichtigster LNG-Lieferant für EU

KÖLN: Die USA werden in Zukunft laut einer Studie voraussichtlich der wichtigste Lieferant für verflüssigtes Erdgas (LNG) in Deutschland und Europa. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag vorgestellte Untersuchung des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) im Auftrag des Branchenverbandes Zukunft Gas. Die Studie untersucht in verschiedenen Szenarien den künftigen Gashandel zwischen der Europäischen Union (EU) und Russland und deren Auswirkungen auf die globalen Handelsbeziehungen.


Agrarverbände warnen vor Zusammenbruch der Obst- und Gemüseproduktion

BERLIN: In einem gemeinsamen Appell an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) haben der Deutsche Bauernverband und weitere Agrarverbände angesichts steigender Energiepreise vor einem Zusammenbruch der Produktion von Obst und Gemüse gewarnt. «Die explodierenden Energiekosten gefährden die Unternehmen der Obst-, Gemüse-, Gartenbau- und Kartoffelwirtschaft in ihrer Existenz», hieß es in dem Schreiben vom Donnerstag. Besonders mittelständische und kleine Unternehmen fielen nicht in den Geltungsbereich von Hilfsprogrammen und brauchten Unterstützung.


Preise für Holz und Holzpellets steigen im August rasant

WIESBADEN: Angesichts hoher Preise für Gas, Öl und Strom setzen viele Menschen in Deutschland auf Holz zum Heizen - doch auch das hat sich enorm verteuert. Die Preise für Brennholz und Holzpellets für Öfen und Heizungen stiegen im August um knapp 86 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Die Verbraucherpreise insgesamt kletterten im selben Zeitraum um 7,9 Prozent.


EuGH stärkt Urlaubsanspruch bei Verjährung

LUXEMBURG: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat den Urlaubsanspruch von Arbeitnehmern gestärkt. Das höchste EU-Gericht entschied in drei Fällen aus Deutschland, dass der Anspruch auf Urlaub in bestimmten Fällen doch nicht verfällt. Entscheidend ist demnach, ob der Arbeitgeber seinen Teil dazu beigetragen und beispielsweise darauf hingewiesen hat, dass der Urlaub bald verfällt. Das teilten die Richter am Donnerstag in Luxemburg mit.


London hebt Fracking-Verbot wegen Energiekrise auf

LONDON: Die neue britische Regierung hebt wegen der rasant steigenden Energiepreise ein Fracking-Moratorium auf. «Angesichts der illegalen Invasion von (Kremlchef Wladimir) Putin in der Ukraine und des Missbrauchs von Energie als Waffe hat die Stärkung unserer Energiesicherheit absolute Priorität», sagte Wirtschaftsminister Jacob Rees-Mogg am Donnerstag. Beim Fracking wird Gas oder Öl mit Hilfe von Druck und Chemikalien aus Gesteinsschichten herausgeholt, was Gefahren für die Umwelt birgt.


Nach Schritt bei Uniper: Bund berät über Zukunft von Gazprom-Tochter

BERLIN: Nach der angekündigten Verstaatlichung des Energiekonzerns Uniper könnte der Staat bei einem weiteren Energieunternehmen eingreifen. Dabei handelt es sich um die Securing Energy for Europe (Sefe), die bereits unter Treuhänderschaft der Bundesnetzagentur steht. Nach einem «Spiegel»-Bericht soll Sefe in den Besitz des Staates übergehen. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft des russischen Staatskonzerns Gazprom. Eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Robert Habeck sagte auf Anfrage, innerhalb der Bundesregierung liefen die Gespräche über die Zukunft von Sefe. Nähere Details könne sie zurzeit nicht nennen.


Fed dreht weiter an Zinsschraube

WASHINGTON: Mit ihrem dritten kräftigen Zinsschritt nacheinander setzt die US-Notenbank ihren Kampf gegen die Inflation fort. Die strenge Geldpolitik soll die Teuerungsrate in den USA endlich spürbar senken. Die Fed erhöhte am Mittwoch ihren Leitzins erneut um 0,75 Prozentpunkte - und Fed-Chef Jerome Powell machte deutlich, dass mit den großen Zinsschritten noch lange nicht Schluss ist. «Ohne Preisstabilität funktioniert die Wirtschaft für niemanden», sagte er.


