Nachrichten aus der Wirtschaft am Dienstag

Symbolfoto: Pixabay/Rilsonav
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SPD-Fraktionschef Mützenich hinterfragt Schuldenbremse

BERLIN: SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hat mit Blick auf die Haushaltskrise die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse infrage gestellt. «Wir müssen uns fragen, ob sie angemessen ist vor den Herausforderungen dieser Zeit», sagte Mützenich am Dienstag im Bundestag in Berlin. «Wir brauchen grundsätzliche Korrekturen an der Gestaltung der Schuldenbremse.» Es sei Aufgabe der Politik, die Schuldenbremse nicht unantastbar zu machen, sagte Mützenich. «Reicht es aus für die Zukunft unseres Landes? Oder hat nicht sogar die Schuldenbremse diese Haushaltsführung provoziert? Vielleicht darf man diese Frage auch mal stellen.»

Zuvor hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eine Regierungserklärung zur Haushaltskrise abgegeben. Das Bundesverfassungsgericht hatte die Umwidmung von 60 Milliarden Euro im Haushalt 2021 für nichtig erklärt. Das Geld war als Corona-Kredit bewilligt worden, sollte aber nachträglich für den Klimaschutz und die Modernisierung der Wirtschaft eingesetzt werden. Nun steht es nicht mehr zur Verfügung. Zugleich entschieden die Richter, der Staat dürfe sich Notlagenkredite nicht für spätere Jahre auf Vorrat zurücklegen. Weil der Bund das aber gemacht hat, sollen für das laufende Jahr nun nachträglich Kredite über fast 45 Milliarden Euro genehmigt werden.


Euro zeitweise über 1,10 US-Dollar - Höchster Stand seit August

NEW YORK: Der Euro ist am Dienstag zeitweise erstmals seit rund dreieinhalb Monaten über die Marke von 1,10 US-Dollar geklettert. Zuletzt notierte die Gemeinschaftswährung im New Yorker Handel bei 1,0986 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs davor auf 1,0949 (Montag: 1,0951) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,9133 (0,9131) Euro gekostet.

Richtig in Schwung kam der Euro gegenüber dem Dollar mit Aussagen von Christopher Waller, der dem Direktorium der US-Notenbank Fed angehört. Dieser zeigte sich mit der aktuellen Ausrichtung der Geldpolitik zufrieden, was an den Märkten als Hinweis auf stabile Leitzinsen gedeutet wurde. Der Notenbanker sagte jedoch auch, dass er nicht mit Sicherheit sagen könne, ob die Fed schon genug zur Inflationsbekämpfung getan habe. Zuvor hatte Bundesbankpräsident Joachim Nagel seine ablehnende Haltung gegenüber Zinssenkungen durch die EZB bekräftigt.


Goldpreis legt weiter zu - Rekordhoch nicht weit entfernt

LONDON: Gold wird unter Anlegern immer begehrter. Am Dienstag stieg der Preis für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) bis auf 2038 US-Dollar. Das ist der höchste Stand seit gut einem halben Jahr. Das im Sommer 2020 erreichte Rekordhoch von rund 2075 Dollar ist damit nicht mehr weit entfernt. Im Fahrwasser von Gold legte zuletzt auch der Silberpreis zu.

Maßgeblich für den Preisanstieg von Gold seien die Zinserwartungen an die US-Notenbank, sagte Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank. Aktuell werden an den Finanzmärkten keine weiteren Zinsanhebungen durch die Federal Reserve erwartet. Vielmehr setzen viele Marktteilnehmer bereits auf erste Zinssenkungen im kommenden Jahr, wenn mit einer wirtschaftlichen Abschwächung gerechnet wird.

Mit der Erwartung perspektivisch fallender Leitzinsen gewinnt Gold an Glanz. Denn das Edelmetall ist mit einem Malus behaftet: Im Gegensatz etwa zu festverzinslichen Wertpapieren wirft Gold keine laufenden Erträge ab. Sinken die Zinserwartungen, wird auch der Nachteil fehlender Zinserträge kleiner - und Gold gewinnt unter Anlagegesichtspunkten an Attraktivität.


