Nachrichten aus der Wirtschaft am Donnerstag

Niederwasserstand des Rheins in Köln. Foto: epa/Friedemann Vogel
Niederwasserstand des Rheins in Köln. Foto: epa/Friedemann Vogel

Binnenschiffer: Branche wird sich umstellen müssen

HEIDELBERG: Die Binnenschiffer sehen niedrige Pegelstände in Flüssen als ein andauerndes Problem und rechnen mit Konsequenzen für die Frachtschifffahrt. «Die Stimmung ist in unserer Branche ziemlich am Boden», sagte Binnenschifffahrtspräsident Martin Staats der «Rhein-Neckar-Zeitung». Die Branche werde sich den neuen Bedingungen anpassen müssen. Bereits seit längerem gebe es schwierigere Phasen auf manchen Flüssen. Aber auf dem Rhein sei es bisher anders gewesen.


Eurokurs gestiegen - EZB-Referenzkurs: 1,0178

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Donnerstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0178 (Mittwoch: 1,0164) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9825 (0,9839) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84391 (0,84208) britische Pfund, 137,17 (137,36) japanische Yen und 0,9683 (0,9686) Schweizer Franken fest.


Dax steigt nach jüngstem Rücksetzer wieder leicht

FRANKFURT/MAIN: Der Dax hat nach seinem jüngsten Rücksetzer am Donnerstag wieder zugelegt. Am Nachmittag lag der deutsche Leitindex mit 0,59 Prozent im Plus bei 13.707,15 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen gewann 0,27 Prozent auf 27.617,03 Zähler. Der Euro zeigte sich mit zuletzt 1,0181 US-Dollar stabil. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,97 Prozent am Vortag auf 1,01 Prozent.


Ende der Negativzinsen - Meiste Banken schaffen Verwahrentgelt ab

FRANKFURT/MAIN: Viele Bankkunden können aufatmen: Vier Wochen nach der ersten Zinserhöhung im Euroraum seit Jahren haben die allermeisten Kreditinstitute Negativzinsen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto abgeschafft. Nach Daten des Vergleichsportals Verivox weisen aktuell noch mindestens 79 Geldhäuser in ihren Preisverzeichnissen Minuszinsen aus. Damit haben mehr als 80 Prozent der betroffenen Institute das so genannte Verwahrentgelt für Privatkunden seit der Zinserhöhung gestrichen, wie aus der Auswertung von rund 1300 Banken und Sparkassen hervorgeht.


DIHK: Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich nochmals verschärft

BERLIN: Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich aus Sicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages noch einmal verschärft. «Die Bewerbersituation spitzt sich zu», sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks am Donnerstag in Berlin. Das könne man beschreiben mit dem Satz: «Ausbildungsplatz sucht Azubi.» Noch nie sei es für Betriebe schwieriger gewesen, geeignete Azubis zu finden. Der DIHK sprach von alarmierenden Ergebnissen einer Erhebung unter rund 15.000 Ausbildungsbetrieben. Mehr als vier von zehn IHK-Ausbildungsbetrieben hätten im vergangenen Jahr nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen können.


Weniger Baugenehmigungen im ersten Halbjahr

WIESBADEN: Nach einem Rückgang der Baugenehmigungen im ersten Halbjahr wächst die Sorge, dass in Deutschland auch in diesem Jahr nicht ausreichend neue Wohnungen entstehen. «Wir befürchten, dass sich die ernüchternde Wohnungsbau-Bilanz 2021 von nur 293.000 fertiggestellten Wohnungen aufgrund der neuen Marktrealitäten in diesem Jahr fortsetzen wird», sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver Müller, mit Blick auf gestiegene Materialkosten und höhere Zinsen. Die Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) sprach von einem Alarmsignal.


Fahrpreise für Busse und Bahnen steigen wieder

BERLIN: Nach der 9-Euro-Aktion in Bussen und Bahnen müssen Fahrgäste ab September nicht nur wieder nach normalen Tarifen bezahlen - zum Teil stehen auch wieder Preiserhöhungen an. Das ergab eine Umfrage der dpa unter großen Verkehrsverbünden. So steigen etwa in und um Stuttgart die Tarife zum Jahreswechsel durchschnittlich um 4,9 Prozent, im Großraum Nürnberg werden es 3 Prozent sein. Im Rhein-Main-Verkehrsverbund gab es schon zum Juli einen Aufschlag von 3,9 Prozent.


Türkische Zentralbank senkt Leitzins erneut

ISTANBUL: Die türkische Zentralbank hat den Leitzins trotz hoher Inflation gesenkt. Der Wert werde von 14 auf 13 Prozent reduziert, teilte die Zentralbank in Ankara am Donnerstag mit. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte in den vergangenen Wochen bereits einen solchen Schritt angekündigt.

Die Türkei kämpft mit einer Wirtschaftskrise und hoher Inflation. Im Juli lagen die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 79,6 Prozent höher. Anders als viele andere Zentralbanken stemmt sich die türkische Notenbank gegen die Entwicklung jedoch nicht mit Zinsanhebungen. Fachleute nennen als Grund politischen Druck.

Die Inflation in der Türkei wird durch mehrere Faktoren getrieben. Seit längerem sorgt die schwache Landeswährung Lira für Preisauftrieb, da sie in die Türkei importierte Güter wechselkursbedingt verteuert. Hinzu kommen Probleme in den internationalen Lieferketten, die Vorprodukte teurer machen. Daneben steigen die Preise von Energie und Rohstoffen, vor allem wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine.