Lidl erhöht in Großbritannien erneut die Löhne

LONDON: Lidl erhöht zum zweiten Mal in diesem Jahr in Großbritannien die Löhne. Das Einstiegsgehalt steigt vom 1. Oktober an von 10,10 Pfund je Stunde auf 10,90 Pfund (12,50 Euro), wie der Einzelhändler am Donnerstag mitteilte. In London beträgt der Lohn dann 11,95 Pfund statt bisher 11,30 Pfund. Der Nachtzuschlag wird von 2 auf 3 Pfund erhöht. Landesweit würden mehr als 23.500 Angestellte höhere Löhne erhalten, hieß es. Eine Vollzeitkraft verdiene dann 2000 Pfund mehr im Jahr.

Der Chef von Lidl UK, Ryan McDonnell, sagte, die Erhöhung solle «die Schlüsselrolle und den unermüdlichen Einsatz» der Beschäftigten in den 935 Filialen und 13 Lagerhäuser belohnen. Die Kosten bezifferte die Supermarktkette auf 39,5 Millionen Pfund. Zahlreiche Menschen in Großbritannien klagen derzeit über steigende Preise für Lebensmittel und Energie bei gleichzeitig sinkenden Reallöhnen.

Auch die anderen Einzelhändler in Großbritannien hatten deshalb die Löhne erhöht. So zahlt Marktführer Tesco nun 10,10 Pfund pro Stunde, 5,5 Prozent mehr als bisher. Bei Sainbury's erhalten Mitarbeiter nun mindestens 10,25 Pfund beziehungsweise 11,30 Pfund in London, ein Plus von knapp 8 Prozent. Bereits zum September hatte Aldi die Löhne um bis zu 9 Prozent erhöht: Das Einstiegsgehalt liegt nun bei 10,50 Pfund die Stunde, in London bei 11,95 Pfund.

Der Discounter ist in Großbritannien weiter auf dem Vormarsch. Nach einer Auswertung des Forschungsinstituts Kantar überholte Aldi den Wettbewerber Morrisons mit 9,3 Prozent Marktanteil und stieß in die Riege der «Big Four» hinter Tesco, Sainsbury's und Asda vor. Grund dafür sei, dass Verbraucher angesichts steigender Preise möglichst günstig einkaufen wollten, so Kantar. Auch Lidl profitierte davon. Der Umsatz legte demnach zuletzt deutlich zu, 7,1 Prozent Marktanteil bedeuten Platz sechs.


Britische Notenbank erhöht Leitzins wie erwartet um 0,5 Prozentpunkte

LONDON: Die britische Notenbank stemmt sich mit einer erneuten Zinserhöhung gegen die hohe Inflation. Der Leitzins steigt um 0,5 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent, wie die Bank of England am Donnerstag nach ihrer Zinssitzung in London mitteilte. Es ist die mittlerweile siebte Zinserhöhung in Folge. Analysten hatten mit dem Schritt überwiegend gerechnet.

Die Entscheidung für die Zinserhöhung um 0,5 Prozentpunkte fiel allerdings knapp aus. Im neunköpfigen geldpolitischen Ausschuss MPC stimmten fünf Mitglieder für diesen Zinsschritt, ein Mitglied votierte für eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte und drei Vertreter für 0,75 Prozentpunkte.

Die Notenbank geht inzwischen davon aus, dass sich die britische Wirtschaft bereits in einer Rezession befindet. Im Sommerquartal zwischen Juli und September dürfte die Wirtschaft leicht um 0,1 Prozent geschrumpft sein - auch wegen des arbeitsfreien Trauertages. Bereits im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung zurückgegangen, so dass Großbritannien damit in einer sogenannten technischen Rezession stecken würde. Davon sprechen Ökonomen, wenn in zwei Quartalen in Folge die Wirtschaftsleistung gesunken ist.


Private Banken: Deutsche Wirtschaft rutscht im Winter in Rezession

FRANKFURT/BERLIN: Trübe Aussichten für die deutsche Konjunktur: Die Chefvolkswirte der privaten Banken in Deutschland erwarten, dass die gesamtwirtschaftliche Leistung in den vier Quartalen bis zum Sommer 2023 sinken wird. Hohe Energiepreise, steigende Kosten für Unternehmen und ein erheblicher Kaufkraftverlust bei Verbrauchern infolge der extrem hohen Inflation werden Europas größte Volkswirtschaft der am Donnerstag vorgelegten Prognose zufolge im Winter in die Rezession rutschen lassen.

«Die Wirtschaft in Deutschland wie in Europa ist in schwieriges Fahrwasser geraten», resümierte die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Henriette Peucker. Im Jahresdurchschnitt 2023 erwarten die 15 Volkswirte, die an der Konjunkturprognose beteiligt sind, einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland um 1,3 Prozent. Zum Vergleich: In der Corona-Krise 2020 war die deutsche Wirtschaft um mehr als vier Prozent geschrumpft. Für das laufende Jahr erwartet der BdB trotz wachsender Risiken noch 1,4 Prozent Wachstum.