OECD legt Konjunkturausblick vor - Unsicherheiten und wenig Wachstum

PARIS: Vor dem Hintergrund wachsender globaler Unsicherheiten und struktureller Umbrüche legt die Industriestaatenorganisation OECD am Mittwoch (11.00 Uhr) ihren Konjunkturausblick vor.

Trotz des Inflationsrückgangs bleibt demnach das Wachstum in der Welt weiter schwach, besonders in Europa. Eine Konjunkturerholung lässt weiter auf sich warten. Faktoren sind geoökonomische Spannungen und Kriege sowie grundsätzliche Umbrüche durch die Digitalisierung und die Klimapolitik. Für Deutschland hatte die OECD zuletzt im September für dieses Jahr ein Minus von 0,2 Prozent und für 2024 ein Wachstum von 0,9 Prozent prognostiziert.


EU-Zulassung von Unkrautvernichter Glyphosat offiziell erneuert

BRÜSSEL: Die EU-Kommission hat die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat in der EU erneuert. Eine entsprechende Verordnung erließ die Behörde am Dienstag, wie die Kommission in Brüssel mitteilte. Sie betonte, dass dies unter anderem auf Grundlage wissenschaftlicher Analysen geschehen sei und es neue Auflagen und Einschränkungen für den Einsatz des Pestizids geben werde. Die Entscheidung war bereits vor knapp zwei Wochen angekündigt worden. Die Zulassung wäre ohne Erneuerung Mitte Dezember ausgelaufen, nun läuft sie bis Dezember 2033.

Unter den EU-Staaten gab es zuvor weder eine ausreichende Mehrheit für noch gegen einen weiteren Einsatz des Mittels. Daraufhin konnte die EU-Kommission im Alleingang eine Entscheidung treffen.

Streit gibt es unter anderem darüber, ob Glyphosat krebserregend sein könnte. Zudem stehen Gefahren für die Umwelt im Raum. Eine aufwendige Untersuchung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hatte jüngst keine inakzeptablen Gefahren gesehen, aber auf Datenlücken in mehreren Bereichen hingewiesen.


EU-Corona-Hilfen: Deutschland bekommt wohl bald erste Milliarden

BRÜSSEL: Deutschland kann auf eine baldige Auszahlung der ersten offiziellen Milliardensumme aus den EU-Corona-Hilfen hoffen. Die EU-Kommission billigte am Dienstag Zuschüsse in Höhe von vier Milliarden Euro, wie die Behörde mitteilte. Sobald auch der Wirtschafts- und Finanzausschuss der Kommission grünes Licht gibt, kann das Geld ausgezahlt werden. In dem Gremium sitzen unter anderem Vertreterinnen und Vertreter nationaler Regierungen und der Zentralbanken. Bereits im August 2021 hatte Deutschland eine Vorfinanzierung in Höhe von 2,25 Milliarden erhalten.

Insgesamt könnte Deutschland bis 2026 EU-Corona-Zuschüsse in Höhe von 30 Milliarden Euro bekommen. Dass Deutschland wohl mehrere Milliarden bekommen wird, ist schon seit langem bekannt.

Das Aufbauprogramm «Next Generation EU», soll EU-Staaten helfen, nach der Pandemie wieder auf die Beine zu kommen. Dafür macht die EU-Kommission erstmals im großen Stil Schulden. Es geht bis zum Jahr 2026 um ein Volumen von 750 Milliarden Euro zu Preisen von 2018. Einen Teil des Geldes bekommen die Länder als Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen, den Rest als Darlehen. Ende 2058 sollen die Schulden spätestens beglichen sein. Die größten Summen gehen an besonders hart getroffene Länder wie Italien und Spanien.


Eurokurs gefallen - EZB-Referenzkurs: 1,0949

FRANKFURT/MAIN: Der Euro-Kurs ist am Dienstag gefallen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0949 (Montag: 1,0951) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9133 (0,9131) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86820 (0,86671) britische Pfund, 162,74 (162,86) japanische Yen und 0,9645 (0,9640) Schweizer Franken fest.