Die Zentralbank hatte den Leitzins seit Dezember unverändert gelassen, nachdem eine wiederholte Absenkung einen deutlichen Kursrutsch ausgelöst hatte.


Inflation in Eurozone klettert auf Rekordwert von 8,9 Prozent

LUXEMBURG: Die Inflation in der Eurozone hat sich im Juli auf hohem Niveau weiter beschleunigt und einen Rekordwert erreicht. Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhten sich die Verbraucherpreise um 8,9 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag in Luxemburg laut einer zweiten Schätzung mitteilte. Eine erste Schätzung wurde wie von Volkswirten erwartet bestätigt. Dies ist die höchste Rate seit Einführung des Euro als Buchgeld 1999. Im Vormonat waren die Verbraucherpreise um 8,6 Prozent gestiegen.

Getrieben wurde die Teuerung erneut durch den starken Anstieg der Energiepreise, die sich zum Vorjahresmonat um 39,6 Prozent erhöhten. Der Schub war etwas schwächer als im Vormonat. Dafür beschleunigte sich der Preisauftrieb bei Lebens- und Genussmitteln. Stärker stiegen auch die Preise von sonstigen Waren und Dienstleistungen.

Die Kerninflation, bei der besonders schwankungsanfällige Preise von Energie, Lebens- und Genussmitteln nicht berücksichtigt werden, stieg von 3,7 auf 4,0 Prozent. Die höchsten Inflationsraten im Währungsraum wiesen mit mehr als 20 Prozent erneut die drei baltischen Staaten auf. So stieg beispielsweise die Jahresinflationsrate in Estland auf 23,2 Prozent. In Deutschland betrug die nach europäischen Standards berechnete Inflationsrate 8,5 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt auf mittlere Sicht eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Sie hatte im Juli den Leitzins nach längerem Abwarten erstmals seit elf Jahren angehoben. Die US-Notenbank hat mit kräftigen Zinserhöhungen hingegen ihren Kurs im Kampf gegen die Inflation schon länger verschärft.


China lehnt offizielles Handelsabkommen der USA mit Taiwan ab

PEKING: Nach der Ankündigung formeller Handelsgespräche zwischen den USA und Taiwan hat China seinen Widerstand gegen ein offizielles Wirtschaftsabkommen erklärt. Außenamtsprecher Wang Wenbin sagte am Donnerstag in Peking: «Der Ein-China-Grundsatz ist die Voraussetzung für eine Teilnahme von Chinas Taiwan-Region in wirtschaftlicher Kooperation.» China lehne die Unterzeichnung von Handels- und Wirtschaftsvereinbarungen «mit souveräner Nebenbedeutung und offizieller Art» zwischen anderen Ländern und Taiwan ab. Die USA forderte der Sprecher auf, «alle Formen offizieller Interaktion» mit Taiwan einzustellen.

Peking betrachtet die Insel als Teil der Volksrepublik. Die demokratische Inselrepublik hingegen versteht sich als unabhängig. Die Spannungen hatten sich jüngst durch den Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Taiwan verschärft. Es war der ranghöchste Besuch aus den USA seit einem Vierteljahrhundert. Als Reaktion nahm Peking großangelegte Manöver um die Insel auf. Peking droht mit einer gewaltsamen Einnahme.


Netzagentur hält regionalen Gasmangel für wahrscheinlich

BERLIN: Die Bundesnetzagentur rechnet damit, dass es im kommenden Winter zumindest regional einen Gasmangel in Deutschland geben könnte. «Vermutlich wären die Einschränkungen erst einmal temporär und können auch wieder enden oder mehrfach auftreten», sagte Behördenchef Klaus Müller dem Nachrichtenportal T-Online in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. In dem Fall müsse man dafür sorgen, dass Gas gut durchs Land transportiert werde. Das Szenario eines regionalen Gasmangels sei wahrscheinlich, sagte Müller. «Womöglich aber läuft es sogar etwas besser.» Dafür müssten die Gasimporte im kommenden Jahr größer ausfallen.


Kubas Regierung ordnet Staatstrauer nach Großbrand an

MATANZAS: Nach dem verheerenden Großbrand in einem Treibstofflager im Norden von Kuba hat die Regierung in Havanna eine eintägige Staatstrauer angeordnet. Von Donnerstagmorgen bis Freitagabend (Ortszeit) seien die Flaggen an öffentlichen Gebäuden und militärischen Stützpunkten auf halbmast zu setzen, teilte das Präsidialamt am Mittwoch mit.

Ein schweres Feuer hatte zuletzt große Teile eines Treibstofflagers in Matanzas zerstört. Insgesamt wurden vier der acht Tanks auf dem Areal beschädigt. Rund 130 Menschen wurden nach dem Brand zwischenzeitlich im Krankenhaus behandelt. 17 Patienten waren am Mittwoch immer noch in der Klinik, mehrere unter ihnen schwer verletzt. Bei den Löscharbeiten kamen zwei Feuerwehrmänner ums Leben. 14 weitere wurden noch immer vermisst.

Der Präsident der kubanischen Gesellschaft für Gerichtsmedizin, Jorge González, sagte in einer Pressekonferenz in Havanna am Mittwoch (Ortszeit), es seien am Ort des Brandes 14 Gruppen von Knochenfragmenten gefunden worden. DNA-Analysen seien an ihnen nicht möglich, sie ließen sich nicht eindeutig bestimmten Menschen zuordnen. Während des Brandes hätten Temperaturen zwischen 1000 und 2000 Grad geherrscht - mehr als im Ofen eines Krematoriums.

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