Eine mögliche Wiederbelebung des Wirtschaftswachstums hänge «entscheidend von der weiteren Entwicklung der Preise ab», erklärte der Bankenverband. Mit zwei Zinserhöhungen im Juli und September hat die Europäische Zentralbank (EZB) der rekordhohen Teuerungsrate den Kampf angesagt. Weitere Zinserhöhungen werden erwartet. Dennoch rechnen die Chefvolkswirte der privaten Banken wie andere Ökonomen damit, dass die Inflationsrate auch im nächsten Jahr mit sechs Prozent deutlich über der EZB-Zielmarke von zwei Prozent liegen wird.


Orban will Aufhebung der Russland-Sanktionen bis Ende des Jahres

BUDAPEST: Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban verlangt die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Russland spätestens bis Ende des Jahres. Die nach dem Angriff auf die Ukraine verhängten Strafmaßnahmen gegen Moskau seien den Europäern «von den Brüsseler Bürokraten aufgezwungen» worden, sagte der Rechtspopulist nach Angaben der regierungsnahen Tageszeitung «Magyar Nemzet».

Orban sprach am Mittwochabend auf einer Fraktionsklausur der Regierungspartei Fidesz im Plattensee-Bad Balatonalmadi. «Die Sanktionen verursachen Wirtschaftsprobleme, die Energiekrise und die Inflation», erklärte er demnach weiter.

Orban pflegt ein gutes Verhältnis zum Kremlchef Wladimir Putin. Die Sanktionen der EU gegen Russland trug er bislang mit. Zugleich konnte er sich beim Ölembargo eine Ausnahmeregelung für sein Land ausbedingen. Die Sanktionsbeschlüsse der EU erfordern Einstimmigkeit unter den Mitgliedsländern. Ungarn gehört der Union seit 2004 an.


Ölpreise legen leicht zu

SINGAPUR: Die Ölpreise haben am Donnerstag im frühen Handel leicht zugelegt. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 90,19 Dollar. Das waren 36 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 32 Cent auf 83,26 Dollar.

Die Preisentwicklung am Ölmarkt ist nach wie vor schwankungsanfällig. Für tendenziell steigende Preise sorgen die zunehmenden Spannungen zwischen dem Westen und Russland infolge des Ukraine-Kriegs. Da Russland einer der größten Ölförderer der Welt ist, ziehen die Spannungen Risikoaufschläge am Erdölmarkt nach sich.

Auf der anderen Seite werden die Rohölpreise durch Konjunktursorgen und die straffe Geldpolitik vieler Zentralbanken belastet. Am Mittwochabend hob die US-Notenbank Federal Reserve ihre Leitzinsen zum dritten Mal in Folge kräftig um 0,75 Prozentpunkte an. Die höheren Zinsen lasten auf der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und damit auch auf dem Bedarf an Öl, Benzin und Diesel.


Euro fällt auf 20-Jahrestief - Japanischer Yen schwach

FRANKFURT/MAIN: Der Euro steht an den Finanzmärkten weiter unter Druck. In der Nacht auf Donnerstag fiel die Gemeinschaftswährung bis auf 0,9809 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit etwa 20 Jahren. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag noch etwas höher auf 0,9906 Dollar festgesetzt.

Belastet wird der Euro, wie auch viele andere Währungen, durch den starken Dollar. Die US-Währung profitiert zum einen von der straffen Geldpolitik der US-Notenbank Fed, die ihren Leitzins am Mittwochabend zum dritten Mal in Folge kräftig um 0,75 Prozentpunkte anhob. Hintergrund ist die sehr hohe Inflation. Zum anderen ist der Dollar wegen der zunehmend trüben geopolitischen Lage gefragt. Vor allem das schlechte Verhältnis zwischen dem Westen und Russland treibt Anleger in den sicheren Hafen US-Dollar.

Unter Druck stand am Morgen auch der japanische Yen. Die Notenbank der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt hält an ihrer lockeren Linie fest, wie die Bank of Japan mitteilte. Zwar liegt die Inflation in Japan deutlich niedriger als in anderen Ländern. Sie steigt aber und ist zumindest für japanische Verhältnisse relativ hoch. Die Notenbank macht dennoch keine Anstalten, ihre extrem lockere Geldpolitik etwas zu straffen, was den Yen seit Monaten stark belastet.

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