Dax kaum bewegt - Anleger warten auf Preisdaten ab Mittwoch

FRANKFURT/MAIN: Der Dax hat sich am Dienstag kaum vom Fleck bewegt. Vor den erwarteten Inflationssignalen aus der Eurozone und den USA herrscht Zurückhaltung. Am Nachmittag sank der deutsche Leitindex um 0,18 Prozent auf 15.937,06 Punkte. Der MDax mittelgroßer Firmen verlor 0,81 Prozent auf 25.903,45 Zähler. Der Euro wurde am Nachmittag mit 1,0960 US-Dollar gehandelt. Die EZB hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,0951 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 2,66 Prozent am Vortag auf 2,56 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,37 Prozent auf 124,35 Punkte. Der Bund-Future sank um 0,03 Prozent auf 131,35 Punkte.


Pfeifer & Langen übernimmt Mehrheit an Rügenwalder Mühle

BAD ZWISCHENAHN/KÖLN: Der Wursthersteller Rügenwalder Mühle bekommt einen neuen Mehrheitseigentümer. Der Lebensmittelkonzern Pfeifer & Langen (Diamant Zucker, funny-frisch) steigt bei dem bisherigen Familienunternehmen ein und will die Mehrheit übernehmen, wie beide Firmen am Dienstag mitteilten. Rügenwalder Mühle bleibe als Marke und Unternehmen erhalten. Das Unternehmen stellt seit Ende 2014 neben klassischer Wurst auch vegetarische und vegane Produkte her.


London: Atlantik-Flug mit nachhaltigem Treibstoff hebt ab

LONDON: Erstmals fliegt nach Angaben der britischen Regierung eine vollständig mit SAF (Sustainable Aviation Fuel, Deutsch: Nachhaltiger Luftfahrttreibstoff) angetriebene Passagiermaschine über den Atlantik. «Die Zukunft des Fliegens beginnt», teilte das Verkehrsministerium in London am Dienstag mit. Die Boeing 787 Dreamliner der Fluglinie Virgin Atlantic hob am Dienstagmittag vom Londoner Flughafen Heathrow nach New York ab.


Konsumstimmung hellt sich pünktlich zum Weihnachtsgeschäft etwas auf

NÜRNBERG: Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft hat sich die Konsumstimmung in Deutschland verbessert. Das teilten das Nürnberger Konsumforschungsunternehmen GfK und das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) am Dienstag mit. Nach drei Rückgängen in Folge stabilisiere sich das Konsumklima, sagte NIM-Experte Rolf Bürkl. Das Niveau bleibe im Langfristvergleich aber sehr niedrig.


Michelin baut über 1500 Stellen ab und schließt Standorte

FRANKFURT/MAIN: Der französische Reifenhersteller Michelin reagiert mit Stellenabbau auf steigende Produktionskosten und Konkurrenz aus Niedriglohnländern. Die Produktion in Karlsruhe und Trier sowie die Lkw-Neureifen- und Halbfabrikatfertigung im saarländischen Homburg werde bis Ende 2025 eingestellt, teilte Michelin am Dienstag mit. Davon seien 1410 Beschäftigte in Deutschland betroffen. Zudem verlagere Michelin sein Kundenzentrum von Karlsruhe nach Polen. Das treffe weitere 122 Mitarbeiter.


Aussichten am Arbeitsmarkt verschlechtern sich

NÜRNBERG/MÜNCHEN: Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen in Deutschland hat weiter abgenommen. Das Beschäftigungsbarometer des Ifo-Instituts und das Arbeitsmarktbarometer des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sanken im November. «Die Arbeitsagenturen erwarten zwar keinen Einbruch bei der Beschäftigung, aber der steigende Trend bei der Zahl der Arbeitslosen hat sich erst einmal festgesetzt» sagte IAB-Bereichsleiter Enzo Weber am Dienstag.


Spielzeugbranche erwartet Umsatzrückgänge

NÜRNBERG: Auch die Spielwarenbranche bekommt die wirtschaftlichen Unsicherheiten zu spüren, hofft aber auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. «Wir gehen ... optimistisch in die heiße Phase», sagte der Geschäftsführer des Handelsverbandes Spielwaren, Steffen Kahnt, am Dienstag in Nürnberg. Die Menschen sparten zwar in der Krise, aber dabei zuletzt an den Kindern. Für das Gesamtjahr erwartet der Verband einen Umsatzrückgang von etwa 4 Prozent zum Vorjahr.


