Nachrichten aus der Wirtschaft am Dienstag

Fotomontage: DER FARANG
Fotomontage: DER FARANG

Geringere Mehrwertsteuer: Inflation erneut unter der Nullmarke

WIESBADEN: Die Inflation in Deutschland ist im September erneut unter die Nullmarke gerutscht. Die Verbraucherpreise lagen um 0,2 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag anhand vorläufiger Daten mitteilte. Eine negative Jahresinflation hatten die Wiesbadener Statistiker bereits im Juli mit minus 0,1 Prozent errechnet, im August stagnierten die Verbraucherpreise.

Die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer dämpft den Preisauftrieb. Seit Juli gelten für ein halbes Jahr niedrigere Steuersätze. Damit will die Bundesregierung in der Corona-Krise den Konsum ankurbeln. Von August auf September 2020 sanken die Verbraucherpreise nach Berechnungen des Bundesamtes ebenfalls um 0,2 Prozent.


JPMorgan zahlt 920 Millionen Dollar wegen Marktmanipulation

NEW YORK/WASHINGTON: Die größte US-Bank JPMorgan Chase zahlt über 920 Millionen Dollar (784 Mio Euro) wegen Marktmanipulation. Händler des Geldhauses hätten acht Jahre lang in illegaler Weise die Preise von Edelmetall- und Anleihekontrakten zu ihren Gunsten beeinflusst, teilte die US-Finanzaufsicht CFTC am Dienstag mit.

Die Finanzprofis sollen eine «Spoofing» genannte Praxis angewandt haben, bei der Kaufaufträge nur vorgetäuscht werden, um Kurse zu manipulieren. Nun schloss JPMorgan einen Vergleich mit den US-Behörden, um den Fall beizulegen. Die Großbank akzeptierte dabei die höchste Strafzahlung in der bisherigen Geschichte der CFTC.


EU stockt Fördermittel für E-Ladestationen und «grünen» Verkehr auf

BRÜSSEL: Die EU baut ihre Förderung der Elektromobilität und eines klimaschonenderen Verkehrssystemen weiter aus. Wie die Europäische Kommission am Dienstag in Brüssel ankündigte, sollen weitere 54 Millionen Euro in mehrere Projekte fließen - darunter auch Umrüstungen von Zügen in Baden-Württemberg für das einheitliche europäische Zugleit- und -sicherungssystem ERTMS. Beim Ausbau CO2-vermeidender Verkehrsinfrastrukturen geht es aber auch um weitere Ladestationen für E-Autos in Italien oder «grüne» Nahverkehrsbusse in Paris und Barcelona. Die Projekte sollen zu den Zielen des «Green Deal» beitragen, denen zufolge der CO2-Ausstoß in der EU bis 2030 um mindestens 55 Prozent unter das Niveau von 1990 gedrückt werden soll..

Der Verkehr soll dabei eine wichtige Rolle spielen. Private Investoren können sich an der EU-Förderung beteiligen. Insgesamt stehen nach Angaben der Kommission inzwischen mehr als 2,2 Milliarden Euro zur Unterstützung einer «grünen» Verkehrswende bereit. Anfang Juli hatte die Brüsseler Behörde zudem den Entwurf einer Strategie für ein integriertes Energiesystem vorgelegt: Demnach sollen bis 2025 zwei Millionen Ladesäulen den Umstieg auf E-Autos voranbringen.

Das bisher noch recht dünne Ladenetz ist neben der geringen Reichweite und dem vergleichsweise hohen Anschaffungspreis eines der Haupthindernisse für den Durchbruch der E-Mobilität. Günstigere Modelle und deutlich mehr Investitionen in die Ladeinfrastruktur sollen nun Abhilfe schaffen. Zuletzt hatten die Neuzulassungen reiner Elektroautos auch in Deutschland stark zugelegt - ein wesentlicher Faktor hierfür sind jedoch auch Kaufprämien wegen der Corona-Krise.


