Nachrichten aus der Wirtschaft am Dienstag

Foto: Freepik
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London setzt nach Brexit stärker auf Handel mit Ostasien

LONDON: Nach dem Brexit will Großbritannien seine Handelspolitik stärker auf aufstrebende Wirtschaftskräfte in Südost- und Ostasien ausrichten. Ein am Dienstag veröffentlichter Bericht des Ministeriums für internationalen Handel kommt zu dem Schluss, das Zentrum der globalen wirtschaftlichen Gravitation entferne sich von Europa und verschiebe sich zum Indopazifik. Zudem werde sich die weltweite Nachfrage nach britischen Digital- und Finanzdienstleistungen in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich verdoppeln. Ressortchefin Liz Truss kündigte ein «globales Netzwerk von Handelsabkommen der nächsten Generation» an.

Truss forderte ein forscheres Vorgehen und machte die jahrzehntelange britische EU-Mitgliedschaft für eine «defensive» Haltung verantwortlich. «Verständlicherweise haben wir nach 50 Jahren in der protektionistischen EU vergessen, welche Handelsmacht wir waren», sagte die Ministerin in einer Rede vor einer Denkfabrik. Manchmal fehle es an Selbstvertrauen. «Um neue Möglichkeiten zu nutzen, müssen wir einige unserer veralteten Annahmen und Einstellungen über Bord werfen.»

Großbritannien hatte zum 1. Januar auch die EU-Zollunion sowie den Binnenmarkt verlassen. Seitdem hat der Handel mit der EU vor allem wegen neuer Zoll- und Bürokratievorschriften deutlich nachgegeben.


Dax im Plus - Freundliche Reaktion auf US-Inflationsdaten

FRANKFURT/MAIN: Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag nach der Veröffentlichung der mit Spannung erwarteten US-Inflationsdaten freundlich tendiert. Nach einem nahezu bewegungsarmen Handelsverlauf zog der Dax am Nachmittag etwas an und notierte zuletzt um 0,29 Prozent höher bei 15.746,71 Zählern. Der MDax der 60 mittelgroßen Börsenwerte stand nur dünn im Plus mit 0,08 Prozent auf 35.826,27 Punkte. Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 rückte um 0,09 Prozent auf 4193,34 Punkte vor. Der Euro wurde zuletzt mit 1,1844 US-Dollar gehandelt. Die EZB hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag noch auf 1,1780 Dollar festgesetzt. Am Anleihemarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,39 Prozent am Montag auf minus 0,38 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,06 Prozent auf 145,02 Punkte. Der Bund-Future sank um 0,06 Prozent auf 171,64 Punkte.


Ökonom Fratzscher: Mindestlohn von 12 Euro notwendig und richtig

BERLIN: Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält eine Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro für notwendig und richtig. Fratzscher sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin, ein solcher Schritt würde wahrscheinlich in den kommenden zwei Jahren «größte soziale Verbesserungen» für viele Menschen in Deutschland mit sich bringen - nämlich für 10 Millionen Menschen, die direkt davon betroffen seien. Der Mindestlohn liegt aktuell bei 9,60 Euro pro Stunde. Zum 1. Januar 2022 wird er auf 9,82 und zum 1. Juli 2022 auf 10,45 Euro angehoben.


Umfrage: Corona verändert Einkauf von Lebensmitteln

BERLIN: In der Coronakrise haben die Menschen in Deutschland auch Lebensmittel häufiger online eingekauft. Das geht aus Zahlen einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom hervor. Danach bestellen derzeit 26 Prozent der Befragten zumindest hin und wieder Lebensmittel im Internet - vor Beginn der Pandemie waren es 16 Prozent. Unter den 16- bis 29-Jähringen bestellt knapp ein Drittel (32 Prozent) häufig oder zumindest hin und wieder Essen, Snacks oder Getränke im Netz, unter den 30- bis 49-Jährigen sind es mit 36 Prozent etwas mehr. Bei den älteren Menschen nimmt die Bereitschaft, Lebensmittel im Web zu ordern, dann ab.


Curevac verkleinert Produktionsnetz für Covid-19-Impfstoff

TÜBINGEN: Das Tübinger Biotechunternehmen Curevac verkleinert wegen der geringeren Nachfrage nach seinem Corona-Impfstoff das Produktionsnetz. Die Entscheidung sei eine Reaktion auf die geringere kurzfristige Spitzennachfrage nach Impfstoffen im Anschluss an die erste Welle der Pandemie-Impfanstrengungen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Dies habe zu einer «veränderten Nachfrage» nach CureVacs COVID-19-Impfstoffkandidaten der ersten Generation (CVnCoV) geführt. Dieser wird derzeit von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) geprüft. Ende Juni hatte Curevac bekannt gegeben, dass die Wirksamkeit seines Impfstoffkandidaten niedriger sei als die anderer Impfstoffe. An Curevac ist auch der Bund indirekt beteiligt.


Vonovia-Chef Buch: Übernehmen Deutsche Wohnen «auf jeden Fall»

BOCHUM/BERLIN: Im Ringen um die Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen sieht sich Vonovia-Chef Rolf Buch beim dritten Anlauf am Ziel - auch weil er das Übernahmeangebot kurz vor Fristablauf geändert hat. «Vonovia wird die Deutsche Wohnen auf jeden Fall übernehmen», sagte Buch der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte der größte deutsche Vermieter unter anderem die Mindestannahmeschwelle aus seinem Übernahmeangebot für die Nummer zwei auf dem Wohnungsmarkt gestrichen. Anleger begrüßten den Schritt. Durch den Verzicht, mindestens 50 Prozent der Deutsche-Wohnen-Anteile einsammeln zu müssen, verlängert sich die ursprünglich am 20. September 2021 auslaufende Annahmefrist bis 04. Oktober 2021. Beide Dax-Konzerne besitzen zusammen rund 550.000 Wohnungen und andere Immobilien.