Energiepreisbremsen sollen zum Jahreswechsel enden

BERLIN: Nach dem Karlsruher Urteil zur Schuldenbremse will die Bundesregierung die Strom- und Gaspreisbremsen zum Jahreswechsel beenden. Kanzler Olaf Scholz (SPD) sagte am Dienstag, es seien wieder Strom- und Gastarife verfügbar, die meist unterhalb der Obergrenzen der Preisbremsen und spürbar unter den Preisen im vergangenen Herbst und Winter lägen. Auch seien die Gasspeicher gut gefüllt, so dass nicht mit plötzlichen Preissprüngen gerechnet werden müsse.


Dobrindt verlangt von Ampel-Koalition Haushaltsdisziplin

BERLIN: CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat die Ampel-Koalition nach dem Karlsruher Haushaltsurteil davor gewarnt, Schuldenregeln weiter infrage zu stellen. Er hätte erwartet, dass Kanzler Olaf Scholz (SPD) in seiner Regierungserklärung ein klares Bekenntnis abgebe, die Schuldenbremse 2024 einhalten zu wollen, sagte Dobrindt am Dienstag im Bundestag. Er kritisierte, dass es aus der Koalition aber «verstörende Aussagen» zu «unnormalen Zeiten» gebe, und betonte: «Wir werden auf absehbare Zeit keine normalen Zeiten mehr erleben.» Wer das als Ausrede nehme, werde nie wieder zu soliden Haushalten zurückführen.

Dobrindt mahnte auch mit Blick auf die Euro-Stabilität: «Wenn die Haushaltsregeln in Deutschland nicht mehr eingehalten werden, dann wird es schwer in Europa, unsere Partner zur Haushaltsdisziplin zu bewegen.» Der CSU-Politiker wies darauf hin, dass mit Einhalten der Schuldenbremse 2024 legal mehr als 20 Milliarden Euro neue Schulden möglich seien und kritisierte: «Die Ampel ist ein Schuldensüchtiger, den man bei der Beschaffungskriminalität entdeckt und erwischt hat.»


Russland will nach Rekordernte Millionen Tonnen Getreide exportieren

MOSKAU: Nach einer Rekordernte will Russland Regierungsangaben zufolge mehr als 65 Millionen Tonnen Getreide exportieren. Russland könne bei einer Erntemenge von über 151 Millionen Tonnen Getreide und Hülsenfrüchten - darunter fast 99 Millionen Tonnen Weizen - den eigenen Bedarf decken und Rekordmengen an «ausländische Partner» verschiffen, sagte Agrarminister Dmitri Patruschew am Dienstag staatlichen Medien zufolge. Die vorherige Saison schloss Russland mit einem Exportrekord von 60 Millionen Tonnen ab.

Nach Patruschews Angaben hat Russland in der zwischen Sommer 2023 und dem Sommer 2024 laufenden Saison bereits jetzt den zweitgrößten Getreideertrag in der Geschichte des Landes erwirtschaftet. Dabei sei zudem im Jahr 2023 auch die Produktion diverser anderer Agrarprodukte wie Reis und Kartoffeln angestiegen, sagte er.

Die Agrarwirtschaft ist seit dem Beginn von Moskaus Angriffskrieg gegen die benachbarte Ukraine mit einer Reihe Sanktionen belegt worden. Die Regierung in Kiew wirft Moskau vor, seit der Invasion ukrainisches Getreide im Wert von einer Milliarde US-Dollar gestohlen zu haben. «Die Ausplünderung der Ukraine durch Russland geht auch jetzt noch weiter», sagte der ukrainische Premierminister Denys Schmyhal dazu am vergangenen Wochenende.

Kremlchef Wladimir Putin hat mehrfach über die Sanktionen geklagt, die seinen Worten nach den Export von russischem Getreide behindern. Im Juli versprach Putin einigen afrikanischen Ländern in den nächsten Monaten 25.000 bis 50.000 Tonnen Getreide gratis zu liefern.


