Nachrichten aus der Wirtschaft am Dienstag

Collage: DER FARANG
Collage: DER FARANG

EU-Kommission gibt Empfehlung zu Milliardenzahlungen an Ungarn ab

BRÜSSEL: Die EU-Kommission will an diesem Mittwoch eine Empfehlung zum möglichen Einfrieren von Milliardenzahlungen an Ungarn abgeben. Es geht dabei um rund 7,5 Milliarden Euro aus dem Gemeinschaftshaushalt und 5,8 Milliarden Euro an Corona-Hilfen, die wegen unzureichender Vorkehrungen gegen Korruption und anderen Mängeln im Bereich der Rechtsstaatlichkeit blockiert werden könnten.

Grundlage der geplanten Empfehlung ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur eine Prüfung von Maßnahmen, die die ungarische Regierung gegen den möglichen Missbrauch von EU-Mitteln ergriffen hat. Diese Maßnahmen sind demnach unzureichend und entsprechen nicht vorherigen Ankündigungen.

Es soll deswegen den anderen Mitgliedstaaten vorgeschlagen werden, rund 7,5 Milliarden Euro aus dem Gemeinschaftshaushalt zurückzuhalten. Auszahlungen der milliardenschweren Corona-Hilfen soll es nur dann geben können, wenn das Land bestimmte Voraussetzungen erfüllt.

Mit Spannung werden die weiteren Entwicklungen vor allem deswegen erwartet, weil Ungarn erhebliche Mittel in der Hand hält, um Druck auf die EU auszuüben. So könnte die Regierung in Budapest beispielsweise alle Entscheidungen blockieren, für die in der EU Einstimmigkeit erforderlich ist. Das gilt zum Beispiel für Sanktionen gegen Russland oder Beschlüsse zur Unterstützung der Ukraine.


Scholz nennt Katar-Gas «Baustein» in Energieversorgung

BERLIN: Bundeskanzler Olaf Scholz hat die angekündigten Gaslieferungen aus Katar als einen «Baustein» für die künftige Energieversorgung Deutschlands bezeichnet. «Wir werden insgesamt dafür sorgen, dass wir sehr viele unterschiedliche Länder haben, die unsere Energieversorgung gewährleisten», sagte er am Dienstagabend nach Gesprächen mit den Vorsitzenden der großen internationalen Wirtschafts- und Finanzorganisationen im Kanzleramt.

Neben Lieferungen aus Westeuropa und über neue Importinfrastruktur an der Nord- und Ostseeküste zählte Scholz auch Lieferverträge mit «neuen Partnern» dazu. Er zeigte sich nach eigenen Worten «sehr froh» über die Vereinbarung mit Katar. «Insofern bin ich sehr zuversichtlich, dass das ein weiterer wichtiger Baustein ist an einem Haus, das wir ziemlich weitgehend schon errichtet haben.»

Katar will von 2026 an in größerem Umfang Flüssigerdgas nach Deutschland liefern. Die geplante Menge könnte etwa drei Prozent des Jahresbedarfs decken. Der Energieriese Qatar Energy unterzeichnete dazu Abkommen mit dem US-Unternehmen Conoco Phillips, das das Gas nach Brunsbüttel liefern soll.


Scholz betont internationale Zusammenarbeit in Krisenzeiten

BERLIN: Bundeskanzler Olaf Scholz hat angesichts der Krisen in der Welt die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit betont. «Wir können den großen Herausforderungen nur gemeinsam begegnen», sagte der SPD-Politiker am Dienstag nach einem Treffen mit den Vorsitzenden der großen internationalen Wirtschafts- und Finanzorganisationen im Kanzleramt. Deglobalisierung, Entkopplung und Protektionismus seien keine Lösung. Darüber sei man sich einig. Man brauche eine «smarte Globalisierung», in der Widerstandsfähigkeit gestärkt und Abhängigkeiten verringert würden.

Scholz verwies auf Auswirkungen der Pandemie und Probleme mit Lieferketten. Der russische Angriffskrieg habe zudem Konsequenzen für die ganze Welt, sagte er mit Blick auf Wirtschaft, steigende Preise sowie Ernährungs- und Energiesicherheit. Er sicherte den Vertretern von Internationalem Währungsfonds, Weltbank, der Welthandelsorganisation, der Industrieländer-Organisation OECD und der Internationalen Arbeitsorganisation eine weiter gute Zusammenarbeit mit Deutschland zu. Bei dem jährlich stattfindenden Treffen ging es nach Angaben des Kanzleramts um einen Austausch zur internationalen Wirtschaftspolitik.