US-Inflationsrate sinkt leicht - bleibt aber weiter auf hohem Niveau

WASHINGTON: In den USA ist die relativ hohe Inflationsrate im August im Vergleich zum Wert des Vormonats minimal zurückgegangen. Gegenüber dem August vergangenen Jahres stiegen die Verbraucherpreise um 5,3 Prozent, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Im Juli hatte die Inflationsrate noch bei 5,4 Prozent gelegen. Viele Analysten hatten einen leichten Rückgang erwartet.

Die Inflation liegt damit weiter deutlich über dem Inflationsziel der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die mittelfristig zwei Prozent anstrebt. Im Juni hatte die Rate bereits bei 5,4 Prozent gelegen. Dies war die höchste Rate seit August 2008.

Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Verbraucherpreise im August nur um 0,3 Prozent nach 0,5 Prozent im Juli. Im Juni waren die Preise sogar noch um 0,9 Prozent im Monatsvergleich gestiegen.

Die Kerninflation ohne im Preis oft schwankende Komponenten wie Energie und Lebensmittel betrug verglichen mit dem Vorjahresmonat 4 Prozent. Im Juli waren es noch 4,3 Prozent gewesen.


UN-Bericht: 87 Prozent von weltweiten Agrar-Subventionen schädlich

NEW YORK/ROM: 87 Prozent der weltweiten Subventionen in die Landwirtschaft sind laut einer UN-Studie wettbewerbsverzerrend und schaden der Umwelt sowie kleinen Unternehmern. Deshalb fordern unter anderem die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) sowie das Entwicklungsprogramm (UNDP) der Vereinten Nationen eine drastische Umverteilung der Agrar-Hilfen.

Insgesamt werden aktuell den Angaben zufolge 540 Milliarden US-Dollar (etwa 457 Mrd Euro) pro Jahr als Hilfen an die Landwirtschaft gegeben; 470 Milliarden Dollar (knapp 400 Mrd Euro) davon sollten anders und nachhaltig genutzt werden, wird in dem am Dienstag veröffentlichen Bericht vorgerechnet.

Diese Studie sei «ein Weckruf für Regierungen der Welt», sagte FAO-Generaldirektor Qu Dongyu. Die Chefin des UN-Umweltprogramms (UNEP), Inger Andersen, ermahnte die Staaten, die Chance zu nutzen, «die Landwirtschaft zu einem Haupttreiber für das menschliche Wohlergehen und einer Lösung für die Bedrohungen durch den Klimawandel, den Naturverlust und die Umweltverschmutzung zu machen».


Lieferkettensorgen: London verschiebt Einfuhrkontrollen nach Brexit

LONDON: Wegen der Folgen von Brexit und Corona-Pandemie auf Lieferketten und Unternehmen verschiebt die britische Regierung die Kontrollen auf Einfuhren aus der EU erneut um mehrere Monate. Dabei geht es darum zu prüfen, ob Lebensmittelstandards eingehalten werden. «Die Pandemie hatte langfristigere Auswirkungen auf Unternehmen, sowohl im Vereinigten Königreich als auch in der EU, als viele Beobachter noch im März erwartet haben», teilte der britische Brexit-Beauftragte David Frost am Dienstag mit.

Eigentlich sollten die britischen Grenzkontrollen vom 1. Januar 2022 an greifen, ein Jahr nach dem Austritt Großbritanniens aus EU-Zollunion und Binnenmarkt. Einige Lebensmittel sollten bereits vom 1. Oktober an kontrolliert werden. Die EU nimmt ihrerseits schon seit Januar Waren aus Großbritannien genau unter die Lupe. Dadurch kommt es immer wieder zu Verzögerungen. Vor allem der Handel mit frischen Lebensmitteln ist infolge fehlender Lastwagenfahrer und höherer Transportkosten unter Druck geraten.

«Wir möchten, dass sich Unternehmen auf die Erholung von der Pandemie konzentrieren, anstatt sich mit neuen Anforderungen an der Grenze auseinandersetzen zu müssen», sagte Frost. «Aus diesem Grund haben wir einen pragmatischen neuen Zeitplan für die Einführung vollständiger Grenzkontrollen festgelegt.» Erst vor kurzem hatte Großbritannien einseitig die Anwendung von Brexit-Regeln für den Handel zwischen Nordirland und dem Rest des Landes aufgeschoben.

Wirtschaftsvertreter reagierten irritiert. So kritisierte der Verband der Lebensmittel- und Getränkehersteller FDF die kurzfristige Ankündigung. Unternehmen hätten viel Geld ausgegeben, um pünktlich zum 1. Oktober gerüstet zu sein und würden nun «bestraft».


Ölpreise legen weiter zu

SINGAPUR: Die Ölpreise haben am Dienstag ihre Aufschläge vom Wochenstart ausgebaut. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent bis zu 74,07 US-Dollar. Das waren 56 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg in ähnlichem Ausmaß bis auf 71,06 Dollar. Damit bewegen sich die Ölpreise auf dem höchsten Niveau seit Anfang August.

Für Aufsehen sorgt am Ölmarkt ein neuer Tropensturm, der sich dem Golf von Mexiko nähert und sich laut Wetterprognosen zu einem Hurrikan entwickeln könnte. Die Golfregion erholt sich gerade von den Auswirkungen des schweren Hurrikans Ida, der vor etwas mehr als zwei Wochen zur Schließung vieler Förderanlagen geführt hat. Mittlerweile ist gut die Hälfte der Kapazität wieder in Betrieb, einzelne Plattformen sollen wegen des Tropensturms aber erneut geschlossen werden.

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