EU-Kommission will mehr Maßnahmen gegen veraltete Energienetze

BRÜSSEL: Das europäische Stromnetz muss nach Ansicht der EU-Kommission mit Milliardeninvestitionen und weitreichenden Maßnahmen deutlich ausgebaut werden. Europa werde seine Energiesicherheit nur dann gewährleisten und seine Klimaziele erreichen können, wenn Strominfrastruktur ausgebaut und weiterentwickelt werde, sagte EU-Energiekommissarin Kadri Simson am Dienstag. Sie stellte einen Aktionsplan vor, wonach transnationale Projekte, die etwa durch lockere Beihilferegeln und schnellere Genehmigungsverfahren profitieren sollen, schneller vorangetrieben werden sollen.

Die EU-Kommission hat im vergangenen Jahr mehrfach betont, dass ihren Schätzungen zufolge in das Stromnetz 584 Milliarden Euro bis 2030 investiert werden müssten. Der Stromverbrauch in der EU werde bis dahin voraussichtlich um rund 60 Prozent steigen. Künftig gebe es Millionen von Solarzellen auf Dächern, Wärmepumpen und lokale Energiegemeinschaften, die ihre Ressourcen gemeinsam nutzten, so die Behörde.

Das heutige Netz sei nicht in der Lage, die prognostizierte Nachfrage zu decken. Verteilernetze in der EU seien zu großen Teilen älter als 40 Jahre, so die Kommission. Die Behörde stellte auch eine Liste von mehr als 150 grenzüberschreitenden Energieprojekten vor, mit denen nicht nur das Stromnetz verbessert, sondern etwa auch Speicherkapazitäten und Transportinfrastruktur für Wasserstoff ausgebaut werden sollen.


AfD-Chefin fordert Scholz zum Rücktritt auf

BERLIN: Die deutsche AfD-Chefin Alice Weidel hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nach dessen Regierungserklärung zur Haushaltskrise zum Rücktritt aufgefordert.

«Die Bürger haben in dieser Lage nicht auf Ihre Regierungserklärung gewartet, Herr Scholz, sondern auf Ihre Rücktrittserklärung», sagte die Partei- und Fraktionschefin der Rechtspopulisten am Dienstag im Bundestag. Die «Ampel»-Koalition regiere gegen die Vernunft, die Wirklichkeit und gegen die Verfassung. «Darum brauchen wir eine neue Regierung, um aus diesem Krisensumpf herauszukommen. Darum öffnen Sie den Weg für Neuwahlen und erlösen Sie dieses Land von der «Ampel»-Regierung.»

Weidel kritisierte die Migrations-, Klima-, Energie- und Sozialpolitik der Regierung und die Ausgaben für diese Bereiche. Das Bürgergeld für Langzeitarbeitslose nannte sie Migrantengeld und einen Einwanderungsmagneten. Mit Blick auf die Haushaltskrise sagte Weidel Richtung Regierungsbank: «Sie haben gar kein Milliarden-Loch (...) Sie haben nicht zu wenig, Sie haben Rekordgesamtsteuereinahmen, mit denen Sie gar nicht umgehen können, wie alle Sozialisten.»


Bundesbankchef Nagel gegen verfrühte Zinssenkung

NIKOSIA/FRANKFURT: Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat sich trotz des jüngsten Rückgangs der Inflation gegen eine Diskussion über mögliche Zinssenkungen in der Eurozone ausgesprochen. «Es wäre verfrüht, die Leitzinsen bald zu senken oder über solche Schritte zu spekulieren», sagte Nagel am Dienstag laut Redemanuskript auf einer Veranstaltung der Notenbank von Zypern in Nikosia. Die wesentlichen Auswirkungen der jüngsten geldpolitischen Straffung auf die Inflation müssen sich nach Einschätzung des Ratsmitglieds der Europäischen Zentralbank (EZB) erst noch zeigen.