Indische Zentralbank startet Pilotprojekt mit digitaler Währung

NEU DELHI: Indien will eine eigene digitale Währung in einem Pilotprojekt testen. Das Vorhaben soll ab Donnerstag zunächst in vier Städten, darunter die Hauptstadt Neu Delhi und die Finanzmetropole Mumbai mit vier einheimischen Banken starten, teilte die indische Zentralbank am Dienstag mit. Später sollen mehr Banken und Städte hinzukommen. Bei dem Versuch sollen die Robustheit des Prozesses der Erschaffung und Distribution der «digitalen Rupie» (e?-R) sowie ihr Einsatz im Einzelhandel in Echtzeit getestet werden, hieß es.

Die «digitale Rupie» sei in der gleichen Wertgröße wie einzelne Banknoten und Münzen und würde von Banken verteilt, hieß es. Nutzer könnten Transaktionen mit einer auf dem Handy oder einem anderen Gerät gespeicherten digitalen Geldbörse der teilnehmenden Banken durchführen. Bezahlungen an Händler könnten demnach mit der Nutzung eines QR-Codes des Händlers durchgeführt werden. «Der e?-R bietet Merkmale von physischem Geld wie Vertrauen, Sicherheit und eine Endgültigkeit bei der Einigung. Wie im Falle von Bargeld wird er keine Zinsen verdienen und kann in andere Geldformen wie Bankeinlagen umgewandelt werden.»

Mehrere Notenbanken weltweit erwägen, eine digitale Version ihrer Währung auszugeben. Auch die Europäische Zentralbank prüft seit einer Weile die Einführung einer digitalen Variante des Euros. Die Arbeiten sind eine Antwort auf den steilen Aufstieg von Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether.


Estland bringt Euro-Sondermünze für Ukraine in Umlauf

TALLINN: Estland hat am Dienstag eine Zwei-Euro-Sondermünze für die Ukraine in Umlauf gebracht. Das Geldstück in einer Auflage von zwei Millionen Exemplaren trägt den Schriftzug «Slava Ukraini» («Ruhm der Ukraine») und zeigt ein Mädchen, das beschützend einen Vogel in der Hand hält. Gestaltet wurde die Münze von einer ukrainischen Künstlerin, die vor Russlands Krieg gegen ihr Heimatland nach Estland geflüchtet ist.

«Diese Münze erinnert die Menschen daran, dass Freiheit der höchste Wert ist und einen sehr hohen Preis hat», wurde der Präsident der estnischen Zentralbank, Madis Müller, in einer Mitteilung zitiert. Bereits im Sommer hatte Estland 40.000 Münzkarten der Zwei-Euro-Sonderprägung herausgegeben. Die Einnahmen an die ukrainische Zentralbank gehen.


Pakistanische Staatsministerin trifft sich mit afghanischen Taliban

ISLAMABAD/KABUL: Inmitten äußert angespannter Beziehungen zwischen Afghanistan und Pakistan hat Pakistans Staatsministerin für Auswärtiges, Hina Rabbani Khar, die afghanische Hauptstadt Kabul besucht. Bei einem Treffen zwischen Rabbani und dem Außenminister der in Afghanistan herrschenden islamistischen Taliban, Amir Khan Muttaki, sei die Freilassung von Afghanen in Pakistan, der Gütertransport und der Personenverkehr zwischen den beiden Ländern besprochen worden, hieß es in einer Mitteilung des Kabuler Außenministeriums am Dienstag.

Kabul habe gleichzeitig seine Bereitschaft zur Wiederaufnahme großer, länderübergreifender Infrastrukturprojekte wie etwa der Gasfernleitung Tapi (Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Indien) ausgedrückt.

Rabbani besuchte auch die Frauenhandelskammer in Kabul. Dabei hat die Staatsministerin nach Angaben einer Sprecherin die Wichtigkeit der Rolle von Frauen in der Gesellschaft betont und ein besonderes Interesse an einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Unternehmerinnen beider Länder bekundet. Die Frauenhandelskammer in Kabul hat als eine der wenigen frauenbezogenen Institutionen die restriktive Frauenpolitik der Islamisten seit ihrer Machtübernahme im Vorjahr überdauert.