Dax im Minus - Anleger gehen auf Tauchstation

FRANKFURT/MAIN: Nach der Vortagesrally haben einige Anleger am deutschen Aktienmarkt am Dienstag Kursgewinne realisiert. Der Dax fiel am Nachmittag um 0,28 Prozent auf 12.834,86 Punkte. Der MDax der 60 mittelgroßen Börsentitel stieg am Dienstag um 0,05 Prozent auf 26.979,98 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor rund 0,1 Prozent. Der Euro stieg knapp über die Marke von 1,17 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,1670 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8568 Euro gekostet. Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite von minus 0,52 Prozent am Vortag auf minus 0,55 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,13 Prozent auf 145,94 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,14 Prozent auf 174,82 Zähler.


Hella verkauft Frontkamerasoftware-Sparte an Volkswagen

LIPPSTADT: Der Licht- und Elektronikspezialist Hella will das Geschäft mit Software für Frontkameras an Volkswagen verkaufen.

Angaben über den Preis machte das Unternehmen nicht. Der Verkauf von Teilen der Tochterfirma Hella Aglaia Mobile Vision mit Sitz in Berlin werde aber zu einem außerordentlichen Ertrag in der Größenordnung von rund 100 Millionen Euro führen, teilte der im MDax notierte Autozulieferer am Dienstag in Lippstadt mit. «Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden und soll aller Voraussicht nach im ersten Quartal des Kalenderjahres 2021 zum Abschluss (Closing) kommen.».


Milliardenklagen: Allianz-Tochter weist Vorwürfe von US-Fonds zurück

NEW YORK: Die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) hat Vorwürfe klagender US-Investoren zurückgewiesen, die Entschädigung für milliardenschwere Anlageverluste fordern. Die Anschuldigungen seien rechtlich und sachlich fehlerhaft, teilte AGI auf Nachfrage in New York mit. Die Allianz-Tochter ist mit mehreren Klagen von institutionellen Investoren konfrontiert, die sie für dramatische Verluste verantwortlich machen. Die Vorwürfe sind im Wesentlichen, dass der Vermögensverwalter während des Börsenbebens zu Beginn der Corona-Pandemie bei bestimmten Fonds von der vereinbarten Strategie abgewichen sei, was zu hohen Verlusten geführt habe.


Ifo-Institut: Eine Million weniger Kurzarbeiter

MÜNCHEN: Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland ist einer Umfrage des Ifo-Instituts zufolge im September weiter zurückgegangen. Von 4,7 Millionen im August sei sie auf 3,7 Millionen gesunken, teilten das Ifo-Institut am Dienstag in München mit. Grundlage der Schätzung ist die Befragung von 9000 Unternehmen für die monatliche Konjunkturprognose. Trotz des Rückgangs sei immer noch jeder neunte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Kurzarbeit, hieß es.


Post erhöht Paketpreise für Geschäftskunden

BONN: Die Deutsche Post DHL erhöht zum Jahreswechsel die Paketpreise für Geschäftskunden. Grund seien die stark gestiegenen Transportkosten, höhere Personalkosten sowie die großen Investitionen für den Ausbau der Post- und Paketinfrastruktur, teilte Deutschlands größter Paketzusteller am Dienstag mit. Konkrete Angaben zum Ausmaß der Preisanhebung machte das Unternehmen nicht. Die Preiserhöhung beträfen Geschäftskunden mit mindestens 200 Paketen pro Jahr, aber auch Großkunden mit individuell vereinbarten Konditionen.


Friseurbesuche wegen Corona deutlich teurer

WIESBADEN: Während der Corona-Pandemie sind Friseurbesuche in Deutschland deutlich teurer geworden. Im August mussten die Kunden im Schnitt 6,3 Prozent mehr bezahlen als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden berichtete. Gründe sind der erhöhte Mindestlohn sowie die zusätzlichen Kosten zur Umsetzung der Hygieneauflagen. Der Preisanstieg wird seit der Wiedereröffnung der Salons im Mai beobachtet. Zudem dürfen keine Trockenhaarschnitte mehr angeboten werden, was wegen der zusätzlichen Haarwäsche insbesondere die durchschnittlichen Preise für Schnitte bei Kindern (+9,4 Prozent) und Männern (6,5 Prozent) nach oben trieb. Frauen mussten 5,8 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor.