Die EZB hatte den Leitzins im Oktober zwar nicht weiter angehoben, zuvor aber zehn Zinserhöhungen in Folge vorgenommen, um die hohe Inflation im Währungsraum in den Griff zu bekommen. Bundesbankchef Nagel hatte in den vergangenen Monaten mehrfach auf die Risiken einer weiter hartnäckig hohen Inflation hingewiesen und in diesem Zusammenhang von einem «gierigen Biest» gesprochen, das noch nicht besiegt sei.


Scholz stimmt Deutsche auf Austerität ein

BERLIN: Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz hat angesichts des Haushaltsurteils des deutschen Verfassungsgerichtes Bürger und Unternehmen auf Sparbeschlüsse im Etat des kommenden Jahres eingestimmt.

Der Bundestag habe den Abschluss der Haushaltsberatungen verschoben. «Das gibt uns Zeit, vorhandene Spielräume im Haushalt auszuloten, Schwerpunkte zu setzen und natürlich auch Ausgaben zu beschränken», sagte der SPD-Politiker am Dienstag in einer Regierungserklärung im Bundestag. Nähere Angaben machte er dazu nicht.

Bundesregierung und Bundestag arbeiteten nun intensiv daran, alle Beschlüsse für den Haushalt 2024 so schnell wie möglich zu treffen. «Denn die Bürgerinnen und Bürger und unsere Unternehmen brauchen in unruhigen Zeiten Klarheit.» Wann der Etat für das kommende Jahr beschlossen werden soll, ist weiterhin offen.

Das Bundesverfassungsgericht hatte die Umwidmung von 60 Milliarden Euro im Haushalt 2021 für nichtig erklärt. Das Geld war als Corona-Kredit bewilligt worden, sollte aber nachträglich für den Klimaschutz und die Modernisierung der Wirtschaft eingesetzt werden.


Ölpreise stabilisieren sich nach jüngsten Kursverlusten

SINGAPUR: Die Ölpreise sind am Dienstag leicht gestiegen. Die Kursverluste der vergangenen Handelstage setzten sich damit nicht fort. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar kostete am Morgen 80,13 US-Dollar. Das waren 15 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 18 Cent auf 75,03 Dollar.

Seit Beginn des Monats hat sich Rohöl auf dem Weltmarkt deutlich verbilligt. In dieser Zeit ist der Preis für Rohöl aus der Nordsee um mehr als vier Dollar je Barrel gefallen. Hintergrund ist die Sorge über ein Abflauen der Weltwirtschaft und eine Unsicherheit über die weitere Förderpolitik wichtiger Ölstaaten, die im Verbund Opec+ zusammengeschlossen sind. Zuletzt wurde ein Treffen der Opec+ auf diesen Donnerstag verschoben.

In Medienberichten ist von Unstimmigkeiten in der Opec+ die Rede. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte mit Bezug auf informierte Personen berichtet, dass Saudi-Arabien andere Opec-Staaten zu Produktionskürzungen dränge.


Eurokurs wenig verändert

FRANKFURT/MAIN: Der Kurs des Euro hat sich am Dienstag wenig bewegt. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0952 US-Dollar gehandelt und damit etwa auf dem gleichen Niveau wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,0951 Dollar festgesetzt.

Seit Beginn der Woche konnte sich der Euro über 1,09 Dollar halten und damit in der Nähe des höchsten Stands seit August, der in der vergangenen Woche bei 1,0965 Dollar erreicht worden war. Hintergrund ist eine Dollar-Schwäche, die den Kurs des Euro stützte.

Am Markt wird darauf spekuliert, dass die US-Notenbank den Leitzins nicht weiter erhöht und im kommenden Jahr wieder senken könnte. Dies hat die Renditen für US-Staatsanleihen in den vergangenen Handelstagen nach unten gedrückt und auch den Kurs des Dollar belastet.

Im weiteren Verlauf stehen nur wenige wichtige Konjunkturdaten auf dem Programm. Erst am Nachmittag könnten Daten vom US-Immobilienmarkt und zur Konsumlaune in den USA für neue Impulse sorgen. Zudem werden Reden von Notenbankern der Eurozone erwartet, die das Interesse der Anleger auf sich ziehen dürften.

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