Die Beziehungen zwischen Pakistan und Afghanistan sind nach mehreren, meist tödlichen Zusammenstößen an der Grenze höchst angespannt. Islamabad beschuldigt zudem Kabul einer mangelnden Bereitschaft oder Unfähigkeit, pakistanische Taliban, die sich in Afghanistan verstecken sollen, zu kontrollieren. Diese ähneln ideologisch den afghanischen Taliban, sind aber eigenständig organisiert und haben eigene Ziele. Erst am Montag haben die pakistanischen Taliban eine Waffenruhe mit der Regierung in Islamabad aufgekündigt und zu Anschlägen im ganzen Land aufgerufen.


Dax wenig verändert - Kaum Impulse durch Inflationsdaten

FRANKFURT/MAIN: Inflationsdaten aus Deutschland haben dem Dax keine frischen Impulse geliefert. Der Leitindex hielt sich am Nachmittag mit plus 0,04 Prozent auf 14.389,05 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Werte gab um 0,76 Prozent auf 25.398,24 Zähler nach.


Millionenklage des Schlecker-Insolvenzverwalters wird neu geprüft

KARLSRUHE: Knapp elf Jahre nach der Pleite der Drogeriekette Schlecker könnte eine große Schadenersatz-Klage des Insolvenzverwalters doch noch zum Erfolg führen. Der Bundesgerichtshof entschied, dass das Frankfurter Oberlandesgericht dessen Forderungen vorschnell abwies. Nun muss dort alles neu geprüft werden.


Umfrage: Bekleidung muss passen und preiswert sein

KÖLN: Beim Kauf von Bekleidung sind für die große Mehrheit der Menschen vor allem eine gute Passform, ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis und der Tragekomfort wichtig. Modetrends und Exklusivität spielen dagegen eine untergeordnete Rolle, wie aus einer Umfrage des Modeverbandes Deutschland German Fashion hervorgeht.


Verkehrsbranche: Finanzierung des 49-Euro-Tickets nicht geklärt

BERLIN: Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen sieht die Finanzierung des geplanten 49-Euro-Tickets im Nah- und Regionalverkehr als nicht vollständig geklärt an. Eine Einführung zum 1. Mai sei deswegen realistisch.


Wettbewerbszentrale kritisiert Tricks auf Vergleichsportalen

BAD HOMBURG: Viele Verbraucher verlassen sich auf sie, aber Vergleichsportale arbeiten nach Einschätzung von Wettbewerbshütern nicht immer sauber. Die Wettbewerbszentrale berichtete, dass sie seit dem Frühjahr bei 64 beobachteten Portalen insgesamt 122 Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht feststellte.


Inflation verliert im November etwas an Tempo

WIESBADEN: Die Inflation in Deutschland hat sich erstmals seit Juli wieder leicht abgeschwächt. Die Verbraucherpreise stiegen im November gegenüber dem Vorjahresmonat um 10 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Oktober waren 10,4 Prozent erreicht worden.


Flüssiggas aus Katar soll ab 2026 Deutschland helfen

DOHA: Katar will von 2026 an in größerem Umfang Flüssigerdgas nach Deutschland liefern. Die geplante Menge könnte etwa drei Prozent des deutschen Jahresbedarfs decken. Der Energieriese Qatar Energy unterzeichnete dazu Abkommen mit dem US-Unternehmen Conoco Phillips, das das Gas nach Brunsbüttel liefern soll.


Polen verlängert Aussetzung der Mehrwertsteuer für Lebensmittel

WARSCHAU: Angesichts der gestiegenen Inflation hat die polnische Regierung beschlossen, Lebensmittel weiter von der Mehrwertsteuer zu befreien. Die seit 1. Februar geltende Regelung werde mindestens für die erste Hälfte des kommenden Jahres beibehalten, sagte Regierungschef Mateusz Morawiecki am Dienstag. Von der Mehrwertsteuer befreit sind Grundnahrungsmittel wie Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Obst und Gemüse.