MAN nutzt Schlechtwetterklausel - Standortsicherung gekündigt

MÜNCHEN: Der Lkw- und Bushersteller MAN hat eine Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung vorzeitig gekündigt, mit der bis Ende 2030 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sein sollten. Das zum VW-Konzern gehörende Unternehmen will eine sogenannte Schlechtwetterklausel nutzen und so den angekündigten Abbau von 9500 der rund 36.000 Stellen vorantreiben. Durch den Schritt wären betriebsbedingte Kündigungen ab 1. Januar 2021 denkbar und vom 1. Oktober 2021 an flächendeckend möglich. Wie MAN am Dienstag weiter mitteilte, können die Verträge ganz oder teilweise wieder in Kraft gesetzt werden, wenn «sich Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite bis Jahresende auf ein gemeinsames Programm zur Neuausrichtung von MAN» einigten. Der Betriebsrat bezeichnete den Schritt als «Kulturbruch» und kündigte starken Widerstand an.


Geringere Mehrwertsteuer: Inflation erneut unter der Nullmarke

WIESBADEN: Die Inflation in Deutschland ist im September erneut unter die Nullmarke gerutscht. Die Verbraucherpreise lagen um 0,2 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Eine negative Jahresinflation hatten die Wiesbadener Statistiker bereits im Juli mit minus 0,1 Prozent errechnet, im August stagnierten die Verbraucherpreise. Die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer dämpft den Preisauftrieb. Von August auf September 2020 sanken die Verbraucherpreise ebenfalls um 0,2 Prozent.


Südafrikas Corona-Restriktionen drängen Millionen in Arbeitslosigkeit

JOHANNESBURG: Während einer der weltweit striktesten Corona-Beschränkungen haben in Südafrika rund 2,2 Millionen Menschen ihre Arbeitsplätze verloren. Die offizielle Arbeitslosenquote für diese Zeit ging im zweiten Quartal zum Vorquartal von 30,1 auf nun 23,3 Prozent zurück, teilte die Statistikbehörde Stats SA am Dienstag mit. Der Grund liegt in der Definition der Quote: Sie bezieht sich auf Menschen, die aktiv eine Arbeitsstelle suchen - was zeitweise unmöglich war.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft Afrikas erlebt zurzeit verheerende Auswirkungen der Corona-Beschränkungen auf die Wirtschaft, die sich schon vor der Virus-Krise in der Rezession befand. Millionen Menschen kämpfen dort ums Überleben, die Armut ist in wenigen Wochen dramatisch angewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Vergleich zum Vorquartal um mehr als 16 Prozent, hatte Stats SA zuvor bereits mitgeteilt.


Wirtschaftsstimmung in der Eurozone bessert sich erneut

BRÜSSEL: Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone hat sich im September weiter von ihrem Einbruch in der Corona-Krise erholt. Allerdings hat das Tempo der Erholung abgenommen. Der von der EU-Kommission erhobene Economic Sentiment Indicator (ESI) stieg zum Vormonat um 3,6 Punkte auf 91,1 Zähler, wie die Kommission am Dienstag in Brüssel mitteilte.

In der Europäischen Union hellte sich die Wirtschaftsstimmung ebenfalls weiter auf. Laut Kommission hat das Konjunkturbarometer etwa 70 Prozent seines Einbruchs in der Krise wettgemacht. Im März und April war der Indikator drastisch gesunken, da die europäischen Länder massive Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ergriffen.

Nicht nur die Wirtschaftsstimmung, auch der Beschäftigungsindikator stieg weiter an. Allerdings verläuft die Erholung auch hier langsamer als in den Vormonaten.


Öffentliche Schulden in Deutschand wegen Corona auf Höchststand

WIESBADEN: Die Corona-Krise hat in Deutschland die Schulden von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherung bei Banken und Privatunternehmen auf einen Höchststand steigen lassen.