Der Statistikbehörde zufolge betrug die Teuerungsrate im Oktober 17,9 im Vergleich zum Vorjahresmonat. Lebensmittel und nicht-alkoholische Getränke verteuerten sich im selben Zeitraum um 20 Prozent.


Frankreich bereitet sich auf Engpässe bei Stromversorgung vor

PARIS: Frankreichs Regierung rüstet sich auf mögliche Engpässe bei der Stromversorgung für den Fall eines harten Winters. «Es könnte sein, dass Stromerzeugung und -nachfrage an einigen sehr kalten Tagen nicht vollständig aufeinander abgestimmt sind», sagte Regierungssprecher Olivier Véran am Dienstag in Paris. Ein Krisenstab habe nun ein mehrstufiges Szenario für Einschränkungen bei Versorgungsengpässen mit den Regionen abgestimmt. Die sensible Infrastruktur wie Kliniken oder das telefonische Notrufsystem würden auf jeden Fall versorgt. Paris werde als Hauptstadt mit vielen wichtigen Einrichtungen von möglichen Einschränkungen nicht ausgenommen.

Die Regierung appellierte an die Mithilfe der Bevölkerung, um Engpässe zu Momenten mit erhöhtem Stromverbrauch zu vermeiden. Über eine zentrale App namens «ÉcoWatt» können die Menschen sich über die Belastung des Stromnetzes in den nächsten Tagen informieren und Warnhinweise aufs Handy schicken lassen. Wie der Regierungssprecher erklärte, gehe es bei drohenden Engpässen um einfache Gesten wie ein späteres Einschalten der Waschmaschine oder des Backofens. Schon jetzt habe die Bevölkerung ihren Stromverbrauch um rund fünf Prozent gesenkt, wobei der Effekt des derzeit milden Wetters herausgerechnet wurde. Einige Versorger belohnen ihre Kunden auch finanziell, wenn sie ihren Verbrauch reduzieren.

Grund für die Gefahr von Versorgungsengpässen, die Frankreichs Stromnetzbetreiber RTE ab Januar für möglich hält, ist die verzögerte Wartung etlicher Atomkraftwerke. Noch immer sind knapp die Hälfte der Meiler vom Netz. Die Regierung schaue darauf, dass der Energiekonzern EDF die Kraftwerke so schnell wie möglich wieder hochfährt, ohne dass die Sicherheit in Gefahr gerate, sagte Véran.


London verdrängt chinesische Staatsfirma bei Bau von Atomkraftwerk

LONDON: Großbritannien drängt ein chinesisches Staatsunternehmen gegen eine Millionenzahlung aus dem Bau eines neuen Atomkraftwerks heraus. Die Regierung in London kündigte am Dienstag an, rund 700 Millionen Pfund (811 Millionen Euro) in das Projekt Sizewell C in der ostenglischen Grafschaft Suffolk zu investieren. Wie viel davon als Abschlagszahlung an den chinesischen Konzern CGN fließt, wurde nicht mitgeteilt. Die Zahlung decke den Wert der 20-prozentigen Beteiligung, den Beitrag zur Projektentwicklung und eine kommerzielle Rendite ab, hieß es. Zuvor hatte der neue Premierminister Rishi Sunak die «goldene Ära» der britisch-chinesischen Beziehungen für beendet erklärt.

Die Staatshilfe sei ein Beitrag zur Energiesicherheit, teilte die Regierung weiter mit. Damit sollten 10.000 hoch qualifizierte Jobs geschaffen werden sowie über mehr als 50 Jahre «zuverlässige kohlenstoffarme Energie» für sechs Millionen Haushalte, hieß es.

Sizewell C wird vom französischen Energieriesen EDF geplant und soll neben dem seit 1995 betriebenen Atomkraftwerk Sizewell B entstehen. Wie die Regierung weiter ankündigte, soll eine neue, unabhängige Einrichtung - Great British Nuclear - zudem weitere Atomprojekte ausarbeiten. London setzt verstärkt auf den Bau von Atomwerken.


Gasbranche: LNG-Abkommen mit Katar «positives Signal für Terminals»

BERLIN: Die Gaswirtschaft sieht in dem Dienstag geschlossenen Abkommen über die Lieferung von Flüssigerdgas aus Katar nach Deutschland ein «positives Signal für die landbasierten LNG-Terminals». Mit den langfristigen Lieferungen über 15 Jahre ab 2026 werde eine gute Perspektive für diese Terminals eröffnet, sagte der Vorstand des Branchenverbands Zukunft Gas, Timm Kehler, laut einer Mitteilung. «Wir fordern schon lange, nicht nur auf die kurzfristige Versorgung über die schwimmenden Terminals zu blicken.» Insbesondere für einen späteren Umstieg auf grüne Gase seien die landbasierten Terminals von elementarer Bedeutung.

Der katarische Staatskonzern Qatar Energy hat am Dienstag laut Katars Energieminister Saad Scharida al-Kaabi Abkommen über Flüssiggaslieferungen nach Deutschland geschlossen. Das Gas solle an das US-Unternehmen Conoco Phillips verkauft werden, das es weiter nach Brunsbüttel liefere, sagte der Minister am Dienstag bei der Vertragsunterzeichnung in der katarischen Hauptstadt Doha. Die Lieferung soll 2026 beginnen und mindestens 15 Jahre laufen. Jährlich sollen bis zu 2 Millionen Tonnen geliefert werden.

Laut Zukunft Gas entspricht die zwischen Katar und Conoco Phillips vereinbarte Menge rund 30 Terawattstunden und damit etwa drei Prozent des deutschen Jahresbedarfs. «Wir müssen aber knapp 500 Terawattstunden ersetzen, die bislang über russische Gaslieferungen gedeckt wurden», sagte Kehler. «Das bedeutet, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, um die Versorgung langfristig zu sichern.»


Wirtschaftsstimmung in Eurozone hellt sich überraschend deutlich auf

BRÜSSEL: Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone hat sich im November überraschend deutlich aufgehellt. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) stieg im Vergleich zum Vormonat um 1,0 Punkte auf 93,7 Punkte, wie die Europäische Kommission am Dienstag in Brüssel mitteilte. Analysten hatten im Schnitt lediglich einen Anstieg auf 93,2 Punkte erwartet. Der Indikator liegt aber immer noch deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt. Zuvor war der Indikator achtmal in Folge gesunken.

Verbessert hat sich die Stimmung im Dienstleistungssektor und bei den Verbrauchern. In der Industrie und in der Bauwirtschaft trübte sie sich hingegen ein. Im Einzelhandel blieb der entsprechende Indikator stabil.

Die Wirtschaft in der Eurozone wird weiterhin durch hohe Energiepreise und anhaltende Lieferkettenprobleme belastet, die durch den Krieg in der Ukraine und die strenge Corona-Politik in China ausgelöst wurden. Die hohe Inflation drückt auf die Wirtschaftsstimmung. Zuletzt haben jedoch einige Frühindikatoren positiv überrascht. Ob es sich um eine Trendwende handelt, bleibt abzuwarten.


Habeck zu Katar-Abkommen für Flüssigerdgas: 15 Jahre ist super

BERLIN: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat zu einem Abkommen Katars über Lieferungen von Flüssigerdgas nach Deutschland die Laufzeit begrüßt. «15 Jahre ist super», sagte Habeck am Dienstag auf einer Industriekonferenz in Berlin. Es hätte auch längere Verträge geben können, machte er deutlich. Zu konkreten Details des Geschäfts wollte sich Habeck nicht äußern, dies sei Sache der Unternehmen.

Mit Blick auf die Laufzeit verwies Habeck darauf, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral werden will. Der Gasverbrauch müsse schrittweise verringert werden, sagte er. Habeck war im März in Katar, er war begleitet worden von einer Wirtschaftsdelegation.

Der Energieriese Qatar Energy hat laut Katars Energieminister Saad Scharida al-Kaabi Abkommen über Flüssiggaslieferungen nach Deutschland geschlossen. Das Gas solle an das US-Unternehmen Conoco Phillips verkauft werden, das es weiter nach Brunsbüttel liefere, sagte der Minister in der katarischen Hauptstadt Doha. Die Lieferung soll 2026 beginnen und mindestens 15 Jahre laufen. Jährlich sollen bis zu 2 Millionen Tonnen geliefert werden.

Im August hatte das Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt, die Belieferung der schwimmenden Flüssiggas-Terminals in Brunsbüttel und Wilhelmshaven ab dem Jahreswechsel sei gesichert. Dazu sei eine Absichtserklärung mit Unternehmen unterzeichnet worden. Diese biete die Sicherheit, dass die schwimmenden Terminals für die nächsten beiden Winter voll ausgelastet würden.