Die Summe betrug 2108,9 Milliarden Euro zum Ende des ersten Halbjahres 2020, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden unter Berufung auf vorläufige Ergebnisse mitteilte. Dies sei der höchste ermittelte Stand in der Statistik seit Umstellung der Berechnungsmethode im Jahr 2010. Der Schuldenberg wuchs demnach im Vergleich zum Jahresende 2019 um rund elf Prozent oder 210,1 Milliarden Euro.

Der Anstieg sei «im Wesentlichen dadurch begründet, dass die öffentlichen Haushalte finanzielle Mittel für Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise aufnahmen», erklärte das Bundesamt. Er betraf demnach bis auf die Sozialversicherung alle Ebenen des öffentlichen Gesamthaushalts. Im zweiten Quartal 2020 erhöhten sich die Schulden im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres um knapp acht Prozent oder 153,5 Milliarden Euro.


Wirecard-Insolvenzverwalter verkauft rumänische Tochter

MÜNCHEN: Die Zerlegung des in einen milliardenschweren Betrugsskandal verwickelten Zahlungsdienstleisters Wirecard schreitet voran. Insolvenzverwalter Michael Jaffé meldete am Montagabend den Verkauf der rumänischen Tochtergesellschaft Wirecard Romania an den portugiesischen Zahlungsdienstleister SIBS. Den Verkaufspreis gab Jaffé nicht bekannt. Laut Jahresabschluss 2018 machte die rumänische Tochter damals lediglich 2,3 Millionen Euro Gewinn.

Allerdings ist bei Wirecard derzeit nicht bekannt, welche Bilanzzahlen der Realität entsprechen und welche nicht. Das Unternehmen soll mit Hilfe gefälschter Bilanzen von Banken und Investoren über drei Milliarden Euro erschwindelt haben. Der Käufer SIBS ist im Zahlungsgeschäft in Portugal, Polen, Malta und mehreren afrikanischen Ländern aktiv.

Fortgeschritten ist nach Angaben Jaffés auch der Verkaufsprozess bei drei südostasiatischen Wirecard-Gesellschaften in Indonesien und Vietnam.


Ölpreise geben leicht nach

SINGAPUR: Die Ölpreise sind am Dienstag im frühen Handel leicht gefallen und haben einen Teil ihrer Aufschläge vom Wochenauftakt abgegeben. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 42,23 US-Dollar. Das waren 20 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 29 Cent auf 40,31 Dollar.

Händler erklärten die leichten Preisabschläge mit einer typischen Gegenbewegung auf die Aufschläge vom Montag. Einige Investoren hätten Gewinne mitgenommen, hieß es. Besonders marktbewegende Nachrichten gab es zunächst nicht.

Leichte Unterstützung erhielt Rohöl durch die zuletzt bessere Stimmung an den Aktienmärkten und den schwächeren US-Dollar. Beides kommt dem Preis von Erdöl zugute, weil der Rohstoff zum einen eine riskantere Anlage ist. Zum anderen wird Öl international in Dollar gehandelt. Fällt der Dollarkurs, wird Rohöl für Interessenten außerhalb des Dollarraums rechnerisch günstiger, was die Nachfrage von dort belebt.


Euro steigt in Richtung 1,17 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Dienstagmorgen leicht zugelegt. Im frühen Handel kostete die Gemeinschaftswährung 1,1680 US-Dollar und damit etwas mehr als im asiatischen Handel. Der US-Dollar notierte dagegen zu vielen Währungen etwas schwächer. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,1670 Dollar festgesetzt.

Am Dienstag stehen einige Konjunkturdaten auf dem Programm, allerdings zumeist aus der zweiten Reihe mit eher geringer Marktbedeutung. Anleger dürften jedoch Inflationszahlen aus Deutschland in den Blick nehmen. Zuletzt hat es verstärkt Diskussionen gegeben, welche Schlüsse die EZB aus der anhaltend schwachen Teuerung ziehen könnte. Eine Möglichkeit ist die Änderung des langjährigen Inflationsziels.

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