Weniger Böller und Raketen importiert

WIESBADEN: Auch wenn es zu Silvester voraussichtlich kein Verkaufsverbot für Böller und Raketen geben dürfte, liegen die Importe von Feuerwerkskörpern derzeit deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau. Von Januar bis September 2022 wurden rund 5700 Tonnen Feuerwerkskörper nach Deutschland importiert, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte. Das waren 81 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vor-Corona-Jahres 2019, damals waren es 29.800 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Import von Feuerwerk aber wieder um 2300 Tonnen. In den Jahren zuvor war das dritte Quartal das jeweils importstärkste. Fast alle Raketen und Böller stammten aus China.

Im Gegensatz zu den Importen nahmen die Exporte von Böllern und Raketen aus Deutschland von Januar bis September gegenüber dem Vorjahreszeitraum und dem Vor-Corona-Jahr 2019 deutlich zu. Insgesamt 2700 Tonnen Feuerwerkskörper wurden ins Ausland exportiert. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 1.100 Tonnen, von Januar bis September 2019 rund 2000 Tonnen. Wichtigste Abnehmer von Feuerwerkskörpern aus Deutschland waren in den ersten drei Quartalen des Jahres 2022 die Niederlande (49 Prozent), Italien (23 Prozent) und Belgien (18 Prozent).


Inflation in Spanien auf niedrigstem Stand seit Kriegsbeginn

MADRID: Die Inflation in Spanien hat sich im November weiter verlangsamt und mit 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat den niedrigsten Stand seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine erreicht.

Die positive Entwicklung in der viertgrößten Volkswirtschaft der EU sei vor allem auf fallende Preise für Strom und Treibstoffe zurückzuführen, teilte das Nationale Statistikamt INE am Dienstag mit. Im November sei sehr viel Strom aus billiger Windenergie erzeugt worden und auch die Weltmarktpreise für Rohöl hätten geholfen, den Preisauftrieb abzubremsen. Im Januar kurz vor dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine lag die Inflation bei 6,1 Prozent, stieg dann bis Juli auf ihren höchsten Stand von 10,8 Prozent und sinkt seither wieder.


Reallöhne sinken wegen Inflation immer stärker

WIESBADEN: Die Inflation entwertet die Gehälter der Menschen in Deutschland immer stärker. Im dritten Quartal waren die Einkommen zwar 2,3 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum, wurden aber von den Verbraucherpreisen mehr als aufgezehrt. Daraus ergibt sich ein realer Lohnverlust von 5,7 Prozent.


Eurokurs legt zu - Spekulation auf weiter deutlich steigende Zinsen

FRANKFURT/MAIN: Der Kurs des Euro ist am Dienstag gestiegen. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0388 US-Dollar gehandelt und damit etwa einen halben Cent höher als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Montagnachmittag auf 1,0463 Dollar festgesetzt.

Der Euro profitierte von einer Schwäche des US-Dollar. Am Morgen stand der Kurs des Dollar im Handel mit anderen wichtigen Währungen unter Druck, was dem Euro im Gegenzug Auftrieb verlieh und die deutlichen Kursverluste vom Montagnachmittag stoppte.

Marktbeobachter verwiesen zudem auf jüngste Äußerungen aus den Reihen der EZB, die auf weiter deutlich steigende Zinsen hindeuten. So hatte sich der niederländische Notenbankpräsident und EZB-Ratsmitglied Klaas Knot zuletzt besorgt über die weiter hohe Inflation gezeigt. Ganz ähnlich hatte sich zu Beginn der Woche auch die EZB-Präsidentin Christine Lagarde geäußert und damit Spekulationen auf weiter deutlich steigende Zinsen verstärkt, was die Nachfrage nach dem Euro stützte.

Im weiteren Tagesverlauf bleibt die Preisentwicklung ein bestimmendes Thema am Devisenmarkt. Auf dem Programm stehen Daten zur Entwicklung der Verbraucherpreise in Deutschland, die Hinweise auf die weitere Geldpolitik liefern könnten. Es wird erwartet, dass die deutsche Inflationsrate im November weiter über der Marke von zehn Prozent liegen dürfte.

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